Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Neumagen (Gemeinde Neumagen-Dhron, Kreis Bernkastel-Wittlich)
Jüdische Geschichte / Synagoge 
 

Übersicht: 

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen 
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
bulletLinks und Literatur   

  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
    
In Neumagen wohnten bereits im Spätmittelalter einzelne Juden. 1474 stand ein jüdischer Einwohner unter dem Schutz des Heinrich Vogt von Hunolstein. Er war in diesem Jahr von dem erzbischöflich-trierischen Hochgerichtsamtmann zu Bernkastel mit mehreren Knechten beraubt und gefangen gesetzt worden. Auch 1553 werden Juden am Ort genannt.   
  
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück. Der in dieser Zeit bereits vorhandene jüdische Friedhof zwischen Neumagen und Dhron (erstmals 1578 erwähnt) war zentrale Begräbnisstätte für die in der Umgebung bestehenden jüdischen Gemeinden (1660 werden u.a. Beisetzungen aus Piesport und Thalfang genannt). Neumagen spielte offenbar in dieser Zeit für die jüdischen Gemeinden der Umgebung nicht nur auf Grund des Begräbnisplatzes eine zentrale Rolle: noch im 18. Jahrhundert - zwischen 1717 und 1787 - fanden am Ort regelmäßig die "Judenlandtage" statt. Beim Judenlandtag 1717 wurde eine "Jüdisch Ceremonial Verordnung" für die Juden des Erzbistums Trier beschlossen (s.u.).
  
1699 gab es vier jüdische Familien in Neumagen.  
  
Im 19. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner zu: von 1808 44 jüdische Einwohner, 1831 64, 1843 75, 1851 101 auf eine Höchstzahl von 109 im Jahr 1857. Danach ging die Zahl durch Aus- und Abwanderung langsam zurück: 1861 86 jüdische Einwohner (darunter 36 Kinder), 1895 55, 1925 44.    
  
Auf Grund des Rückganges der Gemeindegliederzahlen schlossen sich 1890 die beiden Nachbargemeinden Neumagen und Niederemmel zu einer gemeinsamen Synagogengemeinde zusammen (siehe unten Presseartikel von 1890).  
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde ein Synagoge (s.u.), eine Religionsschule (seit etwa 1840, ab 1891 jüdische Elementarschule) mit Lehrerwohnung (beides seit 1872 im Gebäude der alten Synagoge in der Bogengasse), ein rituelles Bad (1905 renoviert mit einem Zuschuss vom 80 Mark der "Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums") und den bereits genannten Friedhof. Für die Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt (bereits 1803 wird ein 'Maitre d' école" der jüdischen Gemeinde genannt), der (bis 1891) ein examinierter Religionslehrer war und zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war (vgl. Ausschreibung der Stelle von 1872 unten). 1881 wird als Lehrer N. Juda genannt (siehe unten Spendensammlungen 1881), 1887/88 J.Heß (erteilt Unterricht in Neumagen und Niederemmel). 1891 wurde die israelitische Religionsschule in eine Elementarschule (öffentliche jüdische Volksschule) umgewandelt und - schon zwei Jahre zuvor - ein Elementarlehrer angestellt (vgl. unten Ausschreibung der Stelle von 1889). Von 1889 bis 1924 war als Lehrer Moses Grünewald tätig (siehe Berichte unten).     
 
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1872 Salomon Ermann; um 1881/89 Herrmann Leib (um 1887/88 wird als zweiter Vorsteher S. Ermann genannt); um 1903 A. Lein, Karl Juda (Neumagen), J. Leob (Müstert); um 1905 Karl Juda.  
 
An jüdischen Vereinen gab es in den 1880er-Jahren den Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa (1888 unter Vorsitz von H. Juda), den Verein Chewrat Bachurim (1888 unter Leitung von M. Ermann) und den Frauenverein (1888 unter der Leitung der Frau von R. Ermann). Seit den 1890er-Jahren werden zwei Vereine genannt: den Wohltätigkeitsverein Gemilus Chesed als Beerdigungsverein für die Orte Trittenheim, Leiwen, Klüsserath und Niederemmel mit (1901/03) den Vorstehern J. Levy (Leiwen) und R. Koppel (Trittenheim) sowie den Israelitischen Frauenverein (1901/03 Vorsitzende Frau von E. Leib).
     
