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Erlangen (Kreisstadt,
Mittelfranken
/ Bayern)
Jüdische Geschichte / Synagoge bis 1938/42
Es besteht eine weitere
Seite mit Texten zur jüdischen Geschichte in Erlangen (interner
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Es besteht eine weitere
Seite über die
jüdische Geschichte / neue Beträume nach 1945 (interner Link)
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Erlangen bestand eine jüdische Gemeinde bereits gegen
Ende des Mittelalters. Urkundlich werden 1408 erstmals Juden in der Stadt
genannt. 1459 und 1475 waren jeweils drei Juden beziehungsweise jüdische
Familien in der Stadt. Juden "von Erlangen" werden in Wöhrd/Nürnberg
genannt (1432), Bayreuth (1470) und Nürnberg (1458, 1490). Die jüdischen
Familien lebten vom Geldhandel und hatten dazu geschäftliche Beziehungen nach
Nürnberg und zu Untertanen des Bischofs von Bamberg. 1478 wird Rabbiner
Vogelein genannt; vor Erlangen war er im Amt Cadolzburg wohnhaft. Letztmals
werden Juden in der Stadt 1514 genannt. Vermutlich wurden sie mit den Juden der
ganzen Markgrafschaft Brandenburg-Kulmbach 1515 ausgewiesen (Beschluss der
markgräflichen Landtages vom 26. März 1515), doch gibt es keine urkundlichen
Nachrichten hierzu. 1537 war vorübergehend wieder ein Juden in der Stadt. Die
1515 ausgewiesenen Juden der Stadt dürften sich - zumindest teilweise - in
umliegenden Orten wie in Bruck und Baiersdorf
niedergelassen haben.
An der Universität Erlangens wurde 1778 erstmals ein jüdischer Student mit den Themen Medizin und Pharmazie promoviert. 1815 konnten
sich die ersten jüdischen Schüler in die Matrikel des Erlanger Gymnasiums
eintragen. 1841 wurde erstmals ein jüdischer Mediziner als
Assistent an die Universität berufen:
Am 22. Mai 1841 berichtete die Allgemeine Zeitung des Judentums: "Aus Bayern, 26. April (1841). Seit einem halben
Jahre ist auf der Universität Erlangen ein Israelit als Assistent an der
chirurgischen Klinik angestellt, was auf Betrieb des nun in München lebenden
Prof. Dr. Strohmeyer geschehen".
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| Diese Meldung bezog sich auf Dr. Jakob Herz,
weitere Berichte zu ihm auf der Textseite. |
Die Gemeinde des 19./20. Jahrhunderts entstand
jedoch erst, nachdem
der bayerische Landtag 1861 die allgemeine Freizügigkeit für Juden in Bayern
beschlossen hatte. Schnell zogen aus der Umgebung jüdische Familien zu.
Die
Zeitschrift "Der Israelit" meldete am 20. Juni 1860
(Artikel links): "So wurde in voriger Woche den Juden das Wohnen in
Erlangen gestattet, wohin bereits ein Jude übergesiedelt ist..." Der
erste, der die Niederlassungserlaubnis in Erlangen erhielt, war der Tuch-
und Schnittwarenhändler S. Weinstock.
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Die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder
entwickelte sich erstaunlich schnell: 1867 54
jüdische Einwohner (0,5 % der Gesamteinwohnerschaft von 11.546 Einwohnern), 1871
63 (0,5 % von 12.510), 1880 175 (1,2 % von 14.876) und 1890
die Höchstzahl von 239 jüdischen Einwohnern (1,4 % von insgesamt 17.559);
1900 198 (0,9 % von 22.953), 1910 224 (0,9 % von 24.877).
Die offizielle Begründung der jüdischen Gemeinde war am 15. März 1873.
Noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts war die offizielle Bezeichnung nach der
"Muttergemeinde" in Bruck: "Jüdische Kultusgemeinde
Erlangen-Bruck". Die jüdischen Familien stammten zu einem großen Teil aus
den Orten Bruck, Baiersdorf und
Büchenbach, wo die Zahlen der jüdischen
Einwohner entsprechend zurückgingen. Die Büchenbacher Gemeinde wurde bereits
1874 aufgelöst; nach 1900 wohnten in Bruck keine jüdischen Personen mehr. Das
Rabbinat von Baiersdorf wurde aufgelöst. Die Gemeinde Erlangen gehörte von
1921 von 1925 zum Bezirksrabbinat in Ansbach, danach zum Bezirksrabbinat
Fürth.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde in Erlangen alsbald eine
Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und einen Friedhof.
Lehrer (zugleich
Vorbeter/Kantoren) der Gemeinde waren u.a. Abraham Johndorf (1874-1878), Moritz
Morgenthau (ab 1885), Leopold Katz (ab 1906), Justin Fränkel (ab 1924).
Viele jüdische Neubürger fanden in weitesten Kreisen der Bevölkerung breite
Anerkennung. 1875 wurde auf dem damaligen Holzmarkt (Hugenottenplatz) für den
1871 verstorbenen Ehrenbürger Prof. Dr. Jakob Herz das Jakob-Herz-Denkmal
enthüllt. Dennoch kam es auch bald zu antisemitischen Vorkommnissen, als Anfang
August 1880 die Fenster des Gebäudes mit dem Betsaal eingeworfen wurden (s.u.).
Im Ersten Weltkrieg fielen von den in den Krieg gezogenen jüdischen Erlangern:
Unteroffizier Lothar Hopfenmaier (geb. 9.8.1893 in Erlangen, gef. 25.8.1914),
Leutnant Dr. Joseph Gutmann (geb. 15.1.1886 in Feuchtwangen, gef. 5.9.1914) und
Willy Weglein (geb. 20.11.1892 in Geldersheim, gef. 19.7.1916).
Ihre Namen standen auf einer Gedenktafel rechts des Toraschreines in der
Synagoge (eingeweiht am 30. Oktober 1921 durch Distriktsrabbiner Dr. David
Brader; Tafel wurde vermutlich beim Novemberpogrom 1938 zerstört). Ein weiteres Denkmal
mit den Namen der drei jüdischen Gefallenen ist in Erlangen nicht vorhanden. Das Grab von Lothar Hopfenmaier ist auf dem jüdischen Friedhof.
Außerdem sind aus der jüdischen Gemeinde gefallen: Erich Boldes (geb.
3.12.1893 in Erlangen, vor 1914 in Breslau wohnhaft, gef. 13.10.1915), Max Karpf
(geb. 17.5.1890 in Erlangen, vor 1914 in Nürnberg wohnhaft, gef. 5.9.1914) und
Harry Katz (geb. 29.9.1994 in Bodenfelde, vor 1914 in Erlangen wohnhaft, gef.
15.9.1915).
Um 1925, als 125 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (0,4 % der
Gesamteinwohnerschaft von etwa 30.000 Personen), waren die Vorsteher der
jüdischen Gemeinde: Max Hopfenmaier jun., S. Weglein, Justin Fränkel, H. Loewi,
H.A. Cohn, S. Brauer, J. Dingfelder, H. Brüll und M. Hopfenmaier sen. Als
Lehrer und Kantor wirkte Justin Fränkel. Er erteilte auch den Religionsunterricht
für die Kinder an der Religionsschule der Gemeinde und in den öffentlichen
Schulen. An jüdischen Vereinen bestanden: der Wohltätigkeitsverein
Chewra Kadischa (gegründet um 1890, mit 25-35 Mitgliedern unter Leitung H.
