Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Eltville am Rhein mit Kiedrich (Rheingau-Taunus-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Kurze Beschreibung der Gemeinde (1936)  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Eltville bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938.   

Bereits im Mittelalter gab es zeitweise mehrere jüdische Familien in der Stadt (Stadtrechte seit 1332), vermutlich kam es auch zur Gründung einer kleinen Gemeinde (innerhalb des Gemeindeverbandes Mainz-Rheingau). 1331 wird Salman von Eltville in Frankfurt als Bürger aufgenommen. 1342-1343 verpfändete der Mainzer Erzbischof Heinrich III. von Virneburg seine Steuern von den Eltviller Juden an Abraham von Kreuznach. 1343 werden vorübergehend Jakob ben Mose mit Sohn und Schwiegersohn in Eltville genannt. Sie ließen sich später in Bingen nieder. Bei der Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49 wurden auch in Eltville Juden ermordet. 
   
1354 werden wieder Juden genannt. 1356 und nach 1384 wanderten mehrere jüdische Personen beziehungsweise Familien in der Stadt zu, die wiederum durch die Erzbischöfe von Mainz aufgenommen wurden. Auch im 15. Jahrhundert ließen sich mehrere Juden aus anderen Städten in Eltville nieder (1437 aus Worms, 1438 einer oder mehrere aus Mainz, 1467 fünf jüdische Personen, darunter einer aus Eppstein); mehrere Eltviller Juden werden in anderen Städten genannt (Heidelberg, Dortmund, Frankfurt, Mainz, Windecken). Sie lebten zumindest teilweise vom Geldhandel. Ein jüdischer Arzt wird 1362 genannt. 1467 und danach lebte ein Rabbiner namens Cossmann in Eltville. Die damals in der Stadt verstorbenen Juden wurden in Mainz beigesetzt.      
   
Von einer Vertreibung der Juden aus Eltville ist nichts bekannt. Keine Erwähnungen von Juden in der Stadt liegen jedoch aus der Zeit zwischen 1517 und 1603 vor. 
   
Die Entstehung der neuzeitlichen jüdischen Gemeinde geht in das 17./18. Jahrhundert zurück. 1603 wird eine jüdische Familie in der Stadt genannt, 1627 zwei, 1659 drei, 1691 und 1718 sind es vier jüdische Familien. Im 18. Jahrhundert gehörten (nach der Synagogenordnung von 1787) die in Erbach, Oestrich, Neudorf, Kiedrich, Rauenthal, Hattenheim sowie Ober- und Niederwalluf lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Eltville.    

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1825 34 jüdische Einwohner, 1842 28, 1871 28 (0,9 % von insgesamt 2.585 Einwohner), 1885 51 (1,5 % von 3.340), 1895 58 (1,6 % von 3.646), 1900 49 (28 männlich, 21 weiblich), 1905 32 (0,8 % von 4.065). Weiterhin gehörten die in Orten der Umgebung lebenden jüdischen Personen zur jüdischen Gemeinde in Eltville, so die in Erbach (1865 eine Familie), Kiedrich, Oestrich (zeitweise auch selbständige Gemeinde), Mittelheim und Rauenthal (1865 vier Familien) lebenden jüdischen Einwohner. 1842 wurden feste jüdische Familiennamen angenommen: in Eltville Neumaier, Meier, Mannheimer und Meiersohn, in Rauenthal Neumann, in Kiedrich Nathan und in Mittelheim Loeser; zu Oestrich siehe dort. Die jüdischen Familien waren angesehene Händler, teilweise mit Läden in der Stadt, Handwerker und Metzger.  

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Ansonsten wurden die Schüler der Gemeinde durch auswärtige Lehrer unterrichtet, der Vorbeterdienst ehrenamtlich verrichtet. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Wiesbaden.  
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: aus Eltville Jacob Mannheimer (geb. 11.2.1884 in Eltville, gef. 7.7.1918) und Sally Neumann (geb. 3.4.1889 in Rauenthal, Rheingau, gef. 13.5.1916) sowie Max Lehmann aus Oestrich (geb. 24.9.1890 in Gissigheim, gef. 30.9.1915). 1931 wurde für sie in der Synagoge eine Gedenktafel angebracht. Außerdem sind aus Eltville gefallen: Max Haimann (geb. 21.7.1886 in Eltville, vor 1914 in Kein wohnhaft, gef. 25.9.1915) und Josef Simons (geb. 1.10.1879 in Eltville, vor 1914 in Friedberg wohnhaft, gef. 11.8.1918), aus Oestrich Hugo Wertheim (geb. 2.11.1869 in Oestrich, vor 1914 in Saarlouis wohnhaft, gef. 10.6.1915) und Sally Rosenthal (geb. 19.2.1872 in Oestrich, gef. 4.9.1917).         
 
