Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bernkastel (Stadt Bernkastel-Kues, Kreis Bernkastel-Wittlich)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
   
In Bernkastel (seit 1280 zum Erzstift Trier gehörig, Stadt seit 1291) bestand bereits im Mittelalter eine jüdische Gemeinde. Mitte des 13. Jahrhunderts werden Juden in der Stadt genannt. Im Februar/März 1289 (jüdischer Monat Adar II 5049) wurden während eines Judenpogroms 14 Juden erschlagen. Im Laufe der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zogen wiederum einige jüdische Familien zu, immerhin so zahlreich, dass es zur Gründung einer Gemeinde mit einer eigenen Synagoge kam. Die jüdischen Einwohner lebten überwiegend vom Geldverleih. Während der Verfolgung in der Pestzeit 1348/49 wurde die Gemeinde vernichtet; der jüdische Besitz wie Häuser und die Synagoge kamen in den Besitz des Erzbischofs. 
  
Erst 1518 konnten sich Juden wieder in der Stadt niederlassen.    
      
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. 1738 wird in Karlsruhe der 25-jährige Samson Abraham aufgenommen, der als Geburtsort Bernkastel angibt, wo er somit um 1713 geboren ist (Juden in Karlsruhe 1988 S. 520). Zunächst durften nur drei bis vier Familien in der Stadt wohnen. Erst in der Zeit der Französischen Herrschaft trat eine Veränderung ein. 1808 wurden 62 jüdische Einwohner gezählt. Im 19. Jahrhundert blieb die Zahl relativ klein; die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde 1866 mit 110 Personen erreicht (etwa 4 % der Gesamteinwohnerschaft). Danach ging sie durch Aus- und Abwanderung wieder zurück (1895 54, 1927 57). 
  
Die offizielle Gründung der jüdischen Gemeinde Bernkastel erfolgte Anfang 1853, da im Januar 1928 das 75-jährige Bestehen der jüdischen Gemeinde gefeiert wurde (siehe Bericht unten).   
   
An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule (von 1850 bis 1866 bestand eine jüdische Konfessionsschule für die damals bis zu 40 jüdischen Schüler, danach eine Religionsschule), ein rituelles Bad sowie ein jüdischer Friedhof (alter und neuer Friedhof). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Unter den Lehrern ist Hugo Friedmann zu nennen (geb. 1876 in Neu-Ulm), der von 1909 bis 1929 in Bernkastel unterrichtete und auch für die jüdischen Gemeinden der Bürgermeisterei Zeltingen (mit Lösnich, Rachtig, Zeltingen) zuständig war.  
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Unteroffizier Isidor Baum (geb. 29.7.1888 in Bernkastel, gef. 1.4.1917).  
    
Um 1925 waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde Bernhard Königsberg, Salomon Thal und Julius Levy (auch 1932 bildeten diese drei Personen den Gemeindevorstand). Als Lehrer und Kantor wirkte der bereits genannte Hugo Friedmann. Er erteilte damals acht schulpflichtigen jüdischen Kindern den Religionsunterricht (1932 unterrichtete er noch zwei Kinder; auch in auswärtigen Gemeinden erteilte Friedmann den Religionsunterricht der jüdischen Kinder, u.a. in Zeltingen oder Traben-Trarbach). An jüdischen Vereinen bestand eine Männerchewroh Gemiluth Chessed (Unterstützung Hilfsbedürftiger, Bestattungswesen), ein Israelitischer Frauenverein (Unterstützung Hilfsbedürftiger), ein "Jüdischer Jugendbund der Mittelmosel" und eine Ortsgruppe der "Centralvereins".
    
1933 gehörten noch 59 Personen der jüdischen Gemeinde an. Auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts ist ein größerer Teil der jüdischen Gemeindeglieder in den folgenden fünf Jahren ausgewandert oder in andere Städte verzogen, sodass 1938 nur noch 15 jüdische Personen in Bernkastel lebten. 1934 konnte Lehrer Hugo Friedmann am Ort noch sein 50-jähriges Berufsjubiläum feiern (siehe Bericht unten; er wurde 1941 in das Ghetto Litzmannstadt - Lodz deportiert und ist umgekommen). Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge völlig verwüstet und geplündert (s.u.).    

