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"Synagogen im Kreis Groß-Gerau"
Trebur mit
Astheim (Kreis Gross-Gerau)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Trebur bestand eine jüdische
Gemeinde bis zu ihrer Auflösung 1936. Ihre Entstehung geht in die Zeit des
17./18. Jahrhunderts zurück. 1684-87 wird unter den an die Kirche
zu leistenden Abgaben in Urkunden das "Glockenbrod" genannt, "das
auch die Juden in Trebur zu erstatten schuldig sind". Bereits damals lebten
die jüdischen Einwohner vor allem vom Viehhandel. Die Viehherden wurden bis auf
die Weiden nahe bei Griesheim getrieben. Mitte des 18. Jahrhunderts wird
in Trebur ein jüdischer Goldsticker genannt (Wolf Koppel), der unter anderem Stickarbeiten
für den Hof in Darmstadt machte. Er wurde 1749 zum "Hofgoldsticker"
ernannt und verzog nach Darmstadt (1775 noch als
"Regimentsgoldsticker" genannt; auch seine Söhne waren für den Hof beziehungsweise
das Regiment als Goldsticker tätig).
Zur jüdischen Gemeinde gehörten seit 1905 auch die in Astheim lebenden
jüdischen Personen. Bereits im 19. Jahrhundert gab es ein teilweise enges
Miteinander zwischen den in beiden Orten lebenden jüdischen Familien. So wurde -
bereits 1890 - der Religionsunterricht für die in Trebur
und Astheim lebenden jüdischen Kinder gemeinsam erteilt. Die Gemeinde
Trebur(-Astheim) hatte hierzu bis Anfang des 20. Jahrhunderts einen eigenen
Lehrer, der zugleich als Vorbeter (Chasan) und Schächter (Schochet) tätig
war.
Im Laufe des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der
jüdischen Einwohner wie folgt: in Trebur 1815 14 jüdische Familien,
1820 81 jüdische Einwohner, 1830 77, 1861 93 (5,4 % von insgesamt 1.721
Einwohnern), 1871 Höchstzahl von 100 jüdischen Einwohnern, 1880 74 (3,9 % von
insgesamt 1.870), 1900 48, 1910 32; in Astheim 1830 15 jüdische
Einwohner, 1905: 19. Die
Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Groß-Gerau
beigesetzt.
Im
Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde die Brüder Gottfried
Levy (geb. 25.9.1891 in Rhaunen, gef. 26.9.1918), Isidor Levy (geb. 16.7.1893 in
Rhaunen, gef. 13.6.1918) und Edmund Levy (geb. 10.8.1895 in
Rhaunen, vor 1914 in
Offenbach wohnhaft, gef. 22.5.1916). 1924 wurden ihre Namen auf dem allgemeinen Gedenkstein für die Gefallenen und Vermissten der Gemeinde im Gemeindefriedhof
eingetragen (siehe Bericht unten). Außerdem ist gefallen: Ludwig Strauß (geb.
11.3.1893 in Trebur, vor 1914 in Michelstadt wohnhaft, gef. 25.10.1918).
Um 1925, als noch 16 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (0,76 %
von insgesamt ca. 2.100 Einwohnern, dazu kamen 10 Gemeindeglieder aus Astheim),
waren die Vorsteher der Gemeinde Erich Goldschmidt, B. Rothschild und
Gustav Rosenbaum. Als Rechner der Gemeinde wird A. D. Kraft genannt, als
Schochet Siegfried Strauß aus Astheim. An jüdischen Vereinen gab es den
"Israelitischen Wohltätigkeitsverein für Männer und Frauen"
(gegründet 1833: Ziel: Unterstützung in Krankheitsfällen) mit damals 17
Mitgliedern unter der Leitung von Erich Goldschmidt. Die Gemeinde gehörte zum orthodoxen
Rabbinat Darmstadt II; 1928 trat die Gemeinde aus dem orthodoxen Verband aus und
unterstand seitdem dem liberalen Rabbinat Darmstadt I. 1932 wurden 23
jüdische Gemeindeglieder gezählt. Vorsteher der Gemeinde waren Erich
Goldschmidt (Trebur), Alfred Rosenberg (Astheim) und Gustav Rosenbaum
(Trebur).
