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Basel (Kanton Basel-Stadt, CH)
Jüdische Geschichte / Betsäle/Synagogen
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Basel gab es eine jüdische Gemeinde zunächst im
Mittelalter. Die erste Gemeinde bestand von der Zeit um 1200 (1213 erste
urkundliche Erwähnung von Juden in der Stadt) bis zu den Verfolgungen während der Pestzeit, als am
16. Januar 1349 die Basler Juden grausam verbrannt wurden. Von etwa 1360 bis zur
Ausweisung der Juden aus Basel 1400 bestand nochmals eine kleinere, zweite
mittelalterliche jüdische Gemeinde in der Stadt.
Nachdem
sich seit 1799 einige elsässische Juden niederlassen konnten, wurde um 1805
eine neue Gemeinde in Basel gegründet. Doch
war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Ansiedlung von Juden
in der unmittelbaren Umgebung der Stadt (Basel-Land) noch höchst umstritten. Im
August 1839 meldete die "Allgemeine Zeitung des Judentums" (siehe
links, Artikel vom 3.8.1839): "Basel, 9. Juli (1839). Baselland hat den
Juden jeden Aufenthalt auf seinem Gebiete, außer an den Markttagen, untersagt.
Alle Handlungsdiener jüdischen Glaubens sollen binnen einigen Tagen das Land
verlassen."
Erst seit 1872 wurden Juden in das Basler
Bürgerrecht aufgenommen. Danach begann ein schneller Aufstieg der
jüdischen Gemeinde in der Stadt, die auch bald eine überregionale Bedeutung
bekommen sollte: 1897 war der 1. Zionistenkongress in Basel. Die
Zahl jüdischer Einwohner nahm im 19. Jahrhundert stark zu von 198 (1815) auf
1897 (1900). 1927 war es zur Trennung zwischen der Israelitischen Gemeinde in
Basel (IGB) und der orthodoxen Israelitischen Religionsgesellschaft Basels (IRG)
gekommen. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner in Basel-Stadt und Basel-Land
wurde um 1941 mit etwa 3050 Personen erreicht (davon etwa 2850 in Basel-Stadt),
um danach langsam zurückzugehen. Ende 1996 hatte die IGB etwa 1650, die IRG etwa 250
Gemeindeglieder.
Zur Geschichte der Betsäle / Synagogen
Die mittelalterliche Synagoge lag im 13. Jahrhundert
und bis zur Verfolgung 1349 am Rindermarkt, der heutigen Unteren Gerbergasse,
auf dem Areal des späteren Stiftes St. Leonhard. In der zweiten Hälfte des 14.
Jahrhunderts (von etwa 1367 bis etwa 1400) bestand eine Synagoge auf dem
Grundstück Grünpfahlgässlein 1. Nach der Ausweisung der Juden wurde das
Gebäude der "Judenschule", wie es noch bis ins 19. Jahrhundert
genannt wurde, zu profanen Zwecken verwendet.
Die alte Synagoge Unterer Heuberg nach
einem Gemälde von
J.J. Schneider (1822-1889) |
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Der Untere Heuberg |
Ausschnitt aus dem Bild links:
die alte Synagoge |
Nachdem bis
um 1864 etwa 300 jüdische Gemeindeglieder in
Basel lebten, wurde der Bau einer größeren Synagoge in Angriff genommen.
