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Hégenheim (Dep. Haut-Rhin /Alsace / Oberelsass)
Jüdische Geschichte / Histoire Juive - Synagogue / Synagoge
Übersicht:
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Hégenheim bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1920, deren Entstehung in
die Zeit des 17. Jahrhunderts zurückgeht. Der Friedhof der
Gemeinde wurde 1673 angelegt. Er wurde (beziehungsweise wird bis heute) auch von anderen jüdischen
Gemeinden im Bereich um Hégenheim (im 19. Jahrhundert auch Basel) genutzt. 1689
wurden in Hégenheim 14 jüdische Familien gezählt, 1694 kamen Familien
aus Birseck und Allschwil dazu.
Am Ende des 18. Jahrhunderts waren es 83 jüdische Familien (1784) mit zusammen 409
Personen am Ort. Seit 1789 kam es
mehrfach zu Pogromen gegen Juden. 1815 wurde die Synagoge in Hégenheim
geplündert und zerstört. Zwischen Februar und April 1848 kam es im Sundgau zum
sogenannten "Judenrumpel", der zur zeitweisen Vertreibung von 850
Juden dieses Bereichs führte.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts
gehörten von den damals 2.151 Einwohnern Hegenheims bis zu 785 der jüdischen Gemeinde
an (etwa 160 Familien).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde außer dem schon genannten Friedhof
eine Synagoge (s.u.), eine Religions- und Konfessionsschule sowie ein rituelles
Bad. Von 1772 bis 1910 war Hégenheim Rabbinatssitz (unter anderem bis 1834 der
später in Straßburg hochbedeutende Rabbiner Arnaud Aron, von 1834 bis
1884 Moise/Moses Nordmann, der von Hegenheim aus bis 1884 auch die
jüdische Gemeinde in Basel betreute und sich entschieden für die
Gleichberechtigung der Juden in der Schweiz einsetzte). Unter Rabbiner Dr.
Salomon Schüler wurde der Rabbinatssitz 1907 nach Saint
Louis verlegt. Zu ihrer Blütezeit hatte die Gemeinde
mehrere Vereine und ein blühendes Gemeindeleben.
Die zahlenmäßig größten jüdischen Familien am Ort hießen Bloch, Dreyfus,
Ginzburg, Levy und Nortemann (auch Nordemann und Nordmann).
Eine
anschauliche Darstellung zum Leben der jüdischen Gemeinde
zu ihrer Blütezeit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt der Bericht des aus
Nassau stammenden jüdischen Lehrers S. Mannheimer. Er hatte sich auf die im
Februar 1858 in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
ausgeschriebene Lehrerstelle beworben (siehe Anzeige vom 8. Februar 1858) und
war seit Frühjahr 1858 Lehrer in Hégenheim. Sein Bericht wurde am 18. Oktober
1858 in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" veröffentlicht: |
"Hegenheim
im Oberelsass, 12.
September (1858). Wir Deutsche sind gewöhnt, das französische Judentum mit
ganz andern Augen anzusehen, als es sich in der Wirklichkeit zeigt, und sind
manchmal zu sehr von dem Vorurteil befangen, dass in Frankreich, wo die Bekenner
unseres Glaubens vollständig emanzipiert und ihnen alle Staatsämter geöffnet
sind, die Religion in den Hintergrund trete. Dem ist aber nicht so. Soviel ich
bei meinem halbjährigen Hier sein zu beobachten Gelegenheit hatte, herrscht
hier ungeheuchelte Religiosität; der Jude schämt sich nicht – wie es in
Deutschland leider gar zu oft vorkommt – seines Glaubens willen und ist stets
bereit, für ihn in die Schranken zu treten. Seine Religion ist eben so
gesetzlich anerkannt, als die der Majorität, und wenn auch, wie Sie aus den "Archives" entnommen, noch hier und da im Elsass sich Auswüchse des
Fanatismus zeigen, so tritt das Landesgesetz doch denselben entgegen. Das
Prinzip der Gleichberechtigung ist hier so festgewurzelt, dass keine der
Regierungsveränderungen, die seit der großen Revolution vorgingen, es
anzutasten wagte. Ein Spiegel für viele deutsche Regierungen, die das Heil
ihrer Staaten in der Zurücksetzung der Juden zu erreichen denken und dieselben
gern zu einer Pariasklasse herabstempelten! Bemerkt man als Deutscher hier den
scharfen Kontrast zwischen den Gesetzen des großen Frankreichs und denen
unserer deutschen Staaten, wahrlich! Bittere Gefühle bemächtigen sich unser
und drohen jeden Patriotismus zu verdrängen. |
Die hiesige israelitische Gemeinde, aus circa 160 Familien bestehend, macht
beinahe die Hälfte der Einwohner des Ortes aus. Diese Zahl wäre noch einmal so
groß, wenn nicht viele in der angrenzenden Schweiz, wo sie als französische Bürger
einen temporären Aufenthalt haben, sich niedergelassen hätten. Handel, Gewerbe
und Ackerbau bilden ihre Beschäftigung. Für die beiden Grundpfeiler des
Judentums, Gottesdienst und Unterricht, ist hinlänglich Sorge getragen. Die
Synagoge wurde im Laufe dieses Sommers prachtvoll renoviert und am Samstag vor
acht Tagen feierlich eingeweiht. Der Herr Grand-Rabbin Klein von Colmar und der
hiesige Herr Rabbiner Nordmann hielten am Freitagabend die Einweihungsreden,
worin sie den Zweck des Gotteshauses in eindringlicher Sprache dartaten. Es wäre
zu wünschen, dass diese gediegenen Predigten, denen allgemeiner Beifall zuteil
wurde, durch den Druck einem größeren Publikum zugänglich gemacht würden.