1909 überstieg die Zahl der jüdischen Einwohner in Niederemmel die Zahl der in Neumagen lebenden Juden. Die Niederemmeler Juden beantragten daher die Bildung einer eigenen Synagogengemeinde. Der Antrag wurde von Seiten der Behörden abgelehnt. Die gemeinsame Gemeinde wurde jedoch seitdem "Synagogengemeinde Neumagen-Niederemmel" genannt. 
   
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Levy Hirsch (geb. 6.9.1876 in Neumagen, gef. 4.8.1916). Zu den Gefallenen aus Niederemmel siehe dort.   
  
Um 1924, als zur Synagogengemeinde Neumagen-Niederemmel 51 Personen in Neumagen (3,2 % von ca. 1.600 Einwohnern), 62 in Niederemmel, acht in Hetzerath und vier in Nievenich gehörten, waren die Vorsteher der Gemeinde: Abraham Leib (Neumagen), Leopold Hirsch (Neumagen) und Rudolf Levy (Niederemmel). Der Repräsentanz gehörten an: David Salomon, Dr. Mayer, A. Juda, J. und W. Hirsch, S., G. und M. Leib sowie A. Mendel. Als Lehrer und Kantor war inzwischen Joseph Simon angestellte. Er unterrichtete an der Jüdischen Volksschule Neumagen 10 Kinder. Dazu erhielten an der Religionsschule Niederemmel fünf Kinder von ihm Religionsunterricht. Zum 1. Oktober 1931 wurde die jüdische Volksschule auf Grund der zurückgegangenen Schülerzahl aufgelöst, Lehrer Joseph Simon wurde an die jüdische Volksschule in Trier versetzt.
 
1932
gehörten zur Synagogengemeinde Neumagen-Niederemmel: 45 Personen in Neumagen (von insgesamt ca. 1.800 Einwohnern), 55 in Niederemmel und 4 in anderen Orten. Gemeindevorsteher waren nun David Salomon (Neumagen, 1. Vors.), Rudolf Levy (Niederemmel, 2. Vors.) und Josef Simon (Schriftführer und Schatzmeister). Der Repräsentanz unter dem Vorsitz von Albert Juda gehörten neun Mitglieder an. Den Religionsunterricht besuchten noch zwei jüdische Kinder der Gemeinde. Lehrer Friedmann aus Bernkastel erteilte den Unterricht. 
  
Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 74 Personen in Neumagen und Niederemmel) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 1938 lebten noch 20 jüdische Personen in Neumagen. Beim Novemberpogrom 1938 drangen SA-Leute in die Wohnungen dieser wenigen noch am Ort lebenden Juden ein und zerschlugen deren Inneneinrichtung. 1941/42 wurden die letzten jüdischen Einwohner aus Neumagen (Emilie und Klara Hirsch - Mutter und Tochter sowie das Ehepaar Abraham und Klara Leib) nach Lodz beziehungsweise Theresienstadt deportiert.  
   
Von den in Neumagen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Paula (Paulina) Abrahamssohn geb. Bonem (1900), Gertrude Bermann geb. Hirsch (1885), Frieda Drucker geb. Bonem (= Frieda Kerbs geb. Bonem verw. Drucker), Selma Drucker geb. Bonem (1888), Meyer (Mayer, Maier) Ermann (1855), Karoline Frank geb. Hirsch (1872), Mira Grünewald (1898), Delphine Herz geb. Meyer (1897), Frieda Kerbs geb. Bonem verw. Drucker (1883), Simon Juda (1891), Helene (Leni) Klaber geb. Leib (1906, Stolperstein in Norden), Abraham Leib (1867), Klara Leib geb. Lion (1875), Selma Levy geb. Hirsch (1911), Rosetta Mayer (1883), Ernestine Rosenberg geb. Leib (1875), Luise Rothmayer geb. Hirsch (1886), Selma Stern geb. Leib (1900), Johanna Strasser (1884), Johanna Wirth (1865), Helene (Helena) Wolf geb. Leib (1875).  
 
