Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Jochsberg (Gemeinde Leutershausen, Kreis Ansbach)
Jüdische Geschichte / Synagoge  

    

Neuerscheinung im Herbst 2011:   
Reese Lit 020.jpg (145046 Byte) Spuren jüdischen Lebens rund um den Hesselberg. Kleine Schriftenreihe Region Hesselberg Band 6. 
Hrsg. von Gunther Reese, Unterschwaningen 2011. ISBN 978-3-9808482-2-0  
Zur Spurensuche nach dem ehemaligen jüdischen Leben in der Region Hesselberg lädt der neue Band 6 der 'Kleinen Schriftenreihe Region Hesselberg' ein. In einer Gemeinschaftsarbeit von 14 Autoren aus der Region, die sich seit 4 Jahren zum 'Arbeitskreis Jüdisches Leben in der Region Hesselberg' zusammengefunden haben, informieren Ortsartikel über Bechhofen, Colmberg, Dennenlohe, Dinkelsbühl, Dürrwangen, Feuchtwangen, Hainsfarth, Heidenheim am Hahnenkamm, Jochsberg, Leutershausen, Mönchsroth, Muhr am See (Ortsteil Altenmuhr), Oettingen, Schopfloch, Steinhart, Wallerstein, Wassertrüdingen und Wittelshofen über die Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinden. Am Ende der Beiträge finden sich Hinweise auf sichtbare Spuren in Form von Friedhöfen, Gebäuden und religiösen Gebrauchsgegenständen mit Adressangaben und Ansprechpartnern vor Ort. Ein einleitender Beitrag von Barbara Eberhardt bietet eine Einführung in die Grundlagen des jüdischen Glaubens. Eine Erklärung von Fachbegriffen, ein Literaturverzeichnis und Hinweise auf Museen in der Region runden den Band mit seinen zahlreichen Bildern ab. Das Buch ist zweisprachig erschienen, sodass damit auch das zunehmende Interesse an dem Thema aus dem englischsprachigen Bereich abgedeckt werden kann, wie Gunther Reese als Herausgeber und Sprecher des Arbeitskreises betont. Der Band mit einem Umfang von 120 Seiten ist zum Preis von 12,80 €- im Buchhandel oder im Evangelisch-Lutherischen Pfarramt Mönchsroth, Limesstraße 4, 91614 Mönchsroth, Tel.: 09853/1688 erhältlich E-Mail: pfarramt.moenchsroth[et]elkb.de. 

   
Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  

Anmerkung: Angaben aus dem Buch von Karl Ernst Stimpfig (s. Lit.) konnten noch nicht eingearbeitet werden.  
        
In Jochsberg bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1920. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1714 lebten sechs jüdische Familien am Ort, 1803 waren es 14 Familien mit zusammen 82 Personen. 
   
Die jüdische Gemeinde hatte an Einrichtungen eine Synagoge (siehe unten), in der sich auch die Religionsschule, die Lehrerwohnung und das rituelle Bad befanden. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorsänger und Schächter tätig war (siehe Ausschreibungstexte unten). Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Bechhofen beigesetzt. Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Ansbach
   
Durch Aus- und Abwanderung der jüdischen Gemeindeglieder seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner so stark zurück, dass die Gemeinde um 1920 aufgelöst werden musste. 1924 waren noch zwei jüdische Personen am Ort wohnhaft, die zur jüdischen Gemeinde in Leutershausen gehörten.
   
Von den in Jochsberg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Babette Ellinger (1884), Max Ellinger (1881), Frieda Ellinger (1878), Mina Fleischmann geb. Stern (1881), Jeanette Frenkel geb. Gutmann (1874), Benno Gutmann (1885), Gabriel Gutmann (1881), Hedwig Gutmann geb. Ellinger (1891), Thea Gutmann (1888), Rika Hecht geb. Jochsberger (1866), Karl Jochsberger (1874), Regina (Regine) Schloss geb. Jochsberger (1864). 
  
   
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer      
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1886 / 1887 (für Jochsberg) 1900 / 1907 (zusammen mit Leutershausen)

Jochsberg Israelit 20051886.jpg (48261 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1886: "Annonce
Eine kleine Gemeinde sucht zum sofortigen Eintritt einen Religionslehrer, Vorbeter und Schächter. Der fixe Gehalt beträgt 350 Mark, Nebeneinkünfte 150 Mark nebst freier Wohnung und Beheizung. Reisekosten erhält nur der Akzeptierte vergütet. Offerten und Zeugnisse wolle man schleunigst zusenden an J. B. Enslein in Jochsberg bei Leutershausen (Bayern)."
 
Jochsberg Israelit 19051887.jpg (30139 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Mai 1887
"Die Gemeinde Jochsberg bei Ansbach sucht bis 1. August (1887) einen Religionslehrer, der zugleich Vorsänger und Schochet ist. Fixer Gehalt 400 Mark und Nebeneinkünfte circa 200 Mark. Bewerber wollen ihre Zeugnisse an den unterfertigten Vorstand einsenden. 
J.B. Enslein
". 
    
Jochsberg Israelit 26041900.jpg (63639 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. April 1900
"Die israelitische Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle in Leutershausen, mit Filiale Jochsberg, erledigt sich bis zum 15. Juli dieses Jahres. Das Einkommen beziffert sich auf 1.200 Mark nebst freier Wohnung und Heizung. Ferner ist noch Gelegenheit gegeben, in einer Nachbargemeinde den Religionsunterricht zu erteilen gegen eine Vergütung von 150 Mark. Ledige Bewerber wollen ihre Gesuchte spätestens 15. Mai an den unterfertigten Kultusvorstand richten. Leutershausen (Mittelfranken), 23. April (1900). 
Max Enslein, Kultusvorstand."
  
