Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Viernheim (Kreis Bergstraße)
Jüdische Geschichte / Synagoge
(Seite wurde erstellt unter Mitarbeit von Harry Siegert, Viernheim) 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer     
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Viernheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Erstmals wird 1609 ein jüdischer Einwohner genannt. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts ließen sich auch jüdische Flüchtlinge aus Wien in Viernheim nieder (die beiden Familien mit dem späteren Familiennahmen Sternheimer und Kaufmann). 1713 und 1721 werden gleichfalls Juden genannt. 1795 lebten bereits zehn jüdische Familien in Viernheim. 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder wie folgt: 1806 29 jüdische Einwohner, 1828 60, 1861 114 (3,2 % von insgesamt 3.577 Einwohnern), 1880 115 (2,3 % von 4.912), 1900: 123 (1,7 % von 7.226), 1910 110 (1,2 % von 9.238). Die jüdischen Familien lebten im 17./18. Jahrhundert fast ausschließlich vom Viehhandel. Später kam der Tabakhandel dazu. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gehörten jüdischen Gewerbetreibenden mehrere für das wirtschaftliche Leben des Ortes bedeutende Handlungen und Geschäfte, aber auch Zigarrenfabriken (Heinrich Jakob & Comp., Isaak Weissmann). 
  
An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Religionsschule sowie ein rituelles Bad (1897 instandgesetzt, siehe Bericht unten). Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Hemsbach beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Stellenausschreibungen unten). An Lehrern werden genannt: um 1840 Feist Traub, nach 1864 bis 1875 Jacob Gottschall aus Griesheim bei Darmstadt (danach in Michelstadt), 1890 Lazarus Tannenwald, vor 1921 bis 1937 Heinrich Loew. Die jüdische Gemeinde gehörte seit 1895 zum liberalen Rabbinat Darmstadt I.   
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Jakob Kaufmann (geb. 4.3.1892 in Viernheim, gef. 24.8.1914) und Vizefeldwebel Ludwig Weißmann (geb. 26.5.1885 in Viernheim, gef. 28.3.1918). 
 
Um 1925, als noch 100 Personen der jüdischen Gemeinde angehörten (0,8 % von insgesamt etwa 12.000 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde: Hermann Weißmann, Willi Gernsheimer und Isak Kaufmann. Als Lehrer, Kantor und Schochet war der bereits genannte Heinrich Loew tätig (noch bis 1937, als er auch die Kinder in Rimbach unterrichtete). Er erteilte damals sechs Kindern Religionsunterricht und war zugleich als Mohel (Beschneider) in Viernheim und Umgebung tätig (siehe Anzeige unten). An jüdischen Vereinen gab es einen Armenverein, einen Frauenverein und den Töchterausstattungsverein

Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 69 Personen) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen (Mannheim) beziehungsweise ausgewandert (20). Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt, aber auch zahlreiche Geschäfte und Wohnungen jüdischer Familien geplündert und demoliert (u.a. die Wohnung des jüdischen Lehrers Heinrich Loew in der Hügelstraße 4). SA- und SS-Leute waren mit Beilen in die Wohnungen eingedrungen. Die nach Mannheim verzogenen jüdischen Gemeindeglieder wurden bereits im Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Die in Viernheim verbliebenen mehr als zehn, meist alten Menschen wurden im März beziehungsweise September 1942 in Vernichtungslager nach Polen und nach Theresienstadt deportiert.   
   