Am 2. Januar 1866 berichtete die "Allgemeine Zeitung des
Judentums":
"Basel, 14. Dezember (1865). Die
hiesige israelitische Gemeinde, welche aus 45 Familien, meistens Elsässern
besteht und in beständigem Wachsen begriffen ist, beabsichtigt den bau einer
neuen Synagoge. Durch den Verkauf von Plätzen und durch Geschenke ist bereits
die Summe von 50.000 Franken aufgebracht und gibt sich die Gemeinde der Hoffnung
hin, dass die Stadt nach dem Vorgange von Genf und Zürich der israelitischen
Gemeinde einen geeigneten Platz zum Synagogenbau anweisen werde..." |
Im Laufe des Jahres 1866 konnte die jüdische Gemeinde ein Grundstück an der Ecke Eulerstrasse/Leimenstrasse erwerben
und dort nach den Plänen von Architekt Herrmann Rudolf Gauss aus Heilbronn
(1835-1868) eine neue Synagoge im maurisch-byzantinischem Stil erbauen,
in der jeweils 150 Männer und Frauenplätze vorhanden waren. Die
Grundsteinlegung war am 25. Mai 1867, die feierliche Einweihung durch
die Rabbiner von Lengnau (Dr. Meyer
Kayserling) und Hegenheim (Moise Nordmann)
am 9. September
1868. Zahlreiche Presseartikel berichteten von dem
Ereignis in der Stadt. Ein kurzer Artikel findet sich in der orthodox-jüdischen
Zeitschrift "Der Israelit" von 30. September 1868:
"Basel. Am 9. September (1868) wurde die von der hiesigen Gemeinde
erbaute prachtvolle Synagoge eingeweiht. Außer den hiesigen Israeliten hatten
sich zahlreiche Glaubensgenossen aus der Umgegend, Abgeordnete der Regierung,
des Stadtrats, einige protestantische Geistliche, die Konsuln von Nordamerika
und Frankreich und noch viele andere Gäste eingefunden. Die Rabbinen von
Hegenheim (Elsass) und Lengnau (Aargau) hielten die Weihereden. |
Ausführlicher war der Artikel in der
Zeitschrift "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 6. Oktober 1868:
Basel, 13. September (1868). Basel,
die Stadt so vieler mittelalterlicher Gräuel gegen die Juden und wiederholter
Austreibungen derselben, aber auch manches verdienstvollen Schriftwerkes auf
unserem Gebiete, hat jetzt den Sieg der Glaubensfreiheit besiegelt, indem in
seinem Weichbilde eine Synagoge erbaut und öffentlich eingeweiht worden, und
war unter allgemeiner Teilnahme der Bevölkerung. Davon zeugt auch die
Berichterstattung aus christlicher Feder in Nr. 216 des ‚Tagblattes der Stadt
Basel’, und deshalb können wohl einige Stellen aus diesem einen Anspruch auf
einen Raum in diesem Blatt machen. Es heißt dort: "Die neue Synagoge an der
Leimenstraße ist ein zwar nur mäßig großes, aber in seiner Ausführung
vollkommen gelungenes Gebäude, dessen zierliche Kuppel weithin gesehen und
nicht nur der nächsten Umgebung, sondern der ganzen Stadt zur Zierde gereicht.
Im Innern ist die Synagoge hell, freundlich, geschmackvoll und ohne Überladung
geziert, die Estrade, auf welcher sich die Stühle und der Pult der Rabbiner
befinden und in deren Hintergrunde die heilige Lade angebracht ist, reich geschmückt.
Das Gebäude wurde ohne irgend welche Mithilfe des Staates oder der Stadt,
lediglich auf Zu- und Vorschüsse der Mitglieder der israelitischen Gemeinde
ausgeführt. Die Einweihung dieses israelitischen Gotteshauses fand letzten
Mittwochnachmittag statt. Neben den hiesigen Israeliten hatten sich zahlreiche
Glaubensgenossen aus der Umgebung, eine Abordnung der Regierung, des Stadtrates,
einige protestantische Geistliche, die Konsuln von Nordamerika und Frankreich
und noch viele andere Gäste eingefunden."
Die Einweihung wurde vollzogen durch die Herren Rabbiner Nordmann aus Hegenheim
bei Basel und Dr. Kayserling aus Lengnau. Der Erstere sprach über den Kampf,
den Israel glücklich überwunden, über die großen Lehren des Judentums, und
dass jetzt der jüdische Stamm im Glücke dieselbe Überzeugungstreue zu
beweisen habe, wie in der Zeit des Unglücks. Der Berichterstatter nennt die
Predigt "sehr ansprechend und die volle Aufmerksamkeit der Zuhörer findend." Er
berichtet ferner: "Es folgte der Festchor aus dem 118. Psalm, noch eine ganz
ausgezeichnete Komposition von Halevy und darauf eine zweite Predigt und
Einsegnung der Synagoge durch Herrn Rabbiner Dr. Kayserling aus Lengnau, eine
Rede voll Schwung und rhetorischem Reichtum, bei welcher namentlich das
Eingangsgebet (Preis Gottes) und dann das Schlussgebet (der Segen) wunderbar schön
und ergreifend waren".