Nach 1933 ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder (1933 in Trebur: 15 Personen; Familien Goldschmidt,
Hayum, Hiffelsheimer und Rosenbaum; 1933 in Astheim 11 Personen) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Fünf wanderten in die USA
aus, andere verzogen innerhalb von Deutschland. Beim Novemberpogrom 1938 wurde
von Nationalsozialisten das Kurzwaren- und Textilgeschäft des Ehepaares Gustav
und Flora Rosenbaum geplündert, das Ehepaar misshandelt. Im April 1941 verzogen die letzten jüdischen Einwohner
nach Frankfurt beziehungsweise Darmstadt und wurden teilweise von dort
deportiert.
Von den in Trebur
geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Auguste Beringer
geb. Kahn (1862), Isidor Blumberg (1865), Flora Goldschmidt geb. Goldschmidt (1874), Adelheid Grünebaum geb.
Strauss (1869), Betty Hayum geb. Levy (1897), Jakob Josef Hayum (1895), Klara Herz geb. Strauss (1865),
Lina Hiffelsheimer (), Sidoni Hiffelsheimer (1900), Cilli Kahn (1903), Elsa (Esa) Kahn (1893), Selma Kauder geb. Strauss
(1905), Rosa Löbenberg geb. Oppenheimer (1863), Arthur Meyer (1874), Moritz Meyer (1870),
Johanna (Hanna) Neumann geb. Mayer
(1870), Adolph Strauss (1879), Jeanette (Jenny) Strauss (1894), Leopold Strauss (1863).
Von den in Astheim
geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bertha Strauss (1889), Isidor Strauss (1894),
Jenny Strauss (1880), Siegfried Strauss (1891), Paula Wolf geb. Rothschild
(1894).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Lehrer, Vorbeters und Schochet 1860 / 1865 / 1868 / 1892 / 1900
/ 1901 / 1902
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 8. Mai 1860: "Die israelitische Religionsgemeinde in Trebur,
Kreises Großgerau, Großherzigtum Hessen, wünscht einen geprüften
Religionslehrer mit einem Gehalte von 250 Fl. pro Jahr zu engagieren. Die
Schächterdienst, welcher auch dabei versehen werden kann, bringt auch
Einhundert Gulden circa ein. Der Eintritt kann sogleich geschehen.
Bewerber wollen ihre Offerten franco an den Unterzeichneten
einsehen.
Trebur, den 27. April 1860. Der Vorstand der israelitischen
Religions-Gemeinde. Baruch Strauß". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Februar 1865:
"Die Stelle eines Vorsängers, Religionslehrers und Schächters in
der Gemeinde Trebur mit Astheim wird am 1. April diesen Jahres vakant.
Gehalt 400 Gulden nebst Schechitagebühren (für den Schächterdienst) und
den sonstigen nicht unerheblichen Emolumenten. Verlangt wird die
Fertigkeit, gut Hebräisch und zwar Grammatik, Pentateuch nebst Kommentar
usw. zu unterrichten. Meldungen an de israelitischen Vorstand in Trebur
(Großherzogtum Hessen). |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Dezember 1868:
"Die israelitische Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle
zu Trebur ist vakant und sofort zu besetzen. Gehalt 300 Gulden. Einbringen
der Schechita und sonstige Nebeneinkommen circa 200 Gulden. Bei
Befähigung Aussicht zu Verdiensten durch Privatstunden.
Der Vorsteher
Jonas Mayer." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. September 1892:
"Die Gemeinde Trebur sucht für sofort einen geprüften
Religionslehrer, Schochet und Vorbeter.
Gehalt 550 Mark, Nebeneinkommen
durch Schechita und Kasualien 250 Mark nebst freier Wohnung und Garten.
Trebur, den 12. September 1892. Der Vorstand: Jakob Kahn." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1892:
"Die Gemeinde Trebur sucht per sofort einen geprüften
Religionslehrer, Schochet und Vorbeter.
Gehalt 550 Mark, Nebeneinkommen durch Schechita und Kausualien 250 Mark
nebst freier Wohnung und Garten. Trebur, den 18. November 1892. Der
Vorstand. Jakob Kahn." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19.
Februar 1900: "Wir suchen per 1. April
(1900) einen Lehrer, der Chasan und Schochet sein muss, zu engagieren. Gehalt
Mk. 550 fix, ca. Mk 350 Nebeneinkommen nebst großer Wohnung und großem Garten.
Der Vorstand der Gemeinde Trebur bei Mainz" |
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| Mit der nachfolgenden Anzeige wurde nur
ein Chasan und Schochet gesucht: |
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. November 1901:
"Wir suchen per 1. April 1902 einen Chasan und Schochet.