Des andern Tages nach dem Schacharit-(Abend)Gebete erfreuten der Herr
Grand-Rabbin sowie Herr L. Nordmann, Neffe des hiesigen Herrn Rabbinen und Zögling
der Metzger Ecole Rabbinique, der hier zum ersten male öffentlich als Redner
auftrat, die Zuhörer mit noch zwei gehaltvollen Vorträgen. Zur Verherrlichung
der Feier trug der schon lange bestehende hiesige Männergesangverein mit
Beihilfe einiger Schulkinder, unter der Leitung des französischen Lehrers,
Herrn Isaak, durch seine meisterhaft ausgeführten Gesänge, sowohl von Sulzer
aus Wien, als auch von Naumbourg aus Paris, das Seinige bei. Es herrscht hier
viel Anlage zu Musik und Gesang; in mancher großen Stadt ist nicht so leicht
ein Synagogenchor zu bilden als hier. Es wäre daher sehr schade, wenn derselbe
nicht fortbestehen würde und spreche ich den Wunsch aus, dass alle Diejenigen,
die von der Natur dazu begabt sind, auch in der Folge ihre Mitwirkung nicht
versagen möchten. Es freut mich nur, aussprechen zu können, dass man hier den
religiösen Interessen volle Aufmerksamkeit schenkt. Die bedeutendsten jüdischen
Zeitblätter werden gelesen, z.B. Ihre geschätzte Zeitung, Volksblatt,
Archives, Univers. Isr., Lien d’Israel usw., auch beteiligt man sich an den
sonstigen Erscheinungen der jüdischen Literatur; in dem Abonnentenverzeichnis
der Förderer des jüdischen Literaturvereins nimmt Hegenheim vermittelst der
Bemühungen des hiesigen Rabbiners einen ehrenvollen Platz ein; auch trifft man
hier mehrere Exemplare von Ihrem Bibelwerk und dem von Herxheimer an. Ja, man
kann behaupten, dass die hiesige Gemeinde mehr zur Verbreitung der jüdischen
Literatur beiträgt, als in Deutschland ganze Staaten. – |
Die hiesige
israelitische Schule, vor ungefähr 30 Jahren gegründet, steht unter der
Aufsicht des Herrn Rabbiners. Es werden in derselben das Französische, Deutsche
und Hebräische von drei Lehrern unterrichtet. Man sieht den wohltätigen
Einfluss, den die konfessionelle Trennung hat, da dadurch die Kenntnis der
Religion weit mehr gefördert wird, als an den Orten, wo die Kinder die
christliche Elementarschule besuchen und den jüdischen Unterricht nur dürftig
in den Abendstunden genießen, wie dies z.B. in meinem Vaterlande Nassau durchgängig
der Fall ist. Während dort das Jüdische als Nebensache behandelt und sowohl
von Seiten der Eltern als auch der Kinder betrachtet wird, nimmt es hier zu
Lande einen ebenbürtigen Rang ein, ohne dass die weltlichen Lehrzweige dadurch
Schaden leiden. In Frankreich herrscht bekanntlich kein Schulzwang; es steht
Jedem frei, seinen Kindern Unterricht angedeihen zu lassen oder nicht. Doch
kommt es nie vor, dass Jemand sich lässig darin zeigt; im Gegenteil bringt man
hier mehr Opfer, als in vielen anderen Ländern, wo der Staat zum Schulbesuche nötigt.
– Obgleich in den Schulen des Elsasses das Französische die
Unterrichtssprache ist, so ist doch die deutsche Sprache vorherrschend und wird
es besonders hier an der Grenze Deutschlands und der deutschen Schweiz noch
lange, wenn nicht gar immer, bleiben. Die elsässischen Rabbinen sind daher genötigt,
abwechselnd in beiden Sprachen zu predigen. – Der religiöse Sinn wird durch
die Chawerot (Wohltätigkeitsvereine), deren fünf hier zu frommen Zwecken, als
Beerdigung der Toten, Unterricht armer Kinder etc. bestehen und worin regelmäßig
des Samstags Vorträge gehalten werden, rege erhalten. Was auf mich, der ich in
den kleinen Gemeinden meines Vaterlandes nur Streit und Zwistigkeiten gewahrte,
einen angenehmen, erfreulichen eindrucke machte, ist die Einigkeit und das gute
Einvernehmen, die hier herrschen und die auch bei der Restauration der Synagoge,
so es sich um Vertauschung der erblichen Stände handelte, nicht gestört worden
sind. Möchten sie auch in der Folge ungetrübt erhalten werden!
