Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Baiersdorf (Kreis Erlangen-Höchstadt)
Jüdischer Friedhof 
(erstellt unter Mitarbeit von Horst Gemeinhardt, Baiersdorf)    
  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde           
   
Siehe Seite zur Synagoge in Baiersdorf (interner Link)  
  
  
Zur Geschichte des Friedhofes      
 
Vgl. Beitrag von Horst Gemeinhardt zum jüdischen Friedhof in Baiersdorf (pdf-Datei)     
   
Der jüdische Friedhof in Baiersdorf wurde vermutlich noch im 14. Jahrhundert (um 1388) angelegt. Er war lange Zeit zentrale Grabstätte für die Juden der Fürstentümer Kulmbach-Bayreuth und Ansbach und teilweise auch die des Hochstiftes Bamberg. Die ältesten erhaltenen Steine sind vermutlich noch aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts. Der jüngste Grabstein ist von 1938 (Helene Strauß geb. Engel). Insgesamt sind etwa 1.130 Grabsteine erhalten. Unter den Beigesetzten sind auch bekannte Rabbiner (bis 1894 war Baiersdorf Sitz eines Distriktrabbinates). Die Fläche des von einer massiven Steinmauer umgebenen Friedhofes umfasst 47,56 ar. Das Friedhofsgrundstück ist - entsprechend den vorgenommenen Erweiterungen  - in drei große Grabfelder gegliedert. 1980 wurde ein Gedenkstein zum Gedenken an die in der NS-Zeit aus Baiersdorf und Umgebungen ermordeten jüdischen Personen aufgestellt.
   
In der NS-Zeit wurde der Friedhof im April 1937 erstmals geschändet (vermutlich durch Kinder). Beim Novemberpogrom 1938 wurde der Friedhof erneut geschändet. Danach wurde der Friedhof während der NS-Zeit als Maulbeerbaumplantage zur Zucht von Seidenraupen verwendet. 
 
Nach 1945 wurde der Friedhof wieder hergerichtet, doch sind bis heute viele Zerstörungen der NS-Zeit erkennbar. Etliche Grabstätten gingen verloren.  
  
Baiersdorf PA 29062013.jpg (710477 Byte)Im Sommer 2013 wurde der Friedhof durch Studierende der Universität Bamberg dokumentiert (3D-Dokumentation, siehe Pressebericht links: Artikel von Dieter Köchel in den "Erlanger Nachrichten" vom 29. Juni 2013: "Grabstätte in 3D - Bamberger Studenten vermessen jüdischen Friedhof"). 
 
 
 
 
     

Informationsblätter zum Friedhof - erstellt von Horst Gemeinhardt       
Baiersdorf G Friedhof ue01.jpg (261235 Byte) Baiersdorf G Friedhof ue02.jpg (227857 Byte) Baiersdorf G Friedhof ue03.jpg (258958 Byte) Baiersdorf G Friedhof ue04.jpg (197323 Byte)
Daten zur Geschichte des 
Friedhofes  
Beispiele von 
Grabsymbolen 
Besonderheiten des jüdischen
 Friedhofes in Baiersdorf  
Historische Fotos 
des Friedhofes  

   

Hinweis auf die Auffindung und Wiederanbringung der Grabplatte Rösla Lederer s.A.  
Im Bauschutt der in den 1960er-Jahren eingestürzten Friedhofsmauer wurde eine nicht identifizierbare Grabplatte aus Zinn gefunden und von Nachbarn aufbewahrt. 2007 wurde sie an Horst Gemeinhardt übergeben, der sie in Absprache mit dem Landesverband weiter aufbewahrte. Dieser ließ sie dann restaurieren, in Stein neu rahmen und an der Friedhofsmauer 2010 anbringen. In der Zwischenzeit gelang die Identifizierung: Es handelt sich um die Grabplatte der im Kindbett 1845 verstorbenen Rösla Lederer aus Forchheim. Ihr Mann war dort Zinngießermeister gewesen. Die Details zur Geschichte der Familie und zur Wiederanbringung sind enthalten im unten (Literaturverzeichnis) genannten Beitrag von Horst Gemeinhardt Wurzelwerk 2 2012  oder können detailliert mit Fotos beim Autor angefordert werden. (H. Gemeinhardt Hutzelmannstr. 5  91083 Baiersdorf  Tel. 09133-2774)  


   
   
