Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Rheingönheim (Stadt Ludwigshafen am Rhein) mit Neuhofen (Rhein-Pfalz-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Kennkarten aus der NS-Zeit    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde        
    
In Rheingönheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1940. Ihre Entstehung geht in die Zeit um 1800 zurück, nachdem es bereits im 17. Jahrhundert jüdische Einwohner in der Stadt gab. 
  
An die jüdische Gemeinde des 17. Jahrhunderts erinnerte noch längere Zeit der jüdische Familienname "Ringanum". Prominenter Vertreter war Lemle Moses (geb. 1666), der sich um 1680 in Mannheim niederließ, dort als Kaufmann tätig war und als Pächter des Salzmonopols zu Reichtum kam. Er belieferte als kurpfälzischer Hof- und Milizfaktor den kurfürstlichen Hof in Mannheim. Die jüdische Gemeinde Mannheim, deren Vorsteher er jahrelang war, verdankt ihm vor allem die "Lemle-Moses-Klaus", ein Zentrum jüdischen Lernens und des orthodoxen Gemeindelebens bis 1938.   
 
Ende des 18. Jahrhunderts erfolgte seit 1798 wiederum die Aufnahme jüdischer Personen in Rheingönheim (aus Mußbach und Altleiningen). In Neuhofen wird erstmals 1810 eine jüdische Familie genannt.  

Seit 1821 (nach anderen Angaben erst seit dem 1. August 1856) bildeten die in Rheingönheim lebenden jüdischen Personen gemeinsam mit denen in Neuhofen die jüdische Kultusgemeinde Rheingönheim-Neuhofen.  

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner in Rheingönheim wie folgt: 1823 20 jüdische Einwohner, 1875 48 (von insgesamt 1.831 Einwohnern), 1890 Höchstzahl von 57, 1900 37 (von 3.118). In Neuhofen waren es: 1825 acht jüdische Einwohner, 1835 vier, 1848 fünf Familien mit 21 Personen, 1875 und 1880 Höchstzahl von 54 jüdischen Einwohnern.   

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.) und eine Religionsschule (bis zur Aufgabe der Schule 1911 im Synagogengebäude s.u.). Die Toten der Gemeinde wurden in Otterstadt, seit 1910 im jüdischen Friedhof in Neuhofen beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Als Lehrer waren insbesondere tätig: Simon Guggenheim (1871-1899) und Josef Jacob (1911-1925). Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Frankenthal
 
Die jüdischen Einwohner waren im Ortsleben voll integriert. So war der Kaufmann Max Fischer (Warenhaus in der ehem. Hartmannstraße 48, heute Benngewannstraße 1) nicht nur langjähriger Vorsteher der Jüdischen Gemeinde, sondern auch aktives Mitglied der Senioren-Turnierriege des Turnvereins Rheingönheim. Seine Frau war im Ersten Weltkrieg eine der Frauen, die dem privaten Helferkreis des Reservelazaretts in der Mozartschule Rheingönheim angehörten. 

Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde noch 21 Personen in Rheingönheim und 23 in Neuhofen gehörten (in Rheingönheim 0,5 % von insgesamt ca. 4.230 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde der bereits genannte Max Fischer, Israel Fischer, Einnehmer Decker und Max Blum. Als Lehrer, Kantor und Schochet war weiterhin Josef Jakob tätig (s.u.). Zur jüdischen Gemeinde Rheingönheim - Neuhofen gehörten auch die in Waldsee lebenden jüdischen Personen (1924 9 Personen). Auf Grund der zurückgehenden Zahl der Gemeindemitglieder erfolgte mit dem Wegzug des Kantors Jacob nach Ludwigshafen der Anschluss der Kultusgemeinde Rheingönheim-Neuhofen an die Gemeinde in Ludwigshafen. 1928 wurden 21 jüdische Gemeindeglieder in Rheingönheim, 23 in Neuhofen gezählt. 1932 war Gemeindevorsteher weiterhin Max Fischer, Schriftführer und Schatzmeister der Gemeinde war Adolf Decker.  
    