Anmerkung: Selma Stern geb. Leib (1900) wohnte nach Gedenkbuch des Bundesarchives in Pütz.
zusätzlich in die Liste aufzunehmen: Simon Juda, der in Neumagen geboren ist (siehe unten Geburtsanzeige der Tochter) und in Auschwitz ermordet wurde https://gedenkbuch.saarbruecken.de/fr/livre_commemoratif/page_de_d_tail_des_personnes/person-4527
   
   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1868 / 1872 / 1882 / 1884 / 1889 

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Dezember 1868: "In Neumagen, Regierungsbezirk Trier, ist die Stelle eines Lehrers, Vorbeters und Schächters sofort zu besetzen. Gehalt 200 Thlr. nebst nicht unbedeutenden Nebeneinkünften. Meldungen nimmt der Unterzeichnete entgegen.
Trier, den 8 . Dezember 1868.   J. Kahn, Oberrabbiner."   
 
Neumagen Israelit 04121872.jpg (48914 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1872: "Die israelitische Gemeinde zu Neumagen sucht sofort einen examinierten Lehrer, der zugleich die Kantorstelle (und Schochet - Schächter ist) übernehmen kann. Jährlicher Gehalt 250 Taler, für einen bloßen Religionslehrer 150 bis 170 Taler nebst freier Wohnung. Nebenverdienste ca. 50 Taler als ...-Geld und Schechita (Einnahmen für das Schächten). 
Die hierauf Reflektierenden wollen sich unter Beibringung ihrer Zeugnisse an den unterzeichnenden Vorstand wenden. 
Neumagen a. Mosel, 28. November 1872. Salomon Erman, Vorsteher." 
  
Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Dezember 1882: "Die Gemeinde Neumagen a. d. M. sucht zum sofortigen Eintritt einen unverheirateten Religionslehrer und Chasan. Gehalt pro Jahr 600 bis 630 Mark. Reflektanten wollen sich melden beim Synagogen-Vorstand. Herrmann Leib."    
   
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Mai 1884: "Die israelitische Gemeinde Neumagen sucht für sofortigen Eintritt einen Religionslehrer, Chasan (Schauchet muss er nicht sein) bei einem Gehalt von 6?0 bis 700 Mk., freier Wohnung und Nebenverdiensten.
Reflektierende wollen sich an den Unterzeichneten wenden. Reisespesen werden nur dem Engagierten vergütet. — Verheirathete mit kleiner Familie sind nicht ausgeschlossen; dagegen werden Polen nicht berücksichtigt.
Hermann Leib, 
Neumagen a. d. M. Vorstand."    
 
Neumagen Israelit 21021889.jpg (49954 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Februar 1889: "Für eine Elementarschule wird ein Vertreter zum sofortigen Anritte gesucht. Monatliches Gehalt 60-65 Mark. Die Gemeinde, die schon längere Zeit um Corporation und öffentliche Schule eingekommen ist, hat sich bereit erklärt, geeigneten Bewerbern, die Vorbeter und Schächter sind, die Stelle mit einem jährlichen Gehalte von 800 Mk. fix zu übertragen. 
Meldungen sind zu richten an Herrmann Leib, Vorstand. Neumagen a.d. Mosel, 18. Februar 1889".

    
Umwandlung der Israelitischen Schule in eine Elementarschule (1891)  

Neumagen Israelit 11051891.jpg (17266 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1891: "Die israelitische Privatschule in Neumagen an der Mosel wurde durch Verfügung der königlichen Regierung in Trier in eine öffentliche Elementarschule umgewandelt."   

  
Anzeigen von Lehrer Grünewald (1901 /1902)  
Anmerkung: der Vorname ist in der ersten Anzeige verschrieben, statt "A." muss es "M." heißen.
Nach den Recherchen von Wolfgang Appell, Erlangen (Mitteilung vom 10.7.2012) ist Moses Grünewald ca. 1867 in Karbach geboren und am 6.5.1928 in Neumagen gestorben (seine Mutter Amalia geb. ? ist ca. 1827 geboren und am 24.2.1907 in Karbach gestorben). Moses Grünewald war in 1. Ehe verheiratet mit Götta geb. Sichel (geb. ca. 1870 in Kleinheubach, gest. 18.11.1905 in Neumagen), mit der er eine Tochter Maria (Mira) hatte (geb. 7.1.1889 in Neumagen); in 2. Ehe war er verheiratet mit Cerline geb. Grünfeld, über die noch keine weiteren Angaben vorliegen.      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. August 1901: 
"Suche für meine kleine Familie ein 
Mädchen
,
aus gutem streng religiösem Hause zur Stütze meiner Frau. Familienanschluss. Offerten mit Lohnansprüchen an 
A. Grünewald
, Lehrer in Neumagen a. Mosel."   
 
Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 18. September 1902: "Suche für sofort für meine aus drei Personen bestehende Familie ein 
Mädchen
für häusliche Arbeiten. Offerten mit Lohnansprüchen gefälligst an 
M. Grünewald
, Lehrer, Neumagen a. d. Mosel."    

   
Teuerungszulage für die Lehrer des Ortes - auch für Lehrer Grünewald (1920) 

Neumagen Israelit 29041920.jpg (93552 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1920: "Neumagen a.d. Mosel, 28. März (1920). In der Zeit der Hochflut des Antisemitismuses ist es erfreulich, auch einmal einen Akt von echter Humanität eines christlichen Gemeinderates rühmend veröffentlichen zu können. In Anbetracht der teuren Lebensverhältnisse gewährte der hiesige Gemeinderat den Lehrern des Ortes im Herbste vorigen Jahres eine einmalige Teuerungszulage von 500 Mark und im verflossenen Februar eine nochmalige Teuerungszulage von 2109 Mark. Auf Antrag der Gesamtlehrerschaft des Ortes bewilligte der Gemeinderat einstimmig die beiden Zulagen auch dem Lehrer Grünewald, dem derzeitigen Inhaber der israelitischen Volksschulstelle dahier mit dem Bemerken, die israelitische Gemeinde trag zu allen Kommunallasten bei, sei aber nicht leistungsfähig genug, um ihrem Lehrer die oben erwähnten Zulagen zu zahlen, deshalb halte er es für seine Pflicht, diesem die den christlichen Lehrern bewilligen Teuerungszulagen aus der Kommunalkasse zu gewähren, denn der israelitische Lehrer dürfte vor seinen christlichen Kollegen nicht zurückgesetzt werden. Manche jüdische Gemeinde, die leistungsfähig ist, könnte sich daran ein Beispiel nehmen."   

   
Zum Tod von Lehrer Moses Grünewald (1928)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juli 1928: "Neumagen bei Trier, 1. Juli (1928). Vor kurzem starb hier, allgemein betrauert, Herr Lehrer Moses Grünewald - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Er entstammte einer frommen Familie aus Korbach (gemeint: Karbach) in Bayern. Alt und jung schauten zu dem selten frommen und menschenfreundlichen Manne mit Bewunderung und Verehrung empor. 35 Jahre lang oblag er in hiesiger Gemeinde mit vorbildlicher Pflichttreue und heiliger Begeisterung seinem Berufe als jüdischer Volksschullehrer; es war ihm, dem streng gesetzestreuen Manne nicht immer leicht, seinen Standpunkt bei der fast ausschließlich liberalen Gemeinde durchzusetzen. 'Mit Laban habe ich gewohnt und die 613 Gebote habe ich bewahrt' (sc. nach 1. Mose 32,5, nach Auslegung bei Raschi durch Gematria des garti).   
Seine wahre, tiefe Frömmigkeit zeigte sich erst im ganzen Umfange, als ihn eine langwierige Krankheit aus seinem Schaffen riss. Sechs Jahre ertrug er, gestützt durch die liebevolle, aufopfernde Pflege von Frau und Tochter, mit der Dulderkraft eines Hiob die ungemein schmerzvolle Krankheit, die er als Liebesqualen auffasste. Die Beerdigung war ein beredtes Zeugnis dafür, welche Achtung und Liebe diesem wahrhaft edlen Menschen entgegengebracht wurde. Die vier Schulen des Städtchens gingen voraus, es folgten die Geistlichkeit und Vertreter aller Behörden, zuletzt die Bürger aus allen Kreisen der Bevölkerung. Eine Trauerrede hatte sich zwar der Verstorbene in seiner bekannten Bescheidenheit verbeten. Aber die stille Trauer auf dem Angesicht aller Anwesenden zeigte besser als große Trauerreden den Schmerz um den Verlust dieses seltenen Mannes. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    
Neumagen Friedhof 214.jpg (109893 Byte)Grabstein links (mit Levitenkanne) auf dem jüdischen Friedhof von Neumagen für den Lehrer Moses Grünewald.    

   
Aufhebung der öffentlichen jüdischen Volksschule (1931)   

Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 3. September 1931: "Neumagen (Mosel). (Aufhebung der öffentlichen jüdischen Volksschule.) Da die Schülerzahl an der hiesigen jüdischen Volksschule immer mehr abnahm. hat die Regierung in Trier die Schule nach 40jährigem Bestehen aufgelöst und den bisherigen Leiter, Lehrer J. Simon, an die jüdische Volksschule nach Trier versetzt. — Die Aufhebung dieser Schule ist ein neues bedauerliches Beispiel für den Rückgang des Judentums auf dem Lande."   

