Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Villmar mit Ortsteil Aumenau und Schadeck (Stadt Runkel) (Kreis Limburg-Weilburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)        
    
In Villmar bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück.    

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1823 12 jüdische Familien, 1843 68 jüdische Einwohner, 1871 71 (3,6 % von insgesamt 1.992 Einwohnern), 1885 62 (3,0 % von 2.077), 1895 61 (3,0 % von 2.049), 1905 50 (2,4 % von 2.054).  
  
Zur jüdischen Gemeinde Villmar gehörten seit der Ende des 19. Jahrhunderts auch die in Runkel (zuvor selbständige Gemeinde), Schadeck und Aumenau lebenden jüdischen Personen. 
   
1841 nahmen die jüdischen Familien in Villmar folgende Familiennamen an: Seligmann Isaak: Ackermann, Hirsch Feist: Saalberg; weitere Familiennamen waren Bürger, Leopold, Blum, Frank, Löwenthal, Sternberg, Neuberger, Rosenberg, Gerolstein, Lichtenstein u.a.m. 
  
An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und ein Friedhof (zunächst Beisetzungen in Arfurt, dann auf einem eigenen Friedhof in Villmar). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). Der Lehrer war auch für die in umliegenden Orten lebenden Familien/Kinder zuständig: 1868 war ein gemeinsamer Schulverband der jüdischen Gemeinden Villmar, Runkel sowie Weyer und Münster gebildet worden. Sitz des Schulverbandes war Villmar, die anderen Orte waren seitdem Filialorte zu Villmar (siehe bei den Ausschreibungstexten unten ab 1890). Unter den jüdischen Lehrern war 1896 Simon Ackermann tätig (stammte aus Hermeskeil, nach 1896 Lehrer in Simmern im Hunsrück).    
  
Als die Zahl der jüdischen Kinder auch in Villmar zurückging (nach 1900), wurde der Unterricht durch einen auswärtigen Lehrer erteilt. Ob die Lehrerstelle überhaupt nach 1901 (letzte Ausschreibung, siehe unten) nochmals besetzt werden konnte, ist nicht bekannt. Im Bericht über den 1922 verstorbenen Leopold Herz (s.u.) ist davon die Rede, dass dieser "lange Jahre in der lehrerlosen Zeit" den Vorbeterdienst versehen habe.      
  
Die jüdischen Haushaltsvorstände verdienten ihren Lebensunterhalt als Viehhändler, Kaufleute, Landwirte, Pferdehändler, Bäcker, Schuster, Metzger und Getreidehändler. 
   
Um 1924 wurden noch 40 jüdische Einwohner gezählt (1925 35, d.h. 1,8 % von insgesamt 1.962 Einwohnern); zur Gemeinde gehörten die vier in Aumenau, vier in Runkel und vier in Schadeck lebenden jüdischen Personen. Damals waren die Gemeindevorsteher Isidor Gutheim und Isac Ackermann. Als Schochet war Ludwig Herz tätig. Den Religionsunterricht der damals fünf schulpflichtigen jüdischen Kinder der Gemeinde erteilte Lehrer Siegmund Bravmann aus Weilburg. An jüdischen Vereinen gab es insbesondere den Wohltätigkeitsverein (1924 unter Leitung von Max Frank). Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Weilburg. 1932 waren die Gemeindevorsteher: Isidor Gutheim (1. Vors.), Isac Ackermann (2. Vors.) und Ludwig Rosenthal (3. Vors.). Im Schuljahr 1931/32 gab es noch sechs schulpflichtige jüdische Kinder in der Gemeinde.     
   
1933 lebten noch 35 jüdische Personen am Ort (1,5 % von 2.405 Einwohnern). Zur Gemeinde gehörten weiterhin drei in Aumenau, vier in Runkel und fünf in Schadeck lebende jüdische Personen.
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (meist in die USA). Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört (s.u.), die jüdischen Männer in das Gefängnis nach Diez gebracht. Josef Ackermann und die Brüder Heinrich und Sally Rosenthal wurden in das KZ Buchenwald verschleppt, wo Sally am 28. Dezember 1938 umgekommen ist. 1939 wurden noch 22 jüdische Einwohner gezählt (1,0 % von 2.108 Einwohnern). Die letzten sechs jüdischen Einwohner wurden von Villmar deportiert (darunter die zuletzt in der Kaiserstraße 35 lebende Familie Ackermann: Josef, Berta und Leopold Ackermann) sowie die Familie Löwenstein. 
Der letzte Gemeindevorsteher Isidor Gutheim ist 1942 in Bad Wildungen auf der Straße erschlagen worden (Grab auf dem jüdischen Friedhof Ungedanken).  
                 