Von den in Viernheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Alice Engel geb. Weissmann (1893), Emil Fischer (1881), Emilie Fischer (1881), Rosa Fischer geb. Gernsheimer (1883), Siegmund Gernsheimer (1880), Erna Grünebaum geb. Kaufmann (1896), Max Herzfeld (1865), Rosa Holzmann geb. Kaufmann (1869), Bertha Kahn geb. Kaufmann (1871), Alfred Kaufmann (1934), Auguste Kaufmann geb. Jakobsohn (1864), Elsa Kaufmann geb. Jakob (1907), Moses Kaufmann (1889), Ruth Kaufmann (1930), Auguste Mayer (1883), Babette Mayer (1878), Ferdinand Siegmund Mayer (1863), Luzia Mayer (1903), Sara Mayer geb. Speyer (1867), Theodor Mayer (1881), Wolf Mayer (1883), Hilda (Hildegard) Rosenthal geb. Lublin (1904), Josef Rosenthal (1936), Hermann Schindler (1922 oder 1924), Sara Schindler geb. Schiffer (1865), Auguste Schönberger geb. Weißmann (1894), Friederike Seewald geb. Lublin (1896), Regina Silberthau geb. Sternheimer (1866), Hugo Sternheimer (1897), Jettchen Sternheimer geb. Herzfeld (1870), Leopold Sternheimer (1859), Fanny Ullmann (1886), Max Friedrich Ullmann (1882), Minna Ullmann geb. Ullmann (1882), Hugo Weissmann (1858), Robert Weissmann (1864), Albert (Adolf) Wolf (1886), Auguste Zehner geb. Schiffer (1897), Selma Zehner (1924).       
     
    

          
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers/Vorbeters/Schächters 1876 / 1884 / 1886

Viernheim Israelit 29111876.jpg (46548 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. November 1876: "Konkurrenz-Eröffnung. Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters in der hiesigen israelitischen Gemeinde ist vakant und soll alsbald wieder besetzt werden. Fixer Gehalt 800 bis 1.000 Mark; Akzidenzien ca. 600 Mark nebst freier Wohnung. Lusttragende Bewerber wollen sich bei dem Unterzeichneten melden. Viernheim, den 19. November 1876. Der Vorstand Lazarus Lublin."
 
Viernheim Israelit 24111884.jpg (47364 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1884: "Die Viernheimer Religionslehrer-, Schächter- und Vorsänger-Stelle soll bis zum 1. Januar 1885 neu besetzt werden. Die Stelle trägt inklusive Nebenverdienste ca. 1.500 Mark ein. Solche, welche das Seminar besucht und gute Zeugnisse aufzuweisen haben, erhalten den Vorzug. Samuel Gernsheimer, Vorsteher."
 
Viernheim Israelit 11021886.jpg (49042 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1886: "In Folge der Einberufung des seitherigen Lehrers zum Militärdienst ist bei unserer Gemeinde die Stelle der israelitischen Religionslehrers und Vorsängers vakant geworden und soll wieder besetzt werden. Bewerber um diese Stelle, zu der auch die Schächterfunktionen gehören, wollen sich, unter Vorlage der Zeugnisse über die bestandene Prüfung bei uns melden. Bewerber ledigen Standes werden bevorzugt. Das Einkommen der Stelle, einschließlich der Akzidenzien, beläuft sich neben möblierter freier Wohnung auf ca. 14-1500 Mark. 
Namens des Vorstandes der israelitischen Gemeinde Viernheim: Samuel Gernsheimer."

   
Der jüdische Lehrer gerät in den Streit zwischen orthodoxen und liberalen Gruppen (1855)
Anmerkung: Mitte des 19. Jahrhundert gab es zwischen orthodoxen und liberalen Richtungen im Judentum immer wieder starke Auseinandersetzungen, die (z.B. anlässlich der Einrichtung einer Synagoge mit einer Orgel) bis hin zu Spaltungen in zahlreichen städtischen Gemeinden führten. Aber auch in kleineren Gemeinden fanden Auseinandersetzungen statt, wie der Fall des Viernheimer Lehrers zeigt. Nach seiner Entlassung wurde in der liberal gesonnenen Zeitschrift "Der Israelitische Volksschullehrer" ein scharfer Artikel gegen die für die Entlassung verantwortlichen orthodoxen Kreise geschrieben.