Den Inhalt dieser Predigt bildete der Gedanke, dass Bruderliebe und Duldsamkeit
der Kern des Judentums seien, und dass es der weltgeschichtliche Beruf Israelis
sei, durch Lehre, Kampf und Tat dieselben zur Herrschaft zu bringen. |
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| Die Synagoge von 1868 an der
Eulerstrasse/Leimenstrasse
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| Oben: der endgültige Entwurf zum
Bau der Synagoge von Architekt Herrmann Rudolf Gauss |
Rechts: Foto der
Synagoge - vor der Vergrößerung 1890/92 - mit noch einer Kuppel; das
Foto wurde uns im Januar 2010 zur Verfügung gestellt von John Gauss (GB),
einem Urenkel des Synagogenarchitekten |
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Die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder in Basel
wuchs weiter - von 1870 bis 1888 von 429 auf 1086 Gemeindeglieder, sodass die
Synagoge alsbald zu klein war. Im Dezember 1889 wurde bei einer
Gemeindeversammlung die Vergrößerung der Synagoge mit einer Erweiterung der
Platzzahl auf 600 beschlossen. Dabei kam es zu einem Streit um die Frage, ob
eine Orgel eingebaut werden sollte. Eine Trennung der Gemeinde mit einem
Auszug der orthodox geprägten Gemeindeglieder konnte damals jedoch noch
verhindert werden. Die orthodoxe Zeitschrift "Der Israelit"
berichtete am 24. Dezember 1889:
Basel, 16. Dezember (1889). Gestern
Abend fand in unserer Gemeinde eine wichtige und bedeutungsvolle
Gemeindeversammlung statt. Die hiesige Synagoge ist im Jahre 1864 gebaut worden,
zu einer Zeit, als die Gemeinde, da Juden erst seit dem Jahre 1864 hier sein dürfen,
noch sehr klein war. Inzwischen wuchs die Anzahl der Gemeindemitglieder,
besonders seit dem Kriege, sodass wir jetzt ca. 240 Haushaltungen haben. Natürlich
war die Synagoge schon seit längerer Zeit, besonders an den hohen Festtagen, für
diese Zahl zu klein. Am jüngsten Sonntage lebte nun der Gemeinderat das Projekt
zur Vergrößerung der Synagoge, die nach dem Plane 600 Plätze hat, der
Gemeindeversammlung zur Beschlussfassung vor. Leider ging es dabei nicht ohne
einen bedauerlichen Zwischenfalls ab. Wie wohl in den meisten Gemeinden, die
zahlreiche "neue" Elemente haben, kam bei dem Neubau der Synagoge auch die
leidige Orgelfrage zur Debatte. Bereits früher hatten wir ein Harmonium,
welches allerdings nicht regelmäßig, aber doch ziemlich oft an Festtagen
gespielt wurde. Unserm hochverehrten Rabbiner, Herrn Dr. Cohn, gelang es, wie so
manches andere Ersprießliche, gleich bei seinem Amtsantritt das Spielen des
Harmoniums zu verbannen. Die Debatte über die Orgel in der Gemeindeversammlung
war ziemlich heftig. Es führten das große Wort diejenigen, die das ganze Jahr
hindurch das Gotteshaus nicht besuchen und sie hielten es mit ihrem so genannten
"Freisinn" für vereinbar, denjenigen, denen die Religion teurer ist, einen
Gewissenszwang aufzuerlegen. Nachdem sich die Mehrzahl für die Orgel
ausgesprochen hatte, während die Mitglieder des Vorstands und des Gemeinderats
sich einstimmig dagegen erklärten, ergriff der langjährige Präsident der
Gemeinde, Herr Dreyfus-Neumann, das Wort. Er wies darauf hin, dass an unserer
Spitze ein orthodoxer Rabbiner steht, der ihm erklärt habe, dass er, wenn eine
Orgel in die Synagoge komme, auf der Stelle sein Amt niederlegen würde. Er
machte dann darauf aufmerksam, dass unser von Allen hochverehrter Rabbiner in
Anerkennung seiner elfjährigen, unermüdlichen Tätigkeit erst kürzlich einen
neuen Kontrakt auf zehn Jahre ausgefertigt erhalten habe und dass wenigstens während
dieser Zeit eine solche Änderung des Rituals nicht vorgenommen werden könne. Für
den Fall, dass die Gemeinde eine sofortige Einführung der Orgel wolle, erklärte
er, seine Demission geben zu wollen. Hierauf beschloss die Gemeinde mit überwältigender
Majorität, vor der Hand von der Einführung einer Orgel anzusehen.
