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Limburg (ab 1998)
Limburg an der Lahn
(Kreis
Limburg-Weilburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Limburg bestand eine jüdische
Gemeinde lebten Juden bereits im Mittelalter. Urkundlich wird erstmals um
1278 "Abraham von Limburg genannt". In den folgenden
Jahrzehnten waren die Limburger Juden gegen Bezahlung einer festgesetzten
Pfandsumme, um die es immer wieder Streit gab, vom König an die Grafen von
Limburg oder an andere Herrschaften verpfändet. Die jüdischen Familien lebten
vor allem in der - 1353 erstmals genannten - "Judengasse"
(ehemals Querstraße zwischen der Barfüßergasse und der Oberen Fleischgasse,
1370: in vico iudeorum). Eine Synagoge wird bereits in der ersten
Hälfte des 13. Jahrhunderts erwähnt. Auch in der ersten Hälfte der 14.
Jahrhunderts wird mehrfach ein jüdisches Gotteshaus genannt (nahe dem Kloster
Bethlehem oder im unteren Teil der Judengasse). Dazu gab es ein rituelles
Bad (1334/36 genannt; in der Löhrgasse 8 oder Auf der Plötze 3) sowie ein
Tanzhaus bei der Synagoge (1336 genannt). Die jüdischen Familien lebten
insbesondere vom Geldhandel. Mehrere Rabbiner und Gelehrte in der Gemeinde
lassen sich nachweisen, insbesondere Jakob b. Uri, ein Verwandter R.
Meirs von Rothenburg, der auch als synagogaler Dichter in Erscheinung
trat.
1336-1338 kam es während der Armlederbewegung zur Verfolgung und zeitweisen
Vertreibung der Juden. Im Zusammenhang mit dieser Verfolgung steht ein 1957
gemachter Fund mittelalterlicher Goldmünzen und einer Goldklumpen, die damals
ein jüdischer Geldhändler in seinem Haus Bergstraße 1/Ecke Barfüßergasse
unter einer Steinplatte versteckt hatte.
Die Verfolgung während der Pestzeit 1348/49 führte zum Untergang der
jüdischen Gemeinde in Limburg. Erst am Ende des 14. Jahrhunderts lassen sich
wieder einzelne Juden in der Stadt nachweisen (Nachweis 1365). In den Jahren vor
1418/19 gab es - vor allem unter dem Schutz des Erzbischofs von Trier -
fünf jüdische Familien in der Stadt, die weiterhin vor allem vom Geldhandel
lebten. 1419 wurden die jüdischen Familien im Zusammenhang mit der Vertreibung
aus dem ganzen Erzstift auch alle Limburger Juden vertrieben. Die frühere
Judengasse wurde Ende des 15. oder Anfang des 16. Jahrhunderts beim Ausbau der
Barfüßergasse zugebaut und verschwand.
1511 wurde eine jüdische Familie für 10 Jahre in Limburg aufgenommen.
Im Dreißigjährigen Krieg waren - zwischen 1621 und 1629 - mehrere
jüdische Familien in die Stadt geflohen und konnten hier zumindest
vorübergehend bleiben. 1752 wurden sechs, 1765 acht jüdische Familien
gezählt. 1725 wurde eine Judenordnung für die in der Stadt lebenden Familien
erlassen.
Im Jahre 1800 bestand die jüdische Gemeinde in Limburg aus acht
Familien.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1842 60 jüdische Einwohner (in 14 Familien), 1871 106 (2,2 % von
insgesamt 4.794 Einwohnern), 1885 164 (2,5 % von 6.485), 1895 205 (2,7 % von
7,528), 1905 257 (2,8 % von 9.917), 1910 281 (in etwa 80 Familien, 2,6 % von
10.965).
Zur jüdischen Gemeinde Limburg gehörten im 19./20. Jahrhundert auch die in Staffel
(1842/42 5, 1924 6, 1932 3 Personen), Elz
(1932 4) und Dehrn (1842/43 41, 1905 16,
1924 4, 1932 2 Personen) lebenden jüdischen Einwohner.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule,
ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur
Besorgung religiöser Aufgaben war ein Lehrer angestellt, der zugleich
als Vorbeter und Schochet tätig war. 1843 wird als Teilnehmer einer
Lehrerkonferenz des Bezirksrabbinates Diez Lehrer Hofmann aus Limburg
erwähnt (siehe Bericht unten). An späteren Lehrern sind insbesondere zu nennen: Emmanuel
Blumenthal, der von 1872 bis 1915 - also 43 Jahre lang - in der
Gemeinde wirkte, sowie sein Nachfolger Julius Isaak, der bis 1935 in
der Gemeinde tätig war und dann nach Palästina auswandern konnte. Die Gemeinde gehörte nach 1843 zum Rabbinat Diez,
später zum Rabbinatsbezirk (Bad) Ems.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Moritz Beringer (geb.
11.9.1885 in Limburg, gef. 24.9.1915), Emil Kahn (geb. 11.8.1889 in Limburg,
gef. 13.4.1918), Gefreiter Ludwig Levi (geb. 10.12.1895, gef. 22.3.1918),
Unteroffizier Otto Löwenberg (geb. 23.4.1896 in Kördorf, gef. 24.3.1918), Siegmund Meyer
(geb. 22.3.1885 in Limburg, gef. 25.7.1918), Theodor Meyer (geb. 25.9.1894 in
Gemünden/Hunsrück, gef. 2.10.1915).
In den 1920er-Jahren gab es zahlreiche für das wirtschaftliche Leben der Stadt
bedeutende Geschäfte und Gewerbebetriebe im Besitz jüdischer Personen /
Familien. Ein Warenhaus war in jüdischem Besitz, dazu größere
Konfektionsgeschäfte (Rosenthal am Bahnhof; Löwenberg am Markt), ein großes
Schuhgeschäft (Adolf Königsberger), ferner Lederhändler,
Manufakturwarenhändler, eine Häute- und Fellhandlung, eine Seifensiederei und
mehrere Metzger. Es gab in der Stadt drei jüdische Ärzte (Dr. Löb, Dr.
Leibowitz und Dr. Weinhold) sowie drei jüdische Anwälte (u.a. Dr. Kanter,
Salfeld).
Um 1924, als 270 jüdische Personen in Limburg lebten (2,4 % von 11.501
Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Adolf Leopold, Moses Isselbacher,
Julius Faßbender, Emil Königsberger, Alfred Sternberg, Ludwig Rosenthal und
Fritz Oppenheimer. Als Lehrer, Kantor und Schochet war der bereits genannte
Julius Isaak tätig. An jüdischen Vereinen gab es insbesondere den Israelitischen
Wohltätigkeitsverein (gegründet 1891; 1924/32 unter Leitung von Hermann
Goldschmidt mit 70/72 Mitgliedern; Zwecke und Arbeitsgebiete: Krankenwache,
Unterstützung Hilfsbedürftiger, Speisung an Samstagen und Feiertagen), den
Israelitischen Frauenverein (gegründet 1889; 1924/32 unter Leitung von Frau
R. Heymann mit 75/85 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung
Hilfsbedürftiger), den Israelitischen Männerverein (Chevra) (1932 unter
Leitung von Hermann Goldschmidt; Zweck und Arbeitsgebiete: Wohlfahrtspflege,
Minjan bei Trauerfällen) und den Kinderhort (1924 unter Leitung von
Siegfried Lomnitz). 1932 war erster Gemeindevorsteher weiterhin Adolf
Leopold. Dem Vorstand gehörten sechs Personen an. Lehrer Isaak unterrichtete im
Schuljahr 1931/32 24 Kinder in Religion.