Gehalt Mark 550. Fixe Nebeneinnahmen ca. Mark 500 freie Wohnung, auch
großer hübscher Garten. Offerten an den Vorstand der israelitischen
Gemeinde Trebur erbeten. |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Februar 1902:
"Wir suchen per 1. April 1902 einen Religionslehrer, Vorbeter und
Schächter. Gehalt Mark 550 fix, Nebeneinnahmen ca. Mark 500, bei freier
Wohnung, nebst großem hübschen Garten.
Offerten an den Vorstand der israelitischen Gemeinde Trebur." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juli 1902:
"Wir suchen per sofort oder später einen Religionslehrer, Vorbeter
und Schächter, der auch Schofarbläser ist. Gehalt Mark 600 fix,
Nebeneinnahmen ca. Mark 500, bei freier Wohnung, nebst großem hübschem
Garten.
Offerten an den Vorstand der israelitischen Gemeinde Trebur bei
Mainz." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Schwierigkeiten bei den Vorstandswahlen (1884)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. August 1884: "Trebur
(Hessen). Vergangene Woche sollte auf dem hiesigen Rathause die Neuwahl
dreier Vorstandsmitglieder der hiesigen Religionsgemeinde stattfinden; es
wurde jedoch keine einzige Stimme abgegeben. Der Großherzogliche
Hessische Kreisrat zu Groß-Gerau hatte nämlich durch den hiesigen
Bürgermeister bekannt machen lassen, dass aus 6 zu wählenden
Gemeindemitgliedern er 3 Vorstandsmitglieder ernennen würde. - Hiergegen
macht sich nun einstimmig eine Opposition geltend, dahingehend, dass die
hiesige israelitische Gemeinde die nämlichen Rechte, wie die zu
Groß-Gerau, die vermittels einer direkten Wahl ihren Synagogen-Vorstand
ernennt, beansprucht. -
Sollte diesem begründet und berechtigten Verlangen nicht entsprochen
werden, so finden sich hoffentlich in unserer Mitte Männer, die ein
Gesuch um direkte Wahlordnung an die hessische Regierung einreichen
werden. E.G." |
Kollekte für den Wiederaufbau der Mikwe in Trebur (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. September 1901:
"Zum Wiederaufbau des Ritualbades in Trebur sind Mark 780
erforderlich. Da erst Mark 280 zu diesem Zwecke disponibel sind, so werden
auf diesem Wege freundliche Gaben erbeten. Sendung sind an den
Vorstand der israelitischen Gemeinde Trebur zu
richten." |
Einweihung eines Gedenksteins für die Gefallenen des
Ersten Weltkrieges in Trebur (1924)
Artikel
in der Zeitschrift des "Centralvereins" (CV-Zeitung) am 2.
Oktober 1924: "In Trebur (Hessen) wurde auf dem Gemeindefriedhof ein
Gedenkstein für die Gefallenen und Vermissten der Gemeinde errichtet. Der Ort
hat etwa 2.000 Einwohner, darunter 14 jüdische Seelen. 69 Namen sind auf dem
Gedenkstein verzeichnet, darunter drei von jüdischen Gefallenen. Acht jüdische
Einwohner hatten am Kriege teilgenommen. Rabbiner Dr. Levi (Mainz) wies in
seiner Ansprache auf die Bedeutung dieser Zahlen als Beweis für die jüdischen
Kriegsopfer hin. Die drei jüdischen Gefallenen sind die Brüder Gottfried,
Isidor und Edmund Levy." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Aufruf zu Spenden für die Familie Heimbach (1869)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Dezember 1869: "Aufruf
zur Mildtätigkeit.
Trebur (Großherzogtum Hessen), im Dezember. Ein furchtbares Unglück
hat sich in unserm Orte ereignet. Am 5. dieses Monats wollte ein braver,
fleißiger Mann von hier, Joseph Heimbach mit seinem 19-jährigen
Sohne seinen Geschäften nachgehen, als er auf der zugefrornen Schwarzbach
eine seiner Enten erblickte, die in Gefahr war, einzufrieren. Um diese zu
retten, wagte er sich noch auf die dünne Eiskruste, brach ein und
versank. Der Sohn eilte seinem Vater zu Hilfe und versank ebenfalls. Hilfe
kam zu spät. Der Sohn wurde als Leiche hervorgezogen, der Vater lebte
noch einige Minuten und starb dann, sich als die Veranlassung zum Tode
seines Sohnes anklagend.
