Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Trebur mit Astheim (Kreis Gross-Gerau)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde      
Weitere Mitteilungen     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
   
In Trebur bestand eine jüdische Gemeinde bis zu ihrer Auflösung 1936. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. 1684-87 wird unter den an die Kirche zu leistenden Abgaben in Urkunden das "Glockenbrod" genannt, "das auch die Juden in Trebur zu erstatten schuldig sind". Bereits damals lebten die jüdischen Einwohner vor allem vom Viehhandel. Die Viehherden wurden bis auf die Weiden nahe bei Griesheim getrieben. Mitte des 18. Jahrhunderts wird in Trebur ein jüdischer Goldsticker genannt (Wolf Koppel), der unter anderem Stickarbeiten für den Hof in Darmstadt machte. Er wurde 1749 zum "Hofgoldsticker" ernannt und verzog nach Darmstadt (1775 noch als "Regimentsgoldsticker" genannt; auch seine Söhne waren für den Hof beziehungsweise das Regiment als Goldsticker tätig).
  
Zur jüdischen Gemeinde gehörten seit 1905 auch die in Astheim lebenden jüdischen Personen. Bereits im 19. Jahrhundert gab es ein teilweise enges Miteinander zwischen den in beiden Orten lebenden jüdischen Familien. So wurde - bereits 1890 - der Religionsunterricht für die in Trebur und Astheim lebenden jüdischen Kinder gemeinsam erteilt. Die Gemeinde Trebur(-Astheim) hatte hierzu bis Anfang des 20. Jahrhunderts einen eigenen Lehrer, der zugleich als Vorbeter (Chasan) und Schächter (Schochet) tätig war. 

Im Laufe des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: in Trebur 1815 14 jüdische Familien, 1820 81 jüdische Einwohner, 1830 77, 1861 93 (5,4 % von insgesamt 1.721 Einwohnern), 1871 Höchstzahl von 100 jüdischen Einwohnern, 1880 74 (3,9 % von insgesamt 1.870), 1900 48, 1910 32; in Astheim 1830 15 jüdische Einwohner, 1905: 19. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Groß-Gerau beigesetzt. 
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde die Brüder Gottfried Levy (geb. 25.9.1891 in Rhaunen, gef. 26.9.1918), Isidor Levy (geb. 16.7.1893 in Rhaunen, gef. 13.6.1918) und Edmund Levy (geb. 10.8.1895 in Rhaunen, vor 1914 in Offenbach wohnhaft, gef. 22.5.1916). 1924 wurden ihre Namen auf dem allgemeinen Gedenkstein für die Gefallenen und Vermissten der Gemeinde im Gemeindefriedhof eingetragen (siehe Bericht unten). Außerdem ist gefallen: Ludwig Strauß (geb. 11.3.1893 in Trebur, vor 1914 in Michelstadt wohnhaft, gef. 25.10.1918).   
    
Um 1925, als noch 16 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (0,76 % von insgesamt ca. 2.100 Einwohnern, dazu kamen 10 Gemeindeglieder aus Astheim), waren die Vorsteher der Gemeinde Erich Goldschmidt, B. Rothschild und Gustav Rosenbaum. Als Rechner der Gemeinde wird A. D. Kraft genannt, als Schochet Siegfried Strauß aus Astheim. An jüdischen Vereinen gab es den "Israelitischen Wohltätigkeitsverein für Männer und Frauen" (gegründet 1833: Ziel: Unterstützung in Krankheitsfällen) mit damals 17 Mitgliedern unter der Leitung von Erich Goldschmidt. Die Gemeinde gehörte zum orthodoxen Rabbinat Darmstadt II; 1928 trat die Gemeinde aus dem orthodoxen Verband aus und unterstand seitdem dem liberalen Rabbinat Darmstadt I. 1932 wurden 23 jüdische Gemeindeglieder gezählt. Vorsteher der Gemeinde waren Erich Goldschmidt (Trebur), Alfred Rosenberg (Astheim) und Gustav Rosenbaum (Trebur). 
     
Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933 in Trebur: 15 Personen; Familien Goldschmidt, Hayum, Hiffelsheimer und Rosenbaum; 1933 in Astheim 11 Personen) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Fünf wanderten in die USA aus, andere verzogen innerhalb von Deutschland. Beim Novemberpogrom 1938 wurde von Nationalsozialisten das Kurzwaren- und Textilgeschäft des Ehepaares Gustav und Flora Rosenbaum geplündert, das Ehepaar misshandelt. Im April 1941 verzogen die letzten jüdischen Einwohner nach Frankfurt beziehungsweise Darmstadt und wurden teilweise von dort deportiert. 
   
