Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Schwabach (Kreisstadt, Mittelfranken)
Jüdische Geschichte / Synagoge 
  
Bitte besuchen Sie auch die Website der Initiative "Stolpersteine Schwabach"  
 http://www.stolpersteine-schwabach.com    
sowie die Informationsseite des "Jüdischen Museums Franken" zur Dauerausstellung in Schwabach 
http://www.juedisches-museum.org/blog/dauerausstellung-schwabach   

Übersicht zu dieser Seite: 

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde
bulletZur Geschichte der Synagoge 
bulletFotos 
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    
bulletLinks und Literatur    

Hinweis: es besteht eine weitere Seite mit Texten 

bulletzur Geschichte des Rabbinates in Schwabach 
bulletZur Geschichte der Jeschiwa / Talmud-Tora-Schule / Talmud - Tora-Institut 
bulletzur Geschichte der jüdischen Gemeinde 

 
 
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
    
In dem in früheren Jahrhunderten den hohenzollernschen Markgrafen von Ansbach gehörenden Schwabach (Stadt seit 1364) bestand eine jüdische Gemeinde bereits im späten Mittelalter. Ein aus Schwabach ('de Schwobach') stammender Jude namens Mann wird 1338 als Bürger in Nürnberg genannt, wo er möglicherweise bereits seit 1325 lebte. 1384 kam es zu einem Pogrom in Schwabach, bei dem mehrere Juden erschlagen wurden. 
  
Weitere Erwähnungen von jüdischen Einwohnern Schwabach liegen für das 15. Jahrhundert vor: 1480 bestanden drei Judenhäuser. Schwabacher Juden werden in diesem Jahrhundert mehrfach genannt, auch in Urkunden der Stadt Nürnberg (1442, 1461). Sie lebten insbesondere vom Handel mit Geld. Wie viele jüdische Familien/Personen in dieser Zeit tatsächlich in der Stadt lebten, ist nicht bekannt. Auch werden keine Einrichtungen wie Synagoge oder Friedhof erwähnt. 
Im 16. Jahrhundert erfährt man zwischen 1521 und 1535 von den Schwabacher Juden Simon, Michel Uriel und Abraham, die in Nürnberg Schutzbriefe erhielten oder Verträge abgeschlossen haben. Der Jude Simon aus Schwabach verzog 1536 nach Frankfurt, wo er in den folgenden Jahren als Schimon Wolf Auerbach von Schwabach in Urkunden genannt wird. 1560 und 1584 wurden die Schwabacher Juden vertrieben.

Bis zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges lebten offenbar keine Juden in der Stadt. Erst nach diesem Krieg konnten sich jüdische Familien auf Wunsch des Markgrafen zur Belebung der wirtschaftlichen Verhältnisse ansiedeln, darunter waren nach 1670 auch aus Wien vertriebene jüdische Familien. Von 1650 bis 1714 wuchs die Zahl auf 30 jüdische Familien in der Stadt. Bei den zuziehenden Familien handelte es sich auch um Kauf- und Handelsleute, die teilweise umfangreiche Beziehungen zu jüdischen Handelsleuten anderer Regionen innehatten und auch deren Namen auch in den Listen der Messegäste in Leipzig regelmäßig erschienen.  

Von großer Bedeutung für die Region wurde Schwabach als ansbachisch-brandenburgisches Oberrabbinat. Vom Anfang des 18. Jahrhunderts bis zur Auflösung des Rabbinates 1932 amtierten immer Rabbiner in der Stadt (mehr dazu siehe auf der Textseite). 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1811/12 279 jüdische Einwohner (3,9 % von insgesamt 7.120 Einwohnern), 1837 250 (3,5 % von 7.160), 1867 159 (2,2 % von 7.044), 1871 141 (2,1 % von 6.702), 1880 143 (1,9 % von 7.513), 1890 112 (1,4 % von 8.104), 1900 105 (1,1 % von 9.385), 1910 83 (0,7 % von 11.195). Die Zahlen zeigen, dass bereits bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die Zahl der jüdischen Einwohner zurückgegangen war: viele, vor allem junge Juden sind nach Nordamerika ausgewandert. Nach 1861 war ein Zuzug nach Nürnberg möglich, das größere wirtschaftliche und kulturelle Möglichkeiten bot. Dennoch blieb ein Teil der Familien in der Stadt, wo man im Bereich des lokalen Handels immer noch ausreichend den Lebensunterhalt verdienen konnte. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es unter den jüdischen Familienoberhäuptern vier Vieh- und vier Tabakhändler, vier waren im Dienstleistungsgewerbe tätig, zwei als Industrielle. 
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (siehe unten), eine jüdische Schule, das bereits genannte Rabbinat, eine Jeschiwa, die 1826 zu einer Vorbereitungsseminar für jüdische Religionslehrer erweitert wurde (siehe Textseite), ein rituelles Bad. Zur Besorgung der religiösen Aufgaben der Gemeinde war neben dem Rabbiner und den Lehrern zeitweise auch zusätzliche Vorbeter angestellt, die zugleich das Amt des Schächtens innehatten. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof Georgensgmünd beigesetzt. 
    
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Moses Ucko. Sein Name steht auf dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges im nordwestlichen Teil des Stadtparks, unweit der Eisentrautstraße. 

Um 1925
, als noch 43 jüdische Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (0,36 % von etwa 12.000) Einwohnern, waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde Hermann Feuchtwanger und Moritz Rosenstein. Distriktsrabbiner und Religionslehrer war Dr. Salomon Mannes. Zum Distriktsrabbinat Schwabach gehörten damals die jüdischen Gemeinden Burghaslach, Forth, Georgensgmünd, Hainsfarth, Hüttenbach, Ottensoos mit Hersbruck, Pappenheim, Schnaittach, Schwabach und Treuchtlingen. Dr. Mannes unterrichtete damals an der Religionsschule vier Kinder und erteilte insgesamt 10 jüdischen Kindern an den Schulen Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen bestanden der Wohltätigkeits- und Bestattungsverein Chewra Kadischa (1924 unter Leitung von Hermann Feuchtwanger mit 7 Mitgliedern, 1932 5 Mitglieder) und der Israelitische Frauenverein (gegründet 1852, 1924 unter Leitung von Klara Mannes mit 11 Mitgliedern, 1932 19 Mitglieder). 1932 (47 jüdische Gemeindeglieder) war erster Vorsteher der Gemeinde Hermann Feuchtwanger, 2. Vorsteher Moritz Rosenstein. 1932 wurde das Bezirksrabbinat Schwabach aufgelöst; Schwabach wurde dem Rabbinatsbezirk Ansbach zugeteilt.    