Nach 1933 (noch fünf jüdische Familien am Ort) ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1938 wurden noch 25 jüdische Einwohner am Ort gezählt. Die letzten acht wurden im Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Aus Neuhofen wurden im Oktober 1940 elf jüdische Personen deportiert.  
    
Von den in Rheingönheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hortense Adler geb. Blum (1876), Albert Blüm (1897), Richard Blüm (1883), Alfons Blum (1905), Ludwig Blum (1873. Foto des Grabsteines in Gurs siehe unten), Max Blüm (1887),  Friedrich Hirsch (1888), Florence Kahn geb. Marx (1880), Albert Marx (1885), Amanda Marx (1881, siehe Kennkarte unten), Hugo Marx (1883, siehe Kennkarte unten), Paulina (Paula) Marx (1886), Jenny Mende (1867), Ernestine (Erna) Simons geb. Blum (1893), Arthur (Artur) Weil (1880), Emilie Weil (1878), Flora Weil (1891), Heinrich Weil (), Manfred Weil (), Max Weil ().  
   
V
on den in Neuhofen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Amanda Fischer geb. Oehlbert (1900), Benno Fischer (1876), David Fischer (1870), Emil Fischer (1881), Emilie Fischer (1881), Eugen Fischer (1880), Johanna Fischer (1877), Julius Fischer (1903), Martha A. Fischer (1900), Meta Fischer geb. Schriesheimer (1871), Auguste Lilienfeld geb. Fischer (1874), Johanna Öhlbert geb. Fischer (1869), Julius Öhlbert (1875).  
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Religionslehrer-/Vorbeter- und Schächterstelle 1899 / 1901 / 1903 / 1909

Rheingoenheim Israelit 28091899.jpg (63808 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. September 1899: "Kantor- und Schächter-Gesuch
Von der israelitischen Kultusgemeinde Rheingönheim (Pfalz) wird ein lediger junger Mann als Vorbeter und Schächter gesucht, der auch im Unterricht der israelitischen Lehre bewandert ist. Eintritt sofortiger Gehalt fix Mark 500.-. Nebeneinkommen ca. Mark 300.- und freie Wohnung. Offerten an den israelitischen Vorstand Rheingönheim." 
       
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. November 1901: "Da unser Herr Lehrer avanciert ist, suchen wir sofort einen Lehrer, Vorbeter und Schächter. Das Gehalt beträgt 500 Mark nebst freier Wohnung. Nebenverdienste 550 Mark. Ledige Bewerber werden bevorzugt. Meldungen nebst Zeugnisabschriften sind bis zum 20. November an den unterzeichneten Vorstand zu richten.  
S. Blüm, 
Rheingönheim (Pfalz)."     
 
Rheingoenheim Israelit 19111903.jpg (48444 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1903: "Die Vorsänger- und Schächterstelle für die Gemeinde Rheingönheim (Pfalz) ist bis 1. Februar 10ß4 nur für einen ledigen, jungen Mann zu besetzen. Gehalt 500 Mark, ca. 600 Mark Nebenverdienst. 
Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnisse baldigst einreichen. 
Der Vorstand."    
  
Rheingoenheim FrfIsrFambl 27111903.jpg (16371 Byte)Ausschreibung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. November 1903: "Rheingönheim (Pfalz). Vorbeter und Schächter per 1. Februar (1904). Einkommen ca. 1.100 Mark. Nur ledige Bewerber."  
    
Rheingoenheim Israelit 21101909.jpg (76065 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Oktober 1909: "Die Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle ist in unserer Gemeinde sofort zu besetzen. Das Fixum beträgt Mark 250.-, die Nebeneinkünfte inklusive Schächtergebühren belaufen sich auf ungefähr Mark 400.-. Außerdem ist der Inhaber der Stelle gleichzeitig Schächter in der nahegelegenen Gemeinde Ludwigshafen am Rhein, was ca. 600-700 Mark einbringen wird. Freie Wohnung ist vorhanden. Nur ledige Bewerber wollen sich melden. Ausländer ausgeschlossen. 
Offerten an den Kultusvorstand Max Fischer  Rheingönheim (Rheinpfalz)." 