  
  
Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben     
Zur jüdischen Geschichte in Neumagen sowie zur Synagoge (Beiträge von 1930) 

Artikel von Jakob Jakobs in "Aus alter und aus neuer Zeit" vom 6. Februar 1930: "Bogengasse (alte Judengasse) in Neumagen.
53. Neumagen. An den großen Völkerstraßen des Rheinlandes bestehen uralte Menschensiedlungen, und Juden wohnen an Rhein und Mosel, soweit die Geschichte des Rheinlandes zurückverfolgt werden kann. Das römische Trier birgt eine alte Kehilla, und all die vielen weingesegneten Städtchen und Dörfer, für die der Strom der Mosel Verbindung mit der Welt bedeutete, bergen jüdische Gemeinden in sich, die alt sind und bedeutend waren.
Novio Magus, alte Römersiedlung, das heutige Neumagen, wo das Weinschiff der Römer gefunden wurde, das eine bewunderte Sehenswürdigkeit des Weinmuseums in Trier darstellt, hat eine heute noch aus zwölf Familien bestehende Gemeinde, einen herrlich am Bergabhang gelegenen Friedhof, auf dem sich eine Anzahl Grabsteine aus dem siebzehnten Jahrhundert befinden, die eingesunken waren und wieder gehoben worden sind.
Wären Alter und Gewesenes produktive Faktoren im Geschehen der Zeit, wahrlich die Kehilloth inmitten der bäuerlichen Siedlungen wären Zeugen eines Gemeinschaftslebens. das edler und schöner sich nirgends dokumentiert. Heute aber kann, was von gewesenen Generationen gestaltet worden ist, nur unser Staunen und unsere Bewunderung erregen; es kann uns ehrfürchtig stimmen.
Auch wenn, wie hier in Neumagen, nicht viel mehr erhalten geblieben ist, als die stark verwandelte Judengasse, ein schönes Andenken allein im landschaftlichen Sinn. — Allerdings bildet eine gerade in letzter Zeit errichtete neue Synagoge mit besonders schöner Innenausschmückung (siehe auch die Illustration zum Aufsatz 'Synagogenbau-Kunst" siehe unten) ein Zeugnis dafür, dass hier auch noch eine pietäterfüllte Gegenwart lebt. Jakob Jakobs"   
 
    Beitrag "Synagogenbaukunst" von Fritz Landauer (München) in "Aus alter und aus neuer Zeit" vom 6. Februar 1930: Hier ist - nach allgemeinen Ausführungen und Beschreibungen der Synagoge in Augsburg und Plauen im Blick auf Neumagen zu lesen:  "Natürlich ist, besonders in den kleineren Gemeinden nicht immer die Möglichkeit zur Ausgestaltung der Beträume mit so reichen Mitteln, wie sie ein in diesem Sinne ausgeführter Neubau erfordert, gegeben. Trotz alledem gelingt es auch hier, bei gutem Willen, vor allem, was die innere Ausschmückung des Raumes anbetrifft, angenehm und zeitgemäß wirkende Emblemzeichnungen auszuführen. Ein Beweis hierfür dürfte, beispielsweise, die Ausmalung der neuen Synagoge in Neumagen (siehe Abbildung) sein."

   
Kurze Darstellung der
jüdischen Geschichte in Nieder-Emmel und Neumagen von S. Lilienthal (1930)   
Der Beitrag wurde erstellt von Saul Lilienthal, Oberkantor der jüdischen Gemeinde Wiesbaden, Religionslehrer und Verleger (geb. 14. Oktober 1877 in Jerutten, Ostpreußen, ermordet am 30. Oktober 1944 im KZ Auschwitz. Weitere Informationen: https://www.wiesbaden.de/stadtlexikon/stadtlexikon-a-z/lilienthal-saul).
 