S. Mannheimer, Lehrer. |
Bereits
seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch
Aus- und Abwanderung schnell zurück (1905 110 Personen). Aus dem Jahr
1901 liegt der folgende Bericht vor:
Allgemeiner Bericht über die Gemeinde
(1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1901: |
Wie schwierig
die Situation bereits 1907 wurde, zeigte eine Notiz in der "Allgemeinen
Zeitung des Judentums" vom 8. März 1907:
"Die Gemeinde Hegenheim, die
einst zu den größten im Elsass gehörte, ist soweit heruntergekommen, dass es
nicht gelingen will, einen Vorstand zu finden. Man hat dieses Amt neulich dem
Synagogendiener angeboten. Dieser aber ist keineswegs gewillt, seine Stelle, die
ihm wenigstens etwas einträgt, zu vertauschen mit einer solchen, die ihm
höchstens Verdruss bereiten könnte". |
Trotz des starken Rückgangs der jüdischen Bevölkerung im
20. Jahrhundert und der Unterbrechung durch die Deportation der damals noch
in Hegenheim lebenden jüdischen Einwohner 1940 nach Südfrankreich bestand die Gemeinde
auf Grund einer Neubegründung nach 1945 bis 1956 (1954 20 jüdische
Einwohner).
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Von den in Hégenheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem): Flore Ach (1878), Arthur Dreyfus (1895), Emmanuel
Dreyfus (1884), Allen Ginsbourg (1883), Hermine Ginsbourger (1880), Julie
Ginsbourger (1879), Marthe Ginsbourger (1895), Conrad Goldmann (), Emma Lang
geb. Picard (1869), Hans Lehmann
(1913), Virginie Levy (1864), Héléne Picard (1900), Jeanne Picard (1901),
Camille Wiener geb. Goetschel (1882), Constant Wiener (1920).
Auf dem Foto oben die auf dem Denkmal für die in der NS-Zeit ermordeten
Juden genannten Personen aus Hegenheim (Foto: Detlef Ernst Rosenow)
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Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde (gefunden
in jüdischen Periodika)
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer -
Ausschreibungen der Stellen der Lehrer und Kultbeamten
| Ausschreibung einer
Lehrerstelle 1853 |
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. August 1853:
"An der israelitischen Schule zu Hegenheim (haut-Rhin, France) wird
auf das kommende Semester (Rosch Chodesch Cheschwan) eine
Lehrerstelle erledigt. Es wird verlangt tüchtige Kenntnis der
hebräischen und deutschen Sprache. Der Betreffende hat auch einen gut
geübten Sängerchor beim Gottesdienst zu leiten. Die fixe Besoldung ist
900, sage neun Hundert Franken. Die Kandidaten haben ihre Anmeldung nebst
Zeugnisse portofrei einzusenden an den Unterschiedenen.
Hegenheim, den 24. Juli 1853. M. Nordmann, Rabbiner.
per Adresse von: Herrn Léon Piccard, Basel, Schweiz." |
| Ausschreibung der
Religionslehrerstelle 1861 |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Februar 1861:
"Vakanz. An der israelitischen Schule zu Hegenheim, Haut-Rhin,
France, in welcher 3 Lehrer fungieren, wird bis zum 10. April die Stelle
des Religionslehrers, der zugleich die deutsche Sprache zu unterrichten
hat, vakant mit einer Besoldung von elfhundert Franken. Sollte ein
Kandidat sich finden, der, bei musikalischer Bildung, zugleich die
Funktion des Vorbeters versehen kann, so ist es wahrscheinlich, dass ihm
auch diese übergeben wird, und steigt dann die Besoldung mit dem Casual
auf circa 1.600 Franken nebst freier Wohnung. Die Kandidaten haben sich
franco zu melden bei M. Nordmann, Rabbiner zu Hegenheim." |
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Dieselbe
Anzeige erschien neben den orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit"
(s.o.) auch in der liberalen "Allgemeinen Zeitung des
Judentums", was eine liberale Grundeinstellung der Gemeinde in
Hegenheim zeigt. |
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| Ausschreibung einer
Lehrerstelle 1867 |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Januar 1867. |
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| Ausschreibung einer
Elementar- und Religions-Lehrerstelle 1869 |
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. Januar 1869:
"Die israelitische Gemeinde Hegenheim (Haut-Rhin) in Frankreich,
3/4 Stunden von Basel, wünscht einen deutschen-israelitischen Lehrer
(unverheiratet), der deutschen Elementar-, Religions- und hebräischen
Unterricht zu erteilen, und sogleich oder am 1. April einzutreten hat.
