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im Kreis Bernkastel-Wittlich"
Osann mit
Monzel (Gemeinde
Osann-Monzel, VG Wittlich-Land, Kreis Bernkastel-Wittlich)
Jüdische Geschichte / Synagoge
(erstellt unter Mitarbeit von Armin Kohnz,
Osann-Monzel)
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Osann bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./18. Jahrhunderts zurück. Bereits Mitte
des 16. Jahrhunderts ließen sich erstmals Juden am Ort nieder: 1547
erhielt (mit 33 anderen Juden und deren Familien im Erzstift) eine jüdische Familie die Genehmigung zur Niederlassung in
Monzel durch
den Trierer Kurfürsten Graf Johann von Isenburg (1547-1556). 1548
erteilte Dietrich V. Graf von Manderscheid und Blanckenheim pp. den Brüdern
Seligmann und Gutte das Geleit für Osann. Im Mai 1550 wurde ihnen ein
Geleitbrief ausgestellt. 1580 wurde den Juden im Erzstift das Geleit
aufgekündigt.
Anfang des 17. Jahrhunderts gab es wiederum Juden im Erzstift Trier; 1618
wurde eine erste Judenordnung erlassen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg
kam es zur vermehrten Wiederansiedlung von Juden. Graf Ferdinand Ludwig zu
Manderscheid pp. erteilte am 6. Juli 1664 einen ersten Geleitbrief für
die Juden Simon und Jakob Salomon, deren Vater Salomon Moses, Arzt in Mülheim,
den Grafen treue Dienste geleistet hatte. Ihnen wurde gestattet, sich mit ihren
Familien auf sechs Jahre in Monzel niederzulassen.
Auch im 18. Jahrhundert waren Juden am Ort. 1799 wird in einem
Rechnungsbuch der Gemeinde Osann "Jud Aron Schlaumon" genannt, der
damals "trey rhlr. 39 1/2 alb" an die Gemeinde zu zahlen
hatte.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie
folgt: in Osann 1808 57 jüdische Einwohner, 1843 Höchstzahl von 104 (14,79 %
des Gesamteinwohnerschaft),
1895 73 (8,8 %).
Eine präzise Volkszählung stammt von Lehrer Matthias Meuren vom 6. Dezember
1885: Damals waren unter den 816 Einwohnern 703 katholischer und 113
jüdischer Konfessionsangehörigkeit (13,9 %; unter den jüdischen Einwohnern
waren 50 Männer und 63 Frauen). Die jüdischen Familien lebten - bei damals 5
Zählbezirken des Ortes - vor allem im Zählbezirk V (Hausnummern 132 bis
163): in diesem Bereich hatten - vermutlich vor allem um die Synagoge - 68 der
113 jüdischen Einwohner ihre Wohnung.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge
(s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Religionslehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. unten
Ausschreibungstexte). Die jüdische Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk in
Trier.
Es gab keine Israelitische Elementarschule am Ort, die jüdischen Kinder
besuchten die allgemeinen Schulen. Nach der von dem bereits genannten
Lehrer Meuren geführten "Chronik der Knabenschule von Osann" gab es
in dieser Schule im Schuljahr 1883/84 unter den 80 Schülern 12 jüdische. Im
Schuljahr 1884/85 waren es von den 76 Knaben 10 jüdische, von den 70 Mädchen
11 jüdische.
Spätestens nach der Mitte des 19. Jahrhunderts waren die jüdischen Einwohner
im Leben des Ortes völlig integriert und anerkannt. Lehrer Meuren berichtet
beispielsweise von der Feier des Geburtstages von Kaiser Wilhelm I am 22. März
1887: "Die Feier des Geburtstages Sr. Majestät fand in der üblichen
Weise durch eine Ansprache, Gedichte und Gesänge statt. Es wohnten bei: der
Herr Pastor, der jüdische Lehrer und der Gemeinderat".
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts sind mehrere jüdische Familien vom Ort
verzogen. Zwischen 1895 und 1901 ging die Zahl der Einwohner Osanns von 822 auf
805 zurück. In diesen Jahren sind sechs jüdische Familien aus Osann - u.a.
nach Trier und in andere Städte - weggezogen. Mit Wegzug der jüdischen
Familien ging auch die Zahl der jüdischen Schüler am Ort zurück. In der
"Knabenschule Osann" waren im Schuljahr 1902/03 von insgesamt 152
Schülern (82 Knaben, 70 Mädchen) nur noch 7 jüdische
Schüler.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Ferdinand Ermann (geb.
1. Juni 1884 in Osann, gefallen 22. September 1915) und der
Unteroffizier Max Ermann (geb. 10. August 1888 in Osann, gefallen 27. Juli
1917). Ihre Namen stehen auf dem 1921 eingeweihten Ehrenmal für die
Gefallenen der Gemeinde. Gleichfalls ist im Ersten Weltkrieg Moritz Ermann
gefallen (geb. 2. August 1874 in Osann, gefallen 5. Januar 1917); er lebte in
der Zeit vor dem Krieg in Frankfurt am Main, sodass sein Name in den dortigen
Gefallenenlisten verzeichnet ist.
Um 1924, als noch 25
jüdische Personen am Ort lebten (3 % der Gesamteinwohnerschaft), war Gemeindevorsteher Hermann Bermann. 1932
wurde noch 22 jüdische Gemeindeglieder gezählt; inzwischen war Moritz Kahn
Gemeindevorsteher. Auch die in Monzel lebenden jüdischen Personen gehörten zur Gemeinde Osann
(1932 7 Personen).
Nach 1933 ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder (1933: 17 Personen) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen (insbesondere nach Trier) beziehungsweise ausgewandert
(neun Personen). Über antijüdische Maßnahmen des Gemeinderates Osann 1935
siehe Artikel unten.
Beim Novemberpogrom 1938
wurde die Synagoge geschändet, jüdische Wohnungen überfallen. Im Mai 1939
wurde kein jüdischer Einwohner mehr am Ort festgestellt.
