Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Simmern (Hunsrück) (Kreisstadt, Rhein-Hunsrück-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule   
Zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
    
In Simmern bestand eine jüdische Gemeinde bis 1940/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Erstmals wird ein Juden in Simmern 1660 genannt (Metzger am Hof des Herzogs Ludwig Heinrich). 1699 waren vier "Schutzjuden" am Ort (Hertz, Seligmann, Seligmann Moyses und Feist Moyses). 
  
Mitte des 18. Jahrhunderts lebten fünf jüdischen Familien in der Stadt.    

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1808 ca. 74 jüdische Einwohner, 1832 149 (5,7 % von insgesamt 2.604 Einwohnern), 1838 167 (5,7 % von 2.890), 1858 114, 1864 137 (5,4 % von 2.509), 1880 82 (3,8 % von 2.185), 1885 102 (4,9 % von 2.058), 1895 77 (3,6 % von 2.115), 1906 97 (4,0 % von 2.414).  

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 
 
Die jüdische Elementarschule sollte alsbald nach den gesetzlichen Neuregelungen von 1824 eingerichtet werden. Nachdem zunächst noch verschiedene Privatlehrer die Kinder einzelner jüdischer Familien unterrichtet hatte, wurde mit Lehrer Isaac Levy aus Trier 1829 ein erster Lehrer für die Kinder aller Familien angestellt. Seine definitive Anstellung erfolgte im August 1831. 1835 wird das Klassenzimmer der jüdischen Schule als "recht hübsch und hinlänglich geräumig" für 36 Schüler beschrieben. 1837 wechselte Levy nach Trier. Sein Nachfolger war bis 1843 Dr. Moritz Block aus Bernkastel (vgl. Bericht unten von 1838). Seit seinem Weggang 1843 besuchten die jüdischen Schüler Simmerns die katholische Schule und erhielten durch den Vorbeter den Religionsunterricht. 1866 gab es neue Bemühungen um die Fortführung der jüdischen Elementarschule. Sie waren erfolgreich, nachdem mit Lehrer Victor Ising ein neuer jüdischer Elementarlehrer angestellt werden konnte. Dieser blieb bis 1870 in Simmern. Die jüdische Elementarschule wurde wiederum geschlossen, die Gemeinde unterhielt in der Folgezeit nur noch eine Religionsschule (vgl. Weiteres bei den Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers, Schächters und Vorbeters unten), die Kinder besuchten für den allgemeinen Unterricht nun die evangelische Schule.       
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Max Simon Gärtner (geb. 24,7,1884 in Simmern, gef. 1.3.1917), Gustav Grünewald (geb. 25.4.1895 in Simmern, gef. 5.7.1918), Heinrich Heymann (geb. 4.7.1883 in Simmern, gef. 3.8.1916), Ernst Israel (geb. 3.7.1895 in Kirchberg, gef. 22.1.1915) und Maximilian Salomon (geb. 14.1.1879 in Argenschwang, vermisst seit September 1914). 
 
Die jüdischen Familien waren im Leben der Stadt weitestgehend integriert. Viele der jüdischen Einwohner waren auch in den allgemeinen Vereinen der Stadt engagierte Mitglieder. U.a. waren Ludwig Scholem Mitbegründer des Musikvereins und Mitglied im VfR, Salomon Schloss Mitglied im Musikverein, Adolph Emaniel Mitglied im Männergesangverein "Frohsinn" und im Musikverein. Zahlreiche jüdische Männer waren aktiv in der Freiwilligen Feuerwehr Simmern tätig; viele auch 1859 gegründeten Handwerker und Gewerbeverein.     
    
Um 1924, als zur Gemeinde 84 Personen gehörten (3,1 % von insgesamt 2.680 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Adolf Emanuel, Ludwig Ochs und Heinrich Israel. Der Repräsentanz gehörten an: Leopold Frank, Berthold Bärmann, Josef Israel, Moritz Salomon, Ludwig Grünewald, Salomon Schloß, Gustav Mayer und Isaac Bähr. Als Lehrer, Kantor und Prediger war Bernhard Lehmann angestellt (Lehrer von 1911 bis zum seinem Tod 1929). Er hatte damals acht Kindern der Gemeinde den Religionsunterricht zu erteilen und unterrichtete seit 1921 auch die Kinder in Kirchberg. 1932 waren die Gemeindevorsteher Adolf Emanuel (1. Vors.), Ludwig Ochs (2. Vors.) und Leopold Frank (3. Vors.). Nach dem Tod von Lehrer Bernhard Lehmann (1929) war Josef Carlebach sein Nachfolger (Bezirksreligionslehrer für Simmern, Gemünden und Kirchberg). Ihm folgte Heymann Unikower. Er blieb in Simmern bis Dezember 1937.     
   
