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im Elsass"
Brumath (Dep. Bas Rhin /
Alsace / Unterelsass)
Jüdische Geschichte / Synagogue / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Brumath besteht bis zur Gegenwart eine jüdische Gemeinde, deren
Entstehung vermutlich in das 17. Jahrhundert zurückgeht. An die frühere
jüdische Niederlassung erinnert bis heute die "Rue de Juifs"
beziehungsweise die frühere "Judegass".
Im 18. Jahrhundert stieg die Zahl der jüdischen Einwohner auf 51 im Jahr 1784
(in 9 Familien).
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| Die "Rue des
Juifs" ("Judegass") in Brumath (Fotos: Hahn, Aufnahmedatum
16.4.2004) |
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl
der jüdischen Einwohner wie folgt: 1807 122 jüdische Einwohner, 1846 358,
1861 406, 1870 410, 1871 Höchstzahl von 478 jüdische Einwohnern in der Stadt,
1900 362, 1910 306.
Brumath wurde im 19. Jahrhundert Rabbinatssitz. Unter Rabbiner Salomon Levy
erlernte hier auch der spätere Großrabbiner Isaac Weil (geb. 1840 in Brumath)
grundlegende rabbinische Kenntnisse.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Schule, ein rituelles Bad und seit etwa 1880 einen eigenen
jüdischen Friedhof. Zur Besorgung
religiöser Aufgaben der Gemeinde war neben dem Rabbiner ein Lehrer angestellt,
der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. unten die Berichte zu
Lehrer Z. Klein, der nach 44-jähriger Tätigkeit 1905 in den Ruhestand getreten
ist; sein Nachfolger wurde Lehrer Weill).
1936 hatte die Gemeinde noch 185 Mitglieder. 1940 wurden die jüdischen Einwohner der Stadt
unter der deutschen Besatzung mit den anderen
Elsässer Juden nach Südfrankreich deportiert.
Von den in Brumath geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem): Gabrielle Bicard (1902), Marie Bloch (1908),
Blanche Bombet geb. Raphael (1884), Clemence Bombet geb. Raphael (1880), Pierre
Bombet (1910), Flora Creange (1883), Helene Guntzburger geb. Blum (1902),
Georges Heller (1911), Jean Heller (1920), Abraham Hermann (1871), Maurice
Herrmann (1869), Adolphe Kahn (1881), Henriette Kahn (1881), Paul Kling (1888),
Joseph Koch (1872), Lucie Koch (1910), Arthur Krämer (1881), Alice Levy (1915),
Germaine Levy (1891), Lucie Lion geb. Blum (1895 oder 1896), Leon Loeb (1905),
Paul Meyer (1881), Schlomo Roll (), Maximilian Rosenberg (1912), Marguerite Schiff
(1905), Gabrielle Weil geb. Bicard (1902),
Nach 1945 konnte die Gemeinde wieder
begründet werden. In den 1950er-Jahren ist die Synagoge restauriert und
1957 wieder eingeweiht worden. 1965 gehörten ihr 70 Personen an.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der
Geschichte des Rabbinates
Zum Tod von Rabbiner Salomon Levy 1885 (1852-1885 Rabbiner in Brumath)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Januar 1885: "Aus dem Unter-Elsass.
‚Sie haben einen guten Mann begraben, und uns war er mehr!’ Mit dem
Dichter rufen wir, hier in dem Reichslande und viele, welche weit hinaus
über dessen Grenzen wohnen, dem am 15. dieses Monats zur ewigen Ruhe
gebetteten Rabbiner Salomon Levy zu Brumath nach. – Dem Zuge hatten sich
der Bürgermeister und Gemeinderat, die Geistlichkeit der übrigen
Konfessionen und das Lehrerpersonal von Brumath, der Direktor der Anstalt
von Stefansfeld mit allen seinen Beamten und eine Menge von Fremden aus
nah und fern herbeigeeilten Personen angeschlossen. Unter letzteren zählten
wir 13 Rabbinen. Alle waren gekommen, dem Verstorbenen die letzte Ehre zu
erweisen.
