Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Rüdesheim am Rhein mit Geisenheim und Winkel (Stadt Oestrich-Winkel) 
(Rheingau-Taunus-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Kennkarte aus der NS-Zeit     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)         
    
In dem in früheren Jahrhunderten zum Mainzer Erzstift gehörenden Rüdesheim (Stadt seit 1820) bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Bereits im Mittelalter lebten vereinzelt Juden am Ort. Rüdesheim wird schon genannt im Zusammenhang mit der Judenverfolgung beim Ersten Kreuzzug 1096. Als Ende Mai 1096 der größte Teil der jüdischen Bevölkerung von Mainz durch die Kreuzfahrer ermordet wurde, versuchte der Erzbischof von Mainz den Rest der Gemeinde zu retten und ließ R. Kalonymos mit 53 oder 60 Personen nach Rüdesheim bringen. Aber auch hier blieb ihnen nur die Wahl zwischen Taufe und Tod; sie fielen durch die Hand der Landbevölkerung oder töteten sich selbst.  
Weitere Nachrichten von Juden in Rüdesheim liegen aus dem 14. Jahrhundert vor: 1321 verpfändete das Erzstift dem Ritter Thilmann von Rüdesheim die dort und in Bingen ansässigen Juden. Keine Nachrichten liegen über eine mögliche Judenverfolgung während der Pestzeit vor. 1356 gestattete Erzbischof Gerhard einer jüdischen Familie, sich in Rüdesheim niederzulassen. Die Familie hatte jährlich 10 Gulden an den Erzbischof zu bezahlen. 
Auch in Geisenheim lebte im 14. Jahrhundert mindestens eine jüdische Familie (1347 wird David, Jud zu Geisenheim genannt; vermutlich war auch ein Jud Anshelm am Ort). Der Zoll in Geisenheim (von allen Schiffen wurde ein Pfefferzoll erhoben) war wiederholt an Juden verpfändet: 1296-1302 an Anselm von Oppenheim, 1342 an Abraham von Kreuznach in Bingen, 1347 an Anshelm (vermutlich von Geisenheim). Im 15. Jahrhundert werden mehrfach Juden am Ort genannt (1437, 1446 zwei Juden, 1452, 1456)  
Einrichtungen wie einen Betraum hatten die in Rüdesheim und Geisenheim lebenden jüdischen Familien im Mittelalter vermutlich nicht, da ihre Zahl zu gering war. Ihre Verstorbenen wurden auf dem Friedhof in Mainz beigesetzt.       
    
Weitere Mitteilungen über jüdische Personen in Rüdesheim liegen erst wieder vom Ende des 17. Jahrhunderts vor. Zunächst handelte es sich nicht mehr als um ein oder zwei Familien. In Geisenheim werden seit 1620 wieder Juden genannt.   
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 24 jüdische Einwohner, 1842 45, 1848 16 Familien mit zusammen 12 schulpflichtigen Kindern, 1871 52 jüdische Einwohner (1,6 % von insgesamt 3.197 Einwohnern), 1885 58 (1,4 % von 4.040), 1895 43 (0,9 % von 4.619), 1905 52 (1,1 % von 4.773). Die in Geisenheim und Winkel lebenden jüdischen Personen gehörten gleichfalls zur Gemeinde in Rüdesheim: in Geisenheim wurden gezählt: 1842 19, 1874 38, 1905 34 jüdische Einwohner; in Winkel 1842 11, 1874 16, 1905 11 jüdische Einwohner. Die jüdischen Haushaltsvorsteher waren als Viehhändler, Metzger und Kaufleute tätig.    
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein Friedhof. Ein rituelles Bad gab es nach dem Bericht von 1865 (siehe unten) - zumindest damals - nicht am Ort und wird auch in den folgenden Jahrzehnten nicht eingerichtet worden sein. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle von 1893 und 1910 s.u.). Im 19. Jahrhundert war am längsten Lehrer Salomon Rothschild am Ort tätig: von 1846 bis 1893 war er in Rüdesheim und wurde 1892 für seine Verdienste ausgezeichnet (siehe Bericht unten von 1892; er wird auch bei der Einweihung einer neuen Torarolle in der Rüdesheimer Synagoge im August 1892 genannt, siehe unten). Von 1899 bis 1911 war Josef Jacob in der Gemeinde tätig.   
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Gefreiter Heinrich Hallgarten (geb. 9.3.1894 in Winkel, gef. 18.9.1915), Benno Hirschberger (geb. 4.5.1898 in Rüdesheim, gef. 3.6.1918) und Friedrich Heinrich Rothschild (geb. 6.3.1889 in Rüdesheim, gest. 1.11.1914 in Gefangenschaft). Außerdem ist gefallen: Unteroffizier Fritz (Friedrich) Meyer (geb. 24.2.1889 in Rüdesheim, vor 1914 in Bingen wohnhaft, gest. 18.9.1914 in Gefangenschaft).     
   