1933 wurden 56 jüdische Einwohner in der Stadt gezählt.
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert; 1935 waren es jedoch - auch durch vereinzelten Zuzug aus anderen Gemeinden - noch 59 Personen. Die letzten sechs jüdischen Einwohner wurden im April 1942 deportiert (Isidor Hess, Rosetta Hess geb. Michaels, Karl Hess, Mina Michels, Ida Wirth geb. Rosenbusch und Amanda Wirth) 
  
Von den in Simmern geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945" sowie der Liste bei Doris Wesner s.Lit. S. 7, ): Barbara (Betty) Bärmann geb. Seligmann (1884), Berthold (Bernhard) Bärmann (1876), Gerd Bärmann (1937), Heinrich Becker (1878), Sally Becker (1875), Jacob Blum (1889), Julius Emanuel (1864), Eugen Eppstein (1878), Alice Feibelmann geb. Ackermann (1902), Carl Gärtner (1888), Rosalie Martha Gärtner (1891), Albert Gerson (1878), Isidor Hess (1880), Karl Hess (1902), Rosetta Hess geb. Michel (1878), Johanna Heyum geb. Israel (1894), Adelheid Israel geb. Gerson (1870), Ella Israel (1895), Auguste Kronenberger geb. Ochs (1886), Anna Levy geb. Emanuel (1886), Mina Michels (1882), Moritz Salomon (1887), Pauline Salomon geb. Israel (1885), Philippine Schiff geb. Sondheimer (1867), Alma Rosa Schloss (1885), Gudula (Gerda) Schloss (1883), Josephine Schneider geb. Kullmann (1867), Emma Scholem geb. Somborn (1867), Lazarus Scholem (1863), Emma Simons geb. Gärtner (1885), Amalie Windmüller geb. Emanuel (1881), Amanda Wirth (1905), Ida Wirth geb. Rosenbusch (1879).     
  
Hinweise: in den Listen kann es zu einzelnen Verwechslungen mit Simmern unter Dhaun (heute: Simmertal) kommen. 
Die in einigen Listen aufgeführte Leonie Mayer geb. Eppstein (1874) ist nicht umgekommen, sondern hat nach Aussagen von Familienmitgliedern das Lager Gurs überlebt.    
  
Nach 1945 kehrten drei jüdische Einwohner nach Simmern zurück. Sie sind jedoch 1949 in die USA ausgewandert.        
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1871 / 1882 / 1890 / 1891 / 1907 / 1908   

Simmern Israelit 06121871.jpg (35496 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1871: "In der Kreisstadt Simmern ist die Stelle eines Kantors, der zugleich Religionslehrer und Schächter sein soll, vakant. Bewerber um diese Stelle (Unverheiratete bevorzugt) belieben sich schriftlich an unterzeichnete Stelle zu wenden. Der israelitische Synagogen-Vorstand."     
Obige Ausschreibung war nach dem Tod von Lehrer Joseph Loeb Silberberg (1802 - 28.11.1871) nötig geworden; Silberberg war seit 1836 in Simmern tätig gewesen. Auf die Ausschreibung der Stelle bewarb sich erfolgreich Joseph Mayer Eppstein (zunächst Joseph Mayer, Namensänderung ab 1881; geb. 1848 in Saarwellingen), der 1880 nach St. Avold wechselte. Zu seinem Sohn Eugen Eppstein siehe unten. 
Informationen zur Familie Eppstein
   
Simmern AZJ 05071882.jpg (53050 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Juli 1882: "Die Kantor-, Religionslehrer- und Schochet-Stelle in unserer Gemeinde ist bis zum 1. August zu besetzen. Fixes Gehalt 600 Mark. Nebeneinkünfte inklusive Schechitah ca. 600 Mark nebst freier Wohnung. Reisekosten werden nur dem Engagierten vergütet. Qualifizierte Bewerber wollen sich unter Beifügung ihrer Zeugnisse wenden an den 
Synagogen-Vorstand
zu Simmern (Rheinpreußen)." 
Nachdem Lehrer Eppstein Simmern verlassen hatte, war von 1880 bis Sommer 1882 Lehrer Moses Jacobssohn in Simmern tätig. Nach seinem Weggang wurde die Stelle wieder neu ausgeschrieben (siehe oben). Auf diese Ausschreibung bewarb sich erfolgreich Lehrer Kannstein, der von 1883 bis Mitte 1886 in Simmern tätig war, gefolgt von Salomon Levy (1886-1888) und Raphael Frank (September 1888-Ende 1889).     
   
