Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Ebersheim (Stadt Mainz) mit Harxheim (Kreis Mainz-Bingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
  
In Ebersheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit Mitte des 18. Jahrhunderts zurück. Ein Ebersheimer "Schutzjude" namens Beer lässt sich für das Jahr 1785 nachweisen (nach den Recherchen von Berthold Tapp).  

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: in Ebersheim 1801/04 zwei jüdische Familien, 1816 18, 1824 29 jüdische Einwohner, 1827 und 1830 je 38, 1833 41(4,3 % von insgesamt 947 Einwohnern), 1855 47, 1861 58, 1875 50, 1880 59, 1890 51, 1900 52; in Harxheim: 1824 24, 1830 23, 1900 22. Die bekanntesten jüdischen Familien waren in Ebersheim die Familien Berney, Goldschmitt und Simon, etwas später als die vorgenannten die Familien Mayer, Kahn und Nathan.   
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten). Um 1880 war als Lehrer Meier Reiss in der Gemeinde tätig; 1882 wechselte er - nach seiner Heirat mit Caroline geb. Simon - nach Bodenheim. Seit der Zeit um 1905 wurde vermutlich auf Grund der zurückgegangenen Zahlen der jüdischen Einwohner kein eigener Lehrer mehr angestellt; die Aufgaben wurden teilweise ehrenamtlich übernommen (1926 war Ferdinand Mayer bereits 30 Jahre als ehrenamtlicher Vorbeter tätig), teilweise durch auswärtige Lehrer (Religionsunterricht der Kinder). Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat in Mainz.       
     
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: aus Ebersheim Berthold Kahn (geb. 1.10.1892 in Ebersheim, gef. 29.11.1914), aus Harxheim Julius Goldschmidt (geb. 6.8.1889 in Ebersheim, gef. 22.4.1918). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal der Gemeinde.  
 
Unter den jüdischen Haushaltsvorstände in den 1920er-Jahren sind u.a. zu nennen: die Metzgermeister Nathan und David Goldschmitt sowie Markus und Siegfried Mayer, die Viehhändler Lazarus und Bernhard Goldschmitt sowie Leopold Simon, der Weinkommissionär Leopold Goldschmitt, die Kaufleute Ludwig Goldschmitt, Simon Nathan und Samuel Mayer. Fanny Nathan war Ellenwarenhändlerin, Sophie Berney hatte ein Geschäft für Kurz- und Tabakwaren.  Die jüdischen Einwohner waren im allgemeinen und Vereinsleben des Ortes insgesamt völlig integriert.    
  
Um 1924, als zur Gemeinde noch 29 Personen in Ebersheim und 11 in Harxheim gehörten, waren die Gemeindevorsteher Max Mayer, Lazarus Goldschmidt und Ferdinand Mayer. Damals erhielten zwei Kinder der Gemeinde ihren Religionsunterricht durch Lehrer M. Kahn in Hechtsheim. An jüdischen Vereinen gab es den Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa (1924 unter Leitung von Lazarus Goldschmidt).     
    
1933 lebten noch etwa 25 jüdische Personen in Ebersheim. In den folgenden Jahren sind die meisten von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Otto Nathan wurde 1933 aus nichtigem Grund in das KZ Osthofen eingewiesen. In die USA emigrierten u.a. 1935-36 Siegfried und Leo Goldschmidt sowie Leo Nathan, 1938 Fritz und Lothar Goldschmittt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört und die jüdische Wohnhäuser überfallen und völlig verwüstet. Auf Grund der Vorkommnisse flüchteten die meisten der bis dahin noch in Ebersheim lebenden jüdischen Personen zu Verwandten und Bekannten außerhalb von Ebersheim (insbesondere nach Mainz).  
(siehe Angaben zu einzelnen Familien in dem online zugänglichen Artikel von Rudolf Büllesbach s.u.)
.   
      