Leutershausen Israelit 30091902.jpg (71852 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. September 1902: "Die erledigte Religionslehrer-, Schochet- und Vorbeterstelle Leutershausen - Jochsberg ist bis spätestens 1. Januar 1903 mit einem ledigen, seminaristisch gebildeten Herrn zu besetzen. Der Gehalt beläuft sich auf 14-1500 Mark. Auch ist Gelegenheit geboten, eine Filiale mit zu übernehmen. Gesuche mit Zeugnisabschriften sind zu richten an  
Max Enslein, Kultusvorstand, 
Leutershausen, Mittelfranken."     
  
Jochsberg Israelit 10101907.jpg (43108 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Oktober 1907
"Wir suchen für unsere Gemeinde mit Filiale Jochsberg einen 
Vorbeter, Schächter und Religionslehrer.
 
Gehalt inklusive Nebeneinkommen ca. 14-1500 Mark. 
Leutershausen (Bayern). 
Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde."

  
Zum Tod von Lehrer Hirsch Weil - 52 Jahre Lehrer in Jochsberg - Kolmberg (1891)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1891: "Aus Mittelfranken. Vergangenen Freitag vor dem Heiligen Schabbat Schekalim wurde der 95-jährige Lehrer Hirsch Weil - er ruhe in Frieden - zu Grabe getragen. Derselbe wirkte 52 Jahre lang ununterbrochen in den Gemeinden Jochsberg - Kolmberg. Sämtliche Männer der Gemeinden Leutershausen, Jochsberg und Kolmberg, die siebzigjährigen nicht ausgeschlossen, sind mit Ausnahmen von zweien dessen Schüler. An der Beerdigung beteiligten sich die zahlreichen Anverwandten und viele Schüler des Dahingeschiedenen. Der Verblichene war ein frommer Mann (wörtlich: ein Frommer bzw. Gerechter, Sohn eines Frommen bzw. Gerechten), was auch Herr Lehrer Rosenstein bei der Beisetzung in Bechhofen unter Zugrundelegung sinnreicher Midraschim hervorhob. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."     

   
   
   

Zur Geschichte der Synagoge

Die Synagoge in Jochsberg wurde 1804 erbaut. In dem Gebäude befanden sich auch Schulräume und ein rituelles Bad. 

Als die jüdische Gemeinde 1920 aufgelöst wurde, ist das Synagogeninventar in der Zeitschrift "Der Israelit" zum Kauf angeboten worden. An Inventar war vorhanden: Fünf Seforim (Torarollen), zwei Perochaus (also Toravorhänge vor dem Toraschrein), vier Messingleuchter (zur Beleuchtung der Synagoge), ein Taß (Schmuck der Torarolle), ein Almemor (Vorlesepult), ein Oraun Hakaudesch (Toraschrein), Stände (traditionelle Stehpulte) und Bänke: 

Jochsberg Israelit 08071920.jpg (49800 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juli 1920: "Infolge Auflösung der Gemeinde Jochsberg wird die Einrichtung der dortigen Synagoge im Ganzen oder einzeln dem sofortigen Verkaufe unterstellt. Sie besteht aus 5 Seforim, 2 Perochaus (eines davon ist Altertum), 4 Messingleichter, 1 Taß, 1 Almemor, 1 Orann Hakeudesch, Stände und Bänke. Interessenten steht die Besichtigung frei und sind Angebote an die Israelitische Kultusgemeinde Leutershausen, Mittelfranken zu richten. Falk Stern, Kultusvorstand."

Das Synagogengebäude wurde um 1920 verkauft und zu einem Wohnhaus mit Stall umgebaut. In der früheren Schule befindet sich seitdem eine Wohnung, im früheren Betsaal ein Stall. Die Ballustrade der Synagoge wird als Einfassung für den Misthaufen verwendet; ein Hochzeitsstein war bis 2004 vorhanden. Seit November 2004 ist er in der Dauerausstellung des Jüdischen Museums Schnaittach zu sehen. 
  

Adresse/Standort der SynagogeAm Ring 15  
  

Fotos
(Fotos: Ulrich Metzner, Feuchtwangen, Aufnahmen von 2005)

Jochsberg Synagoge 200.jpg (38674 Byte) Jochsberg Synagoge 201.jpg (43253 Byte) Jochsberg Synagoge 202.jpg (33865 Byte)
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge in Jochsberg von verschiedenen Seiten (von links: Südost / Süd / Straßenseite)
  
  Jochsberg Chuppastein 01.jpg (21243 Byte)  
  Der Chuppastein der Synagoge Jochsberg, seit 2004 im Jüdischen Museum in Schnaittach (Quelle: Ausschnitt aus Pressefoto N-ERGIE, Foto: Olaf Jaeschke)  

  
     

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Jochsberg mit Informationsseite zur ehemaligen Synagoge   

Literatur:  

Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 163-164.
Karl Ernst Stimpfig: Die Juden in Leutershausen, Jochsberg, Colmberg und Wiedersbach. Leutershausen 2000. ISBN 3-922-175-42-2.

              

  

                   
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Stand: 18. November 2011