Im Sterbehause sprach Herr Rabbiner Weil aus Pfalzburg Worte des Trostes;
in der Synagoge feierte der Großrabbiner Herr Aron von Straßburg die
vielen Verdienste des Entschlafenen, der einer seiner geachtetsten Schüler
gewesen sei, und am Grabe rief der Herr Rabbiner Levy aus Oberehnheim,
der Senior unter den Rabbinen des Unterelsass, dem scheidenden Freunde den
letzten Gruß zu.
Im Jahre 1852 war Herr Levy zum Rabbiner in Brumath ernannt worden. Sein
Ruf als Talmudist führte ihm zahlreiche Schüler zu, die er für das
Rabbinerseminar vorbildete. Eine große Anzahl ehemaliger Schüler,
darunter Herr Zadok-Cahn, Oberrabbiner in Paris, hatte noch vor wenigen
Monaten dem Verstorbenen in Anerkennung seiner großen Verdienste ein
kostbares Tafelservice zum Geschenke gemacht.
‚Die politische Gemeinde’, so schreibt das in Straßburg erscheinende
Elsässische Journal, ‚verliert in dem Heimgegangenen einen ehrenwerten,
achtbaren Bürger, die israelitische im besonderen einen treuen,
gewissenhaften Seelsorger mit seltener geistiger Begabung und großer
Herzensgüte.’ Wir rufen ihm nach:
Seine Seele sei eingebunden in dem Bund des Lebens." |
Probleme bei der Neubesetzung des Rabbinats (1891)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Dezember 1891: Brumath, 30 November
(1891). Die Wahl eines Rabbiners für die hiesige Stadt hat einen
Zwiespalt zwischen der hiesigen Synagogenverwaltung und dem israelitischen
Konsistorium des Unterelsass hervorgerufen, in welchem gegenwärtig die
Entscheidung des kaiserlichen Ministeriums angerufen worden ist. Der
Sachverhalt ist ganz kurz folgender: Um die hier erledigte Stelle bewarben
sich die Rabbiner Dreyfuß und Meyer, sowie der Rabbinatskandidat Dr.
Weil. Unterm 28. September ließ das Konsistorium der Synagogenverwaltung
einen Brief zugehen, in dem es unter anderem hieß: ‚Um der Gemeinde
Brumath einen vollständigen Beweis unserer Ergebenheit und Achtung zu
geben, laden wir die drei Bewerber ein, an ein und demselben Tage, am 1.
November, in der Synagoge zu Brumath Probepredigt zu halten.’ Diese Äußerung
bildet den Beweis dafür, dass damals das Konsistorium sich die
Entscheidung über die Auswahl der Kandidaten nicht selbst beilegen,
sondern dieselbe der Gemeinde |
überlassen
wollte, wie es ja auch recht und billig ist, denn die Gemeinde muss mit
dem Rabbiner leben und auskommen, nicht das Konsistorium. Auch sprach sich
dem Vorsteher unserer Gemeinde gegenüber eine sehr hohe Persönlichkeit
des Konsistoriums in eben demselben Sinne aus, dass nur die Gemeinde das
Recht der Entscheidung haben solle. Im gleichen Sinne muss schließlich
auch eine Äußerung verstanden werden, welche der Präsident des
Konsistoriums einem der Kandidaten gegenüber getan hat, welche ihm ihre
Aufwartung machten. Er sagte: ‚Ich selbst kann nicht viel tun, es kommt
sehr viel auf die Gemeinde Brumath an. Ich selbst bin gegen niemand
eingenommen; wir werden nach unserem Gewissen urteilen.’ Wie bereits
gesagt, fanden am bestimmten Tage die Probepredigten statt. Am Tage darauf
traten die Wähler behufs Abgabe ihrer Entscheidung zusammen. Von 79
Stimmen wurden 69 abgegeben, davon 48 für Dr. Weil, 16 für Dreyfuß, 5 für
Meyer. Diese Willensmeinung der Gemeinde Brumath war eine so deutliche und
bestimmte, dass angesichts der früheren Kundgebungen und Aussagen des
Konsistoriums ein Zweifel daran, zu wessen Gunsten die Entscheidung fallen
würde, nicht wohl möglich erschien. Aber das Unmögliche geschah! In
seiner Sitzung vom 26. November beschloss das Konsistorium mit vier
Stimmen – zwei enthielten sich der Abstimmung – den Erwählten der
Gemeinde fallen zu lassen und sich für Herrn Dreyfus zu erklären, der
wie bemerkt, von 69 abgegebenen Stimmen 16 erhalten hatte. Die Gemeinde
Brumath ist aber nicht geneigt, sich einen Rabbiner aufoktroyieren zu
lassen! Noch einmal haben sich die Wähler mit 54 Stimmen für Dr. Weil
erklärt und die Gemeinde hat Schritte beim kaiserlichen Ministerium
unternommne, um dasselbe von der Sachlage zu unterrichten. Über die Gründe,
welche das Konsistorium zu seinem Verhalten bewogen haben, wollen wir
nicht reden. Wir würden sonst auf ein unliebsames Kapitel kommen. Ist es
denn wirklich möglich, dass ein tadelloser Mann, der seine Studien mit
vorzüglichem Erfolge gemacht hat und von der Gemeinde begehrt wird? Man
sollte es nicht für möglich halten. Und doch ist es geschehen. Wehalb?