Von den in Ebersheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; kritisch durchgesehen und ergänzt von Wolfgang Kemp): Sofie Berney (1861), Gustav Berney (1864, vgl. Kennkarte unten), Betty Barbara Feitler geb. Simon (1875), Nathan Goldschmidt, Sohn von Heinrich und Fanny (1879), Mathilde Goldschmidt geb. Metzger, Ehefrau von Nathan (1893), Hilde/Hildegard Goldschmidt, Tochter von Nathan und Mathilde (1927), David Goldschmidt, Sohn von Heinrich und Fanny (1884), Betty Goldschmidt geb. Mayer, Ehefrau von David (1893), Rosalie Rosaline Rosel Goldschmidt, Tochter von Heinrich und Fanny, ledig (1868), Bernhard Goldschmidt, Sohn von Jakob und Johanna, Bruder von Isaak und Amalie (1869), Sara Goldschmidt geb. Dornberg, Ehefrau von Bernhard (1872), Hedwig Jacobsohn, Tochter von Bernhard und Sara (1906), Isaak Goldschmidt, Bruder von Bernhard und Amalie (1855), Leopold (Leo) Goldschmidt, (1858), Nelly Goldschmidt (1893), Mathilde Kahn geb. Simon, Wwe (1874), Josef Kahn (1888), Siegfried Kahn (1896), Julius Mayer, (wohnhaft in Bodenheim) (1882), Bertha Landau geb. Mayer, Wwe (1861), Betty Wechsler geb. Nachmann (1862), Klara Slager geb. Kahn (1890). 
   
Aus Harxheim sind umgekommen: Therese Güttner geb. Goldschmidt (1898), Moritz Mayer (1879), Kathi Kätchen Gutha Mayer geb. Reinheimer, Ehefrau von Moritz (1879), Barbara Babette Schubach geb. Mayer (1847), Josef Sommer (1890), Bertha Sommer (1892), Martha Sommer (1898). 
   
2011 wurden "Stolpersteine" verlegt für: Sofie Berney, Nathan Goldschmidt, Mathilde Goldschmidt, Hilde Goldschmidt, Rosel Goldschmidt, Bernhard Goldschmidt, Sara Goldschmidt, Isaak Goldschmidt, Leopold (Leo) Goldschmidt, Nelly Goldschmidt, sowie für den 1940 verstorbenen Lazarus Goldschmidt.
(Die Schreibweise des Familiennamens Goldschmitt ist in den Unterlagen nicht einheitlich. Auf den Mainzer Deportationslisten wird er grundsätzlich mit "dt" geschrieben). 
  
  
  
 
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer     
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1861 / 1863 / 1867 / 1871 / 1877 / 1878 / 1879 / 1886 / 1907   

Ebersheim Israelit 07081861.jpg (43013 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. August 1861: "Vakanz. In der israelitischen Gemeinde zu Ebersheim (Rheinhessen) ist die Stelle eines Vorsängers und Religionslehrers vakant und kann sofort wieder besetzt werden. Der Gehalt beträgt außer Nebeneinkünften und freier Wohnung 160 Gulden. Geeignete Bewerber wollen sich wenden an den Vorstand."        
 
Ebersheim Israelit 18031863.jpg (34720 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. März 1863: "Lehrer gesucht. Die israelitische Gemeinde zu Ebersheim (Provinz Rheinhessen) sucht, womöglich zum sofortigen Eintritt, einen Religionslehrer und Vorsänger. Fixer Gehalt 210 Gulden nebst freier Wohnung; außerdem noch Nebenakzidenzien. Meldungen sind zu richten an den Vorsteher. 
J. Bernei."    
 
Ebersheim Israelit 17071867.jpg (34165 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juli 1867: "In der israelitischen Gemeinde zu Ebersheim (Provinz Rheinhessen) ist die Stelle eines Lehrers und Vorsängers vakant. Dieselbe trägt jährlich außer freier Wohnung und den Schechitah-Gebürten 230 Gulden. Offerten nimmt entgegen 
der Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Ebersheim bei Mainz Jacob Goldschmitt
."      
 
Ebersheim Israelit 16081871.jpg (32427 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. August 1871: "Die Lehrer-, Vorbeter- und Schochet-Stelle zu Ebersheim bei Mainz ist vakant. Fixer Gehalt 220 Gulden nebst freier Wohnung, Heizung und Ertrag der Schechita und sonstigen Nebenverdiensten. Bewerber wollen sich melden bei dem Vorsteher Joseph Berney."      
 