Lage des Friedhofes    
 
Baiersdorf G Friedhof K01.jpg (244143 Byte)Der Friedhof liegt innerhalb der Stadt östlich der "Judengasse", südlich des evangelischen Friedhofes. Dabei liegt der jüdische Friedhof historisch innerhalb der Stadtmauer; der evangelische Friedhof (seit 1720) außerhalb der Stadtmauer. 
Die Lage des Friedhofes mitten in der Stadt beziehungsweise am Rande der Altstadt weist darauf hin, dass sich in Baiersdorf ein städtischer Judenfriedhof seit dem Mittelalter erhalten hat. Im fränkischen Landjudentum lagen die Friedhöfe immer außerhalb des Ortes. 
Der Zugang zum Friedhof war bis zum Novemberpogrom 1938 beziehungsweise sogar noch nach der Zerstörung der Synagoge neben dem Synagogengebäude, danach zeitweise über das benachbarte Seligmannhaus, erst seit 1968 über ein an der Nordseite angebrachtes neues Tor.
Karte links erhalten von Horst Gemeinhardt
 
Besonderheiten des Friedhofes
-  Die Steine sind nach Westen - das heißt zur Synagoge bzw. zum Fenster über dem Toraschrein (Misrachfenster) - gerichtet. 
-  Es findet sich ein ausgeprägter Reichtum der religiösen Symbolik sowie der Namens- und Herkunftssymbolik.     
-  Besondere Grabreihen gibt es für Kinder am Nordrand, jedoch auch eine Kohanimreihe direkt hinter der einstigen Synagoge; die Kohanim nahmen vom Balkon des Taharahauses (hinter dem Wohnhaus des Rabbiners) an den Beerdigungen teil (das Taharahaus wurde 1951 abgebrochen)     
   
    
Fotos 
(Fotos: Jürgen Hanke, Kronach, außer Foto zweite Fotozeile rechts: Günter Katzer [aus Website Stadt Baiersdorf])

Die Informationstafel über den Friedhof 
in der ehemaligen Judengasse vor dem
 "Meerrettichmuseum" - schräg 
gegenüber der ehemaligen Synagoge
Baiersdorf Friedhof Info01.jpg (118880 Byte)   

Text der Informationstafel: "Baiersdorfer Judenfriedhof. Der hiesige Judenfriedhof ist der älteste der Markgrafschaft Kulmbach-Bayreuth und Ansbach. Er wurde wohl 1388, beim Wiederaufbau, nach der ersten Zerstörung der Stadt durch die Nürnberger, angelegt und zwar innerhalb der Stadtbefestigung. Auf diesem Friedhof fanden die Juden aus den Fürstentümern Kulmbach-Bayreuth und Ansbach, ihre letzte Ruhestätte, aber auch die Toten aus Judengemeinden des Hochstifts Bamberg. Die Toten aus dem bekannten Judenhof Tüchersfeld wurden ebenfalls in Baiersdorf beigesetzt. An den Grabsteinen hier ist die Assimilation der jüdischen Bevölkerung nachzuvollziehen. An den rituellen Zeichen ist zu erkennen, welche Stellung der Tote in der jüdischen Gemeinde bekleidet hat. Ein jüdisches Grab wird nur einmal belegt. An diesem 'Guten Ort' erwartet der Verstorbene den Jüngsten Tag. Auf dem Baiersdorfer Judenfriedhof kann man sehen, wie in der jüdischen Verwandtschaft das Thema 'Familiengrab' gelöst wurde. Zu sehen sind auch Gräber von berühmten Personen, z.B. das Grab von David Diespeck, einem der bekanntesten und berühmtesten Rabbiner seiner Zeit. Hier ist auch die letzte Ruhestätte des ersten Professors jüdischen Glaubens, der an der Friedrich Alexander Universität Erlangen ordiniert wurde, um nur zwei Beispiele zu nennen. Der jüdische Friedhof hat, wenn auch im Dritten Reich geschändet, die Zeiten überdauert. Seine Gräber und Steine bezeugen die wechselvolle Geschichte, nicht nur der Juden hier, sondern auch den Geist der Herrschenden, den Auf- und Abstieg von Orten und zeigt die gesellschaftlichen und sozialen Gegebenheiten der Geschichte auf." 

     
Baiersdorf Friedhof 015.jpg (37697 Byte) Baiersdorf Friedhof 016.jpg (36582 Byte) Baiersdorf Friedhof 010.jpg (44930 Byte)
Das Eingangstor Blick über den Friedhof Teilansicht
     
Baiersdorf Friedhof 020.jpg (58132 Byte) Baiersdorf Friedhof 021.jpg (46491 Byte)
Grabstein für Benjamin Markus
 (1846-1914), Lehrer und 
Kultusbeamter der Gemeinde
Gedenkstein mit Inschrift: "Den Toten zur Ehre und zum ewigen Gedenken an die jüdischen Bürger aus Baiersdorf und Umgebung, die in den Verfolgungsjahren 1933-1945 grausam umgekommen sind. Uns Lebenden zur Mahnung, den kommenden Geschlechtern zur eindringlichen Lehre"
       

Der Friedhof im Herbst 2007
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 21.10.2007)

 
Baiersdorf Friedhof 105.jpg (76331 Byte) Baiersdorf Friedhof 100.jpg (80335 Byte) Baiersdorf Friedhof 104.jpg (106149 Byte)
Weg von der Judengasse zum Friedhof  Blick auf das Eingangstor  Davidstern am Eingangstor 
  Das Foto oben in hoher Auflösung    
     