1933 lebten 244 jüdische Personen in Limburg (2,0 % von 12.007 Einwohnern).
In
den folgenden Jahren ist der Großteil von ihnen auf Grund der Folgen des
wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Im April 1937 lebten noch
154, im Dezember 1938 86, im September 1939 8 jüdische Einwohner in der Stadt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch den SS-Sturmbann II/78
angezündet. Sie ist völlig ausgebrannt. Mindestens sechs der noch bestehenden
jüdischen Gewerbebetriebe wurden durch SS-Leute und Limburger
Nationalsozialisten demoliert: der Damen- und Herrenkonfektionsbetrieb von G.
Löwenberg (am Markt, damaliger Adolf-Hitler-Platz 1), Schuhe und Schuhbedarf Arthur
Königsberger (Flathenbergstraße 2), Herrenbekleidung Hermann Sachs
(Grabenstraße 23), Sattlerwaren Adolf Wallenstein (Salzgasse 3), Pferdehandel
Friedrich und Isidor Beringer (Diezer Straße 11), Pferdehandel Louis Liebmann (Hahlgartenweg
1) oder von Hermann Liebmann (Westerwaldstraße 65). Viele der jüdischen
Einwohner sind in andere Orte verzogen (insbesondere nach Frankfurt) oder
konnten auswandern: 30 emigrierten in die USA, 19 nach England, acht nach
Palästina, fünf nach Mittel- und Südamerika, neun nach Holland, je vier nach
Frankfurt und Belgien, je einer nach Dänemark und Luxemburg. Die letzten
jüdischen Einwohner wurden 1941 und 1942 von Limburg aus über Frankfurt
deportiert. Nachdem auch die in "Mischehe" lebenden jüdischen
Personen deportiert worden waren, lebten am 10. Juli 1943 in Stadt und Kreis
Limburg keine jüdischen Personen mehr.
Von den in Limburg geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Sabina Benzion geb.
Liebmann (1871), Auguste Beringer geb. Kahn (1862) Moritz Blumenthal (1879),
Johanna David geb. Sternberg (1873), Gerda Dua geb. Kaiser (1903), Ilse
Friedländer (1906), Fanny Goldberg geb. Leobowitz (1876), Hedwig Goldschmidt
(1881), Salli Heymann (1887), Franziska Hirsch (1879), Johanna Hirsch (1893),
Adolf Isselbacher (1878), Sara (Selma) Isselbacher geb. Faber (1886), Albert
Kahn (1891), Jenny Kahn geb. Löwenstein (1891), Elise Kaiser geb. Sternberg
(1866), Frieda Kaiser geb. Schönfrank (1901), Heinrich Kaiser (1876), Josef
Kaiser (1896), Ricka Kaiser geb. Schönfrank (1866), Salomon Kaiser (1870),
Gertrude Lehmann geb. Sternberg (1897), Lina Lehmann geb. Mayer (1882), Martha
Lenz geb. Sternberg (1878), Margot Regina Leopold (1912), Rosa Leopold geb.
Hecht (1887), Hedwig Levi (1885), Hermann Liebmann (1884), Irma Lion geb.
Sternberg (1889), Ilse Löwenberg (1902), Martha Margo geb. Sternberg (1893),
Auguste Margulies geb. Lomnitz (1898), Abraham (Adolf) Metzger (1876), Auguste
K. Metzger geb. Sonnenberg (1874), Lina Meyer geb. Blumenthal (1875), Hermann
Minc (1926), Liane Moses (1928), Margarete Moses geb. Simon (1900), Julie Nathan
(1867), Johanna Neufeld geb. Sachs (1900), Siegbert Philipp (1922), Ida
Rosenthal geb. Aumann (1885), Max Rosenthal (1892), Berta Schaumburger geb.
Rosenthal (1864), Rolf Simon Schaumburger (1936), Melina (Melanie) Sittenberg
geb. Strauss (1882), Ferdinand Stern (1926), Babette Sternberg geb. Mayer
(1870), Hugo Max Sternberg (1884), Moritz Sternberg (1879), Hermann Strauss
(1891), Irma Irene Strauss geb. Isselbacher (1908), Selma Sussmann geb.
Gerolstein (1889), Grete Wolf geb. Nathan (1903), Ilse Wolf geb. Stiefel (1909),
Simon Walter Wolf
(1929).
Aus Dehrn ist umgekommen: Settchen Karoline (Elise, Elisa) Goldschmidt
geb. Sternberg (1863), Hedwig Kohlmann geb. Salomon (1884), Lina Wolff geb. Levi
(1872).
Aus Staffel ist umgekommen: Hedwig Loeb (1903).
Zur Seite über die neue jüdische Gemeinde in
Limburg (ab 1998)
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
es konnten noch nicht alle Bericht abgeschrieben werden - bei Interesse
zum Lesen bitte Textabbildungen anklicken
Allgemeine Berichte
Allgemeine Gemeindebeschreibung (1936)
Artikel
im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom
Oktober 1936 S. 31: Limburg. Kreisstadt mit 12.000 Einwohnern. 1277
Stadt, lange kurtrierisch, dann nassauisch, 1866 preußisch. Seit 1821
Bischofssitz. - 1349 Juden-Verfolgung, nicht Ausrottung, denn 1370 erhält
Meyer von Leyenburg Niederlassungsrecht für Bacharach, Heidelberg oder sonst wo
am Rhein. Im 16. Jahrhundert Synagoge, 1867 wird die evangelische Kirche
in der 'Erbach' Synagoge, 1903 ersteht der heutige stattliche Kuppelbau in
der Unteren Schiede. Damals zählt die Gemeinde 230, 1932 rund 270, zur
Zeit etwa noch 180 Seelen. Sie gehört zum Bezirksrabbinat Ems. - Die älteste
Synagoge, im Keller des Fassbenderschen Hauses am Fischmarkt noch
kenntlich, besonders die Frauengalerie. - Der Dom, siebentürmig, 1230
vollendet; die Altstadt mit Rathaus, dem 'Walderdorffer Hof' usw. sind
Juwele, die der als Jude geborene Limburger Leo Sternberg in Rüdesheim,
katholischer Schriftsteller, Heimat- und kirchliche Dichter, in seinem
Buch 'Limburg als Kunststätte' sachverständig gewürdigt hat. - In 1
Stunde lohnender Lahnwanderung nach Diez...." |
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1871 /
1915
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. August 1871:
"Die hiesige Lehrer- und Kantorstelle, verbunden mit Schächten, mit
einem Gehalt von 400 Gulden, ist zu besetzen. Reflektierende wollen sich
an den Kultusvorsteher M. Fulda wenden.
Limburg a.d.Lahn, 17. Juli 1871." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Januar 1915:
"Die Kultus-Gemeinde Limburg (Lahn) sucht per 1. April dieses Jahres
einen seminaristisch und musikalisch gebildeten
Lehrer, der zugleich Vorbeter und Schochet
sein muss. Gehalt Mark 2.400.- und ca. Mark 800.-
Nebeneinkommen. Die Stelle ist pensionsberechtigt. Reichsangehörige
Bewerber wollen ausführlich Meldung an den Unterzeichneten richten.
Der
Kultus-Vorsteher. Niclas." |
Generalversammlung des "Vereins israelitischer
Lehrer im ehemaligen Herzogtum Nassaus" in Limburg (1898)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. August
1898: |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1898: |
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Generalversammlung des "Vereins israelitischer
Lehrer im ehemaligen Herzogtum Nassau" in Limburg (1908)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 4. Dezember 1908: "Limburg a. Lahn. Verein israelitischer Lehrer
im ehemaligen Herzogtum Nassau, e.V. - Am 18. November, Buß- und Bettag,
fand ausnahmsweise eine außerordentliche Generalversammlung hier statt.
