Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Ottensoos (Kreis Nürnberger Land)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht: 

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Sonstiges   
Weitere Dokumente   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Presseberichte zur Restaurierung und künftigen Nutzung der ehemaligen Synagoge
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)        
   
In Ottensoos bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/39. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. In einem in der Zeitschrift "Der Israelit" veröffentlichten Aufsatz des Ansbacher Historikers Professor J.M. Fuchs (zuerst veröffentlicht im "9. Jahresbericht des historischen Vereins für Mittelfranken" von 1839) stellte dieser die These auf, dass die ersten Ottensooser Juden aus Nürnberg stammten und von dort vertrieben worden waren. Grundlage dieser Theorie war die Beobachtung, dass die Ottensooser Synagogenbräuche (wie auch diejenigen der Juden in Schnaittach und Hüttenbach) den Nürnberger Synagogenbräuchen entsprachen. 1560 sind nach diesem Beitrag in einem Schnaittacher Zinsbuch erstmals jüdische Wohnhäuser in Ottensoos genannt, doch dürften sich schon einige Jahrzehnte zuvor Juden in Ottensoos niedergelassen haben:  

Ottensoos AZJ 03091842.jpg (91974 Byte)Artikel mit Zitat aus dem Beitrag von J.M. Fuchs in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. September 1842: "In den Judengemeinden zu Schnaittach, Ottensoos und Hüttenbach zeigt sich die größte Übereinstimmung der Synagogengebräuche mit denen, welche die Juden vor ihrer Vertreibung aus Nürnberg daselbst beobachteten, von denselben weichen die übrigen Juden in Mittelfranken ab. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die aus Nürnberg vertriebenen Juden in der Nähe sich niederließen und die dort von früherer Zeit bestehenden Gemeinden verstärkten; für diese Ansicht spricht eine Angabe des Schnaittacher Zinsbuchs von Jahr 1560, welches eine Grabstätte und mehrere Häuser der Juden zu Schnaittach und Ottensoos angibt, die schon im 15. Jahrhundert dort vorgekommen sind. Die Verfolgungen, welche die Juden im 13ten und 14ten Jahrhundert zu Nürnberg erduldeten, möchte sie veranlasst haben, Wohnsitze aufzusuchen, die, in der Nähe ihrer früheren Verbindungen, den Schutz eines fremden Landesherrn gewährten. In Schnaittach und Ottensoos (Otimissaz) konnte dies leicht erreicht werden."

Im Laufe des 17. Jahrhunderts lag die Zahl der jüdischen Familien in Ottensoos zwischen jeweils zehn und 15 (1630 11 Familien, 1671 10, 1698 14). Aus dem 18./19. Jahrhundert liegen folgende Zahlen vor: 1703 118 jüdische Einwohner, 1747 23 Familien, 1761 120 jüdische Einwohner, 1809/10 101 (24,5 % der Gesamteinwohnerschaft von 412), 1836 133 (23,3 % von insgesamt 570), 1867 112 (15,9 % von 705), 1890 80 (10,9 % von 735), 1900 75 (9,7 % von 771). 

Die jüdischen Familien lebten insbesondere vom Vieh- und Hopfenhandel. Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu einer ersten starken Auswanderungswelle. Ein 1853 abgefasster Bericht zeigt die damalige Aufbruchsstimmung, die sich für viele jüdische Gemeinden dramatisch auswirkte:

Ottensoos AZJ 29081853.jpg (71629 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. August 1853: "Aus Oberbayern. 4. August (1853). Es kommen uns Nachrichten von massenhaften Auswanderungen nach den jenseitigen atlantischen Ländern aus Mittelfranken, Schwaben und Unterfranken, besonders von Seite der jüdischen Bevölkerung zu. Mehrere Ortschaften, wie Bruck, Ottensoos, Dormitz, Diespeck, dann Cronheim, Altenmuhr und viele andere, welche vor noch wenigen Jahren von tausend und mehr jüdischen Familien bewohnt waren, zählen gegenwärtig nur noch wenige alte Leute, während die jüngere Generation bereits in amerikanischen Freistaaten ansässig ist. Gewöhnlich wandert der älteste Sohn einer Familie, nachdem er seine Lehrjahre bestanden, mit Empfehlungsschreiben an Verwandte und Freunde nach der neuen Welt, wo ihn der doppelte Gewinn eines freien Wirkungskreises und unbeschränkter Rechte erwartet. Einige Zeit darnach folgen ihm die Brüder rund Schwestern, und zuletzt häufig auch die Eltern. Die Nachrichten von den dort täglich neu sich bildenden Gemeinden lauten im Allgemeinen sehr günstig."

Trotz der dramatischen Entwicklungen um 1850 blieb die Zahl der jüdischen Familien in Ottensoos bis um 1930 in einer solchen Höhe bestehen, dass jüdisches Gemeindeleben weiter möglich war und die Zehnzahl der jüdischen Männer beim Gottesdienst regelmäßig erreicht wurde.
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde neben der Synagoge eine Schule und ein rituelles Bad (zu den seit 1872 in einem jüdischen Gemeindezentrum untergebrachten Einrichtungen s.u.). Die Gemeinde war dem Rabbinatsbezirk in Schnaittach zugeteilt, nach dessen Auflösung dem Distriktsrabbinat in Schwabach (bis 1932, danach Ansbach). Für die Besorgung der religiösen Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorsänger und Schächter tätig war. Bei anstehenden Neubesetzungen wurde die Stelle immer wieder ausgeschrieben (siehe Anzeigen unten). 
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Eugen Heßdörfer (geb. 7.3.1890 in Ottensoos, vor 1914 in Nürnberg wohnhaft, gef. 12.9.1916) und Oberarzt Dr. Ferdinand Löwenheim (geb. 7.12.1886 in Ottensoos, vor 1914 in Nürnberg wohnhaft, gef. 1.3.1917).   .      
      