Der "Fall Bermann"
(Foto aus der Kennkarte, erhalten von A. Kohnz):
Dem 81-jährigen Leder- und Schuhhändler Hermann Bermann wurden bereits 1935 die Fensterscheiben seines Geschäfts eingeworfen und sein Haus beschmiert. In der Pogromnacht wurde sein Haus geplündert und verwüstet. Daraufhin zog er nach Trier. Um noch die Mieten seiner Häuser einzuziehen und Grundstücke zu verkaufen, kam er zurück nach
Osann. Die Situation eskalierte und der alte Mann wurde auf dem Weg zur Bahn nach Platten brutal zusammengeschlagen und starb.
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Links
Grabstein für Hermann Bermann aus Osann im jüdischen Friedhof
in Trier (vgl. Bericht unter Erinnerungsarbeit
vor Ort unten; geb. 18.April 1858, gest. 3. Mai 1939); Foto erhalten von
Armin Kohnz, Osann): Der hebräische Text
übersetzt: "Hier ruht Naphtali Bar
Mordechai / ein gottesfürchtiger Mann von seiner Jugend an / Friede und
Wahrhaftigkeit waren in seinen Taten / Friede sei mit ihm. / Er ist
gestorben am 14. Ijjar und begraben am 20. Ijjar (5)699. Seine Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens."". |
Von den in Osann geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945") sowie nach den Recherchen
von Armin Kohnz (s.u.): Alma Bermann (1918), Amalie (Maria Anna) Bermann
geb. Haas (1862), Hermann Bermann (1858), Franziska Bermann geb. Kallmann
(1886), Leo (Leopold) Bermann (1882), Samuel
Bermann (1872), Wilhelm Bermann (1880), Felix Ermann (1884), Isac Ermann (1859),
Jakob (Jacob) Ermann (1870), Lore Ermann (1927), Ruth Elise Ermann (1925),
Sophie Ermann geb. Kahn (1896), Bertha Frank
geb. Blath (1879), Franziska Frank geb. Hirsch (1894), Sigmund Frank (1885), Helena Isay geb. Jacobs (1890), Jakob
Jacobs (1869), Mathilda Jonas geb. Ermann (Germann?, 1885), Artur Kahn (1900), Bernhard Kahn (1873),
Hella Kahn (1925), Joseph Kahn
(1869), Moritz Kahn (1882), Selma Kahn geb. Baum (1881), Thekla Kahn geb.
Bockmann (1884), Mina Kaiser geb.
Bermann (1877), Sibilla Kaufmann geb. Baum (1892), Emil Rosenberg (1889), Rosa Seligmann geb. Ermann (1880),
Leo Sey (1889), Max Sey (1887), Klara Thormann geb. Frank (1870), Frieda Zajak (1897), Gertrude Zander geb. Ucko
(1874).
Aus Monzel sind umgekommen: Helena Isay geb. Jacobs (1890),
Siegmund Mayer (Meyer, 1878), Johanna Mingelgrün geb. Mayer (Meyer, 1880).
Hinweis: eine Zusammenstellung
"Jüdische Opfer aus Osann und Monzel" mit weiteren Angaben zu
den oben genannten Personen auf Grund ausführlicher Recherchen hat Armin Kohnz
vorgenommen (eingestellt als xls-Datei).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1878 /
1885 / 1886 / 1890 / 1893
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Mai 1878:
"Die israelitische Gemeinde zu Osann, Regierungsbezirk Trier, sucht
einen Religionslehrer, der zugleich Vorbeter und womöglich auch
Schächter ist. Gehalt per Jahr von 600 bis 700 Mark und freie Wohnung.
Der Antritt kann schon bis den 1. Juli dieses Jahres beginnen. Bewerber
können sofort schriftlich einkommen. Der Vorstand Scholein. Simon &
Bermann II." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. April 1885:
"Die hiesige Vorbeterstelle, verbunden mit einem fixen Gehalt von
Mark 700 und Nebenverdienst, ist alsbald zu besetzen. Bewerber deutscher
Abstammlung wollen sich wenden an den Unterzeichneten Samuel Kahn,
Vorsteher der israelitischen Gemeinde in Osann." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Oktober 1886:
"In der hiesigen israelitischen Gemeinde ist die Stelle eines
Vorbeters, Schächters und Religionslehrers mit einem jährlichen Gehalt
von 700 Mark nebst freier Wohnung und Nebenverdienst baldigst zu besetzen.
Bewerber wollen sich sofort an den Vorstand der Gemeinde in Osann
wenden." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November 1890:
"Die hiesige Religionslehrer-, Kantor- und Schochet-Stelle ist per 1.
Dezember dieses Jahres zu besetzen. Fixes Gehalt 600 Mark nebst freier,
schöner Wohnung und zahlreichen Nebenverdiensten. Bewerber wollen ihre schriftlichen Offerten an den unterzeichneten Vorstand einsehen. Osann
(Reg.-Bezirk Trier). Nathan Ermann, Vorstand." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. März 1893:
"Wir suchen für unsere Gemeinde für sofort einen Religionslehrer,
Kantor und Schochet. Gehalt 600 Mark fix, freie Wohnung und entsprechende
Nebenverdienste. Bewerber soll sich gefälligst wenden an den
Unterzeichneten Vorstand.
Hermann Bermann, Osann, Regierungsbezirk Trier." |
| Es scheint 1893 schwierig gewesen zu sein,
die Stelle zu besetzen, da über mehrere Monate immer wieder eine
Suchanzeige erschien. Im September 1893 war sie wie folgt
formuliert: |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1893:
"Wir suchen einen Religionslehrer, Kantor und Schochet für die
hiesige Gemeinde. Gehalt 600 Mark nebst freier Wohnung und
Nebenverdienste. Unverheiratete Bewerber erhalten den Vorzug und wollen
sich bei dem unterzeichneten Vorstand melden.
Osann, 4. September 1893. Hermann Bermann." |
Aus dem
jüdischen Gemeindeleben
Antijüdische Beschlüsse des Gemeinderates von Osann in der NS-Zeit
(1935)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. August 1935:
"Frankfurt am Main, 20. Juli (1935) ...nach der Meldung aus
Neustrelitz: Wie die Frankfurter Zeitung weiter meldet, hat der
Gemeinderat von Osann, einem Winzerdorf in einem Seitental der
Mosel, den Beschluss gefasst, dass kein Jude und keine Jüdin in Osann
zuziehen darf, kein Jude ein Haus oder ein Grundstück erwerben darf, kein
Handwerker, Geschäftsmann oder sonstiger Volksgenosse eine Gemeindearbeit
oder Gemeindelieferung erhält, der noch mit mit Juden Verkehr pflegt oder
diese in ihrem Handeln unterstützt. Das Kaufen bei Juden wird als Verrat
am Volke und an der Nation bezeichnet." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zur Goldenen Hochzeit von Joseph Sey und Babetta geb.