Ebersheim Israelit 03101877.jpg (51685 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Oktober 1877: "Vakanz. Mit dem 1. Oktober laufenden Jahres wird die Stelle eines Religionslehrers und Vorsängers bei der israelitischen Gemeinde Ebersheim bei Mainz vakant. Mit derselben ist verbunden ein jährlicher Gehalt von 450 Mark nebst freier Wohnung. Durch Schächten und Privatstunden ist noch ein bedeutender Nebenverdienst gesichert. Hierauf Reflektierende wollen sich gefälligst an den unterzeichneten Vorstand wenden.  
Ebersheim, im August 1877. Der israelitische Vorstand Heinrich Goldschmitt".     
 
Ebersheim Israelit 18121878.jpg (49743 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Dezember 1878: "Vakanz. Mit dem 1. Februar 1879 wird die Vorsänger- und Schächterstelle zu Ebersheim im Kreise Mainz vakant. Gehalt 480 Mark als Vorsänger, Schächten wir extra bezahlt, sonstige Nebenverdienste nicht unbedeutend, nebst freier Wohnung, Reflektierende wollen sich an den Vorstand, Herrn Heinrich Goldschmitt, wenden. 
Ebersheim, den 4. Dezember 1878. Der Vorstand."       
  
Ebersheim Israelit 29101879.jpg (35011 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1879: "Vakanz. In Ebersheim bei Mainz ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters vakant. Fixer Gehalt (exklusive Schächten) Mark 480. Freie Wohnung und Nebenverdienste. Ledige Bewerber belieben an den Vorstand Jos. Berney II. ihre Offerten einzureichen."   
 
Ebersheim Israelit 18011886 2x.jpg (57832 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Januar 1886: "Die israelitische Gemeinde Ebersheim bei Nieder-Olm sucht zum 9. Februar laufenden Jahres einen Religionslehrer, Vorbeter und Schächter (unverheiratet). Einkommen 600 Mark nebst freier Wohnung. Bewerber wollen unter Einsendung ihrer Zeugnisse bei dem unterzeichneten Vorsteher sich melden. Russen und Polen sind ausgeschlossen. 
Ebersheim, 15. Januar 1886. Ludwig Simon."      
 
Ebersheim Israelit 05051887.jpg (45172 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Januar 1886: "Die israelitische Gemeinde Ebersheim bei Nieder-Olm sucht zum 9. Februar laufenden Jahres einen Religionslehrer, Vorbeter und Schächter (unverheiratet). Einkommen 600 Mark nebst freier Wohnung. Bewerber wollen unter Einsendung ihrer Zeugnisse bei dem unterzeichneten vorsteher sich melden. Russen und Polen aus ausgeschlossen. 
Ebersheim, 15. Januar 1886. Ludwig Simon."     
  
Hechtsheim Israelit 19091907.jpg (63338 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. September 1907: "In unserer Gemeinde ist sofort die Stelle eine geprüften Religionslehrers, Vorbeters und Schochets verbunden mit der Erteilung des Religionsunterrichts in der benachbarten Gemeinde Ebersheim zu besetzen. Gehalt Mark 800.-. Besoldung für den Unterricht in Ebersheim ca. Mark 200, Nebeneinkommen ca. Mark 400. Seminaristisch gebildete Bewerber haben den Vorzug. Offerten sind zu richten an den Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Hechtsheim bei Mainz."