Von den in Villmar geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Berta Ackermann geb. Adler (1890), Josef Leo Ackermann (1885), Leopold Ackermann (1922), Rosa Blum geb. Saalberg (1869), Cäcilie (Zessi) Forst (1897), Betty Frank geb. Ackermann (1885), Isidor (Israel) Gutheim (1865), Fred S. Isenberg (1935), Gertrud Isenberg geb. Bär (1912), Flandine Kahn geb. Saalberg (1864), Irma (Irene) Liebmann geb. Isenberg (1896), Berta Löwenstein geb. Saalberg (1884), Berta Löwenstein geb. Isenberg (1902), Lotte Löwenstein (1936), Rudolf Löwenstein (1901), Siegbert Löwenstein (1937), Lucie Nathan geb. Isenberg (1901), Johanna Rosenthal geb. Eisenthal (1875), Salomon (Salli) Rosenthal (1897), Hermann Saalberg (1869), Isidor Saalberg (1871).   
  
Von den in Aumenau geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Isidor Frank (1881), Salli Frank (1883), Johanna Strauß geb. Frank (1884).   
   
Aus Schadeck werden keine Personen in diesen Listen genannt.   
    
Auf dem jüdischen Friedhof in Villmar befindet sich ein Gedenkstein mit den Namen der zwischen 1933 und 1945 ermordeten jüdischen Einwohner des Ortes.    
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1872 / 1890 / 1892 / 1893 / 1901

Villmar Israelit 31071872.jpg (33574 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Juli 1872: Die hiesige Lehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle mit einem jährlich fixierten Gehalte von 400 Gulden wird bis zum 1. Oktober laufenden Jahres vakant. Bewerber wollen sich brieflich wenden an J. Ackermann, Vorsteher. Villmar, den 26. Juli 1872."  
 
Villmar Israelit 13031890.jpg (53250 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. März 1890: "Die Lehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle zu Villmar a.L. und Filialorten wird mit dem 1. April laufenden Jahres vakant. Jährlicher Gehalt 600 Mark, nebst 200 Mark Nebenverdienste. Qualifizierte Bewerber (Unverheiratet) wollen sich melden bei Vorsteher Wolf Ackermann."    
 
Villmar Israelit 20091892.jpg (38166 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. September 1892: "Die Gemeinde Villmar a.d. Lahn mit Filialorten sucht per 22. Oktober einen unverheirateten Lehrer, Vorbeter und Schächter. Gehalt 600 Mark, Nebenverdienst 200 Mark. Meldungen richte man an den Vorstand Wolf Ackermann."  
 
Villmar Israelit 18051893.jpg (40042 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Mai 1893: "Die Gemeinde Villmar a.d. Lahn mit Filialorten sucht per sofort einen unverheirateten Lehrer, Vorbeter und Schächter. Gehalt 625 Mark. Nebenverdienst 200 Mark. Meldungen richte man an den Vorstand Wolf Ackermann."   
 
Villmar Israelit 10011901.jpg (51291 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Januar 1901: "Vakanz
Die Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle zu Villmar a. Lahn und Filialorten ist sofort zu besetzen. Fixes Gehalt inklusive Mark 100, vom deutsch-israelitischen Gemeindebund Mark 750, Nebeneinkommen ca. Mark 250. Inländische unverheiratete Bewerber wollen unter Einsendung ihrer Zeugnisse sich wenden an H. Cron, Kultusvorsteher."  
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1901: "Vakanz. Die Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle zu Villmar a. Lahn und Filialorten ist sofort zu besetzen. Fixes Gehalt inkl. Mark 100, vom deutsch-israelitischen Gemeindebund Mark 750, Nebeneinkommen ca. Mark 250. Inländische unverheiratete Bewerber wollen unter Einsendung ihrer Zeugnisse sich wenden an den Kultusvorsteher 
Lehmann Saalberg
."     
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. November 1901: "Die Stelle eines Religionslehrers, mit welcher die Funktionen eines Kantors und Schächters verbunden sind, ist in Villmar (Kahn) per sofort oder später zu besetzen. Einkommen einschließlich der Nebeneinkünfte 1100 bis 1200 Mark. 
Der Kultusvorstand: Lehmann Saalberg
."     

