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Baiersdorf (Kreis
Erlangen-Höchstadt)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Fürstentum
Ansbach (bzw. Markgrafentum Brandenburg-Bayreuth) gehörenden Stadt Baiersdorf
(Stadt seit 1353) wird eine jüdische Gemeinde erstmals 1473
genannt. Vermutlich gab es jedoch bereits im frühen 15. Jahrhundert jüdische
Familien in der Stadt, da die ältesten Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof
in dieser Zeit datiert werden. Ein nach Baiersdorf benannter Jude lebte 1450 in
Bayreuth. Zwei 1496 genannte jüdische Familien von Baiersdorf unterhielten
Wirtschaftsverbindungen nach Bamberg und im Bereich von Oberfranken. 1515
wurde bei einem Landtag zu Baiersdorf der Wunsch der Stände vorgetragen,
die Juden aus dem Fürstentum Ansbach zu vertreiben. Doch war der damalige
Regent Georg der Fromme von Brandenburg-Ansbach (regierte 1527-1541)
daran u.a. auf Grund chronischer Geldnöte wenig interessiert. Die
Landtagswünsche wurden auf dem Landtag zu Ansbach 1538 wiederholt. Georg
der Fromme sagte zwar zu, setzte jedoch den Beschluss nicht oder nur teilweise
um. Ein nachfolgender Regent Georg Friedrich der Ältere (regierte
1557-1603) ließ 1560 auf abermaliges Dringen des Landtags verkünden, dass die
Juden bis Pfingsten 1561 das Land zu räumen hätten, worauf es offenbar zur
Vertreibung der Mehrzahl der Juden - auch auf Grund regionaler Übergriffe auf
Juden - gekommen ist.
Vermutlich konnten bis Ende des 16. Jahrhunderts wieder mehrere Familien in
Baiersdorf zuziehen. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges werden 1619 neun jüdische Familien in der Stadt genannt. Im Jahrhundert nach
Ende des Krieges kam es zu einer erstaunlichen Vergrößerung der Gemeinde: 1709
34 Familien, 1728 54, 1763 79 und die Höchstzahl im 18. Jahrhundert von 95
Familien im Jahr 1771 (1776: 367 jüdische Einwohner). Bis 1807 ging die
Zahl auf 83 jüdische Familien leicht zurück, um im 19. Jahrhundert wieder
anzusteigen.
Baiersdorf wurde Sitz eines Landrabbinats, das für die weitere Umgebung
(vor allem für die Rabbiner des Fürstentums Bayreuth) die Bedeutung eines Oberrabbinats
hatte. Bereits im 17. Jahrhundert wird das Rabbinat Baiersdorf genannt.
Zeitweise (unter dem Bamberger Rabbiner Mendel Rothschild 1686-1711) wurde es
von Bamberg aus mitverwaltet. Die letzten Rabbiner in Baiersdorf waren Rabbi Chaim Hirsch Berlin, Rabbi Löb
Berlin (1789-1784 Rabbiner in Bamberg, zugleich in Baiersdorf),
Rabbi David Diespecker bis 1848 und von 1848 bis 1888 Wolf Cohn. Nach
Auflösung des Rabbinates Baiersdorf gehörte die Gemeinde zum Distriktsrabbinat
in Fürth.