Baiersdorf Friedhof 102.jpg (82103 Byte) Baiersdorf Friedhof 101.jpg (113424 Byte) Baiersdorf Friedhof 103.jpg (69980 Byte)
Teilansicht vom Eingangstor  Hinweistafel 
Das Foto oben in hoher Auflösung  Das Foto oben in hoher Auflösung   
     
Fotos einzelner Grabsteine 
(erhalten von Horst Gemeinhardt)  
   
Baiersdorf G Friedhof ue07.jpg (272747 Byte) Baiersdorf G Friedhof ue08.jpg (148211 Byte) Baiersdorf G Friedhof ue10.jpg (170787 Byte)
Grabstein rechts für Landesrabbiner David 
ben Joel Dispeck
, Mitte für eine seiner 
Ehefrauen, links für Landesrabbiner/
 Distriktsrabbiner Simon Dispeck 
Grabmal des Rabbi Löw Gans 
aus Prag mit sprechendem 
Namenssymbol (Gans)
  (17. Jahrhundert) 
Kindergrab des Arnold Dispecker
mit einer umfangreichen 
Totenklage der Eltern 
   
Das Foto in hoher Auflösung   Das Foto in hoher Auflösung   Das Foto in hoher Auflösung  
     
Baiersdorf G Friedhof ue06.jpg (97232 Byte) Baiersdorf G Friedhof ue09.jpg (94654 Byte) Baiersdorf G Friedhof ue11.jpg (146419 Byte)
Grabstein des Stadtrats Benjamin (Benny) Kohn,
 Vorstand der Kultusgemeinde,
 Feuerwehrkommandant usw. 
(gest. 1916)  
Grabstein (geschändet in der NS-Zeit) für 
die Stammmutter Fanny Seligmann der
 Kindergarten-Stifterfamilie; ihre Kinder und 
ihr Mann David wanderten in die USA aus.
In der NS-Zeit geschändetes Grabmal 
des Erlanger Ehrenbürgers 
Prof. Dr. Jakob Herz (gest. 1871); Bericht 
zur Beisetzung auf Textseite zu Erlangen  
Das Foto in hoher Auflösung  Das Foto in hoher Auflösung  Das Foto in hoher Auflösung  
     
Baiersdorf G Friedhof ue05.jpg (172621 Byte) Baiersdorf Friedhof 13002.jpg (199462 Byte)  
Grabstein des letzten koscheren Metzgers 
und Schochet: Philipp Hirschkind 
(1851-1926) mit Levitenkanne 
Letzter offizieller Grabstein von 1938 
für Helene Strauß geb. Engel 
(1865 Baiersdorf - 1938 in Forchheim)  
 
     

  
    

Links und Literatur  

Links:   

Website der Stadt Baiersdorf mit Informationen zum Friedhof und dem oben aufgenommenen Foto von Günter Katzer.
Informationen zum jüdischen Friedhof von Horst Gemeinhardt: pdf-Datei in der Website der Stadt   
Informationsseiten zum jüdischen Friedhof Baiersdorf      
Informationsseiten und Dokumentation des jüdischen Friedhofes Baiersdorf -  www.judenfriedhof-baiersdorf.de 

Literatur:  

Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. 1988 S. 145-146.   
Michael Trüger: Der jüdische Friedhof in Baiersdorf. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern. 9. Jahrgang Nr. 62 vom Juni 1994 S. 13.
Spurensuche zur jüdischen Geschichte Baiersdorf. Ein Werkstattbericht von der historischen Quellensuche zur Erschließung der Geschichte einer erloschenen Gemeinde und ihres "guten Ortes". Baiersdorf 2012. Reihe: Baiersdorfer Wurzelwerk Heft Nr. 2. Preis 10 €. Erhältlich über die Stadtverwaltung.
Weitere Literatur siehe Beitrag von Horst Gemeinhardt zum jüdischen Friedhof in Baiersdorf (pdf-Datei). 
Artikel von Susanne Borée im Evangelischen Sonntagsblatt Rothenburg Jg. 2010 Ausg. 4: "Die Steine zum Sprechen bringen. Spurensuche auf dem jüdischen Friedhof in Baiersdorf und der Forchheimer Gemeinde" (pdf-Datei).  Direkter Link.  
Horst Gemeinhardt: Spurensuche zur jüdischen Geschichte Baiersdorf. Ein Werkstattbericht von der historischen Quellensuche zur Erschließung der Geschichte einer erloschenen Gemeinde und ihres "guten Ortes". Baiersdorf 2012. Reihe: Baiersdorfer Wurzelwerk Heft Nr. 2. Preis 10 €. Erhältlich über die Stadtverwaltung.  

  
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 08. September 2013