Wir glauben also für eine Reihe von Jahren den religiösen Frieden gesichert. Möge
inzwischen die Zahl derer wachsen und erstarken, die, ehe sie an den Werken der "Reform"
teilnehmen, lieber die Gemeinde verlassen, Möge auch die Zahl der Besonnenen
sich mehren, die einsehen, dass, wie alle Rabbiner, deren Wort für den
aufrichtigen Israeliten in Betracht kommt, ohne Ausnahme erklären, dass ein jüdisches
Gotteshaus durch die Einführung einer Orgel seines Charakters als Synagoge
entkleidet wird. |
Der Umbau und die Erweiterung der Synagoge konnte 1890
durch den Basler Architekten Paul Reber
vorgenommen werden. Die von 300 auf 600 Plätze vergrößerte und nun mit zwei Kuppeln
versehene Synagoge konnte am 15. September 1892 neu eingeweiht werden. Der erste
Rabbiner der Basler Gemeinde Dr. Arthur Cohn (1862-1926, Rabbiner in Basel von
1885-1926) hielt die Festpredigt. 1906-09 wurde nach den Plänen von Architekt
Fritz Stehlin neben der großen eine kleine Synagoge erstellt. Sie diente während Umbauten
der großen Synagoge (um 1910 und um 1947) den gottesdienstlichen Feiern
der Gemeinde. Große und kleine Synagoge sind bis zur Gegenwart kultischer
Mittelpunkt der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB).
Fotos / Darstellungen
Die Synagoge der
Israelitischen Gemeinde in Basel nach der Vergrößerung 1890/92
(SW-Abbildungen aus: 1868-1968 Zum Zentenarium der
Basler Synagoge s. Lit.) |
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| Die Synagoge nach der
Vergrößerung 1891 mit nunmehr zwei Kuppeln) |
Innenansicht nach der
Vergrößerung 1891 |
Theodor Herzl vor der Basler
Synagoge ca. 1903 |
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| Innenansicht der Synagoge -
Blick nach Westen |
Innenansicht der Synagoge -
Blick nach Osten (Toraschrein) |
Die Synagoge in
Basel - Ansichtskarte der 1980er-Jahre |
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Die Synagoge
2007
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 3.6.2007) |
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| Ansichten von
Südwesten |
Die beiden Kuppeln der
Synagoge |
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Apsis des Toraschreines |
Blick von Südosten |
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Blick auf das Gemeindezentrum
hinter der Synagoge |
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Die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft
(IRG)
Aus der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) ist 1927 die Israelitische
Religionsgesellschaft (IRG) hervorgegangen als Gemeinde des toratreuen,
orthodoxen Judentums. Zunächst handelte es sich um einen durch den Rabbiner
Arthur Cohn und Sally Guggenheim gegründeten Verein der "Schabbatwächter"
Schomre Schabbos, die sich nach dem Vorbild anderer Städte (Zürich) in
die "Israelitische Religionsgesellschaft" umbenannte. Über die Gründungsversammlung
der Israelitischen Religionsgesellschaft am 25. Dezember 1927 berichtete die
Zeitschrift "Der Israelit" in der Ausgabe vom 5. Januar 1928:
Israelitische Religionsgesellschaft in Basel.
Basel, 3. Januar (1928). Sonntag, den 25. Dezember fand hier die diesjährige
Generalversammlung des Vereins "Schomre Schabbos" statt. In der zahlreich
besuchten Versammlung wurden die Statuten festgelegt und genehmigt. Der Verein führt
in Zukunft den Namen "Israelitische Religionsgesellschaft", und hat sich in der
kurzen Zeit seines Bestehens dermaßen entwickelt, dass sich die bisherigen Räumlichkeiten
schon als zu klein erwiesen haben, sodass man eifrig auf der Suche nach einem größeren
Lokale ist. Die Mitgliederzahl ist ständig im Wachsen begriffen, da der
traditionell geführte Gottesdienst anziehend auf weitere Kreise wirkt. – Möge
Gottes Segen auch fernerhin auf diesem zukunftverheißenden Werke ruhen. |
Schomre Schabbos hatte einen ersten
Betsaal (bereits seit 1923) in
einem jüdischen Privathaus (Haus von Konsul Sally Guggenheim), seit 1. November 1924 im
Haus Thannerstrasse 60. 1929 konnte eine eigene Synagoge in der Ahornstrasse 14
eingeweiht werden. Es handelt sich um ein äußerlich unscheinbares Haus mit
einem Betsaal (120 Männer- und 125 Frauenplätze), Sitzungszimmer und
Gemeindebüro sowie einem Hörsaal. Im Haus des früheren Betsaales Thannerstrasse
60 ist seitdem das Gemeindehaus und das Rabbinat der IRG. Über die
Einweihung der Synagoge in der Ahornstraße berichtete die Zeitschrift "Der
Israelit" am 3. Oktober 1929:
Israelitische Religionsgesellschaft zu
Basel Basel, 30. September. Die
Israelitische Religionsgesellschaft zu Basel, aus dem Vereine "Schomre Schabbos"
hervorgegangen, hatte ihre Existenz vor Jahren mit einem kleinen, von dem
inzwischen nach St. Gallen verzogenen Herrn Sternbuch gegründeten Minjan
begonnen. Herr Konsul Sally Guggenheim nahm sich des Minjans mit besonderer
Liebe an, und viele Freunde der jüdischen Sache scharten sich um ihn. So wuchs
sich der Kreis allmählich zu einer Gemeinde aus, einer Religionsgesellschaft.
