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Wassertrüdingen (Kreis
Ansbach)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Wassertrüdingen lebten Juden bereits im Mittelalter.
Ob es zur Bildung einer jüdischen Gemeinde mit eigenen Einrichtungen gekommen
ist, ist nicht bekannt. Spätestens in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts waren
jüdische Personen ansässig. Die Verfolgung 1298
("Rindfleisch"-Verfolgung) traf die Gemeinde. Erst in den
1340er-Jahren sind wieder jüdische Personen nachweisbar. 1343 lieh ein
Dopp von Dietenhofen 15 Pfund Haller bei Lewi von Wassertrüdingen. Der Jude Pfefferkorn,
Gläubiger Herzog Stephans von Niederbayern, war von 1346 bis 1347 hier
ansässig. Die Verfolgung während der Pestzeit 1348/49 traf auch die
Juden in Wassertrüdingen. 1382 verschreiben sich Abt Albrecht, Dekan
Heinrich und der Konvent des Klosters Ellwangen gegenüber dem Juden Isak von
Wassertrüdingen und seinem Bruder Bern zu Rothenburg. Juden aus
Wassertrüdingen wurden 1377 in Bayreuth, Kulmbach oder Hof aufgenommen, eine
jüdische Frau 1387 in Augsburg.
Ende des 15. Jahrhunderts gab es in Wassertrüdingen drei
"Judenhäuser" (1480). 1482 wird ein Wassertrüdinger Jude in Nördlingen genannt. Markgraf
Friedrich der Ältere von Ansbach-Bayern (1486-1515) erteilte 1511 einem oder
mehreren Juden Ausnahmeschutzbriefe für die Stadt. Auch in den folgenden
Jahrhunderten lebten möglicherweise kontinuierlich Juden in Wassertrüdingen.
1616 wird Jud Xander von Wassertrüdingen in Hainsfarth
genannt. Die Gemeinde hatte in ihrem Besitz die Abschrift eines vor 1650
begonnenen Memorbuches aus dem Jahr 1790.
Im 17. und 18. Jahrhundert hatte die Gemeinde als Rabbinatssitz eine
größere Bedeutung für die in der Region bestehenden jüdischen
Gemeinden. 1714 lebten 17 jüdische Familien in der Stadt, 1741 24; die
jüdische Gemeinde gehörte damals im Mittelfränkischen zu den wenigen
wohlhabenden Gemeinden. Im Laufe des 18. Jahrhunderts stieg die Zahl der
Familien am Ort weiter an: 1803 gab es 108 jüdische Personen in
Wassertrüdingen.
Aus dem 19. Jahrhundert liegen folgende Zahlen vor: 1811/12 126 jüdische
Einwohner (7,6 % von insgesamt 1.656), 1824 149, 1852 132, 1867 122 (6,9
% von insgesamt 1.763, in 25 Familien), 1880 68 (3,8 % von 1.773), 1900 47 (2,6
% von 1.776), 1910 27 (1,4 % von 1.910).
An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge (s.u.), ein
Gemeindehaus mit einer Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Gemeinde
gehörte nach Auflösung des eigenen Rabbinates seit der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts (1865) zum Distriktsrabbinat Wallerstein
(beziehungsweise zunächst Oettingen-Wallerstein), das in den 1920er-Jahren von
Ichenhausen aus versehen wurde (1932 gehörte Wassertrüdingen zum
Rabbinatsbezirk Ansbach). Zur Besorgung
religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. unten die Ausschreibungen
der Stelle). Die Toten der
jüdischen Gemeinde wurden in Bechhofen
beigesetzt.
Um 1924, als 31 jüdische Personen zur Gemeinde zählten (1,72 % von
insgesamt etwa 1.800 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Emil Emden
und Ludwig Kohn. Den Religionsunterricht der damals noch vier schulpflichtigen
jüdischen Kinder erteilte Lehrer Julius Sommer aus Wittelshofen (1932: zwei
Kinder). 1932 waren Gemeindevorsteher Emil Emden und Hugo Tannenwald.
Damals bestanden an jüdischen Vereinen neben dem Wohltätigkeits- und
Bestattungsverein Chewra Gemilut Chassodim (gegründet 1751; für
Männer) auch ein Israelitischer Frauenverein (unter Leitung von Emma
Winter; Zweck und Arbeitsgebiete: Hilfe in Krankheits- und Sterbefällen,
Unterstützung Hilfsbedürftiger). Wohlfahrtszwecken diente auch die "Mendel-Neumann-Stiftung"
(Vorsitzender Emil Emden).
1933 wurden noch 29 jüdische Einwohner in der Stadt gezählt (1,7 % von
insgesamt 1.736), Bis zum November 1938 verließen auf Grund der
zunehmenden Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts 20 von
ihnen die Stadt: 14 verzogen innerhalb von Deutschland (u.a. sechs nach Gailingen, fünf nach Fürth), sechs konnten auswandern (je drei in die USA und
nach Südafrika). Ein jüdischer Mann starb in dieser Zeit in Wassertrüdingen.
Beim Novemberpogrom 1938 wurden von Nationalsozialsten die Häuser der
Familien Max Winter und Salomon Nehm verwüstet. Dabei sprang die Frau von
Salomon Nehm aus dem Fenster ihres Hauses. Bis zum 6. Dezember 1938 verließen
die letzten acht in Wassertrüdingen lebenden jüdischen Personen die Stadt,
sieben von ihnen verzogen nach München. Im Januar 1939 wurde die Stadt
in der NS-Sprache für "judenfrei" erklärt.
Von den in Wassertrüdingen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Herbert Emden (1927),
Manfred Emden (1927), Natalie Gutmann geb. Nehm (1860), Max Kirschbaum (1871),
Richard Kohn (1885), Johanna Kramer geb. Reh (1871), Amalie Nehm (1864), Klara Nehm geb.