Um 1924, als 40 jüdische Einwohner in Rüdesheim gezählt wurden (0,9 % von 4.422 Einwohnern; dazu 24 in Geisenheim und 9 in Winkel), waren die Gemeindevorsteher Ferdinand Mayer, Joseph Moos und Moritz Moos. Einen eigenen Religionslehrer hatte die Gemeinde nicht mehr: den Religionsunterricht der damals 5 jüdischen Kinder erteilt Lehrer Arnold Katzenstein aus Schierstein; als Schochet war M. Strauss aus Geisenheim tätig. An jüdischen Vereinen gab es am Ort: den Wohltätigkeitsverein Chewra (auch Männer-Sterbeverein genannt; 1924/32 unter Leistung von Eduard Rosenthal in Östrich), den Männer-Krankenverein (1924/32 unter Leitung von Arthur Hallgarten, Mittelheim; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung hilfsbedürftiger Mitglieder, Krankenfürsorge) und den Frauenverein (unter Leitung der Frau von Eduard Rosenthal, Östrich; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung hilfsbedürftiger Mitglieder, Bestattungswesen). 1932 waren die Gemeindevorsteher Ferdinand Mayer (Geisenheim, 1. Vorsitzender), Georg Strauß (2. Vorsitzender) und Joseph Moos (3. Vorsitzender). Im Schuljahr 1931/32 erhielten noch zwei jüdische Kinder Religionsunterricht.     
 
1933 lebten noch 29 jüdische Personen in der Stadt (0,6 % von 4.677, dazu 20 in Geisenheim, 8 in Winkel).
In den f
olgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert.  Beim Novemberpogrom 1938 wurde durch SA-Leute aus Wiesbaden und Rüdesheim die Synagoge in Rüdesheim zerstört (siehe unten) sowie in der Nacht vom 10. auf den 11. November jüdische Häuser und Wohnungen überfallen und in brutaler Weise demoliert (Wohnhaus des Eisenwarenhändlers Carl Rothschild in der Langstraße, Metzgerei von Joseph Moos in der Wilhelmstraße und Wohnhaus der Familie Hirschberger in der Steinstraße). Auf Grund dieser Gräueltaten verließen die letzten jüdischen Einwohner alsbald die Stadt, verzogen in andere Städte (Wiesbaden, Mainz und Bingen) oder konnten emigrieren. 1939 lebte keine jüdische Person mehr in der Stadt. Auch in Geisenheim war es beim Novemberpogrom 1938 zu gewaltsamen Aktionen der Schüler der Versuchs- und Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau unter Führung eines SS-Mannes gegen die Anwesen der Familien Liebmann und Strauß gekommen. Das Möbelgeschäft der Brüder Strauß in der Marktstraße 2, das zu diesem Zeitpunkt schon "arisiert" war, wurde demoliert.    
  
Von den in Rüdesheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Amalie Braun geb. Stern (1883), Dora David (1877), Elisabeth David (1879), Pauline David (1886), Sofie David (1882), Theodore Dornbusch (1867), Trude (Gertrude) Götz geb. Weil (1914), Jenny Hausmann geb. Lebenberg (1893), Berta Hirschberger geb. Moos (1871), Abraham Jakob (1864), Hedwig Katzenstein geb. Levitta (1881), Bella Levitta (1876), Ludwig Levitta (1885), Elisabeth Linsel geb. Schmitz (1889), Berta Meier geb. Lebenberg (1875), Joseph Moos (1869), Moritz Moos (1875), Lina Pfeiffer geb. Stein (1881), Karl Rothschild (1851), Mathilde Rothschild geb. Levitta (1863), Rosa Strauss geb. Stern (1868), Günther Weil (1919).
    
 
Aus Geisenheim sind umgekommen:  Lisette Löwenthal geb. Strauss (1866), Ludwig Mayer (1889), Selma Neufeld geb. Löwenthal (1899), Werner Neufeld (1929), Erna Babette Simon-Wolfskehl geb. Strauss (1901), Beatrice Strauss (1902), Fanny Strauss geb. Strauss (1877), Grete Strauss (1905), Karoline Strauss geb. Bender (1885), Liebmann Strauss (1875), Sebald Strauss (1866), Sigmund Strauss (1869).  
       
