Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Laufenselden mit Grebenroth (Gemeinde Heidenrod, Rheingau-Taunus-Kreis) 
und Reckenroth (Rhein-Lahn-Kreis, Rheinland-Pfalz)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Allgemeine Gemeindebeschreibung (1936!) 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Kennkarte aus der NS-Zeit    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
   
In Laufenselden bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/39. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Bereits um 1650 lassen sich jüdische Einwohner feststellen (Vorfahren der Familie Oppenheimer). 1712 und 1724 waren jeweils sechs jüdische Familien am Ort.  

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1843 78 jüdische Einwohner, 1871 88 (7,4 % von insgesamt 1.197 Einwohnern), 1885 75 (6,5 % von 1.153), 1895 90 (8,0 % von 1.123), 1905 53 (5,4 % von 984), 1925 53 (6,0 % von 885). Auch die in Grebenroth und Reckenroth lebenden jüdischen Personen gehörten im 19. Jahrhundert zur Gemeinde Laufenselden (1843 24 beziehungsweise 4 jüdische Einwohner; 1873 in Reckenroth 7).  Die jüdischen Haushaltsvorsteher verdienten ihren Lebensunterhalt als Viehhändler, Krämer, Metzger; nach der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es auch einzelne Handwerker. 
 
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad sowie ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. unten Ausschreibungen der Stelle von 1898, 1900, 1901 und 1903). Um 1855/60 waren etwa 20 Kinder an der Religionsschule zu unterrichten, 1864 noch 12 (davon 2 in Grebenroth und 1 Kind in Reckenroth). Die Gemeinde gehörte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch zum Bezirksrabbinat Langenschwalbach, dann zum Bezirksrabbinat in Wiesbaden.   
 
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Max Lebrecht (geb. 8.11.1891 in Laufenselden, gef. 29.1.1915). Sein Name steht auf dem Gefallenendenkmal der Gemeinde im kommunalen Friedhof (siehe Foto unten). 
 
Um 1924, als noch 56 jüdische Personen am Ort lebten, waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde Salli Oppenheimer, Simon Löwensberg und Siegmund Ehrenfeld. Den Religionsunterricht der jüdischen Kinder erteilte damals Lehrer Levy Spier aus Langenschwalbach (Bad Schwalbach). 1932 waren die Gemeindevorsteher weiterhin Salli Oppenheimer (1. Vors., Hauptstraße 4), Simon Löwensberg (2. Vors., Hauptstraße 6) und Sigmund Ehrenfeld (3. Vors., Hauptstraße 9). Damals erhielten noch acht Kinder der jüdischen Gemeinde Religionsunterricht.  

1933 lebten noch 34 jüdische Personen in Laufenselden (in 12 Familien; 3,0 % von insgesamt 900 Einwohnern).
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Auch der letzte Vorsitzende der Gemeinde - Alfred Löwenstein - ist emigriert (nach Brasilien). Beim Novemberpogrom 1938 (nach Arnsberg erst am 12. November 1938) wurde die Synagoge niedergebrannt (s.u.); randalierende SA-Leute gingen auch gegen jüdische Wohnungen und Geschäfte vor. Dabei wurde ein Schaden von 6.370 RM angerichtet, den die jüdischen Familien zu bezahlen hatten. Nach dem November 1938 beziehungsweise 1939 lebten keine jüdischen Personen mehr in Laufenselden. 
  
Von den in Laufenselden geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Emma Brück geb. Hermann (1880), Emma Ehrenfeld (1895), Josef Ehrenfeld (1893), Julius Ehrenfeld (1872), Siegmund Ehrenfeld (1865), Emma Geiringer geb. Heymann (1874), Melina Hahn geb. Frank (1884), Selma Heching geb. Frank (1891), Betty Hermann (1887), Rosa Hermann (1889), Leon Heymann (1863), Lina Lambert geb. Löwensberg (1882), Albert Lebrecht (1886), Minna Liebmann geb. Ehrenfeld (1898), David Löwensberg (1888), Julius Löwensberg (1890), Benjamin Willy Löwenstein (1876), Hannelore Löwenstein (1924), David Rosenthal (1869), Paula Schwab geb. Löwensberg (1896), Mina Seckbach geb. Rosenthal (1867), Gertrud Stein (1890), Heinrich Stein (1884), Isidor Stein (1881), Karoline (Lina) Stein (1887), Betty Stern geb. Oppenheimer (1877), Emilie Stern (1866), Moritz Stern (1863), Nelly Ketti Stern (1895), Alfred Ullmann (1897), Manfred Ullmann (1929).  
  