     
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Olga Ackermann geb. Löb (1922)

Villmar Israelit 13071922.jpg (123284 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juli 1922: "Villmar, 10. Juli (1922). Eine herrliche Frau haben wir heute hier unter überaus starker Beteiligung zu Grabe getragen. Frau Olga Ackermann geb. Löb ist, kaum sechzigjährig, in Homburg, wo sie Heilung gesucht hatte, ihrem Leiden erleben. Wer die Liebe und nie versagende Güte dieser Frau gekannt, weiß, was der Gatte, die Kinder und Enkel wie die Gemeinde verloren haben. Eine ideal veranlagte Natur, ein für alles Edle, Gute und Schöne warm schlagendes Herz, war sie der treue Schutzengel der Ihren und über deren Kreis hinaus erstreckte sich ihre liebende Fürsorge auf alle, die ihrer Hilfe und ihres Rates bedurften. Mit ihrer tiefen, schlichten Frömmigkeit wusste sie ihr Haus an der Seite ihres wackeren Gatten zu einem jüdischen Heiligtum zu gestalten, wo schwere Schickungen in Gottergebenheit überwunden und Glück in Bescheidenheit und Dankbarkeit gegen Ihn genossen wurden. Am Freitag Abend wurde sie sanft in die Ewigkeit hinübergeleitet. Ihre letzte Mizwohtat war das Lichtentzünden, wie ihr ganzes Leben ein Lichtspenden war; ihre letzte Freude, die an ihren Enkelkindern, die gerade gekommen waren, um die Großmutter zu besuchen; mit segnend ausgebreiteten Händen sank sie dahin in die Arme des Gatten und der Tochter. Möge dieser letzte Muttersegen erhaltne und ihr Geist des Hauses Hüter sein, dass Kraft und Trost den Gatten, Kindern und Enkeln wird im Angedenken an die Unvergessliche. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

    
Zum Tod von Leopold Herz (1922)  

Villmar Israelit 06041922.jpg (133938 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. April 1922: "Villmar a.d. Lahn, 27. März (1922). Unserer Besten einen haben wir, früher als wir es ahnen konnten, zur letzten Ruhe gebettet. Leopold Herz ist im Alter von erst 63 Jahren im Jüdischen Krankenhaus zu Frankfurt am Main, wo er Heilung suchte, seinem Leiden erlegen. Leopold Herz gehörte zu denen, die in schwerer Zeit all ihre Mühe und Kraft darein setzten, die Gemeinde als solche zu erhaltne. Ein Mann von echter schlichter Frömmigkeit, versah er lange Jahre in der lehrerlosen Zeit den Vorbeter- und Balkorehdienst mit Sachkunde und Innigkeit, wie sie ihresgleichen suchte. Mit seiner Ehrlichkeit und Redlichkeit in Handel und Wandel, mit seinem freundlichen Wesen und der ihm eigenen Herzlichkeit bei der Ausübung von Wohltaten und Gastfreundschaft, erwarb er sich die Liebe und Verehrung aller, und rührend war die tiefe Teilnahme, die die Todeskunde hier überall, bei Juden und Nichtjuden erweckte. Trotz der umständlichen reise war bei der Beerdigung, die auf dem Friedhof der Jüdischen Gemeinde zu Frankfurt am Main am letzten Dienstag stattfand, seine Gemeinde stark vertreten. Aus jedem jüdischen Hause waren, neben vielen nichtjüdischen Freunden, mindestens ein oder zwei Mitglieder anwesend, ebenso der gesamte Vorstand. An der Bahre hielt Herr Rabbiner Dr. Lazarus eine ehrende Gedenkrede, worauf noch Herr Redakteur Schachnowitz das Wort ergriff und aus eigener Anschauung als Kenner der Verhältnisse in der Lahngemeinde, die Bedeutung des Verstorbenen für seine Kehillah (Gemeinde) und seinen Wert als Mensch und Jehudi schilderte. Leopold Herz ruht hier nicht in fremder Erde, denn hier in Frankfurt wohnen seine Kinder, in denen er in den letzten Jahren schwerer Schickungen sein Glück und seinen Trost gesehen hat. Möge der Geist des Vaters in deren Mitte walten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

    
    
  
  
Zur Geschichte der Synagoge    
     
    
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der jüdischen Wohnhäuser vorhanden, Um 1844 wurde von der jüdischen Gemeinde ein Wohnhaus erbaut, in dem 1846 im Obergeschoss eine Synagoge eingerichtet wurde. Im Untergeschoss befand sich die Lehrerwohnung. Beim Gebäude handelt es sich um ein zweigeschossiges Fachwerkhaus mit einem steilen Satteldach traufseitig zum Straßenzug. Die Synagoge hatte je 50 Plätze für Männer und Frauen.
   