1933, als noch 38 jüdische Einwohner in Schwabach gezählt wurden, bestanden an jüdischen Gewerbebetrieben noch acht Handlungen (Tabakhandel, Viehhandel, Läden), zwei Fabriken. Auf Grund der zunehmenden Repressalien, willkürlicher Verhaftungen und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts verzogen bis zum Juli 1937 25 der jüdischen Einwohner Schwabachs in andere Orte (Frankfurt, München) oder konnten emigrieren (zehn nach Palästina, je zwei in die USA und die Tschechoslowakei, einer nach England). Unter den 13 jüdischen Einwohnern im Juli 1937 waren zwei Familien mit fünf Personen inzwischen unterstützungsbedürftig geworden. Beim Novemberpogrom 1938 lebten noch 14 jüdische Personen in der Stadt. Sie wurden teilweise in das städtische Gefängnis verbracht. Alle wurden gezwungen, alsbald die Stadt zu verlassen und ihren Besitztum mit großem Verlust zu verkaufen. Am 8. Dezember 1938 war Schwabach im Sprachgebrauch der Nationalsozialisten "judenfrei".  

Von den in Schwabach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; die Liste ist mit 32 Namen noch lückenhaft, nach anderen Angaben starben etwa 47 Schwabacher Juden im Holocaust): Frieda Bechhöfer (1892), Jenny Damidt geb. Stern (1881), Berta Gerstle geb. Rosenstein (1895), Bernhard Feuchtwanger (1882), Emma Feuchtwanger (1876), Leo Feuchtwanger (1883), Leopold Feuchtwanger (1873), Mirjam Freudenberger (1886), Sigmund Geiringer (1900), Justin Gerstle (1892), Cäcilie Herz geb. Löwenstein (1861), Fanny Hirsch geb. Herz (1895), Frieda Köhler geb. Rossheimer (1867), Frieda Kohn (1873), Hugo Krauß (Krausz, 1876), Bella Kronenberger geb. Kaufmann (1884), Hannchen Lieben geb. Grünbaum (1891), Betty Lustig geb. Feuchtwanger (1888), Mina Reis geb. Feuchtwanger (1903), Moritz Rosenstein (1866), Hugo Rossheimer (1873), Max Rossheimer (1871), Frieda Rossmann geb. Feuchtwanger (1891), Sofie Schlossberger geb. Feuchtwanger (1897), Elisabeth Scooler (19095), Lea (Lina) Seligsberg geb. Feuchtwanger (1872), Sara Stern geb. Wechsler (1881), Benzion Wechsler (1874), Jakob Wechsler (1882), Salomon Wechsler (1876), Willy Weinschenk (1863), Esther Wissmann (1872).
  
Zur Erinnerung an einige der aus Schwabach umgekommenen Personen wurden in der Stadt "Stolpersteine" verlegt (erste Verlegung am 28. November 2014).   
    
Nach 1945 kehrte nur ein ehemals in der Stadt lebender jüdischer Einwohner zurück. Vorübergehend entstand in der Stadt eine neue jüdische Gemeinde durch den Zuzug jüdischer Flüchtlinge und Überlebende von Konzentrationslagern ("Displaced Persons). Im April 1947 umfasste diese Gemeinde 221 Personen im Landkreis Schwabach, die Hälfte davon in der Stadt selbst. Die ehemalige Synagoge wurde reaktiviert, es gab ein jüdisches Gemeindehaus "Tel Aviv", eine jüdische Schule, Bibliothek, eine koschere Metzgerei und einen jüdischen Fußballverein ("Kadima"). Nach Gründung des Staates Israel 1948 wanderten fast alle der Schwabacher DPs nach Israel aus. 1949 wurden keine jüdischen Einwohner mehr in der Stadt gezählt. 
  
Im Jahr 2007 wohnten etwa zehn jüdische Personen in der Stadt.  
    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge 
      
Nach Angaben bei Haenle (s. Lit. S. 50-51) bestand eine Synagoge in Schwabach bereits am Ende des 16. Jahrhunderts. Offenbar stammte diese Synagoge aus der Zeit vor der Austreibung der jüdischen Bewohner 1560, da nicht anzunehmen ist, dass im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts eine Synagoge erbaut oder eingerichtet worden ist. Zu sehr bestand damals die Gefahr, jederzeit wieder vertrieben zu werden.    

Nach Zuzug der jüdischen Familien nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde vermutlich zunächst ein Betsaal eingerichtet, 1687 eine erste Synagoge erbaut. 

1799 reichte die erste Synagoge der größer gewordenen jüdischen Gemeinde nicht mehr aus. In diesem Jahr wurde eine neue Synagoge erbaut. 138 Jahre sollte die neue Synagoge als religiöses Zentrum der jüdischen Gemeinde in Schwabach dienen. Aus der Synagogengeschichte seien einige Berichte aus jüdischen Periodika zusammengestellt:     
   
Einführung des Chorgesanges in der Synagoge (1842)   