Fixer jährlicher Gehalt 1.200 Franken. Kandidaten, mit guten
pädagogischen Zeugnissen versehen, wollen sich wenden an David Levy von
Hegenheim in Basel." |
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| Ausschreibung einer
Lehrerstelle 1870 |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1870:
"Die israelitische Gemeinde Hegenheim im Elsass (bei Basel)
verlangt noch einen Lehrer, der der hebräischen Grammatik kundig, die
hebräische und deutsche Sprache zu lehren hat. Kandidaten, die das Examen
gemacht und mit guten Zeugnissen versehen sind, haben sich zu melden bei David
Levy /von Hegenheim) in Basel. Jahresgehalt Frcs. 1.200." |
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| Ausschreibung der
Vorbeter- und Schächterstelle 1872 |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juli 1872:
"In der israelitischen Gemeinde Hegenheim, Ober-Elsass, ist die
Stelle eines Vorbeters, der musikalisch gebildet sein muss, um einen Chor
leiten zu können, sogleich zu besetzen. Derselbe muss auch Schochet,
religiös und verheiratet sein. Der jährliche Gehalt beträgt 500 Gulden
nebst freier Wohnung. Bewerber wollen beglaubigte Abschriften ihrer
Zeugnisse einschicken an Herrn Isaac Wixler, Vorstand". |
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| Ausschreibung der
Lehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle 1886 |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1886:
"Ein geprüfter Lehrer, der zugleich auch Vorbeter und Schochet
sein muss, findet Stelle auf 1. Januar 1887. Fixer Gehalt 1.000 Mark nebst
dem Ertrag der Schechita, die ca. 400-450 Mark jährlich einträgt, und
freie Wohnung. Unverheiratete, welche fähig sind, französischen
Unterricht zu erteilen, erhalten den Vorzug.
Reflektanten wollen ihre Zeugnisse an Herrn Moritz Nordmann in
Hegenheim (Ober-Elsass) franco adressieren." |
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| Ausschreibung der
Lehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle 1892 |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1892:
"Nächsten 1. April (eventuell auch früher) wird in der
israelitischen Gemeinde Hegenheim (Ober-Elsass) die Lehrerstelle
vakant. Reflektanten müssen staatlich geprüft und militärfrei sein.
Dieselben müssen auch als Vorbeter und Schochet fungieren. Fixer Gehalt
1.200 Mark, freie Wohnung nebst dem Schechita-Ertrag (circa 2-300 Mark
jährlich). Bewerber wollen beglaubigte Zeugnisse einsenden an den
Vorstand M. Dreifus." |
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| Ausschreibung der
Elementar-, Kantor- und Schächterstelle 1902 |
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juli 1902:
"Die Elementarlehrer-, Kantor- und Schochetstelle in Hegenheim
ist eventuell sofort zu besetzen. Gehalt 900 Mark, eventuell 1.000 Mark.
Nebeneinnahmen 500 Mark, freier Logis. Ledige Bewerber wollen ihre
Zeugnisse einsenden an Rabbiner Dr. Salomon Schüler." |
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| Ausschreibung der
Religionslehrer-, Kantor- und Schächterstelle 1903 |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Februar 1903:
"Gesucht wird ein Religionslehrer, Kantor und Schochet. Gehalt
1.000 Mark. Nebenverdienst ca. 400 Mark. Logis frei. Ledige Bewerber
wollen ihre Zeugnisse einsenden an
Rabbiner Dr. S. Schüler, Hegenheim
(Ober-Elsass)." |
Zum 70. Geburtstag von Lehrer Levy Nußbaum
(1938)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. April 1938: "Köln, 29.
März (1938). Am 3. April vollendete Lehrer i.R., L. Nussbaum, sein 70.
Lebensjahr. Der Jubilar war in Hegenheim im Elsass, in Merzig und seit
1896 in Bocholt i.W. als Lehrer und Prediger tätig. Während seiner
Amtszeit hat er sich stets für die religiösen Belange eingesetzt und das
Banner der Tora und der Gottesfurcht allezeit hochgehalten. Sein
Erziehungsideal erblickte er darin, seine Schüler zu religiösen Juden zu
erziehen. Von heiligem Eifer für das jüdische Schrifttum beseelt,
widmete er sich täglich dem Talmudstudium. Bis zu seinem Wegzug nach
Köln leitete er die Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Lehrer des
Niederrheins. In Verehrung und Dankbarkeit erinnern sich zahlreiche Lehrer
und Schüler seiner segensreichen Tätigkeit. Möge es ihm noch lange
vergönnt sein, in körperlicher und geistiger Frische für die Belange
des konservativen Judentums zu wirken. (Alles Gutes) bis 120." |
| Lehrer Levy Nußbaum
stammte auf Burghaun
bei Fulda (auf dortiger Seite ein weiterer Artikel zu ihm). |
Aus der Geschichte des Rabbinates
| Zum Tod des Rabbiners
Moses Nordmann 1884 |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Mai 1884: "Basel.