Im 19. Jahrhundert wurde die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde 1837
mit 440
Personen erreicht (28,4 % der Gesamteinwohnerschaft von 1.550 Personen). In
der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts verzogen viele Baiersdorfer Juden in die
Städte (viele nach Erlangen und Nürnberg) oder wanderten aus, sodass die Zahl der Einwohner schnell zurückging:
1867 153 jüdische Einwohner (11,3 % von insgesamt 1.332 Personen), 1871 128
(10,1 % von 1.271), 1880 86 (6,1 % von 1.411), 1890 55 (4,4 % von 1.264), 1900
33 (2,5 % von 1.393).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde Synagoge (s.u.), ein
rituelles Bad, eine jüdische Schule und
einen Friedhof. Nach der Auflösung des Rabbinates 1888 waren die jüdischen
Lehrer die wichtigsten
Personen für die meisten kultischen Aufgaben der Gemeinde. Als 1914
(siehe unten bei den Ausschreibungstexten) die Stelle
noch einmal ausgeschrieben wurde, verband man mit der Ausschreibung die
Hoffnung, dass der Vorsänger in seiner Familie einige über 13jährige Söhne
habe, die helfen würden, den bereits in Gefahr geratenen Minjan (notwendige
Zehnzahl der jüdischen Männer für einen Gottesdienst) zu sichern.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Ernst Hirschkind
(geb. 14.8.1892 in Baiersdorf, gef. 21.6.1916) und Unteroffizier Max Hirschkind
(geb. 15.11.1896 in Baiersdorf, vor 1914 in Nürnberg wohnhaft, gef. 26.11.1917). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal der bürgerlichen Gemeinde unweit des protestantischen / jüdischen Friedhofes an der Forchheimer
Straße sowie auf dem Kriegerdenkmal an der Stadtpfarrkirche.
Um 1925, als nur noch 12 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (0,92
% von etwa 1.300 Einwohnern), war Vorsteher der Gemeinde Philipp Hirschkind. 1932
wird als Vorsteher Ludwig Kohn genannt.
1933 wurden 19 jüdische
Einwohner gezählt. Von ihnen emigrierten bis zum Novemberpogrom 1938 16
Personen oder verzogen in andere Orte (fünf nach Nürnberg). Sechs emigrierten
in die USA, drei nach Frankreich, einer nach Litauen. Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.), die letzten drei in Baiersdorf
gebliebenen Juden wurden aus ihren Wohnung geholt und nach Erlangen gebracht.
Zwei von ihnen (Ehepaar Cohn) durften nicht in ihre inzwischen zerstörte
Wohnung zurückkehren. Sie zogen nach Fürth, wo sie später starben. Eine Frau überlebte
in Baiersdorf in "privilegierter Mischehe".
Von den in Baiersdorf geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Babette Dilsheimer
(1864), Oskar Fleischmann (1887), Theobald Hirschkind (1874), Ludwig Kohn (1885),
Helena Kilsheimer (1874), Dr. Siegfried (Sami) Lichtenstädter (1865, s.u.), Hannchen Straus geb.
Lohmann (1862), Julius Wassermann (1864), Philipp Weil (1857), Max Weißmann
(1871).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte des
Rabbinates in Baiersdorf
Überlegungen zur Vergrößerungen des Rabbinates Baiersdorf (1852)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. September
1852: "Der Anschluss der den Schwabacher
Rabbinatsdistrikt mit gebildet habenden Gemeinden an Oettingen hat die
Bestätigung königlicher Kreisregierung, weil außer dem Regierungsbezirk
gelegen, nicht erhalten und ist besagten Gemeinden, wenn sie auf
Auflösung des hiesigen Rabbinats bestehen und da die Eisenbahn das
wesentliche Motiv des Anschlusses bilden soll, Baiersdorf empfohlen
worden. Gut für Wassertrüdingen,
für welches die nötige Fassionssumme noch immer nicht völlig
aufzubringen war." |
Zum Tod des letzten Baiersdorfer Rabbiners: Wolf Cohn
(gestorben am 16. Januar 1888)
Baiersdorf,
18. Januar (1888). Am 16. dieses Monats verschied hier der
Distriktsrabbiner Wolf Cohn, wahrscheinlich der letzte seines Standes in
hiesiger Gemeinde. Heute fand das feierliche Leichenbegängnis statt, und