Um 1925, als zur jüdischen Gemeinde noch 40 Personen in etwa zehn Haushaltungen gehörten (4,4 % der Gesamteinwohnerschaft von etwa 900 Personen), waren die Vorsteher der Gemeinde Philipp Sommerich und Max Heßdörfer. Als Religionslehrer, Kantor und Schochet wirkte Alex(ander) Gutmann. Er unterrichtete an der Religionsschule noch vier schulpflichtige jüdische Kinder. An Vereinen bestanden: 1. Die Wohltätigkeitseinrichtung der Zedokoh-Kasse, 2. der 1862 gegründete Israelitische Frauenverein (1924 unter Leitung von Pauline Lamm) sowie 3. als Sozial- und Bestattungsverein die Chewra Kadischa (unter Martin Prager). Zur jüdischen Gemeinde gehörten auch die in Hersbruck lebenden jüdischen Einwohner (1924: 12). Zugeteilt waren außerdem um 1930 die wenigen in Offenhausen, Lauf, Neunkirchen am Sand und Röthenbach a.d. Pegnitz lebenden jüdischen Einwohner. Anfang der 1930er-Jahre konnte die Gemeinde keinen eigenen Religionslehrer mehr anstellen. Nun erteilte der Schnaittacher jüdischer Lehrer in Ottensoos den Unterricht für die nur noch wenigen jüdischen Kinder.   
        
Nach 1933, als noch 25 jüdische Einwohner gezählt wurden, verließen auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien sowie der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts immer mehr von ihnen den Ort. Die meisten verzogen in andere Städte, wenige wanderten aus (je eine Person nach Palästina, Holland und Frankreich). In der Nacht zum 19. April 1934 wurden die Fenster der meisten jüdischen Häuser eingeschlagen. Ab Ende Dezember 1935 mussten fast alle jüdischen Einwohner durch das "Winterhilfswerk " der jüdischen Gemeinde in Nürnberg unterstützt werden. Über die Vorkommnisse beim Novemberpogrom 1938 gegen die Synagoge siehe unten.   
   
Von den in Ottensoos geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bertha Adler geb. Reuss (1873), Flora Ehrmann geb. Späth (1878), Hertha Fleischmann geb. Hessdörfer (1900), Max Hessdörfer (1864), Paula Kolb geb. Hessdörfer (1896), Pauline Lamm geb. Springer (1864), Klara Mannheimer (1865), Cilli Prager (1861), Cornelia (Nelly) Prager geb. Rebitzer (1881), Julius Arnold Prager (1875), Moritz Prager (1865), Paula Prager geb. Rebitzer (1879), Samuel Prager (1865), Gustav Rebitzer (1870), Moritz Rebitzer (1861), Siegfried Rebitzer (1877), Ida Reuß (1876), Julie Riss geb. Gundelfinger (1858), Gertraud (Gertrud) Sämann geb. Welsch (1881), Adolfine Schneider geb. Schitz (1898), Arnold Sommerich (1900), Jakob Sommerich (1878), Julius Sommerich (1878), Lina (Karoline) Sommerich (1879), Sophie Sommerich (1890), Jakob Späth (1873), Jenny Späth (1876), Siegmund Späth (1871), Selma Weissmann geb. Sommerich (1912), Bertha Wiesenfelder geb. Späth (1892). 
   
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde            
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Lehrer-/Vorbeterstelle 1871 / 1877 / 1908 
Anmerkung: In den Ausschreibungstexten werden auch die jeweiligen Vorsteher der Gemeinde genannt: um 1871 Hermann Prager und Wolf Hessdörfer (Heßdörfer); um 1877 Theodor Rebitzer und Simon Löwenstein; um 1908 Louis Rebitzer und Max Hessdörfer
.   

Ottensoos Israelit 20121871.jpg (50523 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Dezember 1871: "Vakante Stelle. Bei der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers und Vorsängers, womit auch zugleich das Schächter-Amt verbunden ist, in Erledigung gekommen. 
Der Jahresgehalt für den Lehrer- und Vorsängerdienst beträgt 300 Gulden fix. Der Ertrag für das Schächter-Amt dürfte sich, inklusive der nicht unbedeutenden Akzidenzien, auf 300 Gulden und darüber belaufen.
Reflektanten belieben ihre Gesuche mit den nötigen Zeugnissen versehen innerhalb vier Wochen portofrei an die unterzeichneten Vorstände einzusehen. Ottensoos an der bayerischen Ostbahn.
26. November 1871. Herman Prager. Wolf Heßdörfer."
  
Ottensoos Israelit 11041877.jpg (72783 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1877: "Offene Lehrerstelle. Bei der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers und Vorsängers, womit auch zugleich das Schächter-Amt verbunden ist, in Erledigung gekommen. 
Der Jahrgehalt für den Lehrer- und Vorsängerdienst beträgt M. 600 fix, nebst freier Wohnung im neuerbauten Schulhause und Benützung eines Ackers. Der Ertrag für das Schächter-Amt dürfte sich inkl. der nicht unbedeutenden Akzidenzien ebenfalls auf 600-700 Mark und darüber belaufen. 
Bemerkt wird dabei, dass wenn man mit den Leistungen des Lehrers zufriedne ist, derselbe nach Verlauf eines Jahres 100 Mark Gehaltszulage erhält.
 Zu Privatunterricht ist vielfache Gelegenheit geboten. 
Bewerber belieben ihre Gesuche, mit den nötigen Zeugnissen versehen, innerhalb 
4 Wochen 
portofrei an die unterzeichneten Vorstände einzusenden. 
Ottensoos an der bayrischen Ostbahn, 6. April 1866.
Theodor Rebitzer, Simon Löwenheim."
  