Um 1924, als 48 jüdische Einwohner in der Stadt gezählt wurden (1,2 % von insgesamt 4.137 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Jacob Simons, Leopold Bach und Max Neumann. Den Religionsunterricht der damals acht jüdischen Kinder der Gemeinde erteilte Lehrer Arnold Katzenstein aus Schierstein. 1932 waren die Gemeindevorsteher Leopold Bach (1. Vors.) und Eduard Rosenthal (2. Vors.). Weiterhin unterrichtete Lehrer Katzenstein aus Schierstein die im Schuljahr 1931/32 insgesamt elf Kinder der jüdischen Gemeinde.       

1933 lebten noch 37 jüdische Personen in Eltville (0,9 % von insgesamt 4.340 Einwohnern).
In den folgenden Jahren sind die meisten von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen (Wiesbaden, Frankfurt) beziehungsweise ausgewandert. 10 Personen konnten in die USA auswandern, je eine Person nach Palästina/Israel und nach London. Drei Personen sind nach 1933 in Eltville verstorben. Die letzten jüdischen Einwohner wurden von Eltville aus deportiert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet und verwüstet (s.u.). 1939 wurden noch sechs jüdische Personen in Eltville gezählt.  
  
Von den in Eltville geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Joanna Arnold geb. Italiaander (1873), Bertha Bender geb. Mannheimer (1879), Paula Ensgraber geb. Heyum (1887), Regina Grohé geb. Mannheimer (1889), Emma Lesem geb. Ackermann (1874), Gunda Loeb geb. Mannheimer (1879), Erna Lähnemann geb. Baar (1893), Alfons Mannheimer (1886), Alfred Mannheimer (1914), Betty Mannheimer geb. Levi (1877), Günter Mannheimer (1925), Moritz Mannheimer (1868), Otto Mannheimer (1924), Walter Mannheimer (1919), Artur Neumann (1921),  Lore Neumann (1926), Friedel Simons (1918), Helene Simons (1887), Julius Simons (1878) Elsa Stern (1911). 
    
Aus Kiedrich werden in den angegebenen Listen keine Personen genannt.   
  
      
   
    

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Kurze Beschreibung der Gemeinde (1936) 

Eltville GblIsrGFr Juli1936.jpg (34849 Byte)Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom 20. Juli 1936: "Eltville. Ort wohl aus der Römerzeit, erhält 1331 Stadtrecht, gilt damals als Hauptstadt des Rheingaus, wird Standort Günthers von Schwarzburg, der hier, von Karl IV. belagert, der Kaiserwürde entsagt (1349). In demselben Jahr Judenverfolgung (‚schwarzer Tod’)! – Synagoge, um 1830 erbaut, Schwalbacher Straße, nicht weit davon Friedhof, neben dem allgemeinen."

   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
 
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet für Eltville und Oestrich 1920 

Oestrich Israelit 12021920.jpg (49920 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Februar 1920: "Die Kultusgemeinde Eltville sucht möglichst per sofort einen tüchtigen Lehrer, Schochet und Chasen. Gehalt Mark 1.500 nebst 1.000-1.500 Mark Teuerungszulage sowie Nebeneinkommen. Offerte mit Lebenslauf und Zeugnisabschrift an Eduard Rosenthal, Oestrich am Rhein."     



     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Besuch der Kaiserin von Russland bei Gutsbesitzer Salomon Marix in Eltville (1864)  
Anmerkung: Der Bericht kann sich nur auf einen Besuch der russischen Kaiserin bei der Familie Salomon Marix beziehen; wieso hier von Adolph Marx die Rede ist, ist nicht bekannt.   

Eltville Israelit 03081864.jpg (29736 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. August 1864: "Eltville (Nassau), den 26. Juli (1864). Ihre Majestät, die Kaiserin von Russland, welche gegenwärtig in Bad Schwalbach weilt, beehrte heute unseren Glaubensgenossen, den Gutsbesitzer Herrn Adolph Marx, mit Allerhöchstihrem Besuche."
   