Aus Winkel sind umgekommen:  Bianka Epstein geb. Hallgarten (1865), Fanny (Franziska) Falkenberg geb. Levitta (1869), Annelies Geisse geb. Cantor (1902), Emil Hallgarten (1868), Julius Josef Hallgarten (1868), Karl Hallgarten (1900), Sofie Hallgarten geb. Nassauer (1870), Hedwig Israel geb. Hallgarten (1895), Arthur Lothar Schloss (1938).          
       
       
       
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1893 / 1910  

Ruedesheim Israelit 10071893.jpg (45301 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Juli 1893: "Die israelitische Kultusgemeinde Rüdesheim am Rhein sucht per sofort einen tüchtigen Religionslehrer, ledig, religiös, der als Vorbeter und Schochet diese Stelle ausfüllen kann. Reflektanten wollen ihre Gehaltsansprüche nebst Zeugnisse an den unterzeichneten Kultusvorsteher franco einreichen.
Leo Levitta, Kultusvorsteher."
 
Ruedesheim FrfIsrFambl 11111910.jpg (34391 Byte)Ausschreibung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. November 1910: "Frankfurt am Main. Vakanzen. Rüdesheim, Lehrer, Kantor und Schächter per 1. Januar. Gehalt 800-900 Mark."

  
Auszeichnung für Religionslehrer Salomon Rothschild (1892)  

Ruedesheim Israelit 25041892.jpg (47574 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. April 1892: "In Rüdesheim wurde dem israelitischen Religionslehrer Salomon Rothschild, der beinahe 51 Jahre, wovon allein nahezu 46 Jahre in Rüdesheim, vorher in Münster und Weier bei Runkel, seines Amtes gewissenhaft waltete, von dem Königlichen Landrat Herrn Wagner das Königliche Preußische Allgemeine Ehrenzeichen mit der Zahl 50 für Verdienste um den Staat überreicht."

      
Über Kantor Josef Jacob (1875-1942, Lehrer in Rüdesheim von 1899 bis 1911) (Quelle)   

Rheingoenheim K Jacob 010.jpg (9294 Byte)Josef Jacob wurde am 6. September 1875 in Büdingen / Lothringen geboren. Nach der Studienzeit in Colmar / Elsass trat er 1899 eine Stelle als Lehrer und Kantor bei der jüdischen Gemeinde in Rüdesheim an. Mit seiner Familie (Frau Klara geb. Horn; vier Töchter Selma Rita, Gretel und Ilse) bis er in Rüdesheim bis 1910. Im Januar 1911 wurde er auf die Stelle als Kantor der jüdischen Gemeinde Rheingönheim - Neuhofen berufen. Die Familie wohnte danach im Haus des Betsaales in der Hauptstraße. Lehrer Jacob unterrichtete die jüdischen Kinder in Rheingönheim und der Umgebung in Religion. Nach 14 Jahren Dienst in der jüdischen Gemeinde Rheingönheim-  Neuhofen wurde Josef Jacob Ende 1925 nach Ludwigshafen versetzt, wo er Dienst an der Synagoge Ludwigshafen und an der Kommunalschule leistete. Am 6. September 1935 feierte Josef Jacob seinen 60. Geburtstag und sein 25 jähriges Lehrerjubiläum im Sabbat-Gottesdienst in der Ludwigshafener Synagoge Kaiser-Wilhelm-Straße. Wenig später musste Familie Jacob die große Wohnung in Ludwigshafen aus finanziellen Gründen aufgeben und nach Mannheim übersiedeln. Nach der Reichspogromnacht 1938 wurde Josef Jacob in Haft genommen und vom 10. bis 22. November 1938 im KZ Dachau festgehalten. Im Frühjahr 1940 nahm er vom Rest seiner Familie Abschied (Tochter Selma starb 1925 in Ludwigshafen, Tochter Rita wanderte 1934 nach Palästina aus), die auf ihrer Flucht vor dem Nationalsozialismus, über die ganze Welt verteilt wurde. Kantor Josef Jacob blieb bei seiner Gemeinde in Mannheim. Am 21. August 1942 wurde Kantor Jacob in Mannheim von der Gestapo verschleppt und am 23. August 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Am 26. September 1942 wurde er im Nebenlager Maly Trostinec als "verschollen" gemeldet. Das Todesdatum wurde später auf den 15.10.1942 festgelegt. 