Erschienen waren ca. 22 Kollegen und die zwei Ehrenvorsitzenden des
Vereins, Rabbiner Dr. Landau - Weilburg und Dr. Weingarten - Ems. Der
neugewählte Rabbiner in Wiesbaden, Dr. Kober, war nicht erschienen,
entschuldigt hatten sich Rabbiner a.D. Dr. Silberstein - Wiesbaden und
mehrere Kollegen.
Kollege Nußbaum - Wiesbaden, der Vorsitzende, eröffnete die Versammlung
mit einer Begrüßungsansprache und begründete die Einberufung der
diesmaligen außerordentlichen Generalversammlung damit, dass die am 7.
Juni dieses Jahres vorgenommene Vorstandswahl vom Königlichen Amtsgericht
in Wiesbaden nicht genehmigt worden ist, weil sie auf Grund des neuen,
behördlicherseits noch nicht bestätigten Status erfolgte. Es musste
daher eine Neuwahl auf Grund des Statuts vorgenommen werden. Den neuen
Satzungen wurde, nachdem sie nochmals umgeändert wurden, von der
Versammlung zugestimmt. In den Vorstand wiedergewählt wurden die
Kollegen: Nußbaum - Wiesbaden, Capell - Wiesbaden, Thalheimer - Wallau,
Oppenheimer - Hadamar, Alt - Diez
und neugewählt als Beisitzer die Kollegen Blum - Usingen und Frank - Idstein.
Die eigentlichen beiden Hauptpunkte der Tagesordnung waren hiermit
erledigt. Es folgten Kassenangelegenheiten.
Für den 4. Punkt der Tagesordnung 'Freie Besprechungen' standen mehrere
Anträge auf der Tagesordnung. Zunächst wurde eine Auskunftsstelle für
den Verein gegründet. Dem Kollegen Ucko - Ems
wurde die Auskunftei übertragen; Vertrauensleute aus jedem
Rabbinatsbezirk wurden diesem zur Seite gestellt. Ferner wurde auf
Anregung Rabbiner Dr. Weingarten - Ems beschlossen, eine Lehrerbibliothek
ins Leben zu rufen. Diese soll die neuesten Werke, die auf pädagogisch-
und religiös-wissenschaftlichem Gebiete des Judentums erscheinen,
enthalten und den Vereinsmitgliedern zur Verfügung gestellt werden.
Hierauf wurde 3-gliedrige Kommission gewählt.-
Sehr rege verlief der 5. und letzte Punkt der Tagesordnung: 'Chasonusübungen'.
Mehrere Kollegen beteiligten sich hieran und fanden durch ihre Rezitative,
so vor allem die Kollegen: Nußbaum und Bluhm - Wiesbaden und Hanauer - Nassau,
den allseitigen Beifall der Versammlung. Im Anschlusse hieran regte der
Vorsitzende die Einrichtung eines allgemeinen Fortbildungskursus für
Chasonus und in religionswissenschaftlichen Disziplinen an. Eine Einigung
darüber konnte aber nicht erzielt werden und so wurde beschlossen, die
Frage zur Schaffung eines bezüglichen Fortbildungskursus als ersten und
wichtigsten auf die Tagesordnung der nächstjährigen Konferenz zu setzen.
- U. -". |
Generalversammlung des "Vereins israelitischer
Lehrer im ehemaligen Herzogtum Nassau e.V." (1909)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 19.
November 1909: |
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Lehrer Emmanuel Blumenthal tritt in den Ruhestand
(1915)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April
1915: "Limburg, 1. April (1915). Herr Emmanuel Blumenthal, der
Lehrer der jüdischen Kultusgemeinde in Limburg, verließ am 31. März
seine Berufstätigkeit. Er begann seine Laufbahn im Jahre 1865 in Meudt,
von wo er nach fünfjähriger Wirksamkeit nach Holzappel übersiedelte;
seit 1872, volle 43 Jahre lang, lebt und arbeitet er in unserer Stadt. Als
der Jubilar die hiesige Stellung antrat, war die Gemeinde noch gering an
Zahl. Seitdem wuchs sie mit der aufblühenden Stadt; heute zählt sie 80
Familien, und ihre Synagoge ist eine Zierde des Straßenbildes. Unserer
Kultusgemeinde war Herr Blumenthal seit mehr als einem Menschenalter
Lehrer, Religionslehrer, Erzieher. Die Gegenwart ist zu öffentlichen
Festlichkeiten nicht geeignet. Deshalb beschränkte die Kultusgemeinde
sich auf eine offizielle Beglückwünschung im Hause des Jubilars und auf
die Überreichung eines entsprechenden wertvollen
Andenkens." |
Einladung zur Mitglieder-Versammlung des "Vereins
der israelitischen Lehrer im ehemaligen Herzogtum Nassau" nach Limburg
(1927)
Anzeige in der "Jüdischen Wochenzeitung für Wiesbaden und
Umgebung" vom 4. November 1927: |
25-jähriges Amtsjubiläum von Lehrer Julius Isaak
(1929)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März
1929: "Limburg (Lahn), 26. März (1929). Am 1. April geht
Herr Lehrer Isaak die Feier seines 25-jährigen
Amtsjubiläums." |
Verleumdungen im "Frankfurter Beobachter"
gegen Lehrer Isaak (1929)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni
1929: "Frankfurt am Main. Der 'Frankfurter Beobachter' brachte
einen Artikel, in dem schwere Beleidigungen gegen den jüdischen Religionslehrer
Isaak aus Limburg erhoben wurden. Dem Religionslehrer wurde u.a. auch
nachgesagt, dass er sich im Kriege gedrückt habe. Nach eingehender
Verhandlung stellte das Gericht fest, dass die Behauptungen haltlos seien
und verurteilte den mehrfach wegen Beleidigung vorbestraften Gutterer zu
einer Gefängnisstrafe von sechs Wochen." |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Über die Situation der jüdischen Gemeinden - Bericht
anlässlich einer Lehrerversammlung des Bezirksrabbinates Diez in Limburg (1847)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Dezember
1847: "Von der Lahn (Nassau), im November (1847). Während es
sich in den intelligenten Kreisen des Judentums aller Orten regt und
bewegt, überall das Streben nach zeitgemäßem Fortschritt sich
offenbart, sollte man glauben, dass nach der Seltenheit zu schließen, in
welcher öffentliche Blätter unsere Gegend erwähnen, die Israeliten des
von der Natur so reich gesegneten Nassau mit ihrem religiösen Leben noch
in der Lethargie des Mittelalters sich befänden. Und dem ist nicht so.
Auch hier ist seit dem Erscheinen der Reskripte hoher Landesregierung vom
3. August 1842 und vom 3. Februar 1843, welches Letztere die Organisation
der Rabbinate bestimmt, ein regerer Geist erwacht. Die Herren Rabbinen
haben, wenn auch sukzessive, dem Prinzipe der vernünftigen Reform Geltung
verschafft und haben im Allgemeinen keinen ungünstigen Boden gefunden.