Ottensoos Israelit 22101908.jpg (72479 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Oktober 1908: "Offene Lehrerstelle! 
In der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers und Vorsängers, womit auch die Schächterfunktion verbunden ist, in Erledigung gekommen. 
Das fixe Jahresgehalt beträgt Mark 600.- mit einer jährlichen Steigerung von je Mark 50.- auf drei Jahre; das Nebeneinkommen aus dem Vorsänger- und Schächteramte etc. beläuft sich auf ca. Mark 700 bei freier Wohnung im neuerbauten Schulhause. 
Seminaristisch gebildete, gut qualifizierte und mit guten Stimmmitteln begabte Bewerber wollen sich unter Einreichung der nötigen Zeugnisse bis längstens 15. November an die unterzeichneten Vorstände wenden. Ausländer finden keine Berücksichtigung.
Ottensoos, den 19. Oktober 1908.
Die israelitische Kultusverwaltung: 
Louis Rebitzer, Max Heßdörfer."

   
70. Geburtstag von Lehrer und Kantor i.R. Alexander Gutmann (1934 in Würzburg)  
Anmerkung: Lehrer Alexander Gutmann ist am 21. April 1864 in Kleinsteinach geboren. Er war Absolvent der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg (Examen 1882). Bis 1933 war er Lehrer in Ottensoos (auch zuständig für Schnaittach), dann zog er mit seiner Familie nach Würzburg, wo er im Zwinger 32 1/2 wohnte. Im Juni 1936 emigrierte er nach Palästina. Quelle: Strätz, Biographisches Handbuch I S. 219.    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. April 1934: "Würzburg, 23. April (1934). Am zweiten Tag Pessach beging Lehrer und Kantor i.R. Alexander Gutmann seinen 70. Geburtstag. Still und selbstlos wirkte der Jubilar nahezu ein halbes Jahrhundert im Dienste des Judentums - ein Mehrer und Wächter des Friedens und einer unverfälschten Jüdischkeit. (Alles Gute) bis 120 Jahre."         

   
   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben        
25jähriges Jubiläum des Frauenvereins (1887)   

Ottensoos Israelit 28121887.jpg (195135 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Dezember 1887: "Ottensoos, (Bayern), 21. Dezember. Vergangenen Samstag Abend am 2. Tebeth (17. Dezember) feierte der israelitische Frauenverein sein 25jähriges Stiftungsfest, bei welcher Gelegenheit der Gründer und seitherige Schriftführer, Herr Hermann Prager, den Rechenschaftsbericht erstattete, der hier kurz wiedergegeben werden soll: Der Verein, gegründet am 1. Tevet 5623 (23. Dezember 1862) und dem seither alle hier wohnenden Frauen angehörten, verfolgt rein religiöse Zwecke: Krankenbesuche, Bewachung etc. der Toten und Unterstützung armer kranker Frauen; außerdem wird gegen Entrichtung einer bestimmten Gebühr, für Kaddisch, Schiur etc. bei Jahrzeiten von Frauen, die ohne männliche Nachkommen starben gesorgt. Die Summen, die der Verein in den 25 Jahren verausgabte, sind nicht unbeträchtlich, und auch in den Spendenlisten für Erez Jisroel, für die Notleidenden in Ostpreußen und Russland war der Verein schon öfters benannt, wie er auch immer bei lokalen Angelegenheit sein Scherflein beitrug. Wir nennen hier nur die Renovierung des jüdischen, uralten Begräbnisplatzes in Schnaittach. Auch stiftete der Frauenverein vor einigen Jahren eine sehr schöne Schulchandecke in die hiesige Synagoge. 
Gründerinnen des Vereins waren es 19, wovon aber leider nur noch 5 am Leben sind, und heute, nachdem im letzten Jahre 5 Frauen aus dem Leben schieden, zählt er nur noch 17 Mitglieder, eine kleine Zahl, nachdem schon 42 Frauen ihm angehört hatten. An diesen Bericht knüpfte Herr Prager ein Lob der Frauen für die bisher an den Tag gelegte Opferwilligkeit und schloss mit dem Wunsche, dass diese ach ferner so willig und treu ihre Pflichten erfülle, und dass der Verein gedeihen und fortbestehen möge. Hierauf überreichte die Vorsteherin des Frauenvereins, Frau Betty Rebitzer, Herrn Prager als Zeichen dankbarer Anerkennung für die geleisteten Dienste eine goldene Brille. Der Rest des Abends verfloss in ernster, doch angenehmer Stimmung. Ach wir schließen mit dem Wunsche, dass der israelitische Frauenverein gedeihen und blühen möge."

