Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Basel (Kanton Basel-Stadt, CH) 
Jüdische Geschichte / Betsäle/Synagogen

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Zur Geschichte der Betsäle / Synagogen    
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

      

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  

In Basel gab es eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter. Die erste Gemeinde bestand von der Zeit um 1200 (1213 erste urkundliche Erwähnung von Juden in der Stadt) bis zu den Verfolgungen während der Pestzeit, als am 16. Januar 1349 die Basler Juden grausam verbrannt wurden. Von etwa 1360 bis zur Ausweisung der Juden aus Basel 1400 bestand nochmals eine kleinere, zweite mittelalterliche jüdische Gemeinde in der Stadt. 
 
Nachdem sich seit 1799 einige elsässische Juden niederlassen konnten, wurde um 1805 eine neue Gemeinde in Basel gegründet. Basel AZJ 03081839.jpg (16882 Byte)Doch war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Ansiedlung von Juden in der unmittelbaren Umgebung der Stadt (Basel-Land) noch höchst umstritten. Im August 1839 meldete die "Allgemeine Zeitung des Judentums" (siehe links, Artikel vom 3.8.1839): "Basel, 9. Juli (1839). Baselland hat den Juden jeden Aufenthalt auf seinem Gebiete, außer an den Markttagen, untersagt. Alle Handlungsdiener jüdischen Glaubens sollen binnen einigen Tagen das Land verlassen."

Erst seit 1872 wurden Juden in das Basler Bürgerrecht aufgenommen. Danach begann ein schneller Aufstieg der jüdischen Gemeinde in der Stadt, die auch bald eine überregionale Bedeutung bekommen sollte: 1897 war der 1. Zionistenkongress in Basel. Die Zahl jüdischer Einwohner nahm im 19. Jahrhundert stark zu von 198 (1815) auf 1897 (1900). 1927 war es zur Trennung zwischen der Israelitischen Gemeinde in Basel (IGB) und der orthodoxen Israelitischen Religionsgesellschaft Basels (IRG) gekommen. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner in Basel-Stadt und Basel-Land wurde um 1941 mit etwa 3050 Personen erreicht (davon etwa 2850 in Basel-Stadt), um danach langsam zurückzugehen. Ende 1996 hatte die IGB etwa 1650, die IRG etwa 250 Gemeindeglieder.
   
  

Zur Geschichte der Betsäle / Synagogen

Die mittelalterliche Synagoge lag im 13. Jahrhundert und bis zur Verfolgung 1349 am Rindermarkt, der heutigen Unteren Gerbergasse, auf dem Areal des späteren Stiftes St. Leonhard. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts (von etwa 1367 bis etwa 1400) bestand eine Synagoge auf dem Grundstück Grünpfahlgässlein 1. Nach der Ausweisung der Juden wurde das Gebäude der "Judenschule", wie es noch bis ins 19. Jahrhundert genannt wurde, zu profanen Zwecken verwendet. 
 

Die alte Synagoge Unterer Heuberg nach einem Gemälde von 
J.J. Schneider (1822-1889)
Basel Synagoge a011.jpg (82863 Byte) Basel Synagoge a010.jpg (111461 Byte)
Der Untere Heuberg Ausschnitt aus dem Bild links: die alte Synagoge

Nachdem bis um 1864 etwa 300 jüdische Gemeindeglieder in Basel lebten, wurde der Bau einer größeren Synagoge in Angriff genommen. Am 2. Januar 1866 berichtete die "Allgemeine Zeitung des Judentums":   

Basel AZJ 02011866.jpg (65814 Byte)"Basel, 14. Dezember (1865). Die hiesige israelitische Gemeinde, welche aus 45 Familien, meistens Elsässern besteht und in beständigem Wachsen begriffen ist, beabsichtigt den bau einer neuen Synagoge. Durch den Verkauf von Plätzen und durch Geschenke ist bereits die Summe von 50.000 Franken aufgebracht und gibt sich die Gemeinde der Hoffnung hin, dass die Stadt nach dem Vorgange von Genf und Zürich der israelitischen Gemeinde einen geeigneten Platz zum Synagogenbau anweisen werde..."

