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Schierstein mit
Frauenstein (Stadt
Wiesbaden)
Jüdische Geschichte / Synagoge
(Seite wurde erstellt unter Mitarbeit von Dorothee
Lottmann-Kaeseler)
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Schierstein bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts
zurück.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1853 14 Familien beziehungsweise Haushaltungen, 1858 20
wahlberechtigte Mitglieder, 1867 8 jüdische Familien, 1868 11 Familien
(einschließlich Frauenstein) mit 56 Personen, davon 10 schulpflichtige Kinder, 1871 52 jüdische Einwohner (2,7 % von insgesamt 1.906 Einwohner),
1885 50 (2,1 % von 2.423), 1895 70 (2,4 % von 2.976), 1905 45 (1,0 '% von
4.431).
Zur jüdischen Gemeinde Schierstein gehörten auch die in Frauenstein
lebenden jüdischen Personen. Dabei handelte es sich um Angehörige der Familie von Simon
Salmon (aus Merzig) und seiner Frau Amalie geb. Kahn, Familienfotos siehe bei http://www.before-the-holocaust.net/
unter Frauenstein). Mitte der 1920er-Jahre lebten außer dem Ehepaar noch
die Tochter Rosa im Haus sowie der Sohn Saly mit Ehefrau Selma und dem ersten
Enkel (Siegfried, geb. 1924).
Die jüdischen
Haushaltsvorsteher in Schierstein verdienten den Lebensunterhalt der Familien
bis weit ins 19. Jahrhundert hinein überwiegend als Händler; in Frauenstein
gab es mehrere Metzger. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gab es mehrere jüdische
Kaufläden und Handelsgeschäfte am Ort, die jüdischen Personen
gehörten.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zogen mehrere der jüdischen Einwohner /
Familien in umliegende Städte, vor allem nach Wiesbaden, unter ihnen
Julius Herz (geb. 1819 in Schierstein, seit 1843 Hofjuwelier in Wiesbaden; das
Geschäft - zuletzt unter den Namen Netter Herz & Heimerdinger - bestand bis
zur zwangsweisen "Arisierung" 1938) oder Joseph Mayer Baum (geb. 1813
in Schierstein: in Wiesbaden begründete er die Fa. "Nassauische Leinenindustrie J.M. Baum", die um 1900
zu einem Unternehmen von Weltgeltung wurde; die Firma wurde
in der NS-Zeit gleichfalls zwangsweise "arisiert"; aus der Familie
Baum stammt der Gründungsdirektor des Ulmer Museums Prof. Dr. Julius Baum, vgl.
Familiengeschichte Baum in
einer Website)
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine
Religionsschule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser
Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als
Vorbeter (Kantor) und Schochet tätig war (vgl. unten Ausschreibung der Stelle
1865). Um 1860/65 war Lehrer Josua Thalheimer einige Zeit am Ort. Ob auf die Ausschreibung von 1865
(möglicherweise nach dem Weggang von Lehrer Thalheimer) sich wieder ein Lehrer beworben hat, ist nicht
bekannt, zumal die Gemeinde damals sehr verarmt war. Ab 1869-70 unterrichtete
Lehrer Simon Ackermann aus Eltville die jüdischen Kinder in Schierstein. Die
Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Wiesbaden. 1879 schloss sich die Gemeinde
geschlossen der (orthodoxen) Israelitischen Religionsgesellschaft in Wiesbaden
an.
An jüdischen Vorstehern sind bekannt: 1855 Josef Baum, 1867 Abraham Kahn, 1891
Tobias Kahn, ab 1906 Daniel Kahn, um 1924 Samuel Kahn.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Siegfried Salmon
(geb. 26.12.1882 in Frauenstein, gef. 12.5.1915). Außerdem sind gefallen:
Vizefeldwebel Berthold Rosengarten (geb. 25.9.1886 in Schierstein, vor 1914 in
Remscheid wohnhaft, gef. 31.7.1916) und Heinrich Kahn (geb. 24.3.1889 in
Schierstein, vor 1914 in Ulm wohnhaft, gef. 16.7.1918).
Einige der jüdischen Familien waren seit der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts zu einigem Wohlstand gekommen, unter ihnen Metzger Karl Israel
(geb. 1890), dem das Haus Wilhelmstraße 40 in Schierstein gehörte. Es war auch
Miteigentümer an dem Hof Luisenstraße 6 und Eigentümer eines Bauplatzes im
Neuen Weg 3 und weiterer Grundstücke am Ort (weitere Informationen zur Familie
Karl Israel siehe pdf-Datei des
"Aktiven Museums Spiegelgasse").