     
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zum Tod des Kriegsveteranen David Klein aus Ottensoos und seine Beisetzung am 19. Mai 1885 in Schnaittach

Ottensoos Israelit 04061885.jpg (138199 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1885: "Schnaittach, 18. Mai (1885). Eine Beerdigung, wie solche auf unserm 500 bis 600 Jahre alten Begräbnisplatze kaum noch gesehen worden, fand heute statt. Es wurde nämlich der Veteran aus den Kriegen 1866 und 1870 David Klein aus Ottensoos beerdigt. Der Veteranen- und Kriegerverein Ottensoos begleitete die Leiche und hier (sc. Schnaittach) wurde der Kondukt, vom gleichnamigen hiesigen Verein außerhalb des Marktes in Empfang genommen. Beide Vereine marschierten nun mit gesenkten Fahnen dem Leichenzug voraus und die Musik spielte einen Trauerchoral bis am Friedhof. Hier hielt der Vorstand des Vereins Ottensoos Herr Bäckermeister Lämmer eine ergreifende Rede, und unter den üblichen drei Salven wurde der Sarg in die Erde gesenkt.
Der Verstorbene war der einzige Sohn seiner hochbetagten Eltern Lippmann und Roschle Klein und erregte das Unglück dieser braven alten Leute ungeteiltes Mitleid bei allen Konfessionen. 
Bei dieser Gelegenheit machte sich wieder die Lücke recht fühlend, dass unser Rabbinatssitz noch immer verwaist ist, seitdem Herr Rabbiner Dr. Salzer uns verlassen, denn gewiss wäre hier eine Grabrede am Platze gewesen und vom derzeitigen Verweser Herrn Rabbiner Wißmann in Schwabach, der ja fast eine Tagesreise hierher hat, konnte dies nicht verlangt werden, wenn wir auch überzeugt sind, dass er gewiss erschienen wäre, wenn er von der Beerdigung gewusst hätte.
Nun fragt man sich, wie lange wird jetzt noch immer die Rabbinatsstelle unbesetzt bleiben und ob es in vier Gemeinden, die zum Rabbinat gehören, keine Männer mehr gibt, die für endliche Widerbesetzung eintreten! - Wahrlich, es wäre hohe Zeit dazu, sonst könnten Schule und viele Anstalten darunter leiden, denn, wenn auch der pflichteifrige Herr Verweser im Jahre zweimal kommt, kann er doch nicht Alles übersehen".


Zum Tod von Marianne Prager (1907)  

Ottensoos Israelit 30051907.jpg (42649 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1907: "Ottensoos, 26. Mai (1907). Vor Kurzem schied hier Frau Marianne Prager, die Gattin des Herrn Hermann Prager, im Alter von 67 Jahren aus dem Leben. Ihr Charakter war ausgezeichnet durch tiefe Frömmigkeit und unerschütterliches Gottvertrauen. Sie war weiterhin bekannt als eine Freundin der Armen. Ihr Leichenbegängnis fand unter außerordentlich großer Beteiligung aus allen Schichten der Bevölkerung statt. Herr Lehrer Heinemann schilderte am Grabe das edle Wirken der Verstorbenen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." 

   
   
Sonstiges        
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: 
Grabstein in New York für Moritz Simonsfelds aus Ottensoos  (gest. 1889) und Frau Rosalie
   
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn; der Geurtsname von Rosalie Simonsfelds wird nicht mitgeteilt.  .      

Ottensoos New York Salem 1838.jpg (83770 Byte)   Ottensoos New York Salem 1838a.jpg (98532 Byte)   Grabstein für "Rosalie
beloved Wife of Moritz Simonsfelds
A native of 
Ottensoos
, Bavaria, 
Born August 23, 1826 (?), 
Died December 3, 1889 (?)" und 
"Moritz Simonsfelds  
A Native of Ottensoos  Bavaria  
Died December 31. 1889 
Aged 72 Years". 

     
     
Weitere Dokumente   
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)   

Brief an H. Prager in 
Ottensoos (1863)
Ottensoos Dok 017.jpg (89091 Byte)
  Der Brief wurde am 7. November 1863 von Nürnberg nach Ottensoos verschickt. Der Adressat könnte Hermann Prager gewesen sein, um 1871 Vorsteher der jüdischen Gemeinde und 1862 Gründer des Israelitischen Frauenvereins (zugleich dessen Schriftführer noch bis mindestens zum 25-jährigen Jubiläum im Dezember 1887)
     
Postkarte von Hermann Prager 
in Ottensoos an Nathan Springer 
in Fürth (1894)
Fuerth Dok 386.jpg (96998 Byte) Fuerth Dok 386a.jpg (118832 Byte)
   Die Karte an Nathan Springer wurde von Hermann Prager aus Ottensoos am 20. April 1894 verschickt. Hermann Prager bestätigt den Empfang eines Geldbetrages über eine Postanweisung (weiteres zu seiner Person siehe oben).   
     
     

    
    
    
 
Zur Geschichte der Synagoge               
    
Zunächst war vermutlich ein Betsaal vorhanden. 1686 wurde (nach unten stehendem Artikel von 1871) eine erste Synagoge erbaut (urkundlich belegt ist die Synagoge 1698). Sie sollte 185 Jahre lang Zentrum des jüdischen Gemeindelebens in Ottensoos sein. Nach einer umfassenden Reparatur 1844 wurde sie am 31. August 1844 (Schabbat mit der Lesen Ki tabo!) wiederum feierlich eingeweiht. Ein "großer, steinerner Giebel" wurde am Synagogengebäude 1865 aufgeführt. 1869 wurde an das Synagogengebäude ein Schulhaus angebaut. Schule und Synagoge wurden bei einem Großbrand am späten Abend des 1. September 1871 ein Raub der Flammen.  Darüber wurde in der Zeitschrift "Der Israelit" berichtet:    