Winter (1883), Salomon Nehm (1872), Sofie Offenbacher (1884), Johanna Offenstadt geb. Sommer (1874), Doris
Pfefferkorn (1869), Gertrud (Tana) Reh (1867), Jette Reh (1866), Salomon Reh
(1879). Betty Rosenstein geb. Neumann (1869).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte des Rabbinates
Zum Tod des Rabbiners Joseph Löb Samuel Buttenwieser
(1852)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" von 12. Juli 1852:
"Am 20. dieses Monats verschied der Rabbiner Herr Buttenwieser in
Wassertrüdingen in einem Alter von 71 Jahren. Der alten Schulen seiner
Bildungszeit nach angehörig, wird er wohl den Jahren nach der älteste
Rabbiner in Bayern gewesen sein." |
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| Das weitere Bestehen des Rabbinates in
Wassertrüdingen war von einer damaligen, im folgenden Artikel kritisch
sogenannten "epidemischen Auflösungs- und Anschließungssucht"
bedroht. Ein finanzkräftiges Gemeindeglied, dem an einem eigenen Rabbiner
lag, wollte jedoch die sofortige Auflösung verhindern. |
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. August 1851:
"Bayern, Ende Juli. Was ich von dem Mangel an israelitischen Schulamtskandidaten
bei uns mitteilte, das kann ich nunmehr als Reiseerfahrung auch aus
Württemberg, auf die Gefahr hin, Ihrem wackern Korrespondenten aus jenem
Lande ins Handwerk zu pfuschen, berichten. In dem dortigen Landesseminar
zu Esslingen befindet sich seit drei Jahren kein israelitischer Seminarist
mehr, weshalb die Oberkirchenbehörde die Aufforderung ergehen ließ, dass
sich geeignete Jünglinge dem Schulfache wieder widmen mögen. Im Notfalle
will man Ausländer berufen. Auch Rabbinatskandidaten sind dort nicht mehr
vorhanden, während bei uns Überfluss an diesem Artikel ist. Eine
Rabbinatsstelle ernährt bei uns immer ihren Mann anständig, und einmal
zu ihr gelangt, ist man völlig Herr seiner Zeit, genießt eine achtbare
Stellung und kann verdienstlich wirken, was bei Lehrern nur in letzterer
Beziehung der Fall ist. Während aber das israelitische württembergische
Kirchen- und Schulwesen vor dem unsern schon das voraus hat, dass dessen
Diener nicht durch Wahlen auf breitester Grundlage, sondern durch
Ernennung platziert werden, krankt unser Rabbinatswesen überdies noch an
der epidemischen Auflösungs- und Anschließungssucht. Davon wird
jedoch in Folge des unermüdlichen Eifers eines reichen Mannes das
Rabbinat Wassertrüdingen eine Ausnahme machen. Dasselbe wird dem Sohne
des verstorbenen Rabbiners Buttenwieser zuteil werden. Dittenheim
etc. aber ist trotz seiner Stiftung anschließungslustig."
|
| Trotz des Engagement des im vorigen Artikel
genannten "reichen Mannes" gab es in der Folgezeit dennoch
finanzielle Schwierigkeiten für die weitere Bezahlung eines Rabbiners in
Wassertrüdingen. |
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. September
1852: "Der Anschluss der den Schwabacher
Rabbinatsdistrikt mit gebildet habenden Gemeinden an Oettingen
hat die Bestätigung königlicher Kreisregierung, weil außer dem
Regierungsbezirk gelegen, nicht erhalten und ist besagten Gemeinden, wenn
sie auf Auflösung des hiesigen Rabbinats bestehen und da die Eisenbahn
das wesentliche Motiv des Anschlusses bilden soll, Baiersdorf
empfohlen worden. Gut für Wassertrüdingen, für welches die
nötige Fassionssumme noch immer nicht völlig aufzubringen war." |
Vertretung des Rabbinates durch den Ansbacher
Rabbiner Grünbaum (1853)
Ob der im obigen Artikel genannte Sohn des Rabbiners Buttenwieser
vorübergehend Rabbiner in Wassertrüdingen werden konnte, ist
unwahrscheinlich.
Anfang 1853 wurde Rabbiner Grünbaum aus Ansbach zum Rabbinatsverweser in
Wassertrüdingen bestimmt.
|
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Januar 1853:
"Von Seiten der königlichen Regierung von Mittelfranken ist Herr
Rabbiner Grünbaum in Ansbach bis zum Ausgang der desfallsigen Wirren zum
Verweser der Rabbinate Dittenheim und
Wassertrüdingen ernannt
worden." |
| Der Widerstand in der Gemeinde gegen eine
Vertretung des Rabbinates durch einen auswärtigen Rabbiner war jedoch
immer noch groß, sodass die Regierung wenig später beschloss, das Rabbinat in Wassertrüdingen
nur bis Mitte 1853 durch einen auswärtigen Rabbiner zu besetzen: |
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Februar 1853:
"Bayern, Ende Januar (1853). Der Rekurs der Gemeinde Schwabach
und Konsorten gegen die Regierungsverfügung, welche den Anschluss an ein
außerkreisliches Rabbinat nicht gestatten wollte, war von dem beabsichtigten
Erfolg. Das königliche Staatsministerium hat dies erlaubt. Wahrscheinlich
als Konsequenz ist auch die Verwesung des Rabbinats Wassertrüdingen
durch einen anderen Rabbinen außer dem Regierungsbezirk auf erhobene
Beschwerde nunmehr, jedoch nur noch bis Ende Juni gestattet worden.