Hinweis auf Raphael (Rafael) Frank: geb. 1867 in Ichenhausen, gest. 1920 in Leipzig: war nach seiner Zeit in Simmern in Neuss und Halle(Saale) als Lehrer und Kantor tätig. 1903 kam er nach Leipzig und war dort Oberkantor der jüdischen Gemeinde. Er entwickelte als Schriftzeichner die Schrifttype Frank-Rühl für das hebräischer Alphabet, die im 20. Jahrhundert für zahlreiche Drucke angewandt wurde. vgl. den Wikipedia-Artikel zu Rafael Frank
 Rechts: Grabstein für Kantor Rafael Frank
 im jüdischen Friedhof in Leipzig 
Leipzig Friedhof 19052013 036.jpg (221979 Byte)  Leipzig Friedhof 19052013 036a.jpg (169880 Byte)   
  
Simmern Israelit 06011890.jpg (57231 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Januar 1890: "Offene Religionslehrer-, Kantor- & Schächterstelle. 
In der israelitischen Gemeinde Simmern (Rheinprovinz), Kreisstadt und Bahnstation, wird am 1. April dieses Jahres die Religionslehrer-, Kantor- und Schächterstelle vakant. Fester Gehalt 600 Mark, freie möblierte Wohnung und Brand. Nebenverdienste eins.... Schächtergebühren 500 Mark. Nur seminaristisch gebildete Lehrer werden bevorzugt. Bewerbungen, denen Abschrift der Zeugnisse beizufügen sind, sind zu richten an den Synagogen-Vorsteher 
Ad. Emanuel."
Nach dem Weggang von Raphael Frank bewarb sich auf die obige Ausschreibung erfolgreich Simon Strauss, der wohl nur ein gutes Jahr geblieben ist (1890-1891) .  
 
Simmern Israelit 28101891.jpg (50159 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Oktober 1891: "In hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines Kantors, Religionslehrers und Schächters sofort zu besetzen. Fester Gehalt Mark 600 nebst freier, möblierter Wohnung und freiem Brand. Nebenverdienste Mark 5-600 inklusive Schächtergebühren. Qualifizierte Bewerber wollen umgehend unter Beifügung der Abschriften ihrer Zeugnisse sich melden bei dem Synagogen-Vorstande zu Simmern."  
Auf Simon Strauss folgte Simon Sulzbacher (1892-1895), ein Absolvent der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg; er wechselte 1895 nach Wiesbaden-Biebrich, wo er bis nach 1933 geblieben ist. Sulzbachers Nachfolger wurden - jeweils nur für kurze Zeit Victor Stern (1895), Michael Hirsch (1896) und Hermann Abel Kottke (1896-1897). Länger blieb - trotz vieler Streitigkeiten mit der Gemeinde - Simon Ackermann  in der Gemeinde (geb. 1876 in Hermeskeil, 1896 Lehrer in Villmar, dann bis 1907 Lehrer in Simmern).     
    
Simmern Israelit 20061907.jpg (61175 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1907: "In der Gemeinde Simmern wird die 
Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle
 
am 1. Februar 1908 vakant. Fester Gehalt 8-900 Mark nebst freier Wohnung. Nebenverdienst ca. 600 Mark. Bewerber müssen die Elementarlehrer-Prüfung bestanden haben. Bewerbungen unter Beifügung der Zeugnisse zu richten an 
Ad. Emanuel, Vorsteher."  
Nachfolger von Lehrer Simon Ackermann war Eli Lindheimer (geb. 1886 in Miltenberg, gest. 1966 in New York). Warum er nachfolgende Stellenausschreibung unterschrieb, ist nicht bekannt; vermutlich blieb es bis 1911 in Simmern und wurde danach Lehrer in Guhrau/Schlesien.  
  