     
     
Aus dem jüdischen Gemeindeleben      
Spendenaufruf von Lehrer J. Goldschmidt für eine verarmte Familie (1884)    

Ebersheim Israelit 07071884.jpg (104410 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juli 1884: "Aufruf
Obwohl die Mildtätigkeit unserer Glaubensgenossen sehr in Anspruch genommen sein mag, finde ich mich doch durch folgenden so traurigen Fall veranlasst, mich an die Wohltätigkeit unserer Brüder zu wenden in der sicheren Hoffnung, keine Fehlbitte zu tun.  
In dem benachbarten Orte M. befindet sich eine Familie, die zwar von jeher arm, sich doch ernähren konnte, in der drückendsten Lage. Seit mehreren Jahren ist die Frau durch eine Krankheit derart heimgesucht worden, dass sie nicht im Stande ist, das Zimmer zu verlassen, um nur die geringste Hausarbeit zu verrichten. Der Arzt verordnete dieser Frau (so bald es nur sein kann), in ein Bad zu gehen, wodurch nur allein diesem Übel abgeholfen werden kann. Diese Familie ist, wenn nicht baldige Hilfe kommt, der größten Not preisgegeben. Ich wiederhole daher meine Mitte um schnelle, schnelle Hilfe! 
Ebersheim bei Mainz, den 30. Juni 1884. J. Goldschmidt, Lehrer.  
Auch ich bin gern bereit, Gaben in Empfang zu nehmen und weiterzubefördern. 
Mommenheim, den 30. Juni 1884. Der Bürgermeister Schneider.  
Wir sind ebenfalls bereit, Gaben entgegenzunehmen und weiterzubefördern. Die Expedition des 'Israelit'."      

    
 Eine neue Torarolle soll angefertigt werden (1886)      

Ebersheim Israelit 18011886.jpg (63063 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Januar 1886: "Annonce
Die die hiesige Gemeinde beabsichtigt, eine neue Torarolle schreiben zu lassen, so ersuche ich die Herren Toraschreiber, welche bereit sind, ein solches gut und mit schöner Schrift zu liefern, ihre Meldung nebst Kostenanschlag baldigst an den unterzeichneten Vorstand einschicken zu wollen.  
Ebersheim bei Mainz, 14. Januar 1886. Der Vorstand Ludwig Simon".      

       
       
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
  
Ferdinand Mayer ist 30 Jahre ehrenamtlicher Vorbeter in der Gemeinde (1926)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Januar 1926: "Am Schabbos Beschalach (d.i. Schabbat, 30. Januar 1926) sind es 30 Jahre, dass Herr Ferdinand Mayer aus Harxheim den Gottesdienst in unserer Gemeinde leitet. Es dürfte besonders hervorgehoben werden, dass der Jubilar dieses Amt nur leschem mizwa (zur Ehre des göttlichen Gebotes) und aus idealen Motiven heraus ausübte. Besonders während der Kriegszeit war er es, der trotz aller Schwierigkeiten den Gottesdienst aufrecht erhielt und dadurch sozusagen das Fortbestehen unserer Synagoge ermöglichte."       

    
Ferdinand Mayer zieht nach Frankfurt (1934)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Oktober 1934: "Ebersheim-Harxheim, 20. Oktober (1934). Mit Rücksicht auf seine Gesundheit verließ Herr Ferdinand Mayer am 15. Oktober dieses Jahres seinen Heimatort Harxheim, um nach Frankfurt am Main zu übersiedeln. Durch diesen Wegzug verliert unsere Gemeinde Ebersheim-Harxheim einen Mann, dessen Bereitschaft es zu verdanken ist, dass in den trübsten Zeiten des Krieges und der Nachkriegszeit uns ein regelmäßiger Gottesdienst erhalten blieb. 38 Jahre war er ehrenamtlicher Vorbeter und viele Jahre war er Vorstand in der Gemeinde und der Chewra. Nicht nur unsere engere Gemeinde, sondern das rheinhessische Landjudentum verliert durch den Wegzug des Herrn Mayer eine sehr markante Persönlichkeit. - In einer würdigen Abschiedsfeier dankte der erste Vorsteher, Herr Lazarus Goldschmidt, Herrn Mayer für sein segensreiches Wirken in der Gemeinde und übermittelte ihm im Namen der Gemeinde ein Abschiedsgeschenk. Der Landesverband Hessen überreichte in einem Brief und einem Diplom seinen Dank."  