  
Zum 80. Geburtstag des Kantors und Schochet Simon Guggenheim 1896 (seit 1871 in Rheingönheim) 
Simon Guggenheim stammte ursprünglich aus Tiengen, seine Frau aus Krozingen.  

Rheingoenheim Israelit 28121896.jpg (34373 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Dezember 1896: "Rheingönheim (Bayerische Pfalz). Am Sonntag feierte der Kantor und Schochet Simon Guggenheim, welcher bald 25 Jahre hier wirkt, seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlasse wurde derselbe von Seiten der Bürgerschaft mit vielen Glückwünschen und Geschenken bedacht. Außerdem widmete der Männergesangverein dem Jubilar ein Ständchen". 
   
Hinweis: ein Enkelsohn des Kantors Simon Guggenheim besuchte im Juni 2007 Rheingönheim: Josef Guggenheim, geb. 1929 in Mannheim hat noch manche Kindheitserinnerungen in Rheingönheim, wo er mit seinen Eltern Verwandte und Bekannte besuchte. Sein Vater Ludwig Guggenheim (geb. 1883 in Rheingönheim als jüngstes von sechs Kindern), war Filialleiter von "Samt und Seide" in Mannheim. Die Familie emigrierte 1934 nach Palästina. Der Großvater war der Kantor Simon Guggenheim.  Quelle: www.rheingoenheim.info (Artikel,  pdf-Datei)  

  
Über Kantor Josef Jacob (1875-1942) (Quelle)   

Josef Jacob wurde am 6. September 1875 in Büdingen / Lothringen geboren. Nach der Studienzeit in Colmar / Elsass trat er 1899 eine Stelle als Lehrer und Kantor bei der jüdischen Gemeinde in Rüdesheim an. Mit seiner Familie (Frau Klara geb. Horn; vier Töchter Selma Rita, Gretel und Ilse) bis er in Rüdesheim bis 1910. Im Januar 1911 wurde er auf die Stelle als Kantor der jüdischen Gemeinde Rheingönheim - Neuhofen berufen. Die Familie wohnte danach im Haus des Betsaales in der Hauptstraße. Lehrer Jacob unterrichtete die jüdischen Kinder in Rheingönheim und der Umgebung in Religion. Nach 14 Jahren Dienst in der jüdischen Gemeinde Rheingönheim - Neuhofen wurde Josef Jacob Ende 1925 nach Ludwigshafen versetzt, wo er Dienst an der Synagoge Ludwigshafen und an der Kommunalschule leistete. Am 6. September 1935 feierte Josef Jacob seinen 60. Geburtstag und sein 25 jähriges Lehrerjubiläum im Sabbat-Gottesdienst in der Ludwigshafener Synagoge Kaiser-Wilhelm-Straße. Wenig später musste Familie Jacob die große Wohnung in Ludwigshafen aus finanziellen Gründen aufgeben und nach Mannheim übersiedeln. Nach der Reichspogromnacht 1938 wurde Josef Jacob in Haft genommen und vom 10. bis 22. November 1938 im KZ Dachau festgehalten. Im Frühjahr 1940 nahm er vom Rest seiner Familie Abschied (Tochter Selma starb 1925 in Ludwigshafen, Tochter Rita wanderte 1934 nach Palästina aus), die auf ihrer Flucht vor dem Nationalsozialismus, über die ganze Welt verteilt wurde. Kantor Josef Jacob blieb bei seiner Gemeinde in Mannheim. Am 21. August 1942 wurde Kantor Jacob in Mannheim von der Gestapo verschleppt und am 23. August 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Am 26. September 1942 wurde er im Nebenlager Maly Trostinec als "verschollen" gemeldet. Das Todesdatum wurde später auf den 15.10.1942 festgelegt. 