Um 1924, als zur Gemeinde noch etwa 60 Personen gehörten (1,2 % von
insgesamt etwa 5.000 Einwohner), war Gemeindevorsteher der bereits genannte
Samuel Kahn. Als Lehrer, Kantor und Schochet war (bereits seit 1905) Arnold
Katzenstein tätig. Er unterrichtete an der Religionsschule der Gemeinde damals
vier Kinder und erteilte den Religionsunterricht an der Volksschule des Ortes.
Gleichfalls unterrichtete der die jüdischen Kinder in einigen umliegenden
jüdischen Gemeinde (u.a. in Eltville). 1932
war Gemeindevorsteher Karl Kahn (bereits seit 1932). Als Lehrer war weiterhin
Arnold Katzenstein tätig (vgl. Bericht zum Tod seiner Frau 1933 siehe unten;
dort wird Lehrer Katzenstein als "Vater des Rheingaues" bezeichnet). Im Schuljahr 1931/32 unterrichtete er 7 Kinder in
Religion. An jüdischen Vereinen gab es insbesondere - gemeinsam mit der
Gemeinde Biebrich - den Israelitischen Männerkrankenverein (gegründet
1839, siehe Bericht zum 70-jährigen Bestehen 1909 unten).
1933 lebten noch etwa 60 jüdische Personen in Schierstein. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Im Oktober 1935 wurde
ein jüdischer Viehhändler, der verbotenerweise ein Kalb geschächtet hatte,
angezeigt und mit anderen Gemeindegliedern verhaftet. Er erhielt drei Monate
Gefängnisstrafe (siehe Bericht unten). Beim Novemberpogrom 1938 wurde
die Synagoge zerstört (s.u.). Danach überfielen die SA-Männer die Geschäfte
und Wohnungen jüdischer Familien (u.a. des Metzgermeisters Israel, der Kaufleute
Katz, Kahn, des Lehrers Katzenstein, von Robert Kahn, der Geschwister Schönberger sowie des
Metzgermeisters Löwenthal). An der Plünderung der Geschäfte beteiligte sich
auch die Schiersteiner Bevölkerung. Ende 1938 mussten die letzten jüdischen
Gewerbetreibenden ihre Geschäfte schließen, darunter Karl Israel. Er musste
auch sein Haus unter Wert verkaufen. Am 11. September 1941 wurde Familie Israel
mit anderen jüdischen Personen zwangsweise in das "Judenhaus"
Luisenstraße 6 einquartiert. Die letzten jüdischen Einwohner
Schiersteins wurden am 10. Juni 1942 deportiert, unter ihnen Familie Karl Israel
und der Lehrer Arnold
Katzenstein.
Von den in Schierstein geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Dr. Alexander
Bayerthal (1867), Emma Blättner
geb. Kahn (1876), Hedwig Israel geb. Hallgarten (1895), Herta Israel (1925),
Karl Israel (1890), Margot Israel (1928), Rosel Israel (1922), Emmi (Emilie) Kahn geb. Teutsch (1905),
Walter Kahn (1937), Otto
Kahn (1891), Arnold
Katzenstein (1869), Walter Koch (1910), Bertha Schönberger (1870), Hilda Teutsch geb. Rauh
(1875), Isak Teutsch (1863).
Zu mehreren der genannten Personen gibt es "Erinnerungsblätter"
und weitere Informationen in der Website des aktiven Museums Spiegelgasse
(jeweils pdf-Dateien): zu Dr.
Alexander Bayerthal - Familie
Karl und Hedwig Israel mit ihren drei Töchtern) - Familie
Otto und Emilie Kahn mit Sohn Walter.
Von den in Frauenstein geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):
Gertrud Katz (1891), Selma Salmon (1892), Ilse Salmon (1928), Rosa Salmon (1894), Siegfried
Salmon (1923), Walter Salmon (1929).
Über das Schicksal der Familie Salmon informieren ein in der Website des
aktiven Museums Spiegelgasse eingestellter Presseartikel
sowie ein Erinnerungsblatt
(pdf-Datei).