Krasser Orthoxismus ist es übrigens nicht, was ihnen entgegenstand,
sondern mehr jener Feind, der schon mehr Unheil gestiftet hat, als der
Letztere: ich meine den Indifferentismus. Sie haben aber redlich
gekämpft, wacker gearbeitet und manches Schöne zur Wirklichkeit
gebracht. Bei den Meisten blieben freilich diese Reformen, zunächst was
den Gottesdienst betrifft, bei ihrem Wohnorte stehen. Wir wollen darüber
nicht rechten, und diese Herren kennen wahrscheinlich ihre auswärtigen
Gemeinden besser, als Referent. Die größte Ausdehnung hat die
gottesdienstliche Regenration bisher im Rabbinatsbezirke Diez unter
den Auspizien des Herrn Rabbiners Dr. Wormser erlangt. Die einer traurigen
Vergangenheit angehörenden Gebetsstücke sind entfernt, viele Piutim
abgeschafft, an die Stelle der Mi Scheberach ('der gesegnet hat...'),
des Jekum Purkan (Erlösung komme...) etc. entsprechende
deutsche Gebete adoptiert, an den meisten Orten Choralgesang und überall
Konfirmation eingeführt, und überhaupt dem Gottesdienst eine würdigere
Gestaltung gegeben. Mit rühmlichem Eifer stehen Herrn Dr. Wormser die
Lehrer seines Bezirks zur Seite, und dieses Zusammenwirken hat bereits
eine schöne Frucht getragen. Am |
15.
September dieses Jahres wurde nach eingeholter Genehmigung hoher
Landesregierung, die gern alles Gute fördert, die erste Konferenz der
Lehrer abgehalten. Zu der Versammlung, die in Limburg stattfand und
von Herrn Dr. Wormser mit einer kurzen, herzlichen Ansprache eröffnet
wurde, worin er eine Parallele zwischen dem früheren und heutigen
Zustande der Synagoge zog, waren die Herren: Bernheim von Holzappel,
Burger von Wied-Selters, Dickstein von Heringen, Freund aus Hahnstätten,
Hofmann von Limburg, Kahn von Hadamar,
Rosenbau von Hachenburg, Schloß von Langendernbach,
Schnattinger von Mogendorf und Wormser von Diez, gekommen. Die Leitung der
Verhandlungen wurde Herrn Dr. Wormser und das Sekretariat dem Lehrer
Hofmann übertragen. Man entwarf die Statuten, denen zufolge die
jährliche wiederkehrende Konferenz gemeinschaftliche Angelegenheiten der
Schule und Synagoge bespricht ($ 1), die Orte Limburg, Diez, Hadamar,
Hachenburg, Montabaur und Selters zu abwechselnden Konferenzorten bestimmt
wurden (§ 6(, eine Konferenzklasse gegründet (§ 7), von jedem Lehrer
jährlich ein pädagogisches oder liturgisches Thema schriftlich
auszuarbeiten und von der Konferenz zu besprechen ist (§ 9), subjektive
Fragen aus derselben entfernt bleiben und nur objektive zur Verhandlung
kommen (§ 10) und ein Leseverein gegründet wurde, dessen Objekte
jüdisch-religiöse und literarhistorische Zeitschriften sind (§§ 11, 12
und 13). Dies der kurze Überblick der Statuten, soweit sie hierher
gehören.
Die Verhandlungen zeugten von einem lebendigen Streben nach geistigem
Fortschritte, wovon schon die diesmal vorgelesenen Arbeiten Beweis gaben.
Die Hauptresultate der Konferenz waren:
Die Einführung deutscher Übersetzung und Erklärung der Haftarot,
die Beschlussnahme zur Zirkulation eines deutschen Gebetbuchs behufs
späterer Einführung und die Einführung einer Leichenordnung. Was die
Schule betrifft, so wurde namentlich der Mangel passender biblischer
Geschichten für Kinder von 8-10 Jahren beklagt, und da das bisher
eingeführte Flehinger'sche Werkchen als ungenügend erkannt wurde, auf
den Vorschlag eines Mitglieds eine Kommission, bestehend aus den Lehrern
Freund, Rosenau und Hofmann, gewählt, die ein von Herr Dr. Wormser
verfasstes Manuskript mit Erklärungen aus der Heiligen Schrift
entsprechend für die Schule umzuarbeiten und der nächsten Konferenz
vorzulegen haben.
Vor Allem tut nun eine sofortige Besetzung der vakanten Lehrerstellen Not,
deren es in dem hinsichtlich der Seelenzahl im Vergleich zu den übrigen
Rabbinaten bedeutendsten Rabbinatssprengel Diez dermalen leider nicht
weniger als sieben gibt. Woher dieser Lehrermangel? wird mancher fragen.
Wir können nur das antworten, dass weder Regierung noch Gemeinden der
Aufnahme von Lehrern abhold sind, ja es wird deren Mangel, und dies
besonders von Seiten der Herren Rabbinen - denn auch in den anderen
Rabbinatsbezirken des Herzogtums sieht's zum Teil nicht viel besser aus -
tief beklagt. Möchte dieser Übelstand zum Heile der Gemeinden bald
beseitigt werden!" |
Anschlag auf einen Festball der jüdischen Gemeinde
(1880)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. Oktober
1880: "Man schriebt aus Limburg an der Lahn vom 3. Oktober: Am
27. September dieses Jahres hatten die hiesigen Israeliten im Hill'schen
Saale einen Festball veranstaltet, welcher auch von auswärtigen
Israeliten und einigen Christen besucht war. Die Polonaise hatte kaum
begonnen, da spürten die Anwesenden im Tanzsaal einen penetranten Geruch,
es entstand ein allgemeines Niesen, Husten, Tränen der Augen usw. Die
Polonaise musste unterbrochen werden, beim Nachsehen fand man
Pfefferkörner im Tanzsaale ausgestreut. Erst nach Öffnung der Fenster,
Lüftung des Tanzsaales und Aufziehen des Fußbodens gelang es, den
Tanzsaal und die Luft darin zu reinigen, sodass der Ball fortgesetzt
werden konnte. Der Gegenstand, welcher vermutlich bei Beginn des Tanzes in
dem Saale war ausgestreut worden, war spanischer Pfeffer. Man soll dem
Täter dieses Bubenstreiches auf der Spur sein." |
Ausschreibung der Seligmann Löb'schen Stiftung (1888)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Dezember
1887: "Seligmann Löb'sche Stiftung zu Limburg.
Durch Ableben des Bezirks-Rabbiners Herrn Dr. Wormser sind die Zinsen von
einem Kapital von 1.000 Gulden an einen mit dem Talmud vertrauten
Verwandten des Stifters zu ergeben.
Berechtigte Bewerber wollen sich unter Darlegung ihres
verwandtschaftlichen Verhältnisses bis zum 7. Januar 1888 an den
Unterzeichneten wenden.
Limburg a.d. Lahn, 7. Dezember 1887. Samuel Rosenthal."
|
Betreuung der Kriegsgefangenen im Lager
Limburg-Dietkirchen (1915)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. April
1915: |
Ein jüdischer Jugendbund wird begründet (1921)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Februar 1921: "Limburg
a.d. Lahn, 25. Januar (1921). Herr Lehrer Isaak rief am hiesigen Platze
einen Jugendbund ins Leben. Die Gründung erfolgte am 16. Januar dieses
Jahres. Nach einer begeisternden Begrüßungsrede des Herrn Isaak, hielt
Herr Hans Adler, Frankfurt am Main, einen fesselnden Vortrag über 'Den
neuen Geist der Jugend'. Reiches Beifall bewies, wie sehr die Worte beider
Redner auf fruchtbaren Boden gefallen waren. Dem Vorstand gehören die
Damen: V. Lomnitz, H. Behr und die Herren: I. Faßbender, M. Sternberg und
F. Leopold an. Dem neuen Verein traten sofort über hundert Mitglieder
bei. Wöchentliche Vortrags- und Heimabende sollen das Interesse für alle
jüdischen Fragen wachhalten." |
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Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 4. Februar 1921:
Derselbe Text wie in der Zeitschrift "Der
Israelit" |
Über den "Landesverrat" von Limburger Viehhändlern - eine
antisemitische Verleumdung (1924)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17.
