Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Michelstadt (Odenwaldkreis, Hessen) 
Jüdische Geschichte / Synagoge
       

August/September 2010: Hinweis auf eine neue Publikation zum Ba'al Schem von Michelstadt     
Michelstadt Lit Groe010.jpg (67929 Byte)Karl Erich Grözinger: Der Ba'al Schem von Michelstadt
Ein deutsch-jüdisches Heiligenleben zwischen Legende und Wirklichkeit
Erschien im August 2010 im Campus-Verlag Frankfurt - New York. 375 Seiten, ca. 20 Abb. 24,90 €. EAN 9783593392820. 
      
Ein Ba'al Schem ist ein jüdischer Wundermann, der mithilfe von praktischer Kabbala heilt und Wunder wirkt. Über 40 davon gab es seit dem Mittelalter im aschkenasischen Judentum. Der letzte Ba'al Schem in Westeuropa war Seckel Löb Wormser aus Michelstadt. Das Grab des im Jahre 1847 Verstorbenen ist heute ein viel besuchter Wallfahrtsort. Karl E. Grözinger schildert Leben und Wirken dieses europaweit bekannten Mannes und zieht einen einmaligen Vergleich zwischen Legende und Wirklichkeit. Das Buch enthält außerdem einen Neuabdruck der Legendensammlung vom Leben des Ba'al Schem sowie eine Vielzahl deutscher und hebräischer historischer Dokumente.
Über den Autor: Karl Erich Grözinger war bis 2007 Professor für Religionswissenschaft und Jüdische Studien an der Universität Potsdam. Er ist Autor des Standardwerks "Jüdisches Denken", dessen vierter und letzter Band in Vorbereitung ist.
Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit auf einer Seite des Campus-Verlages.  Hier auch eine Leseprobe (pdf-Datei).   
Buchpräsentationen: 
- am 12. September 2010, 17.00 Uhr in der Synagoge in Michelstadt   
- am 13. September 2010, 19.00 Uhr in Frankfurt am Main,  Jüdisches Museum Frankfurt, Untermainkai 14/15. Weitere Informationen unter 
www.juedischesmuseum.de  
- am 18. November 2010 in Berlin, Jüdische Volkshochschule, Fasanenstraße  79/80. Weitere Informationen unter www.jvhs.de       

   

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule   
Aus der Geschichte des Rabbinates in Michelstadt   
      u.a. mit Bericht zum Tod des Rabbiners Seckel Löb Wormser  
Weitere Meldungen aus der Gemeinde   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Ausschreibungen der Hoffaktor Speyer'schen Stiftung für bedürftige Mädchen  
Anzeigen  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Michelstadt bestand eine jüdische Gemeinde bis 1940. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Um 1650 lebten zwei jüdische Familien in der Stadt, 1786 waren es 18 Familien, 1791 104 jüdische Einwohner. 
  
Große Bedeutung erlangte Michelstadt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch das Wirken von Rabbi Seckel Löb Wormser (1768-1847), der Wundermann ("Baal Schem" von Michelstadt. Bevor er als Rabbiner wirken durfte, gründete er eine Talmudschule, die weltbekannt wurde und in der er um 1800 bis zu 70 Schüler unterrichtete. Seit 1811 nahm er Rabbinatsfunktionen in Beerfelden, Reichelsheim, Fränkisch Crumbach und (Bad) König wahr, 1823 bemühte er sich um eine feste Anstellung in der Grafschaft Erbach. Neben ihm war - vor allem auch in Michelstadt selbst - der Vorsänger und Schochet Wolf Muhr als Rabbiner tätig. Nach dem Tod der beiden 1846 und 1847 wurde der Rabbinatsbezirk Michelstadt aufgelöst und dem Rabbinat Darmstadt zugeteilt. Pläne um 1895, das Rabbinat wieder zu errichten (siehe Artikel unten) blieben erfolglos. 
  
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert in Michelstadt wie folgt: 1828 177 jüdische Einwohner, 1861 192 (6,2 % von insgesamt 3.098 Einwohnern), 1871 194 (6,0 % von 3.247), 1880 175 (5,3 % von 3.296), 1900 124 (3,8 % von 3.224), 1910 126 (3,5 % von 3.630).
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zur Zeit des Rabbiners Wormser der bereits genannte Rabbiner, Vorsänger und Schochet Wolf Muhr am Ort. Später war ein Lehrer angestellt, der auch als Vorbeter und als Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). Als Lehrer werden u.a. genannt: Lehrer Levi (1845-1865), Lehrer Baruch Plaut (1865-1875), Lehrer Jakob Gottschall (1875-1900) und Abraham Fröhlich (1900-1911). 
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Abraham Fleischer (geb. 3.9.1892 in Mülbach, gef. 22.3.1915) und Ludwig Strauß (geb. 11.3.1893 in Trebur, gef. 25.10.1918).     
  
Um 1924, als noch 99 jüdische Einwohner gezählt wurden (2,5 % von 3.013 Einwohnern), waren  die Gemeindevorsteher Heinrich Oppenheimer, Otto Reichardt und S. Hecht. Als Lehrer, Kantor und Schochet war Leo Grünfeld tätig. Er erteilte auch fünf jüdischen Kindern in Bad König den Religionsunterricht. In Michelstadt hatte er damals 19 Kinder zu unterrichten. 1932 waren die Gemeindevorsteher Emil Straus (1. Vors.), Otto Reichardt (2. Vors.); als Schatzmeister ist Hugo Katz eingetragen. Als Lehrer war nun Leo Straus tätig. Er unterrichtete im Schuljahr 1931/32 13 jüdische Kinder. An jüdischen Vereinen gab es insbesondere die beiden Chewroth: Frauenchewra und Männerchewra
   
1933 lebten 91 jüdische Personen in der Stadt, von denen in den folgenden Jahren noch 48 emigrieren konnten. 14 wurden 1942-43 von Michelstadt aus in Vernichtungslager deportiert.
    
Von den in Michelstadt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Erna Bertha Bacharach geb. Strauss (1899), Luise Cohn geb. Haas (1880), Sara Feilmann geb. Plaut (1871), Albert Haas (1874), Anna Haas geb. Kayem (1892), Isabella (Bella) Haas geb. Strauss (1897), Fred Haas (), Karl Haas (1874), Leopold Haas (1882), Margerit (Margrit, Marquitta) Haas (1924), Werner Josef Haas (1926), Hedwig Jakobi geb. Joseph (1870), Auguste Kahn (1867), Emanuel Kahn (1870), Laura Kahn geb. Rais (1897), Paula Kahn (1902), Rosa Kander geb. Menges (1883), Doris Katz (1924), Hugo Katz (1882), Lina Katz geb. Reichhardt (1882), Martha Katzenstein geb. Speyer (1899), Flora Krieg geb. Dreifuss (1883), Hedwig Ladenburger geb. Ettlinger (1899), Sidonie (Sydonia) Löbmann geb. Marx (1888), Alfred Lorch (1899), Franziska Lorch geb. Oppenheimer (1903), Anna Lesem geb. Speyer (1897, oder Losem), Gertrude Meier geb. Speyer (1903), Johanna Morgenthau (1875), Ludwig Neu (1886), Meta Neu (1882), Moses Neu (1884), Adolf Neumann (1880), Babette Oppenheimer geb. Speyer (1873), Heinrich Oppenheimer (1875), Leopold Oppenheimer (1871), Mathilde Oppenheimer geb. Ettlinger (1904), Dr. Michael Friedrich Oppenheimer (1904), Emilie Reichhardt geb. Jonas (1885), Gertrud Reichhardt (1929), Lotte Reichhardt (1921), Edgar G. Rothschild (1929), Meta Rothschild geb. Levi (1897), Moritz Rothschild (1890), Adolf Straus (1869), Rosa Straus geb. Hirsch (1872), Aron Strauss (1873), David Strauss (1930), Emanuel Strauss (1868), Emil Strauss (1879), Frieda Strauss geb. Nebel (1884), Herbert Strauss (1932), Jenny Strauss geb. Spier (1885), Johanna Strauss geb. Mayer (1866), Lina Strauss geb. Lindheimer (1873), Max Strauss (1870), Max Strauss (1896), Max Strauss (1907), Michael Strauss (1933), Mina Strauss (1900), Uri M.  Strauss (1933), Wilhelm Strauss (1902), Lizzi Wassum geb. Ascher (1888), Rosi (Rosa) Weber geb. Rais (1893). 
    
 
Nach 1945: Eine neue jüdische Gemeinde hat sich durch die Zuwanderung einiger jüdischer Familien aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion in den 1990er-Jahren gebildet.
 
    
  

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1865 / 1875 / 1876 / 1900 / 1911 / 1922 / 1925

Michelstadt Israelit 07061865aaa.jpg (40611 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1865: "Die Stelle eines Lehrers und Vorbeters der israelitischen Gemeinde Michelstadt ist neu zu besetzen. – Hierauf Reflektierende belieben sich wegen des Näheren unter genauer Angabe ihrer bisherigen Wirksamkeit an den Unterzeichneten zu wenden. Michelstadt. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde Albert Strauß."
 
Michelstadt Israelit 27101875.jpg (54830 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1875: "Gesuch. Bei der hiesigen israelitischen Gemeinde ist die Stelle eines Lehrers, Vorbeters und Schächters alsbald zu besetzen. Seminaristisch gebildete Lehrer erhalten den Vorzug. Jährliches Einkommen circa 1.200 Mark ohne Nebenverdienst. Bewerbungen sind nebst Zeugnissen baldmöglichst einzureichen. Michelstadt, den 8. Oktober 1875. Der Vorstand des israelitischen Gemeinde: Lyon."
 
Michelstadt Israelit 30081876b.jpg (54093 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. August 1876: "Lehrer-, Kantor- und Schächterstelle sofort zu besetzen. Gehalt fix 900 Mark nebst den nicht unbedeutenden Schächtgebühren. Durch die hiesige Realschule ist reichliche Gelegenheit zur Erteilung von Privatunterricht geboten. Qualifizierte Bewerber wollen sich baldigst an Unterzeichneten wenden. Michelstadt, den 17. August 1876. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde. Lyon."
 
Michelstadt Israelit 30081876.jpg (20923 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. August 1876: "Vorbeter, zugleich Baal Tokea, für die ernsthaften Tage gesucht. Michelstadt, den 17. August 1876. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde. Lyon."
 
Michelstadt Israelit 230811900.jpg (72528 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1900: "Lehrergesuch! Nachdem Herr Lehrer Gottschall seines hohen Alters wegen, die schon, seit 24 Jahren innehabende Stelle als: Religionslehrer, Vorbeter, Schochet und Friedhofskommissär zu allgemeinem bedauern gekündigt hat, wird solche hiermit zur Neubesetzung ausgeschrieben. Geeignete seminaristisch gebildete Bewerber wollen Ihre Offerten mit genauer Personalbeschreibung, nebst Zeugnisabschriften alsbald an unterfertigte Stelle einreichen. Bemerkt wird, dass die Stelle mit Nebeneinkünften ca. Mark 1.800 einträgt. Michelstadt, hessischer Odenwald, 14. August 1900. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde Michelstadt: Speyer."
   
Michelstadt Israelit 21091911.jpg (68020 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. September 1911: "In unserer Gemeinde ist die Stelle eines seminaristisch gebildeten Religionslehrers, Kantors und Schochets baldigst zu besetzen. Gehalt nebst festem Nebeneinkommen ca. 2.600 Mark sowie Pensionsberechtigung. Bewerber wollen sofort ihre Gesuche nebst Zeugnisabschriften und Lebenslauf an Unterzeichneten einreich. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde Michelstadt Theodor Strauß."
  
Michelstadt Israelit 23031922.jpg (60346 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. März 1922: "Wegen Übergang des bisherigen Lehrers in den Staatsdienst ist die hiesige Religionslehrerstelle möglichst bald zu besetzen. Mit derselben ist das Amt des Vorbeters und Schochets verbunden. Die Rechnungsführung für die israelitische Gemeinde, sowie die 'Speyer'sche Stiftung' und Friedhofsverband werden bei eventueller Übernahme extra honoriert. Oberrealschule, höhere Töchterschule und staatliche Gewerbeschule am Platz. Bewerber belieben Gesuche mit Gehaltsangabe an den Unterzeichneten zu richten. Ledige Bewerber erhalten den Vorzug. 
Michelstadt, den 20. März 1922. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde. Theodor Strauß." 
   
Michelstadt Israelit 26101922.jpg (76693 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1922: "Wir suchen per sofort einen seminaristisch geprüften, orthodoxen Lehrer, der auch als Schochet und Chasan (Vorsänger) zu fungieren hat. Fixum 100 mille. Erhebliche Nebeneinkommen. Einkommen in der staatlichen Pensionskasse. 2. Lehrerprüfung erwünscht. Sofortige Verwendung an landwirtschaftlicher Winterschule und staatlicher Gewerbeschule mit ca. 20 Wochenstunden bei zeitgemäßer Besoldung möglich, für Mathematik, Deutsch etc.). Wohnungsbeschaffung vorläufig nur für ledigen Herrn möglich. Angeh. Bewerbungen unter Beifügung von Referenzen und Zeugnisabschriften erbeten an den 
Vorstand der Israelitischen Gemeinde Michelstadt: Theodor Strauß."  
   