Schwabach AZJ 09041842sy.jpg (131621 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. April 1842: "Aus Mittelfranken, 15. März (1842). In unserm Kreis zeigt sich ein sehr reges Leben in Bezug auf Reparatur der alten und Erbauung von neuen Synagogen. In ganz kurzer Zeit wird man selbst in der kleinsten Gemeinde von Mittelfranken kein Gotteshaus mehr antreffen, das nicht auf eine würdige Weise, seinem heiligen Zwecke entsprechend, im Innern ausgestattet ist. Den Impuls dazu hat nun jedenfalls, aller ihrer Mängel und Inkonsequenzen ungeachtet, die 'Synagogenordnung für Mittelfranken' gegeben, die auch einen bessern Gesang in die meisten Synagogen eingeführt und dem äußeren Teile des Gottesdienstes, wenn ich so sagen darf, mehr Würde gegeben hat. Ja sogar in den Synagogen der, dem Fortschritte nicht huldigenden Rabbinen findet Choralgesang allmählich Eingang. Sogar in Schwabach, dem Sitze unseres Stangenhalters, wie unsere Alten den dortigen Rabbinen Wechsler heißen, ist jetzt ein Chor errichtet, und am vergangenen Purimfeste hat man dort, wie man mir berichtet, die Stelle - den Juden ward ein Licht (?) - gesungen. Gott gebe, dass dieser Wunsch recht bald in Erfüllung gehe! dazu könnte Wechsler freilich Manches beitragen. - Weniger sorgt unsere Synagogenordnung für den inneren Menschen und in den Räumen mancher Synagoge, in welcher an Festtagen vierstimmige Gesänge mit der größten Präzision vorgetragen werden, hört man einen deutschen Vortrag nur am 9. Aw, an welchem allein nur der Lehrer in deutscher Sprache zu seiner Gemeinde zu reden hat (Synagogenordnung § 51), das Deutsche - und den Lehrer lässt man bei uns am 9. Aw ihre Rollen spielen".  

Neuanschaffung von Torarollen (1909)  

Schwabach FrfIsrFambl 20081909sy.jpg (52074 Byte)Artikel im Frankfurter Israelitischen Familienblatt vom 20. August 1909: "Nürnberg. In unserer nur aus wenigen Haushaltungen bestehenden Nachbargemeinde Schwabach ist als Ersatz für die alte unbrauchbar gewordene Sefer-Tora (Torarolle) beschlossen worden, eine neue schreiben zu lassen. Die für den Etat der Gemeinde große Summe wurde in kurzer Zeit durch freiwillige Beiträge zum größten Teil aufgebracht. Für Beschaffung der restierenden ca. 150 Mark haben zwei dortige Herren die Garantie übernommen, sodass das Sefer bereits in Bestellung gegeben werden konnte."
Schwabach Israelit 19081909sy.jpg (19141 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. August 1909: "Schwabach, 15. August (1909). Unsere Gemeinde hat die Anschaffung neuer Sifrei Torot (Torarollen) - statt der Pasul (untauglich) gewordenen - beschlossen. Der hiefür erforderliche Betrag ist zum größten Teil durch freiwillige Spenden aufgebracht worden". 

Die letzten Gottesdienste in der Synagoge wurden vermutlich 1937 abgehalten. Da schon mehrere Jahre kein Minjan mehr durch die jüdischen Familien der Stadt gestellt werden konnte, kamen zuletzt zu den Feiertagen Männer aus Fürth, um das Minjan zustande zu bringen. Im August 1938 wurde die Synagoge an eine Brauerei verkauft, die das Gebäude in den folgenden Jahren als Bierlager zweckentfremdete. Die Ritualien kamen an den Landesverband nach München, darunter waren wertvolle Toraschrein-Vorhänge, eine Tora-Krone, ein Tora-Schild, ein Becher der Chewra Kadischa (aus dem 18. Jahrhundert) sowie ein Tora-Wimpel von 1687. 
Durch den Verkauf des Synagogengebäudes an die Brauerei blieb es beim Novemberpogrom 1938 unbeschädigt.
  
Nach 1945 wurde die Synagoge im Zusammenhang mit der Rückführung jüdischen Vermögens beschlagnahmt und für die bis 1948 wieder bestehende jüdische Gemeinde in Schwabach (Displaced Persons s.o.) wieder als Synagoge genutzt. Seit 1949 stand das Gebäude wieder leer und kam Anfang der 1950er Jahren nach Klärung des Restitutionsverfahrens wieder in den Besitz der Brauerei, die es wiederum als Lager verwendete. 
 
1998 wurde von engagierten Bürgerinnen und Bürgern aus Schwabach und Umgebung der "Verein Synagogengasse 6 e.V." gegründet. Der Verein übernahm das von der Brauerei geräumte Gebäude in Pacht und initiierte in den folgenden Jahren eine Restaurierung und neue Nutzung des ehemaligen Synagogengebäudes. Am 23. Juni 2003 beziehungsweise am 12. Oktober 2003 (Beginn des Wintersemesterprogramms der VHS) wurde im ehemaligen Betsaal ein Seminarraum der städtischen Volkshochschule eröffnet. Die Frauenempore wurde rekonstruiert. Am Gebäude wurde ein Vorraum angebaut.  

Zeitgleich mit der Renovierung des Synagogengebäudes wurde im Frühjahr 2001 im Gebäude Synagogengasse 10 eine ehemalige "Laubhütte" (Sukka) entdeckt. Bei den Renovierungsarbeiten wurden unter dem Putz des Dachgeschosses farbige Fresken vom Ende des 18. Jahrhunderts entdeckt. Die Fresken zeigen u.a. Mose mit den Gebotstafeln sowie einen Mann mit dem Schabbeshut. Über dem Raum wurden gefasste Bretter entdeckt, die zum Laubhüttenfest geöffnet werden konnten. 
  
Anfang 2012 wurde durch das Ehepaar Nachum und Arje Wissmann (Jerusalem; Nachum Wissmann ist Urenkel des 1858 bis 1901 in Schwabach tätigen Rabbiners Loeb Wissmann) eine hebräisch beschriebene Gebotstafeln der "Alten Synagoge" gestiftet. Sie wurden unter dem mittleren Fenster an der Ostseite der ehemaligen Synagoge im Bereich des früher hier stehenden Toraschreines angebracht. Eine weitere Holztafel mit der hebräisch geschriebenen Mahnung "Gedenke, vor wem Du stehst" wird im Stadtmuseum ausgestellt, da es vor Ort. Von Seiten der Volkshochschule waren Befürchtungen geäußert worden, dass "sich Kursteilnehmer durch die Gebotstafeln religiös bedrängt gefühlt könnten". 
vgl. Artikel im "Schwabacher Tagblatt" vom 23. Februar 2012: "'Das ist eine ganz außergewöhnliche Geste".      
     