Juli 1924: "Ein misslungener Verleumdungsfeldzug. Der
'Landesverrat' der Limburger Viehhändler. Am 25. August und 7.
September vorigen Jahres brachten die 'Frankfurter Nachrichten' unter der
Überschrift 'Unwürdiges Verhalten' und 'Französische
Vergeltungsmaßnahmen' größere Notizen, nach denen vier jüdische
Viehhändler, Sally Landau, Sally Heilbronn, Salomon Hofmann aus Nassau
an der Lahn und Emil Strauß aus Miehlen
im Taunus wegen Benutzung des Regiezuges auf der Strecke nach Limburg
am Bahnhof Eschhofen wegen ihres undeutschen Verhaltens verprügelt worden
und darauf nach Limburg zurückgelaufen seien, um die französische
Besatzungsbehörde mobil zu machen. Das Verhalten dieser vier Viehhändler
habe angeblich zur Besetzung des Lahntales geführt. Diese Pressenotiz,
deren Unrichtigkeit für jeden, der die Viehhändler und die Verhältnisse
kannte, auf der Hand lag, hatte sich wie ein Lauffeuer durch beinahe
sämtliche deutsche Zeitungen verbreitet und war insbesondere von den
völkischen Zeitungen in gehässigster Weise gegen die 'jüdischen
Landesverräter' ausgeschlachtet worden. Den Viehhändlern selbst waren
Drohbriefe aller Art zugegangen, sodass sie in ständiger Beunruhigung
lebten. Die Aufnahme der pressegesetzlichen Berichtigung, die sofort in
die Wege geleitet worden war, haben die 'Frankfurter Nachrichten' ohne
Angabe von Gründen abgelehnt; einer ihrer Redakteure ist deshalb auch
verurteilt worden. In dem gegen die beiden verantwortlichen Redakteure
Hecht und Weinschenk angestrengten Prozess hat sich auch nicht der
Schatten eines Beweises für die Behauptungen der Zeitung ergeben. Die
Angeklagten mussten vor dem Amtsgericht Frankfurt zugeben, dass sie die
fragliche Notiz auf Grund einer Information der Frankfurter
Eisenbahndirektion gebracht hätten, dass aber weder die
Eisenbahndirektion in der Lage ist, den Beweis der Wahrheit für ihren
Inhalt zu erbringen, noch dass sie selbst irgendwelche Anhaltspunkte
hätten, die die Information der Eisenbahndirektion bestätigen würden.
Die Redakteure haben die Erklärung unter dem Ausdruck des Bedauerns
abgegeben, die Kosten der beiden gegen die erhobenen Privatklagen übernommen
und sich mit der Veröffentlichung des Vergleiches in zwei Zeitungen
einverstanden erklärt." |
Konzert des Frankfurter Kammerchors in der Synagoge
(1934)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
9. Mai 1934: "Limburg, 24. April (1934). Auf Veranlassung des
Central-Vereins (Ortsgruppe Limburg) gab der unter Leitung des Herrn Dr.
Ehrenreich stehende Frankfurter Kammerchor am 15. April in der von Fremden
und Einheimischen dicht gefüllten Synagoge ein Konzert. Namens des
Central-Vereins begrüßte Herr Otto Faßbender die Zuhörer und
den Chor. Dann sprach Herr Rabbiner Dr. Laupheimer, Bad
Ems, einige kurze treffliche Worte über das Wesen jüdischer Kunst.
Chor und Solisten gaben Darbietungen von hohem künstlerischem Rang. Man
hörte deutsche geistliche Gesänge (Psalmen 42, 43 und 100), einige
hebräische Chöre und jüdische Volkslieder. Dr. Ehrenreich
leitete mit sicherer Stabführung die glänzend einstudierten Chöre. Die
Klavierbegleitung lag bei Herbert Fromm, dessen 'Nigunim'
beachtliches Können zeigten, in guten Händen. Vielleicht wäre es
angebracht gewesen, die jüdische Komponente durch Vermehrung des
hebräischen und jüdischen Programmteils noch mehr zu betonen. Der Abend
wurde den Hörern zu einem Erlebnis, das starke musikalische Eindrücke
vermittelte, die noch lange nachklingen werden. J." |
Prozess wegen Totschlags eines jüdischen Viehhändlers
vor dem Limburger Schwurgericht (1934)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
29. November 1934: "Limburg (Lahn), 17. November (1934). Vor
dem Schwurgericht hatte sich der frühere Kassengehilfe Peter Rössel
aus Montabaur wegen Totschlags zu verantworten. Er hatte am 19.
Juni den Viehhändler Simon Isselbächer aus Isselbach
derart mit einem Gewehrschaft auf den Kopf geschlagen, dass dieser nach
mehreren Tagen den erlittenen Verletzungen erlag.
Der Angeklagte hatte nach Verlassen einer Wirtschaft unverständliche
Äußerungen getan, war nach Hause gegangen, hatte dort eine
Kleinkaliberbüchse geholt und traf dann mit dem Viehhändler, den er gar
nicht kannte, auf der Straße zusammen, der dort auf ein Auto wartete. Erst
wollte er auf den Viehhändler schießen, aber das Gewehr war nicht
geladen. Darauf schlug er dem Viehhändler mit dem Gewehrschaft auf den
Kopf.
Für die Anklage wegen Totschlags wurde zwar dem Angeklagten
Schuldausschließung nach $ 51 (Bewusstlosigkeit oder krankhafte Störung
der Geistestätigkeit des Täters) zugebilligt. Das Gericht
verurteilte ihn jedoch zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis wegen Alkoholmissbrauchs.
In der Urteilsbegründung heißt es, dass es bei der Tat nicht darauf
angekommen sei, dass es sich um einen Juden gehandelt habe. Rössel
habe den erstbesten Menschen, der ihm entgegengekommen sei, in seinem
Zustande zusammengeschlagen." |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Zum Tod der Lehrerwitwe aus Gladenbach Rosa
Rosenzweig (1934)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Februar 1934: "Gladenbach,
29. Januar (1934). Am Samstag, den 20. Januar verschied Frau Rosa
Rosenzweig in Limburg, wohin sie vor einem Jahr zu ihren
Kindern übersiedelt war, nach kurzem Krankenlager in ihrem 75.
Lebensjahre. Sie war die Gattin des vor zehn Jahren zur ewigen Ruhe
heimgegangenen Lehrers und Kantors J. Rosenzweig, dessen 40-jährige
Wirksamkeit in unserer Gemeinde heute noch unvergessen ist. Auf ihren
Wunsch wurden ihre sterblichen Überreste in der Heimaterde an der Seite
ihres Gatten zur letzten Ruhe bestattet. Herr Provinzialrabbiner Dr.
Cohn, Marburg, widmete der
Verstorbenen einen Nachruf, in dem die Vorzüge dieser edlen Frau in
lebenswahrer Darstellung geschildert wurden. Im Namen der Familie rief der
Schwiegersohn der Verblichenen Worte des Dankes und der Liebe ihr nach.
Das Andenken der Verstorbenen wird in der Gemeinde Gladenbach unvergessen
bleiben." |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige des Kurz- und Galanteriewarengeschäftes Hermann Herz
(1891)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
28. Mai 1891:
"Suche für mein Kurz- und
Galanteriewarengeschäft en gros einen Lehrling mit guter
Schulbildung zum sofortigen Eintritt.