Jacobs (1925)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1925: "Osann
(Regierungsbezirk Trier), 12. August. Am 23. August begehen Herr Joseph
Sey und seine Frau Babetta geb. Jacobs dahier in voller Gesundheit und
Rüstigkeit die Feier ihrer goldenen Hochzeit. Der 80-jährige Herr Sey
geht heute noch seinem Berufe, dem Spenglerhandwerk nach und beschäftigt
sich noch eifrig mit Gartenarbeit. Die beiden Ehegatten führten durch
alle Jahre ein echt jüdisches Haus. Sie pflegten Gerechtigkeit und
Wohltätigkeit. Herr Sey ist einer, der ständig auf die
Erfüllung religiöser Weisungen aus ist und ist der wahre Halt der
jüdischen Gemeinde am Platz. Er fungiert regelmäßig als ehrenamtlicher
Vorbeter, auch an den ehrfurchtgebietenden Tagen, ebenso als Schofarbläser.
Wenn immer es seine Zeit erlaubt, greift er nach seinem Buch
(gemeint: Bibel), um sich mit der Tora zu beschäftigen. So ist es
kein Wunder, dass er und seine Frau an ihrem Orte und auch in der weiten
Umgebung sich des besten Rufes und außerordentlicher Wertschätzung
erfreuen. So nehmen auch, wie man von allen Seiten hört, alle Kreise
seiner Heimat, ohne Unterschied des Standes und der Konfession, an dem
Feste, das das Ehepaar begehen wird, herzlichen Anteil. Mögen dem Paare
noch viele Jahre glücklichen Zusammenlebens und segensreiches Wirksamkeit
vergönnt sein. (Alles Gute) bis 100 Jahre." |
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Ergänzung: Nach dem Bericht von Lehrer Meuren
(Chronik der Knabenschule Osann, s.Lit.) schenkte
anlässlich der Goldenen Hochzeit seiner Eltern der Sohn des Jubelpaares -
Max Sey aus Frankfurt - der "Knabenschule" in Osann etwa 20
Bücher für die Schulbücherei. Ferner ließ er durch den
Gemeindevorsteher und die Lehrpersonen eine größere Menge Kleider und
Hemdenstoffe an bedürftige Familien verteilen.
Anmerkungen dazu von Fritz Kirch in der Transkription der Schulchronik:
- Max Sey war Textilhändler in Berlin-Friedrichshain - in Frankfurt
betrieb die Tochter Emma Sey ein
Lebensmittelgeschäft.
- Die der Schule geschenkten Bücher wurden nach 1933 "Auf Scheid"
verbrannt. |
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Weiteres Dokument:
Postkarte aus dem Jahr 1902 an Rosalie Sey, geschrieben von
ihrem Bruder Leo sowie den Eltern Babetha und Joseph Sey
(erhalten von Armin Kohnz) |
Die
Postkarte von Osann aus dem Jahr 1902 zeigt die Kirche St. Peter, den Turm
der Synagoge, die nicht mehr erhaltenen Häuser im Kirchgässchen und den
1902 noch fehlenden Wald am Franzenknüppchen.
Text: "Liebe Schwester! Ich gratuliere dich zu deinem Geburtstage
und wünsche dir viel Glück. Besten Gruß von deinem Bruder Leo. Grüße
mir Bertha. Liebe Rosalie zu deinem Geburtstag kradoliert dich deine Mama
Babetha Sey. Herzlichen Glückwunsch sendet dein Vater Josef Sey."
Josef und Babetha Sey geb. Jakobs wohnten in der Griesgass (heute
Bernkasteler Straße 74).
Der genannte Bruder Leo Sey (geb. 1889) wurde 1942 von Berlin aus
deportiert und ist
umgekommen. |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine erste Synagoge war spätestens in der ersten
Hälfte des 19. Jahrhunderts vorhanden. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts befand
sie sich in einem baufälligen Zustand. Die Gemeinde war dadurch gezwungen, für
ein neues Gotteshaus zu sorgen. Jahrelang wurde durch Zahlung wöchentlicher
Beitrag für den Neubau gesammelt. Da die finanziellen Mittel der Gemeinde
jedoch nicht ausreichten, erschien in der Zeitschrift mehrere Wochen lang im Herbst
1897 folgender Spendenaufruf:
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. September
1897: "Die israelitische Gemeinde Osann, Regierungsbezirk
Trier, ist genötigt, wegen Baufälligkeit der jetzigen eine neue Synagoge
zu erbauen. Die Gemeinde, aus 16 Familien bestehend, müht sich schon
Jahre lang, das Baukapital durch Zahlung wöchentlicher Beiträge
aufzubringen. Gern hätten wir den Bau noch einige Jahre hinausgeschoben,
doch durch die immer mehr zunehmende Baufälligkeit sind wir gezwungen,
denselben schon jetzt in Angriff zu nehmen. Aber das Nötigste fehlt uns,
die Hälfte der Bausumme. Wir wenden uns deshalb an Euch, edle
Glaubensgenossen, mit der innigen Bitte: Helfet uns unser Werk fördern,
indem Ihr uns durch gefällige Einsendung von Spenden unterstützt 'Gott
segnet euer Vermögen und das Werk eurer Hände nimmt er gnädig auf'
(nach 5. Mose 33,11). Jede, auch die kleinste Gabe wird von den
Unterzeichneten dankend entgegengenommen und auf Wunsch darüber
quittiert.
Julius Ermann, Isak Baum, Vorsteher der israelitischen Gemeinde
Osann.
Die dringende Notwendigkeit des Baues wie die Bedürftigkeit der
Landgemeinde Osann kann ich aus eigener Kenntnis nur bestätigen; das
obenstehende Gesuch sei darum auch meinerseits unseren mildtätigen
Glaubensgenossen, die ein gutes und verdienstvolles Werk zu unterstützen
geneigt sind, aufs angelegentlichste hiermit empfohlen. Trier, den 27. September
1897.