     
Adresse/Standort der SynagogeSynagogengasse 6, ehemaliges Rabbinerhaus und Jeschiwa Synagogengasse 5, ehemaliges Schächterhaus (im Keller vermutlich die ehemalige Mikwe) Synagogengasse 8 
(seit der NS-Zeit bis 2003 hieß die Synagogengasse Schlötzergasse).
Weitere ehemalige jüdische Häuser u.a.: Synagogengasse 14, Pinzerberg 1,3,6,21 und 36; Glockengießergasse 3,4,5 und 7.

Die ehemalige Synagoge und die bei der Renovierung im Nachbargebäude entdeckte Laubhütte können nach Anmeldung bei der Volkhochschule besichtigt werden, Telefon: 09122/860-204 beziehungsweise 09122/860-321  E-Mail der Volkshochschule.  
   
   
Fotos
(historische Fotos: Innenaufnahme vor 1937 und Außenaufnahme nach 1945: Stadt Schwabach; Ritualien: Fotos von Theodor Harburger, veröffentlicht in: Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern. Hg. von den Central Archives Jerusalem und dem Jüdischen Museum Franken - Fürth und Schnaittach. 1998 Bd. 3 S. 697-699)

Historische Fotos vor 1937
(Fotos der Ritualien vom 4.8.1929; 
Innenaufnahme rechts aus der Sammlung 
von Menachem Spielmann Bnei Berak, Israel)  )
Schwabach Synagoge 128.jpg (50497 Byte)  Schwabach Dok 1550.jpg (40088 Byte) Schwabach Synagoge 132.jpg (72619 Byte)
  Innenaufnahme der ehemaligen Synagoge
 mit Blick zum Toraschrein (rechts um 1925) 
Tora-Krone aus Gemeindebesitz
 (Keter Tora) 
     
  Schwabach Synagoge 130.jpg (55862 Byte) Schwabach Synagoge 131.jpg (76341 Byte)
  Der 34 cm hohe Pokal der Chewra Kadischa von 1718/19. 
Heute im Israel-Museum Jerusalem.
   
Nach 1945 
Die ehemalige Synagoge vor der
 Restaurierung
     
Nach der Restaurierung der 
ehemaligen Synagoge
Schwabach Synagoge 120.jpg (52715 Byte) Schwabach Synagoge 121.jpg (5710 Byte)
  Die ehemalige Synagoge mit dem
 charakteristischen Walmdach
Im Inneren der Synagoge. Über den Säulen
 die (rekonstruierte) Frauenempore
     
Foto aus der unweit der Synagoge
 gefundenen Sukka (Laubhütte)
Schwabach Sukka 100.jpg (15118 Byte)
Mose überbringt die Gebotstafeln  
      
Schwabach Judenschule 160.jpg (75092 Byte) Schwabach Judenschule 161.jpg (95513 Byte) Schwabach Judenschule 162.jpg (94190 Byte)
Die alte Judenschule 
 
 Eingangsportale der alten Judenschule und des Rabbinerhauses 
in Form der beiden Gesetzestafeln 
Seitenansicht 
  
     
Schwabach Synagoge 160.jpg (48538 Byte) Schwabach Synagoge 161.jpg (73871 Byte) Schwabach Synagoge 162.jpg (58700 Byte)
Straßenschild Synagogenstraße  Die ehemalige Synagoge Eingangsportal
     
Schwabach Synagoge 163.jpg (61374 Byte) Schwabach Synagoge 167.jpg (87467 Byte) Schwabach Synagoge 164.jpg (58758 Byte)
Hinweistafel "Haus der Volkshochschule"     
     
Schwabach Synagoge 165.jpg (52076 Byte) Schwabach Synagoge 166.jpg (65416 Byte)
Treppenhaus der ehemaligen Synagoge     
     
Im früheren "Judenviertel" 
der Stadt
Schwabach Stadt 160.jpg (94273 Byte) Schwabach Stadt 163.jpg (94692 Byte)
        
Schwabach Stadt 161.jpg (90130 Byte) Schwabach Stadt 162.jpg (87008 Byte)  
      

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

August 2013: In Schwabach sollen "Stolpersteine" verlegt werden   
Artikel von oh/ukb im "Schwabacher Tagblatt" vom 22.August 2013 (Link zum Artikel): "'Stolpersteine' erinnern an NS-Opfer
Nur drei Schwabacher Juden überlebten das KZ — Namen als Inschrift in Pflaster - 
SCHWABACH - Mit der Informationsveranstaltung über 'Stolpersteine für Schwabach' hat dieses Projekt Gesicht und Namen bekommen. Ahnenforscherin Melanie Greiner erläuterte, dass sie durch ihre Tätigkeit auf die Initiative 'Stolpersteine' des Künstlers Gunter Demnig gestoßen sei. Er hat kleine Gedenksteine geschaffen, die in vielen deutschen Städten in das Pflaster von öffentlichen Gehwegen eingelassen werden, um an das Schicksal der Menschen zu erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben worden sind.

Für die Idee, diese Steine auch in Schwabach zu setzten, gewann Melanie Greiner sogleich Daniela Hechtel, Nicola Meining, Stadtheimatpflegerin Ursula Kaiser-Biburger und Tilman Kuhl, den Landtagskandidaten der Grünen. Mit dazu gehören auch gleich die beiden Jugendlichen Mia-Noelle Greiner und Leah Hechtel. Sie brachten sich mit dem Vortrag des bewegenden 'Poem' der jungen jüdischen Autorin Selma Meerbaum-Eisinger ein, die mit 18 Jahren in einem Arbeitslager an Flecktyphus starb. Die Verszeile daraus 'Ich will leben' sorgte ebenso für die angemessene Einstimmung wie die Musik, die der Pianist Andreas Maueröder und die junge Flötistin Dana Kopp zur musikalischen Umrahmung ausgewählt hatten..."  
Siehe auch die Website www.stolpersteine-schwabach.com     Kontakt über E-Mail info@stolpersteine-schwabach.com    
 