Limburg a.d. Lahn. Hermann Herz." |
Anzeige des Schuhwarengeschäftes Julius Levy (1901)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1901:
"Lehrmädchen
für mein Schuhwarengeschäft unter günstigen Bedingungen gesucht
Julius Levy Limburg an der Lahn." |
Anzeige des Manufaktur- und Modewarengeschäftes Gebr. Simon
(1901)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
12. August 1901:
"Lehrmädchen
aus guter Familie per sofort gesucht.
Gebrüder Simon,
Manufaktur- und Modewaren, Limburg an der Lahn." |
Eine Schabbeslampe wird angeboten (1902)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
2. Januar 1902:
"Eine Schabbeslampe
ist der schönste Zimmerschmuck und sollte daher niemand der
geehrten Leser, der Sinn für einen
antiken altjüdischen Schmuck
hat, versäumen, diese Zierde eines jeden Haushalts zu bestellen.
Wegen der wundervollen Ausführung, eignet sich die Schabbeslampe als
vornehmstes Geschenk.
Preis 16 Mark, inkl. Halter.
Cassa nach Erhalt, nichtkonvenierendes franco zurück.
Bestellungen erbeten an
Postfach 4, Limburg a. Lahn". |
Anzeige des Manufaktur-, Herren- und Damen-Konfektionsgeschäftes G. Löwenberg
(1908)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1908:
"Suche für mein Manufaktur-, Herren- und
Damen-Konfektionsgeschäft einen
Lehrling
mit guter Schulbildung.
Limburg an der Lahn.
G. Löwenberg". |
Anzeige der Leder-, Sattler- und Polstermaterialien en
gros-Handlung Adolf Leopold (1912)
Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 28. Juni 1912:
"Lehrling gesucht.
Adolf Leopold, Leder-, Sattler- und Polstermaterialien en gros, Limburg
(Lahn)." |
Todesanzeige für Settchen Goldschmidt geb. Leopold
(1924)
Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des
"Central-Vereins") vom 21. Februar 1924: "Nach kurzer
Krankheit verschied unerwartet meine liebe, gute Frau, unsere treusorgende
Mutter, Großmutter, Schwester und Tante, Frau
Settchen Goldschmidt geb. Leopold im Alter von 56 Jahren.
In tiefer Trauer:
Moses Goldschmidt Sally Goldschmidt Otto Metzger
und Frau geb. Goldschmidt.
Holzhausen (Haide), Limburg (Lahn), Mainz, den 4. Februar
1924. |
Zur Geschichte der Synagogen
Bereits im Mittelalter gab es eine Synagoge in der
Stadt (siehe im Text oben).
Im 18. und bis nach der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Beträume in
jüdischen Häusern oder anderen Gebäuden für die Gottesdienste eingerichtet
(nach Arnsberg I,493 gab es zeitweise im Keller eines Hauses am Fischmarkt, dem
ehemaligen Fassbenderschen Haus, einen solchen Betraum).
1867 bot sich der jüdischen Gemeinde die Gelegenheit, die frühere
Kapelle im Limburger Hof des Zisterzienser-Klosters Eberbach zu erwerben. Diese
Kapelle hatte nach Auflösung des Zisterzienserklosters einige Zeit als
Salzmagazin gedient und war nach Gründung einer Evangelischen Gemeinde in
Limburg von 1831 bis 1866 evangelische Kirche. Nach dem Umbau zur Synagoge
verfügte sie über 80 Sitzplätze.
Eine frühere katholische Kapelle,
dann evangelische Kirche soll als Synagoge verwendet werden (1867)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11.
September 1867: "Limburg a.d. Lahn. Nicht allein die
Schicksale der Menschen sind vielfachen Wandlungen unterworfen, sondern
oft auch leblose Gegenstände. Hier existiert eine ursprüngliche
katholische Kapelle, die später außer Gebrauch gekommen, als Salzmagazin
benutzt wurde. Als sich hier eine kleine evangelische Gemeinde ansiedelte,
wurde derselben diese ehemals katholische Kapelle zu kirchlichen Zwecken
überlassen. Im Laufe der Zeit wurde diese der größer werdenden
evangelischen Gemeinde zu klein, sodass sie eine neue Kirche baute und
jene Kapelle wiederum leer steht. Jetzt nun geht die israelitische
Gemeinde mit dem Gedanken um, die erwähnte Kapelle zu erwerben und eine
Synagoge daraus zu bauen." |
Nicht nur in Limburg, sondern auch in
anderen Orten, u.a. in Coburg kam es im 19. Jahrhundert vor, dass ehemalige
Kirchen zu Synagogen umgebaut wurde, was damals auch als "schöner Erfolg
der humanitären Bestrebung" und als ein "Fortschritt wirklicher
Bildung und Aufklärung" gedeutet wurde, wo aus dem nachfolgen Artikel in
der orthodox-jüdischen Zeitschrift "Der Israelit"
hervorgeht:
Über die in Coburg und Limburg zu Synagogen umgebauten Kirchen (1878)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Oktober 1878: "In
Coburg hat sich, ebenfalls seit der Freizügigkeit, um die
ursprünglich sehr kleine Stammgemeinde eine zahlreiche israelitische
Einwohnerschaft, gleich der ersteren aus sehr achtungswerten Mitgliedern
bestehend, angesammelt. Die gesamte israelitische Einwohnerschaft der
Stadt beziffert sich jetzt auf etwa 70 Familien. Es befindet sich alldort
eine von einem tüchtigen Lehrer geleitete israelitische Religionsschule
und eine schöne, doch der Gemeinde nicht eigentümlich angehörende
Synagoge. Die Stadt hat nämlich der israelitischen Gemeinde eine
Überkomplete
Kirche leihweise, zum Zwecke des Gottesdienstes, gratis zur Verfügung
gestellt, welche von der Gemeinde als Synagoge eingerichtet worden ist.