Von den in Trebur geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Auguste Beringer geb. Kahn (1862), Isidor Blumberg (1865), Flora Goldschmidt geb. Goldschmidt (1874), Adelheid Grünebaum geb. Strauss (1869), Betty Hayum geb. Levy (1897), Jakob Josef Hayum (1895), Klara Herz geb. Strauss (1865), Lina Hiffelsheimer (), Sidoni Hiffelsheimer (1900), Cilli Kahn (1903), Elsa (Esa) Kahn (1893), Selma Kauder geb. Strauss (1905), Rosa Löbenberg geb. Oppenheimer (1863), Arthur Meyer (1874), Moritz Meyer (1870), Johanna (Hanna) Neumann geb. Mayer (1870), Adolph Strauss (1879), Jeanette (Jenny) Strauss (1894), Leopold Strauss (1863). 
  
Von den in Astheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bertha Strauss (1889), Isidor Strauss (1894), Jenny Strauss (1880), Siegfried Strauss (1891), Paula Wolf geb. Rothschild (1894).    
      
      
  
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibungen der Stelle des Lehrer, Vorbeters und Schochet 1860 / 1865 / 1868 / 1892 / 1900 / 1901 / 1902   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Mai 1860: "Die israelitische Religionsgemeinde in Trebur, Kreises Großgerau, Großherzigtum Hessen, wünscht einen geprüften Religionslehrer mit einem Gehalte von 250 Fl. pro Jahr zu engagieren. Die Schächterdienst, welcher auch dabei versehen werden kann, bringt auch Einhundert Gulden circa ein. Der Eintritt kann sogleich geschehen. Bewerber wollen ihre Offerten franco an den Unterzeichneten einsehen. 
Trebur, den 27. April 1860. Der Vorstand der israelitischen Religions-Gemeinde. Baruch Strauß".    
 
Trebur Israelit 15021865.jpg (44871 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Februar 1865: "Die Stelle eines Vorsängers, Religionslehrers und Schächters in der Gemeinde Trebur mit Astheim wird am 1. April diesen Jahres vakant. Gehalt 400 Gulden nebst Schechitagebühren (für den Schächterdienst) und den sonstigen nicht unerheblichen Emolumenten. Verlangt wird die Fertigkeit, gut Hebräisch und zwar Grammatik, Pentateuch nebst Kommentar usw. zu unterrichten. Meldungen an de israelitischen Vorstand in Trebur (Großherzogtum Hessen). 
  
Trebur Israelit 09121868.jpg (36096 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Dezember 1868: "Die israelitische Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle zu Trebur ist vakant und sofort zu besetzen. Gehalt 300 Gulden. Einbringen der Schechita und sonstige Nebeneinkommen circa 200 Gulden. Bei Befähigung Aussicht zu Verdiensten durch Privatstunden. 
Der Vorsteher Jonas Mayer."   
   
Trebur Israelit 15091892.jpg (38859 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. September 1892: "Die Gemeinde Trebur sucht für sofort einen geprüften Religionslehrer, Schochet und Vorbeter. 
Gehalt 550 Mark, Nebeneinkommen durch Schechita und Kasualien 250 Mark nebst freier Wohnung und Garten. Trebur, den 12. September 1892. Der Vorstand: Jakob Kahn."
  
Trebur Israelit 24111892.jpg (43562 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1892: "Die Gemeinde Trebur sucht per sofort einen geprüften Religionslehrer, Schochet und Vorbeter. 
Gehalt 550 Mark, Nebeneinkommen durch Schechita und Kausualien 250 Mark nebst freier Wohnung und Garten. Trebur, den 18. November 1892. Der Vorstand. Jakob Kahn." 
   
Trebur Israelit 19021900.jpg (34578 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Februar 1900: "Wir suchen per 1. April (1900) einen Lehrer, der Chasan und Schochet sein muss, zu engagieren. Gehalt Mk. 550 fix, ca. Mk 350 Nebeneinkommen nebst großer Wohnung und großem Garten. Der Vorstand der Gemeinde Trebur bei Mainz"
 
Mit der nachfolgenden Anzeige wurde nur ein Chasan und Schochet gesucht:  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. November 1901: "Wir suchen per 1. April 1902 einen Chasan und Schochet. Gehalt Mark 550. Fixe Nebeneinnahmen ca. Mark 500 freie Wohnung, auch großer hübscher Garten. Offerten an den Vorstand der israelitischen Gemeinde Trebur erbeten. 
 