Unsere Gemeinde und besonders das benachbarte Hegenheim hat in den letzten
Tagen des vorigen Monats ein empfindlicher Verlust betroffen. Herr
Rabbiner Moses Nordmann, Rabbiner zu Hegenheim, der auch die rabbinischen Funktionen
in hiesiger Gemeinde versah, ist am 24. April im Alter von 74 Jahren
verschieden.
Herr Rabbiner Nordmann war der Sohn eines gut situierten Handelsmannes
und, ein viel begabter Jüngling, wurde er von seinem Vater dem Rabbinate
gewidmet. - An dessen sorgfältiger Erziehung wurde nichts gespart; das
Torastudium betrieb er fleißig unter der Leitung sehr gelehrter Rabbinen,
und für die profanen Wissenschaften bezog derselbe die Universität
Würzburg, was unter den damaligen Verhältnissen, nämlich in den
1830er-Jahren mit großen Schwierigkeiten verbunden war. - Gleich nach
seiner Rückkehr von Würzburg wurde die Rabbinatsstelle seiner
Heimatgemeinde frei; der strebsame junge Mann erhielt dieselbe und
verwaltete das zu Zeiten sehr schwierige Amt während mehr als 50 Jahren
zur vollsten Zufriedenheit, nicht nur seiner Gemeinde sondern aller
derjenigen, welche unter seinem Rabbinat standen, namentlich Basels und
vieler anderer jüdischer Genossenschaften in der Schweiz.
Herr Nordmann waltete seines Amtes mit außergewöhnlicher Pflichttreue,
und seine große Fähigkeiten, sowie seine tiefe Gelehrsamkeit krönten
seine Bemühungen mit Erfolg. - In Hegenheim, einer elsässischen
Dorfgemeinde, wo die allgemeine Bildung damals sehr zu wünschen übrig
ließ, erhielt die israelitische Jugend durch die Leitung des Herrn
Nordmann eine ausgezeichnete Schule, in welcher außer der Religion alle
Elementarfächer durch tüchtige Lehrer unterrichtet wurden. Herrn
Nordmann ist es zu verdanken, wenn aus der armen Gemeinde so viele Knaben
und Mädchen tüchtig geschult hervorgingen, welche für ihre Familie die
Ernährer wurden und der ganzen Umgegend zum Beispiel dienten. - Viele
dieser Männer sind jetzt reiche Kaufleute, Fabrikanten oder
Handwerker.
Herr Rabbiner Nordmann war einer der Vordersten, wenn es sich darum
handelte, die Rechte seiner Glaubensgenossen zu verteidigen oder sie vor
Verfolgungen zu schützen. - Im Jahre 1848, als im Elsass die
Judenverfolgungen eintraten, wurde auch Hegenheim hart mitgenommen; durch
seine groß0e Bekanntschaft gelang es ihm, für Hegenheim militärische
Beatzung zu erhalten, wodurch den Gräueln Einhalt getan wurde.
In späteren Jahren hatten die Juden der Schweiz im Allgemeinen einen sehr
schwierigen Standpunkt, in einigen Kantonen wurden dieselben toleriert, in
anderen nicht. Herr Nordmann arbeitete unaufhörlich für deren
Emanzipation, sei es durch tüchtige Vertretung der jüdischen Interessen
in den öffentlichen Blättern, teils durch persönliche Bemühungen bei
der französischen Regierung.
Als Rabbiner in Frankreich wurden dem allgemein geachteten und beliebten
Manne mehrmals vom Consistoire central israélite in Paris sehr ehrenhafte
Stellen mit Avancement angeboten; allein |
Herr
Nordmann zog vor, in seiner bescheidenen Stellung zu bleiben und der
Heimat seine Dienste zu erhalten.
Seine Predigten waren alle sehr lehrreich, und von dem warmen Hauch einer
Überzeugung durchdrungen, die ihn frei von jedem Fanatismus jeder
berechtigten Anforderung des Zeitgeistes mit echt duldsamem religiösem
Geiste Rechnung tragen ließ. Der Glanzpunkt seiner Beredsamkeit fiel in
die Einweihungstage der neuen Synagoge in Basel im Jahre 1867, wo er mit
Herrn Rabbiner Dr. Kaiserling, z.Z. Rabbiner in Budapest den schönen
hiesigen Tempel einweihte. Die damalige Predigt des Herrn Nordmann war ein
abgerundetes Meisterstück vollendeter Rhetorik.
Seine Wirksamkeit in der Armenpflege war eine sehr ausgedehnte. Viele,
viele arme Familien haben durch den Tod von Herrn Nordmann einen
unersetzlichen Verlust erlitten. - Wo irgend eine Not, Armut oder
Krankheit sich einstellte, war Herr Nordmann hilfreich bei der Hand. Bei
den wohlhabenden Glaubensgenossen fand er stets durch seinen Einfluss
offene Hand, und bei Subskriptionen oder sonst wohltätigen Unternehmungen
stand stets sein Name obenan.