Dorn, 1932 Alb. Hopfenmaier, Ziel Unterstützung Kranker und Hilfsbedürftiger),
der Israelitische Frauenverein (gegründet 1898, unter Leitung von Frau
Ullfelder, danach Frau Emma Meinhard, Ziele: Unterstützung Kranker und
Hilfsbedürftiger, etwa 30 Mitglieder) sowie eine Ortsgruppe des Central-Vereins
unter Leitung von A. Cohn (1932).. 1932 war 1. Vorsitzender der Gemeinde
Max Hopfenmaier, 2. Vorsitzender Leopold David; Schriftführer war Justin
Fränkel. Für die koschere Verpflegung der jüdischen Studierenden war in der
Engelstr. 21 eine "Mensa academica" eingerichtet. Die Zahl der
jüdischen Einwohner entwickelte sich bis zur NS-Zeit so: 1910 224 Personen,
1925 161 Personen, 1933 130 Personen.
Der Antisemitismus verbreitete sich in den 1920er-Jahren stark an der
Universität. Im Februar 1929 verlangten völkisch orientierte Studenten an der
Universität einen "Numerus clausus" für jüdische Studenten.
Mitteilung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1929:
"Wie die antisemitische deutsche Presse mitteilt, hat der Allgemeine
Studenten-Ausschuss der Universität Erlangen den Antrag der
Fraktion des nationalsozialistischen Studentenbundes angenommen, wonach
die Regierung aufgefordert wird, an sämtlichen deutschen Hochschulen den Numerus
clausus für Nichtdeutsche, besonders aber für Studierende der
jüdischen Rasse einzuführen." |
1933-1945:
Artikel
in der "Jüdischen Rundschau" vom 8. August 1933:
"Der Bürgermeister von Erlangen, A. Gross, hat folgende Kundmachung
erlassen: 'Das städtische Röthelheimbad ist bisher im wesentlichen von
dem Besuch von Juden verschont geblieben, sodass sich ein Verbot des
Betretens des Badegeländes durch Juden erübrigte. Da aber nunmehr in
Nürnberg und anderwärts den Juden der Zutritt zu Bädern verboten wurde,
ist zu befürchten, dass aus der Umgebung in das Röthelheimbad Juden
kommen. Ich ordne deshalb an: Zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung ist
Juden der Zutritt zum Röthelheimbad mit sofortiger Wirkung
verboten." |
1933 lebten 130 jüdische Personen in Erlangen. Auf Grund der zunehmenden
Repressalien, des wirtschaftlichen Boykotts und der Entrechtung verließ die
Mehrzahl der jüdischen Einwohner in den folgenden Jahren die Stadt (1938 44
jüdische Einwohner, Mai 1939 noch 26). Von den noch Verbliebenen waren viele
auf Unterstützung durch das jüdische Winterhilfswerk oder den Hilfsfonds der
Gemeinde Fürth angewiesen. Im April 1937 wurde der jüdische Kantor und
Lehrer Justin Fränkel verhaftet. Ihm wurde von der Gestapo Würzburg
vorgeworfen, sich an einem Ritualmord an einem Kind beteiligt zu haben. Ein in
seiner Wohnung gefundenes Stück Mazze (ungesäuertes Brot) wurde beschlagnahmt
um es auf Beimischung von Menschenblut zu untersuchen. Beim Novemberpogrom 1938
wurden am Morgen des 10. November 1938 sämtliche jüdischen Einwohner aus ihren
Häusern geholt und ins Rathaus verschleppt. Die Männer kamen von dort für
sechs Wochen in das das Gefängnis nach Nürnberg, die Frauen wurden in ein
Obdachlosen-Asyl gebracht. Ende November 1941 waren nur noch 13 jüdische
Personen in der Stadt. Sechs von ihnen wurden Ende November 1941 nach Riga
deportiert. Am 21. Oktober 1943 wurde die letzte jüdische Frau nach Auschwitz
deportiert, wo sie zwei Monate später umgekommen ist.
Von den in Erlangen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ergänzt durch Namensliste aus Erlangen): Emil Bacharach
(1887), Marie Bacharach (1888), Amalie Bauer geb. Neuburger (geb. ?), Ernestine Bauer geb.