Trebur Israelit 13021902.jpg (57787 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Februar 1902: "Wir suchen per 1. April 1902 einen Religionslehrer, Vorbeter und Schächter. Gehalt Mark 550 fix, Nebeneinnahmen ca. Mark 500, bei freier Wohnung, nebst großem hübschen Garten. 
Offerten an den Vorstand der israelitischen Gemeinde Trebur."
 
Trebur Israelit 07071902.jpg (39867 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juli 1902: "Wir suchen per sofort oder später einen Religionslehrer, Vorbeter und Schächter, der auch Schofarbläser ist. Gehalt Mark 600 fix, Nebeneinnahmen ca. Mark 500, bei freier Wohnung, nebst großem hübschem Garten. 
Offerten an den Vorstand der israelitischen Gemeinde Trebur bei Mainz."  

    
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Schwierigkeiten bei den Vorstandswahlen (1884)     

Trebur Israelit 21081884.jpg (75736 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. August 1884: "Trebur (Hessen). Vergangene Woche sollte auf dem hiesigen Rathause die Neuwahl dreier Vorstandsmitglieder der hiesigen Religionsgemeinde stattfinden; es wurde jedoch keine einzige Stimme abgegeben. Der Großherzogliche Hessische Kreisrat zu Groß-Gerau hatte nämlich durch den hiesigen Bürgermeister bekannt machen lassen, dass aus 6 zu wählenden Gemeindemitgliedern er 3 Vorstandsmitglieder ernennen würde. - Hiergegen macht sich nun einstimmig eine Opposition geltend, dahingehend, dass die hiesige israelitische Gemeinde die nämlichen Rechte, wie die zu Groß-Gerau, die vermittels einer direkten Wahl ihren Synagogen-Vorstand ernennt, beansprucht. -  
Sollte diesem begründet und berechtigten Verlangen nicht entsprochen werden, so finden sich hoffentlich in unserer Mitte Männer, die ein Gesuch um direkte Wahlordnung an die hessische Regierung einreichen werden. E.G."

   
Kollekte für den Wiederaufbau der Mikwe in Trebur (1901) 
  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. September 1901: "Zum Wiederaufbau des Ritualbades in Trebur sind Mark 780 erforderlich. Da erst Mark 280 zu diesem Zwecke disponibel sind, so werden auf diesem Wege freundliche Gaben erbeten. Sendung sind an den 
Vorstand der israelitischen Gemeinde Trebur z
u richten."   

    
Einweihung eines Gedenksteins für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges in Trebur (1924)  

Trebur CV 02101924.jpg (45450 Byte)Artikel in der Zeitschrift des "Centralvereins" (CV-Zeitung) am 2. Oktober 1924: "In Trebur (Hessen) wurde auf dem Gemeindefriedhof ein Gedenkstein für die Gefallenen und Vermissten der Gemeinde errichtet. Der Ort hat etwa 2.000 Einwohner, darunter 14 jüdische Seelen. 69 Namen sind auf dem Gedenkstein verzeichnet, darunter drei von jüdischen Gefallenen. Acht jüdische Einwohner hatten am Kriege teilgenommen. Rabbiner Dr. Levi (Mainz) wies in seiner Ansprache auf die Bedeutung dieser Zahlen als Beweis für die jüdischen Kriegsopfer hin. Die drei jüdischen Gefallenen sind die Brüder Gottfried, Isidor und Edmund Levy."   

      
      
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Aufruf zu Spenden für die Familie Heimbach (1869)
   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Dezember 1869: "Aufruf zur Mildtätigkeit. 
Trebur
(Großherzogtum Hessen), im Dezember. Ein furchtbares Unglück hat sich in unserm Orte ereignet. Am 5. dieses Monats wollte ein braver, fleißiger Mann von hier, Joseph Heimbach mit seinem 19-jährigen Sohne seinen Geschäften nachgehen, als er auf der zugefrornen Schwarzbach eine seiner Enten erblickte, die in Gefahr war, einzufrieren. Um diese zu retten, wagte er sich noch auf die dünne Eiskruste, brach ein und versank. Der Sohn eilte seinem Vater zu Hilfe und versank ebenfalls. Hilfe kam zu spät. Der Sohn wurde als Leiche hervorgezogen, der Vater lebte noch einige Minuten und starb dann, sich als die Veranlassung zum Tode seines Sohnes anklagend.
Der verunglückte Joseph Heimbach hinterlässt eine Witwe und einen 84-jähren Vater in den ärmlichsten Umständen. Ihrer Ernährer beraubt sind beide dem Mangel preisgegeben, wenn sich nicht edle Glaubensgenossen ihrer annehmen. Herr Vorsteher Jonas Mayer in Trebur sowie Herr Rabbiner Dr. Lehmann in Mainz haben sich bereit erklärt, Spenden entgegenzunehmen."     