gestaltete sich zu einer seltenen Feier, nicht nur, weil der Bezirksamtmann, der
Stadtpfarrer, die Ortsbehörde und fast die gesamte erwachsene Einwohnerschaft
dem Sarge folgten, sondern auch weil an jener alle Parteien in seltenem
Einverständnis teilnahmen. Es erweist sich dies durch die Berichte, welche
sowohl der freisinnige 'fränkische Kurier', als auch das Organ der
evangelischen Pietisten, die konservative 'Suddeutsche Landpost' vom 21. dieses
Monats bringt, sodass dieser Vorgang einen allgemein interessierenden Charakter
angenommen. Wir geben deshalb den Bericht des letzteren Blattes, der zugleich
der ausführlichere ist. |
Er
lautet: 'Heute wurde dahier mit großen Ehren der Distriktsrabbiner Wolf
Cohn, ein 75 1/2jähriger Mann, zu Grabe gebracht. Er wurde sehr geehrt;
die Ehre aber, die ihm gegeben wurde, war nicht Lobhudelei, sondern
Wahrheit. Gar manchmal, wenn Leute im Bahnzuge den ehrwürdigen Mann
fahren sahen, fragten sie: was ist das für ein Pfarrer? Von den Fehlern,
die man, sei es mit Recht oder Unrecht, gerne seinen Volksgenossen
vorwirft, war er vollständig frei. Dagegen zierte ihn die aufrichtigste
Demut und Bescheidenheit. Dabei war der Mann aber reich an Wissen und
Bildung. Als der berühmte alttestamentliche Theologie Dr. Delitzsch (nun
bekanntlich in Leipzig) noch in Erlangen lehrte, kam er häufig zu ihm
nach Baiersdorf, um noch mehr über das Judentum zu lernen. Diesen Umstand
hob die in der Synagoge gehaltene, sehr wohlgelungene und sehr maßvolle
Rede des Rabbiners von Fürth Dr. Neuburger über Maleachi 2,5-7 mit
Wärme hervor. Auch sonst kamen je und je studierende Theologen von
Erlangen in gleicher Absicht wie einst Delitzsch zu ihm hinaus. Er pflegte
für solche Lektionen kein Honorar anzunehmen. Der letzte dieser Schüler
war Repetent Engelhardt von Erlangen. Es war in der Tat ergreifend, die
warmen Worte des Dankes zu hören, die er am Grabe des Rabbiners, nachdem
alles andere vorüber war, demselben nachrief, und die sichtlich aus
tiefstem Herzen amen. Auch was mehrere jüdische Redner vorher am Grabe in
kurzen Worten geredet hatten, machte denselben Eindruck. Der Nürnberger
Rabbiner, Dr. Ziemlich, der auch unter diesen sich befand, hob den Umstand
hervor, dass mit dem greisen Rabbiner Cohn, wahrscheinlich auch das
Rabbinat Baiersdorf zu Grabe getragen werde (es wird wahrscheinlich, da
die Zahl der Israeliten dahier von früher 500 auf 60-70 heruntergegangen
ist, an einen anderen Ort verlegt werden). Der Fürther Rabbiner hatte in
seiner Synagogenrede auch erzählt, wie in noch früherer Zeit der
Baiersdorfer Rabbiner der Oberrabbiner über alle Rabbiner des
Fürstentums Bayreuth gewesen sei, und wie daher meistens hochgelehrte
Männer, z.B. Hirsch, Vater und Sohn, und Diespecker, Vater und Sohn,
diese Stelle innegehabt hätten. Aus der ganzen Feier aber bekam man den
Eindruck, welche hohen Graben und Kräfte noch immer diesem Volke
beiwohnen.'
Über den letzten Passus schreibt uns Herr Dr. Neuburger: "Was von
den Vorgängern des seligen Cohn hier erzählt ist, beruht teilweise auf
einem Gedächtnisfehler des Korrespondenten. Der Vater Diespecker war
Rabbi David Diespecker, zuerst hier Parnas, dann Dajan in Metz und zuletzt
Rabbiner in Baiersdorf, Verfasser des Pardes David.
Seine Vorgänger aber waren nicht "Hirsch, Vater und Sohn",
sondern die Brüder Berlin von hier, und zwar Rabbi Chajim Hirsch Berlin
(nachmals in Bamberg, Mainz und Hamburg Rabbiner und Rabbi Lob Berlin
(zuletzt Königlich Westfälischer Konsistorialrabbiner in Kassel).
Cohns Biographie ist einfach: Er war im Juli 1912 in Baiersdorf geboren,
absolvierte das Gymnasium in Erlangen, studierte dann in Erlangen und München,
übernahm 1840 die Kantorstelle und 1848 nach Rabbi Diespeckers Tod das
Rabbinat.