Der verunglückte Joseph Heimbach hinterlässt eine Witwe und einen
84-jähren Vater in den ärmlichsten Umständen. Ihrer Ernährer beraubt
sind beide dem Mangel preisgegeben, wenn sich nicht edle Glaubensgenossen
ihrer annehmen. Herr Vorsteher Jonas Mayer in Trebur sowie Herr
Rabbiner Dr. Lehmann in Mainz haben sich bereit erklärt, Spenden
entgegenzunehmen." |
Weitere Mitteilungen
Der Schriftführer des antisemitischen Vereins in Trebur
wird verurteilt (1896)
Meldung
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. Mai 1896:
"Die Strafkammer in Darmstadt hat den früheren Schriftführer des
antisemitischen Vereins in Trebur - einer früheren Hochburg des
Antisemitismus in Starkenburg - Namens Mees, wegen Urkundenfälschung und
anderer ehrenrühriger Handlungen zu 15 Monaten Zuchthaus und drei Jahren
Ehrverlust verurteilt." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeigen von J. Strauss in Astheim (1905 / 1906)
Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. November
1905: "Anständiges Mädchen, von achtbaren Eltern, welches bürgerlich
kochen kann und die Hausarbeit gründlich versteht, sucht Stelle
mit Familienanschluss, am liebsten bei kinderlosem Ehepaar oder bei 1 bis
2 Kindern. Das Mädchen hat die Haushaltungsschule besucht. Frankfurt am
Main bevorzugt.
J. Strauss, Astheim, Post Trebur." |
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Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. Dezember
1906:
"Ein Mädchen, 17 Jahre alt, welches bürgerlich kochen kann, sucht
Stellung
in kleinem Haushalt, wo auch christliches Mädchen vorhanden
ist. Offerten an
J. Strauss, Astheim, Post Trebur". |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war vermutlich ein einfacher Betsaal vorhanden. Später (Ende
18. Jahrhundert oder Anfang 19. Jahrhundert) wurde eine Synagoge erbaut. Ein
erster Beleg ist jedoch erst das Treburer Hofreitenbuch 1825, wonach das Grundstück der
Synagoge (Nauheimer Str. 4, früher Hauptstr. 4) damals auf die jüdische Gemeinde eingetragen
war. 1844
wurde die Synagoge renoviert. Bei der Synagoge handelt sich um ein aus
Fachwerk erstellte jüdisches Gemeindezentrum (möglicherweise wurde auch ein
älteres Gebäude umgebaut). Der Betsaal befand sich im rückwärtigen
Gebäudeteil und hatte ein "bemaltes hölzernes Tonnengewölbe". Im Erdgeschoss
befand sich die Lehrerwohnung. Unter dem Betsaal war ein rituelles Bad (Mikwe);
im Obergeschoss ein Schulraum und zum Betsaal hin die Frauenempore.
Um 1920 war eine größere Renovierung notwendig geworden, nachdem die Synagoge
inzwischen in baufälligem Zustand war. Da die nur noch wenigen jüdischen
Familien in Trebur große Probleme hatten, das erforderliche Geld aufzubringen,
wandte die die Gemeinde mit Aufrufen an die Öffentlichkeit:
Zeitschrift
"Der Israelit" vom 5. Februar 1920: "Aufruf! Die
Israelitische Gemeinde Trebur-Astheim ist in eine missliche Lage geraten, ihre
Synagoge, die baufällig wurde, bedarf dringend, um ihrem heiligen Zwecke dienen
zu können, der Wiederherstellung. Unsere Kräfte allein reichen hierzu nicht
aus. Wir richten deshalb die Bitte an die Öffentlichkeit, uns bei der
Aufbringung der Mittel, die bei der jetzigen Teuerung beträchtlich sind,
behilflich zu sein.
Auch unser Rabbiner Seiner Ehrwürden Herr Dr. Marx in Darmstadt hat sich bereit
erklärt, Spenden hierfür in Empfang zu neben. Wir werden an dieser Stelle
quittieren. Der Vorstand der Israelitischen Gemeinde Trebur bei Mainz. Albert
Goldschmidt." |
Nach der Auflösung der jüdischen Gemeinde 1936 wurden die Torarollen
der Gemeinde nach Darmstadt gebracht. Die Holzgegenstände aus der Synagoge
wurden verbrannt und auf dem jüdischen Friedhof in Groß-Gerau
beigesetzt.
