Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Isselbach (VG Diez, Rhein-Lahn-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betstube

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen    
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
   
In Isselbach bestand eine kleine jüdische Gemeinde im 19. Jahrhundert. Die am Ort lebenden Juden gehörten meist zur Gemeinde in Holzappel, hatten jedoch zeitweise einen eigenen Betraum am Ort.
  
Bereits im 14. Jahrhundert gab es Juden am Ort. Seit 1319 siedelte der Erzbischof von Trier einige Juden auf seinen Besitzungen an (darunter auch in Isselbach), um den Handel zu beleben.  
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1843 19 jüdische Einwohner, 1905 37. 
  
1843 bildeten die in Holzappel, Isselbach, Dörnberg, Langenscheid und Eppenrod eine gemeinsame Synagogengemeinde mit Sitz in Holzappel.   

An Einrichtungen hatte die jüdische (Filial-)Gemeinde Isselbach eine Betstube (s.u.). Die in Isselbach verstorbenen jüdischen Personen wurden auf dem Friedhof in Holzappel beigesetzt.  
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus Isselbach der Gefreiter Albert (Adolf) Isselbächer (geb. 22.8.1892 in Isselbach, vermisst seit 21.2.1916).
       
Um 1924, als 30 jüdische Einwohner in Isselbach gezählt wurden, waren zwei der drei Gemeindevorsteher in Holzappel aus Isselbach: neben Sigmund Löwenthal aus Holzappel waren dies Jacob Isselbächer I und Isaak Isselbächer aus Isselbach. Den Religionsunterricht der jüdischen Kinder erteilte Lehrer Nehemias Alt aus Diez. 1932 waren die Gemeindevorsteher der Gemeinde Holzappel Josef Rosenthal (1. Vors.) aus Holzappel, dazu Jakob Isselbächer I (Isselbach, 2. Vors.), Isaak Isselbächer (3. Vors. Isselbach). Im Schuljahr 1931/32 erhielten acht jüdische Kinder der Gemeinde Religionsunterricht. Er wurde weiterhin durch Lehrer Nehemias Alt aus Diez erteilt. 1932 wurden in Isselbach 26 jüdische Einwohner gezählt.        
  
Nach 1933
ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: etwa 25 Personen) auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Häuser der jüdischen Familien von SA-Leuten überfallen, die Bewohner teilweise schwer misshandelt und die Wohnungen demoliert und geplündert. Vier ältere Ehepaare wurden am 12. Februar 1941 in "Judenhäuser" nach Frankfurt verschickt und von dort später deportiert. 

Von den in Isselbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Klara Henoch geb. Isselbächer (1862), Amalie (Malchen, Julie) Isselbächer geb. Simon (1890), Betty Isselbächer geb. Tannewald (1886), Blanka Isselbächer geb. Schönberg (1899), Emma Isselbächer geb. Stein (1875), Erwin Albert Isselbächer (1922), Helga Isselbächer (1927), Helmut Isselbächer (1921), Ignatz Isselbächer (1899(, Isidor Isselbächer (1895), Jakob Isselbächer (1883), Jakob Isselbächer (1875), Julius Isselbächer (1880), Mathilde Isselbächer geb. Löwenstein (1893), Amalie (Malchen) Katz geb. Isselbächer (1882), Ricke Katz geb. Isselbächer (1885), Selma Marx geb. Isselbächer (1889).  
   
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde     
      
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Prozess wegen Totschlags des jüdischen Viehhändlers Simon Isselbächer aus Isselbach (1934)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. November 1934: "Limburg (Lahn), 17. November (1934). Vor dem Schwurgericht hatte sich der frühere Kassengehilfe Peter Rössel aus Montabaur wegen Totschlags zu verantworten. Er hatte am 19. Juni den Viehhändler Simon Isselbächer aus Isselbach derart mit einem Gewehrschaft auf den Kopf geschlagen, dass dieser nach mehreren Tagen den erlittenen Verletzungen erlag
Der Angeklagte hatte nach Verlassen einer Wirtschaft unverständliche Äußerungen getan, war nach Hause gegangen, hatte dort eine Kleinkaliberbüchse geholt und traf dann mit dem Viehhändler, den er gar nicht kannte, auf der Straße zusammen, der dort auf ein Auto wartete. Erst wollte er auf den Viehhändler schießen, aber das Gewehr war nicht geladen. Darauf schlug er dem Viehhändler mit dem Gewehrschaft auf den Kopf.  
Für die Anklage wegen Totschlags wurde zwar dem Angeklagten Schuldausschließung nach $ 51 (Bewusstlosigkeit oder krankhafte Störung der Geistestätigkeit des Täters) zugebilligt. Das Gericht verurteilte ihn jedoch zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis wegen Alkoholmissbrauchs. In der Urteilsbegründung heißt es, dass es bei der Tat nicht darauf angekommen sei, dass es sich um einen Juden gehandelt habe. Rössel habe den erstbesten Menschen, der ihm entgegengekommen sei, in seinem Zustande zusammengeschlagen."     