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Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des
Lehrers, Vorbeters und Schochet 1871 und
1914
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Januar 1871: "Erledigte
Lehrerstelle. Bei der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde wird am
1. Januar kommenden Jahres die Stelle eines Religions- und
Elementarlehrers mit einem Fixum von 350 Gulden nebst freier Wohnung, Holz
zur Beheizung der Schule und nicht unbedeutenden Nebeneinkünften vakant.
Bewerber, bei denen die Fähigkeit zum aushilfsweisen Kantordienste
erwünscht wäre, wollen ihre Gesuche nebst Zeugnissen bis längstens zum
15. Januar kommenden Jahres an den Unterzeichneten franco einsenden.
Baiersdorf (Bayern), den 18. Dezember 1870. Der Kultusvorstand: W.
Springer". |
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Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. April
1914: "Erledigte
Schulstelle. Infolge Todesfalls ist die Stelle eines seminaristisch
gebildeten Religionslehrers, Vorbeters und Schächters baldmöglichst
wieder zu besetzten. Gehalt Mk. 1200.-, Nebeneinnahmen und schöne freie
Wohnung. Wenig anstrengender Dienst, viel freie Zeit. Größerer Familienstand,
namentlich an Haussöhnen, die Barmizva sind, erwünscht. Kinder können, zu
Hause wohnend, im nahen Erlangen (Eisenbahn 7 km) Realschule, Gymnasium,
Universität, höhere Töchterschule, Lehrerinnenseminar besuchen, ebenso kann
Herr Lehrer selbst sich auf der Universität weiter ausbilden. Gesuche mit
Lebenslauf und beglaubigten Zeugnisabschriften bis 15. Mai an die Verwaltung
der Israelitischen Kultusgemeinde Baiersdorf, Bayern." |
Auswanderung des jüdischen Lehrers Dr. Dessauer nach Amerika (1853)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. März 1853:
"Die Auswanderung nach Amerika entführt uns einen unserer
tüchtigsten Lehrer, Herrn Dr. Dessauer zu Baiersdorf, Verfasser mehrerer
literarischer Werke. Lobend muss der Gemeinde Erwähnung geschehen, die
nicht, wie anderwärts, auf eine Schmälerung der Fassion, noch auf
Verzögerung der Besetzung oder gar Auflösung der Schule hinarbeitet,
sondern dieselbe bereits rechtzeitig und in früherer Weise ausgeschrieben
hat. Möchte sie bei ihrer Wahl auch nur die sittliche und pädagogische
Tüchtigkeit der Bewerber ins Auge nehmen." |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Spende aus Amerika 1904
Artikel
im Frankfurter Israelitischen Familienblatt vom 2. September 1904:
"Baiersdorf (Bayern). Die Herren Seligmann, Chefs der bekannten
Bankfirma in Frankfurt a.M., Paris, London und New York, haben unserem
Städtchen 10.000 Mark zum Gedächtnis an ihre dort begrabenen Eltern
geschenkt mit dem Bemerken, sie würden, wenn diese Summe nicht für eine
Kinderbewahranstalt ausreichen sollte, auch für die Mehrkosten aufkommen.