Ottensoos Israelit 20091871.jpg (193261 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. September 1871: "Ottensoos, im September (1871). Ein großes Unglück hat die hiesige Gemeinde Am Tag des Heiligen Schabbat mit der Toralesung Ki tabo (= Freitag/Samstag, 1./2. September 1871) getroffen, und wenn wir uns im Vertrauen auf Gott in dessen schwere Heimsuchung ohne Murren fügen, so ist doch die Bestürzung eine ungeheure, denn wir sind in eine age versetzt, die wir nicht genügend beschreiben, wie wir auch nicht den Gefühlen Ausdruck geben können, die unsere Herzen bewegen.
In vorgenannter Nacht gegen 1/2 auf 11 Uhr ertönte plötzlich der grelle Feuerruf, welcher auch nicht unbegründet war, denn aus der Scheune des Metzgers Hirsch Rebitzer ragten schon hoch die Feuersäulen gen Himmel, während noch Alles in nächster Nähe im süßen Schlummer lag. Die Kinder Rebitzer's, welche kaum einige Schritte vom Feuer entfernt lagen, konnten nur noch mit Mühe dem grässlichen Elemente entrissen werden; denn noch ehe rechtzeitige Hilfe herbeigeeilt, lagen schon 9 Gebäude, darunter die ehrwürdige 185jährige Synagoge nebst dem erst vor kaum 2 Jahren daran gebauten Schulhause, in Schutt und Asche.
O, wie wehe tut es, dies niederschreiben zu müssen! Verwüstet gleich dem zerstörten Tempel liegt unser Heiligtum. In eine Ruine verwandelt ist die Stätte, wo wir so oft zu Gott gebetet; leergebrannt, die kahle, halb eingestürzte Mauer gen Himmel ragend, liegt sie da, einst der Stolz und die Zierde der Gemeinde! Kaum vier Stunden zuvor empfingen wir noch in ihren Hallen den Heiligen Schabbat, nicht solches Unglück ahnend, aber schon zum Morgengebet wussten wir nicht, wo wir uns zu Minjan versammeln sollten. Wer diesem Gottesdienst beiwohnte, wird ihn auch nie vergessen. Kein Auge blieb trocken, kein Herz blieb unerschüttert. Die heiligen "guten Tage", die schon vor der Schwelle harren, können wir nur mit Zittern und Bangen empfangen, denn in einem Wirtshause müssen wir unseren Gottesdienst verrichten, da wir kein anderes Lokal haben. Wir haben statt Festtage Tage der Trauer, und Gott möge uns verzeihen, wenn wir diese Tage durch Tränen entweihen. Möge der Allgütige uns vor weiterem Unglück schützen und uns beistehen, dass wir ihm bald einen neuen Tempel bauen können.  
Gerade an dem für uns so verhängnisvollen Schabbat vor 27 Jahren wurde die Synagoge nach einer großen und kostspieligen Reparatur eingeweiht. Vor 6 Jahren hatten wir einen großen, steinernen Giebel aufgeführt, und noch kaum vor 2 Jahren die Wohnung des Lehrers gebaut; und so klein die Gemeinde ist, alle Kosten aus eigenen Mitteln bestritten, weshalb wir auch noch Schulden haben.
Gerne sind die wohlhabenderen Mitglieder nach Kräften bereit, Alles zum Wiederaufbau der Synagoge beizutragen, aber wir haben viele Mitglieder, respektive Witwen, Greise und Vermögenslose, denen wir keine neuen Last aufbürden können; die Last ist zu groß für uns, und wenn uns unsere mildtätigen Glaubensbrüder nicht unterstützen, so sind wir bei der geringen Höhe der Versicherungssumme nicht im Stande, unsere Synagoge wieder aufzubauen.   H. Prager, Kultusvorstand.
(Anmerkung der Redaktion: Wir schließen uns der obigen Bitte an; die kleine Gemeinde Ottensoos hat stets zu allen Sammlungen kräftigst beigesteuert. Möge auch sie jetzt nicht vergeblich an das Mitleid unserer stets hilfsbereiten Glaubensgenossen appellieren).

Der Spendenaufruf blieb nicht unerhört. In den folgenden Wochen erschienen in der Zeitschrift "Der Israelit" mehrfach Anzeigen mit Namen von Spendern für den Wiederaufbau der Synagoge in Ottensoos:   

Ottensoos Israelit 08111871.jpg (28984 Byte)Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1871: "Für Wiedererbauung der Synagoge in Ottensoos. Jonas Igersheimer in Mergentheim 5 fl. - Jakob L. in L. 10 fl. - Anonymus in Frankfurt a.M. 20 fl. - Aus Mannheim 1 fl. - Gottschalk Jakoby in Belgard 3 Thlr. - J.L. Lehmann in Konstanz 2 fl. 20 kr. - Ungenannter 18 Sgr. - N.N. in Mainstockheim 2 fl. - Aus Hanau 2 Thlr. - Löb Adler in Karbach 2 fl."
  
Ottensoos Israelit 06031872.jpg (15844 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. März 1872: "Für Wiedererbauung der Synagoge in Ottensoos.  Ungenannter, Poststempel Bechhofen 30 Kreuzer".   
     
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. April 1872: "Für Wiedererbauung der Synagoge in Ottensoos. N.N. in Pappenheim 18 kr. - A. Bachmann in Eltmann 1 fl. 21 kr."    
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. März 1872: "Für Wiedererbauung der Synagoge in Ottensoos. Ungenannter in Mainz 1 fl. 30 kr."    
 