Der Oberrabbiner: Dr. J. Baßfreund. Die Geschichtsstelle dieses
Blattes ist auch gerne bereit, Gaben zu dem Baue in Empfang zu
nehmen." |
Der Spendenaufruf hatte Erfolg. Im Laufe des Jahres 1898
(Baudatum auf dem Giebeldreieck) konnte die Synagoge erstellt werden. Sie wurde
am 29. Juli 1899 festlich eingeweiht. Das Einweihungsdatum erfährt
man aus einem Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit". In dem
Artikel wird der größeren Gemeinde in Wittlich
die Osanner jüdische Gemeinde mit ihrem Synagogenbau als vorbildlich
präsentiert:
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juli 1899: "Wittlich,
24. Juli (1899). Am 29. dieses Monats findet in Osann (Kreis
Wittlich) die Einweihung der neuen Synagoge statt. Wittlich mit der Zahl
von 50 jüdischen Familien hat es noch nicht so weit gebracht, sondern
benutzt noch immer die alte Synagoge, obwohl ein Neubau sehr zu wünschen
wäre; auch ein tüchtiger Kantor ist hier sehr nötig, doch kann die
Gemeindevertretung anscheinend nicht zum Entschluss kommen, was im
Interesse des Gottesdienstes sehr zu bedauern ist. Hoffentlich wirkt das
gute Beispiel der kleinen Nachbargemeinde auch hier." |
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Anzeige
in der Bernkasteler Zeitung vom 25. Juli 1899 (erhalten vom Armin Kohnz,
Osann): "Synagogeneinweihung in Osann am 28., 29. und 30. Juli
dieses Jahres.
Fest-Programm: Freitag, den 28. Nachmittags 7 Uhr: Feierlicher Einzug in
die Synagoge,
Weihe und Festpredigt - Herr Ober-Rabbiner Dr. Baßfreund,
Trier.
Samstag, den 29. Morgens halb 9 Uhr: Festgottesdienst mit Predigt.
Nachmittags 4 Uhr: Konzert. Abends: Ball im neu erbauten
großen Saale des Herrn Traut.
Sonntag, den 30. Ball im neu erbauten großen Saale des Herrn
Traut.
Passe par tout-Karten zu allen Festlichkeiten gültig à 4 Mark im Vorverkauf
bei Herrn Traut. Einzelkarten an der Kasse.
Für gute (rituelle) Küche ist in bester Weise gesorgt. -
Fahrgelegenheit von Station Platten nach Osann. Es ladet ergebenst
ein Das Fest-Komitee." |
Bei der Synagoge handelt es sich um einen von der Straße zurückgesetzten Bruchsteinsaalbau.
Der Eingang befand sich auf der südlichen Seite. Charakteristisch für den Bau
ist ein Zwerchgiebel über dem Eingang. Die Rundbogenfenster sind bis heute
erhalten. Die originale Fensteraufteilung ist noch heute zu erkennen, auch wenn
ein Teil der Fenster zugemauert wurde. Im Innenbereich sind die
ornamentalen Bodenfließen, Reste des Inventars und weitere Spuren
erhalten.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet. Wenig später
wurde das Gebäude an einen Privatmann verkauft. Seitdem wird die ehemalige
Synagoge als Schuppen verwendet. Um 1960 wurde der Eingang in die Mitte
verlegt, die traufseitigen Fenster vermauert und auf Höhe der ehemaligen
Frauenempore eine Betondecke eingezogen.
Adresse/Standort der Synagoge: Bernkasteler
Straße (frühere Hauptstraße) nahe dem Ortsausgang in Richtung Bernkastel, von
der Straße etwas zurückgesetzt.
Das ehemalige jüdische Schulhaus mit Lehrerwohnung ist heute das Gebäude
Bernkasteler Straße 71.
Fotos
Lage der alten
Synagoge (vor 1897) und der Israelitischen Schule sowie Ansicht der Synagoge
(von 1899)
(Quelle: Kopie des Plans erhalten von Armin Kohnz; Foto: Landesamt s.
Lit. S. 307) |
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Lageplan von
Synagoge (Vorgängerbau
der Synagoge von 1899) und israelitischer
Schule (aus dem Urkataster von Osann 1829) |
Blick auf den
Bereich des früheren
Eingangs der Synagoge von 1899, darüber
der charakteristische
Zwerchgiebel |
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Die
ehemalige Synagoge im Oktober 2007
(Fotos: Carolin Bollig, Osann-Monzel)
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| Blick
auf die ehemalige Synagoge von der Bernkasteler Straße |
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| Rückseite
des Gebäudes der ehemaligen Synagoge |
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Das Baudatum
"1898" auf dem Giebeldreieck |
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| Die ehemalige
Synagoge im September 2009 (Fotos: Theo Meulemans, o.praem.,
Aufnahmedatum 4.7.2009) |
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Blick
auf die ehemalige Synagoge von der Bernkasteler Straße |
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Das
Baudatum "1898"
auf dem Giebeldreieck |
Rückseite
des Gebäudes |
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Familie Kahn in
Osann 1938
(Fotos erhalten von Andreas Filz [obere Reihe] und Armin Kohnz [untere
Reihe], Osann) |
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Familie
Kahn in Osann im Februar 1938 vor ihrem Haus in der heutigen Trierer
Straße (Foto des Hauses rechts, um 1970);
Familienfoto von links nach rechts: Herta Kahn (später: Harriet R.
Petzall, geb. 25.3.1916, lebt [?] in den USA), Thekla Kahn geb. Bockmann (geb. 23.11.1884), Hella Kahn
(geb. 21.06.1925), Moritz Kahn (geb. 02.04.1882 in Osann) und Siegfried
Kahn (geb. 1913; noch Mitte der 1930er-Jahre bis ca. 1936! Torwart der Fußballmannschaft des TuS Osann); Thekla,
Hella und Moritz Kahn sind nach der Deportation vermutlich in Auschwitz
ermordet worden. |
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Familie Kahn am 6.