Um das Andenken an Kantor Josef Jacob am Leben zu halten wurde am 14. Oktober 2001 auf Initiative von Pfarrer Frank-Matthias Hofmann eine Bronzegedenktafel an der Außenmauer des Protestantischen Pfarrgartens angebracht und der Kantor-Josef-Jacob-Platz feierlich eingeweiht. Im Zuge der Benennung des Platzes, wurde auch die Pfarramtsadresse in Rheingönheim von Hauptstraße 214 in "Am-Kantor-Josef-Jacob-Platz 1" umbenannt. Bei der feierlichen Enthüllung waren auch Ilse Lewins geb. Jacob und ihre Tochter Ruth Ezrahi, aus Israel, anwesend. 

  
  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Kritischer Bericht über die Rüdesheimer jüdische Gemeinde aus konvervativ-orthodoxer Sicht zur Zeit des Lehrers Salomon Rothschild  (1865)  
Anmerkung: Im Hintergrund des nachfolgenden Berichtes stehen Auseinandersetzungen zwischen dem offenbar sehr liberal eingestellten Lehrer Salomon Rothschild und konservativ-orthodox geprägten Gemeindemitgliedern (vielleicht handelte es sich auch nur um eine Person, die diesen Bericht an die Zeitschrift "Der Israelit" geschickt hat). Letztere sahen den Grund der Probleme in Rothschilds liberaler ("neologer") Grundeinstellung, die von dem damaligen – gleichfalls liberalen – Wiesbadener Bezirksrabbiner Dr. Samuel Süßkind (Rabbiner von 1844 bis 1884) gedeckt wurde. Am 7. Oktober 1865 kam es zu einem Eklat in der Synagoge, in den auch der Vorsteher Moritz David und das Gemeindemitglied A. Levitta hineingezogen wurden.   

Ruedesheim Israelit 15111865.jpg (90036 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. November 1865: "Eingesandt. Aus dem Nassauischen. Wieweit die Neologie ihr verderbliches Spiel mit unserer heiligen Religion treibt und inwiefern mit derselben Bildung und Aufklärung Hand in Hand gehen, davon geben die israelitischen Zustände Nassaus den besten Beweis. Wir wissen nicht, welchen Rang die Gemeinde Rüdesheim in dem Rabbinate des Herrn Rabbiner Süßkind einnimmt. Da uns jedoch gerade diese Gemeinde am bekanntesten ist, so machen wir sie zum Gegenstande unserer Betrachtung. Der religiöse Zustand einer Gemeinde lässt sich am Besten nach dem Stande der Gemeinde-Institutionen als Synagoge, Schule, Schechitah, Mikwah (= rituelles Bad) etc. beurteilen. Wie dies auf dem Lande häufig vorkömmt, so versieht der Lehrer die Funktionen an den drei ersteren, die letztere existiert nicht in dieser Gemeinde. Wie es überhaupt in dieser Gemeinde aussieht, ist schon dargetan, wenn wir die folgenden Notizen über den Lehrer dieser Gemeinde, Herrn Salomon Rothschild geben.
Ruedesheim Israelit 15111865b.jpg (273001 Byte)Neunzehn Jahre wirkt hier bereits Genannter als Lehrer, Chasan und Schochet. Im Jahre 1848 hing Herr Rothschild seine Schule an den Nagel, nahm die Muskete zur Hand und ging unter – die Freischaren – Schule und Synagoge harrten der Rückkunft ihres kämpfenden Funktionärs. 
Der damalige Vorsteher, der mit dem würdigen Lehrer stets harmonierte, gab am Schabuothfeste (Laubhüttenfest) die Schlüssel zur Synagoge nicht heraus, unter dem Vorwande, dass man vorerst die Rückkunft des Lehrers abwarten müsse.
