Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Egenhausen (Markt Obernzenn, Kreis Neustadt a.d. Aisch - Bad Windsheim)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

      

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
    
In Egenhausen bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1920. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Mindestens seit 1715 lebten jüdische Familien am Ort. 1803 wurden 17 jüdische Familien mit zusammen 76 Personen gezählt.
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1809/10 80 jüdische Einwohner (26,1 % von insgesamt 306), 1867 58 (17,5 % von 332), 1871 54 (16,1 % von 336), 1880 79 (20,6 % von 383), 1890 53 (16,3 % von 325), 1900 33 (10,5 % von 313).   
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge mit Schule (seit 1836, 1888/89 noch 21 Schüler) und der Lehrerwohnung. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden auf dem Friedhof bei Obernzenn beigesetzt. Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat in Ansbach. Zur Besorgung der religiösen Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Stelle musste bei anstehenden Neubesetzungen immer wieder ausgeschrieben werden (vgl. Ausschreibungstexte unten). 
  
1910
wurden noch 25 jüdische Einwohner gezählt (7,6 % von insgesamt 329), 1925 11 (3,6 % von 305). Um 1924 waren die Vorsteher (nach Angaben des Handbuches der jüdischen Gemeindeverwaltung 1924/25) der Gemeinde Louis Schwan (oder Schwarz?), und Max Ral (oder Aal?). 
  
1933 lebten noch vier jüdische Personen am Ort 1,4 % von 293). Bereits im Sommer 1933 beschloss der örtliche Gemeinderat, gegen jeden Bauern, der mit Juden Geschäfte machte, vorzugehen und ihn in eine Sonderliste einzutragen. Die vier Personen verließen bis 1939 den Ort.   
   
Von den in Egenhausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Siegfried Aal (1878), Josef Adler (1871), Selma Aronowitz geb. Heimann (1880, Getta Eckmann geb. Lehmann (1882), Therese Herrmann geb. Weißmann (1884), Rosa Igersheimer geb. Schwarz (1864), Frieda Jung geb. Schwarz (1879), Max Lehmann (1885), Sigmund Lehmann (1880), Paula Lorch geb. Schwarz (1868), Siegfried Rindsberg (1891), Gustav (Gabriel) Schwarz (1868), Jakob Schwarz (1881), Joseph Schwarz (1900), Leopold Schwarz (1874), Ludwig (Elieser) Schwarz (1877), Max Schwarz (1861), Frieda Schönfärber geb. Lehmann (1873), Berta Sämann geb. Weissmann (1869), Hedwig Waldmann geb. Weissmann (1882), Jakob Weissmann (1877).      
  
  
  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde

Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Lehrer- Vorsänger- und Schächterstelle 1876 / 1884 / 1890 / 1901 / 1903 / 1907    

Egenhausen Israelit 21091876.jpg (54807 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September 1876: "In der israelitischen Gemeinde Egenhausen ist die israelitische Religionslehrerstelle, verbunden mit Schächter- und Vorsängerdienst, in Erledigung gekommen. Das fixe Einkommen beträgt nebst freier, frisch renovierter, angenehmer Wohnung und schönem Garten 600 Mark. Für Beheizung 60 Mark. Die Nebeneinkünfte aus der Schechita (Schächterdienst) usw. belaufen sich ebenfalls auf ungefähr 600 Mark. Geeignete Bewerber, am liebsten unverheiratete, wollen ihre Gesuche sofort an den unterzeichneten Vorstand richten. Abraham Lehmann, Egenhausen, Station Oberdachstetten bei Ansbach (Mittelfranken)." 
   
