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im Elsass"
Bergheim (Dep. Haut-Rhin
/ Alsace / Oberelsass)
Jüdische Geschichte / Synagogue / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In dem 14 Kilometer nördlich von Colmar gelegenen Bergheim
bestand eine jüdische Gemeinde im Mittelalter, erstmals in der ersten Hälfte
des 14. Jahrhunderts. Sie wurde 1338 von der Armleder-Verfolgung und zur
Pestzeit 1348/49 von der allgemeinen Verfolgung betroffen.
Um 1375 lebten Juden
wieder in der Stadt, da damals Erzherzog Leopold III. (Bergheim war damals
habsburgisch) den Juden in Bergheim, Rappoltsweiler und Hattstatt Wohnrecht
erteilte. Auch 1421 und um 1450 sind Juden in der Stadt genannt.
Im Bauernkrieg
wurden die Juden von den revoltierenden Bauern geplündert. 1568 wurden sie
vertrieben.
Einige Jahre nach der Vertreibung kam es zur Neugründung einer Gemeinde. Im
18. Jahrhundert stieg die Zahl der jüdischen Familien am Ort von 36 (1735)
auf 67 (1784, mit etwa 330 Personen in 67 Familien).
An Einrichtungen der jüdischen Gemeinde bestanden eine Synagoge (s.u.),
eine jüdische Schule und ein rituelles Bad. Auch
ein Bezirksrabbinat wurde in Bergheim eingerichtet, das bis 1910 bestand.
Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Rosenweiler /
Rosenwiller beigesetzt.
Im 19. Jahrhundert wurde 1846 mit 439 jüdischen Einwohnern eine
Höchstzahl erreicht, danach ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung zurück:
1861 361 jüdische Einwohner, 1900 91, 1910 64, 1936 26.
Im Zweiten Weltkrieg wurden unter der deutschen Besatzung die letzten der verbliebenen jüdischen
Einwohner nach Südfrankreich deportiert (1940).
Nach 1945 bildete sich vorübergehend eine neue Gemeinde, zu der 1953 54
jüdische Einwohner gehörten.
Derzeit besteht keine jüdische Gemeinde mehr am Ort.
Berichte
aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Berichte
zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Über den Dichter Mayer (Jakob) (um 1800)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Dezember 1840:
"Mayer (Jakob), französischer Dichter, geboren zu Bergheim im
Elsass, widmete sich trotz aller Hindernisse seines geringen Vermögens
den Wissenschaften. Man hat von ihm mehrere hebräische Gedichte...
(u.a.:) 3) Ode auf den Geburtstag des Kaisers Napoleon, ins Französische
übersetzt von Michel Berr. Paris 1806. Diese Ode wurde den 15. August
1806 gesungen." |
Zum Tod des Offiziers Netter Gabriel (1869)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juni 1869: "Bergheim
(Oberrhein), im Mai (Fam. de Jac.). Mehrere amerikanische Journale haben
über den Tod des Herrn Netter Gabriel berichtet, der aus Bergheim
gebürtig, 26 Jahre alt, Oberst des 38. Kavallerie-Regiments der
Freiwilligen von Kentucky war. Dieser bedeutende Offizier hatte als
einfacher Volontär in den Dienst der Nordstaaten eingetreten, alle Grade
auf dem Schlachtfelde erlangt, und es war im letztverflossenen Monat
Oktober, dass er zu Owensborn in einem Treffen mit den Guerillas des
Südens getötet wurde. Nachdem seine Leiche nach Evansville gebracht
worden, war seine Bestattung eine jener großen Demonstrationen, welche
die Armee gegen alle Kulte übt. Die ganze Lokal-Miliz, mit zwei
Musikbanden an der Spitze, begleitete den gefallenen Helden zur Ruhestätte.
Die Divisionsgenerale, umgeben von einem glänzenden Stabe, folgten dem
Leichenzuge in offenen Wagen. Artilleriesalven wurden aus der Batterie
Siegel abgefeuert. Die ganze Stadt in Trauer bedauerte den vorzeitigen Tod
des braven Soldaten, der so lobenswerte Anstrengungen gemacht, um seinen
Namen in den Tempel des Ruhmes zu verzeichnen.