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge                 
    
Die jüdischen Familien in Isselbach können eigene Gottesdienst abhalten (1904)  

Holzappel Israelit 29081904.jpg (100004 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1904: "Isselbach, 25. August (1904). Seit mehreren Jahren war die hiesige Gemeinde gezwungen, allsabbatlich dem Gottesdienst in dem benachbarten Holzappel beizuwohnen, da sie keine eigene Torarolle besaß. Vor Jahresfrist jedoch wurde der Gemeinde eine gebrauchte Torarolle zum Geschenk gemacht, worauf dieselbe nun in einem eigenen Lokale einen separaten Gottesdienst abhalten konnte. Als jedoch vor kurzem der Bezirksrabbiner, Herr Dr. Weingarten - Ems, diese Torarolle für unbrauchbar erklärte, scheute die Gemeinde kein Opfer und ließ bei der Firma A. Rotschild - Frankfurt am Main ein neues Sepher (Torarolle) anfertigen. Die Einweihung ging am vergangenen Freitag-Nachmittag in Gegenwart aller Mitglieder der hiesigen, sowie der Holzappeler Gemeinde vor sich. Die Gemeinde Isselbach kann bei der geringen Anzahl ihrer Mitglieder stolz auf die Erwerbung dieses Sepher sein. Jedenfalls liefert es den Beweis von ihrer Opferwilligkeit in religiösen Dingen. 
Kantor Israel Tuch, Holzappel."        

Wie lange in der Isselbacher Betstube Gottesdienste abgehalten wurden, ist nicht bekannt.   
  
  
Adresse/Standort der Synagoge:   unbekannt    
  
  
Fotos    

Abbildungen zur jüdischen Geschichte in Isselbach 
(aus der Sammlung von Claus Peter Beuttenmüller)   
 Isselbach Jakob und Hermann Isaak.jpg (203865 Byte)  Isselbaecher 1913 Ausschnitt.jpg (81461 Byte)
  Foto der Viehhändler Jakob und Hermann Isaak 
beim Verkauf von Vieh in Niederelbert um 1920  
Unterschrift von David Isselbächer aus Isselbach
 unter einem privaten Schreiben von 1913  

     
      

Links und Literatur

Links: 

Website der VG Diez  

Quellen:   

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Gemünden / Wohra und umliegenden Orten   
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Gemünden/Wohra sind u.a. vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,354   Sterberegister der jüdischen Gemeinden in Gemünden / Wohra und in Holzappel  1824 - 1843; enthält Sterberegister der Juden aus Gemünden/Wohra, Dodenhausen, Grüsen und Schiffelbach, 1824 - 1844 sowie Sterberegister der Juden aus Holzappel, Isselbach und Langenscheid, 1917 - 1938.  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v2924801          

 Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 384-385 (innerhalb des Abschnittes zu Holzappel)  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 438-439 (innerhalb des Abschnittes zu Holzappel).   
Franz Gölzenleuchter: Sie verbrennen alle Gotteshäuser im Lande (Psalm 74,8). Jüdische Spuren im Rhein-Lahn-Kreis - Jahrzehnte danach. Limburg 1998. S. 86-90.   
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 189 (bei Holzappel).  

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Holzappel  Hesse-Nassau. In 1843, the Jews of Holzappel, Isselbach, and three other villages established a community, which numbered 67 in 1905. On Kristallnacht (9-10 November 1938), 15 Jews remained in Holzappel (and approximately the same number in Isselbach). At least 12 perished in the Holocaust. 
      
       

                   
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Stand: 25. Juli 2017