Michelstadt Israelit 12021925.jpg (37278 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Februar 1925: "In hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schochets per 1. Juni eventuell früher zu besetzen. Die Besoldung erfolgt nach staatlichen Grundsätzen. Bewerber wollen ausführliche Angebote mit Zeugnisabschriften und Lebenslauf einreichen. Israelitische Gemeinde Michelstadt in Hessen. Der Vorsteher: Heinrich Oppenheimer."
  
Michelstadt Israelit 22101925.jpg (43748 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Oktober 1925: "Wir suchen per sofort oder 1. Januar 1926 Religionslehrer, Kantor und Schauchet. Gehalt nach staatlicher Besoldung und Möglichkeit zu guten Nebenverdiensten. Bewerber (Reichsdeutsche) mit nur Ia Zeugnissen und Empfehlungen belieben sich zu melden   
Vorstand der israelitischen Gemeinde Michelstadt (Hessen). Heinrich Oppoenheimer."  

   
Zum Tod von Lehrer Levi (1865)

Michelstadt Israelit 07061865.jpg (110449 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juni 1865: "Michelstadt. Unserem schlichten Städtchen, das sich so selten der Erwähnung in einem öffentlichen Blatt erfreut, umso mehr aber im Munde des Volkes durch seinen dahingegangenen Rabbinen HaRaw HaGadol Raw Sekel Lew – seligen Andenkens – einen guten Klang hat, steht ein bedeutender Verlust bevor. – Unser hoch geehrter Herr Lehrer Levi, der schon seit mehr als zwanzig Jahren die hiesige Lehrer- und Predigerstelle zur allgemeinen Zufriedenheit bekleidete, wird schon dieser Tage unsere Gemeinde verlassen und in Frankfurt eine bessere Stelle antreten. Die dankerfüllten Schüler dieses Mannes fühlen diesen herben Verlust wohl am meisten, da unser Herr Lehrer nicht nur durch seine lebendige, ansprechende Unterrichtsweise, sondern auch durch sein freundlich herzliches Entgegenkommen unsere Herzen gewann. Aber auch in das Gemüt eines jeden Einzelnen schlägt das Scheiden dieses jahrelangen Leiters unserer Gemeinde eine tiefe Wunde; denn abgesehen davon, dass es schwer fallen wird, unter gleichen Bedingungen einen würdigen Nachfolger zu finden, der, wie sein Vorgänger, sein ganzes wohl der Ausübung seiner Amtspflichten opfert, so wird man auch das wohlwollende Wesen, mit welchem er Jedem durch Rat und Tat an die Hand ging, empfindlich vermissen. Möge diesen biederen Ehrenmann auch ferner Gottes sichtbarlicher Segen begleiten, und dessen zukünftiges Wirken von ebenso glücklichen Erfolgen gekrönt sein, als dies bei uns der Fall war! Möge es aber andererseits auch unserer Gemeinde gelingen, einen Mann heranzuziehen, der das schwierige Amt eines Lehrers so handhabt, wie es, vom jüdischen Standpunkt betrachtet, erforderlich ist! E."

  
Neujahrsgrüße von Lehrer Gottschall und Frau (1898)
   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1898: 
"Herzlichste Glückwünsche zum neuen Jahre 'Einschreibung und gute Besiegelung" 
senden wir hierdurch allen lieben Freunden und Bekannten 
Lehrer J. Gottschall und Frau, Michelstadt im Odenwald."  

    
Auszeichnung für Lehrer Gottschall (1900)  

Michelstadt Israelit 13121900.jpg (50264 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Dezember 1900: "Michelstadt, 10. Dezember (1900). Eine seltene Auszeichnung wurde dem seit Ende Oktober in den Ruhestand getretenen Herrn Lehrer Gottschall dahier zuteil. In ehrender Anerkennung seiner langjährigen pflichtgetreuen Dienste wurde ihm am Geburtstage Seiner Königlichen Hoheit, des Großherzogs von Hessen, der Verdienstorden 'Philipp des Großmütigen' verliehen. 
Möge der Orden noch lange Jahre die Brust des wackeren Jugenderziehers schmücken."

   
Zum Tod von Lehrer Jakob Gottschall (1903)

Hoechst iO Israelit 10121903.jpg (66823 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1903: "Höchst i.O., 4. Dezember. Ein großer Trauergefolge bewegte sich vergangenen Sonntag nach dem israelitischen Friedhofe Michaelstadt. Galt es doch, dem nach 55jähriger, ersprießlicher Tätigkeit als Religionslehrer und Jugendbildner, in die ewige Heimat abberufenen Herrn Jakob Gottschall die letzte Ehre zu erweisen. Seine Ehrwürdigen Herr Landesrabbiner Dr. Marx aus Darmstadt widmete dem Entschlafenen in der Friedhofshalle einen überaus ehrenden Nachruf. Unter Zugrundlegung der Textwort: 'und Jakob ging weg aus Beer Sheba und er ging nach Haran' verglich Redner den von uns Hinweggegangenen Jakob Gottschall mit unserem Stammvater Jakob unserem Vater. Wie bei dem Wegzuge unseres Patriarchen Jakob der Glanz, das Licht und der Ruhm von seiner Heimat schwand, so sei auch mit dem Wegzuge dieses Mannes der Ruhm, 
Hoechst iO Israelit 10121903a.jpg (258651 Byte)der Glanz und das Licht der israelitischen Gemeinde Michelstadts erloschen. Weiter entwickelte der Herr Rabbiner ein ergreifendes Lebensbild des Entschlafenen in Bezug auf seine dreifache Tätigkeit als Familienvater, als Lehrer einer Religionsgemeinde und als ein, seiner Verpflichtungen gegen die Allgemeinheit sich bewusster Mensch. Auch ihm würden sich, wie unseren Frommen, drei Engel vom Gottesthrone nahen und ihm zurufen: 'Friede mit Dir! Lohn wird Dir werden für Deine aufopfernde Liebe und Treue Deinen Angehörigen gegenüber, Lohn wirst Du empfangen für die Saat, die Du in langen Jahren hingebendester Tätigkeit in die empfänglichen Kinderherzen gestreut hast, Lohn wirst Du erhalten für Deine allumfassende Menschenliebe, die auch dem sorgenvollsten, sich Dir nahenden, einen Lichtblick gewährte.' Wohl sei der Stand der jüdischen Kultusbeamten nicht auf Rosen gebettet und auch der Dahingeschiedene hätte die Not des Lebens gelernt; aber diejenigen, die mit Tränen säen, tröstete der Landesrabbiner, würden in hellem Jubel die Früchte ihrer Tätigkeit vor dem Throne des allmächtigen Vaters im Himmel einst ernten und genießen. Nach der fast einstündigen Rede des Herrn Rabbiners ergriff der Vorsitzende des israelitischen Lehrervereins in Hessen, Herr Wertheimer, Heldenbergen, das Wort, um in kurzer, markiger Rede Abschied zu nehmen von dem teuren Freunde, dem gewissenhaften Kollegen, dem erst arbeitenden Vereinsmitgliede, und ihm Dank zu sagen für seine selbstlose Tätigkeit im Interesse der sozialen Besserstellung der israelitischen Lehrer Hessens. Der Nachfolger des Entschlafenen, Herr Fröhlich - Michelstadt, hob in seiner Ansprache insbesondere hervor, dass auch unser allverehrter Landesfürst, Seine königliche Hoheit Großherzog Ernst Ludwig, die Verdienste Gottschalls anerkannte, indem er ihm den Orden Philipps des Großmütigen verlieh; dass der Gesangverein 'Liederkranz' es sich nicht nehmen ließ, seinem früheren Dirigenten vor dem Sterbehause einen Abschiedsgesang zu widmen und dass auch Direktion und Lehrkörper der Großherzoglichen Realschule, dem langjährigen Religionslehrer dieser Anstalt, das Ehrengeleite gaben. Weiter betonte Herr Fröhlich das Sterben des Seligen nach Vervollkommnung, sein Sehnen, durch peinlichste Gewissenhaftigkeit alle seine Schüler zu tüchtigen, ehrenvollen Menschen zu machen und seinen süßesten Lohn, seine Lehren, in die Tat umgesetzt zu sehen. Von der Friedhofshalle aus, in welcher Gottschall so oft und so herzlich Vielen Trost zugesprochen, wurden dann die sterblichen Überreste dieses Großen in Israel - der mit den Kronen der Gelehrsamkeit und des guten Namens geschmückt war - der kalten Erde übergeben. Sein Geist aber lebt weiter in unserer Mitte und wird uns ein Ansporn sein, ihm ähnlich zu werden. 'Zum ewigen Gedenken sei der Fromme!'  Nach erfolgter Beerdigung statteten die Lehrer des Odenwaldbezirks dem Herrn Landesrabbiner einen Besuch ab und baten ihn, bei einem alle vier Wochen zu veranstaltenden Lernen in Mischna und Dinim (Religionsgesetzen) den Vorsitz zu übernehmen. Hoch erfreut über diesen Lerneifer willigte Herr Dr. Marx ein und bestimmte die erste Zusammenkunft für Sonntag, den 6. Dezember nach Reinheim. Möge dieses Beispiel auch Andre aneifern, immer mehr und mehr sich dem Studium unserer heiligen Lehre zu widmen. H.K."
  
Michelstadt AZJ 22011904n.jpg (137036 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Januar 1904: "Michelstadt, im Januar (1904). Am 26. vorigen Monats stark plötzlich infolge eines Herzschlages der pensionierte Lehrer Jacob Gottschall im Alter von 78 Jahren. Er fungierte als Religionslehrer und Kantor in Schornsheim (Rheinhessen), Viernheim und Michelstadt i.O., in letzterer Gemeinde ca. 25 Jahre. Hier wurde er auch an der großherzoglichen Realschule sofort als israelitischer Religionslehrer angestellt. Die verschiedenen Dirigenten der Schule schätzten ihn hoch und anerkannten seine unterrichtlichen Erfolge. Vor ca. 2 Jahren, als er in Pension trat, legte er auch dieses Amt krankheitshalber nieder. Seine musikalische Befähigung wurde in Michelstadt bald bekannt, und der Gesangverein ‚Liederkranz’, dem die besseren Elemente der Stadt angehören, wählte ihn zu seinem Dirigenten. Er wurde mit der Zeit Freunde und Berater und Helfer vieler Familien der Stadt; er diente Arm wie Reich in gleicher Liebe und Hingebung. So kam es, dass er von allen wieder geliebt wurde, was sich deutlich bei seinem Leichenbegängnisse zeigte. Am Grabe entwarf Rabbiner Dr. Marx-Darmstadt ein getreues Lebensbild des verdienten Lehrers, des sorgenden Gatten und Vaters, des treuen Freundes und Kollegen, das Herzen rührte und vielen Tränen in die Augen lockte. Darnach ergriff Lehrer Wertheimer – Heldenbergen als Vorsitzender des israelitischen Lehrervereins im Großherzogtum Hessen das Wort, um dem Heimgegangenen, der seit Gründung des Vereines eines seiner eifrigsten Mitglieder war, warme Worte des Nachrufes zu widmen. Er betonte, dass er der Stolz des Vereines war, zu dem alle Mitglieder mit Hochachtung und Verehrung aufblickten. Er blieb bis zum Ende der treue, aufopfernde Lehrer. Nebst verschiedenen Remunerationen seitens der großherzoglichen Staatsregierung verlieh ihm der Großherzog das silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen."  

   
Suche eines Hilfsvorbeters für die hohen Feiertage (1915)  

Michelstadt Israelit 05081915.jpg (45155 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. August 1915: "Wir suchen für die hohen Feiertage einen Hilfsvorbeter
Offerten nebst Gehaltsansprüche umgehend erbeten. 
Der Vorstand der Israelitischen Gemeinde Michelstadt. Theodor Strauß."  


Regelung der Lehrerbesoldung (in der Inflationszeit 1922)

Michelstadt Israelit 06071922.jpg (59652 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Juli 1922: "Darmstadt, 27. Juni. Die ‚Arbeitsgemeinschaft’ schreibt: Nach gütlichem Übereinkommen mit der Verwaltung der israelitischen Gemeinde Michelstadt hat diese dem neu anzustellenden Lehrer und Kantor ein festes Gehalt von 40.000 Mark sowie Einkauf in die Fürsorgekasse für Gemeindebeamte bewilligt. Wir empfehlen die Stelle der allgemeinen Bewerbung und bemerken, dass tüchtigen Kollegen neben der Schechitoh noch reichlich Gelegenheit zu Nebenverdiensten durch Privatstunden namentlich in den Handelsfächern und der Musik geboten ist."

 
Aus der Geschichte des Rabbinates in Michelstadt   
Bilder von Rabbiner Wormser sowie zwei Dokumente aus dem Staatsarchiv Darmstadt zur Beantragung seiner festen Anstellung 1823 
(übernommen aus Arnsberg, Bilder s.Lit. S. 151) 

Michelstadt SLWormser 01.jpg (63371 Byte) Michelstadt SLWormser 03.jpg (76639 Byte) Michelstadt SLWormser 02.jpg (79805 Byte)  
Rabbiner Seckel Löb Wormser, der "Baalschem" von Michelstadt  Der alte, nicht mehr vorhandene Grabstein für S. K. Wormser
 
Michelstadt SLWormser 05.jpg (57828 Byte)Gesuch von Isaac Löw Mathes Wörmser zu Michelstadt vom 24. Juni 1823: 'Seiner hochgräflichen Erlaucht, dem regierenden Herrn Grafen Albert zu Erbach, Herrn zu Breuberg und Rothenberg; untertänigste Bitte des Isac Löw Matthes Wormser, zu Michelstadt (um) Gnädigste Anstellung als Rabbi in dem Umfange der Grafschaft Erbach..."
 