Bernkastel Synagoge 100.jpg (66296 Byte)Von den in Bernkastel geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Alfred Allmeier (1878), Gertrude Bach geb. Herz (1890), Jürgen Bassfreund (1932), Berta Baum geb. Samuel (1903), Johanna Baum (1883), Wilhelm Baum (1892), Gerson Capell (1878), Otto Döblin (1874), Paul Döblin (1878), Eva Friedmann geb. Kahn (1877), Hugo Friedmann (1876), Rosa Horn geb. Lieser (1877), Leo Kahn (1896), Renate Kahn (1933), Selma Kahn geb. Schömann (1900), Rosa Kaufmann (1865), Georges Levy (1880), Paula Lieser geb. Windmüller (1887), Siegmund Lieser (1882), Hedwig Mayer geb. Kahn (1906), Hugo Mayer (1870), Delphine Mayer geb. Hirsch (1884), Berta Mendels geb. Lieser (1878), Martha Samuelsdorff geb. Wolf (1891), Fritz J. Schömann (1900), Sophie Schömann (1898), Clara Spits geb. Jacobi (1859), Eva Wolf geb. Döblin (1870), Helene Wolf geb. Thal (1877), Moritz Wolff (1876).  
Links Gedenktafel: "Dem Gedenken unserer ehemaligen jüdischen Mitbürger gewidmet. Stadt Bernkastel - Kues 08.11.1988".
 
Hinweis (nach Mitteilungen von Dorothee Lottmann-Kaeseler 2010/2013): der in einigen Listen genannte Jürgen Bassfreund (Baßfreund, geb. 1923 in Bernkastel als Sohn des Arztes Dr. Manfred Bassfreund) hat die NS-Zeit überlebt. Er lebte nach dem Tod seines Vaters [1932] zunächst in Trier, dann Köln, Berlin usw.  In der Website "Voices of Holocaust" kann man ein mit ihm 1946 erstelltes Interview hören: Link zur Seite über Jürgen Bassfreund
2003 wurden weitere ausführliche Interviews erstellt, siehe bei http://collections.ushmm.org/search/catalog/irn514241.   
Nach diesen Interviews nannte sich Jürgen Bassfreund in den USA Jack Bass, wo er am 3. Mai 2010 in Adamsville (Alabama) verstorben ist 
(zu seinem Leben: http://www.bhamholocausteducation.org/bio-bass.htm). 
Der genannte Arzt Dr. Manfred Bassfreund (gest. 1932 in Mülheim oder in Trier und auf dem Trierer jüdischen Friedhof beigesetzt) war Sohn des Trierer Oberrabbiners Dr. Jakob Bassfreund (geb. 1850 in Kempen, gest. 1919 in Breslau). Dr. Manfred Bassfreund hatte seine Praxis in Mülheim/Mosel,  vgl. den Artikel von Ursula Schmieder im "Trier Volksfreund" vom 20. Mai 2010: "Erinnerung an jüdische Mitbürger" (sc. in Mülheim; Link; als pdf-Datei).  
Ergänzender Link: fünf Briefe von Dr. Manfred Bassfreund an David Simonson: http://www.kb.dk/letters/judsam/2011/mar/dsa/subject858/en/, zwei davon in Trier geschrieben.    

     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1887 / 1901 / 1903  

Bernkastel Israelit 31011887.jpg (65567 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1887
"Wir suchen einen Religionslehrer, Chasan und Schochet per sofort. Fixer Gehalt 600-650 Mark. Gesicherte Nebenrevenuen 150 Mark, bei freier Wohnung. Reflektierende Unverheiratete wollen ihre Zeugnisse einsenden. Demjenigen, mit welchem kontrahiert wird, werden Reisespesen vergütet. Meldungen erbeten an 
Gottfried Thal
, Vorsteher der Israelitischen Gemeinde zu Bernkastel."
 
Bernkastel Israelit 06051887.jpg (45384 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Mai 1887
"Die israelitische Gemeinde in Bernkastel sucht einen (unverheirateten) Religionslehrer, welcher zugleich Chasan und Schochet sein muss. Fixer Gehalt 500 Mark. Gesicherte Nebenrevenuen 250 Mark bei freier Wohnung. Qualifizierte Bewerber wollen sich baldigst wenden an den israelitischen Gemeindevorsteher in Kues-Bernkastel. Gottfried Thal."
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1901
"In hiesiger israelitischer Kultusgemeinde wird ein Religionslehrer, Vorsänger und Schächter für sofort gesucht. Fixer Gehalt 800 Mark nebst freier Wohnung und Nebeneinkünften. Qualifizierte Bewerber wollen sich unter Beifügung ihrer Zeugnisse und Aufgaben etwaiger Referenzen melden bei dem Vorsteher der israelitischen Gemeinde 
G. Thal

Bernkastel an der Mosel."      
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. November 1901
"Die Stelle eines Lehrers, Kantors und Schochets am hiesigen Platze ist zu vergeben, verbunden mit einem Fixum von 800 Mark und 250 bis 300 Mark gesicherte Nebeneinkünfte und freie Wohnung. Reflektanten wollen sich unter Einsendung ihrer Zeugnissen wenden an 
Gottfried Thal
Vorsteher des Synagogenvereins Bernkastel."          
 
Bernkastel Israelit 10091903.jpg (42053 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. September 1903
"Die hiesige Vorbeter-, Schächter- und Religionslehrerstelle soll per bald besetzt werden. Gehalt Mark 950. Nebeneinkünfte Mark 200. 
Bernkastel, den 1. September. Der Synagogen-Verein. 
Offerten an G. Thal, Neu-Cues, (Mosel)."