Simmern Israelit 12111908.jpg (46848 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November 1908: "In der hiesigen Gemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schochets per sofort zu besetzen. Gehalt 1.000 Mark, Nebenverdienste ca. 600 Mark nebst freier Wohnung beziehungsweise Wohnungsentschädigung. Meldung von Inländern, welche seminaristisch gebildet sein müssen, an den Lehrer E. Lindheimer, Simmern (Hunsrück)."  
Spätestens seit 1911 war Lehrer Bernhard Lehmann in Simmern als Kantor, Schächter und Religionslehrer tätig. Er war nach verschiedenen Berichten sehr beliebt in der Gemeinde, wo er bis zu seinem Tod im Mai 1929 geblieben ist.   
Simmern Friedhof 313.jpg (124706 Byte)links: Grabstein für Bernhard Lehmann im jüdischen Friedhof in Simmern.   

   
   
Die Einrichtung einer jüdischen Elementarschule in Simmern (Artikel von 1838) 

Simmern Hunsr AZJ 24071838.jpg (118480 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Juli 1838: "Simmern auf'm Hunsrück (Rheinpreußen). Kleine Berichte über Schulwesen (Fortsetzung). Seit Emanierung des Gesetzes von 1824 besteht für die hiesige israelitische Gemeinde eine von Hoher Regierung angeordnete Elementarschule. 
Ob zwar diese nun bei ihrem Entstehen, in damaliger Ermangelung tüchtiger Lehrer nicht gehörig besetzt werden konnte, so erlangte sie doch nach Verlauf weniger Jahre durch die Wirksamkeit des jetzt nach Trier versetzen Lehrer Levy eine solche Stufe, dass sie mit den besten Elementarschulen rivalisieren kann, und der gegenwärtige Lehrer Block verfolgt den vorgezeichneten Bildungsgang durch seine echt pädagogische Bildung eifrigst.  
Diese Anstalt könnte aber schwerlich bestehen, wenn sie sich nicht des kräftigsten Beistandes von Seiten der ihr vorgesetzten Behörde zu erfreuen hätte. Ja, die Lokalbehörde leistet sogar die Zahlung des Schulgeldes für die schulpflichtigen Kinder mittelloser Eltern aus den Gemeinde-Kassen. Wir können daher nicht umhin, unsern innigsten Dank dem hochverehrten K. Landrat Ritter H. Schmidt, dem verdienten Superintendenten und Schul-Inspektor, Ritter H. Back, dem H. Bürgermeister Bühring und israelitischen Gemeinde-Vorsteher H. Rothschild öffentlich darzulegen. Sch."    

    
Zum Tod von Lehrer Bernhard Lehmann (1929)    

Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 24. Mai 1929: "Am 16. Mai (1929) starb nach langem Leiden im 60. Lebensjahr Lehrer Lehmann in Simmern. Der Verstorbene hat die Ortsgruppe Simmern des Central-Vereins seit der Gründung geleitet und sich allezeit mit ernstem Interesse für unsere Sache eingesetzt. Sein Andenken wird bei uns in Ehren gehalten werden."

     
Hauptlehrer Heymann Unikower wechselt von Baisingen nach Simmern (1931)    
Anmerkung: Lehrer Heimann (Heymann) Unikower ist nach dem Familienregister Baisingen am 5. Juni 1888 geboren als Sohn von Raphael Unikower und der Dorothea geb. Pick. Er war seit 16./17. September 1911 verheiratet mit Johanna geb. Schacher, die am 18. Dezember 1889 geboren ist als Tochter von Julius Schacher (Berlin) und der Friedricke geb. Simon. Die Familie hatte fünf Kinder (Albert geb. 1913, Helene geb. 1915, Ruth geb. 1917, Rudolf Viktor geb. 1919 und Dorothea geb. 1923). Lehrer Unikower war nur 1927 Lehrer in Spangenberg und wechselte in diesem Jahr nach Baisingen, wo er bis Ende Juni 1931 geblieben ist. Von Juli 1931 bis 1937 war Lehrer Unikower in Simmern tätig.        