Der Bau ist indessen durch andere Gaben gesichert". |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Zum Tod des aus Baiersdorf stammenden Rabbiners Dr. Joseph Aub
(1880)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Juni 1880:
"Berlin, 25. Mai (1880). So ist abermals ein Veteran des
zeitgenössischen Rabbinismus heimgegangen! Am 22. verschied sanft
Rabbiner Dr. Joseph Aub im 76. Lebensjahre. Geboren 1805 in Baiersdorf
bei Erlangen, fungierte er zuerst als Rabbiner in Bayreuth (1830-1850),
dann in Mainz und seit 1866 in Berlin, wo er vor einigen Jahren in den Ruhestand
trat. Seine literarischen Arbeiten sind nicht umfänglich, zeugen aber von
der Gesinnungstüchtigkeit und Sachkenntnis ihres Verfassers. Sie sind,
wie seine 'Betrachtungen und Widerlegungen', 2 Hefte (1839) und spätere
Broschüren polemischen Inhalts auf theologischem und staatsrechtlichem
Gebiete. Im Jahre 1846 gab er eine Wochenschrift 'Sinai' heraus, die er
jedoch bald wieder aufgab. Seine letzte Schrift, eine Religionslehre auf
wissenschaftlichem Grunde, hat Wert. Aub gehörte zu der Schule der
Reformer, welche bei aller Selbständigkeit doch die Reformen an das
Herkommen und an Aussprüche der Talmudisten anzuknüpfen suchen. Er nahm
an den Rabbinerversammelungen keinen Anteil, desto lebhafteren an den
beiden Synoden, wo er als Referent tätig war. Bei allem Ernst seines
Strebens hatte er einen humoristischen Zug, der ihm im geselligen Verkehre
sehr liebenswürdig machte. - Gestern Vormittag fand die Beerdigung statt.
In der großen Synagoge unter Teilnahme einer die weiten Räume dicht
füllenden Menge, des gesamten Gemeindevorstandes, Deputationen aus
Leipzig und Mainz sowie Mitglieder beider städtischen Behörden, hielt
Dr. Frankl die Leichenrede, während Dr. Ungerleider das Gebet auf dem
Friedhof vortrug." |
Zum Tod des Geheimen Kommerzienrates Ludwig Ritter von Gerngroß (1839
Baiersdorf - 1916 Nürnberg)
Anmerkung: Ludwig Ritter von Gerngros ist am 1. Mai 1839 in
Baiersdorf geboren [Geburtshaus Forchheimer Straße 3, siehe Fotos unten]. Er ließ sich in Nürnberg als Hopfenhändler nieder. Seine
wirtschaftlichen Erfolge setzte er zur Förderung städtebaulicher Projekte ein
(Stifter der Kopie des Neptunbrunnens, Förderer des Kaiser-Wilhelm-Denkmals am
Egidienberg). Von 1908 bis 1916 gehörte er dem Verwaltungsausschuss des
Germanischen Nationalmuseums an. Seit 1901 war er Ehrenbürger der Stadt
Nürnberg; 1909 wurde er mit der Goldenen Bürgermedaille der Stadt Nürnberg
ausgezeichnet. Eine Straße in Nürnberg ist nach ihm benannt. Er starb am 3.
Oktober 1916 in Nürnberg.
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6. Oktober
1916: "Nürnberg. Geheimer Kommerzienrat Ludwig Ritter von Gerngroß,
Ehrenbürger der Stadt Nürnberg, ist verschieden. Gerngroß wurde 1839 in
Baiersdorf geboren. Im März dieses Jahres feierte er noch mit seiner Frau
Julie geb. Tuchmann aus Dessau die goldene Hochzeit. Er hat sich um
Nürnberg in künstlerischer und sozialer Hinsicht große Verdienste
erworben." |
Aus der Zeit des Ersten Weltkrieges: Ernennung von Julius Strauß zu Leutnant
(1918)
Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 15. März
1918: "München. Martin Marx, Sohn des Bankiers Simon Marx, und Max
Strauß, Sohn des Julius Strauß in Baiersdorf, wurden zu Leutnants
befördert." |
Zum 70. Geburtstag des aus Baiersdorf stammenden Siegfried Lichtenstädter
(1935)
Anmerkung: Siegfried Lichtenstaedter ist am 8. Januar 1865 in Baiersdorf
geboren, 1942 im Ghetto Theresienstadt umgekommen.