Sie konnte am letzten Sonntag ihr Werk mit der Einweihung einer Synagoge krönen,
die, vom Architekten Bischoff erbaut, einfach und schön, doch allen derzeitigen
Ansprüchen vollauf genügt. Für weitere Entwicklungen ist neuer Bauplatz
vorhanden, auch für eine eigene Schule. Die Israelitische Religionsgesellschaft
zu Basel, nach Zürich die zweite in der Schweiz, ist eine Tatsache.
Zu der Einweihung am letzten Sonntagnachmittag hatten sämtliche Kultusgemeinden
in der Schweiz ihre Delegierten beziehungsweise ihre Glückwünsche geschickt.
Auch die Religionsgesellschaften Frankfurt a.M., Karlsruhe, Straßburg,
Stuttgart usw. waren vertreten. Neben den Mitgliedern der Religionsgesellschaft
füllten viele Gäste aus Basel und der ganzen Schweiz den heiligen Raum, um
Zeugen des ersten denkwürdigen Gottesdienstes zu sein. Ein Chor sang
kunstgerecht alle üblichen Gesänge und Herr Finkel aus Köln sang als
Ehrenkantor mit wohlklingender Stimme die Sologebete. Die Herren Rabbiner Dr. P.
Kohn – Wien und S. Brom – Luzern hielten vorzügliche Festreden auf die
Heiligkeit und Bedeutung eines Gotteshauses, und gar einer solchen Heimstätte
der Andacht für einen Kreis von Jereim
(Gottesfürchtigen) mit trefflichen Worten
und Bildern aus der Zeit der slicha
uteschuwa hinweisend.
Zwischendurch richtete nach den Rundgängen und dem Einheben der Torarollen Herr
Sally Guggenheim eine Ansprache an die Gemeinde, in der er eingangs der Vorgänge
in Palästina und der heiligen Märtyrer gedachte. Ein stimmungsvolles El
male rachamim (Gott, voller Erbarmen…) begleitete die stille
Trauerkundgebung, worauf das Licht der ewigen Lampe aufleuchtete. |
Um 7 Uhr abends fand man sich im Hotel "Metropol" zu einem Festmahl. Bei Speise
und Trank und guter Geselligkeit hörte man eine Reihe zum Teil ganz vorzüglicher
Reden an. Herr Konsul S. Guggenheim leitete den Reihen mit einer Begrüßung der
Gäste ein. Herr Rabbiner Dr. Löwenstein überbrachte mit sinnvollen Worten
warme Glückwünsche der Zürcher Gesinnungsfreunde. Herr Dr. W. Hofmann entbot
mit einem Worte der Erklärung von S. R. Hirsch die Grüße der Frankfurter Khal
Adass Jeschurun. Die Kultusgemeinde Zürich ließ durch ihr Vorstandsmitglied,
Herrn Gutmann, ihre Glückwünsche ausdrücken und ein Geschenk überreichen.
Dr. Willy Weil für die Religionsgesellschaft in Karlsruhe unterstrich die
Tatsache, dass diese Gemeinde im Schoße des Vereines für Sabbatheiligung
entstanden ist. Rabbiner Dr. P. Kohn sprach einige grundsätzliche Worte zur Gründung
der Gemeinde und den Voraussetzungen ihrer weiteren Entwicklung. Red. S.
