Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Baiersdorf (Kreis Erlangen-Höchstadt)
Jüdische Geschichte / Synagoge
 (erstellt unter Mitarbeit von Horst Gemeinhardt, Baiersdorf)  

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte des Rabbinates in Baiersdorf   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
    
In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Fürstentum Ansbach (bzw. Markgrafentum Brandenburg-Bayreuth) gehörenden Stadt Baiersdorf (Stadt seit 1353) wird eine jüdische Gemeinde erstmals 1473 genannt. Vermutlich gab es jedoch bereits 14./ 15. Jahrhundert jüdische Familien in der Stadt, da die ältesten Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof aus dem 15. Jahrhundert stammen dürften (exakte Beweisführungen stehen noch aus; derzeit [2013] wird noch an der umfangreichen Dokumentation des Friedhofes beim Lehrstuhl für Judaistik an der Universität Bamberg gearbeitet). Die Begleitumstände der Stadterhebung auf Betreiben der hohenzollerischen Burggrafen von Nürnberg 1353 durch Kaiser Karl IV. legen die Vermutung nahe, dass zu den Stadtrechten auch das landesherrliche Privileg gehörte, dass sich Juden als willkommene Geldquelle ansiedeln durften. Die Abhängigkeit der jüdischen Stadtbewohner vom (späteren) Markgrafen von Kulmbach-Bayreuth blieb bis 1806 bestehen, als ein französisches Besatzungsintermezzo bis 1810 die bayerische Herrschaft vorbereitete.
  
Ein nach Baiersdorf benannter Jude lebte 1450 in Bayreuth. Zwei 1496 genannte jüdische Familien von Baiersdorf unterhielten Wirtschaftsverbindungen nach Bamberg und im Bereich von Oberfranken. 1515 wurde bei einem Landtag zu Baiersdorf der Wunsch der Stände vorgetragen, die Juden aus dem Fürstentum Ansbach zu vertreiben. Doch war der damalige Regent Georg der Fromme von Brandenburg-Ansbach (regierte 1527-1541) daran u.a. auf Grund chronischer Geldnöte wenig interessiert. Die Landtagswünsche wurden auf dem Landtag zu Ansbach 1538 wiederholt. Georg der Fromme sagte zwar zu, setzte jedoch den Beschluss nicht oder nur teilweise um. Ein nachfolgender Regent Georg Friedrich der Ältere (regierte 1557-1603) ließ 1560 auf abermaliges Dringen des Landtags verkünden, dass die Juden bis Pfingsten 1561 das Land zu räumen hätten, worauf es offenbar zur Vertreibung der Mehrzahl der Juden - auch auf Grund regionaler Übergriffe auf Juden - gekommen ist.  

Vermutlich konnten bis Ende des 16. Jahrhunderts wieder mehrere Familien in Baiersdorf zuziehen. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges werden 1619 neun jüdische Familien in der Stadt genannt. Im Jahrhundert nach Ende des Krieges kam es zu einer erstaunlichen Vergrößerung der Gemeinde: 1709 34 Familien, 1728 54, 1763 79 und die Höchstzahl im 18. Jahrhundert von 95 Familien im Jahr 1771 (1776: 367 jüdische Einwohner). Bis 1807 ging die Zahl auf 83 jüdische Familien leicht zurück, um im 19. Jahrhundert wieder anzusteigen.  
  
Baiersdorf wurde Sitz eines Landrabbinats, das für die weitere Umgebung (vor allem für die Rabbiner des Fürstentums Bayreuth) die Bedeutung eines Oberrabbinats hatte. Bereits im 17. Jahrhundert wird das Rabbinat Baiersdorf genannt. Zeitweise (unter dem Bamberger Rabbiner Mendel Rothschild 1686-1711) wurde es von Bamberg aus mitverwaltet. Die letzten Rabbiner in Baiersdorf waren Rabbi Chaim Hirsch Berlin (1772 bis 1783 Landesrabbiner des Fürstentums Bayreuth in Baiersdorf, danach in Mainz), Rabbi David ben Joel Dispeck (1784 bis 1793 Landesrabbiner des Fürstentums Bayreuth mit Sitz in Baiersdorf), Rabbi Simon Dispecker (als Nachfolger seines Vaters von 1794 bis 1847 Rabbiner der Gemeinden Baiersdorf und Bruck, zugleich Bezirksdajan des Markgraftums Ansbach bis 1847) und Rabbi Wolf Cohn (von 1848 bis 1888 Distriktsrabbiner in Baiersdorf). Nach Auflösung des Rabbinates Baiersdorf gehörte die Gemeinde zum Distriktsrabbinat in Fürth. 
    
Im 19. Jahrhundert wurde die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde 1837 mit 440 Personen erreicht (28,4 % der Gesamteinwohnerschaft von 1.550 Personen). In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts verzogen viele Baiersdorfer Juden in die Städte (viele nach Erlangen und Nürnberg) oder wanderten aus, sodass die Zahl der Einwohner schnell zurückging: 1867 153 jüdische Einwohner (11,3 % von insgesamt 1.332 Personen), 1871 128 (10,1 % von 1.271), 1880 86 (6,1 % von 1.411), 1890 55 (4,4 % von 1.264), 1900 33 (2,5 % von 1.393). 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde ein Gemeindezentrum in der Judengasse mit Synagoge (s.u.), gemeindlichem rituellem Bad (dazu gab es noch mehrere private Mikwen), jüdischer Schule (zeitweise ist eine Jeschiwa bezeugt) und dem unmittelbar anschließenden Friedhof mit Taharahaus, dieses hinter dem benachbarten Rabbinerhaus. Nach der Auflösung des Rabbinates 1888 waren die jüdischen Lehrer die wichtigsten Personen für die meisten kultischen Aufgaben der Gemeinde. Als 1914 (siehe unten bei den Ausschreibungstexten) die Stelle noch einmal ausgeschrieben wurde, verband man mit der Ausschreibung die Hoffnung, dass der Vorsänger in seiner Familie einige über 13-jährige Söhne habe, die helfen würden, den bereits in Gefahr geratenen Minjan (notwendige Zehnzahl der jüdischen Männer für einen Gottesdienst) zu sichern.  
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Ernst Hirschkind (geb. 14.8.1892 in Baiersdorf, gef. 21.6.1916) und Unteroffizier Max Hirschkind (geb. 15.11.1896 in Baiersdorf, vor 1914 in Nürnberg wohnhaft, gef. 26.11.1917). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal der bürgerlichen Gemeinde unweit des protestantischen / jüdischen Friedhofes an der Forchheimer Straße sowie auf dem Kriegerdenkmal an der Stadtpfarrkirche. 
 
Um 1925, als nur noch 12 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (0,92 % von etwa 1.300 Einwohnern), war Vorsteher der Gemeinde Philipp Hirschkind. 1932 wird als Vorsteher Ludwig Kohn genannt. 
    
1933
wurden 19 jüdische Einwohner gezählt. Von ihnen emigrierten bis zum Novemberpogrom 1938 16 Personen oder verzogen in andere Orte (fünf nach Nürnberg). Sechs emigrierten in die USA, drei nach Frankreich, einer nach Litauen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.), die letzten drei in Baiersdorf gebliebenen Juden wurden aus ihren Wohnung geholt und nach Erlangen gebracht. Zwei von ihnen (Ehepaar Cohn) durften nicht in ihre inzwischen zerstörte Wohnung zurückkehren. Sie zogen nach Fürth, wo sie später starben. Eine Frau überlebte in Baiersdorf in "privilegierter Mischehe" (Maria Schübel geb. Keiner). 
     
Von den in Baiersdorf geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Babette Dilsheimer (1864), Oskar Fleischmann (1887), Theobald Hirschkind (1874), Lina Kohn geb. Offenbacher (1888), Ludwig Kohn (1883), Helena Kilsheimer (1874), Dr. Siegfried (Sami) Lichtenstädter (1865, s.u.), Hannchen Straus geb. Lohmann (1862), Julius Wassermann (1864), Philipp Weil (1857), Max Weißmann (1871).
    
    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
   
Aus der Geschichte des Rabbinates in Baiersdorf  

Überlegungen zur Vergrößerungen des Rabbinates Baiersdorf (1852)  

Baiersdorf AZJ 13091852.jpg (44488 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. September 1852: "Der Anschluss der den Schwabacher Rabbinatsdistrikt mit gebildet habenden Gemeinden an Oettingen hat die Bestätigung königlicher Kreisregierung, weil außer dem Regierungsbezirk gelegen, nicht erhalten und ist besagten Gemeinden, wenn sie auf Auflösung des hiesigen Rabbinats bestehen und da die Eisenbahn das wesentliche Motiv des Anschlusses bilden soll, Baiersdorf empfohlen worden. Gut für Wassertrüdingen, für welches die nötige Fassionssumme noch immer nicht völlig aufzubringen war."

    
Zum Tod von Rabbiner Simon Dispecker - Kritik an der Nennung christlicher Beteiligung an jüdischen Ereignissen in der Presse (1847)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. November 1847: "... So ferner starb unlängst in Baiersdorf der 80-jährige Rabbiner Dispecker; der dortige Rabbinatskandidat und Vorsänger Kohn hielt eine Trauerrede in der Synagoge, welche fast 20 Minuten währte und welcher außer dem würdigen Landgerichtsvorstande vielleicht noch sechs Neugierige aus der christlichen Gemeinde anwohnten, und siehe da! der Kultusvorstand (d.h. das erste Mitglied, denn die übrigen wussten Nichts davon) macht n dem Korrespondenten von und für Deutschland über diese Feierlichkeit beinahe mehr Worte, als der Prediger und hebt die Teilnahme der christlichen Einwohner rühmend hervor! Wozu solche Schmeicheleien und Kriechereien? Setzen sie den Israeliten nicht herab in den Augen des christlichen Publikums? Ist's nicht Schade für die Insertionsgebühren?..."     