Dieser junge ausgezeichnete Offizier, dessen Überreste auf dem
israelitischen Kirchhofe zu Evansville ruhen, wo seine Grabstätte eine
historische Bedeutung erlangen wird, gehörte einer Familie zu Bergheim
an, die er fortwährend durch seine Ersparnisse
erhielt." |
Ernennung des aus Bergheim stammenden Brigade-Generals Leopold See zum
Divisions-General (1880)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. März 1880:
"Wir haben bereits die Ernennung unseres Glaubensgenossen, des
Brigade-Generals Sée zum Divisions-General gemeldet. Die Blätter
enthalten über diesen Mann die folgenden näheren Mitteilungen. Leopold
See steht gegenwärtig im 58. Lebensjahre; er wurde am 4. Mai 1822 zu
Bergheim im Elsass geboren, ist also, da ihm noch sieben Jahre zu der im
französischen Gesetz vorgeschriebenen Altersgrenze, bei welcher die
Pensionierung erfolgt, fehlen, noch jung genug, um auch noch
Korps-Kommandant werden zu können. Er hat 1842 die Militärschule von
Saint-Cyr absolviert, aus welcher er als Unterleutnant in die Infanterie
eintrat. 1847 wurde er Oberleutnant, 1850 Hauptmann, 1855 vor den Mauern
Sebastopols Bataillonschef (Major) und Ritter der Ehrenlegion, 1863
Oberstleutnant und 1868 Oberst. In dem deutsch-französischen Kriege von
1870-1871 trug ihm seine Haltung an der Spitze eines Regiments in dem
Ausfallsgefechte von Le Bourget bei Paris den Brigadegeneralsrand ein. In
der letzten Zeit kommandierte er die 18. Infanterie-Brigade in Paris. Als
am 18. Juli 1876 seine Ernennung zum Kommandeur der Ehrenlegion erfolgte,
war in dem betreffenden Dekrete mit angemerkt, dass er neun Feldzüge
mitgemacht habe und viermal verwundet worden sei. General Sée entstammt
einer der geachtetsten Familien Frankreichs, von deren Mitgliedern
gegenwärtig auch eines als Präfekt, ein anderes als Unterpräfekt und
ein dritte (Camille Sée) als Deputierter tätig ist, während ein viertes
(Germain Sée) zu den namhaftesten Professoren der medizinischen Fakultät
von Paris gehört." |
Zur Geschichte der Synagogen
Die mittelalterliche Synagoge der Gemeinde in der 1.
Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde nach den Verfolgungen in der Pestzeit
enteignet. Sie wurde danach (1398 genannt) von Christen als Wohnhaus verwendet. und im 15.
Jahrhundert von der Stadt verkauft. Mitte des 16. Jahrhunderts kam das Gebäude
wiederum in den Besitz der jüdischen Gemeinde, nachdem es im Bauernkrieg 1525
zerstört und wieder repariert worden war.
Über die Geschichte der mittelalterlichen Synagoge
(Bericht von 1867)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Juni 1867:
"Bei ihrer Ankunft in Elsass hatten die Juden in den großen Städten
Häuser, die eigens für die Gebete bestimmt waren. Diese Synagogen hatten
nicht viel Glück. Wir haben schon erwähnt, dass die zu Colmar schon im
13. Jahrhundert verbrannt, und dass die von Haguenau konfisziert und
später im Jahre 1347 der Stadt übergeben wurde. Aber keine überlebte
die schrecklichen Metzeleien im Jahre 1349; sie wurden alle
Kommunaleigentum und früher oder später niedergerissen und zu
Privathäusern umgewandelt. Eine einzige hingegen verdient besonderer Erwähnung,
weil sie ein eigentümliches Schicksal hatte. Es war dies die Synagoge
von Oberbergheim, welche den Juden im Jahre 1349 weggenommen wurde.