Schachnowitz überbrachte in einer Rede heiteren und ernsten Inhalts die Grüße
der Frankfurter Jeschiwa und der Palästina-Zentrale der Agudas-Jisroel. Herr
Gabriel Plaut gab in launigen Worten den Gefühlen der Mitglieder der
Religionsgesellschaft Ausdruck. Für die Zürcher Religionsgesellschaft sprach
ferner Herr Mannes, Herr Messinger war ein guter Dolmetsch der Segenswünsche
der Berner Kultusgemeinde. Herr Emanuel Kaufmann grüßte im Namen der württembergischen
Religionsgesellschaften. An eine Botschaft vom zurzeit in Montreux weilenden
Rabbi Chajim Oser knüpfte Herr Botschko einen feurigen Appell an Alt und Jung,
das "beständige Licht" der Tora zu pflegen. Mit schönen Toraworten wartete uns
Herrn Sternbuch – St. Gallen auf, und Herr Willi Guggenheim – Berlin
beschloss kurz vor Mitternacht die lange Reihe mit einer Danksagung. Unter den Gästen
sah man auch Herrn Oberrabbiner Weil aus Colmar. Eine große Anzahl von
Depeschen und Glückwunschschreiben wurde verlesen. Auch dem Baumeister wurde
Dank votiert, den er in herzlichen Worten an all seine treuen Helfer weitergab.
Die Feier ist verklungen, das Fest für die Baseler Religionsgesellschaft
beginnt erst in und mit der Synagoge. Möge aus diesem neuen Hause neuer Ansporn
für die im Wachsen begriffene Orthodoxie in der Schweiz ausgehen. |
Seit der Einweihung der Synagoge in der Ahornstraße hat
die "Israelitische Religionsgesellschaft" in Basel hier ihr
gottesdienstliches Zentrum. In den ersten Jahren wirkten auswärtige Rabbiner
zeitlich für die IRG. In der Generalversammlung vom 27. November 1932 wurde Dov
Jehudo Schochet zum Rabbiner der Gemeinde gewählt. 1933 wurde eine Talmud
Thora-Schule gegründet. In den folgenden Jahren entwickelte die Gemeinde große
Aktivitäten, um die Bildung aller Altersklassen ihrer Religionsschule zu fördern.
Die IRG zählt derzeit etwa 250 Gemeindeglieder. Davon
sind etwa 50 Männer, 70 Frauen und 130 Kinder und Jugendliche.
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,1 S. 51-55; III,1 S. 81-91 (jeweils mit
weiteren Literaturangaben); |
 | Theodor Nordmann: Zur Geschichte der Juden in Basel.
Jubiläumsschrift der Israelitischen Gemeinde Basel aus Anlass des
150jährigen Bestehens. 5565-5715. 1805-1955 (148 S., SW Abb.). |
 | Israelitische Gemeinde Basel (Hg.): 1868-1968. Zum Zentenarium der
Basler Synagoge. Eine Festschrift. Basel 1968. Hierin u.a. Ludwig Kahn:
Geschichte der Synagogen in Basel. S. 13-32. |
 | Nadia Guth: Synagoge und Juden in Basel. Israelitische Gemeinde
Basel. Morascha-Verlag. Zürich 1988 (60 S., 41 Abb.). |
 | Emanuel Lang: Aus den ersten fünfzig Jahren. 5688-5738. 1927-1977.
Israelitische Religionsgesellschaft Basel. Basel 1977 (39 S.). |
 | Israelitische Religionsgesellschaft Basel. Festschrift zum
fünfundsiebzigjährigen Jubiläum. 5699-5763. 1928-2003. Hg. Israelitische
Religionsgesellschaft Basel. Basel 2004 (227 S.). |
 | Heiko Haumann
(Hrsg.): Acht Jahrhundert Juden in Basel. 200 Jahre Israelitische Gemeinde
Basel. Schwabe Verlag Basel 2005. Informationen
zu diesem Buch. |
 | Susanne Bennewitz: Basler Juden - französische
Bürger. Migration und Alltag einer jüdischen Gemeinde im frühen 19.
Jahrhundert. Schwabe Verlag Basel 2007 (Basler Beiträge zur
Geschichtswissenschaft ISSN 1661-5026; ISBN 978-3-7965-2312-0). Nähere Informationen
zu diesem Buch auf Seite des Schwabe Verlages. |
 | Neuerscheinung in 2008:
Urs Draeger: Die Basler Juden und ihre Gemeinde. Herkunft, Berufe und
soziale Struktur der Basler Juden. ISBN-13: 978-3639034431. Vdm
Verlag Dr. Müller. Bestellbar auch beim Autor unter der E-Mail. |
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1805-2005 -
"baslerisch und jüdisch": 200 Jahre Israelitische Gemeinde
Basel
Nähere Informationen |
| Die Ausstellung
zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Basel wurde 2005 gezeigt.
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