   
Über Arthur und Herbert Simon  

Ebersheim HSimon 010.jpg (13707 Byte)Arthur Simon aus Ebersheim, der sich an der TH Darmstadt zum Elektroingenieur hatte ausbilden lassen, wanderte 1903 in die USA aus und wurde dort ein erfolgreiches Geschäftsmann. 
Sein Sohn Herbert Alexander Simon (siehe Foto links) erhielt 1978 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft: Herbert Alexander Simon ist 1916 in Milwaukee/Wisconsin geboren und 2001 in Pittsburgh, Pennsylvania gestorben. Er war einer der einflussreichsten Sozialwissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Den Nobelpreis erhielt er "für seine bahnbrechende Erforschung der Entscheidungsprozesse in Wirtschaftsorganisationen". Näheres im Wikipedia-Artikel zu Herbert Simon (von dort auch das Foto).  

     

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarten für die in Ebersheim 
geborenen Weinhändler Gustav und Moritz Berney
 
 Ebersheim KK MZ Berney Gustav.jpg (91690 Byte)  Ebersheim KK MZ Berney Moritz.jpg (92206 Byte)
Gustav und Moritz Berney waren die Söhne von 
Joseph Berney in Ebersheim. Sie betrieben von Mainz aus einen
 Weingroßhandel im internationalen Stil. Auch in Mainz blieben 
sie eng mit ihrer Heimatgemeinde Ebersheim verbunden.  
Kennkarte (ausgestellt Mainz 1939) für Gustav Berney (geb. 23. November 
1864 in Ebersheim), Weinhändler, wohnhaft in Mainz, am 27. September 1942
 deportiert ab Darmstadt in das Ghetto Theresienstadt, wo er am 
6. Dezember 1942 umgekommen ist    
Kennkarte (ausgestellt Mainz 1939) 
für Moritz Berney (geb. 28. September 1862 
in Ebersheim), Weinhändler  
  

  
  
  
Zur Geschichte der Synagoge       
   
Zunächst war ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden.  Nach den Recherchen von Berthold Tapp bestand eine Synagoge in Ebersheim bereits vor dem 20. Juli 1842. Sie war in einem von der jüdischen Gemeinde angekauften und später ausgebauten Gebäude in der damaligen Mainzer Straße eingerichtet worden.  
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch auswärtige SA-Leute angezündet und niedergebrannt. Die Brandruine wurde 1956 abgebrochen.  
  
Im Frühjahr 2014 wurde am Standort der ehemaligen Synagoge eine Gedenktafel im Boden eingelassen, auf der das Synagogengebäude dargestellt ist mit der Inschrift: "Standort der 1840/1842 errichteten Synagoge Ebersheim. Sie wurde im November 1938 niedergebrannt". Die Gedenktafel wurde durch den Bildhauer Rainer Knußmann gestaltet. Sie wurde auf Initiative des Ortsbeirats und der beiden Kirchengemeinden angebracht. 
Vgl. Artikel in der "Allgemeinen Zeitung" vom 2. Mai 2014: "Tafel erinnert an jüdische Schicksale".     
      
      
Adresse/Standort der Synagoge   Konrad-Adenauer-Straße 6 (ehemalige Mainzer Straße)
     
     
Fotos 
(Quelle: historische Karte aus dem Beitrag von R. Büllesbach s.u. mit Hinweis auf Quelle: IGL-Bildarchiv)  

Die Synagoge 
in Ebersheim
Ebersheim Synagoge 110.jpg (116478 Byte)
   Die historische Karte zeigt mehr zufällig die ehemalige Synagoge: 
am linken Bildrand das Gebäude mit dem hohen Giebel 
     
     