Im Laufe des Jahres 1866 konnte die jüdische Gemeinde ein Grundstück an der Ecke Eulerstrasse/Leimenstrasse erwerben und dort nach den Plänen von Architekt Herrmann Rudolf Gauss aus Heilbronn (1835-1868) eine neue Synagoge im maurisch-byzantinischem Stil erbauen, in der jeweils 150 Männer und Frauenplätze vorhanden waren. Die Grundsteinlegung war am 25. Mai 1867, die feierliche Einweihung durch die Rabbiner von Lengnau (Dr. Meyer Kayserling) und Hegenheim (Moise Nordmann) am 9. September 1868.   Zahlreiche Presseartikel berichteten von dem Ereignis in der Stadt. Ein kurzer Artikel findet sich in der orthodox-jüdischen Zeitschrift  "Der Israelit" von 30. September 1868:   

"Basel. Am 9. September  (1868) wurde die von der hiesigen Gemeinde erbaute prachtvolle Synagoge eingeweiht. Außer den hiesigen Israeliten hatten sich zahlreiche Glaubensgenossen aus der Umgegend, Abgeordnete der Regierung, des Stadtrats, einige protestantische Geistliche, die Konsuln von Nordamerika und Frankreich und noch viele andere Gäste eingefunden. Die Rabbinen von Hegenheim (Elsass) und Lengnau (Aargau) hielten die Weihereden.

Ausführlicher war der Artikel in der Zeitschrift "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 6. Oktober 1868

Basel AZJ 06101868.jpg (214102 Byte)Basel, 13. September (1868). Basel, die Stadt so vieler mittelalterlicher Gräuel gegen die Juden und wiederholter Austreibungen derselben, aber auch manches verdienstvollen Schriftwerkes auf unserem Gebiete, hat jetzt den Sieg der Glaubensfreiheit besiegelt, indem in seinem Weichbilde eine Synagoge erbaut und öffentlich eingeweiht worden, und war unter allgemeiner Teilnahme der Bevölkerung. Davon zeugt auch die Berichterstattung aus christlicher Feder in Nr. 216 des ‚Tagblattes der Stadt Basel’, und deshalb können wohl einige Stellen aus diesem einen Anspruch auf einen Raum in diesem Blatt machen. Es heißt dort: "Die neue Synagoge an der Leimenstraße ist ein zwar nur mäßig großes, aber in seiner Ausführung vollkommen gelungenes Gebäude, dessen zierliche Kuppel weithin gesehen und nicht nur der nächsten Umgebung, sondern der ganzen Stadt zur Zierde gereicht. Im Innern ist die Synagoge hell, freundlich, geschmackvoll und ohne Überladung geziert, die Estrade, auf welcher sich die Stühle und der Pult der Rabbiner befinden und in deren Hintergrunde die heilige Lade angebracht ist, reich geschmückt. Das Gebäude wurde ohne irgend welche Mithilfe des Staates oder der Stadt, lediglich auf Zu- und Vorschüsse der Mitglieder der israelitischen Gemeinde ausgeführt. Die Einweihung dieses israelitischen Gotteshauses fand letzten Mittwochnachmittag statt. Neben den hiesigen Israeliten hatten sich zahlreiche Glaubensgenossen aus der Umgebung, eine Abordnung der Regierung, des Stadtrates, einige protestantische Geistliche, die Konsuln von Nordamerika und Frankreich und noch viele andere Gäste eingefunden." 
Die Einweihung wurde vollzogen durch die Herren Rabbiner Nordmann aus Hegenheim bei Basel und Dr. Kayserling aus Lengnau. Der Erstere sprach über den Kampf, den Israel glücklich überwunden, über die großen Lehren des Judentums, und dass jetzt der jüdische Stamm im Glücke dieselbe Überzeugungstreue zu beweisen habe, wie in der Zeit des Unglücks. Der Berichterstatter nennt die Predigt "sehr ansprechend und die volle Aufmerksamkeit der Zuhörer findend." Er berichtet ferner: "Es folgte der Festchor aus dem 118. Psalm, noch eine ganz ausgezeichnete Komposition von Halevy und darauf eine zweite Predigt und Einsegnung der Synagoge durch Herrn Rabbiner Dr. Kayserling aus Lengnau, eine Rede voll Schwung und rhetorischem Reichtum, bei welcher namentlich das Eingangsgebet (Preis Gottes) und dann das Schlussgebet (der Segen) wunderbar schön und ergreifend waren".
Den Inhalt dieser Predigt bildete der Gedanke, dass Bruderliebe und Duldsamkeit der Kern des Judentums seien, und dass es der weltgeschichtliche Beruf Israelis sei, durch Lehre, Kampf und Tat dieselben zur Herrschaft zu bringen.  
 