Weil Herr Dr. Weil orthodox ist? Nun, wir Brumather freuen uns, dass wir
einen Rabbiner gekommen, der noch an Gott glaubt und es offen bekennt.
Oder ist Herr Weil nicht genehm, weil er in Berlin studiert hat? Der
Gemeinde ist er deshalb gerade genehm, weil die israelitische theologische
Wissenschaft gerade dort von den ersten Größen ihres Faches gelehrt
wird. Oder erregt es etwas Missfallen, dass Herr Weil seiner Militärpflicht
als Einjährig-Freiwilliger genügt hat? Auch das ist uns Brumathers ganz
genehm, dass wir einen Rabbiner bekommen, der seine Pflicht gegen sein
Vaterland erfüllt hat; wer das tut, der erfüllt auch die Pflichten gegen
Kirche und Gemeinde. Wir wollen für heute auf alle diese Einzelheiten
nicht weiter eingehen. Die Sache liegt jetzt der Behörde zur Entscheidung
vor; wir wollen der letzteren nicht vorgreifen, da wir fest überzeugt
sind, dass sie nur in unserem Sinn ausfallen kann." |
Rabbiner Dr. Dreyfuß wurde zum Rabbiner in Saargemünd ernannt (1900)
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Mai 1900:
"Brumath, 7. Mai (1900). Rabbiner Dr. Dreyfuß von hier, ist seitens
des israelitischen Konsistoriums zum Rabbiner in Saargemünd ernannt
worden." |
Der Rabbiner von Lauterburg wird Rabbiner in Brumath (1900)
Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. August
1900: "Der jetzt in Lauterburg amtierende Rabbiner ist zum Rabbiner
in Brumath ernannt worden." |
Rabbiner Dr. Levy erklärt die Sitte des Holekreisch (Kolekrasch) (1910)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Februar 1910: "Hat
die Erklärung des Herr Dr. Marcus - Sulzbürg "Kolekreisch"
gleich Choleh Kr"sch auf den ersten Blick etwas Bestechendes
an sich, so wird man derselben doch nicht ohne weiteres beipflichten
können.
Ganz äußerlicher Art sei die Bemerkung, dass man irgendwie Kriat
Schema in Kr"sch abgekürzt findet; dafür hat man stets
nur die Abbreviatur K"Sch, sodass der Buchstabe r keine
Existenzberichtigung in dem betreffenden Worte hätte.
Sachlich wird das ganze Zeremoniell bei der Holekreisch in das Zimmer der
Wöchnerin verlegt, was ja in Wirklichkeit nicht der Fall ist. Vielmehr
findet dieser Akt nach dem ersten Ausgang der Wöchnerin statt, das
Bettchen oder die Wiege des Kindes wird von den herbeigeeilten Kindern in
die Höhe gehoben, wobei sie einander zurufen:
'haut la crèche`, das heißt 'hoch die Wiege' und dieser
französische Aufruf ist im Volksmunde zu Holekreisch oder auch Holekrasch
geworden. Rabbiner Dr. Levy - Brumath im Elsass." |
Zum Tod von Oberrabbiner Adolf Ury (1915, Rabbiner in Brumath von 1885 bis
1890)
Anmerkung: Rabbiner Simon-Adolphe Ury (bzw. Uhry) (geb. 1849 in Niederbronn,
gest. 1915 in Strassburg) wurde 1885 Rabbiner in Brumath als Nachfolger von
Salomon Lévy; von hier aus seit 1886 gleichzeitig Dozent für Exegese und
jüdische Geschichte am Rabbinerseminar Straßburg; 1890/91 - 1899 Oberrabbiner
des Konsistoriums von Lothringen in Metz, seit Anfang 1900 Oberrabbiner des Konsistoriums
des Unterelsass in Straßburg. .