Der kriegerische Lehrer, zurückgekehrt von seinen Abenteuern in Baden, suchte nun im Kreise seiner eigenen Gemeinde Beweise seiner Tapferkeit zu liefern. In dem damaligen Turnverein, dessen Mitglied er war, verdächtigte er an einem Freitag Abend, einen gesetzestreuen Glaubensgenossen, der es für seine Pflicht hielt, gegen einen solchen Lehrer und Vorbeter aufzutreten, des Verrats gegen den Verein und zwar in einem solchen Grade, dass tags darauf mehrere Vereinsgenossen auf öffentlicher Straße in drohende Beleidigungen gegen denselben ausbrachen. Die Verwandten des Bedrohten hatten die größte Mühe, den Präsidenten des Vereins von dem wahren Sachverhalt zu überzeugen und die aufgeregten Gemüter zu beschwichtigen. Solcher Stückchen müssten wir noch viele zu erzählen, wenn wir nicht befürchteten, den Leser zu ermüden. Hier haben wir nur noch zu bemerken, dass es bis jetzt unbekannt geblieben, wo Herr Rothschild nach seiner Rückkunft seine Kost nahm, (er war nämlich noch unverheiratet), da er bei keinem seiner Glaubensgenossen zu Tusche ging. Wie ein solcher, der den Gesetzen Israels öffentlich Hohn spricht, zuverlässig ist, als Schochet zu fungieren, weiß nur Herr Rabbiner Süßkind.  
In der Schule erklärt Herr Rothschild die heiligsten Gesetze unserer Religion für Unsinn; man kann sich denken, wie ein solcher Unterricht für die kommende Generation wirken muss. Es bleibt uns unerklärlich, wie eine Gemeinde 19 Jahre lang ihre Kinder einem solchen Lehrer anvertrauen kann.  
Im Begriff, unseren unerquicklichen bericht zu schließen, können wir nicht umhin, eines Vorfalls zu erwähnen, der sich am 7. Oktober, am Schabbat Chol Hamoed (Halbfeiertag) von Sukkot, in hiesiger Synagoge ereignete. Es war zwar nicht das erste Mal, dass sich Herr Rothschild die gröblichsten Injurien gegen einzelne Gemeindemitglieder, in der Synagoge, sogar während des Gottesdienstes zu Schulden kommen ließ. Aber am bezeichneten Tage erreichte dessen Betragen einen solchen Grad von Rohheit und Bosheit, dass man versucht war, an seinem Verstande zu zweifeln. 
Ohne, dass demselben auch nur auf irgendeine Weise Veranlassung zu einer Rüge oder zur Unzufriedenheit gegeben worden war, wandte sich derselbe gerade während des Vorlesens der heiligen Tora, nachdem ihn der erste Vorsteher, Herr Moritz David auf einen Irrtum aufmerksam gemacht hatte, - er hatte nämlich vergessen, den achten Mann Maftir, zur Tora aufzurufen – zur Gemeinde und sprach: ‚Ich bin Vorsteher; der Moritz David ist nicht Vorsteher; er ist vielmehr der ungezogenste Mensch in der ganzen Synagoge; der A. Levitta, (ein Gemeindemitglied) ist ein ungezogener Bengel,’ etc. etc. Er insultierte noch einige Gemeindemitglieder, und an Beleidigungen gegen die gesamte Gemeinde ließ er es auch nicht fehlen.  
Die am gröblichsten Beleidigten verließen die Synagoge; eine totale Störung des Gottesdienstes war eingetreten; allgemeine Entrüstung erfüllte alle Anwesenden. 
Selbstverständlich wurde am folgenden Tage bei der hohen Herzoglichen Landesregierung ein Bericht eingereicht, in welchem der Vorsteher Herr Moritz David die Absetzung des Lehrers verlangt, über deren Resultat wir später – so Gott will – berichten werden. 
Dies alles geschah in einer Gemeinde, die ganz und gar den Prinzipien des Herrn Rabbiners Süßkind huldigt, in einer Synagoge, deren Ordnung durchaus der Reform entspricht. – Wer möchte sie darum beneiden?".