Die Synagoge von 1868 an der Eulerstrasse/Leimenstrasse 
Basel Synagoge n022.jpg (57704 Byte) Basel Synagoge 150.jpg (103558 Byte)
Oben: der endgültige Entwurf zum Bau der Synagoge von Architekt Herrmann Rudolf Gauss Rechts: Foto der Synagoge - vor der Vergrößerung 1890/92 - mit noch einer Kuppel; das Foto wurde uns im Januar 2010 zur Verfügung gestellt von John Gauss (GB), einem Urenkel des Synagogenarchitekten 
   

Die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder in Basel wuchs weiter - von 1870 bis 1888 von 429 auf 1086 Gemeindeglieder, sodass die Synagoge alsbald zu klein war. Im Dezember 1889 wurde bei einer Gemeindeversammlung die Vergrößerung der Synagoge mit einer Erweiterung der Platzzahl auf 600 beschlossen. Dabei kam es zu einem Streit um die Frage, ob eine Orgel eingebaut werden sollte. Eine Trennung der Gemeinde mit einem Auszug der orthodox geprägten Gemeindeglieder konnte damals jedoch noch verhindert werden. Die orthodoxe Zeitschrift "Der Israelit" berichtete am 24. Dezember 1889:

Basel Israelit 24121889.JPG (222529 Byte)Basel, 16. Dezember (1889). Gestern Abend fand in unserer Gemeinde eine wichtige und bedeutungsvolle Gemeindeversammlung statt. Die hiesige Synagoge ist im Jahre 1864 gebaut worden, zu einer Zeit, als die Gemeinde, da Juden erst seit dem Jahre 1864 hier sein dürfen, noch sehr klein war. Inzwischen wuchs die Anzahl der Gemeindemitglieder, besonders seit dem Kriege, sodass wir jetzt ca. 240 Haushaltungen haben. Natürlich war die Synagoge schon seit längerer Zeit, besonders an den hohen Festtagen, für diese Zahl zu klein. Am jüngsten Sonntage lebte nun der Gemeinderat das Projekt zur Vergrößerung der Synagoge, die nach dem Plane 600 Plätze hat, der Gemeindeversammlung zur Beschlussfassung vor. Leider ging es dabei nicht ohne einen bedauerlichen Zwischenfalls ab. Wie wohl in den meisten Gemeinden, die zahlreiche "neue" Elemente haben, kam bei dem Neubau der Synagoge auch die leidige Orgelfrage zur Debatte. Bereits früher hatten wir ein Harmonium, welches allerdings nicht regelmäßig, aber doch ziemlich oft an Festtagen gespielt wurde. Unserm hochverehrten Rabbiner, Herrn Dr. Cohn, gelang es, wie so manches andere Ersprießliche, gleich bei seinem Amtsantritt das Spielen des Harmoniums zu verbannen. Die Debatte über die Orgel in der Gemeindeversammlung war ziemlich heftig. Es führten das große Wort diejenigen, die das ganze Jahr hindurch das Gotteshaus nicht besuchen und sie hielten es mit ihrem so genannten "Freisinn" für vereinbar, denjenigen, denen die Religion teurer ist, einen Gewissenszwang aufzuerlegen. Nachdem sich die Mehrzahl für die Orgel ausgesprochen hatte, während die Mitglieder des Vorstands und des Gemeinderats sich einstimmig dagegen erklärten, ergriff der langjährige Präsident der Gemeinde, Herr Dreyfus-Neumann, das Wort. Er wies darauf hin, dass an unserer Spitze ein orthodoxer Rabbiner steht, der ihm erklärt habe, dass er, wenn eine Orgel in die Synagoge komme, auf der Stelle sein Amt niederlegen würde. Er machte dann darauf aufmerksam, dass unser von Allen hochverehrter Rabbiner in Anerkennung seiner elfjährigen, unermüdlichen Tätigkeit erst kürzlich einen neuen Kontrakt auf zehn Jahre ausgefertigt erhalten habe und dass wenigstens während dieser Zeit eine solche Änderung des Rituals nicht vorgenommen werden könne. Für den Fall, dass die Gemeinde eine sofortige Einführung der Orgel wolle, erklärte er, seine Demission geben zu wollen. Hierauf beschloss die Gemeinde mit überwältigender Majorität, vor der Hand von der Einführung einer Orgel anzusehen. 
Wir glauben also für eine Reihe von Jahren den religiösen Frieden gesichert. Möge inzwischen die Zahl derer wachsen und erstarken, die, ehe sie an den Werken der "Reform" teilnehmen, lieber die Gemeinde verlassen, Möge auch die Zahl der Besonnenen sich mehren, die einsehen, dass, wie alle Rabbiner, deren Wort für den aufrichtigen Israeliten in Betracht kommt, ohne Ausnahme erklären, dass ein jüdisches Gotteshaus durch die Einführung einer Orgel seines Charakters als Synagoge entkleidet wird.