Michelstadt SLWormser 04.jpg (88288 Byte)Auszugsweise Zitat: "Erlauchtester Graf, Gnädigster Graf und Herr... Vor einigen Tagen wurden die hiesige Judenschaft sowohl, als die übrigen Judenschaften der gesamten Grafschaft Erbach von der Regierung durch den Landrat aufgefordert, zu erklären, ob sie wünschen, in Rabbiner-Angelegenheiten künftig unter dem Oberrabbi zu Darmstadt zu stehen, oder ob es ihr Wunsch sei, einen eigenen Rabbi zu haben. Die Meinung der Deputation der hiesigen Gemeinde sprach sich für einen eigenen Rabbi aus. Nun, Gnädigster Graf und Herr, bin ich ein Landeskind, ohne alles Vermögen im Besitze einer sehr zahlreichen Familie, studiere seit vierzig Jahren als Rabbi, habe dreifach als Rabbi promoviert, ... seit 1811 ist mir von der Gräflichen Regierung die Erlaubnis erteilt, in den Distrikten Beerfelden, Reichelsheim, Fränkisch Crumbach und König, auf Verlangen, die Verrichtungen eines Rabbi auszuüben, und wünsche jetzt eine feste Versorgung. Ich erlaube mir daher zur hohen Gnade Eurer Hochgräflichen Erlaucht, die untertänigste Bitte zu erlassen: um gnädigste Anstellung als Rabbi in dem Umfange der Grafschaft Erbach-Fürstenau. In tiefster Ehrfurcht ersterbend, Erlauchtester Graf, Gnädigster Graf und Herr! Eurer Hochgräflichen Erlaucht untertänigster Isak Löw Matthes Wormser."



Zum Tod von Rabbi Isaak Löb (Seckel Löb) Wormser (1847)

Michelstadt AZJ 18101847.jpg (197221 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Oktober 1847: "Michelstadt (auf dem Odenwalde, im Großherzogtum Hessen), 29. September (1847). Eine Trauerfeier seltener Art bewegte am 16. dieses Monats unsere Stadt. Der berühmte und würdige Rabbi Isaak Löb Wormser ist heimgegangen zu seinen Vätern. Schon längere Zeit mit den beschwerden des Alters kämpfend, ist er am 13. dieses Monats gegen Abend gottergeben und noch mit sterbender Stimme seinen Herrn preisend, zur Ewigkeit eingegangen, im 76. Jahre seines Lebens. Tiefe und aufrichtige Trauer erregt sein Tod nicht nur bei seinen Hinterlassenen, die nun durch diesen harten Schicksalsschlag aller Stütze und Versorgung beraubt, der bittersten Armut und dem größten Elend preisgegeben sind, sondern auch bei seinen zahllosen Gönnern, Verehrern und Freunden in dem ganzen Rabbinatsbezirke und weit hin über die Grenzen Deutschlands, Europas, ja selbst über den Ozean wird sein Hingang von gläubigen Herzen beklagt und betrauert werden. So einfach und geräuschlos sein Leben und Wirken in unserer Mitte war, so berühmt und allgemein bekannt und hoch geschätzt war er durch seine Frömmigkeit, seine tiefe Lehrweisheit, seine felsenfeste Treue am Gotte Israelis und seine unbegrenzte Wohltätigkeit bei Israeliten und Nichtisraeliten. Sein ganzes Leben, das in Entbehrungen, Entsagungen und Aufopferungen bestand, war nur der Beglückung seiner Mitmenschen ohne Unterschied des Glaubens gewidmet, viele Tränen der Armut und des Unglücks trocknete er, manches wunde Herz hat er geheilt und manchen Kummer als Freund und Tröster brüderlich geteilt und gelindert. In welch allgemeiner Verehrung und Liebe er hier und in der Umgegend gestanden war, bewies sein Leichenbegängnis, bei welchem eine gewiss sehr seltene Teilnahme betätigt wurde, denn über achthundert verschiedener Konfessionen Angehörige schlossen sich dem Leichenzuge an. Schon abends vorher und mit kommendem Tagesanbruch sah man von allen Seiten, zum Teil aus beträchtlicher Ferne, Freunde und Verehrer des Verstorbenen in Menge herbeiströmen. Gegen 10 Uhr bewegte sich der Zug in der musterhaftesten Ordnung durch die Stadt, wie folgt: Dem Sarge, getragen von den Vorständen des Rabbinatsbezirks, folgten drei israelitische Lehrer, welche große in Flor gehüllte Folianten, die geschriebenen talmudischen Abhandlungen des Verstorbenen, trugen. Den hierauf folgenden Angehörigen des Verstorbenen hatte sich die israelitische Schuljugend angeschlossen und dieser folgte Herr Rabbiner Dr. Auerbach von Darmstadt, welcher gekommen war, seinem greisen Kollegen die letzte Ehre zu erweisen, begleitet von Herrn Levi, Lehrer und Vorsänger der
Michelstadt AZJ 18101847a.jpg (235658 Byte)hiesigen israelitischen Gemeinde und Herrn Fromm, dem Privatlehrer des Verstorbenen. Hierauf folgten zwei hiesige evangelische Geistliche, die Geistlichen von Erbach, viele auswärtige israelitische Lehrer und die Lehrer der hiesigen Real- und Stadtschulen. Auch Seine Erlacht, der regierende Graf zu Erbach-Fürstenau hatten die Gnade, Seine Achtung dem Verblichenen durch eine Deputation zu bezeugen, welcher sich nun der Landrat des Bezirks, der hiesige Beigeordnete und Gemeinderäte anschlossen. Sodann folgten zahlreiche Beamte und Bürger, und eine unabsehbare Reihe israelitischer Glaubensgenossen beiderlei Geschlechts – die zum Rabbinatsbezirk gehörenden Orte nach alphabetischer Rangordnung eingeteilt – beschloss endlich den Zug. Erst vor der Stadt begann der Wechsel der Leichenträger, welcher sich nun oft wiederholen musste, um es auch den übrigen zum Rabbinatsbezirke gehörigen Gemeinden möglich zu machen, ihren verehrten Rabbiner zur Ruhestätte bringen zu können. Alles dies ist aber in so großer Ordnung vor sich gegangen, dass der Zug fast nicht die mindeste Unterbrechung erlitt. Auf dem Friedhofe angekommen, hatten sich schon zahlreiche Zuhörer daselbst versammelt, und nachdem die üblichen Gebete und Gebräuche verrichtet waren, hielt Herr Dr. Auerbach die erste Rede; nach diesem trat der eine evangelische Geistliche, Herr Mitprediger Bauer, auf, an dessen Rede sich noch zwei andere reihten, gehalten von Herrn Fromm und Herrn Levi. Hierauf folgten nun die Schlussworte, gesprochen von Herrn Stadtpfarrer Hessig. Sämtliche Redner hoben in höchst ansprechender Weise die Tugenden und Verdienste des Seligen hervor und zeigten, welche Stütze des Judentums mit ihm gebrochen, welche Hoffnung mit ihm hinabsank, wie seine ganze Kraft seinem wichtigen und heiligen berufe gewidmet war, und wie Wohl tun gegen Jedermann, ohne Unterschied des Glaubens, der Grundzug seines biederen Charakters gewesen, wodurch er sich ein bleibendes Gedächtnis bei Israeliten und Christen gestiftet hat; besonders ergreifend war die Rede des Herrn Mitprediger Bauer und die sehr gehaltvollen Schlussworte des Herrn Stadtpfarrer Hessig, welche gewiss in den Herzen aller Anwesenden den tiefsten Eindruck gemacht, und selbst die Orthodoxesten, welche einen so seltenen Fall, evangelische Geistliche am Sarge eines Israeliten reden zu hören, noch nicht erlebt hatten, verließen dankbar gerührt den Friedhof. Diese Leichenfeier, obgleich vom Wetter nicht begünstigt, war eine wahrhaft erhebende und gewährte ein erfreuliches Bild der Humanität und Toleranz. Gewiss kann es nur von guter Nachwirkung sein, dass die evangelische Geistlichkeit, mit gutem Beispiele vorangehend, den Biedermann ehret, wo sie ihn findet, und die Scheidewand fallen lässt, die nur zu oft Christen und Juden trennet!
Schließlich erlaubt sich Einsender dieses zu bemerken, dass zur Versorgung der nun armen und hilflosen Familie des Verstorbenen ein Komitee zur Errichtung eines Fonds sich hier gebildet hat, welches zur Erreichung eines solch heiligen Zweckes, durch einen demnächst ergehenden öffentlichen Aufruf, die kräftige Unterstützung aller edlen Menschenfreunde erbitten wird. L."

   
Anregung von Rabbiner Dr. Formstecher (Offenbach) nach dem Tod von Seckel Löb Wormser: Bildung einer Unterstützungskasse für Witwen israelitischer Geistlicher (1848)   

Michelstadt AZJ 01011848.jpg (219294 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Januar 1848: "Offenbach, 19. Dezember 1847. Aufruf zur Bildung einer Unterstützungskasse für Witwen israelitischer Geistlichen.   
Lange schon nähre ich den Plan, gleichgesinnte Amtsgenossen zu veranlassen, die zerstreuten Kräfte zu Bildung einer überschriftlich bezeichneten Unterstützungskasse zu vereinen. Auch würde ich bei der diesjährigen Rabbinerversammlung bestimmt Teilnehmer an meinem Streben gewonnen haben, wenn diese selbst nciht auf ein Jahr hätte verschoben werden müssen. - Nun aber sehe ich mich durch ein mich schmerzlich berührendes Ereignis veranlasst, meinen Vorschlag auf diesem Wege meinen Amtsbrüdern zur Prüfung und zur Beherzigung vorzulegen. Zu Michelstadt im Großherzogtum Hessen starb am 13. September dieses Jahres der dortige, in gewinnen Kreisen sehr berühmte Rabbiner Is. Löw Wormser nach vieljähriger Amtsverwaltung in seiner solchen Dürftigkeit, dass für die, durch seinen Tod brotlos gewordene Witwe und deren drei unversorgte Kinder sich ein Unterstützungskomité bilden musste, welches durch öffentliche Aufforderungen und Rundschreiben so viel aufzubringen sich bemühet, um die armen Verlassenen vor dem bittersten Mangel zu schützen. - Es ist dieses zwar nicht das erste und nicht das alleinstehende Beispiel, dass für die dürftigen Hinterlassenen eines Rabbiners gebettelt werden muss, und dennoch kann das teilnehmende Herz eines tiefen Schmerzes sich nicht erwehren, so oft solch ein düsteres Bild in seiner furchtbaren Wirklichkeit vor unsere Augen tritt..."    
Michelstadt AZJ 01011848b.jpg (286340 Byte)Der weitere Abschnitt wird nicht ausgeschrieben, da er zu weit über die Thematik der jüdischen Geschichte in Michelstadt hinausgeht; bei Interesse bitte anklicken.

  
Listen über eingegangene Beiträge zur Unterstützung der Familie von Rabbiner Löw Wormser (1848)   

Michelstadt DTrZionswaechter 18011848.jpg (268684 Byte)Links: Das "Comitee zur Unterstützung für die unversorgte Familie Wormser" empfiehlt seine Arbeit und veröffentlicht eine erste Liste von eingegangenen Spenden.  
Anzeige in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 18. Januar 1848.
Michelstadt AZJ 17011848.jpg (238338 Byte)Dieselbe Liste des Unterstützungskomitees, veröffentlicht in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Januar 1848.    
Liste wird nicht ausgeschrieben, bei Interesse bitte Textabbildung anklicken.    
                 
Michelstadt DTrZionswaechter 15091848a.jpg (295170 Byte) Michelstadt DTrZionswaechter 22091848a.jpg (169334 Byte)
"Zweite Liste der zur Bildung eines Fonds für die Hinterbliebenen des seeligen Rabbinen J. L. Wormser dahier eingegangenen Beiträge" in der Zeitschrift "Der treue Zionswächer" vom 15. September 1848 Oben: Fortsetzung der "Zweiten Liste..." in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 15. September 1848. Liste wird nicht ausgeschrieben - bei Interesse bitte Textabbildung anklicken.

          
Zum Tod von Rabbi Wolf Wormser, Sohn von Seckel Löb Wormser (1892)
Anmerkung: Rabbi Seckel Löb Wormser hatte aus zwei Ehen zusammen 15 Kinder. Der nachstehend genannte Wolf Raphael Wormser war das zweitjüngste Kind aus der zweiten Ehe mit Johanna geb. Benzinger, aus der insgesamt 10 Kinder hervorgingen. 