August/November 2014: Verlegung von "Stolpersteinen" in Schwabach  
Artikel in "Mein Mitteilungsblatt" Schwabach vom 6. August 2014: "SFZ-Schüler erinnern im Rahmen des Schwabacher Stolperstein-Projekts" an Walter Tuchmann. Schwabach: Sonderpädagogisches Förderzentrum. 'Wir machen beim Stolpersteine-Projekt mit, damit man nicht die schrecklichen Gräueltaten der Nationalsozialisten an den Juden vergisst. Wir machen mit, weil wir an Walter Tuchmann erinnern wollen.' Diese klare Botschaft stellten die Schüler der Klasse 6.1 G des Sonderpädagogischen Förderzentrums (SFZ) an den Anfang ihrer Präsentation über das Schicksal des Schwabacher Unternehmers Walter Tuchmann. Gleichzeitig war dies die Premiere der Schülerpräsentationen, die im Zusammenhang stehen mit dem Kunstprojekt 'Stolpersteine' des Kölner Künstlers Gunter Demnig, das nun auch in Schwabach von der 'Stolperstein-Initiative' um Melanie Greiner verwirklicht wird. Neben anderen Schulen ist auch das SFZ dabei. Aus diesem Grund hatten sich die Klasse 6.1.G des SFZ beispielhaft mit dem Schicksal von Walter Tuchmann auseinandergesetzt, der ein Opfer des Nationalsozialismus wurde..." 
Link zum Artikel   
Vgl. Artikel in nordbayern.de vom 27. August 2014.   
Hinweis: Die Verlegung von "Stolpersteinen" in Schwabach wurde am 28. November 2014 vorgenommen. 
Informationen zur Verlegung siehe www.stolpersteine-schwabach.de.   
An fünf Stationen werden "Stolpersteine" verlegt: in der Synagogengasse für Rabbiner Dr. Salomon Mannes, in der Nördlichen Ringstraße für Fabrikant Walter Tuchmann, in der Südlichen Ringstraße 2 für Kaufmann Justin Gerstle und seine Frau Berta geb. Rosenstein, in der Fleischbrücke 2 für Tabakhändler Manuel Graf und seine Frau Sarah geb. Kohn, in der Königsstraße 12 für Geschäftsinhaber David Bleischer und seine Frau Ottilie geb. Nagler.    
Artikel von Günther Wilhelm im "Schwabacher Tagblatt" vom 29. November 2014: "'Stolpersteine': Verbeugung vor jüdischen NS-Opfern.
In Schwabachs Innenstadt wurden die ersten acht mit Namen und Lebensdaten verlegt.
SCHWABACH -
In 18 Ländern gibt es bereits 49.000 'Stolpersteine' in rund 1200 Städten. Am Freitag ist Schwabach hinzugekommen. An zunächst fünf Stationen in der Innenstadt erinnern die ersten acht an das Schicksal der Schwabacher Juden im Nationalsozialismus. Insgesamt sollen in den kommenden Jahren knapp 50 Stolpersteine verlegt werden. Die 'Stolpersteine' sind eine Idee des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Für seine 1993 begonnene Initiative ist er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Am 28. November verlegte er persönlich die ersten Steine in Schwabach. In einer Feier in der Alten Synagoge erläuterte er zunächst diese Form der Erinnungskultur. Stolpersteine sind Quadrate mit zehn Zentimeter Kantenlänge. Auf einer Messingplatte sind Namen und Daten verfolgter und ermordeter Juden und anderer NS-Opfer eingeschlagen. Demnigs Intention: Durch den Gedenkstein vor seinem früheren Haus werde die Erinnerung an diesen Menschen in unseren Alltag geholt. 'Sechs Millionen Opfer sind eine abstrakte Größe, persönliche Schicksale aber nicht.' Jeder Stein symbolisiere auch die Gesamtheit der Opfer. Doch die Stolpersteine sind auch umstritten und sorgen in München für eine heftige Debatte. Charlotte Knobloch, die ehemalige Präsidentin des Zentralkomitees der Juden in Deutschland, fühlt sich an die Tritte der Nazis gegen am Boden liegende Juden erinnert. Und nun würde deren Andenken mit Füßen getreten. Demnig interpretiert es genau umgekehrt: 'Wer die Tafel auf dem Stein liest, verbeugt sich vor den Opfern.'
In Schwabach sieht man die Chance, Schülern am Beispiel persönlicher Schicksale das NS-Unrecht deutlich zu machen. Gruppen aus fünf Schulen recherchieren die Lebenswege der Schwabacher Juden. 'Und die Schulfamilien finanzieren die Steine auch', wie Stadtheimatpflegerin Ursula Kaiser-Biburger betonte. Die Initiative 'Stolpersteine für Schwabach' wird unter anderem von Melanie Greiner, Daniela Hechtel, Ursula Kaiser-Biburger, Nicola Meining und Tilman Kuhl getragen. Unterstützt wird sie vom Synagogenverein, der Bürgerstiftung 'Unser Schwabach' und der Stadt.
Die ersten fünf Stationen:
1. Synagogengasse (gestaltet vom Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasium): Dr. Salomon Mannes war Schwabachs letzter Rabbiner. Im Amt war er von 1903 bis zur Auflösung des Rabbinats 1932. Grund war die rückläufige Mitgliederzahl der jüdischen Gemeinde. Drei Jahre später zog seine Familie nach Frankfurt/Main. Am Tag der Pogromnacht am 9. November 1938 emigrierte er nach London. Dort starb er 1960 im Alter von 90 Jahren.
2. Nördliche Ringstraße (gestaltet vom Sonderpädagogischen Förderzentrum): Walter Tuchmann war Inhaber der Drei-S-Werke und damit ein wichtiger und auch angesehener Unternehmer in Schwabach. Da er wegen angeblicher Devisenvergehen und 'Rassenschande' angezeigt wurde, sah er sich zur Flucht gezwungen. Er verkaufte seinen gesamten Besitz und emigrierte 1937 nach Prag und 1939 in die USA. Gestorben ist Walter Tuchmann in Mexiko. Das genaue Sterbedatum ist nicht bekannt.
3. Südliche Ringstraße 2 (gestaltet von der Staatlichen Realschule): Justin Gerstle und seine Frau Berta Gerstle, geborene Rosenstein, betrieben in Schwabach ein Kaufhaus an der Ecke Südliche Ringstraße/Ludwigstraße. Das Ehepaar zog 1935 in eine jüdische Siedlung nach München. 1942 wurden sie nach Piaski deportiert. Über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Nach dem Krieg hat das Amtsgericht München sie für tot erklärt. Mutmaßlich gehören sie zu den Opfern der Shoa. Piaski ist eine Stadt in Polen. Dort errichteten die Nazis ein Ghetto, aus dem es regelmäßige Transporte ins Vernichtungslager Belzec gab. Alleine in diesem KZ wurden über 400 000 Juden ermordet.
4. Fleischbrücke 2 (gestaltet von der Städtischen Wirtschaftsschule): Manuel Graf, und seine Frau Sarah Graf, geborene Kohn. Manuel Graf war Inhaber eines Tabakgeschäfts, das er 1938 aufgab. Das Ehepaar zog nach Frankfurt/Main, wo seine Frau 1942 verstarb. Manuel Graf wurde ins Konzentrationslage Theresienstadt deportiert, überlebte und kam am 4. Juli 1945 als einziger ehemaliger Schwabacher Jude zurück in die Stadt. Hier verstarb er 1948. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Judenfriedhof in Georgensgmünd.
5. Königsstraße 12 (gestaltet vom Adam-Kraft-Gymnasium): David Bleicher, Geschäftsinhaber, und seine Frau Ottilie Bleicher, geborene Nagler. Das Ehepaar hatte ein Kurzwarengeschäft, das es 1935 verkaufte und nach Palästina auswanderte." 
Link zum Artikel   
 