Die Stadt hat sich sogar bereit erklärt, den Israeliten die Kirche gegen
billigen Kaufpreis gänzlich abzutreten, und der Kauf würde sich auch
bereits vollzogen haben, wenn nicht der Umstand, dass die betreffende
Kirche nicht innerhalb, sondern in einiger Entfernung außerhalb der Stadt
liegt, der Gemeinde einiges Bedenken erregte, da der Besuch des
Gottesdienstes leicht dadurch leiden könnte. Ein ähnliches Verhältnis
habe ich bis jetzt nur in Limburg an der Lahn, in der Provinz
Nassau, gefunden. Hier hat nämlich die israelitische Gemeinde eine mitten
in der Stadt gelegene hübsche kleine Kirche zu sehr mäßigem Preise
gekauft und sich zu einer stattlichen Synagoge eingerichtet. Es liegt in
solchen Vorkommnissen sicher eine sehr erfreuliche Toleranz seitens der
Christen, eine achtungsvolle Würdigung unseres Bekenntnisses, ein
schöner Erfolg der humanitären Bestrebung und ein Fortschritt wirklicher
Bildung und Aufklärung. Welch ein Umschwung der Zeiten. In Spanien hat
man einst die schönsten Synagogen in Kirchen verwandelt; jetzt
überlässt man den Juden gernwilllig überkomplete Kirchen zur Übung des
jüdischen Gottesdienstes. Solche Erscheinungen trösten für manche
Unbill und lassen uns bei Allem und trotz Allem doch hoffnungsvoll in die
Zukunft blieben. Außer dieser findet sich aber noch eine recht schöne
Synagoge in Coburg. Es ist das ein eigentümliches Verhältnis. Es wohnten
früher nur wenige Juden daselbst. Zu den ältesten dortigen Familien
gehört die Familie S., zu welcher auch der Kommerzienrat S. und noch
mehrere dieses Namens gehören. Da sie früher fast die einzigen
israelitischen Einwohner der Stadt und sehr wohlhabend waren, haben sie
sich eine schöne Synagoge gebaut und einen eigenen Totenhof angelegt. Im Herzogtum
Coburg-Gotha herrscht kein Gemeindezwang. Als sich daher nach
eingeführter Freizügigkeit in Coburg durch Zuzug von außen eine
zahlreiche israelitische Einwohnerschaft zusammenfand und sich zu einer
Gemeinde konstituierte, schloss sich derselben die genannte Familie nicht
an und behielt nach wie vor ihren eigenen Gottesdienst bei, sowie auch
ihre eigene Begräbnisstätte, während der Hauptgemeinde von der Stadt
ein Teil des allgemeinen Totenhofes zugewiesen worden ist. Das hier
Berichtete fordert ebenfalls zu einem Vergleiche zwischen sonst und jetzt
auf, der aber für uns ein wenig erfreuliches Resultat liefert. Die kleine
Familie S. fand sich einst religiös angeregt und opferfreudig genug, eine
schöne Synagoge zu ihrem |
gottesdienstlichen
Gebrauche zu erbauen; die aus zahlreichen und wohlhabenden Mitgliedern
bestehenden Gemeinden in Eisenach, Gotha und Meiningen haben sich bis zu
diesem Opfermute noch nicht erheben können. Wie erbärmlich erscheint die
kleinliche materielle Denkweise unserer jetzigen Generation gegen die
begeisterungsfähigen Gesinnungen früherer Geschlechter. Die Coburger
Israeliten zählen zu ihren Angehörigen zwei Kommerzienräte und einen
Geheimen Kommerzienrat. Auf Veranlassung des Herrn Lehrers Oppenheim
alldort hat sich vor einiger Zeit ein israelitischer Frauenverein zu
wohltätigen Zwecken in Coburg gebildet, der sich bereits einer
zahlreichen Mitgliedschaft erfreut und eine ersprießliche Wirksamkeit
entfaltet." |
Offenbar wurde die Synagoge in der früheren christlichen Kapelle sehr schnell
als Provisorium auf dem Weg zu einer der Größe der jüdischen Gemeinde
entsprechenden repräsentativen Synagoge angesehen. Mit ihren 80 Sitzplätzen
war die Synagoge in der früheren Kapelle vor allem zu den
Feiertagsgottesdiensten viel zu klein. Bereits in den 1890er-Jahren lassen sich
mancherlei Aktivitäten in der Gemeinde feststellen mit dem Ziel, alsbald eine
neue Synagoge bauen zu können:
Vereinsaktivitäten zugunsten der neu zu erbauenden
Synagoge (1893)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. März
1893: "Limburg a.d. Lahn, 22. März (1893). (Aus dem
jüdischen Vereinsleben). Es wurde hier vor 3 Jahren ein jüdischer Verein
gegründet, der den doppelten Zweck verfolgt, Geselligkeit unter den
Gemeindemitgliedern zu pflegen und andererseits wohltätig zu wirken. In
Erstrebung seiner Ziele veranstaltet der Verein an den jüdischen
Freudetagen Festlichkeiten und Verlosungen, deren Erlös an arme
Glaubensgenossen unserer Umgegend regelmäßig verteilt wird. Am
diesmaligen Purimfeste feierte der Club unter zahlreichen Beteiligungen
sämtlicher Konfessionen sein IV. Stiftungsfest. Unter anderem kam auch
bei dieser Gelegenheit ein noch nicht im Druck erschienenes Lustspiel in 4
Akten von M.A. Lazarus, (ein Onkel des Vereinsmitgliedes H. Adolf Michel)
zur erstmaligen Aufführung, welches reichen Beifall erntete, auf
vielseitigen Wunsch soll das Stück zum Besten einer hier neu zu
erbauenden Synagoge, die hoffentlich nach streng traditionellen
Vorschriften eingerichtet wird, nochmals aufgeführt
werden." |
Zum Neubau der Synagoge sollen Kredite aufgenommen werden
(1896)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
25. Juni 1896: "Die Synagogen-Gemeinde Limburg an der Lahn
beabsichtigt zu dem Neubau einer Synagoge 40-50 Mille, gegen genügend
solvente Bürgschaft, aufzunehmen.
Offerten erbittet
Jacob Meyer, I. Vorsteher." |
Es dauerte über 10 Jahre, bis die neue Synagoge der Stadt im September 1903
feierlich eingeweiht werden konnte. Sie war nach Plänen von Architekt Spahr
aus Marburg erbaut worden und hatte 201 Plätze für Männer sowie 104 für die
Frauen. Rechts neben dem Synagogengebäude wurde eine Mikwe erstellt. Über dem
Eingang der Synagoge war als Portalinschrift aus Psalm 118 zu lesen: "Dies
ist das Tor des Herrn. Gerechte ziehen durch es hinein". Die Mikwe war
durch den damaligen Gemeindevorsteher Jakob Meyer finanziert worden. Er setzte
sich auch dafür ein, dass in der Synagoge keine Orgel eingebaut worden
ist.
Die Einweihung der Synagoge steht bevor (September
1903)
Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt"
vom 4. September 1903: "Limburg (Lahn), 23. August (1903). Die
Einweihung der neu erbauten Synagoge findet Samstag, 5. September,
statt. Anlässlich derselben plant die israelitische Gemeinde am Vorabend
einen Festzug mit Musik durch die Stadt, darnach Konzert im 'Preußischen
Hof''. Am eigentlichen Festtage soll außer der gottesdienstlichen Feier
nachmittags ein Kinderfest mit Konzert und abends ein Ball in der
"Alten Post" stattfinden." |
Einweihung der neuen Synagoge (September
1903)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
10. September 1903: "Limburg a.d. Lahn, 6. September
(1903). Gestern und heute feierte die hiesige israelitische Gemeinde die
Einweihung ihrer neuen Synagoge. Nach einigen Abschiedsworten des Herrn
Rabbiners Dr. Weingarten von Ems setzte
sich der imposante Festzug, voran die 88. Kapelle, weiß-gekleidete
Mädchen, die Schuljugend, Geistlichkeit, der Synagogenchor, der Architekt
und die Bauhandwerker, in Bewegung. Unter einem Baldachin schritten,
umgeben von kränzetragenden Mädchen, die Toraträger, ihnen folgten eine
Menge hiesiger und auswärtiger Festteilnehmer. In dem Zuge bemerkte man
u.a. die Herren Geheimer Regierungsrat Rabe, Major und Bezirkskommandeur
Hasse, Erster Staatsanwalt Settegast (bekannt aus dem Konitzer Prozess),
Pfarrer Obenaus, Bürgermeister Kauter und sämtliche
Magistratsmitglieder, Ehrenbürger und Bürgermeister a.D. Schlick,
Stadtverordneten Vorsteher Brand und sämtliche Stadtverordneten
u.a.m.