Februar 1938,
vermutlich Abreisetag von Siegfried Kahn |
Foto von Herta
Kahn aus der Zeit um 1928:
von links nach rechts: Gertrud Hoffmann,
Herta
Kahn, Hella Kahn |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
Dezember
2008: Präsentation der
"Osanner Thora"
Vorbemerkung von Hans Gorges, Webmaster der Internetseite: www.osann-monzel.de
"Der Verein '1000 Jahre Osann' hat mit der Auflage der Dorfchronik
anlässlich der 1000-Jahrfeier in 2008 erstmals das Thema 'Jüdische
Geschichte in Osann' aufgegriffen und auf fast 20 Seiten die Geschichte der Juden in Osann für Jedermann zugänglich gemacht.
Dies war ein mutiger Schritt, um auch der Jugend und bei allen, denen das Unrecht,
das dem Jüdischen Volk auch in unserer Region zugefügt wurde, wieder ins
Bewusstsein zu rufen.
Die ehemalige Synagoge wird heute - wie oben beschrieben - als Scheune bzw. Lager für Landwirtschaft genutzt.
Sie ist in Privateigentum. Die heutigen Eigentümer haben bei einer Veranstaltung des Vereins 1000 Jahre Osann'
Teile einer Tora zur Verfügung gestellt, die wohl über Jahrzehnte auf dem Speicher Ihres Wohnhauses unentdeckt gelagert waren.
Vertreter der Jüdischen Gemeinde waren zu dieser Veranstaltung eingeladen und haben dort auch erstmals über die jüdische Geschichte und über das Leben der Juden in der hiesigen Region berichtet und erzählt;
mehr als 150 Osann-Monzeler Bürger sowie Gäste aus der Region waren anwesend
(siehe Bericht unten)"
Zum Bericht über die Geschichte der Juden in Osann in der Dorfchronik von Osann: das Buch ist erhältlich über
Gemeindebüro Osann-Monzel, Weinbergstraße 1, 54518 Osann-Monzel.
Telefon: 06535 – 94 92 84 Telefax: 06535 – 94 92 86 E-Mail
bzw. gemeinde-osann-monzel[et]t-online.de- |
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Artikel im "Trierischen Volksfreund" vom 1. Dezember 2008 (zur
Verfügung gestellt von Hans Georges):
150 Menschen fanden den Weg ins Bürgerhaus Osann, um mehr über das jüdische Leben in und um Osann zu erfahren. Höhepunkt war die Präsentation der Fragmente der Osanner Thora. Der Abend wurde vom Verein "1000 Jahre Osann" veranstaltet und gab den Anstoß zur Erinnerung und Aufarbeitung.
Endlich hatten die Osanner Bürger Gelegenheit, sich über das jüdische Leben in der Region und in ihrem Ort zu informieren und auszutauschen. Der Verein "1000 Jahre Osann" hatte zu diesem Abend eingeladen. "Osann hatte einen schlimmen Ruf im Bezug auf Juden und nicht zu Unrecht", erzählte Matthias
Junk, "deshalb bin ich positiv überrascht, wie viele Leute hier sind". Der "schlimme Ruf" bezieht sich auf den Fall Bermann (siehe Extra). Nach Angaben von René
Richtscheid, Leiter des Emil Frank Instituts, erlaubte der Kurfürst von Manderscheid bereits 1547 einer jüdischen Familie, sich in Osann anzusiedeln. Marianne Bühler, ehemalige Leiterin des Emil-Frank-Instituts, erzählte von den Juden als Bürger, Religionsgemeinschaft und Fremde, Ausgegrenzte und Verfolgte. Eine Lesung von Josefine Wittenbecher führte vor Augen, wie nach dem Krieg das Thema Judenverfolgung im Ort verdrängt wurde. Dr. Yaghoub Khoschlessan sprach unterhaltsam und fachkundig über das Judentum.
Höhepunkt war die Präsentation von Fragmenten der Thora, die in der Synagoge in Osann gelesen wurde. Was mit ihr passiert, wird erst nach der gesetzlichen Prüfung entschieden. Anschließend gab es die Möglichkeit für Fragen und Gespräche. "In unserem Haus, so hat man mir gesagt, hätte sich eine jüdische Gerichtsbarkeit befunden, und der Pfad, der zur Mosel führte, hieß
Sittischpfädchen, also Sühnepfad", berichtete Heinz Traut. Marianne Hoffmann erinnerte sich, dass sie oft im Haus der jüdischen Familie Kahn gespielt hat. Matthias Junk erzählte, dass es auch Leute gab, die Kindern judenfeindliche Lieder beigebracht haben.
Aber nicht alle wollten erzählen. Ein Besucher meinte "Ich weiß noch Dinge, die damals passiert sind und wer beteiligt war, aber ich sage nichts." Dennoch war die Stimmung versöhnlich. Nach dem offiziellen Teil saßen noch viele Teilnehmer zusammen. Traurige Geschichten und lange vergessene Begebenheiten kamen zum Vorschein." |
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Fragmente der Osanner Thora
(Fotos erhalten von Armin Kohnz, 1. Vorsitzender 1000 Jahre Osann
e.V.) |
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| Hierzu: Expertise
von Prof. Dr. Andreas Lehnardt (Universität Mainz) zur Osanner Thora
(pdf-Datei). |
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| Mai 2009:
Gedenktafel zum 70. Todestag von Hermann
Bermann |
Foto
von Erich Gerten: Mehr als nur ein Zeichen: Osann-Monzeler Einwohner legen auf dem Trierer Hauptfriedhof eine Gedenktafel am Grab des 1939 getöteten Juden Hermann Bermann nieder.
Artikel von Erich Gerten im "Trierischen Volksfreund" vom 5. Mai
2009: Schöne Geste
Es herrschte eine gelöste Atmosphäre trotz des schwierigen Themas. Osann-Monzeler Bürger legten am 70. Todestag von Hermann Bermann eine Gedenktafel an dessen Grab nieder. Der 1939 in Osann erschlagene Jude ist auf dem jüdischen Teil des Trierer Hauptfriedhofs beerdigt.