Salomon Marix war ein jüdischer Tuch- und Seidenwarenhändler, der aus Paris stammte und sich 1849 in Eltville niedergelassen hat. Er erwarb zwischen 1850 und 1860 91 Morgen Land in der Stadt. Er besaß neben seiner Villa und dem 1864 erbauten Gästehaus (spätere "Villa Elvers") an der Erbacher Straße 1 ein Haus am Burgplatz, ein Haus am Bahnhof und die Eltviller Aue (bzw. Königsklinger Aue, 80 ha große Binneninsel im Rhein). Auch in Johannisberg (Erwerb des Schlosses Hansenberg 1861) und Wiesbaden hatte er Güter. Das Marix'sche Anwesen reichte vom Rheinufer bis zur Erbacher Straße, von dort bis zur Wörthstraße und zum Kiliansring. Im Park der Villa Elvers gab es eine Orangerie, Treibhäuser mit Aufenthaltsräumen, verschiedene chinesische Pavillons, einen Weiher, auf dem Seerosen blühten u.a.m. 
In der Villa Marix gab es auch eine Synagoge.  
Salomon Marx errichtete in Villmar eine durch Wasserkraft maschinell betriebene Marmorfabrik auf der linken Lahnseite ("Nassauische Marmorwerke"). 
Eltville Villa Marix 100.jpg (41969 Byte)Die 1864 als Gästehaus der Villa Marix erbaute, später sogenannte "Villa Elvers" (Foto aus dem Artikel im "Wiesbadener Kurier" vom 13.2.2009, siehe Link) war durch einen Übergang mit  dem Haus der Familie Marx verbunden. Zahlreiche prominente Gäste konnte Salomon Marix hier empfangen, darunter die russische Kaiserin,  den König von Württemberg, Mitglieder der herzoglich nassauischen Familie oder des preußischen Königshauses. Auch Albert Schweitzer soll zu Gast gewesen sein. 
Salomon Marx hatte zwei Söhne - Paul und Myrtil - und eine Tochter Olga. Nach seinem Tod 1873 in Wiesbaden wurde der Eltviller Besitz unter den Kindern aufgeteilt, Tochter Olga erhielt die Eltviller Aue (daher auch "Olga-Insel" genannt). Nach einigen Jahrzehnten wurden die Besitztümer der Familie weiterverkauft. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte die Familie Marix keinen Besitz mehr in Eltville.   
   
Links
Marixverlag in Wiesbaden 
Artikel im "Wiesbadener Kurier" vom 13. Februar 2009 über die Geschichte der "Villa Elvers" (Artikel von Helga Simon: "Der Zar wie Albert Schweitzer waren zu Gast"
Geschichte der Nassauischen Marmorwerke in Villmar an der Lahn   
   
Eltville VAP 015.jpg (243965 Byte)Hinweis: Die Villa Elvers wird 2010/11 zu einem Wohnhaus mit hochwertigen Wohnungen umgebaut 
(nähere Informationen siehe Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 10. April 2010 [pdf-Datei]; 
über das "Projekt "Villa am Park" siehe Website www.vap-gmbh.de).  

   
Über den Kaufmann und Schriftsteller Gerson Stern in Kiedrich (1936)  

Kiedrich GblIsrGF Juli1936.jpg (73207 Byte)Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom Juli 1936: "Am Kiedricher Bach aufwärts durch Kiedricher Tal in 1 Stunde nach Kiedrich. Hier schrieb Gerson Stern, der hier lange Jahre als Kaufmann lebte und nebst seiner Gattin Außerordentliches für die Verinnerlichung und jüdische Erfülltheit der Juden des Rheingaues leistete und leistet, seine viel gelesenen Romane 'Weg ohne Ende' und 'Auf drei Dingen steht die Welt'. Der Flecken Kiedrich hat dank der Bemühungen des englischen Baronets Sutton sein altertümliches Gepräge erhalten können. Die Pfarrkirche, 1481 abgeschlossener Bau, sehr sehenswert, desgleichen der Bassenheimer Hof, der 'Lange Hof' und zahlreiche Holzhäuser. Über Kiedrich die Ruine Scharfenstein, 1/4 km oberhalb Kiedrich der Kiedricher Sprudel, die 'Virchowquelle'. - Eine der schönsten Wege des Rheingaus: Vom Schwalbacher Tor in Kiedrich nach Kloster Eberbach."      
 