Begräbnislisten von Lehrer Hugo Friedmann (1929)  

Anzeige in der "Geschichte der Juden in Deutschland" 1929 Nr. 1 S. 74: "Lehrer Hugo Friedmann in Bernkastel-Kues hat auf Grund amtlicher und privater Urkunden 'Verstorbenenlisten der jüdischen Gemeinden der Mittelmosel von Wintrich bis Enkirch aufgestellt und in 50 Exemplaren vervielfältig."    

     
50-jähriges Berufsjubiläum von Lehrer und Kantor Hugo Friedmann (1934)  

Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins") vom 29. März 1934: "Lehrer und Kantor Hugo Friedmann (Bernkastel-Kues) begeht am 1. April sein 50-jähriges Berufsjubiläum. Der Jubilar ist langjähriges Mitglied des Central-Vereins".     

      
      
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Brandkatastrophe in Bernkastel 1857 - Firma des langjährigen Gemeindevorstehers Simon Marx besonders betroffen  

Bernkastel AZJ 21121857a.jpg (209766 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Dezember 1857: "Von der Mosel. Die verheerenden Brände, von welchen bekanntlich unsere Moselgegend in diesem Sommer heimgesucht worden, haben auch unter den israelitischen Glaubensgenossen ihre Opfer erheischt, ganz besonders hat eine Familie schrecklich dabei gelitten. Am Nachmittag des 22. Juli brach nämlich in dem Kreisstädtchen Bernkastel Feuer aus, welches in wenigen Stunden über 30 Gebäude zerstört. Unter diesen Abgebrannten war auch das israelitische Handlungshaus der Firma S. und L. Marx, welches durch sonderbare unglückliche Fügung gerade in dem Momente, als das Feuer ausbrach, nicht versichert war, was sonst immer bei demselben der Fall gewesen, und zwar in den letzten Jahren für 17.000 Taler bei der Stettiner Feuer-Versicherungs-Gesellschaft. Es war nämlich unversehens deren Police abgelaufen, aber auch wieder zur neuen Versicherung der Antrag gestellt, als der schreckliche Brand ausbrach, welche deren Haus, Ladengeschäft und Habseligkeiten in Asche legte, wodurch deren Vermögensverhältnisse sehr zerrüttet wurden. Dieses traurige Ereignis erregte das allgemeinste Bedauern, da diese Familie Marx in allen Beziehungen in größter Achtung steht, vorzüglich aber das Familienhaupt Simon Marx im Verein mit dessen Gattin, im Ausüben von Wohltaten und Tugendhandlungen, im weitesten Sinne des Wortes unermüdlich waren. Auch hat derselbe es häufig schon dahin zu bringen gewusst, sowohl, durch gute Anleitung, als auch durch tatkräftige Unterstützung Verwandten und anderen jungen Leuten zu anständiger und nützlicher Existenz zu verhelfen. Außerdem wirkte derselbe als Notabel des Konsistorialbezirks Trier, und als langjähriger Gemeindevorsteher sehr vorteilhaft für seine Gemeinde und Umgebung und so hatte denn Bernkastel hauptsächlich durch seine Tätigkeit fast ununterbrochen eine gute israelitische Elementar- und Religionsschule. Auch bei dem Neubau einer schönen Synagoge hat er unermüdlich mitgewirkt, große Geldopfer gebracht, und in derselben einen geregelten Gottesdienst mit sehr schönem Chorgesang eingeführt, welche Anordnung manchen anderen Gemeinden als Muster und Nachahmung diente. Dass aber auch die hohen Behörden dessen Charakter und Bestrebungen achten und anerkennen, geht daraus hervor, dass bei einer Eingabe, welche die genannte Firma S. und L. Marx an die Feuer-Versicherungs-Gesellschaft nach Stettin richtete, um allenfalls noch eine teilweise Entschädigung zu erreichen, der hochgeachtete Landrat des Kreises Bernkastel, Herr Regierungsrat Wiethaus, dieses Gesuch aufs Kräftigste unterstützte und unter Anderem sich also äußerte:
'Ich füge aber auch noch hinzu, dass der Herr Marx in dem besten Rufe, in dem Rufe eines edeldenkenden Mannes steht, der sich überdies um den aufblühenden Wohlstand der hiesigen Gegend mannigfache Verdienst erworben hat. Darum ist es auch zunächst, dass das ihn betroffene Unglück und seine Beziehungen zur gedachten Versicherungsgesellschaft in weiten Kreisen ein so ganz ungewöhnliches Aufsehen, und das Mitgefühl in hohem Grade rege gemacht habe.'  
Bernkastel AZJ 21121857b.jpg (93286 Byte)In diesem Sinne wurde auch dieses Gesuch noch von dem früheren Bernkastler Landrat, dem jetzigen Ober-Regierungsrat und Vizepräsidenten, sowie von dem Chefpräsidenten der Königlichen Regierung zu Trier befürwortet; leider blieb aber gegen Erwarten dieses Alles ohne Erfolg, da die Gesellschaft sich zu einer Entschädigung nicht verpflichtet hielt. So schwer auch dieses die Familie getroffen, so besitzt sie doch religiöse Kraft und inniges Gottvertrauen genug, um die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die auch diese Wunde wieder heilen wird, dennoch nicht aufzugeben. Berichterstatter, sowie alle, die diese Familie kennen, hegen auch dieselbe Hoffnung und wünschen, dass dieses ehrenwerte Haus wieder er- und aufgebaut, und wie bisher ein offenes, mildes und wohltätiges wieder werden könne, den Armen, Notleidenden und allen, die Rat, Schutz und Hilfe bei ihm suchen.
(Wir können unsererseits nur unser tiefes Bedauern über das Unglück, das die Familie Marx betroffen, aussprechen, da auch uns Herr S. Marx seit vielen Jahren als edler und gesinnungstüchtiger Mensch und Israelit bekannt ist. Möge ihm Gott durch großmütige Menschen kräftige Hilfe senden! Die Redaktion."

