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Mussbach (Stadt
Neustadt an der Weinstraße)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Mussbach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938.
Ihre Entstehung geht in die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg zurück.
1722 lebten fünf jüdische Familien am Ort, 1743 waren es sechs.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte die Gemeinde ihre
Blütezeit. Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich wie folgt: 1801
59 jüdische Einwohner (5,4 % der Gesamteinwohnerschaft), 1808 67 (5,0 %), 1825
125 (6,6 %); 1848 139 (in 25 Familien).
1808/09 werden als jüdische Familienvorstände genannt (mit
Erwerbszweig): Guillaume Bieler (Viehhändler), Adolph Deutsch (Trödler), Isaac
Deutsch (Händler), Jacques Falker (Trödler), Salomon Falker (Trödler), David
Faiss (Feiss), Isaac Faiss (Feiss), Jean Frank (Hausierer), Auguste Frieder
(Händlerin), Jacques Frieser (Häöndler), Leopold Heller (Mehlhändler),
Samuel Linder (Händler), Gottlieb Mehler (Händler), Isaac Süß
(Mehlhändler), Isaac Stein (Kurzwarenhändler).
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen
Einwohner durch Aus- und Abwanderung - insbesondere in die Städte (Neustadt) -
zurück: 1875 wurden 108, 1900 noch 71 jüdische Einwohner gezählt. Die
jüdische Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Frankenthal - (Bad) Dürkheim.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Otto
Samson (geb. 23.10.1895 in Mussbach, gest. an Folge der Kriegsverletzungen
10.1.1920).
Um 1925, als noch 20 jüdische Gemeindeglieder gezählt
wurden (0,7 % der Gesamtbevölkerung von etwa 2.800 Personen), waren die Vorsteher
der Gemeinde Emil Stein und Leopold Samson. Letzterer war zugleich als
Kantor und Schochet tätig. 1932 werden als Vorsteher weiterhin Emil Stein (als
Schriftführer und Schatzmeister), Leopold Samson sowie neu Moses Hammerschlag
genannt. Als Stiftung mit dem Ziel der Wohltätigkeit bestand in der jüdischen Gemeinde
die "Falker-Stiftung".
1933 wurden noch etwa 15 jüdische Gemeindeglieder
gezählt. In den folgenden Jahren verzogen die meisten von ihnen auf Grund der
Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Repressalien und der
Entrechtung vom Ort beziehungsweise wanderten aus. Zu den letzten
jüdischen Einwohnern Mussbachs, die 1940 nach Gurs deportiert wurden, gehörte
Rosa(lie) Levy.
Von den in Mussbach geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Gertrud(e) Alsberg geb.
Feiss (1895), Wilhelmina Blüm
geb. Jeremias (1867), Ida Flora Eichengrün geb. Deutsch (1873), Sigmund
Friedrich Hiller
(1884), Anna Katz geb. Feiss (1878), Friedolina Katz geb. Reiss (1860), Rosalie Levy geb. Adler
(1868), Elisabeth (Else) Mayer geb. Hiller (1893), Adele (Adelheid) Morgentau (1885),
Berta Neuhauser geb. Palm (1876), Clotilde Rindskopf geb. Deutsch (1889), Elisabeth (Elsa) Rosenstiel geb. Deutsch
(1887), Anna Rothenberg geb. Hiller (1892), Clara Samson (1872), Leopold
Samson (1864), Lina Stein geb. Bach (1871), Blondine Strauss geb. Jacob (1876), Elvira Stutinsky geb. Jacob
(1884).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer/Vorbeter
Ausschreibungen einer Vorbeterstelle zum Versöhnungstag
1898 / 1900
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1898:
"Die Gemeinde Mußbach / Pfalz wünscht als Gehilfe am
Versöhnungstag einen Vorbeter gegen eine Vergütung von Mark 30.
Reflektanten wollen sich beim Vorstande melden.
Der Vorstand. W. Reiß." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. August 1900: "Zum
Versöhnungstage ein Vorbeter gesucht. Offerten mit Preisangabe
an
Wilhelm Reiß, Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde
Mußbach,
Pfalz." |
Zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Albert Fraenkel, weltberühmter Mediziner (geb. 1864 in
Mussbach, gest. 1938 in Heidelberg)
(Fotografie
von 1898 der Familie Albert Fraenkel aus dem Beitrag von Jörg Schadt s.
Lit. S. 19)
Albert Fraenkel ist 1864 als Sohn des Weinhändlers Jakob Fraenkel
(1836-1905) und seiner Ehefrau Emilie geb. Deutsch in Mussbach geboren. Er
besuchte die Schule in Neustadt und absolvierte danach das Gymnasium in
Landau (Abitur 1883); Studium der Medizin in München und Straßburg. An
Tuberkulose erkrankt, ließ er sich 1890 in Badenweiler als Arzt nieder,
weil er sich dort eine Besserung erhoffte. Fraenkel wurde in Badenweiler
leitender Arzt der "Villa Hedwig" und seit 1903 der "Villa
Paul". Seit 1893 Aufnahme von Forschungen am Pharmakologischen
Institut in Heidelberg. 1896 Übertritt in die evangelische Kirche und
Heirat mit Erna geb. Thorade aus Oldenburg (zwei Töchter). 1906 berichtet
Fraenkel auf dem 23. Internistenkongress in München über seine mit C.H.