Michelstadt Israelit 04041892.jpg (102894 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. April 1892: "Michelstadt im Odenwald, 28. März (1892). Am verflossenen Mittwoch, dem 24. Adar, starb der unverheiratete 67 Jahre alte Rabbi Wolf Wormser, der zweitjüngste und noch allein hier lebende Sohn des im Jahre 1847 dahier verstorbenen, weltberühmten Rabbiners, des HaGaon Hagadol, unser Lehrer, der Herr, Herr Sekel Löw Wormser – das Andenken an den Gerechten und Heiligen ist zum Segen -. Der Verstorbene hatte sich zur Lebensaufgabe gemacht zu lernen und zu lehren um zu beachten und zu tun alle Worte des Talmud, der Tora Gottes in Liebe; dabei war er ein großer Menschenfreund, übte Wohltätigkeit im höchsten Grade und opferte Alles, was er verdiente, für die Armen und Bedürftigen ohne Unterschied des Glaubens. – Wo es edlen Zwecken halt, gab er mit vollen Händen. – Daher die zahlreiche Beteiligung der jüdischen und Nichtjüdischen Bevölkerung, und auswärtiger Glaubensgenossen – bei seinem Leichenbegängnisse. – Auf telegraphische Nachricht war Rabbiner Dr. Marx aus Darmstadt hierher geeilt, welcher auf dem Friedhof eine ergreifende, von Herzen kommende und zu Herzen gehende Leichenrede hielt, die den tiefsten Eindruck machte und hinterließ. – Redner entwarf mit Rücksicht auf die Abstammung des Hingeschiedenen, auf seine Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit, sein edles Wirken und seinen musterhaften Lebenswandel und besonders auf seine Torakenntnis ein sehr treffliches, wahrheitsgetreues Charakterbild desselben. J. Gottschall, Lehrer."

 
Überlegungen, das Rabbinat Michelstadt wieder zu errichten (1895)
Anmerkung: 1895 wurde das Rabbinat Darmstadt in ein liberales und ein orthodoxes Rabbinat geteilt. Damals stimmten in Michelstadt 19 Gemeindemitglieder für die liberale Richtung; die übrigen Gemeindemitglieder waren gegen eine Trennung des Rabbinats und wollten wieder ein eigenes Rabbinat in Michelstadt.

Michelstadt Israelit 10061895.jpg (71232 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juni 1895: "In Bensheim, so schreibt man der ‚Laubhütte’ fand eine Gemeindeversammlung statt, in welcher darüber beraten wurde, ob man der Errichtung eines Rabbinates Bensheim zustimmen solle. Nach eingehender Beratung wurde beschlossen, diesen Antrag abzulehnen. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde Bensheim gehört zu den persönlichen Anhängern des Herrn Dr. Marx in Darmstadt und wünscht deshalb den Anschluss an dessen Religionsgesellschaft und Rabbinat. Es sind noch einige Gemeinden in der Bergstraße, die ebenso gesinnt sind. Es werden äußerst wenig Gemeinden vorhanden sein, welche für den Anschluss an den Rabbiner der ‚liberalen’ Gemeinde, Herrn Dr. Selver in Darmstadt stimmen. In Michelstadt fand eine Versammlung statt, von welcher ich Ihnen berichten kann, dass die Gemeinde einstimmig beschlossen hat, den Antrag zu stellen, dass das Rabbinat Michelstadt wieder errichtet werde."

  
Gedenktafel für Rabbi Seckel Löb Wormser (1909)

Michelstadt Israelit 24121908.jpg (79649 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Dezember 1908: "Michelstadt, 22. Dezember (1908). Der Gemeinderat beschloss, wie das ‚Erbacher Kreisblatt’ meldet, zu Ehren des 1847 verstorbenen weltberühmten Rabbis Seckel Löb Wormser, der als Gelehrter und Menschenfreund seiner Vaterstadt viele Wohltaten und Ehren erwiesen hatte, eine Gedenktafel an dem hause, in dem er zuletzt wohnte, gegenüber dem Amtsgericht, anbringen zu lassen. Ein Komitee, das sich teils aus dem Gemeinderat, teils aus der Bürgerschaft rekrutiert, soll das hierzu Nötige in die Wege leiten. Durch die im ‚Israelit’ vor zwei Jahren erschienene Erzählung, deren Held Rabbi Seckel Löb Wormser ist, wurde die Aufmerksamkeit der Michelstädter Bürgerschaft erneut auf Rabbi Seckel Löb Wormser gelenkt, ein Interesse, das jetzt zu dem erwähnten Beschluss geführt hat."
 
Michelstadt Israelit 18021909.jpg (54438 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Februar 1909: "Michelstadt im Odenwald, 12. Februar (1909). Unter dem Vorsitze des Herrn Bürgermeisters Hieronymus beriet vorgestern ein Komitee über die Ausführung der vom Gemeinderat beschlossenen Ehrung des berühmten Rabbi Seckel Löb Wormser. Es wurde beschlossen, eine Sammlung zu veranlassen, deren Erträge teils zu einer Gedenktafel an seinem ehemaligen Wohnhaus benutzt, teils zu einer Stiftung festgelegt werden sollen, die seinen Namen tragen und deren Zinsen im Geiste des großen Rabbi zu wohltätigen Zwecken ohne Unterschied der Konfession Verwendung finden sollen."

  
Zum Tod von Samuel Straus (1843-1904), Enkel des Baal Schem von Michelstadt (1904) 
und von Justizrat Dr. Elias Straus in München, Urenkel des Baal Schem von Michelstadt (1933)
Anmerkung: eine der drei Töchter des Rabbi Seckel Löw Wormser hieß Gertrude (Gnendel, geb. 1800, gest. 1878). Sie war in Michelstadt verheiratet mit dem früh verstorbenen Elias Straus. Ihr Sohn Samuel Straus gelangte später in Karlsruhe als Bankier zu Ansehen und Reichtum und war ein bedeutender Philanthrop (gest. 1904). Seine Söhne waren der nachstehende Dr. Elias (Eli) Straus in München, und der Historiker Rafael Straus. 
Beim Familiennamen der Familie begegnet neben "Straus" häufig auch "Strauss".  

Zum Tod von Samuel Straus (1904)  
Karlsruhe Israelit 03031904.jpg (88809 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. März 1904: "Jerusalem. Der in Karlsruhe verstorbene Philanthrop Samuel Straus war ein besonders großer Wohltäter und Gönner der hiesigen Institutionen. Sein Tod hat daher in allen Kreisen der heiligen Stadt tiefste Trauer hervorgerufen, und die Klage um ihn war eine allgemeine. Er hatte ein großes Haus angekauft zu Freiwohnungen für Talmudgelehrte, das mit der Einrichtung an 70.000 Francs kostete. Dortselbst eröffnete er eine Knabenschule nach den Angaben seiner Freundes Rabbi Simchah Süßel für das Torastudium: die Unterhaltung der Schule bestritt er aus eigenen Mitteln. Für die Pilgerwohnungen und das Hospital 'Schaare Zedek' war er mit großem Eifer und großem Erfolge tätig. 
Sein Tod wurde dahier in verschiedenen Hespedim (Trauerreden) beklagt, so von Rabbi Hirsch Lewiton in der von dem Verstorbenen gegründeten Jeschiboh Or Chadosch, von Rabbi Sonnenfeld und Rabbi Mordechai Zwi in der Synagoge der Pilgerwohnungen, und vom Leiter der Jeschiboh Meoh Scheorim (= Mea Schearim)."   
  
Zum Tod von Dr. Elias Straus (1933)    
Michelstadt Israelit 22061933.jpg (149384 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juni 1933: "München, 20. Juni (1933). Am Sonntag wurde unter außergewöhnlich großer Teilnahme der ganzen jüdischen Bevölkerung Justizrat Dr. Elias Straus, der zweite Vorsitzende der Kultusgemeinde München, zu Grabe getragen. Dr. Straus war der älteste Sohn von Samuel Straus – das Andenken an der Gerechten ist zum Segen – in Karlsruhe, ein Urenkel des Baal Schem von Michelstadt. Mit hohen Geistesgaben ausgestattet und von starkem jüdischen Arbeitswillen erfüllt, hat er in München eine umfassende sozial-philanthropische Tätigkeit entfaltet, das Wohlfahrtswesen der Gemeinde München sowie darüber hinaus dasjenige des Bayerischen Gemeindeverbandes mustergültig organisiert und dabei mit seinem goldenen Herzen als wahrer Fürsprecher und Helfer der Armen und Bedrückten ohne Unterschied der Herkunft durch persönliches Eingreifen manche Träne getrocknet. Der zionistischen Bewegung von Anfang an tatkräftig hingegeben, trat er dennoch überall im öffentlichen leben für die Interessen der Orthodoxie ein und hat auch in seiner persönlichen Lebensführung den religiösen Traditionen seines Vaterhauses pietätvoll die Treue gewahrt. Seine Sehnsucht galt dem heiligen Lande; in dem schweren Leid seines monatelangen Krankenlagers traf er die Vorbereitungen, dorthin überzusiedeln, sobald es sein Gesundheitszustand gestatten werde.
An der Bahre zeichnete Rabbiner Dr. Ehrentreu in bewegten Worten die menschlich-jüdischen Wesenszüge des Heimgegangenen, worauf Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer dem unersetzlichen Verluste Worte lieh, den die Gemeinde München und er selbst durch das frühe Ende der gesegneten Wirksamkeit des Freundes erlitten habe. Ferner sprachen Rabbiner Dr. Bärwald, für die Ostjuden besonders herzlich Rabbiner Wiesner, für die zionistische Ortsgruppe Justizrat Dr. Fränkel. Dem Schmerze der Familie verlieh Herr Jacob Rosenheim aus Frankfurt in einigen Abschiedsorten Ausdruck, die die seelischen Wurzeln aufzuzeigen suchten, aus denen das Wesen des Heimgegangenen emporgewachsen sei. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."
Justizrat Dr. Straus hatte auch noch manche Erinnerungsstücke an Seckel Löb Wormser in seinem Besitz:   
Michelstadt BayrGZ 19091927.jpg (48506 Byte)Aus einem Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 19. September 1927 (in dem Artikel geht es um Ritualien, hier um Kidduschbecher): "Dass solche Becher nicht einmaliges Erzeugnis waren, beweist u.a. auch ein etwas älteres Stück nahezu gleicher Ausführung im Besitz des Justizrates Dr. E. Straus (München). Dieser besitzt auch einen ebenfalls dem 18. Jahrhundert entstammenden Becher Warschauer Herkunft, der eine besonders lebhafte Formenfreude zeigt. Mehr historischen Charakter trägt ein Familienstück im gleichen Besitz, ein dem sogenannten 'Baalschem von Michelstadt', Rabbi Seckel Löb Wormser von der Gemeinde Beerfelden gespendeter Pokal..."  

    
    
Weitere Meldungen aus der Gemeinde 
Bezirkstagung der 'Freien Vereinigung' in Michelstadt (1931) mit dem Höhepunkt des Besuches des Grabes von Rabbi Seckel Löw