Desgleichen auch eine von den betreffenden Gemeinden erbetene dreijährige
Verwesung des Rabbinats Dittenheim
durch Herrn Rabbiner Grünbaum in Ansbach. Sie sehen, wir werden sehr
gnädig behandelt. Die Freiheit der jüdischen Kirche und ihre
Unabhängigkeit vom Staate ist eine Wahrheit geworden!" |
Beschreibung der Gemeindeverhältnisse und des
Rabbinates (1865)
Anmerkung: Trotz des ooben im Artikel von 1853 genannten Beschlusses der Regierung, das Rabbinat Wassertrüdingen nicht
weiter vertreten zu lassen, kann nach der nachstehenden "Beschreibung der
Gemeindeverhältnisse 1865" angenommen werden, dass das Rabbinat
Wassertrüdingen in den folgenden Jahren durch Rabbiner Dr. Feuchtwang
vertreten wurde, der von 1847 bis 1857 Rabbiner in Oettingen
war. Als er
eine Berufung nach Ungarn angenommen hatte, wurde das Rabbinat
Wassertrüdingen wiederum nicht mehr besetzt, sondern nun durch David Weiskopf,
Distriktsrabbiner in Wallerstein
vertreten (siehe unten, Dokument zur Grundsteinlegung der Synagoge). Rabbiner Weiskopf war in der Gemeinde
Wassertrüdingen sehr anerkannt, was schließlich - auch auf Grund der
zurückgehenden Zahlen der Gemeindeglieder - zur Auflösung des
Distriktrabbinates Wassertrüdingen geführt hat.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Januar 1865: "Als
Fortsetzung meiner im vorigen Jahrgang Ihrer weitverbreiteten Zeitschrift
enthaltenen Berichte, gebe ich Ihnen hiermit folgende Notizen: Wassertrüdingen, an der Eisenbahn gelegen, ehedem ein Rabbinatssitz, ist nunmehr
dem Rabbinatsbezirk Oettingen-Wallerstein einverleibt. Die aus nur 25
Familien bestehende Gemeinde besitzt eine neue, in sehr gefälligem Stile
erbaute, zweckmäßig eingerichtete Synagoge. Dem damaligen Landrichter
Herrn von Merz, nunmehrigen Bezirks-Amtmann in Dinkelsbühl, gebührt
hierbei das Verdienst, mit rastlosem Eifer den Bau dieser schönen
Synagoge gefördert und bewerkstelligt und sich auch sonst hierbei in sehr
toleranter und humaner Weise ausgezeichnet zu haben.
Rabbiner Weiskopf, der seit Berufung des ehemaligen Distrikt-Rabbiners Dr.
Feuchtwang nach Ungarn die Verwaltung des ganzen Rabbinats-Sprengels
übernommen, vertritt die streng-orthodoxen Ansichten konsequenter Weise.
Hierbei kann ich nicht umhin, eines schönen Erfolges und Sieges zu
gedenken und zur Kenntnis in weiteren Kreisen zu bringen, welchen
obengenannter, ehrwürdiger Rabbiner Weiskopf, in Verbindung mit anderen
gleichgesinnten Amtsbrüdern des schwäbischen Kreises, in neuerer Zeit
auf dem Gebiete der Gewissensfreiheit errungen. Bisher waren nämlich die
israelitischen Schüler - in jenen Gemeinden, wo besondere
Religions-Schulen bestehen - gehalten, sich beim Besuch der christlichen
Elementarschulen der daselbst eingeführten im rein christlichen Sinne
verabfassten Lehrbücher beim Lesen und Lernen zu bedienen. Dass man dann,
namentlich beim Unterricht in der biblischen Geschichte, mit unserer
israelitischen Religion, deren Gründsätzen und dessen unsterblichem
großen Stifter nicht immer aufs Glimpflichste verfuhr, und sich hierbei
nicht selten gar manche unser Volk und unsere heilige Religion verletzende
Bemerkungen erlaubte, dürfte wohl vielen Kollegen aus eigener Erfahrung
bekannt sein! Auf das fürs Gute sowie fürs Böse leucht empfängliche
und offene jugendliche Gemüt mussten solche Eindrücke notwendig
verderblich wirken; obgleich andererseits durch einen guten und
eindringlichen Religionsunterricht des israelitischen Religionslehrers
diese in der christlichen Elementarschule empfangenen Eindrücke wieder
zumeist paralysiert werden dürften. Diesen Übelstand bemerkend und
ermessend, hat es nun erwähnter Herr Rabbiner Weiskopf durch seine
Bemühungen, gemäß Ministerialreskript, durchgesetzt, dass ein
derartiger Zwang in den christlichen Elementarschulen beim Gebrauch der
vorgeschriebenen Lehrbücher gegen die israelitischen Schüler hinfort
nicht mehr geübt werden darf. So ist es nun an den treffenden Rabbinen,
Kultusvorständen und Lehrern, diese neue Errungenschaft auch in ihren
Kreisen, im Interesse der Religion und der auch uns garantierten
Gewissensfreiheit, auszubeuten und wo dies noch nicht geschehen, die
desfallsigen Schritte zu! Zum Heil und Segen der Gesamtheit!
J. Löwenmeyer. Lehrer." |
Beschreibung der Gemeindeverhältnisse und des Rabbinates (1866)
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Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1866
(zusammengefasst): "Nahe am Ries ist die Gemeinde Wassertrüdingen
(früher 30-40, jetzt ca. 20 Familien). Auch hier fungierten stets
bedeutende Rabbinen ...; und war auch hier ganz sicher das fleißige
Lernen auch mit fleißigem 'Lehren' verbunden. Auch hier - Gott sei Dank -
auch hier ist die jüdische kernige Gesinnung in Beziehung auf die Ahawat
HaTora (die Liebe zur Tora) erhalten, wozu das sehr rühmliche Beispiel
des Schwiegervaters des Rabbiners Dr. Freuchtwang Raw Hinle
HaCohen - er möge leben - wohl das Meiste
beiträgt." |
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Lehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle 1867 / 1870 / 1872 /
1877 / 1887
Anzeige
in der Zeitschirft "Der Israelit" vom 30. Januar 1867:
"Die hiesige israelitische Kultusgemeinde sucht einen Religionslehrer
und Chasan (Vorbeter) von streng religiösem Lebenswandel, vorerst
aber nur in provisorischer Eigenschaft. Auch die Schechita könnte
mit übernommen werden und sich dadurch die Stelle um Vieles verbessern.