     
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    

April 2011: In Ebersheim sollen ein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus aufgestellt sowie "Stolpersteine" verlegt werden    
Artikel von Jan Storzyk in der "Allgemeinen Zeitung" (Mainz) vom 2. April 2011 (Artikel; es wird nur ein Teil des Artikels zitiert, der weitere Teil befasst sich mit anderen Themen der Ortsbeiratssitzung): 
"Stolpersteine auch in Ebersheim
EBERSHEIM.
ORTSBEIRAT Vorsteher kündigt weitere Mahnmale für Opfer des Nationalsozialismus an
Nachdem es bei der Übergabe des restaurierten Kriegerdenkmals zu einer Kontroverse um den Umgang mit der NS-Zeit gekommen ist, die von der Polizei geschlichtet werden musste (Die AZ berichtete), hat der Ortsbeirat reagiert. In einem Eilantrag aller Fraktionen wurde beschlossen, dass ein zweites Mahnmal errichtet wird, mit dem ausdrücklich aller Opfer des Nationalsozialismus gedacht wird. Das durch Spenden finanzierte Mahnmal soll als Gedenktafel oder Stein mit Inschrift in räumlicher Nähe zum Kriegerdenkmal aufgestellt werden.
In diesem Zusammenhang hat Ortsvorsteher Helgi Schwedass (FDP) mitgeteilt, dass in Kürze auch in Ebersheim 'Stolpersteine' in Erinnerung an die während der NS-Zeit deportierten Ebersheimer Juden installiert werden. Nach Rücksprache mit dem Bauamt werden die markierten Steine vor den Häusern angebracht, in denen die Deportierten ihren letzten Wohnsitz hatten. Finanziert wird das Projekt von einer Ebersheimer Familie."     
 
August 2011: "Stolpersteine" wurden am 29. August 2011 verlegt   
Artikel (red) in der "Allgemeinen Zeitung" (Mainz) vom 27. August 2011 (Artikel): "'Stolpersteine' in Ebersheim
EBERSHEIM
(red). Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt am Montag, 29. August, 'Stolpersteine' in Ebersheim. Die 'Stolpersteine' erinnern an jüdische Mitbürger, die in der Reichspogromnacht 1938 Ebersheim verlassen mussten. 'Sie wurden mit den großen Mainzer Sammeltransporten nach Piaski beziehungsweise Theresienstadt deportiert. Keiner kehrte zurück', erklären Marion und Johannes Poensgen, die die Stolperstein-Verlegung initiiert haben. 
Mit der Verlegung der Stolpersteine in Ebersheim werde erstmals, nach fast 70 Jahren, öffentlich der Ebersheimer Juden gedacht, die Opfer des Holocaust wurden, so das Ehepaar Poensgen. Die Verlegung beginnt um 12.15 Uhr vor dem Weinbrunnen in der Römerstraße. Dazu ist die Bevölkerung ebenso eingeladen wie zu dem Vortrag am Abend um 19.30 Uhr im Sitzungssaal der Ortsverwaltung. Gunter Demnig spricht über 'Stolpersteine - gegen das Vergessen'. Anschließend besteht die Möglichkeit, mit dem Künstler ins Gespräch zu kommen."    
   
Bericht über die Verlegung der "Stolpersteine" in Ebersheim in einem Artikel von Pia Ditscher in "Allgemeine Zeitung" (Mainz) vom 30. August 2011: 
Gegen das Vergessen (Allgemeine Zeitung, 30.08.2011)        
Bericht über die Einweihung der Gedenktafel für die Synagoge im Frühjahr 2014:  
Tafel erinnert an jüdische Schicksale (Allgemeine Zeitung, 02.05.2014)  
  