Osann-Monzel/Trier. Das Geschehen am Sonntagabend auf dem Trierer Hauptfriedhof ist Geschichtsaufarbeitung pur mit nachhaltiger Wirkung. Es ist zudem Aufarbeitung im positiven Sinne mit einer Geste, die den ohnehin vorhandenen Symbolcharakter nochmals überragt. Denn die Geste kam erkennbar von Herzen und steht weit über "pflichtgemäßem" Handeln. Das Frühlingswetter passte zudem atmosphärisch.
Von Herzen waren sie anwesend, die etwa ein Dutzend Osanner Einwohner, junge wie ältere. Mit dabei waren profunde Kenner jüdischer Geschichte. Armin
Kohnz, Vorsitzender des Vereins 1000 Jahre Osann, legte zusammen mit Marianne Bühler, Mitautorin des Beitrages zur jüdischen Geschichte in der Osanner Ortschronik, eine Gedenktafel an das Grab des 81-jährigen jüdischen Leder- und Schuhhändlers: "Im Gedenken an Hermann Bermann lege ich diese kleine Tafel aus Schiefer aus den Osanner Weinbergen hier nieder".
Bermann war am 3. Mai 1939 getötet worden (siehe Hintergrund). Kohnz und die mitgereisten Osanner lebten zudem jüdisches Brauchtum, denn sie legten kleine Steine, die von der Stelle seines Todes stammten, auf Bermanns Grab. Damit haben die Osanner erneut die Aufarbeitung ihrer jüdischen Geschichte mit Elan und Überzeugung weiter verfolgt und im Bezug auf die schweren Jahre der Nazizeit wiederum Zeichen gesetzt. Der Blick richtet sich aber auch auf die weitaus längere Zeit von 1548 bis vor 1933, als ein durchweg harmonisches Zusammenleben zwischen Juden und Christen das Dorf Osann prägte.
Hintergrund Juden in Osann: Fast 400 Jahre, von 1548 bis in die 1930er Jahre, gehörten Juden zum Osanner Alltagsleben und waren fest in das dörfliche Geschehen integriert. Mit Ausnahme der Nazizeit ab 1933. Es kam, wie in vielen anderen Orten auch, zu schlimmen Übergriffen. Der jüdische Leder- und Schuhhändler Hermann Bermann war nach dem Pogrom vom 9. November 1938 nach Trier verzogen, Im Mai 1939 kam er nochmals nach Osann, um Mieten von seinem Haus einzuziehen und einen Acker zu verkaufen. Nachdem einige Bürger davon erfahren hatten, versuchten sie, ihn aus dem Ort zu vertreiben. Andere wiederum wollten ihm helfen, aber es gelang nicht. Bermann wurde verfolgt und an der Straße zwischen Osann und Platten brutal zusammengeschlagen, so dass er dort verstarb.
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| August
2009: Besuch von Reuven Arbel und Guy
Dar-Ermann in Osann |
Foto
von Erich Gerten: Bewegt und beeindruckt im Gespräch bei der Thora im Osanner Pfarrheim: Reuven Arbel aus Israel (rechts) und sein Enkel Guy Dar (links). TV-Foto: Erich Gerten
Artikel von Erich Gerten im "Trierischen Volksfreund" vom 25.
August 2009: "Bewegt und beeindruckt.
Die 1000-Jahr-Feier von Osann im Sommer 2008 ist bis nach Israel bekannt geworden. Reuven Arbel-Ermann aus
Nahariya, einer Stadt am Mittelmeer, ist mit seinem Enkelsohn Guy Dar-Ermann in Osann-Monzel bei der Suche nach seinen Vorfahren fündig geworden.
Osann-Monzel. Auf dem jüdischen Friedhof von Osann geht Reuven Arbel von Grabstein zu Grabstein, reinigt mit etwas Wasser die hebräischen Inschriften, damit diese besser lesbar werden. Nach einer guten halben Stunde strahlt der 73-Jährige. "Hier liegt mein Ur-Ur-Opa begraben, Salomon Ermann aus Osann, gestorben 1877."
Auf jüdischen Friedhöfen werden keine Grabstätten entfernt. Der Ruheplatz seines Urgroßvaters hat selbst die schweren Jahre der Nazizeit überstanden.
Erfreut erhebt sich Reuven Arbel, der als Martin Ermann 1936 in Frankfurt/Main geboren wurde: "Mein Opa Ludwig Ermann verzog von Osann nach Frankfurt. In Frankfurt wurde mein Vater Hans Ermann 1906 geboren. Er musste 1937 nach Israel emigrieren. Meine Mutter und ich folgten ihm im März 1938."
Reuven Arbel siedelte sich in Nahariya an, einer damals deutschsprachigen Siedlung, heute eine 55 000 Einwohner zählende Stadt am Mittelmeer nahe der libanesischen Grenze, in der durch den Zuzug vieler Juden aus aller Welt mittlerweile vorwiegend hebräisch gesprochen wird. "Warum ich nach Osann komme? Ich habe herausgefunden, dass mein Opa in Osann geboren wurde, aber keiner meiner Freunde in Deutschland wusste, wo Osann liegt. Dann habe ich im Internet recherchiert und bin auf die Ortschronik gestoßen, erstellt zur 1000-Jahr-Feier 2008." In der Chronik las er vieles über die jüdische Geschichte und die Osanner Familien Ermann. "Da habe ich mir vorgenommen, ich muss Osann sehen." Vergangene Woche war der Tag gekommen. Der lebensfrohe Mann aus Israel und sein 21-jähriger Enkel Guy Dar strahlen Optimismus aus und freuen sich, den Geburtsort ihrer Vorfahren gefunden zu haben. In Begleitung von Freunden aus Heidelberg wurden sie in Osann von Kennern der Osanner jüdischen Geschichte empfangen.
Der Rundgang durch den Ort ihrer Vorfahren, zur ehemaligen Synagoge und zum jüdischen Friedhof entwickelte sich zum Finden der eigenen Wurzeln. Bei einer Gesprächsrunde im katholischen Pfarrheim zeigten die Osanner dem sichtlich bewegten Reuven Arbel die Reste der Thora-Rolle aus der ehemaligen Synagoge. Es war spürbar: Gäste und Gastgeber waren hocherfreut beim gegenseitigen Kennen- und
Verstehenlernen. Geschichte und Gegenwart gaben sich im Gespräch bei der Thora die Hand.