Um das Andenken an Kantor Josef Jacob am Leben zu halten wurde am 14. Oktober 2001 auf Initiative von Pfarrer Frank-Matthias Hofmann eine Bronzegedenktafel an der Außenmauer des Protestantischen Pfarrgartens angebracht und der Kantor-Josef-Jacob-Platz feierlich eingeweiht. Im Zuge der Benennung des Platzes, wurde auch die Pfarramtsadresse in Rheingönheim von Hauptstraße 214 in "Am-Kantor-Josef-Jacob-Platz 1" umbenannt. Bei der feierlichen Enthüllung waren auch Ilse Lewins geb. Jacob und ihre Tochter Ruth Ezrahi, aus Israel, anwesend. 
  
Rheingoenheim K Jacob 013.jpg (76000 Byte) Rheingoenheim K Jacob 014.jpg (76207 Byte) Rheingoenheim K Jacob 015.jpg (82285 Byte) Rheingoenheim Jacob 010sm.jpg (86089 Byte) Rheingoenheim K Jacob 012.jpg (16232 Byte) 
Lehrer 
Josef Jacob
Klara Jacob 
geb. Horn
Schwestern Selma 
und Rita Jacob
Gedenktafel für Kantor Josef Jacob mit 
biographischen Angaben und Portrait
(Quelle der Familienbilder: Buch Minor/Ruf s.Lit. Abbildungsteil)   (Foto oben links von Michael Ohmsen 
in hochauflösender Qualität
)  
  
           
 Rechts: "Stolpersteine" für Josef Jacob, Klara Jacob geb. Horn, Rita Birnbaumgeb. Jacob, Margarete Loewy geb. Jacob und Lise Lewin geb. Jacob (Foto: Michael Ohmsen, April 2010; Foto in hochauflösender Qualität Rheingoenheim Synagoge 195.jpg (127414 Byte)  Rechts: Straßenschild Kantor-Josef-Jacob-Platz 
(Foto: Michael Ohmsen, April 2010)
Rheingoenheim Ort 142.jpg (74609 Byte)
       
Weiterer Link zu einem Beitrag von Frank-Matthias Hofmann von 2001 zu Kantor Josef Jacob:  www.christen-und-juden.de/html/kantor.htm 

    
 Zum Tod von Ilse Lewin geb. Jacob, letzte noch lebende Tochter von Lehrer Jacob (1992)   