    
75-jähriges Bestehen der jüdischen Gemeinde (1928)      

Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 27. Januar 1928: "Bernkastel. (75-jähriges Bestehen). Die jüdische Gemeinde unseres Städtchens kann in diesen Tagen auf ein 75-jähriges Bestehen zurückblicken".      

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  

Hinweise auf die Arzt-Familie Doeblin 
Nach dem Wikipedia-Artikel http://de.wikipedia.org/wiki/Salomon_Doeblin 
sowie Rheinland-Pfälzische Personendatenbank http://www.rlb.de/cgi-bin/wwwalleg/srchrnam.pl?db=rnam&recnums=0009531 (dort Quellenhinweise)   
Dr. med. Friedrich Wilhelm Moritz Doeblin (1833-1907) stammte aus Glogau in Niederschlesien. Nach seiner Heirat mit Eleonore geb. Isaak (1845-1893) ließ er sich in Bernkastel als Arzt nieder (1869, zuvor war er zehn Jahre Arzt in Schweich). Von 1877 bis 1904 war er Kreisphysikus der Kreises Bernkastel. Nach seiner Verabschiedung aus diesem Dienst war er - inzwischen zum Geheimen Sanitätsrat ernannt - Arzt in Bernkastel. Das Ehepaar hatte acht Kinder. 
Salomon Doeblin (1864-1945) war der älteste Sohn des Ehepaares. Er studierte von 1885 bis 1888 Medizin in Berlin und wurde zum Doktor der Medizin promoviert. Seit 1889 war er als Arzt in der königlich-preußischen Armee tätig, zuletzt bis 1908 als Regimentsarzt des 3. lothringischen Feldartillerie-Regiments. 1908 übernahm er in Bernkastel die ärztliche Praxis seines im Jahr zuvor verstorbenen Vaters. Im Ersten Weltkrieg war wiederum als Arzt seines alten Truppenteiles an der Westfront, zuletzt Chefarzt des Reservelazarettes in Trier. 1919 wurde er im Rang eines Generaloberarztes a.D. verabschiedet und wirkte wiederum in der Arztpraxis in Bernkastel. Salomon Doeblin war seit 1915 verheiratet mit Angelika geb. Stöckl (nichtjüdisch; 1878-1945), eine Tochter des Bernkasteler Apothekers Anton Stöckl. In der NS-Zeit musste Döblin 1935 seine Praxis aufgeben. Er wohnte seit 1938 mit seiner Frau in Köln und blieb von der Deportation verschont. Im Januar 1945 kam das Ehepaar bei einem Bombenangriff auf die Bullayer Eisenbahnbrücke mit 14 weiteren Menschen ums Leben. Das Ehepaar wurde in einem Sammelgrab auf dem Ehrenfriedhof Prinzenkopf nahe der Marienburg (Ortsgemeinde Pünderich) beigesetzt.   
Für Dr. Salomon Döblin und seine Frau Angelika wurden in Bernkastel "Stolpersteine" verlegt (Burgstraße); für ihn liegt gleichfalls ein "Stolperstein" in Trier, Jesuitenstraße 13 (Schulort).     
 PUENDERICH_F_20091109-101108.jpg (152595 Byte) PUENDERICH_F_20091109-101118.jpg (166303 Byte) PUENDERICH_F_20091109-101750.jpg (272833 Byte) PUENDERICH_F_20091109-101826.jpg (240384 Byte) PUENDERICH_F_20091109-101926.jpg (240811 Byte) PUENDERICH_F_20091109-102010.jpg (185824 Byte)
Oben: Fotos der Gräberstätte (Sammelgrab) auf dem Ehrenfriedhof Prinzenkopf nahe der Marienburg (Ortsgemeinde Pünderich). Auf dem Gedenkstein rechts der Mitte mit dem Hinweis "Am 14.1.1945 fielen durch Fliegerangriff" auch der Name Salli (= Salomon) Doeblin. Fotos von Otmar Frühauf.    
Ein jüngerer Bruder von Salomon - Albert Doeblin (1869-1922) - wurde nach dem Studium in Berlin gleichfalls Arzt (Promotion 1894) und war als Sanitätsoffizier, 1910 bis 1914 als Garnisonsarzt des 16. Armeekorps in Diedenhofen, Lothringen tätig. Nach dem Krieg wurde er als Generaloberarzt verabschiedet.   
Drei weitere Geschwister, Eva Wolf geb. Döblin (geb. 1870, umgekommen 1942 im Ghetto Theresienstadt), Otto Döblin (geb. 1874, gest. 1944 in Köln) und Paul Döblin (geb. 1878; deportiert mit Frau und den Söhnen nach Gurs, später Auschwitz, alle umgekommen) wurden gleichfalls Opfer der NS-Zeit. Der jüngere Bruder Fritz Döblin überlebte als einziger der Familie im Ghetto Theresienstadt.  