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod des langjährigen Gemeindevorstehers, Weinkommissärs und Wohltäters Isaac Levitta (1910)  

Ruedesheim FrfIsrFambl 30121910.jpg (269570 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familieblatt" vom 30. Dezember 1910: "Rüdesheim. ‚Unser Leben währet 70 Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s 80 Jahre, und wenn’s köstlich gewesen ist, so ist’s Mühe und Arbeit gewesen.’ Wenn dieser Vers des 90. Psalms seine Geltung noch hat, so war es der köstlichste Erdenlauf, den am 14. Dezember der Seniorchef der Firma Isaac Levitta, Herr Isaac Levitta, im 75. Jahre in Rüdesheim am Rhein vollendete, denn es war ein Leben, das reich an Mühe und Arbeit war. 
Am 2. August 1836 als Sohn des Gemeindevorstandes Feist Levitta und seiner Gattin Jendel geb. Isaac in Rüdesheim geboren, verbrachte der Entschlafene sein ganzes Leben daselbst bis auf seine Lehrjahre in Bingen. Aus bescheidenen, doch durchaus nicht ärmlichen Verhältnissen war er hervorgegangen, er, der später einer der ersten, hoch angesehensten Leute nicht nur seines Vaterstädtchens, sondern des ganzen Rheingaus werden sollte. 
Sein Erwerb als Weinkommissionär brachte es mit sich, dass er überall im Rheingau mit allen Schichten der Bevölkerung, arm wie reich, hoch und niedrig zu tun hatte. Und nur wenn man das sich vor Augen hält, kann man das ungewöhnliche Ansehen und Vertrauen verstehen, das der Verewigte genoss. Denn wer mit ihm einmal zu tun hatte, der war begeistert von dem schlichten, graden, lauteren Charakter des Verblichenen. So ward Isaac Levitta jedermanns Freund, und bald pflegte weder in der Hütte des Armen noch im Palaste des Reichen im Rheingau etwas wichtigeres zu geschehen ohne seinen Rat und Hilfe. 
Das Vertrauen seiner Mitbürger hatte den Verewigten, der die Früchte seiner Arbeit gern dem allgemeinen Wohle auch zugute kommen ließ, jahrzehntelang zum Mitglied der Stadtverordneten-Versammlung berufen, als deren Mitglied er sich hervorragende Verdienste erworben hat. 
Gleichfalls jahrzehntelang hat Isaac Levitta den jüdischen Gemeinden Rüdesheim und Geisenheim vorgestanden. Er war ein Jude: treu, edel und wohltätig. Von seiner stillen Wohltätigkeit, die keinen Unterschied der Konfession kannte, können die Armen des Rheingaus berichten. Ihm, dem ‚Herrn Isaac’, wie sie ihn nannten, klagten sie ihre kleinen Nöte, und er mit seinem klaren Auge sah stets einen Weg und bot seine helfende Hand. Den Juden des Rheingaus war die Hochachtung, die ihr Vorstand genoss, den die innigste Freundschaft mit dem alten ‚Eisenkönig’, Freiherr von Stumm, verband, von Vorteil. Die majestätische Erscheinung ihres ersten Vorstandes, der stets seine Zugehörigkeit zum Judentum als Adel empfand, hob das Ansehen und Vertrauen der ganzen Judenheit des Rheingaus. 
Sein Glück nach außen st
ützte sich auf das reinste Familienglück seines Hauses. 
Schon fast 3 Jahre hatte Isaac Levitta an den Erscheinungen des Alters gelitten, als am 14. Dezember ihn ein sanfter Tod erlöste. Mit einem Kusse hat ihn der Ewige hinüber genommen zur ewigen Glückseligkeit, die allen Gerechten in Israel verheißen, aus einem Leben, das zwar reich an Arbeit, aber auch überreich an Erfolgen und Ehren war. 
Droben, von seiner selbst gewählten Ruhestätte aus, überschaut er nun das rebengesegnete Rheingau, das Isaac Levitta stets über alles geliebt und für dessen blühende Entwicklung er jederzeit seine ganzen Kräfte eingesetzt hatte."   

 
Über den Juristen und Schriftsteller Leo Sternberg (1876-1937)     

Leo Sternberg ist 1876 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Limburg a.d. Lahn geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und Kunstgeschichte (in München, Marburg und Berlin) wurde er 1906 Gerichtsreferendar in Rüdesheim, danach Assessor an den Amtsgerichten Hadamar, Rüdesheim, Hechingen, Sigmaringen und Hachenburg, 1910-1913 Amtsrichter in Wallmerod, seit 1913 in Rüdesheim. Seit 1908 war er mit Else Mönch aus Rüdesheim verheiratet. 1906 war er aus der jüdischen Glaubensgemeinschaft ausgetreten. Als "Nicht-Arier" wurde er 1934 vom Dienst als Amtsrichter suspendiert. 1937 starb er auf einer Reise nach Jugoslawien auf der Insel Hvar. 
Sternberg war mit Gedichten und Erzählungen zwischen 1910 und 1933 einer der beliebtesten Schriftsteller des Mittelrheins. Dazu verfasste er kulturhistorische Werke, mehrere zu Limburg.  
Über Leo Sternberg siehe den Artikel im Bautz'schen Lexikon und einen Artikel bei Wikipedia, wo sich auch weitere Angaben zu seinem Werk und zu Literatur über ihn finden. 
Nach ihm ist die Leo-Sternberg-Schule im Limburg benannt (vgl. die Website der Leo-Sternberg-Schule in Limburg). 

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
  

Anzeige des Manufakturgeschäftes F. Schmitz (1898)
     

Ruedesheim Israelit 01091898.jpg (28315 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1898: 
"Volontärin gesucht. Offerten nebst Gehaltsansprüchen und Photographie an 
F. Schmitz
, Manufakturgeschäft, Rüdesheim am Rhein."   

 
Anzeige des Galanterie- und Luxuswarengeschäftes von B. Münzer (1901)    

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6. Juli 1906: "Lehrmädchen  
für Galanterie- und Luxuswaren bei freier Station gesucht.   
B. Münzner, Rüdesheim am Rhein
."      