Der Umbau und die Erweiterung der Synagoge konnte 1890 durch den Basler Architekten Paul Reber vorgenommen werden. Die von 300 auf 600 Plätze vergrößerte und nun mit zwei Kuppeln versehene Synagoge konnte am 15. September 1892 neu eingeweiht werden. Der erste Rabbiner der Basler Gemeinde Dr. Arthur Cohn (1862-1926, Rabbiner in Basel von 1885-1926) hielt die Festpredigt. 1906-09 wurde nach den Plänen von Architekt Fritz Stehlin neben der großen eine kleine Synagoge erstellt. Sie diente während Umbauten der großen Synagoge (um 1910 und um 1947) den gottesdienstlichen Feiern der Gemeinde. Große und kleine Synagoge sind bis zur Gegenwart kultischer Mittelpunkt der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB).
  
  
Fotos / Darstellungen     

Die Synagoge der Israelitischen Gemeinde in Basel nach der Vergrößerung 1890/92
(SW-Abbildungen aus: 1868-1968 Zum Zentenarium der Basler Synagoge s. Lit.)
Basel Synagoge n021.jpg (90271 Byte) Basel Synagoge n020.jpg (62171 Byte) Basel Synagoge n023.jpg (57786 Byte)
Die Synagoge nach der Vergrößerung 1891 mit nunmehr zwei Kuppeln) Innenansicht nach der Vergrößerung 1891 Theodor Herzl vor der Basler Synagoge ca. 1903
     
Basel Synagoge n024.jpg (76596 Byte) Basel Synagoge n025.jpg (77484 Byte) Basel Synagoge 260.jpg (61019 Byte)
Innenansicht der Synagoge - Blick nach Westen Innenansicht der Synagoge - Blick nach Osten (Toraschrein) Die Synagoge in Basel - Ansichtskarte der 1980er-Jahre
          
Die Synagoge 2007
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 3.6.2007)
Basel Synagoge 160.jpg (93165 Byte) Basel Synagoge 161.jpg (82851 Byte) Basel Synagoge 163.jpg (57598 Byte)
Ansichten von Südwesten Die beiden Kuppeln der Synagoge
   
Basel Synagoge 164.jpg (74301 Byte) Basel Synagoge 168.jpg (87064 Byte) Basel Synagoge 167.jpg (91261 Byte)
  Apsis des Toraschreines Blick von Südosten
     