Herr Nordmann war einer der Mitgründer des Israelitischen Asyls in
Hegenheim, welches für arbeitsunfähige und unterstützungslose
Glaubensgenossen seit seinem neunjährigen Bestande schon so viel Gutes
wirkte.
Aber auch in anderen Beziehungen war der Verstorbene ein sehr geachteter
und beliebter Mann, sein geselliger Umgang war sehr anregend und
angenehm.
Das Andenken dieses gelehrten, menschenfreundlichen, charakterfesten
Mannes wird noch lange bei allen, die die Ehre hatten, mit ihm in
Berührung zu kommen, fortleben.
Für die Gemeinde Hegenheim ist das Ableben des Herrn Rabbiner Nordmann
ein unersetzbarer Verlust.
(Anmerkung der Redaktion. - Wie uns von anderer Seite mitgeteilt wird,
dürfte das Ableben des bisherigen Rabbiners von Basel und Umgebung die
Gemeinde veranlassen, die Wiederbesetzung nicht allzu lange zu vertagen.
Lag schon bei Lebzeiten des Entschlafenen mit Rücksicht auf dessen
vorgerücktes Alter die Absicht vor, das Rabbinat in die Hände einer
jüngeren Kraft zu legen, so dürften jetzt die Verhältnisse des
gänzlich verwaisten Rabbinats noch dringender dazu mahnen. - Möge es der
Gemeinde Basel gelingen, einen gesinnungstüchtigen, friedliebenden Mann
für ihre geistige Führung zu finden.)." |
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| Verlegung des Rabbinates
nach St. Ludwig (1907) |
Mitteilung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt vom 19. Oktober 1906:
"Hegenheim. Herr Rabbiner Dr. S. Schüler verlegt seinen
Wohnsitz nach St. Ludwig hinüber, woselbst die jüdische Bevölkerung in
steter Zunahme begriffen ist." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Januar 1907:
"Hegenheim im Elsass, 1. Januar 1907. Das hiesige Rabbinat (Dr.
Schüler) wird demnächst nach St.
Ludwig verlegt, ohne dass jedoch dadurch sonstige Änderungen in den
Beziehungen der Herrn Dr. Schüler unterstehenden Gemeinden Hegenheim,
Hagenthal und St. Ludwig eintreten." |
Aus der Geschichte des
"Israelitischen Asyls" (Jüdisches Altersheim)
| Grundsteinlegung zum Asyl
(1873) |
Mitteilung
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Dezember 1873:
" |
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| Aus dem dritten
Jahresbericht des Asyls (1877) |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Dezember 1877:
"Basel. Dem dritten Jahresbericht über das 'Israelitische Asyl in
Hegenheim' vom 1. Oktober 1876 bis 30. September 1877 entnehmen wir:
Die jeweiligen freien Plätze sind sogleich besetzt worden. Schon im Jahre
1876 konnten wir die Zahl der Pfründner auf 14 erhöhen und heute haben
wir deren 15, wovon ein Bezahlender, sodass uns nur noch ein Bett frei
bleibt, über welches die Kommission wahrscheinlich nächstens verfügen
wird; alle Plätze werden dann besetzt sein.
Unsere ordentlichen Einnahmen haben im Jahre 1876/77 um 1.017 Frs.
angenommen; sie betrugen 5.964 Frs.
Dieses bedeutende Defizit kommt teilweise von Subskribenten, welche
gestorben oder zahlungsunfähig sind, teilweise von solchen, welche die
Zahlung der für 5 Jahre unterschriebenen Beiträge verweigern. Dagegen
haben wir während der letzten 2 Jahre neue Subskribenten für den
Unterhalt der Anstalt im Betrage von Frs. 385 bekommen, unter welchen wir
hauptsächlich einen fortwährenden Beitrag von Frs. 200 per Jahr von
Herrn Veil-Picard in Besançon hervorheben.
Der Gesundheitszustand unserer Pfründner war in den letzten 2 Jahren
ziemlich befriedigend. Mit Ausnahme von 2 Todesfällen, welche eher die
Folge von langjähriger Gebrechlichkeit sind, hatten wir keine schweren
Krankheitsfälle. Die gesunde und ausnahmsweise günstige Lage unserer
Anstalt auf dem Lande, inmitten eines schönen Garten, hat im Gegenteil
viel dazu beigetragen, die Gesundheit der Pfründner zu befestigen;
dieselben waren bei ihrem Eintritt in das Asyl größtenteils sehr
abgeschwächte Leute.
An außerordentlichen Einnahmen zur Vermehrung des unveräußerlichen
Kapitals gingen 7.250 Frs. ein. Das unveräußerliche Kapital betrug an
30. September 1877 Frs. 31.273.35. Hierbei ist der Bau des Asyls und seine
innere Einrichtung, welche vollständig bezahlt sind, nicht inbegriffen.