 
Zum Tod des letzten Baiersdorfer Rabbiners: Wolf Cohn (gestorben am 16. Januar 1888) 
Anmerkung: Rabbiner Wolf Cohn (geb. 14. Juli 1812 als Sohn des Handelsmanns Michael Raphael Cohn in Baiersdorf, gest. 16. Januar 1888 in Baiersdorf): besuchte das Gymnasium in Erlangen, seit 1835 die Universität ebd., danach zwei Jahre Studium in München (Staatsprüfung im Mai 1837 mit Note 1): wurde nach seinen Studien zunächst Vorsänger in Baiersdorf, seit 1848 Distriktsrabbiner ebd. In der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" 1848 S. 127 wurde die Vereinigung der beiden Ämter kritisiert; in der Zeitschrift "Der Orient" 1847 S. 368 wurde sie gelobt: "Denn nur dann sind die Rabbiner wahre Leiter des Gottesdienstes, die sie überall sein wollen und sollen, wenn sie Rabbiner oder Vorsänger wie zur Pajtanim-Zeit sind. Mit diesem wäre auch der Geldpunkt gelöst."      

Baiersdorf AZJ 02021888.jpg (65381 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Februar 1888: "Baiersdorf, 18. Januar (1888). Am 16. dieses Monats verschied hier der  Distriktsrabbiner Wolf Cohn, wahrscheinlich der letzte seines Standes in hiesiger Gemeinde. Heute fand das feierliche Leichenbegängnis statt, und gestaltete sich zu einer seltenen Feier, nicht nur, weil der Bezirksamtmann, der Stadtpfarrer, die Ortsbehörde und fast die gesamte erwachsene Einwohnerschaft dem Sarge folgten, sondern auch weil an jener alle Parteien in seltenem Einverständnis teilnahmen. Es erweist sich dies durch die Berichte, welche sowohl der freisinnige 'fränkische Kurier', als auch das Organ der evangelischen Pietisten, die konservative 'Suddeutsche Landpost' vom 21. dieses Monats bringt, sodass dieser Vorgang einen allgemein interessierenden Charakter angenommen. Wir geben deshalb den Bericht des letzteren Blattes, der zugleich der ausführlichere ist.
Baiersdorf AZJ 02021888b.jpg (244689 Byte)Er lautet: 'Heute wurde dahier mit großen Ehren der Distriktsrabbiner Wolf Cohn, ein 75 1/2jähriger Mann, zu Grabe gebracht. Er wurde sehr geehrt; die Ehre aber, die ihm gegeben wurde, war nicht Lobhudelei, sondern Wahrheit. Gar manchmal, wenn Leute im Bahnzuge den ehrwürdigen Mann fahren sahen, fragten sie: was ist das für ein Pfarrer? Von den Fehlern, die man, sei es mit Recht oder Unrecht, gerne seinen Volksgenossen vorwirft, war er vollständig frei. Dagegen zierte ihn die aufrichtigste Demut und Bescheidenheit. Dabei war der Mann aber reich an Wissen und Bildung. Als der berühmte alttestamentliche Theologie Dr. Delitzsch (nun bekanntlich in Leipzig) noch in Erlangen lehrte, kam er häufig zu ihm nach Baiersdorf, um noch mehr über das Judentum zu lernen. Diesen Umstand hob die in der Synagoge gehaltene, sehr wohlgelungene und sehr maßvolle Rede des Rabbiners von Fürth Dr. Neuburger über Maleachi 2,5-7 mit Wärme hervor. Auch sonst kamen je und je studierende Theologen von Erlangen in gleicher Absicht wie einst Delitzsch zu ihm hinaus. Er pflegte für solche Lektionen kein Honorar anzunehmen. Der letzte dieser Schüler war Repetent Engelhardt von Erlangen. Es war in der Tat ergreifend, die warmen Worte des Dankes zu hören, die er am Grabe des Rabbiners, nachdem alles andere vorüber war, demselben nachrief, und die sichtlich aus tiefstem Herzen amen. Auch was mehrere jüdische Redner vorher am Grabe in kurzen Worten geredet hatten, machte denselben Eindruck. Der Nürnberger Rabbiner, Dr. Ziemlich, der auch unter diesen sich befand, hob den Umstand hervor, dass mit dem greisen Rabbiner Cohn, wahrscheinlich auch das Rabbinat Baiersdorf zu Grabe getragen werde (es wird wahrscheinlich, da die Zahl der Israeliten dahier von früher 500 auf 60-70 heruntergegangen ist, an einen anderen Ort verlegt werden). Der Fürther Rabbiner hatte in seiner Synagogenrede auch erzählt, wie in noch früherer Zeit der Baiersdorfer Rabbiner der Oberrabbiner über alle Rabbiner des Fürstentums Bayreuth gewesen sei, und wie daher meistens hochgelehrte Männer, z.B. Hirsch, Vater und Sohn, und Diespecker, Vater und Sohn, diese Stelle innegehabt hätten. Aus der ganzen Feier aber bekam man den Eindruck, welche hohen Graben und Kräfte noch immer diesem Volke beiwohnen.'
Über den letzten Passus schreibt uns Herr Dr. Neuburger: "Was von den Vorgängern des seligen Cohn hier erzählt ist, beruht teilweise auf einem Gedächtnisfehler des Korrespondenten. Der Vater Diespecker war Rabbi David Diespecker, zuerst hier Parnas, dann Dajan in Metz und zuletzt Rabbiner in Baiersdorf, Verfasser des Pardes David.
Seine Vorgänger aber waren nicht "Hirsch, Vater und Sohn", sondern die Brüder Berlin von hier, und zwar Rabbi Chajim Hirsch Berlin (nachmals in Bamberg, Mainz und Hamburg Rabbiner und Rabbi Lob Berlin (zuletzt Königlich Westfälischer Konsistorialrabbiner in Kassel).
Cohns Biographie ist einfach: Er war im Juli 1812 in Baiersdorf geboren, absolvierte das Gymnasium in Erlangen, studierte dann in Erlangen und München, übernahm 1840 die Kantorstelle und 1848 nach Rabbi Diespeckers Tod das Rabbinat. 

  
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers, Vorbeters und Schochet 1871 und 1914 

Baiersdorf Israelit 04011871.jpg (62399 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Januar 1871: "Erledigte Lehrerstelle. Bei der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde wird am 1. Januar kommenden Jahres die Stelle eines Religions- und Elementarlehrers mit einem Fixum von 350 Gulden nebst freier Wohnung, Holz zur Beheizung der Schule und nicht unbedeutenden Nebeneinkünften vakant. Bewerber, bei denen die Fähigkeit zum aushilfsweisen Kantordienste erwünscht wäre, wollen ihre Gesuche nebst Zeugnissen bis längstens zum 15. Januar kommenden Jahres an den Unterzeichneten franco einsenden.
Baiersdorf (Bayern), den 18. Dezember 1870. Der Kultusvorstand: W. Springer". 
   
Baiersdorf Frf IsrFambl 24041914.jpg (69182 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. April 1914: "Erledigte Schulstelle. Infolge Todesfalls ist die Stelle eines seminaristisch gebildeten Religionslehrers, Vorbeters und Schächters baldmöglichst wieder zu besetzten. Gehalt Mk. 1200.-, Nebeneinnahmen und schöne freie Wohnung. Wenig anstrengender Dienst, viel freie Zeit. Größerer Familienstand, namentlich an Haussöhnen, die Barmizva sind, erwünscht. Kinder können, zu Hause wohnend, im nahen Erlangen (Eisenbahn 7 km) Realschule, Gymnasium, Universität, höhere Töchterschule, Lehrerinnenseminar besuchen, ebenso kann Herr Lehrer selbst sich auf der Universität weiter ausbilden. Gesuche mit Lebenslauf und beglaubigten Zeugnisabschriften bis 15. Mai an die Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Baiersdorf, Bayern."

   
Auswanderung des jüdischen Lehrers Dr. Dessauer nach Amerika (1853)  

Baiersdorf AZJ 21031853.JPG (56466 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. März 1853: "Die Auswanderung nach Amerika entführt uns einen unserer tüchtigsten Lehrer, Herrn Dr. Dessauer zu Baiersdorf, Verfasser mehrerer literarischer Werke. Lobend muss der Gemeinde Erwähnung geschehen, die nicht, wie anderwärts, auf eine Schmälerung der Fassion, noch auf Verzögerung der Besetzung oder gar Auflösung der Schule hinarbeitet, sondern dieselbe bereits rechtzeitig und in früherer Weise ausgeschrieben hat. Möchte sie bei ihrer Wahl auch nur die sittliche und pädagogische Tüchtigkeit der Bewerber ins Auge nehmen."  

     
Samuel Hommel von Gersfeld, Religionslehrer in Baiersdorf, wechselt nach Schweinfurt (1867)      

Anzeige im "Königlich Bayerischen Kreis-Amtsblatt von Unterfranken und Aschaffenburg" vom 4. Mai 1867: "Durch Regierungs-Entschließung vom 25. April laufenden Jahres Nr. 20643 ist die von der israelitischen Kultusgemeinde Schweinfurt beschlossene Übertragung ihrer Religionslehrer- und Vorsänger-Stelle an den Religionslehrer Samuel Hommel von Gersfeld, zur Zeit in Baiersdorf, genehmigt worden."       