Basel Synagoge 166.jpg (73839 Byte) Basel Synagoge 165.jpg (81142 Byte)  
  Blick auf das Gemeindezentrum hinter der Synagoge  

     
   

Die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft (IRG)

Aus der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) ist 1927 die Israelitische Religionsgesellschaft (IRG) hervorgegangen als Gemeinde des toratreuen, orthodoxen Judentums. Zunächst handelte es sich um einen durch den Rabbiner Arthur Cohn und Sally Guggenheim gegründeten Verein der "Schabbatwächter" Schomre Schabbos, die sich nach dem Vorbild anderer Städte (Zürich) in die "Israelitische Religionsgesellschaft" umbenannte. Über die Gründungsversammlung der Israelitischen Religionsgesellschaft am 25. Dezember 1927 berichtete die Zeitschrift "Der Israelit" in der Ausgabe vom 5. Januar 1928: 

Basel Israelit 05011928.jpg (53369 Byte)Israelitische Religionsgesellschaft in Basel.  Basel, 3. Januar (1928). Sonntag, den 25. Dezember fand hier die diesjährige Generalversammlung des Vereins "Schomre Schabbos" statt. In der zahlreich besuchten Versammlung wurden die Statuten festgelegt und genehmigt. Der Verein führt in Zukunft den Namen "Israelitische Religionsgesellschaft", und hat sich in der kurzen Zeit seines Bestehens dermaßen entwickelt, dass sich die bisherigen Räumlichkeiten schon als zu klein erwiesen haben, sodass man eifrig auf der Suche nach einem größeren Lokale ist. Die Mitgliederzahl ist ständig im Wachsen begriffen, da der traditionell geführte Gottesdienst anziehend auf weitere Kreise wirkt. – Möge Gottes Segen auch fernerhin auf diesem zukunftverheißenden Werke ruhen.

Schomre Schabbos hatte einen ersten Betsaal (bereits seit 1923) in einem jüdischen Privathaus (Haus von Konsul Sally Guggenheim), seit 1. November 1924 im Haus Thannerstrasse 60. 1929 konnte eine eigene Synagoge in der Ahornstrasse 14 eingeweiht werden. Es handelt sich um ein äußerlich unscheinbares Haus mit einem Betsaal (120 Männer- und 125 Frauenplätze), Sitzungszimmer und Gemeindebüro sowie einem Hörsaal. Im Haus des früheren Betsaales Thannerstrasse 60 ist seitdem das Gemeindehaus und das Rabbinat der IRG. Über die Einweihung der Synagoge in der Ahornstraße berichtete die Zeitschrift "Der Israelit" am 3. Oktober 1929:  