Michelstadt Israelit 02071931.jpg (271357 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juli 1931: "Die Bezirkstagung der ‚Freien Vereinigung’ in Michelstadt. Michelstadt, lieblich eingebettet zwischen den Hügelketten und herrlichen Wäldern des Odenwaldes, heute noch eine stattliche jüdische Landegemeinde, hat eine stolze jüdische Vergangenheit. An einem alten Bau prangt eine Tafel, von der Stadt gewidmet ihrem großen Sohn, Rabbi Seckel Löb, der in diesem Haus gewohnt und gewirkt und Michelstadt einen kleinen Weltruhm gesichert hat. Draußen erhebt sich auf welligem Boden terrassenförmig ein Friedhof, wie man ihn malerischer und idyllischer kaum sonst in der Welt sehen kann. Am äußersten Ostrande ragt der gut gepflegte weiße Sandstein mit der Krone aus dem Grabhügel des Baal Schem, Rabbi Jizchok Arje, genannt Seckel Löb, heraus. Unten aber, nur durch eine ganz schmale Fahrstraße getrennt, ist das Stadion angelegt, das größte in der Gegend, das Stadion mit seiner Arena für Boxkämpfe und Meisterspiele, mit seinem Familienbade, mit allem, was zu einem Olympus der Zeit gehört. Grabstätte und Spielplatz sind so nahe und so gern voneinander, wie Tod und Leben… Wer stört wen? Von unten dröhnt das losgelassene Getöse des heiteren, leichten Lebens vielleicht zu einer einsamen Frau hinaus, die sich oben mit ihrer Not und dem Kummer ihres Herzens auf das Grab des großen Wundermannes geworfen hat … Möglicherweise sieht aber auch manch einer unten mitten im Spiel und frohen Lachen auf, zu den erhobenen steinernen Fingern oben, die an eine allem rauschenden Leben gesetzte Grenze gemahnen, mahnen, dass tosende Hemmungslosigkeit vielleicht nicht ungestraft die heilige Ruhe großer Toten stören darf … Man empfindet eine gewisse Disharmonie, man wird sie im gleichen Maße oben wie unten empfinden…
Unser Weg und unser Blick gehen nach oben.
In der Glut des Sommernachmittags fahren wir in dem schon fast traditionellen gelben Postautobus gegen 3 Uhr in Michelstadt ein. Einige und 30 Plätze hat der Wagen, annähernd 50 Menschen, auch einige ‚blinde Passagiere’ fahren mit. Sachte Fahrt durch herrliche Waldungen und froher Worte in bester Gesellschaft trösten über Ende und sengende Sonnenglut hinweg. Die Jugend ist vorausgefahren und empfängt uns dort mit freudigem Hallo.
Agudas Jisroel-Jugendgruppe, Esra und Schülergruppen sind schon seit Stunden ganz heimisch im Städtchen des Baal Schem, fiebern vor Aufregung. Alles ist in Spannung und froher Erwartung. Der ganze jüdische Odenwald scheint sich ein Stelldichein zu geben. Das Darmstädter Auto, vollbesetzt wie unseres, folgt uns auf dem Fuße. Von allen Seiten strömen Menschen, Bekannte und Unbekannte. Eine Huldigung des Baal Schem von Michelstadt. Und weil so gar kein äußerer Anlass vorliegt, kein Geburtstag und kein Todestag, so ist diese Ehrung, spontan aus dankbarem Herzen einer Nachwelt geboren, wie das plötzliche Erwachen eines Schulgefühles. Dankesschuld abtragen an einen Mann, der seiner Zeit und seiner Gegend den Stempel seines Geistes, wie es scheint, für Jahrhunderte aufgedrückt hat. Es durfte nur eines Rufes der ‚Freien Vereinigung’, sie gab den Rahmen, die Menschen, die Herzen und Seelen, waren da, als hätten sie nur darauf gewartet. …
Über den Verlauf der Tagung geht uns folgender Bericht zu: Gegen 4 Uhr beginnt die Versammlung im Saalbau, einem auch nach städtischen Begriffen schönen und geräumigen Festsaale. Die Teilnehmer, die die Reihen füllen, zählen nach vielen Hunderten. Herr Realschullehrer Bick richtet an die Versammlung ein kräftiges und äußerst wirksames Grußwort. Die Stadt habe vom Lande so viel an Menschen und geistigen Werten erhalten, dass es schon längst an der Zeit gewesen wäre, dass sie in irgendeiner Weise ihre Dankesschuld an die Nährmutter abträgt. Die Stadt hatte aber das Land vergessen und es gewähren lassen, dass dort eine geistige Öde eintrat, eine Landgemeinde nach der anderen starb und verdarb. Nun kommt die Stadt, und die Beteiligung und das Interesse zeigen, wie sehr man dieses Weckrufes gewartet hatte. Er dankt der Freien Vereinigung und muntert die Jugend auf, in die Reihen des Agudas Jisroel zu treten. Die Freie Vereinigung verdiene wärmste Unterstützung bei all denen, die an der Erhaltung des Judentums auf dem Lande ein Interesse haben.
Herr Dr. Ehrmann übernimmt den Vorsitz und begrüßt die Versammlung. Er verliest ein äußerst herzlich gehaltenes Begrüßungsschreiben des orthodoxen ‚Hessischen Landesverbandes’ und gedenkt mit warmen, ehrenden Worten des plötzlich heimgegangenen Dr. Gustav Stiegel seligen Andenkens, der stets ein treuer Freund und verständnisvoller Mitarbeiter der ‚Freien Vereinigung’ war. Die Versammlung erhebt sich zu seinen Ehren von den Plätzen.
Der erste Referent ist Herr Rabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt. In Erklärung des Wortes … spricht er von den verschiedenen Tönen – und Misstönen – die heute das jüdische Leben beherrschen. Aber der jüdische Ton bleibt doch im jüdischen Leben vorherrschend. Und es ist ein Dreiklang: Agudas
Michelstadt Israelit 02071931b.jpg (305112 Byte) Jisroel, Freier Vereinigung und die orthodoxen Landesverbände. In ergreifenden, tief zu Herzen gehenden Worten spricht er von der Not der Zeit und dem, was der wahre Jehudi von jeher dieser Notwelle entgegenzusetzen hat: dem unverwüstlichen Bitochaun (Gottvertrauen). Haben wir Anspruch auf mehr Freiheit, mehr Glück, lehr Wohlstand als unsere Väter im Ghetto, unsere Brüder in anderen Ländern? Das Glück, seine Toten bestatten zu dürfen, quittierte jüdische Dankbarkeit in alten Zeiten mit dem Segensspruch hatow uhametiw, der heute noch ein Bestandteil unseres Tischgebetes ist. So anspruchslos und dankbar waren die Alten. Zum Schluss hat Redner ein paar eindringliche Worte über das Kapitel Reinheit der Familie, den Quell unserer Volkskraft, der heute getrübt und gefährdet ist. Die formschöne und inhaltsreiche Rede wird mit lebhaftem Beifall aufgenommen.
Michelstädter Schulkinder tragen einen Prolog sowie jüdische Deklamationen vor und führen auch ein kleines Theaterstück auf, das Elijahu und Elisa zu Helden hat. Dann ergreift Herr Emil H. Lehmann das Wort zu einem sachlichen Berichte über die Tätigkeit der Freien Vereinigung in den letzten Jahrzehnten. Ausgehend von den Schlussworten der Haftora asot mischpat usw. legt er das Programm der Freien Vereinigung fest: Wahrung des religiösen Rechtes nach außen, Werke der Liebe und Wohlfahrt, Förderung aller Institutionen, die der Jüdischkeit und dem Zniusideal (Mikwo) dienen. Nach einer kurzen Pause erfolgt das mit Spannung erwartete Referat des Herrn Red. S. Schachnowitz über das Thema ‚Wahrheit und Dichtung über den Baalschem von Michelstadt’.
Schon rein äußerlich zeigte die lautlose Stille, welche während des fast einstündigen Vortrages herrschte, wie sehr Referent es verstand, seine Zuhörer in den Bann dieser eigenartigen Studie zu ziehen. Der gewissenhafte Historiker, der sich auch nicht scheut. Liebgewordene Vorstellungen zu zerstören, wenn sie nicht den Tatsachen entsprechen, vereinigte sich mit dem verständnisvollen Hüter und Pfleger alles Wertvollen, was die jüdische Volksseele an lebendigen Impulsen aus der Vergangenheit sich in die Gegenwart gerettet hat und ließ ein Gemälde entstehen, welches zunächst den bewegten Hintergrund jener Zeit aufzeichnete, in welcher Baal Schem der Welt geschenkt wurde. Aber nicht nur Persönlichkeiten wie der Begründer des Chassidismus der Baal schem tauw in Polen, Rabbi Nathan Adler, Frankfurt, der junge Chasam Sofer und das damalige Frankfurter Judenghetto wurden plastisch gezeichnet, Redner verstand es auch in meisterhafter Weise, den Unterschiede zwischen einem unjüdischen lebensfremden Mystizismus und der echt jüdischen Wissenschaft der Kabbala, welche ein ‚unschätzbares Repositorium des Geistes von T’nach und Schaß’ (Bibel und Talmud, Neunzehn Briefe) darstellt, so herauszumeißeln, dass jeder Hörer Verständnis für die Welt bekam, in welcher Baalschem lebte. In eindrucksvoller Weise schilderte Referent die Judenzeit im Bes Hamidrasch (Lehrhaus) von Rabbi Nathan Adler, das Verkanntsein in der eigenen Heimat und die schließlich Anerkennung nach einem kurzen Aufenthalt in Mannheim, die Gründung der Michelstädter Jeschiwa mit ihren 70 Bachurim, der allmählich wachsende Zustrom von mit Schicksal und Sünde Beladenen, welche in das kleine Städtchen im Odenwald pilgerten, um dort Rat, seelische und körperliche Heilung zu suchen und zu finden. Zu dichterischem Schwung erhob sich der Referent, als er die Verschwommenheit der Grenzlinien aufwies zwischen dem, was Menschen natürlich und übernatürlich nennen, und an Hand der geschichtlichen Tatsache, dass Baalschem selbst es entschieden ablehnte, als ‚Wundertäter’ im üblichen Sinne zu gelten, den Nachweis erbrachte, dass eine ganze Fülle der überlieferten Erzählungen über den Baalschem sich rationell deuten lassen, wenn man eben daran denkt, dass hier eine Persönlichkeit von außerordentlich suggestiver kraft diese Kraft dazu verwandte, um allen Suchenden den Weg zu ihrer von Gott gezeichneten Pflicht finden zu lassen. Ein verständnisvolles Eingehen auf die einschlägige Literatur und speziell auf den ‚Baalschem von Michelstadt’ von Judäus gab dem Referenten Gelegenheit, unbewusst und ungewollt eine Charakteristik jener Geschichtsdarstellung zu geben, die für ihn selber zutrifft. Eine Geschichtsdarstellung nämlich, die nicht bloß zum Kopfe und Gedächtnis spricht, sondern zum jüdischen Herzen und bei peinlicher Berücksichtigung des Tatsachenmaterials doch Ansporn zum Erringen jüdischer Persönlichkeitswerte im reichsten Maße vermittelt. Impulsiver, sich immer wiederholender Beifall beschloss diese Weihestunde, welche eine würdige Introduktion des Besuches der Grabstätte vom Baalschem gab.
Es ist zu hoffen, dass Gelegenheit gegeben wird, das Referat durch Druck einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nunmehr führte eine Frankfurter Esragruppe (Leitung Erich Weil) in bereits bewährter Weise, das Theaterstück ‚Barkamza’, nach dem bekannten Texte im Talmud Gittin, vor einem aufmerksamen und dankbaren Auditorium auf. Es folgt noch ein kurzes Referat des Gemeindelehrers, Herrn Strauß, über die ‚Pflichten der Eltern den Kindern gegenüber’. Er entwirft ein trübes Bild von der geistigen Öde auf dem Lande und den Gefahren für die Zukunft. Retten könne nur das lebendige Beispiel der Eltern, die die Kinder von jüngster Kindheit auf in einer Atmosphäre der praktischen Mizwotat (Handeln nach den jüdischen Weisungen) erziehen.
Michelstadt Israelit 02071931bb.jpg (100874 Byte)Nun pilgerten die Hunderte auf den 'guten Ort' zum Grab des Mannes, der die ganze Veranstaltung beseelt und sie wie mit unsichtbarer Hand geleitet hatte. Mit einem Minchogebete in der Halle traf man die Weihe und Vorbereitung für den heiligen Gang. Herr Rabbiner Dr. Merzbach sprach noch ein paar Worte über die tiefere Bedeutung eines solchen Gräberbesuches und das wahre Leben, das aus heiliger Erde zu uns spricht. Dann standen wir am 'Kewer' (Grab), jeder in seine Gedanken versunken, jeder in seine eigenen Gebete vertieft. Jedermann hat heute manches auf dem Herzen, das er wie Ballast hier zu Füßen des heiligen Mannes abwerfen möchte. Es geht eine Beruhigung aus diesem von Käfern umsummten, von wilden Pflanzen umrankten und Erdbeerstauden umkränzten Grab aus. man tritt frisch und aufgerichtet den Heimweg an.
Und diese Stimmung hält an während der ganzen frohen Rückfahrt, der untergehenden Sonne entgegen. Links die schwarzen Wände der Wälder, rechts das schönste Abendrot am Horizont. Es war ein Ausflug eigener Art, an dem Stadt und Land, soweit sie dabei waren, noch lange zehren werden.
Agudas Jisroel Jugendgruppe in Michelstadt. Im Anschluss an die Tagung der Freien Vereinigung am letzten Sonntag hat die Frankfurter Agudas Jisroel Jugendgruppe Verhandlungen mit den anwesenden Jugendlichen von Michelstadt und Umgegend aufgenommen, mit dem Ziele, eine gemeinsame Arbeit im Rahmen der Agudas Jisroel Jugendorganisation herbeizuführen. Herr Realschullehrer Bick, der schon auf der Tagung die Jugendgruppe begrüßt und darauf hingewiesen hatte, dass die Agudo die einzige Organisation sei, die aufgebaut ist auf der Grundlage der Tauro (Tora), begrüßte und leitete auch diese Besprechungen."

    
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Zum Tod von Babette Joseph (1898)

Michelstadt Israelit 15121898.jpg (120862 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Dezember 1898: "Michelstadt i.O., 12. Dezember. In der Nacht vom Sonntag, den 4. auf Montag, den 5. dieses Monats, 21. Kislew, verschied hier nach etwa fünfwöchigem Krankenlager eine Frau, die es nach ihrem sittlich-religiösen leben verdient, in diesen geschätzten Blättern einen ehrenden Nachruf zu erhalten. Frau Babette Joseph, 64 Jahre alt, Witwe des nun vor fünf Jahren heimgegangenen seligen Herrn Abraham L. Joseph IV. dahier hat das Zeitliche gesegnet. Sie war das Muster eines echt-jüdischen Weibes, die treue Gattin, die liebende, bildende, schaffende und ordnende Mutter. Dabei war die Beobachtung der göttlichen Gebote das Hauptziel ihres Strebens, die religiöse Erziehung ihrer Kinder die Hauptaufgabe ihres Wirkens. Die Heilighaltung der Sabbate und Feiertage war ihr eifrigstes Bemühen; meistens betrat sie an solchen Tagen das Gotteshaus schon vor Beginn des Gottesdienstes, um sich auf denselben in würdiger und andächtiger Weise vorbereiten zu können. Sehr gerne unterstützte sie die Armen und speiste die bedürftigen Hungrigen; ‚sie breitet ihre Hände aus zu dem Armen und reicht ihre Hand dem Bedürftigen’ (Sprüche 31,20). Was aber ihrem Lebenswandel die Krone aufsetzte, war ihre Liebe zum Frieden, den sie mit allen Menschen, sowohl mit ihren Glaubensgenossen, als auch mit Andersgläubigen, stets aufrecht zu erhalten suchte; dies zeigte sich denn auch deutlich bei der ungemein zahlreichen Beteiligung bei ihrem am Mittwoch, dem 7. dieses Monats, dem 23. Kislew, stattgehabten Leichenbegängnisse; auch eine große Menge Nichtjuden nahm teil. Auf dem Friedhof sprach Herr Lehrer Gottschall dahier tief empfundene Worte. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

   
Unteroffizier Leo Frank wird mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (1915)  

Michelstadt Israelit 12081915.jpg (15084 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. August 1915: "Michelstadt, 10. August (1915). Dem Unteroffizier Leo Frank von Michelstadt wurde am 7. August das Eiserne Kreuz verliehen."  