Viernheim IsraelitVolksschullehrer 011855.jpg (54021 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelitische Volksschullehrer" vom Januar 1855: "Aus dem Großherzogtum Hessen. - Wieder ist einer unserer Lehrer, und zwar ein Mann mit zahlreicher Familie, ein Opfer des zelotischen Eifers und pharisäischen Verfolgungsgeistes geworden - es ist dieses der zuletzt in Viernheim gestandene Lehrer R...t. Derselbe war der Unterlassung unbedeutender religiöser Observanzen gerüchtsweise Angeklagte, unter Anderem habe er - für seine kranke Frau! - am Sabbat eine Suppe kochen lassen. Darauf hin wurde ihm von dem betreffenden Rabbiner, bei welchem der religiöse Eifer oft das Mitglied überwuchert, das Schächten untersagt; die betreffende Gemeinde warf ihn in Folge dessen buchstäblich aus der Schule hinaus, und der arme Mann irrt nun mit Weib und Kindern brotlos und trostlos umher! - 

 
Lehrer Heinrich Loew empfiehlt sich das Mohel (Beschneider) (1924)

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Februar 1924: "Viernheim, Hessen. Als geprüfter Mohel empfiehlt sich H. Loew, Lehrer." 

       

Aus dem jüdischen Gemeindeleben  

Instandsetzung der Mikwe (1897)  

Viernheim Israelit 30121897.jpg (29637 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Dezember 1897: "Viernheim, im Dezember (1897). Den edlen Bemühungen des Herrn Lehrers Goldschmidt, im Verein mit dem ehemaligen Klausrabbiner Herrn Dr. Rosenthal aus Mannheim, ist es endlich gelungen, das seit langem in Verfall geratene rituelle Frauenbad in hiesiger Gemeinde seinem heiligen Zwecke wieder zu übergeben."

      
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde 

Zum Tod von Adolf Gernsheimer (1921)   

Viernheim Israelit 05051921.jpg (84534 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Mai 1921: "Viernheim (Hessen), 28. April (1921). Adolf Gernsheimer hat am 4. Pessachtag, kaum 33-jährig, das Zeitliche gesegnet. Wer ihn kannte, weiß, was wir alle an ihm besessen, was wir alle an ihm verloren. Ein edel und redlich denkender Mensch, aus einem altehrwürdigen, frommen Hause stammend, verstand er es von frühesten Jugend an, alle, die ihm näher getreten, für sich zu gewinnen. Sie alle werden dem ehrlichen braven Menschen, der bis noch vor wenigen Tagen mit dem stillen Mute der Entsagung, den nur Gottesfurcht gibt, sein Geschick getragen, ehrendes Andenken bewahren. Die große Trauerversammlung gab Beweis, welchen großen Wohltäter und liebevollen Menschen wir zu Grabe getragen. Herr Lehrer Loew ließ noch einmal das Lebensbild des Verstorbenen in kurzen Worten an uns vorüberziehen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."        

  
Über Max Liebster (1915-2008)   

Viernheim PA 200701.jpg (172812 Byte)Artikel von Harry Siegert im "Viernheimer Tageblatt" vom 29. Juli 2008: "Gesellschaft: Zeitzeuge Viernheimer Geschichte gestorben. Max Liebster im Alter von 93 Jahren verstorben. 
Aix-les-Bains/Viernheim
(kt) - Wie erst in diesen Tagen bekannt wurde, ist in seinem Haus im französischen Kurort Aix-les-Bains ein Zeitzeuge der Nazizeit in Viernheim, Max Liebster, im Alter von 93 Jahren gestorben.   Max Liebster wurde 1915 in Reichenbach im Odenwald in eine streng gläubige jüdische Familie geboren. Bevor er im Jahre 1929 eine Lehre im Textilgeschäft seiner Cousins Julius und Hugo Oppenheimer in Viernheim begann, besuchte Max Liebster die Volksschule in Reichenbach..." Zum weiteren Lesen des Artikels bitte anklicken.  

  
  
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeigen jüdischer Zigarrenfabrikanten 1899 und 1904

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November 1899: "Suche per sofort eine tüchtige Haushälterin, welche imstande ist, einem Haushalt von drei Personen selbständig vorzustehen. Offerten, Zeugnisse, Photographie und Ansprüche an J. Weißmann, jr., Zigarrenfabrik, Viernheim bei Mannheim." 
       
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Juli 1904: "Sichere Existenz! Hohe Provision und Extra-Honorar zahlt erstklassige Zigarrenfabrik gut eingeführt. Agenten, bei monatliche Abrechnung, welche hervorragende Spezialitäten mitverkaufen. Eventuell Generalvertretung. Offerten mit Angabe des erreichten Umsatzes erbeten. Heinrich Jakob & Comp., Zigarrenfabrik, Viernheim bei Mannheim".