Stern (geb. ?), Josef Bauer (1880), Lotte Bauer (1923), Simon Bauer (1887),
Emma Bekei geb. Levi (1879), Erich Benesi (1931), Gottliebe Benesi geb. Katz (1906),
Hannelore Benesi (1935), Hildegard Benesi (1933), Jakob Benesi (1901), Therese
Berberich geb. Reinemann (1915), Rosina Buchwalter geb. Besendorfer (1887),
Alfred Cohn (1879), Rosa Cohn geb. Moch (1887), Sally Cohn (geb. ?), Adolf Dreifuß (geb. ?),
Ida Fleischmann (1863), Max Fleischmann (1863), Josef Flink (1868), Selma
Gundelfinger geb. Blumenthal (1880), Gisela
Gutmeyer (1884), Louise Haas geb. Bauer (1878), Betty Hans geb. Wild (1909), Clara Harwitz geb. Wild (1882),
Bertha Heinemann geb. Stern (1876), Julius Heller (1922), Betty Hopfenmaier geb.
Aufseeser (1891), Hella Hopfenmaier (1926), Ingeborg Hopfenmaier (1921), Max Hopfenmaier (1892), Bertha Isaacsohn geb. Karpf (1897), Erna Isaacsohn geb.
Moschkowitz (1893), Dr. Benno Jakob (1873), Max Jakob (1876), Else Karliner geb.
Boldes (1891), Wilma Katz geb. Tausig
(1873), Hildegard Laink-Vissing geb. Katz (1896), Frida Landau (1907), Ludwig Loewi (1925), Alma Männlein geb. Danziger (1890),
Max Männlein (1885), Moritz Männlein
(1880), Simon Männlein (geb. ?), Therese Männlein (1877), Siegmund Meyer (geb. ?),
Hedwig Quittner (1908), Walter Rosenblatt
(1912), Erna Rosenwald geb. Geschmay (1891), Jenni Rotenstein (1912), Simon Rotenstein (geb. ?), Sofie
Rotenstein geb. Paper (geb. ?), Gisela Rubenstein geb. Weinberger (1906), Thekla
Schmidek geb. Schlamme (1891), Pauline Schnaittacher (1895), Rosette Simon geb.
Brüll (1868), Babette Sommerhauser (1874), Therese Stark geb. Rothschild
(1899), Sidonie Stern geb. Stern (1884), Berthold Sturm
(1881), Frieda Uhlfelder geb. Flink (1883), Josef Uhlfelder (1881), Ingeborg
Walg geb. Hopfenmaier (1921), Leonhard Wassermann (1879), Thekla Wassermann (1895), Wilhelm Wassermann (1893), Ida Wechsler geb. Schönberger (1887), Klothilde Weglein geb.
Katzenberger (geb. ?), Ida Wechsler geb. Schönberger (1887), Samuel Weglein,
Benno Weinmann (1883), Iwan (Isaak) Weinstock (1859), Bruno H. Weyl (1881), Ignatz Wild (1879), Josef Wild
(1882), Paula Wild geb. Schiff (geb. ?), Philipp Wild (1870), Hermann Wolf
(1875), Frieda Wollmann geb. Brüll (1860).
Nach 1945: siehe
weitere Seite
Zur Geschichte der Betsäle / Synagogen
Die seit 1861 zugezogenen jüdischen Familien besuchten vermutlich zunächst
die Synagoge in Bruck. 1873 wurde ein Betsaal
im Haus des Kaufmanns Josef Levin in der Friedrichstraße 6 eingerichtet.
1878 wurden die oberen Räume im Haus Dreikönigstraße 1 gemietet, um
dort eine Synagoge (Beträume je für Männer und Frauen) und einen
Versammlungsraum für die Gemeinde einzurichten.