     
Zum Tod von Emanuel Frank (1923)

Michelstadt Israelit 12041923.jpg (108730 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. April 1923: "Michelstadt (Hessen), 19. März. In hohem und gesegnetem Alter verschied unser ältestes Gemeindemitglied Emanuel Frank, der der Tora so gerne huldigte, in Ausübung von Gottesdienst und Wohltätigkeit den Inhalt seines Lebens suchte. In einem riesigen Trauergefolge hatten sich Juden und Christen aus Nah und Ferne vereint, um dem allseits beliebten Manne die letzte Ehre zu erweisen. – Emanuel Frank war wohl der letzte Lebende, der dem ‚Baalschem von Michelstadt’ als junger Schüler zu Füßen saß. Mit seinem Heimgang ist – wie am Grabe hervorgehoben wurde – die starke Säule eingestürzt, die das jüdische Leben unserer Gemeinde viele Jahrzehnte hindurch trug. Er war Seele und Rückgrat aller unserer Chewraus (Vereine). Einem strahlenden Gestirne gleich prangte er am Firmamente des Judentums; seine Sonne erhellte die Kehillo (Gemeinde), mit deren Schicksal er seit mehr als zwei Generationen aufs innigste verknüpft war. Unsagbar groß war die Verehrung aller für ihn, denen er Führer und Berater war, unersetzlich scheint der Verlust, tief und aufrichtig ist die Trauer um ihn. – Am Grabe sprach Herr Rabbiner Dr. Marx aus Darmstadt im Namen der Familie, dem Schmerze der jüdischen Gemeinde gab Herr Lehrer Bick Ausdruck. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

 
Zum Tod von Aron Straus (1932)

Michelstadt Israelit 25021932.jpg (146419 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Februar 1932: "Michelstadt (Hessen), 25. Februar (1932). Am Freitag, den 12. Februar hauchte das älteste Mitglied unserer Gemeinde, Aron Straus, im 80. Lebensjahre seine reine Seele aus. Tiefe Trauer zog in jedes jüdische Haus der Kehilloh (Gemeinde) ein und erschütterte jeden Einzelnen ob der Größe des erlittenen Verlustes. Der Name Aron Straus bedeutete für unsere Gemeinde seit vielen Jahrzehnten ein unerschütterliches Programm und zwar das des gesetzestreuen Judentums, einen Wegweiser, der in die Pfade der Tora hineinführte, einen Leitstern, der jedem den Weg zur Emunoh, zur Wahrheit, zur Rechtschaffenheit und zum Frieden wies. Der Verstorbene fühlte die starke Verpflichtung in sich, das Erbe eines Baalschem mit ganzer Kraft zu hüten und über der von ihm geliebten und geleiteten Kehilloh (Gemeinde) den Geist von Tauroh (Tora) und Awaudoh (Gottesdienst) schweben zu lassen. Kein Zweiter glich ihm an Vornehmheit, an Adel der Gesinnung, an Größe der Seele, an Liebe zu Tauroh (Tora). Ein Thorawort konnte ihn jederzeit beglücken; nach Maßgabe seines bei jüdischen Altmeistern erworbenen Wissens forschte er unablässig in unseren heiligen Büchern; Gebete und Taurohworte stammelten seine Lippen, bis in Gott dem Erdendasein entführte. Herzensgüte, Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit leuchteten aus dem edlen Antlitz des auch an Gestalt besonders bevorzugten Mannes, jedem Ehrfurcht und Bewunderung abnötigend. Herr Rabbiner Dr. Merzbach aus Darmstadt und Herr Lehrer i.R. Bravmann von hier zeichneten am Grabe in tief zu Herzen gehenden Worten ein Bild von dem segensreichen und verdienstvollen Leben des Verklärten. Eine unübersehbare Menschenmenge umstand die irdische Hüllte des teuren Mannes und bekundete durch eine sichtlich tiefe Ergriffenheit, wie sehr der Schmerz um den Heimgang des allseits hoch geachteten Mannes von der gesamten Bevölkerung empfunden wird. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

 
Zum Tod von Sophie Straus geb. Marx (1935)

Michelstadt Israelit 14021935.jpg (99180 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1935: "Michelstadt, 12. Februar (1935). Am 6. Februar wurde Frau Sophie Straus geb. Marx, Gattin des unvergesslichen Aron Straus seligen Andenkens zu Grabe getragen. Eine unübersehbare Menschenmenge aus nah und fern, Juden und Nichtjuden, gaben dieser edlen Frau das Geleite. In streng frommen Elternhause in Strümpfelbrunn erzogen, hatte sie den Geist von Thora und G’ttesfurcht frühzeitig eingezogen und gleich ihren Geschwistern – von denen Prof. Rabbiner Dr. Marx – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen – eine besondere Zierde war – in treuer Anhänglichkeit an G’ttes Wort und Tradition gelebt und gewirkt. Selbst in einer für eine Frau ungewöhnliche Weise kundig des Schriftwortes und seiner Ausdeutung war sie beglückt, an der Seite ihres frommen Mannes die im Elternhaus erworbenen heiligen geistigen Güter erhalten und bereichern zu können. Sanftmut und Bescheidenheit, Freundlichkeit, Friedensliebe und Wohltätigkeit zierten diese überaus vornehme Frau. Man bewunderte ihre hohen Geistesgaben, ihren köstlichen Mutterwitz ebenso wie ihren edlen Charakter. – Da die Verstorbene sich einen Nachruf am Grabe verbeten hatte, so zeichnete Herr Rabbiner Dr. Merzbach im Trauerhause die hehre Gestalt und das geweihte Leben der Verklärten. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."


Ausschreibungen der Hoffaktor Speyer'schen Stiftung für bedürftige Mädchen 

aus den Jahren 1889 / 1891 / 1803 / 1907

Michelstadt Israelit 07021889.jpg (61214 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Februar 1889: "Aufforderung. Aus der hiesigen Stiftung des verlebten Hoffaktors Moses Emanuel Speyer und dessen gleichfalls verlebten Ehefrau Gütel geb. Enoch, soll für das Jahr 1889 an ein bedürftiges Mädchen, das mit den Stiftern verwandt ist, ein Brautlegat von 1.028,57 Pfg. vergeben werden. Diejenigen, welche hierauf Anspruch machen wollen, haben sich innerhalb sechs Wochen unter Einreichung ihrer Verwandtschafts- und Armutszeugnisse an den Unterzeichneten zu wenden. Michelstadt i.O., Januar 1889: 
Der Vorstand der Hoffaktor Speyer’schen Stiftung. Straus."

         
Michelstadt Israelit 15011891.jpg (57540 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1891: Aufforderung. Aus der hiesigen Stiftung des verlebten Hoffaktors Moses Emanuel Speyer und dessen gleichfalls verlebten Ehefrau Gütel geb. Enoch, soll für das Jahr 1891 an ein bedürftiges Mädchen, das mit den Stiftern verwandt ist, ein Brautlegat von 1.028 Mark 57 Pfennig vergeben werden. Diejenigen, welche hierauf Anspruch machen wollen, haben sich innerhalb sechs Wochen unter Einreichung ihrer Verwandtschafts- und Armutszeugnisse an den Unterzeichneten zu wenden. Michelstadt i.O., 9. Januar 1891. 
Der Vorstand der Hoffaktor Speyer’schen Stiftung: Strauß."
            

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Michelstadt Israelit 14021907a.jpg (91649 Byte)

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Anzeige von 1893 Anzeige von 1907  Anzeige von 1915

   


Anzeigen
   
Lehrer Arno Bick wirbt für das Odenwald-Pensionat (1925)  

Michelstadt Israelit 18061925.jpg (70051 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juni 1925: "Odenwald-Pensionat in Michelstadt. Nach Fertigstellung meines Neubaues im Herbste dieses Jahres - große Villa in Waldesnähe, ausgedehnte Gärten mit Spiel- und Turnplatz, offene und gedeckte Veranden, fließendes Wasser, warm und kalt, Zentralheizung - können noch 3-4 Knaben aufgenommen werden. Vorzügliche Verpflegung, gew. Nachhilfe in allen Fächern einschließlich Fremdsprachen, strenge Beaufsichtigung, liebevolle individuelle Behandlung (nur 10 Knaben insgesamt). Prachtvolle Höhenlage in waldreicher Umgebung. Regelmäßiger gemeinsamer Spaziergang. Für blutarme, nervenschwache Kinder v. bed. Kinder- und Nervenärzten speziell empfohlen. Streng rituell. Erstklassige Referenz. Nachweislich beste Erfolge. Alle besseren Schulen am Platze. Anfragen schon jetzt erbeten. Arno Bick, staatlicher Lehrer an Intelligenzklassen."

    
Bar Mizwa von Albrecht Valk aus Frankfurt (1925)  

Michelstadt Israelit 29101925 ab.jpg (31178 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1925: "Die Bar Mizwa unseres Sohnes Albrecht findet - so Gott will - am Schabbat Paraschat Lech Lecha* - 31. Oktober / 13. Marcheschwan in Michaelstadt im Odenwald statt. 
Moses Valk und Frau Klara geb. Emmerich. Frankfurt am Main, Gwinnerstraße 14 II."
*) Schabbat mit der Toralesung Lech Lecha = 1. Mose 12,1 - 27,27, das war am Schabbat, 31. Oktober 1925.


  
    

Zur Geschichte der Synagoge 

Die 1791 erbaute Synagoge wurde auf dem Platz einer älteren Synagoge in der Mauerstraße unmittelbar neben der zweiten Stadtbefestigung erbaut. Hier wirkte von 1822 bis 1847 Seckel Löb Wormser. Zu seiner Erinnerung wurde später eine Gedenktafel angebracht mit dem Text: "Der Mensch verleiht seinem Platz Ehre. An dieser Stelle stand im gebet vor seinem Schöpfer der Raw, der groß war in der Tora und in der reinen Gottesfurcht. Heilig wird er genannt, Morenu und Rabbenu (unser Lehrer und Rabbiner). Jizchak Arje, genannt Rabbi Seckel Löb Wormser, der in jedermanns Mund genannt war: Der Baalschem von Michelstadt. Das Andenken an den Gerechten ist zum Segen". 

1856 plante man einen Umbau beziehungsweise eine Renovierung der Synagoge. 1911 beantragte man eine Anleihe für die Synagogenrenovierung bei der Hoffaktor Speyer'schen Stiftung.
 
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung zerstört. Nach der Nutzung als Schuppen wurde das Synagogengebäude wiederhergestellt und darin 1979 das Landesrabbiner Dr.-Lichtigfeld-Museum untergebracht. Eine aus der Synagoge in Gladenbach stammende Torarolle wurde mit Zustimmung des Frankfurter Landesrabbiners dem jüdischen Museum überlassen. 
 
Seitdem eine neue jüdische Gemeinde in der Stadt entstanden ist, werden in der Synagoge auch wieder regelmäßig Gottesdienste abgehalten. 
  