Bereits vor dem Novemberpogrom 1938 wurde das Gebäude verkauft und kam in nichtjüdischen Besitz.  
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Synagogengebäude, obwohl es bereits in christlichem Besitz war, überfallen, die Inneneinrichtung zerstört und die Kultgegenstände auf die Straße geworfen und zerstört. Danach wurde das Gebäude zu einem bis zur Gegenwart bestehenden Wohnhaus umgebaut. 
   
Von den Ereignissen beim Novemberpogrom liegt ein Bericht von Manfred Rosenthal vor. Die (jüdische) Familie Rosenthal lebte damals im Erdgeschoss des Synagogengebäudes.   

Bericht von Manfred Rosenthal: "In den Mittagsstunden des 9. (vermutlich: 10.) November 1938 drangen unbekannt Männer - ohne Uniform - in unsere Wohnung im Erdgeschoss der Synagoge ein. Anwesend waren meine schwer herzkranke Mutter und außer mir noch drei meiner Geschwister, von denen keines 16 Jahre alt war. Die Eindringlinge forderten mich auf, ihnen in die Synagoge im ersten Stock zu folgen und deren Einrichtungsgegenstände zu zerstören. Als ich mich weigerte, ihren Forderungen Folge zu leisten, schlugen sie mir mit Holzknüppeln über den Kopf und begannen wutentbrannt allein ihr Zerstörungswerk in den Gebetshäusern. Die Fenster und die Inneneinrichtungen wurden demoliert, Tora und Gebetbücher und alle heiligen Kultgegenstände auf die Straße geworfen und vernichtet.
Eine Spur von Menschlichkeit kehrte bei den Vandalen erst wieder zurück beim Anblick meiner im Bett liegenden kranken Mutter... In unserer Wohnung rührten die auswärtigen, mir unbekannten Männer nichts mehr an." 

Im November 1988 wurde eine Gedenktafel aus Villmarer Marmor am ehemaligen Synagogengebäude angebracht. 
   
Im Sommer 2009 konnte eine Gedenktafel am Synagogengebäude bei einem Aufenthalt in Villmar allerdings nicht entdeckt werden (vgl. jedoch Friedhof).  
   
   
Adresse/Standort der Synagoge        Grabenstraße / Weilburger Straße 73   
    
    
Fotos
(Quelle: Altaras s. Lit. 1988 S. 98)  

Rekonstruktionszeichnung der 
ehemaligen Synagoge. Die Synagoge 
befand sich im oberen Stockwerk
Villmar Synagoge 100.jpg (61454 Byte)   
       
        
Das zu einem Wohnhaus umgebaute ehemalige Synagogengebäude   Villmar Synagoge 101.jpg (88370 Byte)   
        
       
Villmar Synagoge 170.jpg (63830 Byte) Villmar Synagoge 171.jpg (72728 Byte) Villmar Synagoge 172.jpg (66522 Byte)
Das ehemalige Synagogengebäude im Sommer 2009 (Aufnahmen: Hahn, Aufnahmedatum 23.8.2009).
  

    
   
Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Villmar   

Seite zum jüdischen Friedhof in Villmar (interner Link)   

Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Villmar 

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 325-327. 
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 98-99.  
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S.  
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 140-141. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 537-538. 
Lydia Aumüller: Zur Geschichte der Juden in Villmar. In: Juden im Kreis Limburg-Weilburg. Schriftenreihe zur Geschichte und Kultur des Kreises Limburg-Weilburg 1991.  (Die Ergebnisse dieser Publikation konnten bislang nur teilweise eingearbeitet werden). 

    
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Villmar an der Lahn  Hesse-Nassau. Established in 1772, the community opened a synagogue in 1846 and numbered 71 (4 % of the population) in 1871, declining to 35 in 1933. The Jews were mostly dealers in cattle and farm produce, and the community was affiliated with the rabbinate of Bad Ems. Until 1911 a separate, much older community existed in nearby Runkel, where Shelomo Zalman Runkel (died c. 1400) - the teacher of Yaacov Moellin ('Maharil') - was born. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the interiore of Villmars Synagogue was destroyed. A third of the Jews emigrated and another 12 perished in the Holocaust.  
     
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 22. Dezember 2014