Aus Grebenroth sind umgekommen: Emilia Loew geb. Stern (1879), Lina Stern (1893), Lisette Stern (1889). Alle drei sind in Grebenroth geboren und waren später in Köln wohnhaft, von wo sie deportiert wurden.    
Aus Reckenroth sind umgekommen: Therese Cohn geb. Grünebaum (1880), Klothilde Dilsheimer geb. Grünebaum (1887), Markus Grünebaum (1878), Anna Mayer geb. Grünebaum (1883).       
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
  

Allgemeine Gemeindebeschreibung (1936!) 

Laufenselden GblIsrGF Juli1936.jpg (65546 Byte)Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom Juli 1936: "Laufenselden, 375 m hoch; sehr altes Dorf; schickt seit altersher seine Kinder als Kellner in alle Welt. Bis vor kurzem kleine, aber besonders lebenskräftige jüdische Gemeinde, heute in Auflösung begriffen. Stattliche Synagoge, 1861 gebaut, Chewra-kadischa 1762 gegründet, auch für Holzhausen a.d.H. und Kemel, die ebenso am Laufenseldener Friedhof teilhatten. - Von der Straße nach Berndroth bald links abbiegend, auf schönem Waldpfad in gut 1 Stunde zum Römerkastelle (gelber Punkt), dann nach links (roter Punkt) den römischen Pfahlgraben entlang in kaum einer Stunde nach Holzhausen a.d. Heide. Bis vor kurzem kleine, aber lebenskräftige Gemeinde mit eigener Synagoge." 

      
      
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1898 / 1900 / 1901 / 1902 / 1903  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1898: "Die israelitische Kultusgemeinde Laufenselden (Rabbinatsbezirk Wiesbaden), sucht zum 1. Oktober laufenden Jahres einen Religionslehrer, Kantor und Schächter. Gehalt Mark 600, nebst 150-200 Mark Ertrag der Schechita. Nur wer von Herrn Bezirks-Rabbiner Dr. Silberstein approbiert wird, kann angestellt werden. Meldungen nebst Zeugnissen sind zu richten an 
Theodor Hirsch
, Vorsteher."    
 
Laufenselden Israelit 06121900.jpg (45800 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1900: "Die israelitische Gemeinde Laufenselden sucht per 1. März einen Vorbeter, Lehrer und Schochet. Gehalt 700 Mark. Nebenverdienst ca. 200 Mark. Nur seminaristisch ausgebildete Lehrer können berücksichtigt werden, am liebsten ganz junger Mann. Anmeldung bei Kultusvorsteher 
S. Frank." 
  
Laufenselden Israelit 25041901.jpg (71793 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. April 1901: "Die hiesige Lehrerstelle 
ist vakant und soll durch einen jungen, nur seminaristisch gebildeten Religionslehrer, Vorbeter und Schochet besetzt werden. Gehalt 800 Mark. Nebenverdienst ca. 300 Mark steigend. Bewerbungen nebst Zeugnisabschriften, sind an den unterzeichneten Vorstand zu senden; Reisekosten werden dem Gewählten vergütet.  
Laufenselden bei Bad Schwalbach. 
Der Vorstand:
 
Salomon Frank." 
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1902: "Die hiesige Lehrerstelle 
ist vakant und soll durch einen jungen, seminaristisch gebildeten Religionslehrer, Vorbeter und Schochet besetzt werden. Gehalt 900 Mark nebst freier Wohnung und 300 Mark Nebenverdienst. Bewerbungen nebst Zeugnissen sind an den unterzeichneten Vorstand zu senden; Reisekosten werden dem Gewählten vergütet. 
Der Vorstand: Salomon Frank,
 
Laufenselden bei Bad Schwalbach."  
   
Ausschreibung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. Juni 1903: "Laufenselden bei Bad Schwalbach. Lehrer, Vorbeter und Schächter. Gehalt Mark 900, freie Wohnung und Mark 300 Nebeneinkommen."    
   