Das Treffen in Osann-Monzel stand von Anfang an unter einem positiven Stern und war so ganz nebenbei Völkerverständigung im besten Sinne. Das bestätigten die Worte des 21-jährigen Guy
Dar-Ermann: "I love Germany, it is a nice country - Ich liebe Deutschland, es ist ein schönes Land."
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Weitere Fotos vom Besuch
von Reuven Arbel und seinem Enkel Guy Dar im Sommer 2009
(erhalten von Armin Kohnz) |
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Besichtigung der Osanner Tora
im katholischen Pfarrheim
(vgl. Bericht oben) |
"Delegation" aus
Osann, die
Reuven Arbel bei seinem
Besuch empfangen hat |
Auszug aus einem Soldbuch (?)
von Ludwig Ermann (geb. 1876), einem Vorfahr von Reuven Arbel in Osann |
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| Oktober 2010:
Ein Gedenkstein
für die Osanner Juden wird eingeweiht |
Foto
links von Erich Gerten: Andreas Filz hat den Gedenkstein für die Osanner
Juden erstellen lassen.
Artikel von Erich Gerten im "Trierischen
Volksfreunde" vom 26. Oktober 2010 (Artikel):
"Ein Gedenkstein erinnert an die Osanner Juden.
Andreas Filz aus Osann-Monzel hat einen Gedenkstein für die vertriebenen, deportierten und ermordeten Juden aus Osann anfertigen und aufstellen lassen. Filz hält bis heute Kontakt zu einer Familie, die in der Nazizeit in die USA ausgewandert ist.
Über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Osann ist bereits viel geschrieben worden. Wenig bekannt ist, dass einige Juden auch nach dem Zweiten Weltkrieg den Kontakt nach Osann aufrechterhalten haben. Der 1959 geborene Andreas Filz berichtet: "Mein 1907 geborener Vater Nikolaus Filz war vor dem Zweiten Weltkrieg ein Nachbar der jüdischen Familie Kahn in der Trierer Straße."
Siegfried Kahn arbeitete als Textilverkäufer bei Ermann-Bach in Wittlich. Aber dann kam die unheilvolle Nazizeit. Siegfried und seine Schwester Herta konnten fliehen und fanden nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA ein neues Zuhause. In Los Angeles eröffnete er einen florierenden Textilhandel.
Auf dem Stein stehen keine Namen. Mehrmals jährlich kamen Briefe aus Amerika nach Osann zur Familie Filz und einmal jährlich ein Geschenkpaket. "Das war jedes Mal wie Weihnachten", erzählt Andreas Filz. "In den Paketen war vieles drin, was wir in Deutschland damals nicht kannten vom Kugelschreiber bis zum Modeschmuck."
Anfang der 70er Jahre kamen Siegfried Kahn und sein Sohn Bob nach Osann. "Seither haben wir uns immer wieder gegenseitig besucht", erzählt Andreas Filz. Den Kahns ging es wirtschaftlich gut. Anderen jüdischen Bewohnern Osanns war es wesentlich schlechter ergangen.
So wurden Siegfrieds Eltern und die jüngere Schwester Hella ermordet. Dies und der enge Kontakt mit der Familie Kahn haben Andreas Filz dazu veranlasst, einen Gedenkstein für die Osanner Juden zu gestalten.
"In Osann haben viele Juden gewohnt, aber außer dem jüdischen Friedhof erinnert nichts an diese Familien. Mit Stolpersteinen konnte ich mich nicht anfreunden, weil viele Menschen dagegen sind."
Daher hat Filz einen Gedenkstein aus Basaltlava mit sich nach oben verjüngendem ovalen Grundriss und einer Einkerbung erstellen lassen. Diese außergewöhnliche Form des Mahnmals soll an das gemeinsame Zusammenleben von Juden und Christen erinnern, und der Einschnitt an das jähe Entzweien durch die Nazis. Es werden keine Namen eingraviert, sondern der Schriftzug: "Zur Erinnerung an die vertriebenen, deportierten und ermordeten Juden aus Osann."
Uhrzeit für die Einweihung steht noch nicht fest. Filz hat den Stein in Absprache mit der Gemeinde Osann-Monzel gegenüber der Schule auf einem gemeindeeigenen Grundstück aufstellen lassen. Siegfried Kahn ist in den 1980ern gestorben, aber sein Sohn Bob wird am Sonntagmorgen, 31. Oktober, anlässlich einer Europareise nach Osann kommen und zusammen mit Andreas Filz den Stein "einweihen". Eine Uhrzeit wurde nicht festgelegt, weil Bob Kahn von Frankfurt auf der Durchreise nach Brüssel ist.
EXTRA So wird im Kreis an Juden gedacht Im Kreis Bernkastel-Wittlich wird unterschiedlich an die einstigen jüdischen Mitbürger erinnert. In Wittlich informiert eine Ausstellung in der restaurierten Synagoge über das jüdische Leben in der Kreisstadt. Veranstaltungen organisieren der Arbeitskreis "Jüdische Gemeinde Wittlich" und das Emil-Frank-Institut. Auch ein jüdischer Friedhof existiert dort. Über die in den Boden eingelassenen Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig mit Namen, Geburts- und Todestag ehemaliger Bürger wurde in der Kreisstadt bislang nur diskutiert. Solche Steine finden sich in Bernkastel-Kues und in
Talling, geplant sind sie für Brauneberg, Mülheim und Veldenz. Die Stadt Traben-Trarbach hat nach Diskussionen über den genauen Standort eine Gedenktafel am Mittelmoselmuseum aufgehängt. (mai)." Artikel
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links von Erich Gerten: Bob Kahn (Dritter von links) und Frau Penny (Zweite von links) kamen aus den USA zur Einweihung des Gedenksteins für die Osanner Juden. Gestiftet wurde der Stein von Andreas Filz (Vierter von links). Mit dabei auch der Bildhauer Sebastian Langner (rechts) und Yaghoub Khoschlessan vom
Bündnis für Menschlichkeit und
Zivilcourage.
Artikel von Erich Gerten im "Trierischen Volksfreund" vom 2.