    
    
Weitere Mitteilungen 
Der Schriftführer des antisemitischen Vereins in Trebur wird verurteilt (1896)      

Trebur AZJ 29051896.jpg (38416 Byte)Meldung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. Mai 1896: "Die Strafkammer in Darmstadt hat den früheren Schriftführer des antisemitischen Vereins in Trebur - einer früheren Hochburg des Antisemitismus in Starkenburg - Namens Mees, wegen Urkundenfälschung und anderer ehrenrühriger Handlungen zu 15 Monaten Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt." 

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  

Anzeigen von J. Strauss in Astheim (1905 / 1906)   

Astheim FrfIsrFambl 24111905.jpg (51078 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 24. November 1905: "Anständiges Mädchen, von achtbaren Eltern, welches bürgerlich kochen kann und die Hausarbeit gründlich versteht, sucht Stelle mit Familienanschluss, am liebsten bei kinderlosem Ehepaar oder bei 1 bis 2 Kindern. Das Mädchen hat die Haushaltungsschule besucht. Frankfurt am Main bevorzugt. 
J. Strauss, Astheim, Post Trebur
."    
   
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. Dezember 1906: 
"Ein Mädchen, 17 Jahre alt, welches bürgerlich kochen kann, sucht Stellung
 
in kleinem Haushalt, wo auch christliches Mädchen vorhanden ist. Offerten an 
J. Strauss, Astheim, Post Trebur".   

         
         
         
Zur Geschichte der Synagoge           
    
Zunächst war vermutlich ein einfacher Betsaal vorhanden. Später (Ende 18. Jahrhundert oder Anfang 19. Jahrhundert) wurde eine Synagoge erbaut. Ein erster Beleg ist jedoch erst das Treburer Hofreitenbuch 1825, wonach das Grundstück der Synagoge (Nauheimer Str. 4, früher Hauptstr. 4) damals auf die jüdische Gemeinde eingetragen war. 1844 wurde die Synagoge renoviert. Bei der Synagoge handelt sich um ein aus Fachwerk erstellte jüdisches Gemeindezentrum (möglicherweise wurde auch ein älteres Gebäude umgebaut). Der Betsaal befand sich im rückwärtigen Gebäudeteil und hatte ein "bemaltes hölzernes Tonnengewölbe". Im Erdgeschoss befand sich die Lehrerwohnung. Unter dem Betsaal war ein rituelles Bad (Mikwe); im Obergeschoss ein Schulraum und zum Betsaal hin die Frauenempore.
  
Um 1920
war eine größere Renovierung notwendig geworden, nachdem die Synagoge inzwischen in baufälligem Zustand war. Da die nur noch wenigen jüdischen Familien in Trebur große Probleme hatten, das erforderliche Geld aufzubringen, wandte die die Gemeinde mit Aufrufen an die Öffentlichkeit: 

Trebur Israelit 05021920.jpg (63914 Byte)Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Februar 1920: "Aufruf! Die Israelitische Gemeinde Trebur-Astheim ist in eine missliche Lage geraten, ihre Synagoge, die baufällig wurde, bedarf dringend, um ihrem heiligen Zwecke dienen zu können, der Wiederherstellung. Unsere Kräfte allein reichen hierzu nicht aus. Wir richten deshalb die Bitte an die Öffentlichkeit, uns bei der Aufbringung der Mittel, die bei der jetzigen Teuerung beträchtlich sind, behilflich zu sein. 
Auch unser Rabbiner Seiner Ehrwürden Herr Dr. Marx in Darmstadt hat sich bereit erklärt, Spenden hierfür in Empfang zu neben. Wir werden an dieser Stelle quittieren. Der Vorstand der Israelitischen Gemeinde Trebur bei Mainz. Albert Goldschmidt." 

Nach der Auflösung der jüdischen Gemeinde 1936 wurden die Torarollen der Gemeinde nach Darmstadt gebracht. Die Holzgegenstände aus der Synagoge wurden verbrannt und auf dem jüdischen Friedhof in Groß-Gerau beigesetzt.  
   