    
    
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Spende aus Amerika (1904)   

Baiersdorf FrfIsrFambl 02091904.jpg (41737 Byte)Artikel im Frankfurter Israelitischen Familienblatt vom 2. September 1904: "Baiersdorf (Bayern). Die Herren Seligmann, Chefs der bekannten Bankfirma in Frankfurt a.M., Paris, London und New York, haben unserem Städtchen 10.000 Mark zum Gedächtnis an ihre dort begrabenen Eltern geschenkt mit dem Bemerken, sie würden, wenn diese Summe nicht für eine Kinderbewahranstalt ausreichen sollte, auch für die Mehrkosten aufkommen. Der Bau ist indessen durch andere Gaben gesichert".   

      
      
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde    
Zum Tod des aus Baiersdorf stammenden Rabbiners Dr. Joseph Aub (1880)  
Anmerkung: Rabbiner Dr. Joseph Aub (geb. 1804 in Baiersdorf, gest. 1880 in Berlin): studierte an der Fürther Jeschiwa, seit 1822 in Erlangen und München; war von 1829 bis 1852 Rabbiner in Bayreuth, seit Dezember 1852 in Mainz (Einweihung der neuen Synagoge mit Orgel 1853); von 1866 bis 1879 Rabbiner in Berlin, zugleich Dozent an der Veitel-Heine-Ephraimschen Lehranstalt und Religionslehrer an der Lehrerbildungsanstalt (1866 Einweihungspredigt in der Neuen Synagogen Oranienburger Straße).  

Baiersdorf AZJ 08061880.jpg (122787 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Juni 1880: "Berlin, 25. Mai (1880). So ist abermals ein Veteran des zeitgenössischen Rabbinismus heimgegangen! Am 22. verschied sanft Rabbiner Dr. Joseph Aub im 76. Lebensjahre. Geboren 1805 in Baiersdorf bei Erlangen, fungierte er zuerst als Rabbiner in Bayreuth (1829-1852), dann in Mainz und seit 1866 in Berlin, wo er vor einigen Jahren in den Ruhestand trat. Seine literarischen Arbeiten sind nicht umfänglich, zeugen aber von der Gesinnungstüchtigkeit und Sachkenntnis ihres Verfassers. Sie sind, wie seine 'Betrachtungen und Widerlegungen', 2 Hefte (1839) und spätere Broschüren polemischen Inhalts auf theologischem und staatsrechtlichem Gebiete. Im Jahre 1846 gab er eine Wochenschrift 'Sinai' heraus, die er jedoch bald wieder aufgab. Seine letzte Schrift, eine Religionslehre auf wissenschaftlichem Grunde, hat Wert. Aub gehörte zu der Schule der Reformer, welche bei aller Selbständigkeit doch die Reformen an das Herkommen und an Aussprüche der Talmudisten anzuknüpfen suchen. Er nahm an den Rabbinerversammelungen keinen Anteil, desto lebhafteren an den beiden Synoden, wo er als Referent tätig war. Bei allem Ernst seines Strebens hatte er einen humoristischen Zug, der ihm im geselligen Verkehre sehr liebenswürdig machte. - Gestern Vormittag fand die Beerdigung statt. In der großen Synagoge unter Teilnahme einer die weiten Räume dicht füllenden Menge, des gesamten Gemeindevorstandes, Deputationen aus Leipzig und Mainz sowie Mitglieder beider städtischen Behörden, hielt Dr. Frankl die Leichenrede, während Dr. Ungerleider das Gebet auf dem Friedhof vortrug."      

        
Zum Tod von Jesse Seligmann (geb. 1830 in Baiersdorf, Bankier in New York, gest. 1894 in Santiago, Kalifornien)  
Anmerkung: Zur Familie Seligmann und das Bankunternehmen J. & W. Seligman & Co. siehe Wikipedia-Artikel "Joseph Seligman"  bzw. 
englischer Wikipedia-Artikel Joseph Seligman. Ausführlich zur Familie Artikel Seligman in der jewishencyclopedia; demnach ist Jesse Seligman am 11. August 1827 in Baiersdorf als Sohn von David Seligman und der Fanny geb. Steinhardt geboren und starb am 23. April 1894 in Coronado Beach, Cal..  
Zum Tod des Bruders James Seligmann 1916 siehe unten.      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Mai 1894: "New York, im April (1894). Die amerikanische Judenheit hat durch den Tod von Jesse Seligmann einen unersetzlichen Verlust erlitten. Geboren 1830 in Baiersdorf in Bayern, wanderte er 1841 nach Amerika aus, wo es ihm durch Begabung, Fleiß und Ehrenhaftigkeit gelang, eine angesehene Stellung zu erlangen. Er begründete mit seinen Brüdern in New York eine Bankfirma, die einen Weltruf hatte und oft ein entscheidendes Wort in großen Fragen führte. Seligmann war ein intimer Freund des Generals Grant und hat im öffentlichen Leben eine angesehene Rolle gespielt. Mit besonderem Eifer nahm er sich der verfolgten russischen Juden an und in dem Komitee für dieselben führte er den Vorsitz. Auch sonst st Seligmann bei allen jüdischen Wohltätigkeitsinstitutionen betätigt gewesen. Sein Tod erfolgte am vorigen Monat nach einer Operation in Santiago in Kalifornien, wohin er wegen seiner Gesundheit wegen gegangen war. Mit Jesse Seligmann ist der hervorragendste Vertreter des Typus der amerikanischen Juden gestorben. Ehre seinem Andenken!"            

 

Postkarte, versandt von Lina Offenbacher (Baiersdorf) 
(später verheiratete Kohn) 
von Bad Kissingen nach Schopfloch (1911)
  
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)   
Bad Kissingen Lina Offenbacher 010.jpg (236098 Byte) Bad Kissingen Lina Offenbacher 010a.jpg (30365 Byte)   

Die Karte aus Bad Kissingen mit einer Ansicht " Saalepartie mit der Lindesmühlpromenade" wurde versandt von Lina Offenbacher (Baiersdorf) nach Schopfloch bei Dinkelsbühl am 8. Juni 1911. Lina Offenbacher wurde am 4. Februar 1888 in Fürth geboren als Tochter von Julius Juda Offenbacher und seiner Frau Adelheid geb. Schopflocher. Lina Offenbacher war seit 1919 (in Schopfloch) verheiratet mit Ludwig Julius Kohn (geb. 27. August 1883 in Baiersdorf als Sohn von Benjamin (Benny) Kohn und seiner Frau Karoline Lina geb. Strauss). Ludwig Kohns Vater Benjamin war Stadtrat, Feuerwehrkommandant und prominentes Rot- Kreuz- Mitglied. Auch Ludwig Kohn war Mitglied der Feuerwehr und letzter Sprecher der jüdischen Gemeinde bis 1932/33. Mit der Plünderung und Demolierung ihres Wohnhauses und Warenlagers am 9. November 1938 begann der Leidensweg von Ludwig und Lina Kohn, der letztendlich über Fürth mit dem Abtransport am 25. März 1942 nach Izbica, einem Außenlager des Vernichtungslagers Belzec führt. Dort verliert sich die Spur des Ehepaars.  
Quellen: https://www.geni.com/people/Lina-Kohn/6000000010150590369   
vgl. Horst Gemeinhardt: Vortrag zur Verlegung der Stolpersteine für das Ehepaar Ludwig und Lina Kohn am 22. März 2009 (eingestellt als pdf-Datei)  .   

 
Zum Tod des Geheimen Kommerzienrates Ludwig Ritter von Gerngroß (1839 Baiersdorf - 1916 Nürnberg)  
Anmerkung: Ludwig Ritter von Gerngros ist am 1. Mai 1839 in Baiersdorf geboren [Geburtshaus Forchheimer Straße 3, siehe Fotos unten]. Er ließ sich in Nürnberg als Hopfenhändler nieder. Seine wirtschaftlichen Erfolge setzte er zur Förderung städtebaulicher Projekte ein (Stifter der Kopie des Neptunbrunnens, Förderer des Kaiser-Wilhelm-Denkmals am Egidienberg). Von 1908 bis 1916 gehörte er dem Verwaltungsausschuss des Germanischen Nationalmuseums an. Seit 1901 war er Ehrenbürger der Stadt Nürnberg; 1909 wurde er mit der Goldenen Bürgermedaille der Stadt Nürnberg ausgezeichnet. Eine Straße in Nürnberg ist nach ihm benannt. Er starb am 3. Oktober 1916 in Nürnberg. 

Baiersdorf FrfIsrFambl 06101916.jpg (33951 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6. Oktober 1916: "Nürnberg. Geheimer Kommerzienrat Ludwig Ritter von Gerngroß, Ehrenbürger der Stadt Nürnberg, ist verschieden. Gerngroß wurde 1839 in Baiersdorf geboren. Im März dieses Jahres feierte er noch mit seiner Frau Julie geb. Tuchmann aus Dessau die goldene Hochzeit. Er hat sich um Nürnberg in künstlerischer und sozialer Hinsicht große Verdienste erworben."    

 
Aus der Zeit des Ersten Weltkrieges: Ernennung von Julius Strauß zu Leutnant (1918) 

Baiersdorf FrfIsrFambl 15031918.jpg (17097 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. März 1918: "München. Martin Marx, Sohn des Bankiers Simon Marx, und Max Strauß, Sohn des Julius Strauß in Baiersdorf, wurden zu Leutnants befördert." 