Januar/Juni 2015: In Schwabach entsteht die zweite Dependance des Jüdischen Museums Franken  
Artikel von Ralph Bauer in der "Jüdischen Allgemeinen" vom 8. Januar 2015: "Schwabach. Sammeln für die Erinnerung
Das Jüdische Museum Franken erweitert seine Ausstellung und sucht Unterstützer

Jüdisches Leben in Schwabach geht bis im Mittelalter zurück. Unter anderem lebte hier der Ururgroßvater von Karl Marx. Um dieser Tradition buchstäblich auch ein Denkmal zu setzen, soll im Mai 2015 die zweite Dependance des Jüdischen Museums Franken eröffnet werden. Die Kosten liegen bei rund 390.000 Euro, den größten Teil hat die Regierung von Mittelfranken bereits finanziert..."  
Link zum Artikel  
Weiterer Artikel von Ralph Bauer in der "Jüdischen Allgemeinen" vom 1. Juni 2015: "Schwabach. Fränkisches Pilotprojekt
Kleinste Dependance des Jüdischen Museums Fürth eröffnet – es soll in puncto multimediale Inhalte ein Vorbild sein..."  
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Hinweis: die Dependance ist seit 7. Juni 2015 eröffnet:   http://www.juedisches-museum.org/blog/dauerausstellung-schwabach  und  http://www.schwabach.de/de/schwabach-erleben/tourismus/juedisches-museum-franken.html  sowie  https://www.nordbayern.de/region/schwabach/das-judische-museum-franken-in-schwabach-eroffnet-1.4425067    
 