1872 konnte die Synagoge neu erstellt und vermutlich noch im selben Jahr feierlich eingeweiht werden. Im neuen L-förmigen Gebäudekomplex wurden auch die Schule sowie die Lehrerwohnung und das rituelle Bad untergebracht.     
  
Gut 60 Jahre wurden in der neuen Synagoge zahlreiche Gottesdienste und andere Veranstaltungen der jüdischen Gemeinde abgehalten, bis durch die nationalsozialistische Machtübernahme auch in Ottensoos das jüdische Gemeindeleben zerstört wurde.     
    
Bereits vor der Pogromnacht im November 1938 kam es zu Übergriffen auf die Synagoge: Im März 1936 zertrümmerten Unbekannte ein Synagogenfenster. Damals schon konnte kein regelmäßiger Gottesdienst mehr gefeiert werden, da die nötige Zehnzahl der jüdischen Männer nicht mehr erreicht wurde. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge vollständig, das Gebäude teilweise durch Nationalsozialisten zerstört. Die Kronleuchter der Synagoge wurden heruntergerissen die Fensterscheiben zerschlagen, die Gebetsstühle demoliert, die Ritualien verschwanden spurlos.  
   
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge kam in den Besitz der bürgerlichen Gemeinde und blieb erhalten. Nach 1945 wurde es für Wohnzwecke umgebaut (im Gebetsraum Einzug einer Zwischendecke und Einbau von Mauern), bis zu fünf Mietparteien lebten im Haus. Seit 2003 stand das Gebäude leer. Ein Abriss wurde immer wieder diskutiert. Eine Gedenktafel wurde 1988 angebracht. 

2008 ergab sich die Möglichkeit einer Instandsetzung der ehemaligen Synagoge über das damalige Konjunkturpaket II, ein staatliches Programm zur Wirtschaftsförderung. Zur Restaurierung und künftigen Nutzung der ehemaligen Synagoge 2010/15 siehe Presseberichte unten

   
Am 7. Juni 2015 wurde das Gebäude als Ort der Erinnerung, der Bildung und der Kultur wiedereröffnet. Nur wenige Spuren erinnern im Haus an die frühere Nutzung als jüdisches Gotteshaus. Die Tora-Nische ist erkennbar, doch weiß und leer. Der Standort der Bima (Tora-Lesepult) ist auf dem Boden markiert. Auf dem Dachboden sind noch vier Eisenklammern zu erkennen, an denen früher die Leuchter der Synagoge hingen. Das Gebäude wird unter anderem von der VHS Unteres Pegnitztal für Veranstaltungen genutzt. Von einem - im November 2013 gegründeten - "Freundeskreis Ehemalige Synagoge" wird ein Kulturprogramm erstellt. In dem früheren Gebetsraum ist Platz für 60 bis 70 Personen.    
    
    
Adresse/Standort der SynagogeDorfplatz 5       
    
    
Fotos     

Fotos 2007
(Fotos: Hahn, 
Aufnahmedatum: 12.4.2007)
Ottensoos Synagoge 300.jpg (79870 Byte) Ottensoos Synagoge 303.jpg (81154 Byte)
   Blick auf den L-förmigen Gebäudekomplex des jüdischen Gemeindezentrums 
mit Synagoge (rechts), Schule und Lehrerwohnung (links)  
   
Ottensoos Synagoge 302.jpg (71516 Byte) Ottensoos Synagoge 301.jpg (117632 Byte)
  Text der Tafel (Foto rechts): "Ehemalige Synagoge der seit 1531 ansässigen jüdischen Gemeinde.
 1698 urkundlich erwähnt. 1867 nach Brand aufgebaut. Am 9.11.1938 geschändet. 
Die Gemeinde Ottensoos gedenkt ihrer jüdischen Mitbürger 1988."
     
Fotos 2004
(Fotos: Jürgen Hanke, Kronach)
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Fotos vom Stand der Renovierungsarbeiten im September 2013 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 11.9.2013)  
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Fotos von der Einweihungsfeier am 7. Juni 2015 
(Fotos: Gemeinde Ottensoos)  

   
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Erster Bürgermeister Falk bei der 
Ansprache vor geladenen Gästen 
Musik von der 
Gruppe "Scheynhofen" 
Bürgermeister Falk bei seiner Ansprache 
während des "Tages der offenen Tür" 
     
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Nach dem Konzert: von links: Bürgermeister Falk, 
Alexandra Völkl (Gesang), Budde Thiem (Piano)  
Modell des Gebäudes 
   
 

   
   
Presseberichte zur Restaurierung und künftigen Nutzung der ehemaligen Synagoge 

Februar 2008: "Wie geht es mit der Synagoge weiter?" Veranstaltung der Ottensooser CSU 
Artikel aus der Website der CSU-Ottensoos vom 20. Februar 2008 (Artikel): "Wie geht es mit der Synagoge weiter?
CSU-Fraktionsvorsitzende Tanja Riedel konnte den Ottensooser Historiker Martin Schieber als profunden Kenner der jüdischen Geschichte in Ottensoos sowie Bürgermeister Klaus Falk begrüßen.