Artikel
in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 1. Januar 1935:
"70. Geburtstag. Am 8. Januar 1935 begeht eine eigenartige
literarische Persönlichkeit den 70. Geburtstag: Siegfried
Lichtenstaedter, geboren in Baiersdorf (Mittelfranken) als Sohn des
Kaufmanns und Talmudforschers Wolf Lichtenstaedter, studierte
Sprachwissenschaft, dann Jurisprudenz, und trat nach seinem juristischen
Staatsexamen in den bayerischen Finanzdienst, und zwar in die
Rechnungskammer, eine Filiale des Rechnungshofes. Mit Erreichung der
Altersgrenze ist Lichtenstaedter als Oberregierungsrat in den Ruhestand
getreten. Die Schriften Lichtenstaedters liegen auf dem Gebiete der
Volkspsychologie und Politik, namentlich der orientalischen Völker, für
die er schon auf der Universität durch umfassende sprach- und
ethnographische Studien den Grund gelegt hatte. Allgemeine Bedeutung
haben: Kultur und Humanität (1897) und Natur und Kultur (1909; die sich
durch Scharfsinn und realistische Auffassung auszeichnen. Daran reihen
sich Schriften über die türkische Frage: 'Die Zukunft der Türkei'
(1898) usw. Im Weltkrieg fand sein Vorschlag des
'Bevölkerungsaustausches' Beachtung (Nationalitätenprinzip und
Bevölkerungsaustausch, 1917 u.a.). Die Leser dieser Zeitschrift
interessieren besonders die zahlreichen Schriften Lichtenstaedters, die
sich mit dem Judentum befassen. Lichtenstaedter beteiligte sich an der
Diskussion über 'Bibel und Babel' (1903, 1922), sowie über die
Schächtfragen (1927ff). Köstlich ist seine 1926 erschienene
Satire: 'Anti9semitica'. Ernst, allzuernst treten andere jüdische
Schriften auf: 'Jüdische Religion' (1921), 'Praktisches Judentum' (1931),
'Jüdische Politik' (1933). Dem Zionismus gegenüber nimmt Lichtenstaedter
eine kritische Stellung ein (1918, 1920).
Der Verbreitung der Schriften Lichtenstaedters hat Eintrag getan der
Umstand, dass sie lange Zeit pseudonym erschienen, und zwar unter
verschiedenen Pseudonymen (Mehemed Emin Effendi, Ne'man); ferner dass sie,
mit Ausnahme der beiden an erster Stelle genannten, meist der
Gelegenheitsliteratur angehören; endlich die Rigorosität seiner
Forderungen: Mahn- und Scheltworte (1933), zumal wenn sie ausgiebig nach
allen Seiten erteilt werden, sind eben im allgemeinen nicht beliebt.
Wir wünschen dem Jubilar noch viele Jahre, schon deshalb, damit er Zeit
findet, sein allzu zersplittertes Lebenswerk durch straffe Zusammenfassung
derjenigen Gedanken zu krönen, die von bleibendem Wert sind. Dabei will
ich nicht mit dem Bekenntnis zurückhalten, dass nach meiner Ansicht die
Stärke Lichtenstaedters in der politischen Satire liegt. Schon jetzt sei
Freunden dieser Literaturgattung, außer der oben erwähnten Schrift
'Antisemitica' empfohlen: 'Das neue Weltreich', 1902, 'Moralische
Erzählungen', 1914. Arthur Cohen" |
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Zu Siegfried Lichtenstaedter:
 | Publikation
im Luedde-Verlag (vgl. Abbildungen oben mit Porträt von Lichtenstaedter
und Buchtitel):
Siegfried Lichtenstaedter / Jussi U. Isaksen: Der
Jüdische Exekutor. Erschienen 2006. ISBN 3-937028-01-3
Siegfried Lichtenstaedter wurde am 25. Juni 1942 mit Transport II/9 von
München aus in das Ghetto Theresienstadt deportiert und ist dort im selben
Jahr umgekommen.
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Zur Geschichte der Synagoge
Eine Synagoge wird erstmals 1530 genannt, dürfte jedoch auf das 15.
Jahrhundert zurückgehen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Synagoge
zerstört; nach dem Krieg 1651 wiederhergestellt. 1711 wurde eine neue
Synagoge erstellt. Hierbei handelt es sich um ein stattliches Gebäude, das
durch den einflussreichen Hoffaktor Samson Salomon finanziert wurde. Die
Einweihung war am 14. September 1711 (zum jüdischen Neujahrsfest 5472). An den
Stifter erinnerte eine Inschrift in der Vorhalle zum Männerraum, wo sein Name
genannt wurde: "Simson, Sohn des Chawer Judah Selke und seiner Gattin
Rebekkah, Tochter des Raw Hirsch, Dajans von Wien").