  
Über den Maler David Ottensooser (geb. 1814 in Baiersdorf)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Oktober 1911: "David Ottensooser. Am 18. Oktober 1814 wurde in Baiersdorf, einem kleinen Städtchen neben der Universitätsstadt Erlangen, David Ottensooser in kinderreicher Familie geboren. Seine Eltern, Wolf und Maila Ottensooser waren sehr achtbare, aber nur mäßig bemittelte Leute. Dagegen war in der Familie schon zu jener Zeit neben treuem religiösen Leben und jüdischem Wissen auch hoher Bildungsdrang und Kenntnis der deutschen Literatur zuhause; namentlich wird der Mutter des Künstlers ungewöhnliche Bildung und Klugheit nachgerühmt. David Ottensooser zeigte schon frühzeitig große Anlage zur Malerei und wusste als Knabe bereits ohne Zeichenunterricht mit merkwürdiger Geschicklichkeit Bilder zu zeichnen und mit Wasserfarben auszuführen. Ein kunstverständiger Freund seines Vaters überredete die Eltern, den damals 14-jährigen Knaben dem Malerberuf zu widmen.  
Zunächst trat er als Lehrling bei der benachbarten Porzellanfabrik Reichmannsdorf ein, wo er den ersten geregelten Zeichenunterricht erhielt. Er blieb dort zwei Jahre und wandte sich dann nach München, zuerst zur polytechnischen Schule, dann zur königlichen Akademie der bildenden Künste, an deren Spitze damals Cornelius stand. Bei seinem von den Professoren anerkannten Talent war er bald imstande, zu porträtieren, anfangs in Aquarell und en miniature, bald aber auch in Lebensgröße und in Öl. Er sah sich hierdurch rasch in die Lage versetzt, seinen Lebensunterhalt selbst zu erwerben, auch wurde er von kunstliebenden Glaubensgenossen gern gefördert. Nach sechsjährigem Studium in München, wo er es besonders in der Kunst des Zeichnens zu hervorragender Fertigkeit brachte, begab sich Ottensooser auf die Akademie zu Dresden, welche Meister Bendemann leitete. Dort weilte er ebenfalls sechs Jahre, studierte fleißig und vervollkommnete sich im Kolorieren. Der frühe Tod seines Vaters nötigte ihn dann, zur Stütze des mütterlichen Haushalts die Heimat wieder    
Baiersdorf AZJ 06101911a.jpg (191959 Byte)aufzusuchen, wo er eine Porzellanmalerei einrichtete, an welcher viele Maler unter seiner Leitung beschäftigt waren. Jetzt gründete er auch einen eigenen Hausstand. Er führte 1852 Adelheid Bloch, ein schönes junges Mädchen aus Floß, heim und siedelte bald darauf nach Nürnberg über. Ihre überaus glückliche, von drei Kindern gesegnete Ehe wurde leider durch den allzu frühen Tod des Künstlers geendigt, der in seinem 48. Lebensjahr einem Lungenleiden erlag, einer Folge der harten, entbehrungsreichen Jugendjahre.   
Außer den Porträts, die der fleißige Mann fast bis zum Ende seines Lebens schuf, verlegte er sich in seiner Dresdener Zeit auch auf historische Gemälde, deren Inhalt er meist der Geschichte Israels entnahm. Bekannt ist sein Bild: 'Die Übergabe Jerusalems an Alexander den Großen durch den Hohenpriester Jadua', welches ein zeitgenössischer Schriftsteller 'Die Kniebeugung des Polytheismus vor dem Monotheismus' nannte. Von seinen vielen Porträts, die durch große Ähnlichkeit ausgezeichnet waren, gingen gar manche nach Amerika. Zwei sehr gelungene Kniestücke wurden von Ottensooser bei seinem späteren zeitweiligen Aufenthalt in München gemalt. Das eine dieser Bilder stellt den damaligen Münchner Rabbiner Aub seligen Andenkens im Ornat dar, das andere ein Fräulein Netter, spätere Frau Rabbiner Lilienthal in Riga, dann Petersburg, zuletzt New York. Nach dem Gedächtnis malte er sprechend ähnlich eine eigene Mutter in der Sabbattracht der Frauen jener Zeit, ein Bild, von welchem die Kenner besonders die feine Abstimmung der Farbenkontrast hervorheben. Auch ein Selbstporträt des Künstlers, welches ihn mit seiner Frau darstellt, und die Form einer Photographie hat, ist überaus interessant und wird sehr bewundert. Sein 'Jugendbildnis Theodor Fontanes' ist erst kürzlich durch die Veröffentlichung des Dresdener Schriftstellers Wilhelm Wolters: 'Theodor Fontanes Briefwechsel mit Wilhelm Wolfsohn' allgemein bekannt worden. 
Ottensooser war ein Mann von hoher, autodidaktisch erworbener Bildung. Seinen Umgang bildeten meist Gelehrte. Auch liebte und pflegte er Musik, besonders Gesang. Seine Briefe und Tagebücher zeugen von Geist und Humor. Dieser Mann aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, von hohen Idealen beseelt, mag als Beispiel dafür gelten, wie ungerecht der Vorwurf ist, dass die Juden keinen Kunstsinn hätten und die Liebe zur Kunst ihnen mangele. Unter erschwerendsten Verhältnissen hat er sein Ziel verfolgt und erreicht."    
Links: Matrikeleintrag München 1831   -  Aquarell von David Ottensooser (1843): Theodor Fontane  -    

     
Zum Tod von Abraham Merzbacher (geb. 1812 in Baiersdorf, gest. 1885 in München)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Juni 1885: "Man schreibt uns aus München vom 7. Juni (1885). Eine Zierde unserer Gemeinde, eine Zierde des Judentums ist am 4. dieses Monats aus dem Leben geschieden: der Numismatiker Abraham Merzbacher, ein Mann, der mit streng konservativer Gesinnung, Milde und Toleranz, mit inniger Frömmigkeit, weltmännische Gewandtheit und jene herzgewinnende Freundlichkeit verband, die ihm die Liebe und Verehrung aller Parteien gewann.  
Reich mit Glücksgütern gesegnet, teilte er, seit er vor ungefähr 10 Jahren sich aus dem Geschäfte zurückgezogen, seine ganze Zeit zwischen dem Studium im Gotteswort und der Beschäftigung mit gemeinnützigen Angelegenheiten und mildtätigen Werken. 
Seit zwanzig Jahren war er ein hervorragendes Mitglied der Gemeindeverwaltung, er war Mitglied des Zentralkomitees der Alliance israélite universelle, Vorstand des Holz- und des Aussteuervereins, Kassierer des Studien- und Arbeitsbeförderungsvereins. Unermüdlich, geräuschlos, segensreich wirkte er in allen diesen Ehrenämtern. Ganz besonders aber sicherte er sich den Dank der ganzen Gemeinde durch seine seit Jahrzehnten unausgesetzt geübte Tätigkeit als Mohel. Bis an sein Lebensende (er erreichte ein Alter von 73 Jahren) scheute er kein Opfer, keine Mühe, schreckte er auch vor weiten Reisen nicht zurück, wenn es galt, dieser Mizwa zu genügen.
Die heilige Literatur war ihm ans Herz gewachsen, die Förderung derselben ließ er sich über Alles angelegen sein, und so wäre z.B. das Erscheinen des bekannten vielbändigen Werkes Dikduke Soferim von Rabinowicz ohne seine große Liberalität gar nicht möglich geworden.   
Ein bleibendes Zeugnis für seinen idealen Sinn und seine Wertschätzung gelehrter Arbeit ist die von ihm hinterlassene hebräische Bibliothek, die wohl mit zu den größten und wertvollsten hebräischen Büchersammlungen der Gegenwart gehört.  
Seine Beerdigung fand unter überaus zahlreicher Beteiligung am 5. dieses Monats statt. Die weiten Räume der Leichenhalle vermöchten die Menge der Trauernden, unter denen sich auch zahlreiche Christen, Universitätsprofessoren und Beamte befanden, nicht zu fassen. Die ergreifende Grabrede des Rabbiners Dr. Perles lieh den Gefühlen der Versammlung den beredtesten Ausdruck und der erste Vorsteher der Gemeinde, Herr Herrmann Müller, reihte hieran Worte des Dankes und der Verehrung."         

  
Zum 50. Todestag des aus Baiersdorf stammenden Abraham Merzbacher (geb. 1812 in Baiersdorf, gest. 1885 in München; Artikel von 1935)
     

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juli 1935: "Familien- und Ahnentreue. 
Zum 50. Todestag von Abraham Merzbacher seligen Andenkens, gestorben am 21. Siwan 5645 (4. Juni 1885).
 