Reflektierende wollen sich sogleich wenden an
David Kohn, Kultusvorstand. Wassertrüdingen, in
Bayern." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1867: "Wassertrüdingen
in Bayern. In hiesiger israelitischer Gemeinde ist die
Religionslehrerstelle, verbunden mit dem Vorbeten und der Schechita (Schächten)
und einem Erträgnisse von 550 bis 600 Gulden per Jahr vakant.
Reflektierende wollen sich sofort unter Beifügung ihrer Zeugnisse an
Unterzeichneten werden.
Wissenschaft in unserer Heiligen
Tora wird gewünscht. David Kohn". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juni 1870: "Wassertrüdingen
in Bayern. Die Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle dahier
mit einem jährlichen Einkommen von ca. 550 Gulden ist erledigt. Bewerber
orthodoxer Richtung belieben sich sofort an Unterfertigten zu wenden. Kultusvorstand." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1872:
"Die Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle in
Wassertrüdingen in Bayern ist zu besetzen. Fixes Gehalt 300 Gulden und
Nebeneinkünfte. Offerten mit Zeugnissen an den Kultusvorstand." |
| Die nächste Anzeige betrifft keine
Ausschreibung, jedoch wird der Name des Lehrers 1875 genannt: |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Februar 1875: "Unterzeichneter ist bereit, dahier zu jeder Zeit Hochzeitsmahle
zuzubereiten und anzunehmen. Achtungsvoll.
Ph. Heimann, Lehrer und Schochet.
Wassertrüdingen." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Februar 1877: "Wassertrüdingen
in Bayern. Die Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle dahier
wird vakant. Gesamterträgnis ca. Mark 1.100. Reflektanten werden ersucht,
sich sofort zu wenden an den Israelitischen Kultusvorstand". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1887: "Wassertrüdingen,
Bayern. Die Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle dahier,
erledigt sich per Ende März diesen Jahres. Einkommen Mark 1.000 und freie
Wohnung. Reflektanten wollen ihre Zeugnisse einsenden.
Der Vorstand der israelitischen Gemeinde." |
Zum Tod des Lehrers Moses Weismann (1866)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Dezember 1866: "Wittelshofen
(Bayern), den 29. November (1866). Wenn Ehrenmänner, fromme,
gesetzestreue Israeliten von dieser Welt scheiden, in welcher sie zum Heil
und Segen der Mit- und Nachwelt zeitlebens gewirkt, so ist sicherlich der
‚Israelit’ die würdigste Ruhmeshalle für das Andenken dieser Edlen,
das zu ehren vielleicht auch für Manche aneifernd sein wird, den
Heimgegangenen in ihrem frommen, edlen Wirken nachzuahmen. Wir erfüllen
heute mit schmerzlichst bewegter Seele die traurige Pflicht, zuvörderst
unserem Schmerz Ausdruck zu geben über den Hingang eines gar trefflichen
Freundes und treuen Kollegen, des allseits verehrten und geachteten
Lehrers Moses Weißmann in dem nahen Wassertrüdingen. Eine lange Reihe
von Jahren in seinem mitunter so dornenvollen Berufe tätig, entriss ihn
der unerbittliche Tod, zum größten Leidwesen seiner zahlreichen Freunde,
seinen Angehörigen, seiner an ihm mit aller Liebe und Verehrung
geketteten Gemeinde, seinem segensreichen Wirkungskreise in Schule,
Synagoge, Haus und Gemeinde. Während seines langen und schmerzhaften
Krankenlagers zeigte sich so recht die große Anhänglichkeit und Liebe,
die seine wackere Gemeinde gegen ihren berufstreuen Lehrer beseelte, auf
die unzweideutigste Weise.
Diese Beweise tätiger und aufopfernder Liebe, die ihm seitens seiner
braven Gemeinde unermüdlich und unverdrossen zuteil geworden, machten
wohl auf den Schwererkrankten den erhebendsten Eindruck und ließen ihn
mitunter das Herbe und Bittere seines Leidens vergessen. – Eingangs des
heiligen Sabbat Paraschat wajeze
haucht dieser edle, bescheidene Lehrer seine fromme Seele aus, zur ewigen
Sabbatruhe eingehend, daselbst für sein mühevolles Tagwerk reichen Lohn
empfangend. Seine Gerechtigkeit
strahle wie das Licht der sieben Tage! Und seine Ruhe sei zum ewigen
Leben!" |
Zum Tod von Julius Sommer - Lehrer in Wittelshofen
und Wassertrüdingen bis zum seinem Tod 1927
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 7.
Januar 1927: "Am Montag, dem 27. Dezember, wurde ein treuer Kollege,
Lehrer Julius Sommer von Wittelshofen,
zu Grabe getragen. Sommer, der am 16. Oktober 1858 in Höchheim geboren
war, wirkte von 1878 bis 1895 in den Gemeinden Geroldshausen-Kirchheim bei
Würzburg, und seit dieser Zeit, also über 31 Jahre, in Wittelshofen.
Viele Jahre hindurch betreute er auch die Nachbargemeinde Wassertrüdingen.