Anmerkung
zu den Namenslisten Schierstein und Frauenstein: eine
Auswertung der genannten Quellen ergibt keine vollständigen Listen, da die
beiden Orte Schiersten und Frauenstein bereits 1926 beziehungsweise 1928 nach
Wiesbaden eingemeindet wurden und die Namen der umgekommenen jüdischen
Einwohner in den beiden Orte teilweise unter Wiesbaden genannt werden.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1865
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit’ vom 9. August 1865: "Die Stelle eines
Lehrers und Vorbeters ist Ende des Sommersemesters in unserer Gemeinde
vakant; auch kann damit der Schächterdienst, welcher ca. 120 Gulden einträgt,
verbunden werden. Bewerber wollen sich melden bei dem
Vorstand M. Liebmann. Schierstein, August 1865." |
Über
Lehrer Josua Thalheimer (1905, Lehrer in Schierstein um
1860/65)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. Mai 1905:
"Falkenstein im Taunus.
Am 1. Mai schied der hiesige israelitische Lehrer Thalheimer aus seiner
beinahe 35 Jahre innegehabten Stellung, um in den Ruhestand zu treten.
Seine Amtstätigkeit begann er 1855 in Hochheim
am Main, wirkte in Schierstein, Lorsbach und Camberg,
um dann anfangs der 70er-Jahre zunächst nach Königstein
und 1875 nach Falkenstein
überzusiedeln". |
| Anmerkung: unklar ist die Nennung von
Lorsbach, da es dort zu keiner Zeit eine jüdische Gemeinde gab,
vermutlich auch zu keiner Zeit mehrere jüdische Familien gelebt
haben. |
Aus dem jüdischen Gemeinde- und
Vereinsleben
70-jähriges Jubiläum des Israelitischen
Männerkrankenvereins Biebrich, Schierstein und Frauenstein
(1909)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit von 4. März 1909:
"Biebrich am Rhein, 20. Februar. Am 18. Februar, 27.
Schewat, feierte
der Israelitische Männerkrankenverein Biebrich, Schierstein und
Frauenstein sein 70jähriges Jubiläum. Die Feier wurde durch einen
besonderen Festgottesdienst durch Herrn Lehrer Sulzbacher - Biebrich
eingeleitet. Alsdann folgte der alljährlich am Stiftungsfeste
stattfindende Jom-Kippur-Katan-Gottesdienst. Gegen 3 Uhr
versammelten sich die Mitglieder zur Generalversammlung und dem
darauffolgenden Festmahle. Zunächst ergriff der Vorsitzende des Vereins,
Herr Josef Kahn das Wort, um die fast vollzählig erschienenen Mitglieder
willkommen zu heißen. Im weiteren Verlaufe seiner Rede gedachte Herr Kahn
der Gründer des Vereins und bat, unter Hinweis auf die schon damals
festgelegten wohltätigen Zwecke und Ziele, alle Anwesenden durch festes
Zusammenhalten dafür Sorge zu tragen, dass das von den Vorfahren
übernommene Erbe auf ewige Zeiten erhalten bleibe. Herr M. Reifenberg
dankte für die erwiesene Ehrung in bewegten Worten. Weitere Ansprachen
hielten die Herren Lehrer Sulzbacher - Biebrich und Katzenstein -
Schierstein." |
Allgemeine Gemeindebeschreibung (1936!)
Artikel
im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom 20. Juli
1936: "Wiesbaden – Schierstein, Südwestecke von Groß-Wiesbaden,
altes Fischerdorf, dessen Geschichte sich im Schatten von Wiesbaden und
Biebrich vollzog; um 1200 Sitz der Ritter von Schierstein. Heute viel
aufgesucht von Liebhabern frisch gekochter oder gebratener Rheinfische und
von Besuchern des schönen Rheinstrandbades. – Verhältnismäßig hohe
und strenge Synagoge, erbaut 1858. Rechts vom Toraschrein ein geschnitzter
Holzständer mit reichem Blätter- und Früchteschmuck, gekrönt vom
nassauischen Wappen. Er trägt zwei Tafeln mit dem Gebet für den
Landesherrn. Das Ganze ist Geschenk ‚Seiner Erlaucht Herrn Grafen
Wenzelaus Carl zu Leiningen-Billigheim’. Tempora mutantur: 1096 führt
ein Vorfahr dieses Herrn, Graf Emicho zu Leiningen, die Scharen der
Kreuzfahrer gegen die Juden zu Mainz, Worms und Speyer. – Schön
geschnitzte Menorah links vom Oraun (Toraschrein) Älter als die Synagoge
ist die hundertjährige Chewra (Wohltätigkeitsverein) Biebrich –
Schierstein – Frauenstein. – Nun in zweistündigem Marsch den Rhein
entlang durch Niederwalluf, wo niemals Juden wohnten, nach…" |
Anschluss der in Schierstein und Frauenstein lebenden
jüdischen Personen an die orthodoxe israelitische Religionsgesellschaft in
Wiesbaden (1879)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1879. "Wiesbaden,