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Juli 1931: "Baisingen. Am 1. Juli verließ Hauptlehrer Unikower seinen hiesigen Wirkungskreis, um einem Rufe als Religionslehrer und Kantor in der Gemeinde Simmern zu folgen. Aus diesem Anlass wurde  ihm von seiner Gemeinde am 27. Juni ein ehrender Abschied bereitet. Nachdem der Scheidende im Morgengottesdienst den Segen Gottes für den Bestand der Gemeinde erfleht hatte, versammelte sich die Gemeinde am Abend, um die letzten Stunden das Sabbats um ihren Lehrer geschart zu verbringen. Hier ergriff der Gemeindevorsitzende, Hermann Kahn, das Wort und brachte namens der Gemeinde den Dank und die Anerkennung für die amtlich und außeramtlich geleisteten Dienste Unikowers zum Ausdruck; er hob insbesondere die Gründung und Führung des Israelitischen Frauenvereins als Verdienst des Scheidenden und seiner Gattin hervor, erwähnte auch die allsabbatlichen Lehrvorträge, denen die Gemeinde immer gern gelauscht habe, und erinnerte an die privatwissenschaftlichen Bestrebungen des Scheidenden, die von der Gemeinde nicht unbeachtet bleiben konnten. Hauptlehrer Unikower dankte für de ehrenden Abschiedsworte und sprach die Hoffnung aus, dass die religiöse Beschaulichkeit, in welcher die Gemeinde hier leben dürfe, ihr allezeit eine Quelle der Glückseligkeit bleiben möge."             


Lehrer Heymann Unikower bittet um Befreiung seines Sohnes vom Rassenkundeunterricht (1933) 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1933: "Simmern (Hunsrück). Der hiesige Religionslehrer Unikower bat um Befreiung seines Sohnes vom Unterricht in Rassenkunde mit der Begründung, dass sein Sohn der jüdischen Rasse angehöre. Diesem Ersuchen ist von der Schulleitung ohne Zögern stattgegeben worden."   

   
    
Zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Über Eugen Eppstein (1878-1943)  

Eugen Eppstein ist am 25. Juni 1878 in Simmern als Sohn des jüdischen Lehrers Joseph Mayer-Eppstein (siehe oben) geboren. Er war in der Zeit der Weimarer Republik (vor allem von Köln aus) kommunistischer Politiker und Reichstagsabgeordneter. Er bezeichnete sich selbst als "religionslos". 1933 nach Frankreich emigriert, wo er 1939/40 interniert und von der Gestapo verhaftet wurde. Im Oktober 1942 in das KZ Gurs verbracht, 1943 in das KZ Lublin-Majdanek, wo er vermutlich sofort ermordet wurde.   Siehe Wikipedia-Artikel über Eugen Eppstein.   
       
 Zu Eugen Eppstein 
im Reichstags-Handbuch 1924 
(Information und Abbildungen
 erhalten von  Rolf Michael Mayer)
Reichtags-Handbuch 1924 U.jpg (125687 Byte) Reichtags-Handbuch 1924 T.jpg (78632 Byte) Simmern Eppstein E 011.jpg (137050 Byte) Simmern Eppstein E 010.jpg (49382 Byte)
  Das Foto von Eugen Eppstein findet sich im Reichstags-Handbuch II. Wahlperiode 1924. 
Hrsg. vom Bureau des Reichstags. Berlin 1924 S. 638.  Biographische Angaben ebenda S. 409. 
Der Name von Eugen Eppstein steht auf dem Denkmal für die in der NS-Zeit ermordeten 96 Reichstagsabgeordneten in Berlin, Tiergarten, Platz der Republik. Siehe Informationen zum Denkmal in der Website gedenktafeln-in-berlin.de.    

     
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Verlobungsanzeige von Paula Emanuel und Leopold Katzmann (1923) 

Simmern Israelit 01111923.jpg (27755 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. November 1923: "Statt Karten 
Paula Emanuel  Leopold Katzmann  - Verlobte - 
Simmern im Hunsrück   im Oktober 1923    Flieden Kreis Fulda". 

  
Hochzeitsanzeige von Emil Israel und Friedel geb. Sommer (1924)        

Anzeige in der "CV-Zeitung" ( Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 8. Mai 1924: 
"Emil Israel - Friedel Israel geb. Sommer
Vermählte. 
Simmern (Hunsrück) - Bacharach am Rhein".     

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge  
               
    
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden.  
  
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde eine erste Synagoge in der Hunsgasse in der Nähe der Einmündung der Schloßgasse erbaut (nach einem Bericht von 1824 war sie "vor undenklicher Zeit" errichtet worden. Es handelte sich um ein massives Gebäude. Der Betsaal war etwa 41 qm groß (8,20 m lang, 5 m breit); die Frauenempore verlief mit einer Länge von etwa 5 m vor der Westwand. Um 1900 war das Synagogengebäude in baufälligem Zustand, vor allem war das Dach undicht geworden. 1910 fasste die Gemeinde den Entschluss zum Bau einer neuen Synagoge. 1911 ließ die jüdische Gemeinde Synagoge (und das daneben stehende Schächthaus) abbrechen. An derselben Stelle wurde die neue Synagoge erbaut. Interimsbeträume waren während der Bauzeit zunächst im Saal des Obergeschosses der höheren Stadtschule, dann im kleinen Saal des Hotels "Zum Lamm".   
   