Am Portale der neuen Synagoge angelangt, überreichte die
Schlüsselträgerin dem Herrn Architekten Spahr von Marburg den
Schlüssel, welcher denselben Herrn Bürgermeister Kauter übergab, und
letzterer Herrn Bezirksrabbiner Dr. Weingarten mit dem Wunsche, dass das
neue Gotteshaus zum Segen und Wohle der hiesigen Gemeinde, der Stadt und
des ganzen Vaterlandes gedeihen möge. Nach dem Eintritt in die Synagoge
erscholl 'Gesegnet seien, die da kommen' usw. Der vortrefflich geschulte
Chor sang meisterhaft 'Wie herrlich und lieblich sind deine Zelte Jakob':
Hierauf zündete Herr Dr. Weingarten die ewige Lampe an. In fast 1
1/2-stündiger, formvollendeter und wohldurchdachter Rede behandelte Herr
Dr. Weingarten das Thema, dass die Kultusstätte früher von den Patriarchen
Berg, Feld und Haus genannt wurde. Sodann ermahnte Dr. Weingarten auch die
Nichtjuden zu achten und zu ehren, da wir alle den einen Zweck verfolgen,
Gott zu ehren. Mit einem Gebet für den Kaiser und das kaiserliche Haus
schloss Herr Dr. Weingarten, und hinterließ diese oratorische Leistung
einen großartigen und erhebenden Eindruck auf alle Teilnehmer. Mit der Hymne
'Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre' schloss die offizielle Feier. Nach
einer halbstündigen Pause fand der Abendgottesdienst statt. In
liebenswürdigster Weise übernahm Herr Kantor Weißmann aus Frankfurt am
Main auf Einladung der Gemeinde die Sologesänge und überraschte alle
durch seine wohltönende und wohlklingende Stimme, die in dem neuen
Gotteshause vollkommen zur Geltung kam. Abends um 9 Uhr fand im
'Preußischen Hof' Militärkonzert, mit einem sorgfältig ausgewählten
Programm statt. Hier begrüßte Herr Lomnitz die erschienen Gäste,
insbesondere die Ehrengäste und Vertreter der Behörden. Herr Rabbiner
Dr. Weingarten brachte den Kaisertoast aus und stimmten die Anwesenden die
Nationalhymne an. Weiter toastete Herr Stadtverordneter Rosenthal auf
Architekt, Bauhandwerker und Baukommission. Herr Bürgermeister Kauter auf
die Israelitische Gemeinde, Herr Dr. Landau auf den Festausschuss, Herr
Niclas auf den Chor, Herr Stadtverordnetenvorsteher Brand auf die Damen.
Am Samstag Morgen 9 Uhr fand der Hauptgottesdienst statt, wobei Herr
Kantor Weißmann die Sologesänge rezitierte, unter wackerer Beihilfe des
Chors. Damit auch die Kinder zu ihrem Recht kamen, fand nachmittags ein
wunderschönes Kinderfest statt, und man konnte es den Kindern an ihren Gesichtern
ablesen, dass es sie voll befriedigte. Abends 9 Uhr fand in der Alten Post
ein Festbankett statt und erwiesen sich die großen Räume viel zu klein.
Rühmend hervorzuheben ist, dass die Bürger wetteiferten, durch Beflaggen
ihrer Häuser die Feststimmung zu heben, und haben die Bewohner der Stadt
Limburg erwiesen, dass sie in einer Stadt der Toleranz wohnen.
N." |
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Artikel in der
"Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. September 1903:
"Die Israelitische Gemeinde zu Beuel hat am 28. vorigen Monats, die
Gemeinde zu Limburg am 6. dieses Monats ihre neue Synagoge
eingeweiht." |
Nur 35 Jahre blieb die Limburger Synagoge Zentrum des jüdischen Gemeindelebens
in Limburg
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
durch durch den SS-Sturmbann II/78 angezündet. Sie ist völlig ausgebrannt.
Die Brandruine wurde beseitigt, das Grundstück neu bebaut.
1981 wurde am Standort der ehemaligen Synagoge eine Gedenktafel
angebracht.
Zur neuen Synagoge der jüdischen Gemeinde (2009
eingeweiht) siehe weitere Seite.
Adressen/Standorte der Synagogen:
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Synagoge
von 1903: Untere Schiede 27
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Fotos
(Quelle: sw-Darstellungen: Stadtarchiv Limburg; neuere
Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 23.08.2009)
| Die alte
Synagoge |
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Blick von der Lahnbrücke auf
den Dom, rechts unterhalb - an der Kirchturmspitze erkennbar - die
ehemalige alte Synagoge / Kapelle |
Blick vom "Römer"
auf die
ehemalige alte Synagoge
/ Kapelle |
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Blick auf die Kapelle -
frühere Synagoge |
Hinweistafel auf die heutige
Nutzung als
"Evangelisch-lutherische St.-Johanneskapelle" |
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| Die neue Synagoge von 1903 |
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| Darstellungen der
ehemaligen Synagoge |
Innenansicht der Synagoge |
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| Der Synagogenstandort
im Sommer 2009 |
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| Der
Synagogenstandort im Sommer 2009 |
Die Gedenktafel |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| November 2010:
Gedenkveranstaltung zur Zerstörung der Synagoge
1938 |
Artikel in der "Nassauischen Neuen
Presse" vom 9. November 2010 (Artikel):
"An die Opfer erinnern, Nach der Pogromnacht kam der Dr. Sally Leibowitz ins KZ
In der Nacht vom 9. auf 10. November 1938 brannten die Synagogen, gab es organisierte Gewalt gegen jüdische Bürger. Die Erinnerung daran wurde gestern Abend in der Johanneskapelle und auf der Schiede wach gehalten.
Limburg. 'Nach einem Zählappell marschierten wir zum Bahnhof', schreibt Dr. Sally Leibowitz in seinen Erinnerungen an den 9./10. November 1938 in Limburg.
'Links und rechts von uns standen Einwohner der Stadt. Einige in betroffenem Schweigen, viele aber
verspotteten uns, ja spukten sogar auf uns. Und unter den Marschierenden sahen viele von diesen Zuschauern einen Arzt, der sie und ihre Familien 24 Jahre lang betreut hatte.
' Der Arzt, das war Sally Leibowitz..." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,1 S. 484-488; III,1 S.
746-748. |
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 491-494. |
 | ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder -
Dokumente. S. 134. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. |
 | dies.: Neuauflage der vorgenannten Bücher 2007. S.
228-230. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 135-137. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 496-497. |
 | Limburg
im Fluss der Zeit. Schlaglichter aus 1100 Jahren Stadtgeschichte.
Limburg 2010 (Beiträge zur Geschichte der Kreisstadt Limburg a.d. Lahn
Bd.1). ISBN 978-3-936162-08-0. 29 €. Erhältlich im Stadtarchiv Limburg.
Adresse: Mühlberg 2 (Schloss) 65549 Limburg a. d. Lahn Tel.: 06431-932367.
Fax: 06431-5843947. E-Mail
Darin enthalten sind drei Beiträge zur jüdischen Geschichte der
Stadt:
- Dorothea Putziger: Jeder darf wieder frei bei uns kaufen. Die Geschichte von "Geschwister Mayer". Ein jüdisches Kaufhaus in Limburg an der Lahn
1902-1935. S. 589-624.
- Christa Pullmann: Bürger auf Widerruf. Die Juden in Limburg zwischen den
Weltkriegen. S.625-649.
- Helmut Zimmermann: Returned to Limburg after the holocaust. Der jüdische Arzt Dr. Philipp Weinholt kehrte 1953 in seine Heimatstadt zurück. Versuch eines
Portraits. S. 679-694. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Limburg Hesse-Nassau. Jews
living in Limburg founded a community but fell victim to the Black Death
persecutions of 1348-49. The community which was established later worshiped in
a disused church from 1867 until 1903 - when it dedicated a big new synagogue -
and numbered 181 (3 % of the total) in 1910. Under the Weimar Republic, branches
of the Central Union (C.V.) and Jewish War Veterans Assiciation were active.
From 244 in 1933, the community dwindled to 67 in November 1938. SS troops
organized a pogrom shirtly before Kristallnacht (9-10 November 1938), and
burned down the synagogue. Men, women, and children, were imprisoned. Altogether,
79 Jews emigrated and 117 moved to other German cities; at least 20 perished in
the Holocaust.

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