Dieser
Betsaal der jüdischen Gemeinde war bereits 1880 von dem damals in der
Stadt aufkeimenden Antisemitismus betroffen. Im Sommer 1880 hielt der Berliner
Theologe und Antisemit Adolf Stöcker vor Studierenden der Theologie
einen seiner Vorträge, was dazu führte, dass am 1.,2. und 3. August in dem
jüdischen Haus, in dem sich auch der Betsaal befand, die Fenster eingeworfen wurden.
Die
Allgemeine Zeitung des Judentums berichtete am 16. August 1880: "Erlangen,
6. August. Hier, wo Herr Stöcker vor Kurzem vor einer hauptsächlich von
Studierenden der Theologie besuchten Versammlung einen seiner bekannten
Vorträge gehalten, hat man am 1., 2. und 3. dieses Monats einem Israeliten
allabendlich die Fenster eingeworfen; auch der im gleichen Haus befindliche
Betsaal der Israeliten wurde nicht verschont". |
1894
plante die Gemeinde den Bau einer Synagoge.
In der Zeitschrift "Der
Israelit" war am 24. September 1894 zu lesen: "Erlangen,
13. September (1894). Die hiesige israelitische Kultusverwaltung strebt die
Erbauung eines Synagogengebäudes an und sucht zwecks Aufbringung der Mittel um
Erlaubnis zur Veranstaltung einer Kollekte in den Synagogen Bayerns nach. Der
Magistrat beschloss heute, das Gesuch der königlichen Regierung befürwortend
zu unterbreiten". |
Aus nicht bekannten Gründen konnte der Plan nicht ausgeführt
werden, sodass auch weiterhin der Betsaal in der Dreikönigstraße 1 Mittelpunkt
der jüdischen Gemeindelebens in der Stadt blieb. Ein Grund für die
Nichtausführung könnte auch der zeitweise schlechte Gottesdienstbesuch
bewerden sein. 1902 wurde darüber geklagt, dass wochentags überhaupt kein
Gottesdienst zustande kam, da sich nicht die hierfür notwendige Zahl von 10
religionsmündigen Männern einfand:
In der Synagoge wird wochentags kein Gottesdienst
abgehalten (1902)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 18. Dezember 1902: "Aus Mittelfranken. Als vor
einigen Jahren im 'Israelit' aus Erlangen berichtet wurde, dass
sich daselbst ein Talmud-Tora-Verein gegründet habe, der unter anderen
löblichen Zwecken auch die hochwichtige Aufgabe sich stellte: soviel als
möglich dafür zu wirken, dass jederzeit, insbesondere an Montag und
Donnerstag, mit Minjan gebetet werden kann, war gewiss jeder wahrhafte
Jehudi freudigst davon berührt und wünschte sicher den besten Erfolg.
Wie benannter Verein seiner sich gestellten Aufgabe nachkommt und welche Erfolge
derselbe bis jetzt erzielte, will und kann ich nicht bemessen, aus den
jüdischen öffentlichen Blättern habe ich seit seiner Gründung nichts
mehr darüber vernommen; dagegen kann ich, was das Ziel, Minjan täglich
zu bekommen, betrifft, bezeugen, dass an einem der jüngsten Donnerstage der
dortige Betsaal gar nicht geöffnet wurde und auch niemand zum
Gebete sich einfand. Auf Befragen, wann an Wochentagen der Gottesdienst
beginnt, wurde mir von Mehreren bedeutet: 'Bei uns wird an Wochentagen
nicht Schul gegangen.' Ich möchte nicht gern jemand zu nahe treten und
unterlasse deshalb, meine Vermutung auszusprechen, wer wohl dazu beitragen
respektive veranlassen könnte, dass hierin Besserung eintrete. Nach
meinem Dafürhalten erfordert es keine große Anstrengung, in dortiger
Gemeinde täglich Minjan zusammen zu bringen. Es wäre zu wünschen und
erfreulich, wenn die kalte Witterung nur allein Schuld daran hatte, dass
obiger traurige Missstand besteht, und dass ich recht bald das Gegenteil
berichten kann, das gebe Der, zu dem wir unsere Gebete richten." |
Bis 1937 wurden im Betsaal in der Dreikönigstraße Gottesdienste
abgehalten.