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. September 1915: "Straßburg
im Elsass, 29. August (1915). Am 24. August verschied nach kurzem
Krankenlager Oberrabbiner Adolf Ury. Mit ihm verliert die hiesige Gemeinde
einen von hohem Idealismus erfüllten Seelsorger, den Pflichttreue und
unermüdlicher Fleiß, Herzensgüte und Friedensliebe in gleicher Weise
auszeichneten. Sowohl in der Gemeinde wie als Vizepräsident des
Konsistoriums des Unter-Elsass und zahlreicher jüdischer und
interkonfessioneller Körperschaften und Anstaltsverwaltungen entfaltete
er eine überaus vielfältige und segensreiche Tätigkeit, die ihm die
Wertschätzung und Liebe der ganzen hiesigen Gemeinde und des ganzen
Konsistorialbezirkes und die Achtung und das Vertrauen seiner Mitbürger
ohne Unterschied des Glaubens erwarb. 1854 in Niederbronn im Elsass
geboren, hatte Ury das Gymnasium in Buchsweiler, dann das Rabbinerseminar
in Paris besucht, wirkte als Rabbiner zuerst in Lauterburg, später in
Brumath, von wo er auch gleichzeitig an dem früher hier befindlichen
Rabbinerseminar als Lehrer der Exegese tätig war; bis 1900 war er sodann
Oberrabbiner in Metz, in welchem Jahre er hierher berufen wurde. Als an
Stelle des Landesausschusses der elsass-lothringische Landrat trat. wurde
er als Vertreter der drei Konsistorien in die Erste Kammer gewählt; er
gehörte außerdem u.a. dem Bezirksunterrichtsrat und dem Armenrat der
Stadt Straßburg an und war Ritter des Roten Adlerordens 4. und
Kronenordens 3. Klasse. An der am Freitag erfolgten Beerdigung nahmen
u.a. der stellvertretende Kommandierende General, ein Vertreter des
Kaiserlichen Statthalters, des Ministeriums, aller kirchlichen,
staatlichen und städtischen Behörden teil. Bei der Trauerfeier in der
Synagoge schilderten der hiesige Rabbiner Dr. Marx und Ober-Rabbiner
Dr. Netter - Metz Charakter und Wirken des Entschlafenen. In der
Leichenhalle des neuen israelitischen Friedhofes sprachen sodann noch der
Präsident des Unterelsässischen Konsistoriums, Justizrat Dr. Schmoll im
Namen des Konsistoriums, der Gemeindeverwaltung und sämtlicher jüdischer
Vereine und Anstalten; Bankier Mannheimer für das Oberelsässische
Konsistorium, Fabrikant Bing für den Fürsorgeverein für
entlassene Strafgefangene; Rabbiner Dr. Levy - Hagenau als
ältester Rabbiner im Namen der Berufsgenossen und Rabbiner Dr.
Dreyfuß - Saargemünd für die Famile." |
Aus der
Geschichte der jüdischen Schule und der Lehrer
Kurzbericht zur jüdischen Schule (1843)
Meldung
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Juni 1843 (es
wird die schulische Situation in mehreren Gemeinden des Elsass kurz
beschrieben): "Brumath hat nur eine Privatschule, wozu die Stadt 250
Franc gibt; 33 Schüler." |
Kantor Z. Klein geht nach 44 Jahren in den Ruhestand (1905)
Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6. November
1905: "Brumath im Elsass. Pensionierung. Nach 44-jähriger Tätigkeit
in der hiesigen Gemeinde ist Herr Kantor Z. Klein nunmehr in den Ruhestand
getreten." |
Lehrer und Kantor H. Weill wechselt von Hattstatt nach Brumath (1905)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. Februar
1905: "Hattstadt im Elsass. Die hiesige israelitische Gemeinde
hat in letzter Zeit große Änderungen durchgemacht. Der allseitig
beliebte Kantor H. Weill, der auch ein vorzüglicher Sänger ist, wurde
nach Brumath berufen. Nun hat die Gemeinde auch noch eine neue
Verwaltungskommission erhalten. Der der frühere Präsident derselben vor
einiger Zeit sein Ehrenamt freiwillig niederlegt hatte, wurde eine Neuwahl
erforderlich. Diese fand vor einigen Tagen statt und wurde nicht nur ein
neuer Vorsteher, sondern sogar eine ganz neue Kommission gewählt,
bestehend aus den Herren Marx Bernheim, Präsident, Jules Ducas,
Adolf Levy, Henri Kirsch und Abraham Roth." |
"Unerhörter Vorfall" im Blick auf die Pension von Kantor Z. Klein
(1910)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Oktober
1910: "Straßburg. Einen Blick in das Leben einer kleinen
jüdischen Gemeinde gewährt ein unerhörter Vorfall in Brumath.