Laufenselden FrfIsrFambl 20111903.jpg (17444 Byte)Ausschreibung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 20. November 1903: "Laufenselden bei Langenschwalbach. Lehrer, Vorbeter und Schächter. Gehalt 900 Mark, freie Wohnung und Nebenverdienst."  

     
Auszeichnung für den Lehrer Nathan Burger (1891) 

Laufenselden AZJ 16101891.JPG (58762 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Oktober 1891: "Aus Nassau, 11. Oktober (1891). Wie sehr unsere jüdischen Religionsschulen sich der Anerkennung der höchsten Behörden erfreuen, bekundet eine Auszeichnung, die einem unserer verdienteren Religionslehrer in diesen Tagen geworden ist. Infolge eines darauf bezüglichen Antrages des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Silberstein in Wiesbaden wurde nämlich dem israelitischen Religionslehrer und Vorsänger, Herrn Nathan Burger in Laufenselden, Rabbinatsbezirks Wiesbaden, aus Anlass seines fünfzigjährigen Amtsjubiläums von Seiner Majestät dem Kaiser und König der Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit der Zahl 50 allergnädigst verliehen."  

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Robert Löwenstein wird als Kriegsteilnehmer mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (Oktober 1914)  

Laufenselden Frf IsrFambl 16101914.jpg (29656 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 16. Oktober 1914: "Laufenselden. Robert Löwenstein, Sohn des Metzgers Wilhelm Löwenstein, erhielt wegen besonderer Tapferkeit und für Lösung schwieriger Aufgaben das Eiserne Kreuz und wurde zum Unteroffizier befördert. Außerdem stehen noch 3 Brüder desselben im Felde."   

   
Alfred Löwenstein wird als Kriegsteilnehmer mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet (Dezember 1914)  

Laufenselden Frf IsrFambl 18121914.jpg (27491 Byte)Artikel im Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. Dezember 1914: "Laufenselden. Alfred Löwenstein, Sohn des Metzgers Wilhelm Löwenstein, erhielt das Eiserne Kreuz. Ein Bruder desselben, Vizefeldwebel R. Löwenstein, verdiente sich im September schon die hohe Auszeichnung".  

       

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte für den in Laufenselden
 geborenen Louis Hermann
 
 Laufenselden KK MZ Hermann Louis.jpg (90437 Byte)   
  Kennkarte (ausgestellt in Mainz 1939) für Louis Hermann, geb. 1. Mai 1878 in Laufenselden, Metzgermeister.   

      
      
  
    
Zur Geschichte der Synagoge     
   
Zunächst war ein Betsaal beziehungsweise eine erste Synagoge in einem jüdischen Privathaus vorhanden. 1842 wurde eine aus 41 Paragraphen bestehende Gottesdienstordnung erlassen, die der damalige Rabbiner Dr. Wormser (Langenschwalbach) unterzeichnet hatte. Darin wurde festgelegt, dass für die Gottesdienstzeit in der Gemeinde der Frankfurter jüdische Kalender maßgebend war. 
 
1860/61 konnte eine neue Synagoge erbaut und eingeweiht werden. Zur Finanzierung der Synagoge (es entstanden Kosten in Höhe von etwa 6.000 Gulden) wurden 1861 und 1862 Kollekten veranstaltet; die Regierung des Herzogtums Nassau genehmigte ein Darlehen in Höhe von 2.000 Gulden. Die im August 1861 eingeweihte Synagoge hatte 65 Plätze für Männer und 32 Plätze auf einer Empore für Frauen, dazu 20 Plätze für Kinder.    
     
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge vollständig ausgebrannt. Die Ruine blieb nach 1945 stehen, kam 1954 nach Abschluss des Restitutionsverfahrens in Privatbesitz und wurde schließlich abgebrochen. An Stelle der ehemaligen Synagoge steht heute ein Wohnhaus.  
    
    
Adresse/Standort der Synagoge    Kastellstraße 10    
   
   
Fotos
(Quelle: Synagogenruine aus Arnsberg Bilder S. 132; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmen vom 21.6.2016) 

Die Synagogenruine nach der 
Zerstörung beim Novemberpogrom 1938 
Laufenselden Synagoge 010.jpg (57896 Byte)  Laufenselden Lit 020a.jpg (180735 Byte)
     Rekonstruktion der Synagoge auf Titelbild 
zu einer Publikation (s.u.) 
     