Egenhausen Israelit 17071884.jpg (56086 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juli 1884: "Bekanntmachung. Die Religionslehrer, Chasan (Vorbeter) und Schochet (Schächter-) Stelle in Egenhausen, Post Oberdachstetten, ist vakant und soll bis zun  15. August dieses Jahres wieder besetzt werden. Das Einkommen ist 600 Mark fix und cirka 500 Mark Nebenverdienste, freie Wohnung mit schönem Garten. Nur tüchtige und unverheiratete Bewerber wollen ihre Zeugnisse einsenden. Reisekosten werden nur dem Engagierten vergütet. Meldungen sind zu richten an den Kultusvorstand M. Weißmann". 
   
Egenhausen Israelit 09061890.jpg (47892 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juni 1890: "Lehrer-Gesuch. Die israelitische Gemeinde Egenhausen bei Ansbach sucht zum sofortigen Eintritt einen ledigen, inländischen Religionslehrer, Chasan und Schochet, gegen ein jährliches Einkommen von ca. 1.000 Mark nebst freier Wohnung. Reisekosten werden nur dem Gewählten vergütet. Gesuche nebst Zeugnisse sind baldigst zu richten an den Kultusvorstand J. Weißmann". 
   
Egenhausen Israelit 28021901.jpg (41708 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1901: "Die Religionslehrer-, Schochet- und Vorbeterstelle in Egenhausen (Mittelfranken) mit einem jährlichen Einkommen von 1.000 Mark ist bis 1. Mai dieses Jahres zu besetzen. Ledige Bewerber wollen ihre Zeugnisse baldigst einsenden an Jacob Weißmann, Vorstand." 
  
Egenhausen Israelit 21091903.jpg (44966 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September 1903: "Die Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle in Egenhausen (Mittelfranken) ist baldmöglichst zu besetzen. - Fixer Gehalt und Nebeneinkommen ca. 1.100 Mark per Jahr, nebst freier Wohnung. Bewerber wollen sich melden an den Kultusvorstand: Louis Schwarz". 
  
Egenhausen Israelit 23051907.jpg (45417 Byte) 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1907: "Die Lehrer-, Kantor- und Schochetstelle in der hiesigen Gemeinde ist bis 1. August dieses Jahres zu besetzen. Gehalt mit Nebenbezügen 1000 Mark bei freier Wohnung und Beheizung. Nur seminaristisch gebildete und Inländer haben den Vorzug. Meldungen sind baldmöglichst zu richten an Louis Schwarz, Kultusvorstand, Egenhausen (Mittelfranken)."

Aus den Ausschreibungen gehen u.a. die Namen einiger Vorsteher der jüdischen Gemeinde hervor: Abraham Lehmann (um 1876), M. Weißmann (um 1884/90), Louis Schwarz (1903/07).  
       
       
Zum Tod von Lehrer Ahron Rosenblatt (1930), bis 1896 Lehrer in Egenhausen   

Memmingen BayrGZ 15081930.jpg (9094 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. August 1930: "Memmingen. Nach kurzem Krankenlager starb hier der Lehrer a.D. Rosenblatt."
    