Je nachdem die Stadt Gelder nötig hatte, machte sie auf dieses in der
Judenstraße gelegene Haus hypothekarische Anleihen. So lieh schon zu Ende
des 14. Jahrhunderts Oberbergheim von der Frau Catharina Henri Harster
eine gewisse Summe Geldes, für welche die Stadt als Zinsen zwanzig Maß
Weizen, Roggen und Hafer zu geben hatte. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts
überließ Catharine ihre Hypothek an Vernert von Burgheim, welcher
wiederum 1431 dieselbe Hypothek dem Claus Kimpersheim von Oberbergheim
abtrat. Erst im Jahre 1551 kaufte der Präsident der jüdischen Gemeinde,
Jackolin, das Gebäude wieder zum Preise von 130 Florins, auf welche er
bar 50 bezahlte und in acht jährlichen Terminen die übrigen 80 Florins
zahlen musste. Unter anderem hatte er den nächsten Nachbarn des Tempels,
Wilhelm von Walpaag und Georges Metzger, eine jährliche Rente von 3
Schilling-Rappen zu zahlen. Er wurde auch gezwungen, sich zu verpflichten,
wenn ein Ankömmling von vertriebenen oder getöteten Juden, der die
Absicht hätte, einen Teil seines Besitzes dem Tempel wieder zu verkaufen,
in dem Ort ankäme, die ganze Verantwortung dafür auf sich zu nehmen. -
Schließlich versprach er, während des Gottesdienstes nicht zu laut
singen zu lassen. Dieser Tempel, mit einigen von Zeit zu Zeit notwendigen
Ausbesserungen, blieb wie er war. Erst vor ungefähr zwanzig Jahren wurde
er wieder erbaut. Es ist dies die einzige Synagoge im Elsass, welche noch
auf dem Platze steht, wo sie im Anfang des 14. Jahrhunderts gestanden. In
der ganzen übrigen Provinz waren so wenig Juden ansässig, dass sie
selbst in den folgenden Jahrhunderten keine alte Synagoge haben
konnten." |
Die bis heute in Bergheim stehende, in neuromanischem Stil erbaute,
dreischiffige Synagoge wurde
1860-63 an der Stelle der immer wieder erneuerten mittelalterlichen
Synagoge (vgl. Bericht oben) nach den Plänen des
Architekten August Hartmann errichtet. Die Bergheimer Synagoge ist die einzige
Synagoge im Elsass, die sich noch an der Stelle befindet, an der sie im 14.
Jahrhundert gebaut wurde.
In der NS-Zeit wurde das Gebäude verwüstet und geplündert, der Toraschrein
wurde zerstört.
In den
1990er-Jahren wurde das Gebäude umfassend renoviert (seit 1992). Die Außenrenovierung
wurde 2000 abgeschlossen, danach erfolgte die Innenrenovierung, die 2002
abgeschlossen werden konnte. Das Gebäude
wird inzwischen zu kulturellen Zwecken und als Stätte der Begegnung
verwendet.
Eine Tafel ist außen angebracht mit dem zweisprachigen Text:
"SYNAGOGUE reconstruite en 1860 sur le même emplacement que la synagogue
médiévale (XIVème siècle). Elle rappelle la présence d'une communauté
juive, souvent persécutée, et qui fut despersée ou anénantie lors de la
Shoah (1940-1945). Désacralisée en 1992, la synagogue est aujourd`hui espace
culturel et lieu de vie.
Die Synagoge wurde 1860 an der Stelle der mittelalterlichen Synagoge erbaut, die
sich dort seit dem 14. Jahrhunder befand. Sie erinnert an die jüdische
Gemeinde, die oft verfolgt, zersplittert oder während der Shoah (1940-1945)
vernichtet wurde. 1992 säkularisiert, dient die Synagoge heutzutage zu
kulturellen Zwecken und als Stätte der Begegnung".
Fotos
Foto aus den 1980er-Jahren aus Rothé/Warschawski s.Lit. S. 153;
Link zu Fotoseite: Weitere
Fotos (auch der Hinweistafel)
Links und Literatur
Links:
Literatur:

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