Artikel im "Israelitischen Familienblatt" vom 15. Mai 1930: Artikel von S. Lilienthal - Wiesbaden: Mit jüdischen Augen durch deutsche Lande: "Nieder-Emmel, rechts der Mosel, 1340 E., ca. 50 jüdische Seelen, eigene Synagoge, aber Friedhof mit Neumagen zusammen.
Neumagen, rechts der Mosel, 1680 E., ca. 50 jüdische Seelen. — Alte römische Siedlung: Novimagus. Die Gemeinde ist jedenfalls erst nach dem 30jährigen Kriege entstanden. Ältestes lesbares Datum auf den Grabsteinen des Friedhofes ist 5445 — 1685. Die Synagoge ist 1872 erbaut, vor einigen Jahren von Kunstmaler Max Lazarus - Trier geschmackvoll ausgemalt (hauptsächlich Symbole jüdische Feste: Schofar, Lulaw, Gesetzestafeln usw.). Vom Friedhofsgelände prächtige Aussicht. Über rituelle Verpflegung gibt Lehrer Simon Auskunft."    

 
Über die "Judenordnung" des Erzbistums Trier, die 1717 in Neumagen festgesetzt wurde (Artikel von 1933)             

Aus einem längeren Artikel von Adolf Kober über "Eine Kurtrierer 'Jüdisch Ceremonial Verordnung' aus der Wende des 17. und 18. Jahrhunderts' in "Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" 1933 Heft 2  S. 103: "Die Judenordnung, genannt 'Ceremonial-Verordnung', die hiermit im folgenden veröffentlicht wird, betrifft nicht die Judengemeinde einer einzelnen Stadt, sondern die des Erzbistums Trier. Sie ist in mehreren Judenlandtagen, die zwischen 1691 und 1717 stattfanden, beschlossen und der größere Teil derselben im Jahre 1717 zu Neumagen festgesetzt worden und vermutlich ursprünglich in deutscher Sprache mit hebräischen Schriftzeichen geschrieben. Diese Judenordnung aber wird erst verständlich, wenn wir die Lage der Juden im Erzstift Trier um die Wende des 17. und 18. Jahrhunderts vorher kurz schildern. Es wohnten um 1700 im Ober- und Niedererzstift 160 Familien und außerdem einige Kameraljuden, die ihre Abgaben an den Kurfürsten direkt zahlten - als 'Kameralorte' werden im Jahre 1697 Kruft, Hönningen, Rheinbrohl, im Jahre 1716 außerdem Sayn, Herschbach, Osann, Monzel, Amt S. Maximin, genannt. Die Juden des Erzstifts bildeten einen 'Corpus' und lebten auf Grund der Judenordnung vom 17. Januar 1681, die ihnen der Erzbischof und Kurfürst Johann Hugo gegeben hatte und in deren 20 Paragraphen ihr Verhältnis zur Obrigkeit geregelt war. Sie unterschied sich nicht viel von den Judenordnungen, die vorausgegangen waren, denen vom Jahre 1618, 1624, 1670."      

  
Spendenliste 1844 aus Niederemmel und Neumagen
Anmerkung: es handelt sich um eine "Liste der bis zum 17ten März 1844 zur Gründung eines jüdischen Hospitals und einer jüdischen Schule zu Jerusalem gespendeten Geschenke"   

Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. April 1844: "III. Bei dem Vorsteher in Neumagen: Hr. J. Abraham 1 Thl., dessen Tochter 5 Sgr., derselben Schwester Rosa 5 Sgr., Sohn Salomon 2 1/2 Sgr., Isaac 1 Sgr., Witwe E. David 5 Sgr., J. Bonem 10 Sgr., Hirsch Bonem 10 Sgr., L. Juda 15 Sgr., Frau Sara Juda 5 Sgr., Hr. M. Juda 15 Sgr., R. Kahn 1 Sgr., A. Israel jun. 15 Sgr., dessen Tochter Malchen 1 Sgr., dessen Sohn Albert 1 Sgr., S. Juda 5 Sgr., S. Juda 2 1/1 Sgr.
IV. Bei dem Lehrer in Niederemmel.
Hr. S. Haas 5 Sgr., Th. Mendel 5 Sgr., Frau Fanny Theodor 5 Sgr., Haymann Mendel 5 Sgr., Frau Judith Mendel 5 Sgr., Witwe Jeanette Mendel 1 Sgr., Hr. K. Levy 4 Sgr., L. Levy 4 Sgr., H. Leib 1 Sgr., L. Herz 1 Sgr. 6 Pf., I. Leib 2 Sgr., L. Salomon 1 Sgr."  