Boehringer in Mannheim entwickelte Strophanthintherapie, die sich als
bahnbrechend erweist. 1909 betreut er Hermann Hesse in Badenweiler (Beginn
einer lebenslangen Freundschaft). Im Ersten Weltkrieg leitender Arzt eines
Beobachtungslazaretts und beratender Internist des XIV. Armeekorps. 1920
wird Fraenkel Ehrenbürger von Badenweiler; 1928 ordentlicher
Honorarprofessor der medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg.
1933 auf Grund seiner jüdischen Herkunft "beurlaubt"; die
Lehrbefugnis wurde entzogen. Am 22. Dezember 1938 stirbt Fraenkel in
Heidelberg. |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Familie Jacob Jeremias sucht eine Haushälterin
(1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Februar 1901:
"Ein älterer Witwer sucht als
Haushälterin
eine gesetzte
Persönlichkeit, die Haushaltung besteht aus drei Personen.
Jacob Jeremias,
Mußbach bei Neustadt in der Pfalz." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Juni 1901: "Ein
älterer Witwer sucht eine
Haushälterin
von gesetztem Alter. Haushalt besteht aus drei Personen. Eintritt 1.
Juli.
Jacob Jeremias,
Mußbach, Pfalz." |
Zur Geschichte der Synagoge
Die jüdische Gemeinde hatte spätestens seit der zweiten Hälfte des 18.
Jahrhunderts einen Betsaal beziehungsweise eine Synagoge. Im Blick auf
das gottesdienstliche Leben war die Gemeinde in der ersten Hälfte des 19.
Jahrhunderts Neuerungen aufgeschlossen. So wird 1839 in der
"Allgemeinen Zeitung des Judentums" von
der Durchführung einer jüdischen Konfirmation (gemeinsame Bar- und
Bat-Mizwa-Feier) in Mussbach berichtet:
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Februar 1839: "Vom
Haardtgebirge, 10. Januar (1839): Noch dürfen wir uns glücklich schätzen,
dass wenigstens aus unserer Mitte die vielfach als verderbliche
Gleichgültigkeit verschrieene Toleranz noch so ganz gewichen. Die am letzten
Sabbat zu Mussbach stattgehabte israelitische Konfirmation, die
Protestanten und Katholiken durch ihre Mitwirkung zu verschönern suchten, ab
einen Beweis dafür ab, wie auch kürzlich die Begräbnisfeier eines allgemein
geschätzten Israeliten, welcher durchgehends die geachtetsten Bürger des Orts
beiwohnten. Überhaupt findet das Streben der Israeliten, in edler
Geistesentwicklung voranzuschreiten, bei uns stets alle (wohlverdiente)
Teilnahme und Unterstützung. |
1886 war aus nicht bekannten Gründen die Neueinrichtung eines
Betsaales notwendig. In diesem Jahr kaufte die jüdische Gemeinde das 1793
erbaute Haus Kurpfalzstraße 4. In diesem Gebäude oder dem an dessen Stelle
erbauten Haus wurde im Obergeschoss ein 57 qm großer Betsaal eingerichtet. 1901
oder 1902 brach ein Brand aus, doch konnte das Gebäude mit dem
Betsaal wieder hergerichtet werden.
Auf Grund der zurückgegangenen Zahl der jüdischen Einwohner konnten bereits um
1930 kaum noch Gottesdienste gefeiert werden, zu denen zehn jüdische
Männer anwesend sein müssen (minjan). 1936 wurde durch den
letzten jüdischen Gemeindevorsteher Leopold Samson das Synagogengebäude an den
benachbarten Bäckermeister für 900 Reichsmark verkauft. Von diesem wurde das
Haus umgebaut und in die Bäckerei einbezogen. Das Gebäude blieb beim
Novemberpogrom 1938 unangetastet. 1950 musste der neue Eigentümer nach
einem Urteil der Wiedergutmachungskammer in Frankenthal eine Nachzahlung von 400
DM an die jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz leistet. Das Gebäude ist
erhalten.
Adresse/Standort der Synagoge: Kurpfalzstraße 4 (frühere
Hauptstraße)
Fotos
| Historische Fotos
sind unbekannt; neue Fotos des Gebäudes werden bei Gelegenheit erstellt;
über Zusendungen freut sich der Webmaster von Alemannia Judaica, Adresse
siehe Eingangsseite |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Alfred Hans Kuby (Hrsg.): Pfälzisches Judentum
gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19. und 20.
Jahrhunderts. 1992. |
 | Otmar Weber: Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter
besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südpfalz. Hg. von der
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz in Landau. 2005.
S. 117. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 286 (mit weiteren Literaturangaben).
|
 | Jörg Schadt: Der "König von
Badenweiler". Albert Fraenkel wirkte als weltberühmter Arzt und
Forscher. In: Momente. Beiträge zur Landeskunde von Baden-Württemberg 4/2002 S.18-24.
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n.e.

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