Wir können dessen ungeachtet noch nicht sagen, dass unser Werk für alle
Zeiten sicher gestellt sei, denn hierzu ist ein noch viel größeres
unveräußerliches Kapital erforderlich. Wir sind jedoch noch jung (wir
haben erst 3 Jahre Existenz hinter uns) und können hoffen, dass im
Verhältnis der Zunahme der bei unserer philanthropischen Anstalt
hilfesuchende Armen die Sympathien für dieselbe bei den großmütigen
Menschenfreunden zunehmen und dass wir dadurch in nicht allzu ferner Zeit
das Glück haben werden, unsere finanzielle Stellung gänzlich befestigt
zu sehen." |
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| Aus dem siebten
Jahresbericht des Asyls (1882) |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Januar 1882:
"Hegenheim (Elsass). Dem siebenten Jahresbericht des israelitischen
Asyls in Hegenheim über den Zeitraum vom 1. Oktober 1879 bis 30 September
1881 entnehmen wir:
Unsere Ausgaben für Bauten und innere Einrichtung des Asyls, welche sich
im Jahre 1879/80 auf Fr. 485,25 beliefen, sind im letzten Jahre auf Fr.
1.518,05 gestiegen.
Die Anstalt zählt gegenwärtig 12 Pfründner. Die Unterhaltungskosten
einer Person, welche von Fr. 574,14 im Jahr 1878/79 auf Fr. 520,63 im Jahr
1879/80 zurückgingen, sind im letzten Berichtsjahr 1880/81 auf Fr. 633,06
gestiegen.
Die Ausgaben für den Unterhalt betragen Fr. 8.389,47, die ordentlichen
Einnahmen Fr. 7.282,20. Es ergibt sich daher ein Defizit von Fr. 1.107,27,
welche wir genötigt waren, mittelst der außerordentlichen Einnahmen zu
decken.
Wir erhalten fortwährend Unterstützung durch die Frauengesellschaft in
Basel, welche die Anfertigung von Kleidungsstücken und des Weißzeuges
besorgt. Wir verdanken es dieser wohltätigen Gesellschaft, dass unsere
Ausgaben dafür so unbedeutend sind.
Wir freuen uns, mitzuteilen, dass das unveräußerliche Kapital und die
außerordentlichen Einnahmen mehr und mehr zunehmen. Obgleich wir einen
ansehnlichen Betrag davon gebrauchen zur Deckung der ordentlichen Ausgaben
für den Unterhalt, so bleibt uns immer noch eine ansehnliche Summe zur
Vergrößerung des unveräußerlichen Kapitals.
Wir haben in den verflossenen zwei Jahren erhalten: In Gaben für das
unveräußerliche Kapital Fr. 11.995. - Gaben in der Synagoge und
verschiedene andere Fr. 5.233,50. Zusammen Fr. 17.228,50. Der Kapitalstock
beträgt am 30. September 1881 Fr. 81.803,10.
Noch haben wir das Vergnügen anzuzeigen, dass unser Aufruf im
Geschäftsbericht vom Jahr 1878/79 von dem besten Erfolg gekrönt wurde.
Die zahlreichen und bedeutenden Zeichnungen, welche das Komitee für eine
neue fünfjährige Periode gesammelt, sind ein Zeichen des mildtätigen
Geistes unserer Glaubensgenossen. Sie sind für uns eine Ermutigung in der
Fortsetzung unserer Aufgaben zu beharren. Die Mitglieder der
Israelitischen Gemeinden von Basel, Mülhausen und Chaux-de-Fonds haben
sich besonders ausgezeichnet.
Die Dienste, welche die Anstalt unseren armen und unglücklichen
Glaubensgenossen leistet, werden nach und nach allgemein anerkannt.
Die Subskriptionen für die neue Periode von fünf Jahren betragen Fr.