            
  

    
Zur Geschichte der Synagoge

Zunächst war ein Betsaal in einem jüdischen Privathaus vorhanden. 1821 beantragte die jüdische Gemeinde bei den Behörden den Bau einer Synagoge. Die Genehmigung wurde erteilt und eine Synagoge konnte 1826/27 erbaut und im August 1827 eingeweiht werden. Sie war Mittelpunkt bis jüdischen Gemeindelebens bis zur Zerstörung in der NS-Zeit. Mehrfach wurde sie renoviert und erweitert, insbesondere 1865, 1902 und zum 100jährigen Bestehen 1927. Aus der Geschichte der Synagoge in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts liegt ein ungewöhnlicher Berichte aus dem Jahr 1880 vor: 

Der Polizeidiener muss für Ordnung in der Synagoge sorgen (1880)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. März 1880: "Bonn, 21. März (1880). 'Der Starkenburger Bote' meldet, dass in Viernheim der gewiss seltene Fall eingetreten, dass ein Polizeidiener in der Synagoge die Ordnung aufrecht erhalten muss. Es kamen nämlich daselbst während des Gottesdienstes derartige Ruhestörungen und Ungehörigkeiten vor, dass auf erhaltene Anzeige sich das Kreisamt zu der erwähnten Maßregel veranlasst sah, wofür die israelitische Gemeinde den Polizeidiener besonders honorieren muss. Wegen des angegebenen Ärgernisses meiden viele Israeliten die dortige Synagoge jetzt gänzlich."      

       
Über die Feier zur Wiedereinweihung der Synagoge mit Rabbiner Dr. Italiener aus Darmstadt im August 1927 liegt ein Bericht aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1927 vor:  

Viernheim Israelit 08091927.jpg (116894 Byte)"Viernheim, 22. August (1927). Am Sonntag beging die israelitische Gemeinde Viernheim das hundertjährige Bestehen ihrer Synagoge mit einem Festgottesdienst. Nach einer Begründungsrede des Lehrers Loew hielt Rabbiner Dr. Italiener - Darmstadt die Festpredigt. Kraft, Stolz und Geduld erfülle den Juden, der der Väter, die dieses Gotteshaus errichteten, gedenkt. Von ihrer Tat ging um so größeres Licht aus, als bis damals die Juden von außen unterdrückt und im Ghetto innerlich verkümmert waren. Oberarzt Dr. Fried - Worms hielt die Gedächtnisrede für die im Weltkrieg gefallenen Juden der Gemeinde Viernheim. 
Im Namen der Gemeinde Viernheim erklärte Bürgermeister Lamberth, dass er eigens seinen Urlaub unterbrochen habe, um an dieser bedeutungsvollen Feier teilzunehmen. Es sei ihm ein Bedürfnis, den vorbildlichen Beziehungen aller Konfessionen in der Gemeinde Vierheim Ausdruck zu geben. Kaplan Oestreicher überbrachte die Glückwünsche zugleich im Namen des Herrn geistlichen Rat Wolf, der gesamten Pfarrgeistlichkeit, des Kirchenvorstands und der katholischen Gemeinde. Er begann in hebräischer Sprache mit dem Psalmwort: "Wenn der Herr nicht wacht, wacht der Wächter umsonst." 
Direktor Benjamin - Darmstadt überbrachte die Glückwünsche des Landesverbands der Israelitischen Religionsgemeinden Hessens, Syndikus Erwin Baer - Frankfurt a.M. diejenigen des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Polizeioberwachtmeister Kühne die der Polizeibehörde, ein Mitglieder des Synagogenrats die der Gemeinde Mannheim, Rektor Mayer - Vierheim überbrachte die Glückwünsche der Schule.
Prachtvolle Chöre des Klaussynagogenchors, Mannheim, mit Solis des Oberkantors Eppstein umrahmten weihevoll die Ansprachen. 
Zu dieser Feier wurde eine Festschrift, verfasst von Herrn Lehrer Loew - Viernheim, herausgegeben, die interessantes geschichtliches Material enthält."  
Hinweis: Die Abschrift der genannten Festschrift ist online zugänglich. 