Schieber stellte anfangs kurz die Entwicklung der jüdischen Geschichte dar. Jahrhundertelang war Ottensoos Heimat einer ansehnlichen jüdischen Gemeinde. Die Synagoge, die sich zentral im Dorf befindet, war ihr zentraler Bezugspunkt im Ort. Noch heute ist der L-förmige Bau auffällig. Vom Dorfplatz kommend fällt zunächst die gelbe Fassade des eigentlichen Synagogenbaus auf, der in Ost-West-Richtung verläuft. Die Besucher machten sich ein Bild vom baulichen Zustand der Synagoge. Im Erdgeschoss befand sich der große Beetsaal mit 68 angeordneten Plätzen. Im Obergeschoss befand sich eine Empore mit weiteren 28 Plätzen, die den Frauen zugedacht war.
Der Anbau im Westen besteht aus Sandstein. Dort befanden sich die Religionsschule und darüber die Dachwohnung des Lehrers. Die jüdischen Kinder besuchten damals zwei Schulen, die Dorfschule für den Elementarunterricht und die jüdische Schule für den Religionsunterricht. Die jüdische Schule war an der Synagoge angebaut. Bis zum Jahr 1924 fand der Unterricht statt, der dann aber wegen zu geringer Schülerzahl eingestellt wurde. Im Untergeschoss, einem Gewölbekeller, lag die Mikwe, das Ritualbad für Frauen. Die Synagoge wurde nach der Pogromnacht von der Gemeinde gekauft und wurde dann als Kindergarten und Wohnraum genutzt. Mittlerweile ist das Gebäude jedoch sehr baufällig geworden. Bürgermeister Falk stellte heraus, dass es an der Zeit sei, sich ernsthaft Gedanken, über dessen Zukunft zu machen.
Welche Möglichkeiten gibt es? Martin Schieber und die Teilnehmer waren sich einig, dass man auf jeden Fall die Bedeutung des Baus als geistliches Zentrum der jüdischen Gemeinde herausstellen solle. Dabei sollte der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden eingebunden werden. Gleichartige Projekte wurden bereits begleitet. Die Errichtung eines Jüdischen Museums erscheint wenig sinnvoll, da in Schnaittach bereits ein solches existiere. Nach Martin Schiebers Auffassung könnte jedoch durchaus eine kulturell-museale Nutzung, etwa durch die Darstellung der Geschichte des Landgebietes der Reichsstadt Nürnberg, besondere Relevanz haben. Außerdem könnte ein Teil des Gebäudes auch einer sozialen Nutzung zugeführt werden, um z.B. seniorengerechtes Wohnen zu ermöglichen. Sanierungsbedürftig ist das Gebäude und deshalb ist auch Handeln angesagt. Wie es mit der Synagoge weitergehen soll ist eine wichtige Frage für die Gemeinde Ottensoos und für alle Bürgerinnen und Bürger."    
   
September 2008: Eine Fahrt zur restaurierten ehemaligen Synagoge Memmelsdorf wird veranstaltet 
Ottensoos CSU 2008syn.jpg (126073 Byte)Links: Beitrag in der Publikation "Akzente" der CSU Ottensoos - Ausgabe 14 vom August 2008 S. 7:   
"Synagoge Ottensoos - Welche Möglichkeiten gibt es? 
Von Martin Schieber. Eine wichtige Frage hat der Ottensooser Gemeinderat in der kommenden Zeit zu lösen: Was wird aus der ehemaligen Synagoge am Dorfplatz? Schon im Vorfeld der Kommunalwahlen im März 2008 hatte die Ottensooser CSU über diese Frage informiert: Bei Führungen durch das Gebäude erfuhren die Teilnehmer von Martin Schieber und Bürgermeister Klaus Falk einiges über die Geschichte des Gebäudes und die Nutzung seit 1945. Um den Diskussionsprozess weiter voranzubringen, wollen wir eine Fahrt nach Memmelsdorf (Landkreis Hassberge) unternehmen. Dort wurde in den letzten Jahren die ehemalige Synagoge neu genutzt: Ein Gedenkort entstand, nachdem das baufällige Gebäude saniert worden war. Diese Möglichkeit soll für Ottensoos Anstoß sein, sich über die Synagoge Gedanken zu machen: Ist das Modell auf unsere Situation übertragbar - oder eben auch nicht?..."   
   
Februar/März 2010: Ausschreibung des Ideenwettbewerbs zur Findung einer zukünftigen Gebäude-Nutzung. 
Handout mit Angaben zum Gebäude und Beschreibung der Rahmenbedingungen: pdf-Datei aus der Website der Gemeinde Ottensoos
Dazu erläuternder Text der Gemeinde Ottensoos (aus der Website der Gemeinde): "Ideenwettbewerb "Zukünftige Nutzung der Synagoge". 
Sanierung der ehemaligen Synagoge, Dorfplatz 5, Ottensoos.