Über die Fragen der jüdischen Familienforschung war in diesen Blättern wiederholt berichtet. Anlass, an die im alten Judentum jederzeit pietätvoll gepflegte Familien- und Ahnentreue zu erinnern, gibt der Gedenktag an eine Münchener jüdische Persönlichkeit, die in hohem Maße die besten und edelsten Eigenschaften guter westlicher Juden des 19. Jahrhunderts - heute vielfach bei Juden und Nichtjuden verkannt und obenhin abgeurteilt - verkörpert. Die primitivste Gerechtigkeit und der natürliche Anstand erfordern, dass unser Urteil über frühere jüdische Generationen, auch über das viel verschriene 19. Jahrhundert, sich nach den besten Erscheinungen und höchsten Ansprüchen richtet. Die folgende Lebensskizze ist nach mündlicher Überlieferung und nach ausführlichen gedruckten Nachrufen sowie sonstigen authentischen Notizen entworfen. Abraham Merzbacher ist am 12. Tischri (19. September) 1812 in Baiersdorf geboren; er hatte eine abgeschlossene Rabbinats- und Hochschulbildung hinter sich, als er in den vierziger Jahren als Mitinhaber in das bekannte Münchener Bankgeschäft J. L. Oberndörfer eintrat. Der zum Rabbiner ordinierte und an der Universität Erlangen ausgebildete Bankier und Numismatiker war in einer zur religiösen Gleichgültigkeit und zu einer weltzugewandten optimistischen Aufklärung besonders geneigten Epoche mit seltener Liebe und Treue dem Judentum anhänglich; seine jüdischen Studien im alten Sinn des täglichen 'Lernens' sowie auch in moderner Richtung eines vertieften historischen, theologischen und allgemein wissenschaftlichen Verständnisses für das umfassende jüdische Geistesgut hat er in keinem Zeitpunkt seines Lebens aufgegeben. Er verstand es, die strenge Observanz altjüdischer Gläubigkeit und Lebenshaltung mit einer weltoffenen Aufgeschlossenheit für Geschäft und Leben zu vereinen. Die ihn kannten, rühmten ihn als gewandten, erfahrenen Welt- und Geschäftsmann voller Charme; er stand jahrzehntelang einem aufblühenden Bankgeschäft vor und hatte auf langjährigen Auslandsreisen die damaligen Mittelpunkte des Weltverkehrs Paris, Wien und Petersburg genau kennen gelernt. Fest und ohne zu schwanken auf dem Boden des gesetzestreuen überlieferten Judentum, blieb er sein Leben lang ein Muster nobler und überlegener Toleranz. Als eines der hervorragendsten und tätigsten Mitglieder der Münchener Kultusverwaltung, der er 1865-1871 und 1878-1885 angehörte, und als höchst aktiver Teilnehmer an dem vielgestaltigen Münchener jüdischen Vereinsleben hat er - für die einen zu liberal und wissensfreundlich, für die andern zu 'schwarz' und orthodox - die ungeschmälerte Erhaltung der Einheitsgemeinde vertreten. Der Zauber seines Kreises und seines Festfeierns nach altem, religiösem Herkommen, seine würdige und aufopferungsvolle Amtswaltung als 'Mohel' ist von niemand, der an solchen Tagen teilnehmen konnte, vergessen und von den Teilnehmern den folgenden Generationen in vielen Berichten und Erzählungen tradiert worden. Am meisten aber rühmen die, die Abraham Merzbacher kannten, mit welcher souveränen Lebensklugheit und Bescheidenheit er die gefährliche Klippe sorgloser Wohlhabenheit überwand.  
Seine große, ihn überlebende Leistung war die berühmte Bibliotheca Merzbacheriana Monacensis mit mehr als 160 hebräischen Handschriften, Hunderten von Inkunabeln und seltenen älteren Druckwerken aus dem viel verzweigten Kreis der Hebraica und Judaica. Diese Bibliothek wurde 1903 der Frankfurter Stadtbibliothek einverleibt; ihre Geschichte und ihre Bedeutung ist von Berufenen wiederholt (zuletzt in diesen Blättern von Professor Felix Perles in der Nummer vom 1. Februar 1933) beschrieben worden. Abraham Merzbacher ist es allein zu danken, dass der große Plan ausgeführt werden konnte, den kritischen Apparat für eine neue wissenschaftliche Ausgabe des Talmud nach der einzigen vollständigen Münchener Talmudhandschrift in 16 Bänden herauszugeben. Das große Werk 'Dikduke Soferim. Variae lectiones in Mischnam et in Talmud babylonicum', konnte dank Merzbachers großzügiger Mäzenatenhilfe 1868-1897 entstehen. In der Vorrede des ersten und fünfzehnten Bandes dieses Sammelwerkes hat sein Herausgeber, der froße russisch-jüdische Gelehrte Raphael Natan Rabbinowicz dem Freund und Gönner Abraham Merzbacher ein Denkmal gesetzt. Als Merzbacher vor 50 Jahren starb, ging eine ruhmvolle Epoche des Judentums - obwohl auch Gleichgültigkeit und Aufklärung vielfach zerstörende wirkten - zu Ende. Die Gestalt Abraham Merzbachers lehrt, dass wir uns wieder daran zu gewöhnen haben, den jüdischen Lebens- und Denkformen des 19. Jahrhunderts mehr als bisher gerecht zu werden. Die besten Vertreter dieser Epoche waren - wie das Beispiel Abraham Merzbacher zeigt - Mehrer des jüdischen Gedankens, was in einer glücklicheren Zeit als heute oft vielfach schwieriger sein mochte als in Epochen, da unausweichlicher Druck sowie äußere und innere Beengung dem Judentum als solchem durch den Zwang zur Rückbesinnung auf seine besten unüberwindlichen eigenen Kräfte zugute kamen. L.F."         

     
Die Merzbacher'sche hebräische Bibliothek geht in den Besitz der Frankfurter Stadtbibliothek über (1903)
     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1903: "München, 19. Mai (1903). Die in Fachkreisen bekannte hebräische Bibliothek des Herrn Dr. Eugen Merzbacher ist um den Preis von 35.000 Mark in den Besitz der Frankfurter Stadtbibliothek übergegangen. Dieser Verkauf bedeutet einen Verlust für die hebräischen Studien in München, da der hervorragende Besitz an hebräischen Manuskripten der Hof- und Staatsbibliothek durch die reiche Sammlung von Drucken der Merzbacher'schen Bibliothek ergänzt wurde. Die Frankfurter Stadtbibliothek, die schon vorher dank der Opferwilligkeit einiger Bürger große hebräische Bibliotheken erworben hatte, steht nunmehr darin in altererster Reihe. Es standen auch jetzt wieder private Mittel zur Verfügung."       

  
Beitrag "Zur Geschichte der Bibliotheca Merzbacheriana Monacensis" (1905, vgl. Abschnitt oben zu Abraham Merzbacher)    

Baiersdorf AZJ 24031905.jpg (342264 Byte) Baiersdorf AZJ 24031905a.jpg (473149 Byte) Baiersdorf AZJ 24031905b.jpg (227749 Byte) Zum Lesen des Beitrages bitte
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Über den in Baiersdorf geborenen Forschungsreisenden Dr. Gottfried Merzbacher (1843 in Baiersdorf - 1926 in München)
          

Merzbacher Gottfried 010.jpg (31898 Byte)Anmerkung: Gottfried Merzbacher wurde am 9. Dezember 1843 in Baiersdorf als Sohn des jüdischen Fellhändlers Markus Merzbacher geboren; er war ein Neffe des Abraham Merzbacher.  
vgl. Artikel über Gottfried Merzbacher bei Wikipedia.  
 