Basel Israelit 03101929a.jpg (136569 Byte)Israelitische Religionsgesellschaft zu Basel   Basel, 30. September. Die Israelitische Religionsgesellschaft zu Basel, aus dem Vereine "Schomre Schabbos" hervorgegangen, hatte ihre Existenz vor Jahren mit einem kleinen, von dem inzwischen nach St. Gallen verzogenen Herrn Sternbuch gegründeten Minjan begonnen. Herr Konsul Sally Guggenheim nahm sich des Minjans mit besonderer Liebe an, und viele Freunde der jüdischen Sache scharten sich um ihn. So wuchs sich der Kreis allmählich zu einer Gemeinde aus, einer Religionsgesellschaft. Sie konnte am letzten Sonntag ihr Werk mit der Einweihung einer Synagoge krönen, die, vom Architekten Bischoff erbaut, einfach und schön, doch allen derzeitigen Ansprüchen vollauf genügt. Für weitere Entwicklungen ist neuer Bauplatz vorhanden, auch für eine eigene Schule. Die Israelitische Religionsgesellschaft zu Basel, nach Zürich die zweite in der Schweiz, ist eine Tatsache.
Zu der Einweihung am letzten Sonntagnachmittag hatten sämtliche Kultusgemeinden in der Schweiz ihre Delegierten beziehungsweise ihre Glückwünsche geschickt. Auch die Religionsgesellschaften Frankfurt a.M., Karlsruhe, Straßburg, Stuttgart usw. waren vertreten. Neben den Mitgliedern der Religionsgesellschaft füllten viele Gäste aus Basel und der ganzen Schweiz den heiligen Raum, um Zeugen des ersten denkwürdigen Gottesdienstes zu sein. Ein Chor sang kunstgerecht alle üblichen Gesänge und Herr Finkel aus Köln sang als Ehrenkantor mit wohlklingender Stimme die Sologebete. Die Herren Rabbiner Dr. P. Kohn – Wien und S. Brom – Luzern hielten vorzügliche Festreden auf die Heiligkeit und Bedeutung eines Gotteshauses, und gar einer solchen Heimstätte der Andacht für einen Kreis von Jereim (Gottesfürchtigen) mit trefflichen Worten und Bildern aus der Zeit der slicha uteschuwa hinweisend.
Zwischendurch richtete nach den Rundgängen und dem Einheben der Torarollen Herr Sally Guggenheim eine Ansprache an die Gemeinde, in der er eingangs der Vorgänge in Palästina und der heiligen Märtyrer gedachte. Ein stimmungsvolles El male rachamim (Gott, voller Erbarmen…) begleitete die stille Trauerkundgebung, worauf das Licht der ewigen Lampe aufleuchtete.
Basel Israelit 03101929b.jpg (165822 Byte)Um 7 Uhr abends fand man sich im Hotel "Metropol" zu einem Festmahl. Bei Speise und Trank und guter Geselligkeit hörte man eine Reihe zum Teil ganz vorzüglicher Reden an. Herr Konsul S. Guggenheim leitete den Reihen mit einer Begrüßung der Gäste ein. Herr Rabbiner Dr. Löwenstein überbrachte mit sinnvollen Worten warme Glückwünsche der Zürcher Gesinnungsfreunde. Herr Dr. W. Hofmann entbot mit einem Worte der Erklärung von S. R. Hirsch die Grüße der Frankfurter Khal Adass Jeschurun. Die Kultusgemeinde Zürich ließ durch ihr Vorstandsmitglied, Herrn Gutmann, ihre Glückwünsche ausdrücken und ein Geschenk überreichen. Dr. Willy Weil für die Religionsgesellschaft in Karlsruhe unterstrich die Tatsache, dass diese Gemeinde im Schoße des Vereines für Sabbatheiligung entstanden ist. Rabbiner Dr. P. Kohn sprach einige grundsätzliche Worte zur Gründung der Gemeinde und den Voraussetzungen ihrer weiteren Entwicklung. Red. S. Schachnowitz überbrachte in einer Rede heiteren und ernsten Inhalts die Grüße der Frankfurter Jeschiwa und der Palästina-Zentrale der Agudas-Jisroel. Herr Gabriel Plaut gab in launigen Worten den Gefühlen der Mitglieder der Religionsgesellschaft Ausdruck. Für die Zürcher Religionsgesellschaft sprach ferner Herr Mannes, Herr Messinger war ein guter Dolmetsch der Segenswünsche der Berner Kultusgemeinde. Herr Emanuel Kaufmann grüßte im Namen der württembergischen Religionsgesellschaften. An eine Botschaft vom zurzeit in Montreux weilenden Rabbi Chajim Oser knüpfte Herr Botschko einen feurigen Appell an Alt und Jung, das "beständige Licht" der Tora zu pflegen. Mit schönen Toraworten wartete uns Herrn Sternbuch – St. Gallen auf, und Herr Willi Guggenheim – Berlin beschloss kurz vor Mitternacht die lange Reihe mit einer Danksagung. Unter den Gästen sah man auch Herrn Oberrabbiner Weil aus Colmar. Eine große Anzahl von Depeschen und Glückwunschschreiben wurde verlesen. Auch dem Baumeister wurde Dank votiert, den er in herzlichen Worten an all seine treuen Helfer weitergab.
Die Feier ist verklungen, das Fest für die Baseler Religionsgesellschaft beginnt erst in und mit der Synagoge. Möge aus diesem neuen Hause neuer Ansporn für die im Wachsen begriffene Orthodoxie in der Schweiz ausgehen.