  
Fotos / Darstellungen

Fotos vor der Restaurierung 
(aufgenommen um 1970; Quelle: Arnsberg Bilder S. 149)
 
Michelstadt Synagoge 171.jpg (86566 Byte) Michelstadt Synagoge 170.jpg (76740 Byte) Michelstadt Synagoge 172.jpg (53568 Byte)
    Inschriftentafel für S. L. Wormser im Inneren der Synagoge
      

Neuere Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 18.6.2006)

  
Michelstadt Synagoge 306.jpg (60811 Byte) Michelstadt Synagoge 308.jpg (63997 Byte) Michelstadt Synagoge 300.jpg (54956 Byte)
Die Synagoge in Michelstadt Südseite der Synagoge mit Eingang Über dem Eingangsportal
        
Michelstadt Synagoge 307.jpg (69482 Byte) Michelstadt Synagoge 305.jpg (96153 Byte)
Die Ostseite mit der Apsis des Toraschreines Der Grundstein 
von 1791
Portalinschrift aus 4. Mose 24,5: Wie lieblich sind deine Hütten, Jakob, und deine Wohnungen, Israel
        
Michelstadt Synagoge 303.jpg (69480 Byte) Michelstadt Synagoge 301.jpg (66661 Byte) Michelstadt Synagoge 302.jpg (79631 Byte)
Alter Toravorhang (Parochet) Vitrinen des Dr.-Lichtigfels-Museums in der Synagoge
   
Michelstadt Synagoge 304.jpg (89307 Byte)     Michelstadt Ort 102.jpg (95643 Byte)
Fenster über dem 
Eingangsportal
   Unweit der Synagoge: die "Jerusalem-Boutique"
     
Michelstadt Ort 103.jpg (72841 Byte) Michelstadt Ort 104.jpg (54023 Byte) Michelstadt Ort 101.jpg (81865 Byte)
Haus des Baal Schem von Michelstadt mit Gedenktafel Vermutlich ehemalige Laubhüttenkonstruktion im Garten; 
 s.u. Lit. Beitrag von H. Teubner 
 

        
    

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Februar 2009: "Stolpersteine" am Ort geplant     
Artikel von Heidi Haag am 20. Februar 2009 in "Darmstädter Echo" - Echo online (Artikel):  
Erinnerung auf Schritt und Tritt - Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus erreichen Michelstadt.
MICHELSTADT.
Wortwörtlich auf Schritt und Tritt will Michelstadt an jene seiner Einwohner erinnern, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft von 1933 bis 1945 ermordet worden sind. Dazu schließt sich die Stadt als 369. Kommune der "Stolpersteine"-Bewegung an. Diese beruht auf dem Prinzip, im örtlichen Straßenbild für jedes Opfer des NS-Regimes eine zehn auf zehn Zentimeter große Messingplakette mit Namen sowie Geburts- und Todesdatum auszulegen. Wachgehalten und aufgefrischt wird damit vor allem das Gedenken an die ehemaligen jüdischen Mitbürger, über die der Nationalsozialismus mit dem Holocaust das größte Leid und Verderben brachte. Die ersten Michelstädter Mahnpflaster sollen ab Oktober dieses Jahres verlegt werden. Die Grundlagen dafür sind dank des Engagements einer örtlichen Stolperstein-Initiative geschaffen, die sich im vorigen Jahr im Zeichen des Bewusstseins gegründet hat, dass das Verschweigen alter Verbrechen neue Verbrechen wieder möglich macht. Dabei begreifen die Mitglieder ihr Wirken vor allem deshalb als besondere Verpflichtung, weil Michelstadt vor dem Zweiten Weltkrieg die größte jüdische Gemeinde im Odenwald besaß. Davon als Zeugen für Gegenwart und Zukunft übriggeblieben sind die Synagoge von 1791 und der jüdische Friedhof aus der Zeit um 1700 mit dem Grab des Wunderrabbis Seckel Löb Wormser (1768- 1847), genannt der Baal Schem von Michelstadt. Er wird von den Juden in aller Welt verehrt, was der Stadt eine entsprechende Bekanntheit verschafft. Für die Übertragung der Stolperstein-Idee auf Michelstadt war zunächst die Zustimmung der städtischen Gremien erforderlich; diese erfolgte ebenso rasch wie einstimmig. Darüber hinaus haben inzwischen breite Kreise der Bevölkerung und die örtlichen Schulen dokumentiert, dass sie das Vorhaben begrüßen – mit ideeller, aber auch finanzieller Unterstützung. Gestützt wird die Initiative weiter von Pfarrerin Annette Herrmann-Winter und so von der Offenen Kirche der Stadtkirchengemeinde Erbach und Michelstadt, für die sie steht. Auch die Kirchengemeinden selbst, ob evangelisch oder katholisch, ob in Michelstadt oder Erbach, unterstützen das Projekt, unter anderem über ihre Gemeindebriefe. Breit gefördert sehen seine Urheber damit ein Projekt, mit dem im ersten Schritt vor sechs Häusern insgesamt etwa 25 Stolpersteine verlegt werden sollen. Wem dabei zu gedenken ist, lässt sich dabei durch umfangreiche Recherchen in Archiven der ganzen Welt ergründen, auf die per Internet Zugriff besteht. Neben den regionalen Dokumentarstellen und den Staatsarchiven der Länder sind dabei vor allem das Bundesarchiv in Koblenz und die umfangreiche Datenbank der Holocaust-Opfer in Yad Vashem in Israel eine große Hilfe. Dankbar sind die Organisatoren darüber hinaus für weitere Hinweise von lokalen Zeitzeugen. Um den heutigen Besitzern der ehemals jüdischen Häuser mögliche Ängste zu nehmen, wird die Initiative im Frühjahr 2009 das Gespräch mit ihnen suchen. Dabei sollte grundsätzlich klar sein: Die heutigen Bewohner tragen in keiner Weise Schuld an den Geschehnissen der NS-Zeit. Das damalige Unrecht ist nicht wieder gutzumachen, aber jeder kann heute mithelfen, die Demokratie zu verteidigen. Nicht übersehen sollte man aber auch, dass die Mehrzahl der Holocaust-Opfer keine Gräber haben, an denen die Nachfahren ihrer gedenken können. Für sie bezeichnet ein Stolperstein einen Platz zur Andacht. 
   
Dezember 2009: Über eine nach Seckel Löb Wormser benannte Birnensorte    
Michelstadt PA 12091.jpg (66117 Byte)Foto links: Birgit Klar, Hans-Joachim Kosubek, Joachim Knoop und Jutta Zimmermann pflanzten gemeinsam den Birnenbaum der seltenen Sorte Seckel-Löb. Foto: photoagenten/Rainer Klotz.   
Artikel von Martina Wirthwein in der "Wormser Zeitung" vom  10. Dezember 2009 (Artikel): "Für Marmelade und Most
WORMS. BIRNBAUM Besondere Sorte Seckel-Löb wächst jetzt im Erlebnisgarten.    

Bäume werden oft und an vielen Orten gepflanzt. Am Dienstagvormittag jedoch durfte Umweltdezernent Hans-Joachim Kosubek im Wormser Erlebnisgarten auf Initiative der Wormser Gästeführer (IWG) ein ganz besonderes Bäumchen in die Erde setzen: die sehr seltene und alte Birnensorte "Seckel-Löb". Namensgeber ist der einst in Michelstadt lebende Rabbiner Seckel-Löb-Wormser. Das Bäumchen fand seinen Weg nach Worms durch die im Jahr 2000 in Steinbach im Odenwald gegründete "Agenda-Gruppe Ortsbild", die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Art zu erhalten.  
Die Vermehrung glückte seinerzeit dank der Unterstützung der Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Fränkisch-Grumbach im dortigen Musterschulobstgarten. Im November 2004 konnte man erstmals 20 Jungbäumchen an interessierte Personen ausgegeben. 2006 habe man die Aktion erneut gestartet, berichtete Birgit Klar, die den Jungbaum nach Worms mitgebracht hatte. Nicht nur bei der Agenda-Gruppe ist die Steinbacherin aktiv, sondern auch als Gästeführerin. Bei einem überregionalen Treffen kam sie in Kontakt mit den Kollegen aus der Nibelungenstadt und berichtete von diesem seltenen Baum. Die Wormser Gästeführer waren sich sofort einig: "Den holen wir nach Worms".  
Die seltene Birnensorte wurde früher überwiegend zur Herstellung von Marmelade und zur Mostgewinnung verwendet. Nach der Ernte ist sie sehr hart; erst nach gut vier Wochen wird sie weich und sollte dann aber zeitnah verarbeitet werden. Seckel-Löb-Wormser galt als extremer Vegetarier, er hatte für sich eine streng asketische und chassidische (jüdisch-religiöse) Lebensweise gewählt, erklärte Dr. Irene Spille vom Institut für Stadtgeschichte. Dadurch interessierte er sich sehr für den Obstbau, es gelang ihm nach langen Versuchen die Züchtung einer neuen Obstart, die an Geschmack und Haltbarkeit die alten übertraf. Um für einen orthodoxen Juden genießbar zu sein, muss die Birne unbedingt wurmfrei bleiben; eventuell besaß diese Birnenart genau diese Eigenschaften, mutmaßt man heute. 
Der Rabbiner wurde zirka 1770 in Michelstadt als Sohn des jüdischen Tuchmachers Mattisjahu geboren. Da aber genaue Aufzeichnungen fehlen, ist eine genauere Datierung nicht möglich. Früh zeichnete er sich durch seine ungewöhnliche Körperkraft und Intelligenz aus. Bereits mit 18 Jahren schloss er seine Studien ab und gründete eine Talmudschule. Er lebte, unterbrochen durch einige Jahre in Mannheim, bis zu seinem Tod 1847 als amtlich bestellter Bezirksrabbiner in Michelstadt. Berühmt wurde er als "Baal Schem von Michelstadt", dem übernatürliche Kräfte und Wundertaten nachgesagt wurden."
    
Januar 2010: Am 13. März 2010 werden die ersten "Stolpersteine" verlegt  
Artikel von Manfred Giebenhain in "Echo-online.de" vom 14. Januar 2010 (Artikel; Artikel als pdf-Datei): 
"Stolpersteine erinnern an Opfer der Nazis. 
Gedenken: Michelstadt markiert Häuser jüdischer Mitbürger, die - im Krieg deportiert - meist in Lagern den Tod fanden. 
MICHELSTADT
. Bislang spielte der 22. Oktober 1941 in der Geschichte von Michelstadt keine Rolle. Das Datum wird zwar auch in Zukunft kaum jemand beachten, aber auf eine bescheidene stille Weise gleich drei Mal öffentlich in Erscheinung treten. Es war der Tag, an dem mit Otto und Emilie Reichhardt sowie deren Tochter Lotte die gewaltsame Verschleppung der einstigen jüdischen Mitbürger der Stadt durch die Gestapo begonnen hat. Zum Gedenken an die über 60 Opfer sollen sogenannte Stolpersteine in der Stadt gesetzt werden; und zwar genau dort, wo sie einst gewohnt haben und von den Nazischergen verhaftet worden sind. 
Die ersten 21 Stolpersteine werden am 13. März im Bürgersteig vor den entsprechenden Häusern eingelassen. Die Vorbereitungen hierfür laufen seit etwa anderthalb Jahren, wie bereits berichtet. Jeder Stein ist etwa zehn auf zehn Zentimeter groß. Der Text darauf beginnt mit den Worten 'Hier wohnte...'. Es folgen Vor- und Zuname, das Geburtsjahr, der Tag der Verhaftung oder Vertreibung sowie der Ort, wohin die Person verschleppt oder wo sie inhaftiert wurde sowie der Todestag. 
Bekanntlich überlebten den Holocaust nur wenige wie Nelly Pluhar, die im Dezember 1944 nach Theresienstadt verschleppt wurde und dort am 2. Februar 1945 befreit werden konnte. Sie wohnte in dem bekanntesten jüdischen Haus der Stadt, dem früheren Wohnhaus des Rabbiners Seckel Löb Wormser in der Erbacher Straße. Getragen wird die Aktion von der Stadt, der evangelischen Stadtkirchengemeinde und der katholischen Kirchengemeinde St. Sebastian. Unter dem Titel 'Tag des Erinnerns' wird es um 10 Uhr eine besinnliche Eröffnung in der Stadtkirche geben, gefolgt von wenigen Grußworten von Vertretern des öffentlichen und kirchlichen Lebens vor dem historischen Rathaus. Verlesen werden die Texte der Stolpersteine, die anschließend vor sechs Häusern in der Innenstadt angebracht werden, von Schülern der Theodor-Litt-Schule. Das Setzen der Steine selbst wird der Kölner Künstler Gunter Demnig vornehmen, der seine Idee zum Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im Jahr 1992 zum ersten Mal in die Tat umgesetzt hat. Inzwischen hat er in Hamburg seinen zwanzigtausendsten Stolperstein verlegt. Zu finden sind diese in über 480 Orten Deutschlands, ebenso in Österreich, Ungarn und in den Niederlanden. Im Odenwaldkreis ist Michelstadt die zweite Stadt nach Breuberg, wo Demnig am 18. März 2009 im Stadtteil Neustadt acht Stolpersteine verlegt hat. 'Mit der Aktion wollen wir bewusst an die Öffentlichkeit gehen, wie seinerzeit die Nationalsozialisten es mit der Pogromnacht auch taten', leitet Klaus Schimmel die Beweggründe der Michelstädter Stolperstein-Initiative ein. Acht Mitbürger zählt die 'kleine Bürgerinitiative', wie der pensionierte Dekan sie gerne bezeichnet. Etliche Mitglieder haben über lange Zeit intensive Recherchen betrieben, die noch nicht abgeschlossen seien. Daher würden noch zwei weitere Termine folgen, an denen Demnig, der die Verlegung stets persönlich vornehme, nach Michelstadt komme, ergänzt Heidi Haag. Finanziert wird die Aktion mit Spendengeld, dessen Gesamtbetrag Heinz-Otto Haag mit derzeit 6.535 Euro beziffert. Die Stolpersteine selbst bestehen aus Beton, auf den Demnig eine Messingplatte mit der Inschrift anbringt. Die Steine werden bündig mit der umgebenden Oberfläche im Boden eingefügt. Hindernisse beim Laufen seien nicht zu befürchten, erklärt Heidi Haag, gelte es vielmehr, 'über den Stein mit den Augen zu stolpern'."  
Information: Für 95 Euro kann jeder eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteins übernehmen. Spenden werden über die Konten der evangelischen Stadtkirchengemeinde Michelstadt (Kennwort 'Stolpersteine Michelstadt') bei der Sparkasse Odenwaldkreis (Kontonummer . 40009011) und bei der Volksbank Odenwald (Kontonummer 617121) angenommen. 
Am 26. Februar um 17 Uhr wird im Mehrgenerationenhaus (Kellereibergstraße 4) der 73-minütige Dokumentarfilm 'Stolperstein' gezeigt. Weitere Informationen im Internet unter www.stolpersteine.com.
  