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige des Manufakturwaren- und Damen-Konfektions-Geschäftes M. Fränkel (1905)     

Bernkastel FrfIsrFambl 08061905.jpg (34012 Byte)Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Juni 1905: "Für mein Manufakturwaren- und Damen-Konfektions-Geschäft suche zum sofortigen Eintritt einen Lehrling mit guter Schulbildung bei freier Stadt im Hause. 
M. Fränkel, Bernkastel a.d. Mosel." 

      
      
      
Zur Geschichte des Betsaales/der Synagogen
(Farbfotos: Hahn, Aufnahmedatum 18.4.2006)           
    
Bereits im Mittelalter war eine Synagoge vorhanden. Es handelte sich um einen Betraum im Haus des Juden Josemann. Nach der Judenverfolgung in der Pestzeit (1348/49) kam sie in den Besitz des Erzbischofs von Trier, der 1351 seinen Burgmann zu Bernkastel Johann von Schwarzenberg mit der Synagoge belehnte. Bei dem Haus mit dem Betsaal handelt es sich um das Gebäude Schwanenstraße 9.

Haus des mittelalterlichen 
Betsaales
Bernkastel Synagoge 102.jpg (68526 Byte) Bernkastel Synagoge 101.jpg (51791 Byte)
  Das Gebäude Schwanenstraße 9  

Seit dem 17. Jahrhundert lassen sich wiederum Betstuben nachweisen. Vor 1688 hatte Jakob, Sohn des Juda, eine Betstube in seinem Haus eingerichtet. Von 1688 an befand sich eine Betstube im Haus des Simche, Sohn von Jakob. 1718 richtete Abraham, Sohn des Moses Meier eine Stube in seinem Haus ein. Bis zum Bau der Synagoge 1851/52 traf sich die Gemeinde zu Gebet und Gottesdienst in zwei angemieteten Dachkammern im Gebäude Burgstraße 41.

Haus der Synagoge 
bis 1851/52
Bernkastel Synagoge 109.jpg (61469 Byte)
In zwei Dachkammern des Hauses Burgstraße 41 (Mitte) 
war der Betsaal bis 1851/52

Um 1840 plante man den Bau einer Synagoge. Die beiden Vorsteher der Gemeinde konnten im November 1843 ein Wohnhaus mit dazugehörigem Grundstück in der Burgstraße 7 erwerben. Dieses ging am 24. Februar 1845 in den Besitz der jüdischen Gemeinde über. Im Juni 1850 begannen die Bauarbeiten für die Synagoge im rückwärtigen Teil des Abwesens Burgstraße 7. Insbesondere scheint sich der Trierer Oberrabbiner J. Kahn für den Bau der Synagoge eingesetzt haben. Während seiner Amtszeit wurden in vielen Orten seines Rabbinatsbezirkes Synagogen erstellt. In der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" findet sich (Ausgabe vom 5. Januar 1852) ein Bericht vom 29. Dezember 1851, in dem man Näheres zu den Aktivitäten der jüdischen Gemeinden und ihres Oberrabbiners J. Kahn erfährt. In diesem Bericht wird auch auf den damals stattfindenden Bau der Synagoge in Bernkastel eingegangen:   