Das Gebäude Kastellstraße 10
(Quelle: Literatur s.u.: Die Synagoge in Laufenselden)  
Laufenselden Synagoge 120.jpg (114082 Byte)  
  das an Stelle der Synagoge erbaute Wohnhaus Kastellstraße 10     
     
Gedenkstein für die frühere jüdische Gemeinde  Laufenselden Denkmal 8800.jpg (163593 Byte) Laufenselden Denkmal 8798.jpg (267231 Byte)
  Der Gedenkstein liegt gegenüber dem kommunalen Friedhof an der Berndrother Straße; Inschrift: "Zum Gedenken an die Jüdischen Mitbürger, die von 1664-1938 die Geschichte unseres Dorfes mitgeprägt haben. 9. November 1988. Die Bürger der Gemeinde".  
     
     
Laufenselden Denkmal 8807.jpg (119804 Byte)  Laufenselden Denkmal 8808.jpg (164923 Byte) Laufenselden Denkmal 8810.jpg (81071 Byte) Laufenselden Denkmal 8812.jpg (69106 Byte)
Oben: Denkmal für den Krieg 1870/71 
an der Kirche
  
Unter den Namen der Mitglieder des Kriegervereins finden sich auch u.a. die Namen der 
jüdischen Gemeindeglieder Siegmund Ehrenfeld und  David Ullmann 
     
Rechts: Denkmal für die Gefallenen der Weltkriege 
auf dem kommunalen Friedhof
 
Laufenselden Denkmal 8804.jpg (258034 Byte) Laufenselden Denkmal 8803.jpg (225161 Byte)
  Blick auf das Denkmal 
  
Unter den Gefallenen wird auch Max Lebrecht
 aus der jüdischen Gemeinde genannt  
     

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte
  

April 2012: "Stolperstein"-Verlegung für Manfred Ullmann in Wiesbaden 
Anmerkung: für Manfred Ullmann, dessen Großeltern David und Karoline Ullmann bis November 1938 in Laufenselden wohnten, wurde am 2. Mai 2012 ein "Stolperstein" in Wiesbaden, Emser Straße 5 verlegt. Manfred Ulmmann wurde 1943 nach Sobibor deportiert und ermordet.   
Artikel im "Wiesbadener Tagblatt" (Lokalausgabe) vom 24. April 2012: "Heidenrod. Stolperstein für Ullmann..."   
Stolperstein für Ullmann (Wiesbadener Tagblatt, 24.04.2012)   
 
Mai 2014: Nachkommen der Löwenstein (Laufenselden) auf Spurensuche  
Artikel von Robin Klöppel in der "Nassauischen Neuen Presse" vom 20. Mai 2014:  "Spurensuche in Mensfelden.
Yaron Arieli war zwar schon öfter in Deutschland, Mensfelden hat er aber nun zum ersten Mal besucht. Dort steht das Elternhaus seiner Großmutter. Gemeinsam mit seiner Frau Osnat war er jetzt aus Israel gekommen, um sich auf Spurensuche zu begeben..." 
Link zum Artikel     
Anmerkung: die Großmutter Minna Seemann wuchs zusammen mit ihrem Bruder Arthur in einem Haus in der Hehnerstraße (früher Neustraße, in der NS-Zeit Adolf-Hitler-Straße) in Mensfelden auf; ihre Eltern waren Israel und Amalie Seemann (Israel war in Mensfelden als Viehhändler tätig, Amalie hatte ein Manufakturwarengeschäft; Israel starb nach der Deportation über das Ghetto Theresienstadt im Vernichtungslager Treblinka; Amalie starb an Suizid 1940). Minna heiratete Max Löwenstein aus Laufenselden (im Zusammenhang mit einem NS-Prozess gegen ihn 1935 "gestorben") mit dem sie in Laufenselden lebte und drei Kinder hatte: Elsbeth (1920), Hannelore (1924) und Uri Kurt (1927). Minna Löwenstein geb. Seemann wurde 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Sie ist umgekommen. Tochter Elsbeth lebte Ende der 1930er-Jahre in England, von dort kehrte sie zu ihrer Mutter zurück, die zwischenzeitlich nach Frankfurt umgezogen war, bis ihr (Elsbeth) die Ausreise in die USA gelang (gest. 1995 als Elsie Dola); ihre Geschwister Hannelore und Kurt konnten nach Holland emigrieren, von wo Hannelore später auch deportiert und 1943 in Sobibor ermordet wurde; Kurt konnte nach Palästina emigrieren. Minnas Bruder Arthur, ebenfalls aus Mensfelden, konnte mit seiner Frau in die USA emigrieren.   