Kiedrich Stern B010.jpg (30303 Byte)Über Gerson Stern:  Der Schriftsteller Gerson Stern (1874-1956) stammte aus Holzminden im Weserbergland und lebte bis zu seiner Emigration in Kiedrich im Rheingau. 1939 zog er nach Palästina und gab 1941 zusammen mit Schalom Ben-Chorin in Tel Aviv die Anthologie »Menora« (Walter Menke) heraus, in der Else Lasker-Schüler mit den beiden Gedichten »Herbst« (Ich pflücke mir am Weg das letzte Tausendschön) und »Mein blaues Klavier« vertreten ist. – Sterns Hauptwerk, der Roman »Weg ohne Ende« von 1934, ist 1999 vom Verlag Carl Böschen (Siegen) neu aufgelegt worden (ISBN 3-932212-19-3).
Links: Titelbild des 2002 im Carl Böschen-Verlag aufgelegten, 1935 erstmals in Berlin erschienenen Werkes "Auf drei Dingen steht die Welt".   
Links:  Wikipedia-Artikel zu Gerson Stern   

    
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe 
Lehrlingssuche des Manufaktur- und Konfektionsgeschäftes E. Haimann (1900)  

Eltville Israelit 22111900.jpg (36685 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1900: 
"Suche für mein Manufaktur- und Konfektionsgeschäft zum baldigen Eintritt einen 
Lehrling

E. Haimann, Eltville, Rheingau."

          
     

    
Zur Geschichte der Synagoge

Zunächst war ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden (1787 im Haus des Enoch Abraham). 

1831 hat das jüdische Gemeindeglied Israel Mayer der jüdischen Gemeinde ein Gebäude in der heutigen Schwalbacher Strauße überschrieben und dieses zu einer Synagoge umbauen lassen. Es wurde ein zweigeschossiger Massivbau mit Stilformen des romantischen Klassizismus erstellt. Das Gebäude hatte beziehungsweise hat ein steiles Satteldach traufseitig zum Verlauf der Straße und einen Zwerchgiebel mit zwei Rundbogenfenstern. Die Fassade zeigt eine dreiteilige Fenstergruppe mit Rundbögen und kleiner Brüstung.  
In der Synagoge hatte es im Betsaal im Erdgeschoss auf ca. 30 Quadratmetern 44 Plätze für Männer, auf der Empore 30 für Frauen. Schwierigkeiten mit dem Gottesdienst gab es in den 1840er-Jahren, da die Oestricher Juden ihre eigene Synagoge eingerichtet hatten und nicht mehr genügend Männer regelmäßig zum Gottesdienst nach Eltville kamen.  
 
Am 5. September 1931 konnte das 100-jährige Bestehen der Synagoge gefeiert werden. Der "Rheingauer Bürgerfreund" berichtete am 7. September 1931: "Israelitische Gemeinde feiert 100-jähriges Bestehen der Synagoge. ...Sie wurde 1831 erworben und zweckentsprechend umgebaut... Es wurde seit Jahrzehnten an einen Neubau gedacht, aber in Anbetracht der schlechten Verhältnisse davon Abgesehen. Die Synagoge wurde jetzt renoviert. Die Eröffnungs- und Begrüßungsrede hielt Lehrer Katzenstein aus Schierstein - die Festrede der Bezirksrabbiner Dr. Lazarus aus Wiesbaden. Es wurde eine Tafel für die für das Vaterland Gefallenen enthüllt."

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch SA-Leute völlig verwüstet, das Gebäude blieb erhalten. Es ging wenig später in Privatbesitz über und wurde zu einem bis heute bestehenden Wohn- und Geschäftshaus umgebaut. Eine Hinweistafel ist angebracht.   
  
  
Adresse/Standort der Synagoge            Schwalbacher Straße 3  (frühere Holzstraße bzw. Holzgasse Gebäude Nr. 179) 

Fotos
(Fotos: sw-Fotos: links aus Arnsberg Bilder s. Lit. S.49, rechts aus Altaras 1988 S. 177; farbige Fotos Hahn, Aufnahmedatum 10.8.2008)  

   Historische Fotos sind noch nicht vorhanden; über Hinweise oder Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite.
       