Das Synagogengebäude blieb über den Krieg stehen, wurde jedoch 1969 oder 1970 abgebrochen. Auf dem Grundstück wurde ein Wohnhaus erbaut. 
   
   
Adresse/Standort der SynagogeNauheimer Straße 4 (früher: Hauptstraße 4) / Ecke Friedhofstraße. 
   
    
Fotos  
(Quelle obere Fotozeile: Altaras 1994 S. 118 / Archiv Angelika Schleindl; Fotos 2007: Hahn, Aufnahmedatum 6.7.2007)  

Historisches Foto 
(nach 1945)
Trebur Synagoge 100.jpg (92538 Byte)
  Das Synagogengebäude in den 1960er-Jahren 
        
     
Das Synagogengrundstück 2007 
mit Hinweistafel
Trebur Synagoge 141.jpg (77709 Byte) Trebur Synagoge 140.jpg (58956 Byte)
      Das auf dem Synagogengrundstück 
stehende Wohnhaus
 Hinweistafel
    
      
Auf dem örtlichen Friedhof:
 Gefallenendenkmal 1870/71
Trebur GefDenkmal 141.jpg (96220 Byte) Trebur GefDenkmal 140.jpg (95520 Byte)
    Name von Julius Oppenheimer
     
Gefallenendenkmal 
des Ersten Weltkrieges
Trebur GefDenkmal 143.jpg (103491 Byte) Trebur GefDenkmal 142.jpg (90152 Byte)
      Name von Edmund Levy - die anderen 
Namen der jüdischen Gefallenen sind
 gleichfalls eingetragen

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

Juni 2009: Stolperstein-Aktion - auch für Trebur angeregt   
Artikel in der Zeitung "Main-Spitze" vom 2. Juli 2009:  "Stolpersteine" auch in Trebur? 
TREBUR - HOLOCAUST-GEDENKEN - GLT will an die vertriebenen jüdischen Mitbürger in der Gemeinde erinnern 

(dev). Die Diskussion um die Verlegung von "Stolpersteinen" in Groß-Gerau zum Gedenken an die ehemaligen jüdischen Mitbürger haben bei der Grünen Liste Trebur (GLT) die Idee geboren, eine ähnliche Diskussion auch in Trebur anzustoßen. Auf der öffentlichen Fraktionssitzung am Dienstag wurde das Thema ausführlich besprochen..."    
  
November 2011: Zum Stand der geplanten Verlegung von "Stolpersteinen" in Trebur     
Artikel von Renate Danker in der Zeitung" Main-Spitze" vom 5. November 2011: "An finstere Zeiten erinnern
TREBUR- NATIONALSOZIALISMUS Verein will mit Stolpersteinen ermordeter Juden gedenken

70 Jahre ist es her, dass der letzte jüdische Mitbürger Trebur verließ und damit jüdisches Leben ganz aus der Gemeinde verschwand. 14 weitere waren seit 1933, als sich die Repressalien gegen Juden durch die Nationalsozialisten immer weiter ausbreiteten, von Trebur weg und meistens in größere Städte gezogen. Einige wanderten in die USA aus, die anderen wurden in Konzentrationslager verschleppt und umgebracht. Ähnlich erging es den Astheimer und Geinsheimer Juden..."        
 
Oktober 2012: Museumsnacht zur Erinnerung an die Judenverfolgung in Trebur  
Artikel in der "Main-Spitze" vom 25. Oktober 2012: "Museumsnacht erinnert an die Judenverfolgung in Trebur 
TREBUR. (da). Erstmals wird es am 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht von 1938, in Trebur ein kommunales Gedenken an die Verfolgung der Juden geben. Die 'Gesellschaft Heimat und Geschichte' wird im Rahmen ihrer 'Museumsnacht' namentlich an die Menschen jüdischen Glaubens erinnern, die in der NS-Zeit ihre Heimat verlassen mussten und von denen viele in Konzentrationslager verschleppt wurden, wo sie ermordet wurden..."  
Link zum Artikel: Museumsnacht erinnert an die Judenverfolgung in Trebur (Main-Spitze, 25.10.2012)    
  
Juli 2013: Informationsabend zu "Stolpersteinen" in Trebur   
Presse-Artikel: Informationsabend über Stolpersteine in Trebur (Main-Spitze, 30.07.2013) 
Aus dem Artikel: "...In Trebur steht eine Entscheidung über die Verlegung von 'Stolpersteinen' an. Im Vorfeld findet am Donnerstag, 22. August, um 19.30 Uhr ein Informationsabend im Ratssaal statt. Zu Gast sind Petra Kunik von der jüdischen Gemeinde Frankfurt und jüdische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Frankfurt, sowie Dekan a.D. Tankred Bühler des Evangelischen Dekanats Groß-Gerau...."  
 