Juni 2015: Über die zweite Dependance des Jüdischen Museums Franken in Schwabach  
Artikel von Thomas Senne in deutschlandfunkkultur.de vom 6. Juni 2015: "Schwabacher Synagogengasse. Schätze des fränkischen Judentums
Die Synagogengasse in Schwabach erinnert an das jüdische Leben in der bayerischen Stadt – von dem heute nichts mehr übrig ist. Ab nächstem Jahr wird die restaurierte Gebäudegruppe der Öffentlichkeit zugänglich sein. Überall wird gesägt und gehämmert in der Schwabacher Synagogengasse. Bauarbeiter laden Schutt auf LKWs. Auf den ersten Blick erinnert nichts daran, dass hier, mitten in der Altstadt, einst das Herz der jüdischen Gemeinde von Schwabach schlug. Doch die Restaurierungsarbeiten gehen zügig voran und wenn alles gut geht, kann hier im Mai nächsten Jahres sogar eine Dependance des Jüdischen Museums Franken eröffnen, meint die Leiterin dieser Institution, Daniela Eisenstein: 'Hier ist die komplette historische Bausubstanz noch da, anhand sich das jüdische Leben des 18., 19., 20. Jahrhunderts nachvollziehen lässt. Also hier kann man wirklich eintauchen in dieses jüdische Leben und das ist sozusagen die Gasse, in der die Synagoge steht, das Rabbinerhaus, das Lehrhaus. Der Schächter hat hier gelebt, der Ururgroßvater von Karl Marx. Bedeutende Vorstandsmitglieder der Synagoge haben hier gewirkt. Lehrer haben hier gewirkt, die einen besonderen Ruf hatten. Der Schulklopfer hat hier gelebt. Alles, was man sozusagen zum jüdischen Leben gebraucht hat, befand sich hier ...'
Kostbare Wandbilder von Moses mit Gesetzestafeln. Sogar eine einmalige historische Laubhütte, die 2001 bei Renovierungsarbeiten eines Wohnhauses entdeckt wurde und sensationelle Fresken aufweist, die ihresgleichen suchen. Eines der mit kostbaren Pigmenten wie Malachit gemalten farbigen Wandbilder zeigt Moses mit den Gesetzestafeln; ein anderes einen Mann mit Schabbesdeckel, dem traditionellen Hut gläubiger Juden. 'Ein Teil dieser Wandmalerei zeigt eine symbolische Darstellung, die man sonst nur in hebräischen Buchdrucken findet, vereinzelt vielleicht mal auf einer Fayence oder auf Textilien. Aber wir kennen es aus keiner anderen Sukka und bis jetzt auch nicht aus einem sakralen Bau, einer Synagoge oder Betstube. Hier wird gerade die Fassade neu gestrichen und innen ist gestrichen worden. Elektrik ist gelegt worden. Die Lichtschalter sind neu, sehe ich gerade. Und es sind Türen eingebaut worden, die ich noch nicht gesehen habe.' Ein schlichter, freilich noch unfertiger Kassenraum erwartet die Besucher im ersten Stock des zweigeschossigen Gebäudes, eines ehemaligen Wohnhauses, in dem sich auch die Laubhütte befindet. An den Wänden der künftigen Ausstellungsräume, in denen nach der Eröffnung im kommenden Jahr auch audiovisuelle Medien eingesetzt werden sollen, hängen ochsenblutfarbene Eisengitter. An sie werden dann die schwarzen Vitrinen gehängt, die über die Schwabacher Juden informieren werden. Eine Etage höher sind die kostbaren Wandmalereien zu sehen und ein weiterer Schauraum. 'Hier haben wir einen zweiten Ausstellungsbereich und in diesem Bereich zeigen wir alles, was zum Laubhüttenfest und Laubhütten gehört. Zum Teil mit Objekten von der Laubhütte, mit historischen Objekten aus der Region, also ältere Objekte, aber auch mit zeitgenössischen Dingen. Das Besondere ist, dass wir sowenig wie möglich mit Text hier arbeiten. Es wird Textfahnen geben. Es werden beispielsweise in diesem Raum auch Objekte gezeigt, die etwas über die Biografie des Eigentümers aussagen. Aber die ganzen Bildunterschriften, die werden sozusagen nicht an die Wand angebracht, sondern die trägt man mit sich in einem mobilen Gerät. Man kann sie lesen, kann sie hören. Wenn noch etwas da ist, planen wir, das Ganze auch in Gebärdensprache anzubieten.'
Informationen per Smartphone und App. Mit Hilfe von Flyern oder einer aufs Mobiltelefon herunterladbaren App wird der Besucher der Schwabacher Synagogengasse ab Mai nächsten Jahres Details über die jüdischen Häuser und ihre ehemaligen Bewohner erfahren können. Der Schwabacher Bürgermeister Roland Oeser jedenfalls ist mit dem Fortschritt des Bauvorhabens überaus zufrieden und bereut nicht, dass sich seine Kommune bei diesem Projekt engagiert. 'Der Hintergrund ist der, dass das Ensemble Synagogengasse für Schwabach einen historischen Wert hat und ein Teil der Schwabacher Geschichte ist. Das gehört praktisch zu Schwabach dazu wie viele andere historische Teile dieser Stadt auch.' Mit dem Projekt 'Synagogengasse' will die Stadt zusammen mit der Leiterin des Jüdischen Museums Franken, Daniela Eisenstein, an das jüdische Leben mit seinen Ritualen erinnern, das freilich seit der Shoah aus Schwabach verschwunden ist. 'Hier gibt es keine jüdische Gemeinde mehr. Die Juden, die in Schwabach gelebt haben, sind vertrieben worden und Schwabach rühmte sich, judenfrei zu sein nach der Pogromnacht. Also die Pogromnacht hat eben die Wirkung gehabt, dass man die letzten jüdischen Bewohner vor die Wahl gestellt hat, hier zu bleiben und zu leiden oder gleich zu gehen. Also man hat sie vertrieben und war sehr stolz darauf. Es hat nie wieder eine Gründung einer jüdischen Gemeinde gegeben.'" 
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Juni 2016: Von besonderem Interesse: Die Schwabacher Laubhütte
Artikel im "Schwabacher Tagblatt" (nordbayern.de) vom 17. Juni 2016: "Schwabach: Laubhütte lockt 1400 Gäste an. Klein, aber fein: erstes Jahr als Museum — Besucher beeindruckt — Infos auch per App
SCHWABACH -
Professor Dr. G. Ulrich Großmann ist keiner, der mit billigen Komplimenten um sich wirft. So etwas tut ein Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums nicht. Nach seinem ersten Besuch im Jüdischen Museum Schwabach aber greift er zu einem großem Wort: 'Bewunderung.' Vor einem Jahr wurde die ehemalige Laubhütte in der Synagogengasse 10a als Museum eröffnet. Mit ihrer in Westeuropa einzigartigen Wandmalerei gilt sie als ungewöhnliches Zeugnis jüdischen Lebens. Das Schwabacher Museum ist nach der ehemaligen Synagoge in Schnaittach die zweite Außenstelle des Jüdischen Museums in Fürth, das von Direktorin Daniela Eisenstein geleitet wird. 'Schwabach war ein Pilotprojekt für uns', sagt Eisenstein bei einer Führung für den 'Arbeitskreis für Hausforschung in Bayern'. Der hatte kürzlich im Rahmen seiner Jahrestagung in Schwabach auch das Jüdische Museum besucht. Ihm gehört auch Professor Großmann an. Ein Pilotprojekt deshalb, weil das Museum nahezu ohne Schwabacher Ausstellungsstücke auskommen muss. Die Exponate sind die ehemalige Wohnung des Schwabacher Juden Moses Löw Koppel und das ehemalige jüdische Viertel rund um die Synagogengasse. 'Das ist ein Kleinod europäisch-jüdischen Kulturerbes', betont Eisenstein. Wie aber vermittelt man dieses Erbe? Ein Schwerpunkt des Konzepts ist der Einsatz moderner Multi-Media-Einsatz. Zwei informative, aber keinesfalls belehrende Animationsfilme erläutern die Geschichte des Hauses, erklären, was eine Laubhütte eigentlich ist, beschreiben die facettenreiche Wandmalerei mit der Hasenjagd, erläutern deren Bedeutung als 'Eselsbrücke' für die Abfolge von Segenssprüchen und skizzieren die Geschichte des Judentums in Schwabach. Ein hilfreicher Begleiter durch die kleinen Räumen in den beiden oberen Etagen des Wohnhauses ist der Audio-Guide. Wer lieber liest, bekommt dessen Text auch in gedruckter Form. Besonders stolz ist Daniela Eisenstein aber auf die App.
Weltweite Resonanz. Mit ihr ist alles Wissenswerte auf dem Smartphone abrufbar. Jederzeit und überall. So wird das Museum sogar ein Stück weit erlebbar, ohne es besucht zu haben. 'Mit der App sprechen wir Menschen in der ganzen Welt an', sagt Daniela Eisenstein, 'und wir bekommen auch weltweite Resonanz etwa von Nachkommen Schwabacher Juden. Das freut mich ganz besonders. Uns wurden sogar schon weitere Dokumente für unsere Forschungsarbeit angeboten.'
Betreuung von Klassen. Und wie ist die Resonanz vor Ort? 'Die Besucherzahlen sind noch nicht überwältigend', gibt sich die Museumsleiterin zurückhaltend. Rund 1400 Gäste verzeichnete das Schwabacher Museum in seinem ersten Jahr. Das sind immerhin schon beinahe so viele wie in Schnaittach mit rund 1600 Besuchern. In die dortige Synagoge kommen sehr viele Schulklassen. In Schwabach dagegen sind große Führungen wegen der räumlichen Enge nicht möglich. Und die benachbarte Synagoge zu besuchen, ist nicht ganz einfach, weil sie oft für VHS-Kurse belegt ist. 'Wir arbeiten aber daran, Schulgruppen besser zu betreuen.' Angedacht ist eine Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum. Was Daniela Eisenstein aber noch wichtiger ist als Zahlen, ist die Reaktion der Besucher: 'Unser neues Museum kommt überragend gut an. Man braucht nur mal die Eintragungen im Gästebuch lesen. Das freut mich wahnsinnig.'
Geöffnet hat das Jüdische Museum Schwabach sonntags von 12 bis 17 Uhr. Führungen finden immer am ersten Sonntag im Monat und nach Vereinbarung statt. Gebucht werden können sie unter (0911) 770577. Weitere Infos unter www.juedisches-museum.org"
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November 2017: Erinnerung an die jüdische Geschichte in Schwabach    
Artikel in haGalil.com vom 2. November 2017: "Schwabach - Synagoge, Laubhütte und der Fußballverein 'Kadima Schwabach..."  
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Links und Literatur