November 2010 (Artikel):
"Gedenkstein soll zum Nachdenken anregen
Der von Andreas Filz zum Andenken an die deportierten und ermordeten Osanner Juden gestiftete Gedenkstein wurde im Beisein eines Nachfahren der Osanner Juden eingeweiht.
Osann-Monzel. Ein Zeichen der Versöhnung? Während am Sonntagvormittag Nebel die Sicht behinderte, und es gelegentlich regnete, hellte sich der Himmel nach der "Einweihung" des Gedenksteines für die Osanner Juden auf. Es entwickelte sich zu einem sonnigen und warmen Tag, je länger die Familien Filz und Kahn zusammensaßen.
Bob Kahn, geboren 1942 in den USA, und seine Frau Penny waren anlässlich einer Europareise nach Osann gekommen, um den von Andreas Filz aus Osann gestifteten Gedenkstein einzuweihen. Bobs Vater Siegfried Kahn und dessen Schwester Herta konnten 1938 und 1939 aus Osann nach den USA fliehen und sich erfolgreich eine neue Existenz aufbauen. Siegfried Kahn, gestorben 1977, habe nicht gern über das Geschehen in der Nazizeit gesprochen, erzählt sein Sohn Bob.
Auch deswegen, weil er sich Gedanken darüber machte, dass bei der Flucht nicht alle Familienmitglieder mitgekommen waren und ein Teil von den Nazis umgebracht wurde. Nur ein einziges Mal war Siegfried Kahn nach Deutschland zu Besuch gekommen. Nach Osann allerdings hat er, und nach seinem Tod 1977 sein Sohn Bob, die Kontakte aufrechterhalten. Bob meint heute: "Ich habe keine Probleme, Deutschland ist in Ordnung." Aber zugleich betont er: "Wir benötigen eine dauerhafte Erinnerung, damit zukünftig so was nicht mehr passiert".
Daher freut es ihn, dass Andreas Filz einen Gedenkstein zum Andenken an die deportierten und ermordeten Osanner Juden anfertigen ließ (der TV berichtete). Filz betonte bei der Einweihung: "Nach 65 Jahren ist es Zeit, auch in Osann einen Gedenkstein zu errichten. Ich hoffe, dass er zum Nachdenken anregt".
Bürger meinen spontan: "Er ist schön". Yaghoub Khoschlessan aus Bernkastel-Kues, Vorsitzender des Bündnisses für Menschlichkeit und Zivilcourage, sprach ein jüdisches Totengebet auf Hebräisch. Die Mitglieder der jüdischen Gemeinden, mit denen er in den letzten Tagen gesprochen habe, seien begeistert, dass auf Initiative einer Privatperson ein Mahnmal erstellt wurde.
Bob und Penny Kahn dankten der Familie Filz für die langjährige Freundschaft: "Mit dem Mahnmal haben wir was Gutes, was wir teilen können. Diese jüngste Erinnerung an Deutschland ist eine gute Erinnerung."
Osann-Monzels Ortsbürgermeister Matthias Stoffel betonte im Gespräch mit dem TV ebenfalls die Bedeutung: "Es ist richtig, die Erinnerung
wachzuhalten." Das Mahnmal an der Durchgangsstraße in Osann gegenüber der Grundschule wurde vom Wittlicher Bildhauer Sebastian Langner nach den Vorstellungen von Andreas Filz gearbeitet. Spontan meinten Osann-Monzeler Bürger, die sich den Gedenkstein anschauten: "Er ist schön"."
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| November
2010: Der Verein "1000 Jahre
Osann" besucht die Synagoge in Wittlich |
Foto
links: Der Verein "1000 Jahre Osann" besuchte aus Anlass der
Veranstaltungen "100 Jahre Synagoge Wittlich" die dortige
Synagoge (Foto von Andreas Filz).
Bericht von Armin Kohnz: "Besuch der Sonderausstellung '100 Jahre Synagoge
Wittlich'
Annähernd 35 Osanner und Monzeler fanden sich am vergangenen Sonntag in Wittlich zum Besuch der Sonderausstellung
'100 Jahre Synagoge Wittlich' ein. René Richtscheid, Geschäftsführer des Emil-Frank-Institutes begann seine Führung am ehemaligen Thoraschrein vor der Synagoge. Dieser dient heute als Gedenkstätte. Er erläuterte den Baustil der
Synagoge, die am 25.11.1910 eingeweiht worden war. In der Synagoge ging er auf die einzelnen Stationen der Sonderausstellung weiter ein und es entwickelte sich ein reger Austausch von Fragen und Antworten. Auch die in der Sonderausstellung integrierte
Thora von Osann wurde natürlich näher erläutert. Kopien der Expertise zur Osanner Thora von Prof. Dr. Lehnardt von der Uni Mainz trugen zum weiteren Verständnis bei. In den anschließenden Gesprächen wurde nochmals der Wunsch geäußert, sich weiterhin mit diesem Teil der Geschichte von Osann zu beschäftigen." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hrsg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 307-308 (mit weiteren Literaturangaben).
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 | 1000 Jahre Osann - Geschichte eines Weindorfes im
Moselland. Herausgegeben von Fritz Kirch, Armin Kohnz und Erich Gerten.
2008. 422 S. 29,90 €. |
 | Die im Text oben angegebene "Chronik der Knabenschule
von Osann" (geführt hauptsächlich von Lehrer Matthias Meuren von 1882 bis
1942) wurde 2008 von Fritz Kirch, Osann/Trier transkribiert.
Eine Datei mit verschiedenen Angaben zur Geschichte der jüdischen Einwohner
wurde von Armin Kohnz zur Verfügung gestellt. |
 | Rechnungsbuch der Gemeinde Osann 1714-1821. Transkription
von Fritz Kirch. Trier / Osann 2009. |
Quellenmaterial:

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Osann Rhineland. The Jewish population
was 77 in 1833 (13 % of the total) and 106 in 1843. There was a synagogue in use
at this time. In 1899, a new one was consecrated. In 1933, 17 Jews remained. In
1935, Jews owned only a grocery and butcher shop. The town had 24 Jews in 1936;
three emigrated over the next two years. On Kristallnacht (9-10 November
1938), the synagogue and the homes of the four remaining families were destroyed.
Between December 1938 and April 1939, six more Jews emigrated and six left for
Trier. In May 1939 none were left.

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