Bernkastel AJZ 05011852.JPG (162339 Byte)Von der Mosel, 29. Dezember (1851). Unser Ländchen wird den Lesern dieses Blattes in diesem Jahre wohl keinen guten Wein schicken; der früh eingetretene Frost ließ die Trauben nicht reifen. Als kleinen Ersatz dafür will ich Ihnen einige erfreuliche Mitteilungen über die Zustände der hiesigen jüdischen Gemeinden und deren Kultus zukommen lassen, die unter dem wärmenden Strahle des Zeitgeistes und einer reinen Religiosität erblühen und einer schonen Reife entgegensehen. Noch vor wenigen Jahren fand man im Konsistorialsprengel Trier die Landgemeinden verwahrlost, ohne Synagoge, ohne Religionsschule, überhaupt ohne jede, einer Religionsgemeinde nötige Einrichtung, und daher kam es, dass viele Gemeinden in einen derart verwahrlosten Zustand gerieten, dass man es für sehr schwierig, wenn nicht unmöglich halten mochte, aus diesem Chaos etwas Schönes, Geordnetes zu schaffen. Seit dem Amtsantritt des Oberrabbiners, Herrn Cahn, ist das Alles anders geworden. Überall in den Gemeinden seines Sprengels regt sich ein frischer religiöser Geist, überall erwacht der Gemeinsinn und die Liebe zum Schönen und Guten und ermuntert zu großen Opfern für den Bau von schönen Synagogen, Religionsschulen und für zeitgemäße Einrichtungen derselben.
Und mit wahrer kindlicher Anhänglichkeit folgen die Bewohner unseres Tales dem Wege, den ihr Seelsorge ihnen vorzeichnet, und freuen sich, zur Erkenntnis des Guten gekommen zu sein. Seit fünf bis sechs Jahren sind in hiesiger Gegend nicht weniger als 18 neue Synagogen gebaut worden; mit jedem Jahre reihen sich dieser Zahl neue an, und es ist wohl selbstredend, dass beim Auszuge aus den alten, morschen Gebäuden der alte Staub von den Kleidern geschüttelt wird, und die überall eingeschlichenen Missbräuche sich nach und nach verlieren. So ist man zum Beispiel in Bernkastel mit dem Bau eines neuen, schönen Gotteshauses begriffen und hat die kleine Gemeinde mit dem größten Eifer viele Opfer gebracht, um einen schönen Gottesdienst mit Chor etc. etc. einzuführen. Auch für die Religionsschulen sorgt Herr Cahn eifrig und bleibt in dieser Beziehung auch noch viel zu tun übrig, so hegen wir doch für deren Zukunft die schönste Hoffnung.  

Bis zum Sommer 1852 waren die Bauarbeiten abgeschlossen. Am 27. und 28. August 1852 konnte die neue Synagoge in Bernkastel durch Oberrabbiner J. Kahn eingeweiht werden. Über die Einweihung liegt ein Bericht in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. November 1852 vor: 

Schweich AZJ 01111852s.JPG (165036 Byte)Aus dem Regierungsbezirk Trier, 8. Oktober (1852). Die "Allgemeine Zeitung des Judentums" brachte in neuerer Zeit wieder manche Berichte über Einweihungen von neuen Synagogen, und mit Recht öffnen Sie denselben die Spalten der Zeitung des Judentums, da solche Berichte doch beweisen, wie in unserer Zeit wieder neues Streben und Leben in den jüdischen Gemeinden zum Vorscheine kommt, wie man solches seit den letzten Jahren sich so schnell nicht erwartet hat. Durch solche und ähnliche Berichte werden auch andere Gemeinden zur Nachahmung angefeuert, und in dieser Absicht teile ich Ihnen den gegenwärtigen Bericht über zwei Synagogeneinweihungen zu Bernkastel und Schweich durch den Oberrabbiner Herrn Kahn zu Trier mit. Die Feierlichkeiten bei beiden fanden unter großer Beteiligung vieler Israeliten von nah und fern und vieler Christen statt. Es wird Sie freuen, aus dem Programm zu ersehen, dass dasselbe die Hauptbestandteile der Einweihungsfeier bei Ihrer Synagoge zu Magdeburg in sich fasste, wie dies in der Allgemeinen Zeitung des Judentums No. 40 vorigen Jahres mitgeteilt worden ist, und kann ich Sie versichern, dass die beiden Einweihungen nach diesem Programm sehr gelungen waren und den allgemeinsten Beifall fanden. Besonders gut machte sich das stete Abwechseln bei der Feierlichkeit zwischen dem Geistlichen und dem Chor.
Beide Synagogen sind schöne, geräumige Gebäude und lässt die zu Schweich nichts zu wünschen übrig. Beide Gemeinden - Bernkastel zählt circa 12 und Schweich 20 Mitglieder - mussten große Opfer für diese heilige Sache darbringen, und sie brachten sie auch mit gutem Herzen. Einzelne Gemeindeglieder haben sich besonders durch ihre unermüdete Tätigkeit und Aufopferung ausgezeichnet. So viel nur noch, dass diese Feierlichkeiten im Allgemeinen und die Predigten des Oberrabbiners Kahn auf Juden und Nicht-Juden den besten Einfluss ausüben, hierdurch Juden und Judentum gehoben wurden und einen Kiddusch HaSchem ("Heiligung des göttlichen Namens") verursachten. Der Gottesdienst wurde seitdem in Bernkastel mit einem sehr guten Chor abgehalten und auch in Schweich war der Gottesdienst ein geordneter und geregelter, so wie man sich dort bestrebt, auch einen Chor einzuführen. 
Im Allgemeinen nimmt man im hiesigen Regierungsbezirk einen regen Geist wahr für die Verbesserung des Kultus und des Schulwesens, und findet das eifrige Bestreben des Herrn Oberrabbinen Kahn allgemeine Anerkennung.