Links:

bulletWebsite der Stadt Schwabach  mit Seite zum Jüdischen Museum in Schwabach http://www.schwabach.de/de/schwabach-erleben/tourismus/juedisches-museum-franken.html  
und weiteren Seiten zur jüdischen Geschichte der Stadt.   
bulletWebsite www.stolpersteine-schwabach.com 
bulletWebsite www.ahnen-cafe.de  (über das dortige "Forum" finden sich Hinweise zur jüdischen Orts- und Familiengeschichte in Bayern)   

Literatur:  

bulletGermania Judaica II,2 S. 749; III,2 S. 1332.
bulletSigmund Haenle: Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstentum Ansbach. 1867. Nachdruck 1990 (Reihe: Bayerische jüdische Schriften, hg. von Karl W. Schubsky und Hermann Süß. Bd. 1). Passim.
bulletBaruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 227-229.
bulletIsrael Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 182-183.
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 362-368 (mit zahlreichen Literaturangaben).
bulletMichael Schneeberger: Schwabach, ein Bollwerk der Jiddischkeit - über die Geschichte der Schwabacher Juden. Reihe: Jüdische Landgemeinden in Bayern (13). In: Jüdisches Leben in Bayern. Mitteilungsblatt des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. 20. Jahrgang Nr. 99 Dezember 2005. S. 18-24 (mit zahlreichen Quellen- und Literaturangaben).
bulletBayern SynGedenkband II.jpg (63426 Byte)"Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band II: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager, unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern, Teilband 2: Mittelfranken. Lindenberg im Allgäu 2010. 
Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu

ISBN 978-3-89870-448-9.   Abschnitt zu Schwabach S. 614-631.
bulletFranken Obpf Lit 010.jpg (75915 Byte)Hans-Peter Süss: Jüdische Archäologie im nördlichen Bayern. Franken und Oberfranken. Verlag Dr. Faustus Büchenbach 2010 (Reihe: Arbeiten zur Archäologie Süddeutschlands Band 25). Zu Schwabach S. 136-139.  
bulletAnsbach Lit 085.jpg (39016 Byte)Isak Nethanel Gath: Der Hexenmeister von Schwabach. Der Prozess gegen den Ansbachischen Landesrabbiner Hirsch Fränkel. Reihe: Mittelfränkische Studien Bd. 21. Hrsg.: Historischer Verein für Mittelfranken. 2011. ISBN 978-3-87707-812-9.   19,90 €.   
Anmerkung von Christof Eberstadt zu diesem Buch: "Der Verfasser hat sämtliche zur Zeit ihm verfügbaren Quellen zur Geschichte der Prozesse gegen den Ansbacher Hofjuden Elkan Fränkel und seinen Bruder, den Landesrabbiner Zwi Hirsch Fränkel ausgewertet, und eine Vielzahl neuer Erkenntnisse zu den Personen, ihren Familien und ihrem Umfeld gefunden, und vor allem eine ganze Menge tradierter Überlieferungen in den Bereich der Fabel verwiesen, und korrigiert. Ein wahrer Gewinn!" 
 
bulletAndrea Kluxen / Julia Hecht: Der Rabbinatsbezirk Schwabach. Reihe Franconia Judaica Band 4. 156 S. Ergon Verlag Würzburg 2009. 
Es handelt sich um Referate der am 28. November 2008 in der Alten Synagoge Schwabach abgehaltenen Tagung der Reihe "Franconia Judaica", veranstaltet vom Bezirk Mittelfranken in Kooperation mit der Volkshochschule Schwabach und dem Jüdischen Museum Franken.

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Schwabach  Middle Franconia. The 14th century community was destroyed in local riots in 1384. In the 16th century the Jews were expelled at least twice (1560, 1585). Their situation improved in the 17th century under the collective privilege accorded by the counts of Brandenburg to the Landjudenschaft organization of the Ansbach principality. Schwabach was the seat of the chief rabbinate of the principality for 80 years, starting in 1709. In 1713, the first chief rabbi, Tzevi Hirsch Fraenkel, was charged with witchcraft and defaming Christianity and imprisoned for 24 years. Riots followed a libel in 1729 that Jews had desecrated Christian holy objects. In 1744 the community's religious books were impounded as in other important Bavarian communities on charges of anti-Christian teachings. Despite persecution the community flourished, dealing mainly in jewelry and horse trading. in the 19th century Jews found themselves reduced to petty trade, totally excluded from the crafts. In 1823 the Bavarian government reduced the legal number of resident Jewish families from 41 to 20. Nonetheless, the Jewish population reached 250 in 1837 (total 7,160). A yeshiva and talmud torah were opened during the century. In 1880 the Jewish population stood at 143; in 1933, it was 38. After 1933 many Jews were arrested on various pretexts. All left by 1938, ten for Palestine and the last 13 after Kristallnacht (9-10 November 1938). 
    
     

                   
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Stand: 18. Mai 2020