    
Baiersdorf AZJ 06011905.jpg (461167 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Januar 1905: "Dr. Gottfried Merzbacher, der Forschungsreisende. München, 16. Dezember 1904. Im Jahre 1885 verstarb hier in München hochbejahrt ein Mann, Abraham Merzbacher, aus dem Rabbinerstande hervorgegangen, den er aber in seiner Jugend schon, nachdem er sich wegen mangelnder Protektion vergeblich um die zur Bewerbung gelangte Rabbinerstelle in Ansbach beworben hatte, verließ, um sich dem Berufe eines Bankiers und Numismatikers zuzuwenden, den die Zeitgenossen als einen feingebildeten, liebenswürdigen Mann und Menschenfreund, einen Wohltäter mit offener Hand, liebten und verehrten, der sich aber selbst als Mäzen jüdischer Wissenschaft ein Denkmal für die fernsten Zeiten noch gesetzt hat; dies nicht nur durch jene großartige, unter dem Namen Bibliotheca Merzbacheriana Monacensis begründete und seit jetzt zwei Jahren der Frankfurter Stadtbibliothek einverleibte Büchersammlung, sondern insbesondere auch durch das berühmte, auf seine Kosten im Laufe eines Menschenalters herausgegebene fünfzehnbändige Werke Dikdukei Soferim seines Freundes und Zeitgenossen Raphael Rabbinowicz, der dankbarerweise durch die Vorrede dieses Werkes das Andenken seines Wohltäters und Wohltäters der jüdischen Wissenschaft vor der Vergessenheit, solange es eine jüdische Wissenschaft geben wird, geschützt haben wird.   Abraham Merzbacher, der Vetter des Berliner Rabbiners Aub und des Münchner Rabbiners Aub, er selbst der erste seines Namens wohl, der wissenschaftliche Verdienste hatte, hat das Glück gehabt, nach seinem Tode noch in einem Neffen, dem Justizrat und Rechtsanwalt Sigmund Merzbacher in Nürnberg, einen erfolgreichen und fruchtbaren juristischen Schriftsteller unter seinen nächsten Verwandten zu haben. Nunmehr häufen sich aber auf dem Haupte eines anderen Neffen Abraham Merzbachers große Ehren wegen seiner hervorragenden wissenschaftlichen Verdienste.
Sicherlich nicht ohne Einfluss des Umstandes, dass sein angesehener Onkel in München als Mitinhaber der Firma J.N. Oberndoerffer in München erfolgreich eines der ältesten Münchener Bankgeschäfte, das heute noch besteht, betrieb, war sein Neffe Gottfried Merzbacher, der, wie der Onkel in Baiersdorf bei Erlangen etwa 1842 geboren war, die Gewerbeschule in Erlangen besucht hatte, in Kitzingen am Main die Kürschnerei als ehrsames Handwerk erlernt hatte, veranlasst, unter seinem Namen in München eine große Kürschnerei um 1868 zu eröffnen; nicht etwa einen Pelzhandel, sondern eine Kürschnerei, in welcher der Meister während der Wintermonate am Tage diejenigen Pelze und Krägen und, was man sonst in solchen Sachen kennt, verkaufte, die er während der Nacht für seine Gesellen zusammengestellt und zugeschnitten hatte.   
Allerdings während des Sommers konnte man den jugendlichen Meister anderwärts in den entlegensten Teilen des Alpengebirges suchen, wo er leidenschaftlich bisher unbekannte, unerforschte und unerstiegene Gegenden aufsuchte, um sie nicht nur als erster zu ersteigen, sondern auch wissenschaftlich in Fachzeitschriften zu beschreiben, nachdem er sich als Autodidakt die hierzu nötigen Kenntnisse in den Sommermonaten mit eisernem Fleiß erworben hatte.    
Die aber den Kürschnermeister und Alpenforscher näher kannten, wussten wohl, dass der enorme auf seinen Beruf verwendete Fleiß, der Verzicht auf Tag- und Nachruhe während eines großen Teiles des Jahres einem ganz bestimmten Ziel galt, nämlich dem, die Mittel zu gewinnen, ausschließlich wissenschaftlichen Neigungen leben zu können.  
Als ihm daher vor etwa 16 Jahren die Veräußerung des von ihm geschaffenen und erfolgreich betriebenen blühenden Geschäftes gelang unter der Bedingung, dass seine zahlreichen von ihm herangezogenen Arbeiter ruhig fortarbeiten und ihrem Berufe unter anderer Leitung leben könnten, unternahm Gottfried Merzbacher eine nahezu 3 1/2-jährige Reise, die sich auf das Innerste von Asien bis hin auf der einen Seite nach Sibirien, auf der anderen Seite zum Kaukasus erstreckte, vielfach Gegenden, die vor ihm noch kein deutscher Fuß, wenn überhaupt ein menschlicher, betreten hatte, von welcher er mit naturwissenschaftlichen Schätzen, die er auf zahlreichen Expeditionen gesammelt hatte, beladen, mit Tagebüchern, wissenschaftlichen Inhalts voll., ausgestattet, wieder in die Heimat zurückkehrte; nicht etwa um auszuruhen, sondern um den kostbaren Inhalt der Tagebücher wissenschaftlich zu verwerten. So erschien 1901 bei Dunker und Humblot in Leipzig in zwei groß0en Bänden mit nahezu je 1.000 Seiten mit herrlichen, von Gottfried Merzbacher selbst durch Photographien hergestellten Bildern vielfach unbekannter Berge und Völkerstämme, mit von seiner Hand zum Teil entworfenen Karten noch unbekannter Gegenden das Prachtwerk: 'Aus den Hochregionen des Kaukasus'. Welchen Eindruck dieses Werk in wissenschaftlichen Kreisen machte, ergibt besser wie jede laienhafte Beschreibung die Tatsache, dass die philosophische Fakultät der Ludwigs-Maximilians-Universität in München, die seit ihrem 400-jährigen Jubiläum im Jahre 1875 nur zweimal von diesem Rechte der Ehrenpromotion Gebrauch gemacht hatte, damals durch eine feierliche Abordnung dem ehemaligen Erlanger Gewerbeschüler in seiner Wohnung das Diplom eines Doktors der Philosophie honoris causa überreichen ließ.          
Gottfried Merzbacher hat dann im Jahre 1902 noch einmal den Wanderstab ergriffen, um das im Innersten von Asien gelegene teilweise noch unerforschte Gebiet des Tian-Schan oder Himmelsgebirges, das er bei seiner ersten Reise zu erforschen nicht imstande war, gründlich zu bereisen. Sowohl 1902 wie 1903 hatte er mit allen Mitteln der Erfahrung und Wissenschaft reich ausgestattete Expeditionen gebildet, nicht mit fremden Mitteln, sondern lediglich aus den Früchten seiner früheren, mit eisernem Fleiße betriebenen Tätigkeit. Keine Mühe, nciht Durst, nciht Hunger wurden gescheut; nciht das Kostbarste, war der emsige Forscher zu verlieren hatte, sein Leben, besann er sich in die Wagschale täglich zu werfen, bis er im Winter 1903 nach Taschkent zurückkehrte, um dort im tiefen Innern von Asien den Winter zu verbringen und möglichst ungestört die Ergebnisse seiner Reise sofort wenigstens oberflächlich sichten zu können.
Vor einigen Monaten ist Gottfried Merzbacher in die Heimat zurückgekehrt, von seinen Freunden mit Sehnsucht erwartet und mit Frohlocken begrüßt, um auch da wieder, für Dritte vielfach unsichtbar und unauffindbar, ununterbrochen seiner wissenschaftlichen Beschäftigung zu dienen, deren Ergebnisse wohl teilweise in den nächsten Wochen schon in einem Ergänzungshefte zu Petermanns geographischer Monatsschrift an die weitere Öffentlichkeit gelangen dürften. 
Gestern Abend schon hat sich die hiesige geographische Gesellschaft unter Teilnahme der Prinzessin Therese von Bayern, jener Tochter des Prinzregenten, die in Anerkennung ihrer Leistungen als Weltreisende von der Akademie der Wissenschaften, zu ihrem Mitgliede gewählt wurde, ferner ihres Bruders, des Prinzen Arnulf von Bayern und anderer Mitglieder des königlichen Hauses, sowie der Spitzen der Gelehrsamkeit versammelt, um feierlich dem Forscher Gottfried Merzbacher die goldene Prinz-     
Baiersdorf AZJ 06011905a.jpg (141596 Byte) Ludwigsmedaille der Wichmann-Eichhornischen Stiftung zu überreichen, was mit einer Ansprache des bekannten Geographen Professor Dr. Günther geschah, wobei dieser berichtete, dass der Protektor der Gesellschaft, Prinz Ludwig von Bayern, dessen Bild die Medaille trägt, bedaure, durch Abwesenheit von München an der persönlichen Überreichung der Medaille verhindert zu sein. Gottfried Merzbacher ist nach dem als Südpolarforscher bekannten Admiralitätsrat von Neumayer der einzige, der diese Auszeichnung bis jetzt aus der Stiftung verliehen bekam. 
Alsdann hat Gottfried Merzbacher einen nahezu zweistündigen bericht über die große Reise vor dem aus Prinzen, Gelehrten und hervorragenden Personen jeder Art gebildeten Publikum gegeben, den dieses mit spannender Aufmerksamkeit verfolgte und mit reichem Beifall aufnahm. Die hiesigen Zeitungen bringen diesen Bericht vollständig und die Münchener Neuesten nachrichten schließen mit den Worten: Die Stadt München kann stolz darauf sein, dass gerade einer ihrer Bürger in jenen bisher so wenig bekannten Gegenden in zweijähriger Mühe und segensreicher Forschertätigkeit für die geographische Wissenschaft so viel Ersprießliches geleistet hat.    
Die Brust des gelehrten Mannes schmückt schon seit mehreren Jahren der russische Stanislausorden zweiter Klasse mit dem Stern der Komture. die erzielten Erfolge sind zum großen Teil auch der russischen Regierung zu danken, deren Kosaken de Forscher vielfach zu seinem Schutze auf seinen gefährlichen Wegen begleiteten. Die Freunde und Verehrer des gelehrten Mannes geben sich der Hoffnung hin, dass nach diesen Leistungen für die Wissenschaft Gottfried Merzbacher, der auf die Freuden des Familienlebens, um nciht das Schicksal anderer an seine unzählige Male gefährdetes Leben zu binden, verzichtet hat, bei seiner eisernen Gesundheit noch ein langes Leben geschieden sei, um das, was er an Schätzen und Aufzeichnungen gesammelt hat, wenigstens zum großen teile noch persönlich der Wissenschaft und Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Q.D.B.V."      
Links: Beitrag von Hans Dieter Sauer über ein Symposion der Kommission für Glaziologie 2006 zu Gottfried Merzbacher  
Beitrag von Susanne Rieger über Prof. Dr. Gottfried Merzbacher in rijo research 
Merzbacher Gottfried HGO 010.jpg (51093 Byte)Die Erinnerung an Gottfried Merzbacher erfuhr erst in jüngster Zeit eine Aktualisierung durch den Aufbau des Hochgebirgsobservatoriums "Gottfried Merzbacher" des Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) - Helmholtz-Zentrum Potsdam. Foto und Informationen über eine Seite in der Website des GFZ Potsdam 
(Hinweis von Dorothee Lottmann-Kaeseler vom 15.5.2011)    

      
Zum Tod des Bankiers James Seligmann (geb. 1824 in Baiersdorf, gest. 1916 in New York)     
Anmerkung: das im Artikel angegebene Geburtsjahr 1827 stimmt nicht; James Seligman ist am 14. April 1824 geboren (daher starb er auch im Jahr 1916 92 Jahre alt) und war ein älterer Bruder des 1827 geborenen Jesse Seligmann (gest. 1894, siehe oben).        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. September 1916: "Aus New York wird gemeldet: James Seligmann, Seniorchef des bekannten Bankhauses J. u. W. Seligmann & Co. und hervorragender Philanthrop, ist - 92 Jahre alt - verschieden. Er wurde 1827 in Baiersdorf (Bayern) als Sohn von David Seligmann und Frau Fanni geb. Steinhart geboren und kam bereits 1839 nach Amerika zu seinem ältesten Bruder Josef. Er und seine Brüder gründeten Bankhäuser in New York, Paris, London und Frankfurt am Main".           
   
JSeligman.jpg (97562 Byte)Hinweis: Siehe Wikipedia-Artikel "J. & W. Seligman & Co."  
und Wikipedia-Artikel Joseph Seligman  (das Foto links - aus dem Wikipedia-Artikel) zeigt den 1819 in Baiersdorf geborenen Bruder von James: Joseph Seligmann   
Artikel zur Familie Seligman in der Jewish Encyclopedia        

  
Zum 70. Geburtstag des aus Baiersdorf stammenden Siegfried Lichtenstaedter (1935) 
Anmerkung: Siegfried Lichtenstaedter ist am 8. Januar 1865 in Baiersdorf geboren, 1942 im Ghetto Theresienstadt umgekommen. 