Seit über einem Jahrzehnt leer stehend, unauffällig hinter dem Bürgerbegegnungsraum am Dorfplatz, befindet sich die ehemalige Synagoge, die derzeit einen ziemlich vernachlässigten Eindruck auf den Betrachter macht. Der Gemeinderat erachtet hier eine Sanierung zur Instandsetzung und Stabilisierung der Bausubstanz als nicht länger aufschiebbar. Dabei stellt sich auch die Frage nach einer zukünftigen Nutzung des Gebäudes. Diese sollte auch eine angemessene Würdigung der jüdischen Mitbürger, die in fast 5 Jahrhunderten die Ottensooser Geschicke mitgestaltet haben, vorsehen.
Seit Beginn des 16. Jahrhunderts gab es eine jüdische Gemeinde in Ottensoos (siehe Ortschronik von Martin Schieber, "Ottensoos" - Ein Streifzug durch elf Jahrhunderte Geschichte", S. 78 ff). Deren Existenz endete mit der Vertreibung 1939 durch die Nationalsozialisten.
Danach wurde die Synagoge zunächst als Kindergarten und anschließend nach dem Einbau von Zwischendecken und -wänden als Gemeindewohnungen genutzt. Bei diesen Umbau-Maßnahmen ging die ursprüngliche sakrale Ausstattung vollständig und wertvolle Bausubstanz zum größten Teil verloren.
Zur Ideenfindung hinsichtlich der zukünftigen Nutzung hält der Gemeinderat eine Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger für hilfreich.
Um jedoch realisierbare Vorschläge zu bekommen, ist es notwendig, Informationen und Angaben über das Objekt auszugeben, die es dem interessierten Bürger ermöglichen, sich einen Überblick über die Rahmenbedingungen und Gegebenheiten, die die Nutzungsmöglichkeiten und die Baukosten beeinflussen, zu verschaffen. Deshalb haben wir die entsprechenden Angaben und Informationen sowie Gebäude-Grundrisse und Gebäudeansichten als Ausgabe-Unterlagen zusammengestellt.
Wenn Sie mitmachen möchten, können Sie diese Unterlagen ab 15. Februar 2010 im Rathaus abholen oder hier herunterladen (Link siehe unten). Eine Besichtigung der ehemaligen Synagoge bieten wir am Dienstag, 02. März 2010 um 17.00 Uhr an, Treffpunkt vor dem Gebäude. Ihre Vorschläge können Sie bis Freitag, 12. März 2010 bei der Gemeindeverwaltung im Rathaus abgeben."
   
Februar 2011: Vortrag zur jüdischen Geschichte in Ottensoos  
Ottensoos Vortrag 022011a.jpg (168163 Byte)Links: Gemeinsame Einladung von Bürgerlicher Gemeinde und Evangelisch-lutherischer Kirchengemeinde zu einem Vortrag: 
"Mehr als Steine... Jüdische Geschichte in Franken am Beispiel Ottensoos". 
Vortrag am Mittwoch, 23. Februar 2011 um 19.30 Uhr im Gemeindehaus. 
Referentin: Pfarrerin Barbara Eberhardt.   
   
März 2011: Die Restaurierung der ehemaligen Synagoge ist das finanziell aufwändigste Projekt in der Gemeinde Ottensoos im Jahr 2011  
Artikel in der "Pegnitz-Zeitung" vom 20. März 2011 (Artikel aus n-land.de, nur auszugsweise zitiert): 
"Solider Ottensooser Haushalt stößt auf breite Zustimmung. 
OTTENSOOS (bu) — Einen von allen Fraktionen als 'sehr solide' gelobten Haushalt für 2011 hat der Ottensooser Gemeinderat auf den Weg gebracht. Es bleibt genügend finanzieller Spielraum für die wichtigsten Investitionen, und man kommt sogar ohne Kreditaufnahme aus.
... Teuerstes Projekt ist die Sanierung der alten Synagoge hinter dem Rathaus: 250 000 Euro sind dafür 2011 eingeplant. Der erste Bauabschnitt zur Sicherung der Gebäudesubstanz läuft bereits, über die mögliche spätere Nutzung wird derzeit diskutiert. Das Vorhaben wird mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II gefördert: 2011 überweist der Bund dafür 180 000 Euro nach Ottensoos..."    
 
Juni 2015: Zur Fertigstellung und künftigen Nutzung der ehemaligen Synagoge   
Artikel von Andreas Kirchmayer in n-land.de vom 27. Mai 2015: "Ottensoos will Synagoge mit Leben füllen..."    
 
Ottensoos IMG_20150911_0001.jpg (348492 Byte)  Ottensoos IMG_20150911_0002.jpg (201326 Byte) Links: Artikel von Andreas Kirchmayer in der "Hersbrucker Zeitung" vom 11. Juni 2015: 
"Ein feierlicher Neuanfang. Sanierte Ottensooser Synagoge wird nun als Kulturzentrum genutzt"  
sowie "'Nutzung ist genial'. Pfarrerin Barbara Eberhardt über die Synagoge"

    
     

Links und Literatur   

Links:  

Website der Gemeinde Ottensoos  
Seiten zur jüdischen Geschichte in Ottensoos bei www.juden-im-nuernberger-land.de 

Literatur:  

Magnus Weinberg: Geschichte der Juden in der Oberpfalz. Bd. III Der Bezirk Rothenberg (Schnaittach, Ottensoos, Hüttenbach, Forth). Selbstverlag Sulzbürg 1909. Online-Ausgabe Frankfurt am Main Universitätsbibliothek (als pdf-Datei: Download 11,83 mb)  
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 217-218.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 173.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 259-261.
Bayern SynGedenkband II.jpg (63426 Byte)"Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band II: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager, unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern, Teilband 2: Mittelfranken. Lindenberg im Allgäu 2010. 
Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu

ISBN 978-3-89870-448-9.   Abschnitt zu Ottensoos S. 506-521.

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Ottensoos Middle Franconia. The Jewish community dates from the 15th century. Heavy taxation and looting during the Thirty Years War (1618-1648) undermined its economic position. In 1698 the town was annexed to Bavaria and despite local opposition the community continued to grow. With the abrogation of the state rabbinate in 1808, it became independent. In 1837 the Jewish population reached 133 (total 570). a new synagogue was erected in 1872. In 1933, 25 Jews remained. The synagogue was wrecked on Kristallnacht (9-10 November 1938). By 1939 all the Jews had left.        
     
      

                   
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Stand: 11. September 2015