30. November (1879). Sämtliche Mitglieder der israelitischen
Kultusgemeinde Schierstein-Frauenstein sind unter Beachtung der
desfallsigen Gesetzesvorschriften, also Erklärung vor dem Gerichte, aus
der seitherigen Kultusgemeinschaft ausgetreten und werden sich nun der
seit Anfang dieses Jahres dahier mit Korporationsrechten bestehenden
orthodoxen israelitischen Religionsgesellschaft anschließen. Der Zweck
dieses Austritts, der Aufsicht des reformatorischen Grundsätzen
huldigenden Bezirksrabbiners Süskind überhoben zu werden, dürfte
hiermit erreicht sein." |
Berichte zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
Otto Kahn wurde zum preußischen Offizier befördert (1916)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. September
1916: "Schierstein am Rhein. Vizefeldwebel und Inhaber des Eisernen
Kreuzes Otto Kahn, Sohn des Gemeindeverordneten und Vorstehers der
israelitischen Gemeinde Daniel Kahn, Inhaber der Firma Gebrüder Kahn, ist
zum preußischen Offizier befördert worden." |
Zum Tod von Berta Katzenstein - Frau von Lehrer Arnold Katzenstein (1933)
Artikel
in der "Jüdischen Wochenzeitung für Wiesbaden und Umgebung"
vom 24. März 1933: "Frau Berta Katzenstein-Schierstein seligen
Andenkens.
Am Dienstag, den 14. März wurde in Schierstein Frau Berta Katzenstein zu
Grabe getragen. Mit ihr ist eine der tätigsten und beliebtesten Jüdinnen
unserer Gegend dahingegangen. Nicht zum wenigsten ihr Verdienst ist es,
wenn Lehrer Katzenstein, mit dem sie in mehr als 40-jähriger Ehe
verbunden war, der Vater des Rheingaues heißt. Die Wahrhaftigkeit ihrer
jüdischen Frömmigkeit bewährten die Eheleute besonders, als sie in den
Anfangsjahren des Jahrhunderts eine russische Pogromwaise übernahmen, und
es völlig an die Stelle der ihnen versagten eigenen Kinder treten
ließen.
Am Grabe würdigte Herr Stadt- und Bezirksrabbiner Dr. Lazarus die
Persönlichkeit und die Verdienste der Verstorbenen. Der jüdische
Friedhofsteil konnte die große Zahl der Trauernden, Juden und Nichtjuden,
bei weitem nicht fassen.
L.L." |
Ein jüdischer Viehhändler wird auf Grund von
NS-Bestimmungen verurteilt (1935)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Oktober 1935: "Wiesbaden. Ein jüdischer
Viehhändler aus Schierstein, der beschuldigt wurde, Ende August ein Kalb
nach jüdischem Ritus geschächtet zu haben, was seinerzeit eine Erregung
verursacht hat, die zu der Inschutzhaftnahme mehrerer jüdischer Einwohner
geführt hat, wurde vom Wiesbadener Amtsgericht zu einer Gefängnisstrafe
von drei Monaten unter Anrechnung von einem Monat Untersuchungshaft
verurteilt." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige des Manufaktur-, Konfektions- und
Schuhwarengeschäftes Carl Katz (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. September 1901:
"Lehrling.
Suche für mein Manufaktur-, Konfektions- und Schuhwarengeschäft einen
Lehrling bei freier Kost und Logis.
Carl Katz, Schierstein am Rhein." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst (in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts)
wurden die Gottesdienste in einem Betraum abgehalten, wobei es sich um einen
"kellerartigen, dumpf-feuchten Raum" (Arnsberg S. 270) gehandelt haben
soll. 1853 beziehungsweise 1855 beschloss die Gemeinde den Neubau
einer Synagoge und erwarb hierfür ein Grundstück in der damaligen
Kirchstraße. 1858 konnte die Synagoge eingeweiht werden. Im Betsaal gab
es 40 Männer-, auf der Empore 24 Frauenplätze. Graf Wenzelaus Carl zu
Leiningen-Billigheim stiftete einen schön geschnitzten Holzständer mit dem
nassauischen Wappen, der
rechts vom Toraschrein aufgestellt wurde und mit reichem Blätter- und Früchtewerk
verziert war, gekrönt vom
nassauischen Wappen. Auf dem Holzständer waren zwei Tafeln mit dem Gebet für den
Landesherrn angebracht. Da die Regierung für den Synagogenbau keine
Unterstützung gegeben hatte, geriet die jüdische Gemeinde in eine finanzielle
Notlage. Zudem verzogen in den folgenden Jahren mehrere Familien vom
Ort.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
durch Brandstiftung zerstört. Eine Frau aus Schierstein hatte noch einige
Kultgegenstände, Torarollen usw. retten und verbergen können.