    
Anzeige von Metzgermeister S. Hirschberger (1903)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. August 1903: "Metzgerlehrling, Sohn achtbarer Eltern, wird per sofort gesucht. Kost und Logis frei. Offerten an 
S. Hirschberger
, Metzger, Rüdesheim am Rhein."        

 
Anzeige von Metzgermeister Moritz Moos (1906)      

Ruedesheim FrfIsrFambl 23111906.jpg (27547 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. November 1906: 
"Für meine Metzgerei suche einen braven 
Lehrling, oder auch Gesellen per sofort. 
Moritz Moos,
Metzgerei. Rüdesheim am Rhein."    

        

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte für den in Rüdesheim 
geborenen Gunter Weil 
 
 Ruedesheim KK MZ Weil Guenter.jpg (91244 Byte)   
   Kennkarte (ausgestellt in Mainz 1939) für Max Günter Weil (geb.17. August 1919 in Rüdesheim), 
Schneider, wohnhaft in Rüdesheim und Mainz; am 25. März 1942 deportiert ab Mainz - Darmstadt
 in das Ghetto Piaski, umgekommen  
 
 

      
  
   
      
Zur Geschichte der Synagoge   
       
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden. 1840 war zunächst geplant, Geisenheim zum Mittelpunkt einer gemeinsamen Gemeinde zu machen, doch fehlten dort die finanziellen Mittel zum Bau einer Synagoge. 1842/43 konnte in der Grabenstraße in Rüdesheim eine Synagoge erbaut werden. Sie war für die in den Orten Rüdesheim, Geisenheim und Winkel lebenden jüdischen Personen gedacht. Der Betsaal der Synagoge hatte 48 Männer- und (auf der Empore) 24 Frauenplätze. 
   
Aus der Geschichte des gottesdienstlichen Lebens in der Rüdesheimer Synagoge liegen nur wenige Berichte vor. Im Sommer 1892 konnte von der festlichen Einweihung einer neuen Torarolle berichtet werden:    
     
Einweihung einer neuen Torarolle in der Synagoge (1892)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. September 1892: "Vom Rhein, im August (1892). Am rechten Ufer des Rheins wo rebumkränzte Hügel sich in anmutigen Linien hinziehen, wo sagenumsponnene Burgen ins herrliche Rheintal hinabschauen und Deutschlands stolzes Nationaldenkmal von der Höhe herab seine Grüße winkt, liegt das liebliche, von Touristen fleißig besuchte Städtchen Rüdesheim, dessen Name in den Kreisen der Weinkenner einen so angenehmen Glanz besitzt. Rüdesheims Mauern umschließen aber auch eine aufblühende israelitische Gemeinde, die in diesen Tagen eine schöne Feier - die Einweihung einer neuen Torarolle - festlich begangen hat. Der Festzug in die schön geschmückte Synagoge, die stimmungsvolle Weihepredigt des zur Leitung der Feier berufenen Bezirksrabbiners Herrn Dr. Silberstein von Wiesbaden, der ergreifende Vortrag der Gebete seitens des greisen Vorbeters, Herrn Rothschild, Alles machte auf die dichtgedrängte Festversammlung, unter der sich nahezu sämtliche Honoratioren der Stadt befanden, einen tiefen Eindruck. Tief ergreifend war es insbesondere, als der Festredner darauf hinwies, wie vor nahezu 800 Jahren - 1096 - auf Rüdesheims Boden das Blut jüdischer Männer und Frauen geflossen, die die Treue gegen die Tora, der die Feier gilt, mit dem Leben bezahlten. Die Feier war ein wahrhafter Kiddusch haschem (Heiligung des Gottesnamens) und die Teilnahme zahlreicher gebildeter Christen doch wohl ein Beweis, dass unser Städtchen sich von der Krankheit des Antisemitismus frei erhalten hat."            

    
Nur ein knappes Jahrhundert war die Rüdesheimer Synagoge Mittelpunkt des jüdischen religiösen Lebens in der Stadt.  
       
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge am frühen Morgen des 10. November durch SA-Männer aus Wiesbaden (SA-Standarte 224 Niederwald) angezündet und ihre Inneneinrichtung zerstört. Die SA-Männer waren in Zivil gekommen und hatten sich nach der Inbrandsetzung des Gebäudes wieder schnell entfernt. Aufgeschreckte Nachbarn konnten mit Handfeuerlöschern das Feuer löschen. Im Laufe des Nachmittags des 10. November begannen acht Rüdesheimer SA-Männer, die beschädigte Synagoge vollends zu zerstören. Mit schwerem Werkzeug und Seilen rissen sie das Dachgebälk und die Außenmauern der Synagoge ein. Eine große Menschenmenge sah dem Zerstörungswerk zu.    
   