Fast vollzählig gab ihm seine Gemeinde das letzte Geleit zum weit
entfernten Begräbnisplatz in Schopfloch
und zeigte damit, wie sehr sie ihren Beamten schätzte. Vor dem
Trauerhause würdigte Bezirksrabbiner Dr. Munk (Ansbach)
in einem ehrenden Nachrufe die verdienstvolle Tätigkeit wie das
anspruchslos und bescheidene Wesen des Dahingeschiedenen, worauf die
Kultusvorstände von Wittelshofen und Wassertrüdingen dem
geliebten Lehrer und langjährigen geistigen Führer Worte warmer
Anerkennung und herzlichen Dankes widmeten. Am Grabe sprachen Lehrer
Rosenstein (Schopfloch) für den israelitischen Lehrehrverein, Hauptlehrer
Levite (Gunzenhausen) für die Bezirkskonferenz Ansbach und Lehrer
Erlebacher (Mönchsrot) als
Nachbarkollege. Tov schem mischemem tov! Der gute Name, den der
wackere Kollege hinterlassen hat, gereicht mit der trauernden Familie auch
dem Lehrerstande zur Ehre. Max Levite (Gunzenhausen). |
Berichte aus dem jüdischen
Gemeindeleben
Erweiterung des Friedhofes in Bechhofen - Einweihung
anlässlich der Beisetzung eines jüdischen Mannes aus Wassertrüdingen (1910)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Dezember
1910: "Bechhofen, 22. Dezember (1910). Es sei hiermit die
Aufmerksamkeit auf die altehrwürdige Synagoge in unserem Orte gelenkt,
welche Direktor Frauberger in Düsseldorf als eine große
Sehenswürdigkeit bezeichnet. Außen unscheinbar wie eine große
Bretterhütte, ist sie im Jahre 1691 (Anm. Jahr ist nicht korrekt) von
einem jüdischen Maler namens Elieser ben Schlomoh vom Fuß bis zum Giebel
mit eigenartigen Malereien bedeckt worden. Sehenswert ist auch der in
Bechhofen befindliche, über 400 Jahre alte Friedhof, welcher die Toten
der israelitischen Kultusgemeinden Bechhofen,
Colmberg, Cronheim, Heidenheim,
Leutershausen, Jochsberg und Wassertrüdingen
aufzunehmen bestimmt ist. Bis 1817 führte auch die Kultusgemeinde Ansbach,
bis 1885 Gunzenhausen und bis 1906 Altenmuhr
ihre Toten dahin. In letzter Zeit hat sich die Notwendigkeit gezeigt, den
Friedhof in Bechhofen zu erweitern. Am 1. Oktober wurde der Friedhof
seiner Bestimmung übergeben, zu welcher Feierlichkeit Herr
Distriktsrabbiner Dr. Kohn in Begleitung des Kultusvorstandes Jakob Weil
von hier erschienen war. Nach alter Sitte wurde unter den vorgeschriebenen
Gebeten der Rundgang im Friedhof gemacht. An diese Gebetfeier schloss
sich die Beerdigung eines in Wassertrüdingen verstorbenen Israeliten an,
welcher sich um das Zustandekommen der Friedhofserweiterung besondere
Verdienste erworben hat." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod des Gemeindevorstehers Gutmann 1866
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1866: Wittelshofen
(Bayern), den 19. Januar (1866). Wenn ein Mann dieser Welt entrückt wird,
dessen Hinscheiden allgemeine Bestürzung und Trauer verbreitet und dessen
Verlust von den verschiedensten Ständen und Klassen der Menschen
aufrichtigst beklagt – ja beweint wird; so mag schon hieraus der hohe
Wert und treffliche Charakter des Hingeschiedenen erhellen, und es demnach
gerechtfertigt erscheinen, den Namen des Verstorbenen in den Annalen
dieser, dem echten und unverfälschten Judentum dienenden Zeitschrift ein
ehrendes Denkmal zu setzen.
Auf diese einleitenden Betrachtungen führte uns die Trauerkunde von dem
im rüstigsten und strebsamsten Mannesalter zum größten Leidwesen seiner
zahlreichen Freunde und Angehörigen erfolgten Ableben des allgemein
verehrten Kultusvorstehers Gutmann in unserer Nachbargemeinde Wassertrüdingen.
- Derselbe bekleidete eine lange Reihe von Jahren das gewiss nicht
beneidenswerte Amt eines Kultusvorstehers. – In unseren Tagen, wo sich
in der Mitte der israelitischen Gemeinden gar häufig so mancherlei
Interessen begegnen, ja feindlichst gegenüberstehen und durchkreuzen, die
Kultus- und Gemeinde-Angelegenheiten gar häufig sich selbst überlassen
und von keiner höheren Zentral-Behörde überwacht und geregelt werden,
setzt wohl eine gute, allgemein befriedigende Verwaltung und Leitung der
Gemeinde-Angelegenheiten großen Takt, edle Besonnenheit und wahre
Selbstverleugnung und Gottesfurcht voraus. Diese schönen und seltenen
Tugenden, verbunden mit einem bescheidenen und wohlwollenden Wesen und
einem regen Sinn für echtes Judentum, die dem Verblichenen in hohem Maße
innewohnten, gewannen ihm auch die Herzen aller seiner Mitbürger, sowohl
jüdischen als auch christlichen Glaubens. Seine christlichen Mitbürger
betrauten ihn wegen seiner anerkannten Rechtlichkeit mit dem ehrenvollen
Amte eines Gemeinde-Bevollmächtigen, sowie eines Offiziers der Landwehr,
wobei er manches Gute und Segensreiche bewirkt. Über seinen Wert als
Mensch, Israelit und Bürger hat der zur Trauerfeierlichkeit berufene und
schnell herbeigeeilte ehrwürdige Distrikts-Rabbiner Weißkopf von
Wallerstein beredte und ergreifende Worte gesprochen, und mag daher auf
den nunmehr Verklärten das Wort unserer Weisen vollgültige Anwendung
finden: ‚Wer bei den Menschen beliebt, ist auch bei Gott angenehm.’