7.236,75." |
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| Aus dem achten
Jahresbericht des Asyls (1884) |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1884:
"Hegenheim (Elsass)... |
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| Zum Tod des Verwalters
des israelitischen Asyls Alexander Wormser 1892 |
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. März 1892:
"Hegenheim, 11. März (1892). Nach kurzer Krankheit starb am letzten
Montag der Verwalter des hiesigen israelitischen Asyls, Herr Alexander
Wormser, im Alter von 71 Jahren. Wenn derselbe auch das gewöhnliche Alter
der Sterblichen erreichte, so kam dennoch der große Verlust, der nicht
allein obige Anstalt, sondern auch die hiesige Gemeinde trifft, sehr
unerwartet. Wormser scheute keine Mühe den Kranken und Gebrechlichen
gegenüber, die in seiner Anstalt Schutz suchten. Bei der höchst
ehrenvollen Beerdigung waren u.a. die Herren Dreyfuß und Lewy, Vorstände
von Basel und Herr Dr. Cohn - sein Licht leuchte - Rabbiner aus
Basel erschienen, ferner die Verwaltungskommission des Asyls und viele
jüdische und christliche Bürger. Dr. Cohn und Dreyfuß hielten tief
empfundene Grabreden, den Verstorbenen als gewissenhaften und
pflichttreuen Beamten kennzeichnend, der nicht so leicht wird ersetzt
werden können. L.N." |
Persönlichkeiten
Zum Tod des Dichter M. Woog 1900
Artikel
in der Zeitschrift "Die Welt" (begründet von Theodor Herzl,
Wien) vom 25. Mai 1900: "Der Dichter M. Woog ist im Alter von 66
Jahren im israelitischen Spital zu Mülhausen im Elsass gestorben. Er war
aus Hegenheim gebürtig und schrieb seine zahlreichen und sehr
geschätzten Werke im elsässisch-jüdischen Dialekt. Woog war seit langen
Jahren erblindet. Vor zwei Jahren ließ er sich in das jüdische Spital in
Mülhausen aufnehmen, dem er als Entschädigung sein kleine Vermögen
vermachte." |
Sonstiges
Rabbiner Nordmann predigt gegen den "Luxus" in
der Gemeinde 1853
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Juli 1853:
"Wir teilen folgende Privatmitteilung der Arch.isr. wörtlich mit,
weil sie von großem Interesse ist. Seit langer Zeit suchte der Rabbiner
zu Hegenheim, Herr Nordmann, einen Missbrauch auszurotten, der schon oft
den Juden große Beunruhigungen zugezogen hat, die unglückliche Neigung
zum Luxus ('Staat', wie es die deutschen Juden nennen!) besonders im
weiblichen Geschlecht entwickelt, ein in den Dörfern umso gefährlicherer
Missbrauch, als er einen gehässigen Kontrast zu der ländlichen
Einfachheit bildet, bei den Juden ein viel größeres Vermögen
voraussetzen lässt, als sie in der Tat besitzen, und ihnen im Allgemeinen
den Neid und Hass der Landleute zuzieht, abgesehen von den Kosten, die
öfter die Familien nicht aufkommen lassen. In der Predigt, die Herr
Nordmann am letzten Fest gehalten, schilderte er die traurigen Folgen
dieser unglücklichen Gewohnheit, die ihre Quelle in den Erinnerungen an
unser orientalisches Leben hat (???). Seine Anstrengungen waren mit
großem Erfolge gekrönt. Denselben Tag hat die ganze Gemeinde, in einer
hierzu berufenen Versammlung, einstimmig ein Reglement angenommen, welches
jeden Gegenstand des Luxus verbannt, der zu sehr mit der Einfachheit des
ländlichen Lebens kontrastiert, namentlich sind dies Armbänder, Uhren,
Goldketten und dergleichen unter einem starken Strafgelde in die
Armenkasse. Zugleich wurde ein Verein zur Bekleidung armer Kinder
gestiftet." |
Hinweis auf eine Veröffentlichung von
Rabbiner Nordmann (1863)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. August
1863. |
Zur Geschichte der Synagoge
Die um 1740 gebaute Synagoge wurde im Juni 1815 bei einem
Judenpogrom geplündert und angezündet.
1821 wurde sie wieder aufgebaut und 1858 restauriert. Anfang September 1858 war
die Wiedereinweihung durch den Grand Rabbin Klein aus Kolmar und den Hegenheimer
Rabbiner Nordmann; näheres siehe im obigen Bericht von S. Mannheimer). Auf Grund der starken Abwanderung
der Hegenheimer Juden seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Synagoge nach dem ersten Weltkrieg nicht mehr
benutzt und danach als Werkstatt beziehungsweise als Künstleratelier verwendet.
Adresse/Standort der Synagoge: 68220 Hégenheim,
Passage de la Synagogue/Rue d'Alsace
Fotos
(Fotos Hahn, Aufnahmedatum 14.4.2004)
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| Straßenschild für die zur
Synagoge hochführenden "Passage de la Synagogue" |
Die ehemalige Synagoge von
Westen |
Die ehemalige Synagoge von
Osten |
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| Eingang von Westen |
Eingang von der Straßenseite |
Die Ostwand |
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Innenaufnahme der ehemaligen
Synagoge / Blick zur Frauenempore (Foto: M. Rothé, Quelle: hier
anklicken) |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
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Le Haut-Rhin: Dictionnaire des Communes 2, 1981. S. 576-579. |
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Encyclopédie de l'alsace 6, 1984, 3800. |
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Paula E. Hyman: The emancipation
of the Jews of Alsace. 1991. |
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Michel Rothé/Michel Warschawski;
Les synagogues d'Alsace et leur Histoire. 1992. |
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Raymond M. Jung: 1848: der
Judenrumpel und Hegenheim. In: Maajan = Die Quelle. 1998, H. 47, S.
1243-1253 |

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