Die Pläne für die neue Synagoge hatte Baugewerbsmeister Emil Klein aus Simmern erstellt. Die Bauarbeiten begannen im April 1911, Grundsteinlegung war am 29. Mai 1911. Am 17. November 1911 konnte die neue Synagoge feierlich eingeweiht werden.    
 
Zur Einweihung der Synagoge (1911)  

Simmern FrfIsrFambl 01121911.jpg (26846 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Dezember 1911: "Simmern (Rheinpreußen). Am 17. November ist unsere neue Synagoge eingeweiht worden. Der Landrat, der evangelische und der katholische Pfarrer überbrachten ihre Glückwünsche in warmen Ansprachen."  

Gemeindevorsteher O. Emanuel erhält anlässlich der Synagogeneinweihung eine Auszeichnung (1911)

Simmern FrfIsrFambl 08121911.jpg (18810 Byte)Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Dezember 1911: "Simmern (Hunsrück). O. Emanuel, der Vorsteher unserer Gemeinde, erhielt anlässlich der Synagogeneinweihung den Kronenorden 4. Klasse."   

Nur 27 Jahre war die neue Synagoge Mitteilpunkt des jüdischen Gemeindelebens in der Stadt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch auswärtige SA-Trupps angezündet und brannte völlig aus. Die Brandruine wurde 1950 abgebrochen. 
  
1988 wurde vor dem Simmerner Schloss ein Mahnmal zur Erinnerung an die Synagoge eingeweiht.   
  
  
Adresse/Standort der Synagoge    Hunsgasse         
  
  
Fotos
(Quelle: Landesamt s.Lit. S. 344) 

Die neue Synagoge 
(1911-1938) 
Simmern Synagoge 110.jpg (77594 Byte) Simmern Synagoge 113.jpg (60975 Byte)
  Ansichtskarte von 1911 mit Blick auf die
 Synagoge von Südosten; an der Ostwand 
ist die Apsis des Toraschreines zu sehen 
Weitere Ansichtskarte von Simmern 
mit der "neuen Synagoge" 
  
      
   Simmern Synagoge 111.jpg (65428 Byte) Simmern Synagoge 114.jpg (34384 Byte)
  Blick auf die Ostfassade bei der 
Einweihung 1911 
Ausschnittvergrößerung der 
Ansichtskarte von oben 
        
  Simmern Synagoge 112.jpg (68408 Byte)  
  Blick auf den Toraschrein 
(Aufnahme von 1911) 
 

  

   
Links und Literatur

Links: 

Website der Stadt Simmern (Hunsrück)     

Seite zum jüdischen Friedhof in Simmern (interner Link)   

Literatur:  

Karl Faller: Die Zeit der Juden in Simmern/Hunsrück. Versuch der geschichtlichen Darstellung. 600 Jahre Verbundenheit der Juden mit der Stadt Simmern/Hunsrück und der Jüdischen Kultusgemeinde Simmern. Simmern 1988.   
Gustav Schellack: Das jüdische Schulwesen in den ehemaligen Kreisen Simmern und St. Goar im 19. Jahrhundert. In: SACHOR. Beiträge zur Jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz Heft Nr. 10 - 2/95 (5. Jahrgang) S. 23-27). Online eingestellt (pdf-Datei).   
 Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 343-345  (mit weiteren Literaturangaben).
Simmern Lit 07.jpg (28083 Byte)Doris Wesner: Die Jüdische Gemeinde in Simmern / Hunsrück. Familiengeschichte und Schicksale aus den vergangenen drei Jahrhunderten. 2001.
Umfassende Darstellung mit detaillierten Biographien der jüdischen Familien in Simmern

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Simmern  Rhineland. Jews probably arrived in the late 14th century. Five Jewish families were present in 1722 and the community reached a peak population of 143 in 1832. A Jewish school operated since 1824 and a synagogue was consecrated in 1911. In 1933, the Jewish population was 81 (total 3.528). About 20 Jews remained in the late 1930s, with at least a dozen emigrating to Palestine and another dozen to the United States. Four Jews were deported on 12 April 1940, seven on 30 April, and the last two on 25 June. At least 12, and probably more, perished in the Holocaust.  
      
        

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 07. Mai 2016