In diesem Worte sowie in der großen Hoffnung des hohen Lohnes
hochherziger Vorsteher Israels in jenen Sphären des Lichtes und der
Wahrheit, mögen seine, durch seinen frühen Hintritt, so tief betrübten
und schmerzlichst betroffenen Freunde und Angehörigen wieder baldigst
Trost und Beruhigung finden! Seine
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. J. Löwenmayer,
Lehrer." |
Zum Tod von Zierle Kohn 1875
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Dezember 1875: "Wassertrüdingen
(Mittelfranken). Obgleich das Schaffen und Wirken des Weibes sich der
weiten Öffentlichkeit zu entziehen pflegt und nur in dem Kreise des
Hauses und der Familie der Seelenadel einer Frau ganz und voll erkannt
werden kann, so war und ist, Gott sei Dank, Israel nicht arm an besonders
hervorragenden hehren Frauengestalten, welche auch über die Sphäre der Häuslichkeit
hinaus als leuchtende Vorbilder frommen Lebens verehrt werden, deren
Hinscheiden deshalb auch in weiteren Kreisen tief empfunden wird. Eine
solche Frau haben wir am 8. dieses Monats zu Grabe getragen. Frau Zierle
Kohn, Gattin des wegen seiner Kenntnisse in der Tora, seiner Gottesfürchtigkeit
und seiner guten Taten in ganz Bayern hochgeschätzten Herrn Hänlein
Kohn, hat ihre hieniedige Laufbahn vollendet. Was sie ihrem Gattin, mit
dem sie in fast 50jähriger Musterehe vereint gelebt, ihren Kindern,
Enkeln und Urenkeln gewesen, wie jedes einzelne Glied ihrer weit
verzweigten Familie auf sie mit Stolz und Verehrung hingeblickt, wie sie
unter den ihrigen als der von Gott entsandte Genius der Frömmigkeit, der
Gottesfurcht, des Friedens waltete, - und wie tief schmerzlich ihr
Scheiden dort gefühlt wird, das soll hier nicht ausgeführt werden. Wohl
aber mag es am Platze sein, der Empfindung Ausdruck zu verleihen, welche
außerhalb des engeren Familienkreises bei ihrem Ableben sich kundgibt.
Die Armen der ganzen Gegend, die dürftigen Durchreisenden, denen sie ein
Engel des Wohltuns gewesen, klagen über ihre Verlust; eine ganze Anzahl
von verwandtschaftlich fern stehenden Familien beweinen in ihr die weise
Ratgeberin, die liebevolle Trostbringerin, die freundliche Stifterin des
Friedens. Mit hellem Blicke und seltenem Verständnisse griff sie
segensreich in die verschiedensten Verhältnisse ein; vom frühen Morgen
bis zum späten Abend war sie rastlos für Andere tätig. Als sie vor
Jahren schwer erkrankte, veranstalteten ihre christlichen Mitbürger
Bittgebete in der Kirche für ihre Genesung; an ihrem Leichenbegängnisse
nahmen alle königlichen beamten der Stadt, die Geistlichkeit, der gesamte
Magistrat teil und aus jedem Hause ausnahmslos waren Vertreter entsendet,
um der allgemeinen Trauer Ausdruck zu geben.
In ihrer Jugend als Schönheit in der ganzen Gegend bekannt – man nannte
sie ‚die schöne Zierle’ – und gewährte sie im Alter das Bild jener
herzgewinnenden Persönlichkeiten, welche mit der Ruhe und Erfahrung des
Alters die ungebrochene körperliche und geistige Kraft der Jugend
vereinigen und durch ernst freundliche Sanftmut einen so mächtigen
Einfluss auf ihre Umgebung ausüben. Das Wort, welches sie stets auf den
Lippen hatte, war, ‚nur Schalom’, und den hat sie gepflegt und
verbreitet ihr Leben lang, bis sie nun endlich eingegangen ist zum
Schalom!" |
Zum Tod des Gemeindevorstehers David Kohn 1889
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Oktober 1889: "Wassertrüdingen,
20. Oktober (1889). Einen herben Verlust hat die hiesige israelitische
Kultusgemeinde erlitten. Nach kaum achttägigem Krankenlager verschied
unser allgemein geachteter Vorstand, Herr Kohn, am 28. Elul, im 62.
Lebensjahre, tief betrauert von seinen Angehörigen und seiner Gemeinde
und wurde am Erew Rosch Chodesch zu Grabe geleitet. An ihm hat
nicht nur seine Familie ihre Stütze, sondern auch unsere jüdische
Gemeinde ihr Oberhaupt und ihre Krone verloren. Seit mehr als 25 Jahren
widmete der Verblichene seine Tätigkeit der jüdischen Gemeinde und
waltete mit größter Gewissenhaftigkeit und Pünktlichkeit als Vorstand
seines Amtes. Fast 30 Jahre fungierte er als 1. Magistratsrat und
stellvertretender Bürgermeister in hiesiger Stadt, und stand bei allen,
die ihn kannten und mit ihm Umgang hatten, in größter Hochachtung. Seine
Rechtlichkeit und sein unparteiisches Handeln waren musterhaft. Mit Rat
und Tat stand er auch Jedermann ohne Unterschied des Glaubens allezeit
bei. Einen Beweis der allgemeinen Hochachtung lieferte sein Leichenbegängnis.
Der ganze Magistrat, das Gemeindekollegium, das Gerichtspersonal und die
Geistlichkeit hiesiger Stadt gaben ihm das letzte Geleite. Zwei
Deputationen begleiteten ihn sogar bis nach dem vier Stunden von hier
entfernten Begräbnisplatze Bechhofen.