(Quelle) - Artikel von Frank-Matthias Hofmann:   Letzte Zeitzeugin jüdischen Lebens in Rheingönnheim gestorben
"Am 11. Dezember 2002 verstarb in der Budget-Stiftung in Frankfurt-Seckbach im Alter von 94 Jahren mit Frau Ilse Lewin, geborene Jacob, die letzte noch lebende Zeitzeugin eines lebendigen jüdischen Lebens in Ludwigshafen-Rheingönheim. 2001 war der zentrale Dorfplatz in Rheingönheim nach ihrem Vater, dem jüdischen Lehrer und Kantor Josef Jacob, benannt worden. Bei den Einweihungsfeierlichkeiten in der Paul-Gerhardt-Kirche und dem Platz war sie zum letzten Mal in Rheingönheim zu Besuch. Bei der Enthüllung des Platzschildes und der durch zahlreiche Bürgerspenden ermöglichten Bronzeplatte mit den wichtigsten Lebensdaten Kantor Jacobs waren sie und ihre Tochter Ruth Ezrahe, die extra aus Israel angereist war, sehr bewegt. Der Gesprächskreis Juden und Christen in Ludwigshafen, die Prot. Kirchengemeinde Rheingönheim und die Jüdische Gemeinde Mannheim trauern um eine profilierte Frau, deren Leben ein Zeitzeugnis für die Geschichte der Juden in Ludwigshafen und Mannheim ist und die in den letzten Jahren immer wieder Mannheim und Rheingönheim besucht hat, um menschliche Kontakte zu pflegen. Das Erbe ihres Vaters, des letzten jüdischen Kantors in der Jüdischen Kultusgemeinde Rheingönheim-Neuhofen in den Jahren 1911-1925 war ihr wichtig. Bei der Einweihung der Gedenktafel am ehemaligen Jüdischen Bethaus in der Hauptstraße 246 in Rheingönheim war sie anwesend, nachdem Herbert Fritzsche und Walter Schäfer zu ihr Kontakt aufgenommen hatten. Sie frischte in dieser Zeit private Freundschaften, die während der Nazi-Zeit abgerissen waren, wieder auf. Sie wohnte in den 90er Jahren mit ihrem Mann Erich in Mannheim. Als sie in der NS-Zeit Deutschland verlassen musste, fand sie mit ihrem Mann und den zwei Kindern Harry und Ruth in Chile vorübergehend eine neue Heimat, ehe sie nach Mannheim zurückkehrte. Ortshistoriker Walter Schäfer hat in einer bewegenden Broschüre "Eine jüdische Odyssee" das Familienschicksal der Jacobs und Lewins in verdienstvoller Weise festgehalten. In Mannheim leitete Ilse Lewin jahrelang den Jüdisch-christlichen Gesprächskreis und die WIZO, die jüdische Frauenorganisation, Sektion Rhein-Neckar und hat sich bleibende Verdienste um die Jüdische Gemeinde Mannheim und das christlich-jüdische Gespräch in Mannheim und Ludwigshafen erworben.1990 nahm sie auf Einladung von Pfarrer Frank-Matthias Hofmann in Ludwigshafen-Rheingönheim an einem öffentlichen Gemeindevortrag über die Juden in Rheingönheim teil und sagte u.a. in zwei Interviews 1991 mit Pfarrer Hofmann: "Urteilt nicht voreilig! Macht euch mit den anderen Menschen, über die ihr etwas zu wissen glaubt, bekannt. Lebt nicht mit Vorurteilen, sondern lernt die Verhältnisse erst richtig kennen... Haltet die Erinnerung an die ehemaligen jüdischen Mitbürger und an das, was mit ihnen gemacht wurde, wach! Nur Erinnerung bringt Versöhnung und bewahrt davor, in ähnlicher Weise neues Unrecht auf sich zu laden." Am Donnerstag, den 12. Dezember 2002 wurde Ilse Lewin auf dem Jüdischen Friedhof in Mannheim beerdigt. Kirchengemeinde und Gesprächskreis sind ihr für ihre vielen Impulse dankbar und werden ihr ein dankbares Gedenken widmen und ihr Anliegen eines offenen jüdisch-christlichen Gespräches wach halten." 

 
 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Zum Tod von Adolf Weil (1914)  

Rheingoenheim AZJ 07081914.jpg (31857 Byte)Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. August 1914: "Unter überaus zahlreicher Beteiligung fand in Rheingönheim am 23. Juli die Beerdigung des Mitgliedes des Synagogenausschusses und Vorstandes des dortigen Kriegervereins, Herrn Adolf Weil, eines Mitstreiters von 1870/71, statt."    

    
Zum 80. Geburtstag von Sara Fischer in Neuhofen (1925)     

Neuhofen Israelit 02041925.jpg (35781 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. April 1925: "Neuhofen (Pfalz), 31. März (1925). Frau Sara Fischer geb. Mane begeht am 5. April in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit ihren achtzigsten Geburtstag. Frau Fischer ist noch im Geschäfte tätig und zeichnet sich durch Frömmigkeit und wohltätigen Sinn aus. Möge ihr noch ein weiterer heiterer Lebensabend vergönnt sein. (Alles Gute) bis 100 Jahre."  

  
80. Geburtstag von Israel Fischer und 81. Geburtstag von Sara Fischer geb. Mane (1926) 
   

Neuhofen Israelit 15041926.jpg (25504 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1926: "Neuhofen (Pfalz), 12. April (1926). Herr Israel Fischer feiert am 14. April seinen achtzigsten, seine Gattin, Sara Fischer geb. Maue, feierte am 5. April ihren einundachtzigsten Geburtstag. Beide Ehegatten erfreuen sich vollster geistiger und körperlicher Gesundheit."    