März 2010: Erste "Stolpersteine" werden verlegt  
Michelstadt Synagoge 870.jpg (35169 Byte)Foto links von Guido Schiek:  Die Erinnerung an die jüdische Gemeinde Michelstadts und damit auch an die Vertreibung und Vernichtung ihrer Mitglieder hält die Synagoge im historischen Stadtkern wach, die inzwischen auch als Glaubensstätte zu neuem Leben erblüht ist. Das Gedenken an das Schicksal der Michelstädter Juden intensivieren sollen Namenstafeln vor den einst von ihnen bewohnten Häusern, die so genannten Stolpersteine. Der erste wird nun verlegt.     
Artikel von in "Echo-online.de" vom 12. März 2010 (Artikel): "Morgen wird erster Stolperstein gelegt
Erinnerung an Naziopfer: Überlebende begleiten die Zeremonie in Michelstadt
MICHELSTADT. 
Wenn morgen der erste Stolperstein vor dem Haus in der Großen Gasse 20 in Michelstadt gesetzt wird, schauen auch von weit her angereiste Gäste zu: Marianne Cobb und ihr Sohn Jonathan (London) sowie Professor Walter Zwi Bacharach (Tel Aviv) und dessen Gattin begleiten den feierlichen Akt zum 'Tag des Erinnerns' an verfolgte jüdische Bürger der Stadt. 
Der erste Stein erinnert an Erna Bacharach, geborene Strauß (Jahrgang 1899), die am 25. Februar 1944 von den Nazis in Westbork (Niederlande) verschleppt wurde und am 1. Oktober 1944 auf dem Weg von Theresienstadt nach Auschwitz ums Leben kam. Ihr Sohn Walter Zwi Bacharach wurde 1928 in Hanau geboren und hat den Holocaust als Gefangener in Theresienstadt und Auschwitz überlebt. Bis zu seiner Pensionierung war er als Historiker an der Bar Ilan Universität Tel Aviv und Direktor des Leo Baeck Instituts in Jerusalem tätig. Seine Cousine Marianne Cobb wurde in Michelstadt geboren und emigrierte 1936 als Sechsjährige mit ihrer Familie über Marseille nach Südafrika. 
Alle 21 Steine werden von dem Ideengeber, dem Kölner Künstler Gunter Demnig, gesetzt, der inzwischen mehr als 20 000 Steine in rund 500 Städten verlegt hat. Schüler der Theodor-Litt-Schule verlesen dazu die Namen der Opfer und berichten über deren Schicksal. 'Die Tatsache, dass der Magistrat Michelstadt, die katholische Gemeinde St. Sebastian und die Evangelische Stadtkirchengemeinde zum Tag des Erinnerns einladen, finde ich angemessen und gut. So wird zum Ausdruck gebracht, dass die große Mehrheit der Michelstädter Bürger diese Veranstaltung begrüßt', erklärt Klaus Schimmel für die örtliche Stolperstein-Initiative. 
Walter Zwi Bacharach hat seine Erlebnisse in den Konzentrationslagern übrigens auf 336 Seiten in dem Buch 'Dies sind meine letzten Worte. Briefe aus der Shoah" niedergeschrieben. Erschienen ist das Buch im Wallstein Verlag, Göttingen (2006). ISBN-10: 3892449910. 
Programm. Eröffnet wird die Feier am Samstag (13.) um 10 Uhr in der Stadtkirche mit einer musikalischen Besinnung und Texten, die von Jonathan Cobb am Klavier begleitet werden. Dann sprechen Bürgermeister Stephan Kelbert sowie die Geistlichen Hermann Ofenloch und Frank Seeger. Gegen 11 Uhr kommt es zur Verlegung des ersten Steins. Die weiteren Stolpersteine fügt Gunter Demnig vor Häusern in der Braunstraße, in der Erbacher Straße und in der Kellereibergstraße ein. Im Herbst und im nächsten Frühjahr sollen an zwei Tagen zusammen etwa 40 weitere Stolpersteine verlegt werden."    
   
Artikel in "Echo-online.de" vom 15. März 2010 (Artikel): "Welchen ermordeten Juden die Stadt nun gedenkt.
Michelstadt. Die am Samstag verlegten Stolpersteine ergeben noch kein komplettes Bild von der Verfolgung der Juden in Michelstadt. Ihre Reihe soll vielmehr je nach Ergebnisstand der Forschungen und Spendenstand ergänzt werden.
Mit Tafeln erinnert wird nun in Höhe der Braunstraße 14 an Otto Reichhardt (1878-1941), Emilie Reichhardt geborene Jonas (1885-1942), Lotte Reichhardt (*1921; nach der Verschleppung 1942 für tot erklärt), Gertrude Reichhardt (*1929; nach der Verschleppung 1942 für tot erklärt) und Hedwig Ladenburger geborene Ettlinger (*1899; wahrscheinlich 1942 ermordet). Vor dem Haus in der Braunstraße 16 erinnern fünf etwa zehn mal zehn Zentimeter große Messingplatten an Aron Strauss II (1873-1943), Lina Strauss geborene Lindheimer (1873-1942), Rosa Strauss geborene Hirsch (1872-1943), Max Strauss (*1907; nach der Verschleppung 1942 für tot erklärt) und Minna Strauss (*1900; nach der Verschleppung 1942 für tot erklärt). 
Drei jüdische Familien mit zusammen acht Menschen lebten an der Braunstraße 22: Heinrich Oppenheimer (1876-1942), Elise Oppenheimer geborene Strauss (1878- 1944), Michael Friedrich Oppenheimer (*1904; nach der Verschleppung 1941 für tot erklärt), Alfred Lorch (*1899; nach der Verschleppung 1942 für tot erklärt), Franziska Lorch geborene Oppenheimer (*1903; nach der Verschleppung 1942 für tot erklärt), Martin Lorch (1927-1942), Louis Rothschild (1886-1941) und Hilde Rothschild geborene Rapp (1891-1941). 
Zum Gedenken an Erna Bacharach geborene Strauss (1899-1944) hat Gunter Demnig vor der Großen Gasse 20, für Nelly Pluhar geborene Strauss (1892-1945 befreit) vor der Erbacher Straße 12 und für Lizzy Wassum geborene Ascher (1888-1943) vor der Kellereibergstraße 1 Steine mit den persönlichen Angaben der Opfer eingelassen. mg" 
     
Juni 2010: Weitere "Stolpersteine" werden im September 2010 verlegt      
Michelstadt Sto 015.jpg (23329 Byte)Foto links von Manfred Giebenhain:  Erna Bacharach ist eines der Opfer der Juden-Verfolgung in Michelstadt, dessen bereits mit einer Einlassung in den Straßenraum gedacht wird. Weitere Stolpersteine werden im September folgen.       
Artikel in "Echo-online.de" vom 28. Juni 2010 (Artikel): "Neue Stolpersteine werden im September verlegt
Gedenken: Die Aktion erinnert an 59 Michelstädter Bürger jüdischen Glaubens, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. 
MICHELSTADT
. Namen wie Katz, Neu oder Oppenheimer sucht man im Telefonbuch von Michelstadt von heute vergeblich. Anders verhält es sich bei einem Blick auf die Liste der Opfer des nationalsozialistischen Terrors, zu deren Gedenken in einem zweiten Durchgang so genannte Stolpersteine gesetzt werden sollen. Allein die genannten Familiennamen sind mehr als 20 Mal unter den insgesamt 38 Namen vertreten, die ein gemeinsames Schicksal verbindet. Wegen ihres jüdischen Glaubens wurden sie zwischen 1940 und 1943 aus ihren Häusern vertrieben, verhaftet, misshandelt und in Konzentrationslager verschleppt, wo die meisten ermordet wurden. 
Zusammen mit den 21 Opfern, an die Mitte März in gleicher Weise erinnert wurde, waren es 59 Michelstädter Bürger jüdischen Glaubens, die die Schrecken des Naziregimes mit dem Leben bezahlen mussten. Anfangs ist die lokale Initiativgruppe, noch von insgesamt drei Terminen ausgegangen. Anfragen aus mehreren europäischen Ländern und Termindruck seien dafür verantwortlich, dass nun alle restlichen Steine an einem Tag verlegt würden, ließ Heinz-Otto Haag auf Nachfrage wissen. Erfolgen wird die Verlegung der 38 Steine am Samstag, 18. September. ,,Der Künstler Gunter Demnig hat darum gebeten, die restlichen Gedenksteine alle an einem Tag verlegen zu können", so Haag, der zusammen mit seiner Frau Heidi zu den lokalen Initiatoren zählt. Anders als noch bei der ersten Aktion, der als 'Tag des Erinnerns' mit einer Gedenkfeier in der Stadtkirche begonnen hat, wird es im September kein Vorabprogramm geben. 
Auch werden keine von weit her angereisten Gäste aus den Reihen der Angehörigen erwartet, da der gewählte Termin identisch ist mit dem höchsten jüdischen Feiertag. 'Einer Einladung zum Jom Kippur, dem jüdischen Versöhnungstag, wird verständlicherweise kein gläubiger Jude nachkommen', fügt der pensionierte Dekan Klaus Schimmel hinzu. Ungeachtet dessen wird für die Stadt Michelstadt als Veranstalter des Ereignisses Bürgermeister Stephan Kelbert voraussichtlich um 9 Uhr zu Beginn der ersten Steinverlegung vor dem Haus in der Frankfurter Straße 21 die Anwesenden begrüßen. Wie zuletzt werden Schüler, dieses Mal vom Gymnasium Michelstadt, die Namen der Opfer verlesen, und Hannes Winter etwas über das Leben und Wirken oder über den Moment der Verhaftung derer berichten, über die die Initiativgruppe in den Archiven fündig geworden ist. Weitere Stolpersteine werden in der Bahnhofstraße, Braunstraße, Friedhofstraße, Kellereibergstraße, Schulstraße, Waldstraße, Mauerstraße, Großen Gasse und am Lindenplatz verlegt."
   

 
      
Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Michelstadt (mit Informationen zur jüdischen Geschichte über Links "Tourismus/Sehenswertes"; 
- direkt zum Museum in der ehemaligen Synagoge
- direkt zum Stadtarchiv 
- Seite zu Seckel Löb Wormser "Baal Schem von Michelstadt" auf englisch: hier anklicken 
- Seite Michelstädter Juden im 19. Jahrhundert, erarbeitet von Heidi Banse   
Geschichtsseite der "Jerusalem-Boutique" neben der Synagoge
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Michelstadt (interner Link) 

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinde in Hessen 1972. Bd. II, 76-89.
Thea Altaras: Synagogen in Hessen - Was geschah seit 1945. Königstein im Taunus. 1988 S. 169.204.217.
Rudolf Wind: Michelstadt. Ein Führer durch die Stadt.
Michelstadt Baal Shem 01.jpg (28200 Byte)Judaeus: The Baal Shem Tov of Michelstadt. New York— Jerusalem 1973. Translated by M. F. Kuttner.
Martin Schmall: Die Juden in Michelstadt 1658-1942. Michelstadt 1982.
ders.: Die Juden in Michelstadt. Band 5 der Rathaus- und Museumsreihe. Michelstadt 1988.
Karl E. Grötzinger Der Ba’al Schem von Michelstadt und die Frankfurter Kabbalisten, in: Menora - Jahrbuch für deutsch-jüdische Geschichte, 1996. S. 324-340.
ders.: Seckel Löw Wormser – der Ba’al Schem von Michelstadt, Zum 150. Geburtstag, in: Aschkenas, Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden, Nr. 10 2000 S. 157-176.  
Hans Teubner: Vergessene Bauwerke - "Laubhütten" in Hessen.  Mit mehreren Beispielen aus Michelstadt. Online zugänglich 
Karl Erich Grözinger: Der Ba'al Schem von Michelstadt. Ein deutsch-jüdisches Heiligenleben zwischen Legende und Wirklichkeit
Erschien im August 2010 im Campus-Verlag Frankfurt - New York. 375 Seiten, ca. 20 Abb. 24,90 €. EAN 9783593392820. Weitere Informationen.      

    

Michelstadt Hesse, Germany. Established around 1740, the community rebuilt its synagogue in 1791, when it comprised 18 families. Jewish life flourished in the first half of the 19th century, thanks largely to R. Seckel Loeb Wormser (1768-1847), the "Ba'al Shem of Michelstadt", who opened a yeshiva attended by 70 students in 1805. He gained particular renown as a healer, devising treatments that combined herbal remedies woth science and Kabbalah. Legends were woven around the "Ba'al Shem" and pilgrimages were made to his grave, non-Jews maintaining this practice in secret during the Nazi era. At its height, in 1871, the community numbered 194 (6 % of the total). Its members, affiliated with the Orthodox rabbinate of Darmstadt, were sheltered from antisemitism until the 1930s. On Kristallnacht (9-10 Nov. 1938), however, the synagogue's interior was destroyed (although Torah scrolls had been rescued in advance), Jewish stores were looted, and Jews sent to the Buchenwald concentration camp. Of the 91 Jews living there in 1933, 48 emigrated (mostly to the U.S.) and 14 were deported in 1942-43. After Worldwar II, the grave of the "Ba'al Shem" was restored and the newly repaired synagogue was transformed into a Jewish historical museum".
    

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Stand: 15. August 2010