Das Synagogengebäude blieb über den Krieg stehen, wurde jedoch 1969 oder
1970 abgebrochen. Auf dem Grundstück wurde ein Wohnhaus erbaut.
Adresse/Standort der Synagoge: Nauheimer Straße 4
(früher: Hauptstraße 4) / Ecke Friedhofstraße.
Fotos
(Quelle obere Fotozeile: Altaras 1994 S. 118 / Archiv Angelika
Schleindl; Fotos 2007: Hahn, Aufnahmedatum 6.7.2007)
Historisches Foto
(nach
1945) |
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Das Synagogengebäude in den
1960er-Jahren |
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Das Synagogengrundstück
2007
mit Hinweistafel |
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Das auf dem
Synagogengrundstück
stehende Wohnhaus |
Hinweistafel |
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Auf dem örtlichen
Friedhof:
Gefallenendenkmal 1870/71 |
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Name von Julius Oppenheimer |
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Gefallenendenkmal
des Ersten Weltkrieges |
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Name von Edmund Levy - die
anderen
Namen der jüdischen Gefallenen sind
gleichfalls eingetragen |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Juni 2009:
Stolperstein-Aktion - auch für Trebur angeregt |
Artikel in der Zeitung
"Main-Spitze" vom 2. Juli 2009: "Stolpersteine" auch in Trebur?
TREBUR - HOLOCAUST-GEDENKEN - GLT will an die vertriebenen jüdischen Mitbürger in der Gemeinde erinnern
(dev). Die Diskussion um die Verlegung von "Stolpersteinen" in Groß-Gerau zum Gedenken an die ehemaligen jüdischen Mitbürger haben bei der Grünen Liste Trebur (GLT) die Idee geboren, eine ähnliche Diskussion auch in Trebur anzustoßen. Auf der öffentlichen Fraktionssitzung am Dienstag wurde das Thema ausführlich besprochen..." |
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| November 2011:
Zum Stand der geplanten Verlegung von
"Stolpersteinen" in Trebur |
Artikel von Renate Danker in der Zeitung" Main-Spitze" vom 5.
November 2011: "An finstere Zeiten erinnern
TREBUR- NATIONALSOZIALISMUS Verein will mit Stolpersteinen ermordeter Juden gedenken
70 Jahre ist es her, dass der letzte jüdische Mitbürger Trebur verließ und damit jüdisches Leben ganz aus der Gemeinde verschwand. 14 weitere waren seit 1933, als sich die Repressalien gegen Juden durch die Nationalsozialisten immer weiter ausbreiteten, von Trebur weg und meistens in größere Städte gezogen. Einige wanderten in die USA aus, die anderen wurden in Konzentrationslager verschleppt und umgebracht. Ähnlich erging es den Astheimer und Geinsheimer Juden..."
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| Oktober 2012:
Museumsnacht zur Erinnerung an die
Judenverfolgung in Trebur |
Artikel in der "Main-Spitze" vom
25. Oktober 2012: "Museumsnacht erinnert an die Judenverfolgung in Trebur
TREBUR. (da). Erstmals wird es am 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht von 1938, in Trebur ein kommunales Gedenken an die Verfolgung der Juden geben. Die
'Gesellschaft Heimat und Geschichte' wird im Rahmen ihrer 'Museumsnacht' namentlich an die Menschen jüdischen Glaubens erinnern, die in der NS-Zeit ihre Heimat verlassen mussten und von denen viele in Konzentrationslager verschleppt wurden, wo sie ermordet wurden..."
Link zum Artikel: Museumsnacht erinnert an die Judenverfolgung in Trebur (Main-Spitze, 25.10.2012)
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 305-306. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. 141. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 118-119. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 178. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 216-217. |
 | Angelika Schleindl: Verschwundene Nachbarn.
Jüdische Gemeinden und Synagogen im Kreis Groß-Gerau. Ein Beitrag zur
Geschichte der Landjuden in Südhessen. Hg. vom Magistrat der Kreisstadt
Groß-Gerau 1993.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Trebur
Hesse. Founded in the 18th century, the Jewish community numbered 100 (about 6 %
of the population in 1871), dwindling to 12 in 1933 and disbanding three years
later. Nearly all the remaining Jews left before worldwar II.

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