   
Erinnerung an die Deportation in das südfranzösische Internierungslager Gurs im Oktober 1940: Grabstein für Ludwig Blum in Gurs        

Rheingoenheim Gurs BK 020.jpg (190192 Byte)Grabstein im Friedhof des ehemaligen Internierungslagers Gurs für  
Ludwig Blum,  
geb. 16. Juni 1873  in Rheingönheim (bzw. Ludwigshafen am Rhein), später wohnhaft in Mannheim
am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, wo er am 17. Februar 1942 umgekommen ist.  
(Foto: Bernhard Kukatzki)   

  

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarten zu Personen, 
die in Rheingönheim geboren sind
 
Rheingoenheim KK MZ Marx Hannchen.jpg (88989 Byte)   Rheingoenheim KK MZ Marx Hugo.jpg (93811 Byte)  
  Kennkarte (Mainz 1939) für Amanda Marx (geb. 31. Oktober 
1881 in Rheingönheim), wohnhaft in Mainz, deportiert am 
27. September 1942 ab Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt, 
wo sie am 28. Dezember 1942 umgekommen ist    
Kennkarte (Mainz 1939) für Hugo Marx (geb. 7. April 1883 in
 Rheingönheim), Kaufmann, wohnhaft in Mainz, deportiert am 
27. September 1942 ab Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt, 
wo er am 22. Januar 1943 umgekommen ist    
 

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge             
    
Ein Betraum war möglicherweise bereits seit 1815 vorhanden. Der Standort ist nicht mehr bekannt. Schriftlich belegt ist ein jüdischer Betraum in Rheingönheim 1859. 
   
Am 15. Mai 1873 verkaufte die bürgerliche Gemeinde Rheingönheim ein Haus in der Hauptstraße 67 an die jüdische Kultusgemeinde, um daran einen Betraum und eine Lehrerwohnung einzurichten- Der Betraum befand sich in den vorderen Räumen im Erdgeschoss. Zur Lehrerwohnung gehörten ein Wohnzimmer und eine Küche im Erdgeschoss sowie drei Schlafzimmer im 1. Stock.  
 
1928 wurde das Gebäude an Privatpersonen vermietet. Im März 1938 wurde es für 7.500 Reichsmark an die Gemeinde Rheingönheim verkauft. Dadurch blieb es von einer Zerstörung beim Novemberpogrom 1938 bewahrt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zunächst als Unterkunft für den weiblichen Arbeitsdienst verwendet, dann auch für die Hitler-Jugend, die hier zum Löschen bei Fliegerangriffen ausgebildet wurde. 1941 wurde ein Luftschutzbunker auf dem rückwärtigen Grundstück erbaut. 1949 wurde das Gebäude teilweise abgebrochen, das Erdgeschoss zu einem Ladenlokal umgebaut, der Fachwerkgiebel durch ein neues, aufgestocktes Obergeschoss ersetzt. In der Folgezeit wurde neben dem Ladenlokal (Reinigung) ein Teil des Gebäudes als Werkstatt (Schreinerei) verwendet. In den 1980er-Jahren wurde der Abriss des Gebäudes diskutiert.  
 
Am 23. März 1983 wurde am Gebäude (im Hof) eine Gedenktafel angebracht mit dem Text: "Zur Erinnerung - Hier befand sich die ehemalige Judenschule mit Bethaus - Die Schließung erfolgt 1938. Das ursprüngliche Gebäude wurde 1949 umgebaut." Nach einem erneuten Umbau und einer umfassenden Renovierung 2008 wird das Gebäude als Vereinsheim von der Karnevalsgesellschaft Rheingönheim (Klotzgrumbeer e.V.) genutzt.   
   
   
Adresse/Standort der SynagogeHauptstraße 246 (alte Anschrift: Hauptstraße 67, noch früher [1932]: Hauptstraße 86)   
   

  
Fotos  
(Haus des Betsaals um 1912: Buch Minor/Ruf s.Lit. Abbildungsteil; andere Fotos aus den Informationsseiten bei www.rheingoenheim.info
Fotos von Michael Ohmsen: Aufnahmen vom April 2010) 

Haus mit dem Betsaal und der Lehrerwohnung
Rheingoenheim Bethaus 152.jpg (73666 Byte) Rheingoenheim Bethaus 161.jpg (42681 Byte) Rheingoenheim Bethaus 160.jpg (37184 Byte)
Das Haus um 1912 - an den Fenstern
 vermutlich Lehrer Jacob (im 1. Stock) 
und Frau Jacob (im Erdgeschoss
Das Gebäude vor der 2008 
durchgeführten Renovierung     
   
Das Haus nach der Renovierung 2008; im 
Bereich des früheren Betsaales trifft sich 
die Karnevalsgesellschaft Rheingönheim
 Klotzgrumbeer e.V.
    