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge am 10. November zerstört. Bereits am Vormittag dieses Tages wurde eine Brandstiftung versucht, die misslang. Am Mittag brachen drei SS-Männer gewaltsam in die Synagoge ein, raubten Davidstern, Opferstock und silberne Leuchter, übergossen die Torarollen und andere Kultgegenstände mit Benzin und entfachten ein Feuer. Die Synagoge brannte völlig nieder. Die Brandruine wurde wenig später abgebrochen. 

Bei den Gerichtsprozessen 1946-1952 auf Grund der Gewaltaktionen gegen die Synagoge Viernheim vor dem Landgericht Darmstadt wurde nur ein Täter verurteilt, die übrigen Angeklagten mangels Beweisen freigesprochen.

Das Grundstück der ehemaligen Synagoge ist heute ein Parkplatz, Ein Denkmal für die zerstörte Synagoge wurde etwa 200 m von ihrem Standort am Ende der Hügelstraße angebracht. 

Adresse/Standort der SynagogeHügelstraße 5.

Fotos

Historische Fotos Viernheim 1927 02.jpg (48953 Byte) Viernheim Synagoge 010.jpg (82012 Byte)
   Gemeindevorstand und Lehrer Loew im Jahr des Synagogenjubiläums 1927 Innenansicht der Synagoge 
in Viernheim
     
Viernheim Synagoge 131.jpg (69981 Byte) Viernheim Synagoge 130.jpg (84552 Byte) Viernheim Synagoge 132.jpg (63744 Byte)
Rekonstruktion / Zeichnung der Synagoge in Viernheim von Harry Siegert (Viernheim) anhand einer Skizze eines (bereits verstorbenen) Herrn Fischer, Beschreibungen (Festschrift Heinrich Loew) und der Erzählungen von Zeitzeugen. 
          
Der Standort der ehemaligen Synagoge und das Denkmal im Sommer 2007
(Fotos: Harry Siegert, Viernheim)
Viernheim Synagoge 294.jpg (52804 Byte) Viernheim Synagoge 293.jpg (57428 Byte)
   Blick auf das Grundstück der ehemaligen Synagoge
    
Viernheim Synagoge 292.jpg (116357 Byte) Viernheim Synagoge 291.jpg (38421 Byte) Viernheim Synagoge 290.jpg (53127 Byte)
Gedenkstein mit Abbildung der ehemaligen Synagoge und Inschrift: "In dieser Strasse stand von 1828-1938 die Synagoge der ehemaligen jüdischen Gemeinde Viernheim. Sie wurde in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstört."

   
    
Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Viernheim   

Literatur:  

Heinrich Loew: Die israelitische Religions-Gemeinde Viernheim (Hessen). Festschrift zur Jahrhundertfeier des Synagogenbaues im August 1927. Viernheim 1927. Abschrift online zugänglich (interne Seite)  .  
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 321-324.
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 193.
Brigitte Perker: Viernheim zwischen Weimar und Bonn. Demokratie und Diktatur in einer deutschen Kleinstadt 1918-1949. Hg. Magistrat der Stadt Viernheim. Viernheim 1988. 
Franz Haas: Die Juden in Viernheim. in: 777-1977. Zwölfhundert Jahre Viernheim. Viernheim 1977 S. 99-108.
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 27-28.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 275-277.
   


 
  
Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Viernheim Hesse. Jews lived there from the 17th century and established a community numbering 60 in 1828. Jews prospered in the tobacco and livestock trade. The community became affiliated with the Liberal rabbinate of Darmstadt. By 1900 the Jewish population had grown to 123 (2 % of the total). In the wake of the Nazi boycott campaign, Jews started leaving before Kristallnacht (9-10 November 1938), when stormtroopers burned down the synagogue and organized the looting or destruction of Jewish property. During the years 1933-39, at least 28 of the 60 Jews in Viernheim emigrated (17 to the United States). Those who remained were mostly deported in 1942.  
     

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 27. Januar 2010