   
Adresse/Standort der Synagoge  An der Grabenstraße, unmittelbar gegenüber dem Parkplatz des Hotels "Rüdersheimer Hofes"; das ehemalige Synagogengrundstück wird heute auch als Parkplatz verwendet.    
   
   
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 10.8.2008) 

Gedenktafel 
für die Synagoge
Ruedesheim Synagoge 170.jpg (100014 Byte)
   Die Gedenktafel mit dem Text: "Die Synagoge der  Israelitischen Religionsgesellschaft
 Rüdesheim-Geisenheim stand von 1843-1938 an der  gegenüberliegenden Straßenseite. 
Sie wurde am 11. November 1938 nach der Pogromnacht zerstört".    
      
Haus des Juristen und
 Schriftstellers 
Leo Sternberg 
Ruedesheim Stadt 170.jpg (86181 Byte)  Ruedesheim LSt Morgen 1933 365.jpg (90309 Byte)
  In dem Gebäude Grabenstraße 16 
lebte Leo Sternberg 
seit 1923  
  
 Obwohl bereits 1906 aus dem Judentum
 ausgetreten, publizierte Sternberg einen
 Beitrag 1934 in der bekannten jüdischen
 Zeitschrift "Der Morgen" (oben eine Seite 
aus dem mehrteiligen Beitrag 
"Vom Hohenpriesterstamm") 
 

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    

August 2013: Erste "Stolpersteine" wurden in Oestrich-Winkel und -Mittelheim verlegt   
Es wurden am 28. August 2013 die ersten 19 von insgesamt 39 "Stolpersteinen" in Oestrich-Winkel und -Mittelheim verlegt:  in der Rheingaustraße 129 in Mittelheim (ehemalige Weinhandlung Hallgarten; Verlegung neben dem Brunnen; Steine für Arthur Hallgarten, Frieda Hallgarten, Siegfried Hallgarten und Otto Hallgarten), in der Hauptstraße 76 in Winkel (ehemals Haus der Familie Emil Hallgarten; Steine für Emil Hallgarten, Sophie Hallgarten, Walter Hallgarten, Karl Hallgarten und Hedwig Israel), Hauptstraße 69 in Winkel (Steine für Franziska Falkenberg, Karl Falkenberg, Johanna Falkenberg, Arthur Lothar Schloss, Rosel Schloss, Frieda Reinberg und Herrmann Reinberg) sowie in der Hauptstraße 55 in Winkel für Anneliese Geisse, Reinhard Geisse und Wolfgang Geisse.    
Link zum Artikel von Barbara Dietel im "Wiesbadener Kurier":  Erste Stolpersteine in Oestrich-Winkel verlegt (Wiesbadener Kurier, 29.08.2013)  

     
      

   
Links und Literatur   

Links:  

Website der Stadt Rüdesheim am Rhein 
Website der Stadt Geisenheim  
Website der Stadt Oestrich-Winkel    

Literatur:  

Germania Judaica zu Rüdesheim Bd. I S. 313; Bd. II,2 S. 722; Bd. III,2 S. 1281-1282;  zu Geisenheim Bd. II,2 S. 271; III,2 S. 426.  
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 239-241.  
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 182.  
Keine Artikel bei Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 303-304.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 580-581.  
Werner Lauter / Rolf Göttert: Die israelitische Zivil- und Kultusgemeinde in Rüdesheim am Rhein. Die Geschichte einer Minderheit. Hg. Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein. Rüdesheim 1988. 
Rolf Göttert: Unvergessene Schande: Die Kristallnacht 1938. Reihe: Notizen aus der Stadt-Archiv. Beiträge zur Rüdesheimer Stadtgeschichte Nr. 106. Online zugänglich.   Weitere Downloadmöglichkeit
ders.: Das Ende der israelitischen Kultusgemeinde in Rüdesheim. 
Walter Hell: Die Juden von Winkel und ihr Schicksal im Dritten Reich. Online zugänglich (pdf-Datei)   

  
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Ruedesheim am Rhein  Hesse-Nassau. After their evacuation to Ruedesheim, 60 Jews from Mainz chose martyrdom or were slaughtered during the First Crusade (1096). Expelled in 1470, Jews only returned some 230 years later, engaging in the wine trade. They built a district synagogue in 1843. The Jewish population was 58 (1 % of the total) in 1885 and the community was affiliated with the Wiesbaden rabbinate. By 1933 the Jewish population had declined to 29. When the Nazis demolished the synagogue in a Kristallnacht pogrom (9-10 November 1938) that spread to Geisenheim, the remaining Jews fled.  
     
       

                   
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Stand: 14. Mai 2015