Baiersdorf BayrGZ 01011935.jpg (163812 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 1. Januar 1935: "70. Geburtstag. Am 8. Januar 1935 begeht eine eigenartige literarische Persönlichkeit den 70. Geburtstag: Siegfried Lichtenstaedter, geboren in Baiersdorf (Mittelfranken) als Sohn des Kaufmanns und Talmudforschers Wolf Lichtenstaedter, studierte Sprachwissenschaft, dann Jurisprudenz, und trat nach seinem juristischen Staatsexamen in den bayerischen Finanzdienst, und zwar in die Rechnungskammer, eine Filiale des Rechnungshofes. Mit Erreichung der Altersgrenze ist Lichtenstaedter als Oberregierungsrat in den Ruhestand getreten. Die Schriften Lichtenstaedters liegen auf dem Gebiete der Volkspsychologie und Politik, namentlich der orientalischen Völker, für die er schon auf der Universität durch umfassende sprach- und ethnographische Studien den Grund gelegt hatte. Allgemeine Bedeutung haben: Kultur und Humanität (1897) und Natur und Kultur (1909; die sich durch Scharfsinn und realistische Auffassung auszeichnen. Daran reihen sich Schriften über die türkische Frage: 'Die Zukunft der Türkei' (1898) usw. Im Weltkrieg fand sein Vorschlag des 'Bevölkerungsaustausches' Beachtung (Nationalitätenprinzip und Bevölkerungsaustausch, 1917 u.a.). Die Leser dieser Zeitschrift interessieren besonders die zahlreichen Schriften Lichtenstaedters, die sich mit dem Judentum befassen. Lichtenstaedter beteiligte sich an der Diskussion über 'Bibel und Babel' (1903, 1922), sowie über die Schächtfragen (1927ff).  Köstlich ist seine 1926 erschienene Satire: 'Antisemitica'. Ernst, allzu ernst treten andere jüdische Schriften auf: 'Jüdische Religion' (1921), 'Praktisches Judentum' (1931), 'Jüdische Politik' (1933). Dem Zionismus gegenüber nimmt Lichtenstaedter eine kritische Stellung ein (1918, 1920). 
Der Verbreitung der Schriften Lichtenstaedters hat Eintrag getan der Umstand, dass sie lange Zeit pseudonym erschienen, und zwar unter verschiedenen Pseudonymen (Mehemed Emin Effendi, Ne'man); ferner dass sie, mit Ausnahme der beiden an erster Stelle genannten, meist der Gelegenheitsliteratur angehören; endlich die Rigorosität seiner Forderungen: Mahn- und Scheltworte (1933), zumal wenn sie ausgiebig nach allen Seiten erteilt werden, sind eben im allgemeinen nicht beliebt.
Wir wünschen dem Jubilar noch viele Jahre, schon deshalb, damit er Zeit findet, sein allzu zersplittertes Lebenswerk durch straffe Zusammenfassung derjenigen Gedanken zu krönen, die von bleibendem Wert sind. Dabei will ich nicht mit dem Bekenntnis zurückhalten, dass nach meiner Ansicht die Stärke Lichtenstaedters in der politischen Satire liegt. Schon jetzt sei Freunden dieser Literaturgattung, außer der oben erwähnten Schrift 'Antisemitica' empfohlen: 'Das neue Weltreich', 1902, 'Moralische Erzählungen', 1914.  Arthur Cohen"

Zu Siegfried Lichtenstaedter:  

Lichtenstaedter P02.jpg (35887 Byte)Siegfried Lichtenstaedter / Jussi U. Isaksen: Der Jüdische Exekutor. Erschienen 2006.  ISBN 3-937028-01-3. 
Der Titel erschien im früheren Verlag B. Lüdde, ist jedoch nicht mehr lieferbar (einzelne Exemplare noch antiquarisch).    
Weiterer Literaturhinweis: Götz Aly: Warum die Deutschen? Warum die Juden? Frankfurt 2011.  Hierin vielfach Bezüge zu Siegfried Lichtenstädter, der für Aly geradezu ein Kronzeuge ist. 
Baiersdorf Pa 03032011.jpg (414787 Byte)  Artikel von Manuel Kugler in den "Nürnberger Nachrichten" vom 3. März 2012: "Prophet des Grauens. Ein Baiersdorfer Jude sah den Holocaust voraus...."  
Beitrag anlässlich eines Vortrages von Götz Aly in Nürnberg am 6. März 2012. 
  
 
Siegfried Lichtenstaedter wurde am 25. Juni 1942 mit Transport II/9 von München aus in das Ghetto Theresienstadt deportiert und ist dort im selben Jahr umgekommen.   

      
      
      
Zur Geschichte der Synagoge      
   
Eine Synagoge wird erstmals 1530 genannt, dürfte jedoch auf das 15. Jahrhundert zurückgehen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Synagoge zerstört; nach dem Krieg 1651 wiederhergestellt. 1711 wurde eine neue Synagoge erstellt. Hierbei handelt es sich um ein stattliches Gebäude, das durch den einflussreichen Hoffaktor Samson Salomon finanziert wurde. Die Einweihung war am 14. September 1711 (zum jüdischen Neujahrsfest 5472). An den Stifter erinnerte eine Inschrift in der Vorhalle zum Männerraum, wo sein Name genannt wurde: "Simson, Sohn des Chawer Judah Selke und seiner Gattin Rebekkah, Tochter des Raw Hirsch, Dajans von Wien"). 
     
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert; das gesamte Inventar mit den Ritualien, darunter kostbare Gegenstände von hohem Alter, wurde zerstört. Die Synagoge wurde wenig später abgebrochen. Auch das rituelle Bad wurde vernichtet.  
       
Das Grundstück wurde nach 1945 mit einem Wohn- und Geschäftshaus (Sparkasse) neu bebaut. 1986 wurde eine Gedenktafel angebracht.  
    
Adresse/Standort der SynagogeJudengasse (frühere Anschrift: Judengasse 146).
    
    
    
Fotos
(Historische Fotos von Theodor Harburger, Aufnahmedatum 20. Juli 1927; Quelle: Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem; veröffentlicht in Th. Harburger: "Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern. 1998 S. 49-57).

Baiersdorf Synagoge 105.jpg (65441 Byte) Baiersdorf Synagoge 104.jpg (63929 Byte) Baiersdorf Synagoge 103.jpg (59620 Byte)
Außenansicht der Synagoge 
von Südwesten 
Außenansicht von Südosten mit Blick 
über den jüdischen Friedhof 
Innenansicht mit Blick 
zum Toraschrein 
     
Baiersdorf Synagoge 102.jpg (71458 Byte) Baiersdorf Synagoge 101.jpg (85549 Byte) Baiersdorf Synagoge 100.jpg (60660 Byte)
Leuchter in 
der Synagoge  
Tora-Vorhang. Am 25. Mai 1937 
zur Aufbewahrung in die Synagoge 
Bamberg verbracht  
Inschriften in der Vorhalle zum Männerraum. 
Im Kreis: Erinnerungstafel 
an den Stifter Simson 
    
     
     
Judengasse / Synagogenplatz / Kriegerdenkmale
(Fotos - wenn nicht anders angegeben -: Hahn, Aufnahmedatum: 20.10.2007))
  
Baiersdorf Judengasse 101.jpg (77074 Byte) Baiersdorf Judengasse 100.jpg (73684 Byte) Baiersdorf Judengasse 104.jpg (69826 Byte)
Straßenschild Die Judengasse in Baiersdorf - aus unterschiedlichen Richtungen gesehen  
   
 Vor und im "Meerrettichmuseum" 
in der Judengasse 11
Baiersdorf Judengasse 102.jpg (84766 Byte) Baiersdorf Judengasse 103.jpg (100605 Byte)
    Erinnerungen an die jüdische Geschichte: Hinweistafel zum jüdischen Friedhof 
sowie Fotos aus der jüdischen Geschichte
   
Baiersdorf Synagoge 012.jpg (47663 Byte) Baiersdorf Synagoge 010.jpg (67033 Byte) Baiersdorf Synagoge 011.jpg (82739 Byte)
Außen- und Innenaufnahmen der ehemaligen Synagoge - ausgestellt im Eingangsbereich zum "Meerettichmuseum"  
   
  Synagogengrundstück 
und Gedenktafel  
Baiersdorf Synagoge 101.jpg (61298 Byte) Baiersdorf Synagoge 102.jpg (68620 Byte)
    Das an Stelle der ehemaligen Synagoge
 erbaute Gebäude  
Die Gedenktafel 
für die Synagoge  
       
Kriegerdenkmal an der 
Forchheimer Straße  
Baiersdorf Denkmal 100.jpg (110321 Byte) Baiersdorf Denkmal 101.jpg (132199 Byte)
            Die Namen von Ernst und Max Hirschkind 
auf dem Kriegerdenkmal  
        
Kriegerdenkmal 
an der Stadtpfarrkirche
(Fotos: Jürgen Hanke, Kronach)  
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  Auch auf dem Kriegerdenkmal an der Stadtpfarrerkirche sind die Namen von 
Ernst und Max Hirschkind eingetragen 
   
Gedenken an den Gefallenen Max Hirschkind 
im deutschen Soldatenfriedhof Menen (Belgien)
 
(Fotos vom Januar 2013; rechts ein Auszug aus dem Ehrenbuch, in dem sich - wie auf 
der neueren Grabplatte als Sterbedatum 26.11.[statt 10.]1917 findet)   
Baiersdorf Soldatengrabstein 0913.jpg (141479 Byte)
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Blick über den deutschen Soldatenfriedhof
 Menen; in der Mitte im Hintergrund der
 (alte) Grabstein für Max Hirschkind 
Der alte Grabstein für Max Hirschkind, 
der nun am Friedhofsrand 
aufgestellt ist 
Eine der neueren Grabplatten 
mit jeweils mehreren Namen,
 unter ihnen Max Hirschkind  
   
         
Ehemaliges Haus der 
Familie Gerngros in Baiersdorf
(Fotos: Jürgen Hanke, Kronach) 
Baiersdorf Gerngros 011.jpg (77527 Byte) Baiersdorf Gerngros 010.jpg (117733 Byte)
Literatur: Horst Gemeinhardt: Vortrag zur
 Wieder-Anbringung der Ehrentafel für die
 Baiersdorfer Ehrenbürger Gerngros und
 Seligmann
am 30.11.2007, 15.00 Uhr 
(eingestellt als pdf-Datei) 
Ehemaliges Haus Gerngros in Baiersdorf (Forchheimer Straße 3) mit Inschriftentafel und Text:
 "In diesem Hause wurden geboren: am 1. Mai 1839 Ludwig Ritter von Gerngros, kgl. Geh. Kommerzienrat - am 28. September 1843 Wilhelm Ritter von Gerngros, kgl. Kommerzienrat, beide Ehrenbürger hiesiger Stadt."  Hinweis: Die Inschriftentafel wurde am 30. November 2007 wieder angebracht.  
     