 
  
Links und Literatur   

Links:  

Website der Gemeinde Heidenrod 
Website des Heimatvereins Heidenrod  mit Seiten zur jüdischen Geschichte (im Aufbau) 
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Laufenselden (Ende 2014 bislang nur Foto der zerstörten Synagoge

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 480-481.  
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 132.  
Keine Artikel bei Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 298.  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 491.  
Laufenselden Lit 020.jpg (98323 Byte) Eva Göbel/Ruth Hengstenberg: Die Synagoge in Laufenselden. Hrsg. Forschungsgemeinschaft Jüdische Geschichte im Heimatverein Heidenrod. Heidenrod 2008.          
        
Presseartikel zum Erscheinen der o.g. Broschüre von Eva Göbel und Ruth Hengstenberg    
Artikel im "Wiesbadener Tagblatt" www.wiesbadener-tagblatt.de vom 30.8.2008 von Thorsten Stötzer:
Synagoge ging in Flammen auf - Broschüre über die Geschichte des jüdischen Sakralbaus in Laufenselden 
LAUFENSELDEN "Nichts im ganzen Ort deutet darauf hin, dass in der Kastellstraße eine kleine, aber durchaus stattliche Synagoge stand", schreiben Eva Göbel und Ruth Hengstenberg in einer Broschüre, die jetzt die "Forschungsgemeinschaft Jüdische Geschichte" im Heimatverein Heidenrod herausgegeben hat.  
Nicht einmal ein Bild existiere aus der Zeit, als der Sakralbau noch intakt war. Dafür gelingt es den Autorinnen, vor allem die Baugeschichte der Laufenseldener Synagoge zu rekonstruieren. Viele Zeichnungen und Faksimiles historischer Schriftstücke illustrieren in ihrem 30-seitigen Werk die Erläuterungen im Text. In den Jahren 1860 und 1861 ließ demnach die israelitische Kultusgemeinde das Gebäude errichten. Die Grundfläche entsprach mit gut 100 Quadratmetern etwa der eines modernen Wohnhauses. Laut den erhaltenen Entwürfen besaß die Synagoge eine Empore, insgesamt bot sie 97 Sitzplätze. Die Baukosten werden auf 5000 Gulden beziffert, weitgehend sicherten Kredite die Finanzierung. Auszüge aus einer Schulchronik informieren über die Einweihung mit dem zuständigen Bezirksrabbiner, Musik und "deutschem Festgesang". "Die Festveranstaltung wird mit derselben Sympathie beschrieben wie zum Beispiel eine Fahlerkerb. Offensichtlich konnte man sich gegenseitig respektieren", folgern Göbel und Hengstenberg. Zudem macht ihre Arbeit alte Namen lebendig. Ruben Heymann, Salomon Rosenthal und Mayer Löwenstein hießen führende Männer der jüdischen Gemeinde Laufenseldens, als Bürgermeister amtierte ein Einwohner namens Seibel.  Im Nationalsozialismus setzte dennoch bald organisierte Diskriminierung ein. Die Verfasserinnen belegen dies am Schicksal des Arztes Dr. Alfred Goldschmidt, der 1935 Wohnung und Beruf verlor und Notizen über einen "judenfreien Markt" in Laufenselden. Die Synagoge in der Kastellstraße wurde am 10. oder am 12. November 1938 in Brand gesteckt. 1949 fällte das Landgericht Wiesbaden darüber ein Strafurteil, die betreffende Akte ist aber nach Archivauskünften nicht mehr vorhanden. 1954 ging die ausgebrannte Synagoge endgültig in Privatbesitz über. Eine Sanierung erwog nach Erkenntnis der Autorinnen wohl niemand, heute steht an der Stelle ein Wohnhaus.  

    
       


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.  

Laufenselden (now part of Heidenrod) Hesse-Nassau. Established around 1712, the community opened a synagogue in 1861. There were 90 Jews (8 % of the total) in 1895. Affiliated with the Wiesbaden rabbinate, the community dwindled to 34 in 1933. The synagogue was destroyed on Kristallnacht (9-10 November 1938), and by April 1939 all the Jews had left.   
    
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 29. Juni 2016