Anmerkung: Zu dem bei Bernkastel nicht im Einzelnen geschilderten Ablauf vergleiche die Darstellung der Einweihung der Synagoge in Merzig unter Oberrabbiner J. Kahn aus Trier im Jahr 1842. Einige weitere Einzelheiten, vor allem über das Engagement der Kaufleute Marx und Schews und die musikalischen Beiträge der Gebrüder Hirsch ist nachstehendem Bericht zu entnehmen, der drei Jahre später erschienen ist:   
   
Über die Einweihung der Synagogen in Zeltingen, Bernkastel und Müstert-Emmel (1855)  

Zeltingen AZJ 02041855.jpg (195479 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. April 1855: "Regierungsbezirk Trier, 15. März (1855). Mit Recht erkennt man in den vielen, in neuerer Zeit erbauten Synagogen den Beweis für die wieder neu erwachte Liebe und Begeisterung für unsere Religion und deren Institutionen. Aus welchen anderen Motiven sonst würden die Gemeinden die so großen Opfer darbringen, wenn nicht der religiöse Drang sie hierzu antreiben sollte? Aus unserem Regierungsbezirke wäre in jedem Jahre über eine oder mehrere neu erbaute Synagogen und deren feierliche Einweihung zu berichten und zwar meistens in kleinen und unbemittelten Gemeinden. So haben denn auch drei kleine Gemeinden im Kreise Bernkastel, nämlich Bernkastel, Zeltingen in neuerer Zeit und am verflossenen Sabbat Ki tissa (Schabbat mit der Toralesung Ki tissa = 2. Mose 30,11 - 34,35, das war Samstag, 10. März 1855) Müstert-Emmel recht hübsche Synagogen durch unseren Oberrabbiner, Herrn Kahn aus Trier, auf die feierlichste Weise eingeweiht. Letzterer Gemeinde muss dieses noch umso mehr anerkannt werden, als sie aus nur zehn unbemittelten Familien besteht, welche alle durch mehrjährige Sammlungen über 1.000 Taler aufbrachten und mit gutem und frohem Herzen Alles aufboten, um auch die Einweihung auf schöne und erhabene Weise zu feiern. Besonders Anerkennung und Dank verdienen die intelligenten und religiösen Kaufleute, die Herren A. Marx und Schews aus Bernkastel, die dort den Gottesdienst durch Leitung eines hübschen Chores verherrlichen, auch bei dieser Gelegenheit wieder wie früher bei den Einweihungen zu Bernkastel und Zeltingen in Gemeinschaft mit den Musikern, den Herren Gebrüdern Hirsch aus Bernkastel, ohne Zeit- und Geldopfer zu scheuen - erschienen und zur Hebung der Feierlichkeit sehr viel beitrugen. Durch dieses ihr gottgefälliges Wirken verursachen sie nicht nur eine Heiligung des Gottesnamens bei dem bei solchen Gelegenheiten anwesenden zahlreichen christlichen Publikum, da es hierdurch eine bessere Ansicht über Judentum und jüdischen Gottesdienst bekommt, - regen vielmehr auch die jüdischen Gemeinden an und bestimmen sie, einen geregelteren und anständigeren Gottesdienst in der Zukunft einzuführen. Dank, innigen Dank daher diesen Biedermännern! Die genannten Gebrüder Hirsch, die gewöhnlich auch die bei solchen Festen stattfindenden Bälle leiten, können wir für derartige Feierlichkeiten allen Gemeinden bestens empfehlen; wie sie denn auch wegen ihrer Tüchtigkeit, Anspruchslosigkeit und, obgleich sie sich und ihre zahlreichen Familien von ihrer Musik ernähren müssen - Uneigennützigkeit in unserer ganzen Gegend bekannt und beliebt sind und seit vielen Jahren von unserem Herrn Oberrabbiner den betreffenden Gemeinden auch anempfohlen werden."

Die neue Synagoge kostete die Gemeinde insgesamt 1.885 Taler. Es handelte sich um einen zweckmäßigen Bau, ausgeführt als unverputzter Bruchsteinbau mit Rundbogenfenstern. Der Eingang lag an der Nordseite. 
Ein großes Unglück traf die Gemeinde am 9. Juli 1880, als in einer benachbarten Scheune Feuer gelegt wurde und die Synagoge sowie das daneben stehende Wohnhaus fast vollständig niederbrannte. Teile der Inneneinrichtung konnten immerhin gerettet werden. 1881/82 erfolgte der Wiederaufbau von Synagoge und Wohnhaus. Am Pessachfest 1882 konnte die Synagoge wieder eingeweiht werden.     
    