Dann konnte die klein gewordene jüdische Gemeinde die Miete nicht mehr
bezahlen. In der Einhornstraße 5 wurden zwei Räume gemietet, die nicht bewohnt
werden konnten. Die dortigen Räume wurden beim Novemberpogrom 1938
verwüstet. Die Ritualien wurden beschlagnahmt (nach einer Übersicht u.a. neun
Torarollen, neun Paar Toraaufsätze mit Toraschildern, drei Lesefinger, 30
Toramäntel, 50 Wimpel, vier Toraschreinvorhänge, vier Decken für den
Lesepult, eine Ewige Lampe, eine Menora, ein Chanukka-Leuchter usw.). Eine der Torarollen aus Erlangen
konnte jedoch von einem in die USA geflüchteten jüdischen Mann gerettet und inzwischen
wieder nach Erlangen zurückgebracht werden.
Adressen/Standorte der Betsäle / Synagogen bis 1938:
 | 1873-78 Friedrichstraße 6 |
 | 1878-1937 Dreikönigstraße 1 |
 | 1937-1938 Einhornstraße 5 |
Fotos
(Quelle: Gebäude des Betsaales Dreikönigstraße: Hahn, Aufnahmedatum
23.6.2006; Gebäude des Betsaales Einhornstraße: Jürgen Hanke, Kronach, www.synagogen.info,
Aufnahme von 2004).
| Gebäude des Betsaales 1878 - 1937 |
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Das Gebäude
Dreikönigstraße 1(-3), in dem sich der Betsaal der Gemeinde befand. |
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| Betsaal 1937-1938 in der Einhornstraße |
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In
dem Gebäude mit dem Geweih war der Betsaal, der beim Novemberpogrom 1938
geschändet wurde. |
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Persönlichkeiten:
 | Der Physiologe Isidor Rosenthal (1836-1915) war seit 1872 Professor in
Erlangen. Er entstammte einer jüdischen Familie. Er war zwar aus dem Judentum
ausgetreten, wurde aber dennoch in mehreren Artikeln in jüdischen Zeitschriften
hoch gewürdigt. Anlässlich seiner Emeritierung 1913 erschien in der
"Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. August 1913 folgender
Beitrag:
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"Erlangen, 1. August (1913). Der ordentliche Professor und
Direktor des physiologischen Instituts Geh. Hofrat Dr. med. et phil. Isidor
Rosenthal wurde auf sein Ansuchen von der Verpflichtung zur Abhaltung von
Vorlesungen befreit; aus diesem Anlass erhielt er den Titel eines Geheimen
Rates. Geheimer Rat Rosenthal ist am 16. Juli 77 Jahre geworden, er ist 1836 in
Labischin, Provinz Posen, geboren. Der berühmte Physiologe hat nach einer
erfolgreichen und ehrenvollen wissenschaftlichen Laufbahn ein volles Anrecht
darauf, seinen Lebensabend in einer des hochangesehenen Forschers würdigen Ruhe
zu schließen. Gleichwohl wird es manchen unter seinen Freunden geben, die
seinen Entschluss bedauern. Denn an geistiger Frische vermag er es noch heute
mit viel jüngeren seiner Genossen aufzunehmen. Rosenthal ist seiner
wissenschaftlichen Entwicklung nach als ein Berliner Kind anzusprechen. Hier hat
er seine Studien begonnen und unter des unvergesslichen Emil Dubois-Reymond
Leitung, dessen langjähriger Assistent und Freund er gewesen, auch vollendet.
Rosenthal gehört zu den begabtesten Schülern Dubois', dem an allgemeiner
Bildung, an wissenschaftlicher Gründlichkeit und unbestechlicher Kritik es
gleichzutun, sein hauptsächlichstes Bestreben war. Wir wünschen dem
ausgezeichneten Physiologen und vortrefflichen Menschen einen schönen
Lebensabend.