        
  Rheingoenheim Synagoge 140.jpg (97005 Byte) Rheingoenheim Bethaus 170.jpg (58961 Byte) 
  Gedenktafel am Gebäude (von 1983): 
"Zur Erinnerung. Hier befand sich die
 ehemalige Judenschule mit Bethaus. 
Die Schließung erfolgte 1938. Das
 ursprüngliche Gebäude wurde 1949
 umgebaut" (Foto: Michael Ohmsen) 
 Oben: Fotos der heutigen Nutzung 
des Gebäudes auf der 
Website der KG Rheingönheim Klotzgrumbeer e.V.
  
     
Ehemalige jüdische Häuser 
am Ort
Rheingoenheim Ort 151.jpg (41443 Byte) Rheingoenheim Ort 140.jpg (44913 Byte)
      Das Warenhaus von Max Fischer 
(heute Benngewannstraße 1; Fotos rechts von Michael Ohmsen) 
      
Rheingoenheim Eisenbahnstr 37-001.jpg (55506 Byte) Rheingoenheim Eisenbahnstr 37-002.jpg (62416 Byte) Rheingoenheim Eisenbahnstr 37-003.jpg (135407 Byte)
Haus des Kaufmanns Heinrich Weil (Eisenbahnstraße 37); Foto rechts: "Stolpersteine". 
Heinrich Weil wurde mit Frau Eugenie und Sohn Max im Auschwitz ermordet.
(Fotos: Michael Ohmsen, Aufnahmedatum: April 2010; Fotos in hochauflösender Qualität

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    

Oktober 2015: Verlegung des Stolpersteines für Max Blüm in Rheingönheim am 13. Oktober 2015   
Vgl. zur Verlegung von "Stolpersteinen" in Ludwigshafen und Stadtteilen auch die Seite  www.ludwigshafen-setzt-stolpersteine.de 
Video in zwei Teilen von Michael Ohmsen   
   
   
 

    
      

Links und Literatur

Links: 

Website der Stadt Ludwigshafen   
Informationsseiten zu Rheingönheim (umfangreiche Materialien und Dokumente zum Ort und seiner Geschichte): www.rheingoenheim.info    
Karnevalsgesellschaft Rheingönheim Klotzgrumbeer e.V. (mit Fotos zur heutigen Nutzung des ehemaligen Haus des Betsaals, jetzt Vereinsheim der KG) 
Zur Verlegung von "Stolpersteinen" siehe Website www.ludwigshafen-setzt-stolpersteine.de   

Literatur:  

Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005. S. 135 u.ö..   
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 238-239 (mit weiteren Literaturangaben).  
Ulrike Minor/Peter Ruf: Juden in Ludwigshafen. Ludwigshafen am Rhein 1992 (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Ludwigshafen am Rhein Band 15).  
Walter Schäfer: Rheingönheim damals und heute. Ludwigshafen 1987.  
ders.: Eine jüdische Odysee. Ludwigshafen 1991. pdf-Datei downloadbar
Frank-Matthias Hofmann: 'Ich bleibe bei meiner Gemeinde!' - Josef Jacob - Der letzte jüdische Kantor in Rheingönheim und Ludwigshafen. Erschienen im Pfälzer Pfarrerblatt Dezember 2001. pdf-Datei downloadbar   (eingestellt bei www.rheingoenheim.info, Artikel)   
Heft "Weg des Gedenkens" mit verschiedenen Beiträgen zur jüdischen Geschichte.  pdf-Datei downloadbar.  

    
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 17. Oktober 2015