September 2014: Vorstellung des Buches von Berthold Tapp: "Die israelitische Gemeinde Ebersheim mit Harxheim"     
Bericht der katholischen Pfarrgemeinde St. Laurentius Ebersheim: "Nach dem Vortragsabend über die israelitische Gemeinde Ebersheim mit Harxheim im Frühjahr wurde am 25.9. das inzwischen erschienene Buch des Ebersheimers Berthold Tapp ebenfalls im Rahmen der kath. Erwachsenenbildung vorgestellt. Der Verfasser hatte Professor Lehnardt vom Fachbereich Judaistik an der Universität Mainz dafür gewonnen, an diesem Abend vor mehr als 80 Zuhörern im überfüllten Pfarrsaal zu sprechen. 
Lehnardt hob eingangs hervor, dass die Vorstellung des Buches an einem glücklichen Tag geschehe, nämlich am Rosch Haschana, dem jüdischen Neujahrsfest. Er freue sich, dass in dem Buch von B. Tapp Gründung, Aufstieg und Untergang einer Landjudengemeinde geschildert werde. Die seien bisher selten in den Blick genommen worden. Auch sei die Verbindung der Gemeindegeschichte mit der religiösen Welt der Juden gut herausgearbeitet worden, ebenso wie die dem Judentum eigenen Gebote, die das Alltagsleben von der Beschneidung über den Religionsunterricht bis zu den Begräbnisriten. Man müsse bei den Landjudengemeinden von einer eher orthodoxen Religionsausübung ausgehen, die die Männer der Gemeinde mit Vorbeter/ Vorsänger und ohne Rabbiner verantworteten. Anders als in Städten gab es auf dem Lande keine liberalen Formen religiöser Praxis. Lehnardt wünschte sich mehr solcher Untersuchungen in Rheinhessen.
Der Autor B. Tapp berichtete anschließend, wie er durch Kontakte zu älteren Ebersheimern auch die untergegangene Welt der Juden hier im Ort entdeckte und schließlich selbst zu erforschen begann. Er schilderte- das Vorurteil der reichen Juden aufgreifend-, wie sich die Einkommensverhältnisse der Ebersheimer Juden darstellten. Er leitete sie ab von den Beiträgen, die jeder Jude zum Unterhalt der Gemeinde zu leisten hatte, basierend auf dem Steuerkapital. Daraus ergeben sich Einkommensschichtungen unter den 18 bis 20 Steuerpflichtigen mit wenigen reichen Juden (2) und zahlreichen in „sehr bescheidenen, wenn nicht ärmlichen Verhältnissen“ lebenden Juden. Abschließend schilderte er die Ereignisse der Reichspogromnacht in Nieder-Olm und Ebersheim 1938, die –wie sich aus den Akten ergibt- bereits 24 Stunden vor dem allgemeinen Pogrom, nämlich am 8. November stattfanden.
Eine lebhafte Diskussion der Zuhörer beendete den gelungenen Abend. 
Das Buch ist im BoD Verlag erschienen und im Buchhandel wie auch beim Autor erhältlich. ISBN 978-3-7357-4072-4". Link zu amazon.de  
Bericht über die Forschungsarbeit von Berthold Tapp:  
Dokumente erstmals ausgewertet (Allgemeine Zeitung, 24.09.2014)  

   
    

Links und Literatur  

Links:  

Website des Mainzer Stadtteiles Ebersheim        
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Ebersheim (interner Link)  

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 145-146.     
Ebersheim Lit 016.jpg (34728 Byte)Friedrich Eckert: Juden in Mainz-Ebersheim. Mainz 1992 (Mainz-Ebersheim. Vergangenes auf Bildern festgehalten Bd. 4).  
Hinweis: dieses Buch ist komplett einsehbar über die Website "Ebersheimer Album" - "Bücher in der Bibliothek des Ebersheimer Albums".      
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 69-72 (mit weiteren Literaturangaben).
Dieter Krienke: Die Synagogen der Mainzer Vororte Bretzenheim, Ebersheim, Hechtsheim und Kastel. In: Die Mainzer Synagogen. Hrsg. von Hedwig Brüchert im Auftrag des Vereins für Sozialgeschichte Mainz e.V. Mainz 2008. Weitere Informationen zu diesem Buch bei den Literaturangaben auf der Seite zu den Synagogen in Mainz.     
Rudolf Büllesbach: Geschichte und Schicksal der Ebersheimer Juden. Beitrag veröffentlicht in regionalgeschichte.net.  
Berthold Tapp: Die israelitische Gemeinde Ebersheim mit Harxheim und ihre Synagoge (1830-1938): Aufstieg und Untergang einer rheinhessischen Landjudengemeinde. 2014. 116 S. 12.- €. BoD-Verlag ISBN 978-3-7357-4072-4.    

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Ebersheim Hesse. The community, numbering 82 (4,8 % of the total) in 1871, dwindled to 25 by 1933. The remaining Jews left after Kristallnacht (9-10 November 1938), when the synagogue was destroyed.  
        
         

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

                  

 

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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 18. April 2015