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert; das gesamte
Inventar mit den Ritualien, darunter kostbare Gegenstände von hohem Alter,
wurde zerstört. Die Synagoge wurde wenig später abgebrochen. Auch das rituelle
Bad wurde vernichtet.
Das Grundstück wurde nach 1945 mit einem Wohn- und Geschäftshaus
(Sparkasse) neu
bebaut. 1986 wurde eine Gedenktafel angebracht.
Adresse/Standort der Synagoge: Judengasse (frühere Anschrift:
Judengasse 146).
Fotos
(Historische Fotos von Theodor Harburger, Aufnahmedatum
20. Juli 1927; Quelle: Central Archives for the
History of the Jewish People, Jerusalem;
veröffentlicht in Th.
Harburger: "Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern.
1998 S. 49-57).
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Außenansicht der Synagoge
von
Südwesten |
Außenansicht von Südosten
mit Blick über den jüdischen Friedhof |
Innenansicht mit Blick zum
Toraschrein |
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| Leuchter in der Synagoge |
Tora-Vorhang. Am 25. Mai 1937
zur Aufbewahrung in die Synagoge Bamberg verbracht |
Inschriften in der Vorhalle
zum Männerraum. Im Kreis: Erinnerungstafel an den Stifter Simson |
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Judengasse /
Synagogenplatz / Kriegerdenkmale
(Fotos - wenn nicht anders angegeben -: Hahn, Aufnahmedatum:
20.10.2007)) |
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| Straßenschild |
Die Judengasse in
Baiersdorf - aus unterschiedlichen Richtungen gesehen |
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| Vor und im
"Meerrettichmuseum" in der Judengasse 11 |
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Erinnerungen an
die jüdische Geschichte: Hinweistafel zum jüdischen Friedhof sowie Fotos
aus der jüdischen Geschichte |
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| Außen- und
Innenaufnahmen der ehemaligen Synagoge - ausgestellt im Eingangsbereich
zum "Meerettichmuseum" |
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Synagogengrundstück
und Gedenktafel |
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Das an Stelle der ehemaligen
Synagoge erbaute Gebäude |
Die Gedenktafel für die
Synagoge
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Kriegerdenkmal an der
Forchheimer Straße |
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Die Namen von Ernst und Max
Hirschkind auf dem Kriegerdenkmal |
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Kriegerdenkmal
an der Stadtpfarrkirche
(Fotos: Jürgen Hanke, Kronach) |
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Auch auf dem
Kriegerdenkmal an der Stadtpfarrerkirche sind die Namen von Ernst und Max
Hirschkind eingetragen |
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Ehemaliges Haus der
Familie Gerngros in Baiersdorf
(Fotos: Jürgen Hanke, Kronach) |
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Ehemaliges Haus Gerngros in
Baiersdorf (Forchheimer Straße 3) mit Inschriftentafel und Text: "In diesem Hause wurden geboren:
am 1. Mai 1839 Ludwig Ritter von Gerngros, kgl. Geh. Kommerzienrat - am
28. September 1843 Wilhelm Ritter von Gerngros, kgl. Kommerzienrat, beide
Ehrenbürger hiesiger Stadt." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica III,2 S. 72-73. |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 161-162. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 145-146. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 280-292.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Baiersdorf (Yiddish Fayersdorf
etc.) Middle Franconia. Jews may have been present as early as the 14th century
and constituted one of the most important communities in the Bayreuth margravate
in the 16th century. In 1702 Baiersdorf was fixed as the seat of the
margravate's chief rabbi, a position occupied since 1728 by one of the sons of
Glueckel of Hameln, the famous female diarist. In 1717 residence was restricted
to one son per family and various trade restrictions were added in 1771. In
1837, the Jewish population was 440 (total 1.550), thereafter declining rapidly
and numbering only 19 in 1933. All but one of the Jews left by 1938, ten
emigrating.

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