Das ehemalige Synagogengebäude 
nach 1945
Eltville Synagoge 141.jpg (81222 Byte) Eltville Synagoge 140.jpg (62496 Byte)
   Das Gebäude um 1970 Das Gebäude im Juli 1984
     
Eltville Synagoge 174.jpg (75762 Byte) Eltville Synagoge 173.jpg (76938 Byte) Eltville Synagoge 170.jpg (85148 Byte)
Blick auf das Gebäude der ehemaligen Synagoge Hinweistafel: "Hier befand sich von 
1832-1938 die Synagoge der
 Israelitischen Kultusgemeinde Eltville" 
  

 

 

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

März 2010: Verlegung von "Stolpersteinen" in Kiedrich  
Artikel im "Wiesbadener Kurier" vom 13. März 2010 (Artikel): "Kiedrich - Erstmals Stolpersteine
Kiedrich.
(red). Auf Initiative des Förderkreises Kiedricher Geschichts- und Kulturzeugen hat der Künstler Gunter Demnig drei sogenannte Stolpersteine (Gedenksteine) angefertigt für den jüdischen Schriftsteller Gerson Stern, seine Ehefrau Erna und seinen Sohn Joel Harry Stern, die unter dem Druck des nationalsozialistischen Regimes 1937 Kiedrich verließen und im März 1939 nach Palästina emigrierten. Die Steine werden nun zum Gedenken vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Stern verlegt. Dazu sind alle Kiedricher am Dienstag, 16. März, um 13.30 Uhr in die Scharfensteiner Straße 16 eingeladen." 
  
Artikel im "Wiesbadener Kurier" vom 17. März 2010 (Artikel): "In Kiedrich hoch angesehen. 
STOLPERSTEINE Förderkreis erinnert mit der Aktion von Gunter Demnig an die jüdische Familie Stern. 

(dre). Im Jahr 2000 startete Gunter Demnig sein Projekt Stolpersteine zur 'Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, Zigeuner, politisch Verfolgten, Homosexuellen, Zeugen Jehovas und Euthanasieopfer im Nationalsozialismus'. Seitdem verlegte der Künstler in 536 Orten Deutschlands und anderen Ländern Europas gut 23.000 Stolpersteine, aber noch keinen einzigen im Rheingau. Das änderte jetzt die Initiative des Förderkreises Kiedricher Geschichts- und Kulturzeugen mit dem 537. Ort..."    
  
Artikel im "Wiesbadener Tagblatt" vom 3. April 2010 (Artikel): "Erinnerung an "Tante Erna"
KIEDRICH - GEDENKEN Die ehemalige Kiedricherin, für deren Familie ein Stolperstein verlegt wurde, ist unvergessen. 

(red). In Kiedrich ist vor kurzem der erste Stolperstein im Rheingau verlegt worden. Auf Initiative des Förderkreises Kiedricher Geschichts- und Kulturzeugen wird damit an die Familie Stern erinnert: Den Kaufmann, Gutsbesitzer und Autor Gerson Stern, seine Frau Erna und ihren Sohn Joel Harry. Von 1920 bis 1937 lebte die Familie in der Scharfensteiner Straße 16. Den zweiten Vorsitzenden des Förderkreises, Rudolf Fenzl, erreichte nun ein Schreiben von Christel Michal- Evenari, die mit dem Sohn des Bruders von Erna Stern verheiratet war. Eliahu Evenari ist allerdings vor einigen Jahren gestorben..."    
   

 

  
     
Links und Literatur    

Links:  

Website der Stadt Eltville  

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 207-208; III,1 S. 298-300.
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 157-159.  
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 49.  
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 177-178. 
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 144.   
dies.: Neubearbeitung der beiden Bücher. 2007. S. 368.  
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 292-293.    
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 366-367.   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Eltville  Hesse-Nassau. Jews living there in the 14th century fell victim to the Black Death persecutions of 1348-49. A permanent community was only established in 1780. Its members, who opened a synagogue in 1831 and numbered 58 (over 1 % of the total) in 1895, were affiliated with Wiesbaden's rabbinate. In 1925 the community also had members in Erbach (27), Oestrich (18) and three other neighboring villages. On Kristallnacht (9-10 November 1938), SA men destroyed the synagogue's interior and Nazis looted Jewish property (especially wine cellars) throughout the region. Of the 37 Jews left in Eltville, 12 emigrated and 18 removed elsewhere; all those remaining in the area were deported by 1941.   
   

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 11. Dezember 2011