Ein noch ausführlicherer Beitrag zu Rosenthal erschien in der Allgemeinen
Zeitung des Judentums vom 15. August 1913, siehe auf der Textseite. |
 | Jakob Herz (Professor, Arzt und Ehrenbürger). Ein Denkmal wurde
für ihn am 5. Mai 1875 errichtet. Dieses wurde am 15. September 1933 zerstört.
50 Jahre später wurde ein Denkmal errichtet mit der Aufschrift: "Wir
denken an Jakob Herz, dem Bürger dieser Stadt ein Denkmal setzten und
zerstörten." Texte zu Prof. Dr. Jakob Herz auf der Textseite. |
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| Denkmal für Jakob
Herz - Krankenhausstraße |
Gedenktafel Hugenottenplatz |
Wohnhaus Jakob Herz |
| Fotos: Jürgen
Hanke, Kronach |
 | Emmy Noether (Mathematikerin, 1882 in Erlangen -
1935 USA). Emmy Noether wuchs in Erlangen als Tochter des
Mathematikprofessors Dr. Max Noether und seiner Frau Ida Amalie geb.
Kaufmann auf. Sie besuchte Schulen in Erlangen und Nürnberg, studierte von
1903 bis 1907 Mathematik in Göttingen und Erlangen. 1907 schloss sie die
Studien mit einer Dissertation ab und erhielt als erste Erlangerin an der
Universität Erlangen die Doktorwürde. 1908-1915 Arbeit am Mathematischen
Institut der Universität Erlangen, seit 1915 in Göttingen (Habilitation
1919 und Aufnahme der Lehrtätigkeit als Privatdozentin). 1922 ao.
Professorin in Göttingen, 1928/30 Gastprofessuren in Moskau und Frankfurt
a.M.. 1933 auf Grund ihrer jüdischen Herkunft (seit 1920 war sie
evangelisch geworden) entlassen; im Oktober 1933 in die USA emigriert,
Gastprofessur an einer Frauenhochschule in Pennsylvania. 1935 unerwarteter
Tod nach einer Operation. Albert Einstein widmete ihr in der "New York
Times" vom 5. Mai 1935 einen Nachruf. Link
zur Seite bei wikipedia.
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica III,1 S. 329-330. |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 173-175. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 152. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 276-278. |
 | Ilse Sponsel: Das Schicksal der Erlanger Juden in
der NS-Zeit. Erlanger Materialien Heft 4. Herausgegeben von der Stadt
Erlangen und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in
Franken e.V. 1982. |
 | dies.: Gedenkbuch für die Erlanger Opfer der Schoa.
Erlangen: Bürgermeister- und Presseamt 2001. |
 | "Mehr als
Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band II:
Mittelfranken.
Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid,
Hans-Christof Haas und Angela Hager, unter Mitarbeit von
Frank Purrmann und Axel Töllner. Hg.
von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz.
Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und
herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3:
Bayern, Teilband 2: Mittelfranken. Lindenberg im Allgäu 2010.
Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im
Allgäu.
ISBN 978-3-89870-448-9. Abschnitt zu Erlangen S. 190-224. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Erlangen Middle Franconia. Jews are
first mentioned in 1432 and were expelled in 1515 in the general expulsion from
the principality. Jews studied at Erlangen University from the early 19th
century and later taught there, with the physician Jakob Herz (d. 1871)
becoming the first Jewish professor in Bavaria in 1863. However, the modern
community was only organized in 1873, numbering 239 in 1890 (of a total 17.559)
and 130 in 1933. Under Nazi rule, Jews suffered from the economic boycott and on
Kristallnacht (9-10 November 1938), all who remained were arrested. The men were
held in the Nuremberg prison for six weekes. On their release, they were kept
from working and forced to sell their property. Between 1933 and 1941, at least
42 Jews emigrated, including 50 left for other German cities, 21 of them for
Nuremberg. The last seven jews were sent to Riga and Auschwitz starting in
November 1941.

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