August 2013: Anträge im Gemeinderat in Trebur für die Verlegung der "Stolpersteine" und für einen neuen Gedenkstein für die ehemalige Synagoge  
Presseartikel:  Stolpersteine erinnern an Treburer NS-Opfer (Main-Spitze, 30.08.2013) 
Aus dem Artikel:  "In einem gemeinsamen Antrag haben SPD und Grüne Liste Trebur (GLT) die Verlegung von so genannten 'Stolpersteinen' zur Erinnerung an die Opfer der Nazi-Diktatur gefordert. Nach einer fast halbstündigen Sitzungsunterbrechung einigten sich alle Fraktionen auf einen gemeinsamen Antragstext, der anschließend einstimmig beschlossen wurde. Das Projekt soll so lange durchgeführt werden, bis vor jedem Haus ein 'Stolperstein' liegt, in dem die Opfer damals wohnten. Die Kosten für den ersten Stein soll die Gemeindevertretung übernehmen, erläuterte Andreas Swirschuk (GLT).
35 Opfer ermittelt. Bisher wurden 35 Personen ermittelt, für die ein 'Stolperstein' verlegt werden könnte. Constantin Mussel (CDU) bedauerte die zu schnelle Beschlussfassung. 'Vielleicht hätten wir ja eine eigene Form des Gedenkens gefunden', sagte er. Weil die Union vorher nicht gefragt wurde, brachte sie nun ein Änderungsantrag ein. Die Union forderte, die 'Stolpersteine' nur mit Einwilligung der heutigen Hauseigentümer zu verlegen. Außerdem dürften der Gemeinde keine Kosten entstehen. Gefordert wird auch die Nachforschung nach weiteren Opfern. Diese Vorschläge wurden in den gemeinsamen Antrag eingebaut. 'Diese Diskussion über die Verlegung von ,Stolpersteinen‘ geht schon ewig', sagte Gerhard Löffert (SPD). Es sei nun Zeit für eine Entscheidung. Die Steine werden auf der öffentlichen Straße verlegt, eine Zustimmung der Bewohner sei also nicht nötig. Damit könnte Unruhe in der Bevölkerung vermieden werden, erwiderte Mussel.
'Wichtig ist, dass bald etwas passiert', forderte auch Bürgermeister Carsten Sittmann (CDU). Die ursprüngliche Anregung kam vor zwei Jahren von der Gesellschaft Heimat und Geschichte, seitdem sei nichts passiert. Deren Vorsitzender Wolfgang Kraft bekräftigte den Wunsch, möglichst bald mit der Verlegung zu beginnen. Erste Spendenzusagen gebe es bereits. Einstimmig beschlossen wurde außerdem der SPD-Antrag zur Erinnerung an die ehemalige Synagoge. Ein Gedenkstein mit Bronzetafel soll an die früheren jüdischen Mitbürger erinnern. Die Kosten für den Stein wurden noch nicht ermittelt, im Haushalt stehen dafür aber 8000 Euro bereit."   
 
Dezember 2013: In Trebur sollen nach dem Willen der Gemeindevertretung "Stolpersteine" verlegt werden  
Artikel in der main-spitze.de vom 17. Dezember 2013: In Trebur sollen Stolpersteine verlegt werden (Main-Spitze, 17.12.2013) 

   
   
Links und Literatur   

Links:  

Website der Gemeinde Trebur  
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Astheim, Geinsheim und Trebur  

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 305-306. 
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 141. 
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 118-119. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 178. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 216-217. 
Angelika Schleindl: Verschwundene Nachbarn. Jüdische Gemeinden und Synagogen im Kreis Groß-Gerau. Ein Beitrag zur Geschichte der Landjuden in Südhessen. Hg. vom Magistrat der Kreisstadt Groß-Gerau 1993. 

  
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Trebur  Hesse. Founded in the 18th century, the Jewish community numbered 100 (about 6 % of the population in 1871), dwindling to 12 in 1933 and disbanding three years later. Nearly all the remaining Jews left before worldwar II. 
    
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 20. Dezember 2013