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge von einem SA-Sturmtrupp und Bernkasteler Nationalsozialisten völlig verwüstet und geplündert. Wegen der engen Lage in der großenteils aus Fachwerkhäusern bestehenden Altstadt Bernkastel wurde von einer Inbrandsetzung abgesehen. Im April 1939 wurde das Synagogengebäude an Privatleute verkaufte. In den folgenden Jahren wechselte das Anwesen noch zweimal den Besitzer. Bis 1965 war eine Schreinerei mit Sarglager in dem Gebäude. Danach stand das Gebäude einige Jahre leer und drohte zu verfallen. 1975 wurden Dachstuhl, Zwischendecken und ein Treppenturm neu errichtet. Heute befinden sich eine Raum für kulturelle Veranstaltungen und Räume für Übernachtungsmöglichkeiten in der ehemaligen Synagoge.  
    
    
Adressen / Standorte der Synagogen:  

mittelalterliche Synagoge: Schwanenstraße 9  
Betsaal vor 1851/52: zuletzt Burgstraße 41  
neue Synagoge: Burgstraße 7a  
vgl. Seite in der Website der Stadt http://www.bernkastel.de/mosel-erleben/fussgaengerleitsystem/alte-synagoge.html     

   
   
   
Fotos / Darstellungen    
(Quelle der historischen Darstellungen: Kulturdatenbank Trier s.u. Links, Landesamt für Denkmalpflege s. Lit.)  

Die 1851/52 erbaute Synagoge    
Historische Darstellungen Bernkastel Synagoge 005.jpg (68337 Byte) Bernkastel Synagoge 001.jpg (66910 Byte)
    Plan von 1850 zum Bau der 
Synagoge an der Burgstraße  
Innenaufnahme der 
Synagoge in Bernkastel 
     
     
Das Synagogengebäude 
im Jahr 2006  
Bernkastel Synagoge 108.jpg (62629 Byte)     
      Hinweistafel am Aufgang 
von der Burgstraße  
    
     
Bernkastel Synagoge 105.jpg (125132 Byte) Bernkastel Synagoge 104.jpg (105791 Byte) Bernkastel Synagoge 107.jpg (82942 Byte)
Blick auf die ehemalige Synagoge   Hohe Rundbogenfenster am Aufgang von der Burgstraße  
   
Bernkastel Synagoge 106.jpg (71624 Byte) Bernkastel Synagoge 103.jpg (50573 Byte)    
Halbrundfenster   Eingangstüre zum ehemaligen Betsaal      

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

Oktober 2008: "Stolperstein"-Verlegung in Bernkastel-Kues - Film von volksfreundtv: eingestellt bei YouTube 
 
 
    
   

  
      

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Bernkastel-Kues   
Seite zur Geschichte des Synagogengebäudes: http://www.duchesse.de/gesang/synagoge.htm   
Seite der Kulturdatenbank Region Trier zur Synagoge in Bernkastel:  http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=10428          
Website des "Bündnisses für Menschlichkeit und Zivilcourage e.V. Kreis Bernkastel-Wittlich"      

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 77-78. 
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 103-104 (mit weiteren Literaturangaben).  
Willi Körtels: Die jüdische Schule in der Region Trier. Hrsg. Förderverein Synagoge Könen e.V. 2011. Online zugänglich (pdf-Datei).     

  
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Bernkastel-Kues Rhineland. Jews are first mentioned in the late 13th century. Fourteen were murdered in 1289 following the Oberwesel blood libel and most left in the persecutions later in the century. Jews are again mentioned in 1344 but were subjected to a number of subsequent expulsions (1418, 1589). Only from the early 17th century did the Jews permanently inhabit the town, though under an official quota of just three families until the late 18th century. Residence restrictions were lifted under French rule and the Jewish population grew to over 60 in 1808 and a peak of 110 (about 4 % of the total) in 1866. Most engaged in petty trade, cattle dealing, or moneylending. A synagogue was consecrated in 1852 and rebuilt in 1882 after a fire. A Jewish elementary school for 30-40 children was started in 1850 but closed in 1866, reopening as a private school for religious instruction in 1885. In 1926, the community was united with neigboring Kues. Together they had a population of 59 in 1933. Most Jews operated commercial establishments. By November 1938, just 15 Jews and three Jewish businesses remained. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was wrecked. In all, 32 Jews emigrated from Germany, including 20 to the United States, while in 1937-40, 15 moved to other places in Germany. The last four Jews in Bernkastel-Kues were deported to Lodz via Trier on 16 October 1940.     
      
       

                   
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Stand: 01. Dezember 2016