An der Bahre sprach Herr Lehrer Herz rührende Worte, wobei kein
Auge tränenleer blieb. Seit Menschengedenken sah die hiesige Stadt kein
so großartiges jüdisches Leichenbegängnis. Seine Seele sei eingebunden
in den Bund des Lebens. M.". |
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jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen
Hänle S. Kohn sucht einen Hauslehrer (1865)
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in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. März 1865: "Unterzeichneter sucht sofort einen Hauslehrer, welcher mit strenger
Religiosität tüchtige Kenntnisse in Talmud
und Tanach (Bibel) verbindet und mindestens den gewöhnlichen
Elementarunterricht zu erteilen versteht, wogegen bei freier Station guter
Gehalt zugesichert wird.
Hierauf bezügliche Franko-Offerten beliebe man sogleich zu richten
an
Hänle S. Kohn in Wassertrüdingen in Bayern." |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine ältere Synagoge unbekannten Baujahres wurde im Herbst
1859 abgebrochen und an ihrer Stelle 1860 eine neue Synagoge erbaut.
Grundschrift
zur Grundsteinlegung einer neu zu erbauende Synagoge dahier in
Wassertrüdingen im Jahre der Welt 5620 (1859/60):
hebräisch und deutsch: Ach Herr! zeige uns deine Gnade und schenke uns
deine Hilfe!
So feiern wir heute mit dem Willen Gottes in unserer Gemeinde
Wassertrüdingen die Grundsteinlegung einer neuen Synagoge. Nach vielen
Hindernissen und mehrjährigem Kampfe wurde durch das eifrige Streben des
jetzigen Kultusvorstehers David Bär Gutmann, im Jahre der Welt 5619 in
die hiesigen israelitischen Gemeinde, trotzdem dieselbe gegenwärtig nur
aus 26 Familien besteht, zum Neubau unserer Synagoge geschritten, wobei
zugleich nach dem Beirate (?) in der Person des David Kohn, David Neumeier
und Jakob Emden einstimmig gewählt wurde und der Herr Landrichter am 6.
März dahier hat sich bei diesem Unternehmen besonders hervorgetan- So hat
hochderselbe sich gemüht die sämtlichen Gemeindeglieder zu
verständigen, dass dieselben einstimmig ohne Ausnahme ihre Einwilligung
zu diesem für unsere kleine Gemeinde so kostspieligen Bau gaben und
nachdem dies geschehen hat sich hochderselbe mit Rat und Tat uns zur Seite
gestellt, die nötigen Berichte an die Königliche Regierung von
Mittelfranken zu Ansbach sowohl als an das hohe Ministerium zu München
erstattet und wir erhielten auch sogleich die Genehmigung hierzu unter der
glorreichen Regierung Seiner Majestät des Königs von Bayern, Max des II.
- Er lebe hoch!
Durch einen schrecklichen Krieg Frankreichs und Sardinien einerseits, und
Österreich andererseits, welcher in der Zwischenzeit ausbrach und
durch diesen Krieg ganz Deutschland bedeckt war, wurde der Neubau
der Synagoge sechs Monate lang verschoben. Da sich aber darauf Gottes
Hilfe diesen Krieg durch den Friedensabschluss von Villafranko zwischen
Kaiser Napoleon von Frankreich, Vikor Emanuel König von Sardinien und
Franz von Österreich schnell zum Guten wendete, so wurde im Monat
September 1859 mit dem Abbruch der alten Synagoge begonnen. Der ganze
Neubau der Synagoge wurde samt und sonders dem hiesigen Bürger und
Maurermeister Heinrich Steingrüber, nachdem von der hiesigen Gemeinde
das...
Zur Bestreitung der sämtlichen Ausgaben, welche sich ungefähr auf 8.000
Gulden berechnen, besitzt die hiesige Gemeinde ... nahezu 5.000 Gulden.
Die noch fehlenden 3.000 Gulden wurden aus der städtischen Sparkasse zu 4
% Darlehensweise aufgenommen, zu welchem ... und der gegenwärtige
Bürgermeister Herr Schlossermeister Geiger freundschaftliche Hilfe
leistete. Der in unserer Gemeinde bestehende religiöse Sinn, ist uns seit
Jahrhunderten durch fromme Rabbiner gelehrt und gepredigt worden und
gedenken und hoffen wir diesen Sinn auch auf unsere Nachkommen zu
vererben. So wurden auch durch Anleitung des erst vor acht Jahren
verstorbenen Rabbiners Herrn Buttenwieser, seligen Andenkens, die Statuten
des im Jahre 5511 dahier errichtete Vereins zu wohltätigen Zwecken Chewra
Gemilut Chassodim verfasst und geordnet und durch dessen Lehren und
Predigten bei diesem Verein ein frommer, gottesfürchtiger Sinn wach
erhalten. Nach Jahren bildete sich ein zweiter Verein Chewra...,
dessen edlen Zweck der Statuten in Ausübung zu bringen, sich der sehr
geachtete und geschätzte Herr Hendli Cohn zur Aufgabe gesetzt hat und
dessen religiöser Sinn die Zierde unserer Gemeinde bildet. Möge der Herr
mit seiner Gnade unseren gegenwärtigen sehr frommen Rabbiner David
Weisskopf noch lange am Leben erhalten und unseren Herrn Lehrer und
Vorsänger Herr Mose Weisskopf samt unserer Gemeinde segnen, dass unser
neues Gotteshaus auf ewige Zeiten eine Stätte des Dankes, der Freude und
des Heils, aber auch ein Ort für zerbrochene Herzen, für
trostbedürftige und zerschlagene Gemüter werde und bleibe. Wolle Gott!