Memmingen Israelit 28081930.jpg (148174 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. August 1930: "Memmingen, 19. August (1930). Am Sonntag, den 10. August, am 16. Aw schied der langjährige treu bewährte Lehrer und Kantor unserer Gemeinde, Herr Ahron Rosenblatt, 61 Jahre alt, von uns. 41 Jahre seines Lebens waren dem Dienst für Schule und Gotteshaus geweiht. Nach genossener Ausbildung in Burgpreppach und Würzburg wirkte Ahron Rosenblatt als Religionslehrer in den Gemeinden Strümpfelbrunn in Baden und Egenhausen bei Ansbach. Im Jahre 1896 wurde er von der Israelitischen Kultusgemeinde Memmingen zu ihrem geistigen Führer berufen. In 32jähriger von beispielloser Gewissenhaftigkeit und hingebungsvollster Berufstreue erfüllter Tätigkeit hat er mitgebaut an der Aufwärtsentwicklung unserer Gemeinde. Einer traditionserfüllten Familie entstammend, aus der altehrwürdigen Kehilloh (Gemeinde) Fürth, war er von tief religiösem Geiste beseelt. Sein ganzes Leben war beispielgebende Tat.
Die Würdigung seiner Persönlichkeit kam bei der am 12. dieses Monats stattgefundenen Beerdigung in eindrucksvollster Weise zum Ausdruck. Lehrer Liffgens schilderte in ergreifender Weise das segensreiche Leben und Wirken, die Bescheidenheit, Menschenliebe und Menschenfreundlichkeit des edlen Gatten und Familienvaters, des treuen Führers seiner Gemeinde, des väterlichen Freundes und Amtsgenossen. Auch im Namen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern und der Bezirkskonferenz Schwaben gab er der Trauer Ausdruck um den rührigen Kollegen. Der 1. Vorstand der Kultusverwaltung, Direktor Karl Gerstle, widmete dem treu bewährten Lehrer seiner Gemeinde, dem hilfsbereiten Freund jeder Familie einen aus tief bewegtem Herzen kommenden und zu Herzen dringenden Nachruf dankbarer Verehrung. Für den Bezirkslehrerverein Memmingen nahm dessen Vorsitzender in erhebenden Worten Abschied von dem teuren Kollegen und langjährigen Mitglied des Vereins. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

      
      
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Die aus Egenhausen nach Würzburg verzogenen Brüder Schwarz engagieren sich in der dortigen Waisenhilfe  

Egenhausen Israelit 27091871.jpg (87795 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. September 1871: "Bekanntmachung. Nach dem Wunsche der Herren Gebrüder Schwarz, früher in Egenhausen, nun in Würzburg, als Gründer zweier Freiplätze in der hiesigen israelitischen Waisenanstalt, soll nunmehr zu Anfang des Wintersemesters auch der zweite Freiplatz durch einen inländischen israelitischen Waisenknaben besetzt werden und ein etwas mit den Gründern verwandter Waisenknabe den Vorzug erhalten. 
Bewerbungsgesuche um gedachten Freiplatz sind innerhalb 3 Wochen portofrei einzusenden und folgende legale Zeugnisse beizuschließen:
1) ein Geburts-, Domizils- und Leumunds-Zeugnisse mit besonderer Angabe, dass der Bewerber in legaler Ehe gezeugt worden ist.
2) Ein Gesundheitszeugnis 
3) Ein Schulzeugnis.
Waisenknaben, die das 6. Lebensjahr noch nicht zurückgelegt haben oder das 11. Lebensjahr schon überschritten haben, können die Aufnahme nicht erlangen. Weder zu den Bewerbungsgesuchen noch zu den Zeugnissen bedarf man des Stempelpapiers. 
Fürth, den 18. September 1871. Die Administration der israelitischen Waisenanstalt."     

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge                         
   
Über die Geschichte der Synagoge und ihr Baujahr ist bislang nur wenig bekannt. Das T-förmig gebaute Doppelhaus ist noch erhalten. Es befindet sich in Privatbesitz und wird als Wohnhaus verwendet.  
   
   
Adresse/Standort der SynagogeJudengasse 11    (Hinweis: bei der "Judengasse" in Egenhausen handelt es sich um eine nicht offizielle Straßenbezeichnung, daher findet sie sich nicht auf einem Straßenschild; die "Nr. 11" ist Gebäudebezeichnung)  
   
   
Foto

Gebäude der ehemaligen Synagoge mit Schule und Lehrerwohnung, heute Wohnhaus 
(Foto: Rainer Domke, Küps, Aufnahme vom Frühjahr 2009)
Egenhausen Synagoge 170.jpg (53539 Byte)  
     
     

    
     

Links und Literatur

Links:

Website des Marktes Obernzenn   

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 170.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 151.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 259.  

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Egenhausen  Middle Franconia. Jewish settlement began in 1715 and numbered 79 (total 383) in 1880. The four Jews remaining under Nazi rule left Egenhausen by 1939.   
          
           

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 01. Januar 2017