Seit der Einweihung der Synagoge in der Ahornstraße hat die "Israelitische Religionsgesellschaft" in Basel hier ihr gottesdienstliches Zentrum. In den ersten Jahren wirkten auswärtige Rabbiner zeitlich für die IRG. In der Generalversammlung vom 27. November 1932 wurde Dov Jehudo Schochet zum Rabbiner der Gemeinde gewählt. 1933 wurde eine Talmud Thora-Schule gegründet. In den folgenden Jahren entwickelte die Gemeinde große Aktivitäten, um die Bildung aller Altersklassen ihrer Religionsschule zu fördern.

Die IRG zählt derzeit etwa 250 Gemeindeglieder. Davon sind etwa 50 Männer, 70 Frauen und 130 Kinder und Jugendliche.

  
   

Links und Literatur

Links:

Website Stadt Basel 
Quartierportrait Basel mit Foto der Synagoge  
Website der Israelitischen Gemeinde Basel 
Informationsseite zur Israelitischen Religionsgesellschaft in Basel
Website des Jüdischen Museum der Schweiz in Basel (Kornhausgasse 8)
Zur Seite über die jüdischen Friedhöfe in Basel (interner Link)  
Christllich-jüdische Projekte Basel


Literatur:

Germania Judaica II,1 S. 51-55; III,1 S. 81-91 (jeweils mit weiteren Literaturangaben);
Theodor Nordmann: Zur Geschichte der Juden in Basel. Jubiläumsschrift der Israelitischen Gemeinde Basel aus Anlass des 150jährigen Bestehens. 5565-5715. 1805-1955 (148 S., SW Abb.).
Israelitische Gemeinde Basel (Hg.): 1868-1968. Zum Zentenarium der Basler Synagoge. Eine Festschrift. Basel 1968. Hierin u.a. Ludwig Kahn: Geschichte der Synagogen in Basel. S. 13-32.
Nadia Guth: Synagoge und Juden in Basel. Israelitische Gemeinde Basel. Morascha-Verlag. Zürich 1988 (60 S., 41 Abb.).
Emanuel Lang: Aus den ersten fünfzig Jahren. 5688-5738. 1927-1977. Israelitische Religionsgesellschaft Basel. Basel 1977 (39 S.).
Israelitische Religionsgesellschaft Basel. Festschrift zum fünfundsiebzigjährigen Jubiläum. 5699-5763. 1928-2003. Hg. Israelitische Religionsgesellschaft Basel. Basel 2004 (227 S.).
Heiko Haumann (Hrsg.): Acht Jahrhundert Juden in Basel. 200 Jahre Israelitische Gemeinde Basel. Schwabe Verlag Basel 2005. Informationen zu diesem Buch.
SBennewitz Buch.jpg (8576 Byte)Susanne Bennewitz: Basler Juden - französische Bürger. Migration und Alltag einer jüdischen Gemeinde im frühen 19. Jahrhundert. Schwabe Verlag Basel 2007 (Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft ISSN 1661-5026; ISBN 978-3-7965-2312-0). Nähere Informationen zu diesem Buch auf Seite des Schwabe Verlages.  
Neuerscheinung in 2008: Urs Draeger: Die Basler Juden und ihre Gemeinde. Herkunft, Berufe und soziale Struktur der Basler Juden. ISBN-13: 978-3639034431.  Vdm Verlag Dr. Müller.  Bestellbar auch beim Autor unter der E-Mail. 

     

Basel logo200.jpg (14638 Byte) Basel Prospekt200.jpg (38699 Byte) 1805-2005 - 
"baslerisch und jüdisch": 200 Jahre Israelitische Gemeinde Basel
Nähere Informationen
Die Ausstellung zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Basel wurde 2005 gezeigt.

       

  

                   
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Stand: 26. Januar 2010