Dem Kantor Klein war, als er vor sechs Jahren nach 50-jähriger Dienstzeit
pensioniert wurde, von der damaligen Verwaltungskommission eine
lebenslängliche Pension von 500 Mark bewilligt worden, die ihm bis zum
laufenden Jahre auch ausbezahlt wurde. Die jetzige Verwaltungskommission
nun weigerte sich, die Pension zu zahlen, und so musste Kantor Klein die
Synagoge etc. pfänden lassen. Die Verwaltungskommission hat ihre
Demission eingereicht. Die Neuwahlen sind auf den 30. Oktober anberaumt
worden." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Ein aufrichtiger Finder (1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juni 1901: "Brumath
im Elsass. (Es gibt noch ehrliche Finder in Israel). Der Getreidehändler
Felix Weil von hier verlor kürzlich 840 Mark. Herr Abraham Meyer fand
das Geld und übermittelte es dem Verlierer ohne den ihm dargebotenen
Finderlohn anzunehmen. Auf die an ihn gerichtete Frage: welchen Finderlohn
er beanspruche, antwortete der ehrliche Finder: gar keinen, ich gebe ihnen
das Gefundene zur Ehre des Gebotes (Gottes) zurück, Gebote
werden in der Synagoge versteigert, außerhalb derselben aber sind Gebote
unveräußerlich." |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine erste Synagoge wurde 1801 erbaut. 1844/45
konnte eine neue Synagoge in der heutigen Rue de Général Rampont erbaut
werden, die 1922 renoviert wurde. 1936 hatte die Gemeinde noch 185 Mitglieder.
Während der NS-Zeit wurden die jüdischen Einwohner der Stadt mit den anderen
Elsässer Juden nach Südfrankreich deportiert. Die Synagoge - als
Lebensmitteldepot zweckentfremdet - und der Friedhof
wurden während schwer beschädigt.
Nach 1945 konnte die Gemeinde wieder
begründet werden. In den 1950er-Jahren ist die Synagoge restauriert und
1957 wieder eingeweiht worden. 1965 gehörten ihr 70 Personen an.
Adresse/Standort der Synagoge: 28, Rue de Général Rampont,
67170 Brumath
Fotos
(linkes Foto obere Zeile: Hahn, Aufnahmedatum 16.4.2004;
die Fotos der mittleren Spalte aus Rothé / Warschawski s. Lit.; die drei Fotos
der rechten Spalte aus der Website des Ministère de la culture
s.u.).
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Die kleine Allee führt zum
Vorplatz
vor der Synagoge |
Eingangsbereich und westlicher
Giebel
der Synagoge |
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Innenaufnahmen mit Blick zum
Toraschrein |
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Blick von der
Frauenempore zum Toraschrein, rechts: die Kanzel der Synagoge |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
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Michel
Rothé / Max Warschawski: Les Synagogues d'Alsace et leur Histoire.
Ed. 'Chalom Bisamme' Jerusalem 1992.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Brumath
Bas Rhin dist. The Jewish population numbered 400 in 1865. In 1884, the
synagogue was inaugurated and then renovated in 1922. In 1936, the community
numbered 185 members. During worldwar II, the local Jews were expelled to
the south of France and siv were deported. The synagogue and the cemetery were
badly damaged during the war. In 1965, there were 70 Jews in
Brumath.

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