Nach 1945 ging das Synagogengrundstück mit der noch stehenden Ruine -
nach Klärung des Restitutionsverfahrens - in den Besitz der Stadt Wiesbaden
über. Mitte der 1960er-Jahre wurde die Ruine bis auf geringe Reste der
Umfassungsmauern abgebrochen. Diese wurden zusammen mit der Steinrosette aus der
Ostwand der Synagoge in eine Gedenkstätte integriert, die am 20. September
1968 in Anwesenheit von Vertretern der Stadt Wiesbaden und der jüdischen
Gemeinden in Wiesbaden und Frankfurt eingeweiht wurde. Bei der Einweihung
sprachen u.a. der Oberbürgermeister der Stadt Wiesbaden sowie die Herren Prof.
Dr. Herbert Lewin (damals Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen
Gemeinden in Hessen) und Dr. Paul Arnsberg von der Jüdischen Gemeinde Frankfurt
am Main.
Adresse/Standort der Synagoge: Bernhard-Schwarz-Straße
17 (früher Kirchstraße)
Fotos
(Quelle: Historische Innenaufnahmen aus http://www.before-the-holocaust.net/:
Foto links aus dem Stadtarchiv Wiesbaden, rechts aus der Sammlung von Dorothee
Lottmann-Kaeseler; Foto der zerstörten Synagoge aus P. Arnstein Bilder S.
183)
Historische
Innenaufnahmen
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Innenansicht der
Synagoge
mit Blick zum Toraschrein |
Das Foto
wurde zur Goldenen Hochzeit
des Ehepaares Salmon aus Frauenstein
aufgenommen. Zu erkennen ist u.a. der
mit der Zahl "50" geschmückte
Hochzeitsbaldachin. |
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| Die zerstörte Synagoge |
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Die Synagogenruine, vermutlich
in den 1960er-Jahren |
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Foto von einer
Gedenkveranstaltung,
vermutlich 1994
(aus der Sammlung von
Dorothee Lottmann-Kaeseler) |
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Ansprache von Dr.
Liebermann |
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| Synagogengrundstück
und Gedenkstätte im Sommer 2008 |
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Blick
auf das Grundstück der ehemaligen Synagoge mit der in den Gedenksteine
eingefassten Steinrosette aus der Ostwand der Synagoge. Inschrift des
Gedenksteines: "Diese Rosette schmückte die Ostwand der Synagoge,
die bis zu ihrer mutwilligen Zerstörung am zehnten November 1938 an
dieser Stelle stand und Mittelpunkt der Mitglieder der Jüdischen Gemeinde
war, bis diese in die Vernichtungslager verschleppt wurden. Diesen
Gedenkstein errichtete die Stadt Wiesbaden zur Erinnerung und steten
Mahnung.
'Denn von Zion geht die Lehre aus und das Wort des Ewigen von Jerusalem:
Kein Volk wird gegen ein anderes Volk mehr das Schwert erheben und sie
werden nicht mehr das Kriegshandwerk erlernen'. Diese Worte schrieb der
Prophet Jesaja am Anfang des zweiten Kapitels seines Buches vor etwa zweitausendsiebenhundert
Jahren - MCMLXVIII." |
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| Erhaltene
Reste der Umfassungsmauer, die in die Gedenkstätte integriert wurden |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 270-272. |
 | ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder -
Dokumente. S. 183. |
 | Keine Artikel zu Schierstein bei Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 beziehungsweise dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 347-357. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 590.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Schierstein
(now part of Wiesbaden) Hesse-Nassau. The community, which had members in nearby
Frauenstein, engaged Jewish teachers and numbered 70 (2 % of the population) in
1895. Its synagogue was burned down on Kristallnacht (9-10 November 1938) and
those who remained shared the fate of the Jews of Wiesbaden.
vorherige Synagoge zur ersten Synagoge
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