dass in diesem Hause jegliche Träne trockne und kein Klagegeschrei
darinnen vernommen werde. Amen! Amen! Amen! Möge der Herr mit
uns sein, wie er mit unseren Vätern war, er verlasse und verstoße uns
nicht!" |
Ein großes Ereignis für die jüdische Gemeinde stand
am 7. November 1896 an. Eine neue Torarolle konnte in die Synagoge
gebracht werden, was gewöhnlich durch eine feierliche Prozession
vorgenommen wird. Nach dem folgenden Bericht war eine solche Prozession vom Haus
des jüdischen Lehrers Herz zur Synagoge.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. November 1896:
"Wassertrüdingen, 15. November (1896). Am Schabat Paraschat
Toledot (= Schabbat mit der Toralesung Toledot = 7. November 1896)
wurde hier das seltene Fest der Einführung einer neuen Torarolle
gefeiert. Unser verehrter Lehrer Herr Herz hat an diesem Tage dieselbe
ihrer Bestimmung zugeführt.
Das Sefer (die Torarolle) wurde in feierlichster Weise aus der
Behausung des Genannten abgeholt und bei seinem Erscheinen im Gotteshause
mit Baruch Haba empfangen. Die Gesänge sowohl am Freitag Abend,
als am Schabat beim Chinuch (Lehrstunde) wurden durch den
Sohn unseres verehrten Herrn Lehrers, welcher zur Zeit in Prichsenstadt
als Lehrer angestellt ist, vorgetragen. Der herrliche Tenor, über welchen
der Vortragende in ausgiebigster Weise verfügt, seine Vortragsweise,
welche eine gründliche, musikalische Ausbildung und die Beherrschung der lieblichen
alten Melodien verrät, hat die Zuhörer wahrhaft entzückt.
Nach Einheben der Sefer Tora (Torarolle) ergriff der junge Herr
Herz das Wort zu einem kurzen Vortrag, in welchem er die Bedeutung eines Chinuch
der Sefer Tora zum Ausdruck brachte, und weil gerade an diesem Tage
ein ... mit der Feier verbunden wurde, so verstand es Redner, die
Bedeutung dieser beiden freudigen Ereignisse in schönster Weise zu
vereinigen. Derselbe bekundete durch seinen Vortrag, dass er auch als
Talmudist und Redner Gründliches und Gediegenes zu leisten vermag. Ihm
sei an dieser Stelle der öffentliche Dank ausgesprochen, und wünschen
wir, dass der verehrlichen Familie Herz auch fernerhin nur Simchot
(Freuden, freudige Ereignisse) bescheiden seien." |
Vermutlich wurden noch einige Zeit nach 1933
Gottesdienste in der Synagoge in Wassertrüdingen abgehalten, dann werden auf
Grund der bald nicht mehr vorhandenen Zehnzahl der jüdischen Männer nicht mehr
regelmäßige Gottesdienste möglich gewesen sein.
Beim Novemberpogrom 1938 wurden von Nationalsozialisten die Ritualien und
das Inventar der Synagoge zerstört. Der Versuch, das Gebäude in die Luft zu
sprengen, scheiterte am Widerstand der Nachbarn.
Das Synagogengebäude wurde nach 1938 umgebaut. In den 1980er-Jahren
befand sich eine Zweigstelle des Arbeitsamtes in dem Gebäude. Die
Originalfenster- und Türbögen der ehemaligen Synagoge waren damals noch
vorhanden, das Gebäude als Bausubstanz vollständig erhalten.
Bei einem erneuten Umbau des Gebäudes wurden die Originalfenster- und
Türbögen beseitigt (begradigt). Eine Gedenktafel erinnert an die Geschichte
des Gebäudes als frühere Synagoge.
Adresse/Standort der Synagoge: Kappelgasse 38
Fotos
(Historische Aufnahme in der oberen Zeile rechts von Theodor
Harburger, mehrfach veröffentlicht, u.a. in: ders. Die Inventarisation
jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern. Hg. von den Central Archives
Jerusalem und dem Jüdischen Museum Franken - Fürth & Schnaittach Bd. 3 S.
776;
Farbfotos von 2005 von U. Metzner, Feuchtwangen; aus: www.synagogen.info)
Historisches
(Foto rechts von Theodor Harburger 1928) |
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Toravorhang aus
der Synagoge Wassertruedingen |
Kohanim-Waschgerät
aus Zinn mit Schüssel und Krug |
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| Das
Gebäude der ehemaligen Synagoge 2005 |
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| Die ehemalige
Synagoge |
Auf Grund der
engen Bebauung unterblieb beim Novemberpogrom 1938 eine Sprengung oder
Inbrandsetzung |
Alte Türe |
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Hinweistafel
mit Inschrift: "Ehemalige Synagoge - 1860 von der israelitischen
Kultusgemeinde nach Plänen des Gunzenhausener Baubeamten Hauser erbaut.
1938 im Zuge der Judenverfolgung als Gotteshaus geschlossen. Zerstörung
unterblieb wegen Gefährdung angrenzender Wohnbebauung" |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,2 S. 865; III,2 S. 1555-1556. |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 238-239. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 186. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 298-300.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Wassertruedingen
Middle Franconia. Jews were among the victims of the Rindfleisch massacres of
1298 and constituted an important community in the 17th and 18th centuries,
furnishing religious judges (dayyanim) to the chief rabbinate of the
principality. A new synagogue was constructed in 1860 and the Jewish population
numbered 122 in 1867 (total 1,763). Thereafter it declined steadily, dropping to
29 in 1933. By 1938, six Jews had emigrated and 14 left for other German cities.
The last eight Jews left after the vandalization of the synagogue and Jewish
homes on Kristallnacht (9-10 November 1938).

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