Ehrentafel für Ehrenbürger
 Henry Seligmann am Seligmannkindergarten 
(Seligmannstraße 1)
  
(Fotos erhalten von Horst Gemeinhardt) 
Baiersdorf Ort 01301.jpg (93219 Byte)  Baiersdorf Ort 01302.jpg (104810 Byte) 
 Literatur wie oben von 
Horst Gemeinhardt  
Die Ehrentafel für den Ehrenbürger Henry Seligmann am Seligmannkindergarten 
wurde am 30. November 2007 angebracht.  
     

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

März 2009: Erste "Stolpersteine" werden in Baiersdorf verlegt  
Baiersdorf PA 200903.jpg (514947 Byte)  Artikel von Beate Schirner-Costa in "HalloFranken" Nr. 13 / 2009: "Steine gegen das Vergessen. Erstmalig erinnern Stolpersteine an Baiersdorfer Deportationsopfer..."  
Zum Lesen bitte die Textabbildung links anklicken  
Weiterer Artikel in den Erlanger Nachrichten (nordbayern.de) vom 24.3.2009: "Zwei Stolpersteine erinnern an zwei ausgelöschte Leben. Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte selbst die beiden Erinnerungsmale für Ludwig und Linda Kohn in Baisersdorf..." 
Link zum Artikel auch eingestellt als pdf-Datei      
 

   
    

Links und Literatur  

Links:

Website der Stadt Baiersdorf   
HisTOURisch - Informationsseiten der Stadt Baiersdorf: www.histourisch.de mit Seiten zur jüdischen Geschichte in Baiersdorf  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Baiersdorf (interner Link)      
Die Namen der jüdischen Gefallenen auf einer Seite des Hauses der bayerischen Geschichte   
Englischer Beitrag über die Familie Gerngros: "Our family" by Heinz and Thea Ruth Skyte née Ephraim (pdf-Datei, auch intern abgespeichert)    

Literatur:  

Germania Judaica III,2 S. 72-73.
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 161-162.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 145-146.  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 280-292.
Trägerverein Jüdisches Regionalmuseum Mittelfranken in Fürth und Schnaittach e. V. (Hrsg.): Aus der jüdischen Geschichte Baiersdorfs. Aufsätze. Ausstellung im Rathaus Baiersdorf vom 28. Okt. 1992 bis 8. Jan. 1993. Baiersdorf bzw. Fürth 1992.
Inhalt: Ilse Sponsel: Hommage an eine ungewöhnliche Frau: Glückel von Hameln und ihre Beziehungen zu Baiersdorf; Monika Berthold: Eine emanzipierte Frau? Die Denkwürdigkeiten der Glückel von Hameln (1646/47-1719); Adolf Eckstein (1907): Rabbiner David ben Joel Dispeck; Stephanie Orfali: Ein jüdischer Maler aus Baiersdorf: David Ottensooser; Wolfgang Oppelt: Zum 180. Geburtstag: Lebensspuren des Rabbiners, Bankiers, Numismatikers, Bibliophilen und Mäzens Abraham Merzbacher (1812-1885); Ilse Sponsel : Hoch hinaus! Prof. Dr. h. c. Gottfried Merzbacher; Ilse Sponsel: Eine erfolgreiche Familie: Die Seligmann; Ilse Sponsel: Von der Kleinkinderbewahranstalt zum modernen Kindergarten: Die David und Fanny Seligmann'sche Stiftung; Horst Gemeinhardt: Familie Gerngros in Baiersdorf; Horst Gemeinhardt: Ludwig Ritter von Gerngros; Horst Gemeinhardt: Wilhelm Ritter von Gerngros; Horst Gemeinhardt: Zur gesellschaftlichen Stellung der Juden in Baiersdorf um die Jahrhundertwende; Ilse Sponsel: Auflösung und Ende der jüdischen Gemeinde in Baiersdorf; Günter Reim: Ein Besuch am 'guten Ort': Der Judenfriedhof in Baiersdorf; Siegfried Ziegler / Wolfgang Oppelt: Begriffserklärungen. 
Hinweis: Das Heft ist nicht mehr im Handel, aber über die Stadt Baiersdorf bzw. über das jetzige Jüdische Museum Franken sind möglicherweise Kopien zu bekommen..   
Ilse Vogel: "Reb Schimmen Dajan" - Simon Dispecker, Vice-Rabbiner in Baiersdorf 1766-1847 - Ein Betrag zur Heimatgeschichte der Stadt Baiersdorf. Hans Meyer Verlag. Scheinfeld 2008. ISBN 3-89014-288-5.  
Hinweis: die Publikation wurde erstellt anlässlich des 100. Geburtstages von Joe Dispeker, eines Nachkommen des Simon Diespecker, anhand privater Familienpapiere und eingebunden in Dokumente in Archiven).
Stadt Baiersdorf (Hrsg.): 100 Jahre Seligmann-Kindergarten. Baiersdorf 2006. 
Susanne Boree: Die Steine zum Sprechen bringen. Evangelisches Sonntagsblatt. No. 4. 24. Jan. 2010. 
Horst Gemeinhardt / Peter Flint: Aspekte Baiersdorfer Stadtgeschichte im Spiegel zweier Briefe der Familie Seligmannl / Baiersdorf (1904-2004). Through the Eyes of the Family Seligman. Baiersdorfer Wurzelwerk Heft 1. Baiersdorf 2006. - Bei der Stadt Baiersdorf für 5 € zu erwerben. 
Harald Hofmann: Jahrhunderte lang Zentrum jüdischer Kultur. In: Erlanger Nachrichten vom 19. März 2012. S. (HEN) 3.
Michael Schneeberger: Jüdische Landgemeinden in Bayern (22): Baiersdorf Merkas ha.lehudim. Über die Geschichte der Juden von Baiersdorf. In: Jüdisches
Leben in Bayern (Zeitschrift des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern) Nr. 108. München, Dezember 2008. S. 27-36.    
Bayern SynGedenkband II.jpg (63426 Byte)"Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band II: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager, unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern, Teilband 2: Mittelfranken. Lindenberg im Allgäu 2010. 
Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu

ISBN 978-3-89870-448-9.   Abschnitt zu Baiersdorf S. 87-108.  
Horst Gemeinhardt: Vortrag zur  Wieder-Anbringung der Ehrentafel für die  Baiersdorfer Ehrenbürger Gerngros und  Seligmann am 30.11.2007 (eingestellt als pdf-Datei)    
Horst Gemeinhardt: Spurensuche zur jüdischen Geschichte Baiersdorf. Ein Werkstattbericht von der historischen Quellensuche zur Erschließung der Geschichte einer erloschenen Gemeinde und ihres "guten Ortes". Baiersdorf 2012. Ergänzte 2. Auflage 2014. Reihe: Baiersdorfer Wurzelwerk Heft Nr. 2. Preis 10 €. Erhältlich über die Stadtverwaltung.   
Vortrag und Presseartikel zu den "Stolpersteinen" für das Ehepaar Kohn: 
- Horst Gemeinhardt: Vortrag zur Verlegung der Stolpersteine für das Ehepaar Ludwig und Lina Kohn am 22. März 2009 (eingestellt als pdf-Datei)
- Artikel von "en": Zwei Stolpersteine erinnern an zwei ausgelöschte Leben. In: Erlanger Nachrichten vom 24. März 2009, S. (HEN) 3
- Beate Schirner-Costa: Steine gegen das Vergessen. In: Hallo Franken Nr. 13/2009, S. 1 (siehe oben).
- Artikel von "st": Gedenken an jüdische Baiersdorfer. In: Fränkischer Tag (Forchheim) vom 24. März 2009, S 10. 

   
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Baiersdorf (Yiddish Fayersdorf etc.) Middle Franconia. Jews may have been present as early as the 14th century and constituted one of the most important communities in the Bayreuth margravate in the 16th century. In 1702 Baiersdorf was fixed as the seat of the margravate's chief rabbi, a position occupied since 1728 by one of the sons of Glueckel of Hameln, the famous female diarist. In 1717 residence was restricted to one son per family and various trade restrictions were added in 1771. In 1837, the Jewish population was 440 (total 1.550), thereafter declining rapidly and numbering only 19 in 1933. All but one of the Jews left by 1938, ten emigrating.             
       

                   
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Stand: 24. November 2016