  
Lehrer N. Juda sammelt das Challa-Geld und Spenden ein (1881)   
Anmerkung: Challa-Spenden waren regelmäßige Sammlungen unter den Frauen der Gemeinde für wohltätige Zwecke. Zum Begriff Challa siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Challa . Der Zweck der Sammlung war bei der ersten Sammlung "Für die Armen im Heiligen Land", bei der zweiten Sammlung "Für die Notleidenden in Memel". 

Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Januar 1881: "Neumagen. Durch Lehrer N. Juda, Challah-Geld von nachgenannten Frauen: Rosalie Leib 1, Sara Hirsch 0.60, Esther Leib 1.10, Pauline Heymann 0.50, Reichel Ehrmann 1, Johanna Juda 1.20, Frl. Johanna Leib 1.20, zus. abz. Porto 6.40 M., wovon 3 M. für R. 6."   
  
Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juni 1881: "Neumagen a. d. Mosel. Durch Lehrer N. Juda gesammelt, eingesandt von Vorstand H. Leib: A. Challah-Geld: Frau Juda 1, Fr. Ermann 0.50, Fr. H. Leib 0.50, Fr. A. Leib 0.70, Frl. S. Leib 0.50, zus. 3.20 M. B. Spenden: H. Juda 0.50. D. Bonem S. Ermann 1, M. Meyer 0.50, H. Leib 0.50, S. Leib 0.50, J. Bonem 0.50, Machazith Haschekel 3, zus. 6.70 M. Gesamtsumme abzüglich Porto 9.60 M."   

  
Die jüdischen Gemeindeglieder in Neumagen und Niederemmel bilden eine gemeinsame Synagogengemeinde (1890)

Niederemmel AZJ 14021890.jpg (129112 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung der Judentums" vom 14. Februar 1890: "Trier, 6. Februar (1890). Den vielfachen Klagen, welche aus unserem Regierungsbezirke seit Jahrzehnten in die Öffentlichkeit gedrungen sind, scheint jetzt endlich Abhilfe geschafft werden zu sollen. Mehr als vier Jahrzehnte sind vergangen, seitdem das Gesetz über die Bildung der Synagogengemeinden in Preußen erlassen worden ist, und bis vor sehr kurzer Zeit war im Trierischen nur in drei Kreisen, nämlich Trier, Merzig und Ottweiler, von der Regierung zur Ausführung der gesetzlichen Bestimmungen geschritten worden. Alle übrigen Gemeinden des Bezirks entbehrten der Korporationsrechte und waren hierdurch mancherlei Unannehmlichkeiten und Schikanen der Ortsbehörden ausgesetzt. So ist uns ein Fall noch in frischer Erinnerung, wo ein gestrenger Herr Bürgermeister, als er eine neue Stadt mit den Segnungen seiner Amtsführung zu beglücken begann, flugs in einem Anflug der modernen geistigen Epidemie die jüdische Gemeinschaft des Ortes unter das Vereinsgesetz zu stellen begann und die gottesdienstlichen Versammlungen im Bethaus für anmeldepflichtig erklärte. Wenn auch die Rektifizierung seitens der vorgesetzten Behörde nicht lange auf sich warten ließ, so zeigte doch dieser Fall, zu welchen Konsequenzen der Mangel eines geordneten gesetzlichen Zustandes führen kann und hat zu vielfacher Erneuerung der Gesuche unserer Gemeinde um Verleihung der Gemeinderechte geführt. Ein solches Gesuch der Israeliten in Neumagen ist nunmehr, wie wir hören in zustimmendem Sinne erledigt worden. Die neue Synagogengemeinde wird die Orte Neumagen und Niederemmel umfassen. Hoffentlich haben wir bald von gleichen Erfolgen an anderen Plätzen zu berichten."     

   
Vortragsabend in der Gemeinde zur Abwehr der antisemitisch-völkischen Bewegung (1927)    

Mitteilung in der "Central-Vereins-Dienst" vom 17. November 1927: "1. November 1927 abends. Neumagen an der Mosel. Jacobi - Köln : "Der Kampf der deutschen Judentums gegen die antisemitisch-völkische Bewegung."

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  

Lehrer E. S. Bonnem (aus Neumagen, hoch gelobter Lehrer in Merzig von 1838 von 1846, danach in Deutz bei Köln tätig)

Merzig AZJ 02021846.jpg (142142 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Februar 1846: "Nachruf. Wenn jedem löblichen Verdienste seine Krone mit Recht geziemet, so darf solche dem ernstlich treu beflissenen Jugendlehrer, dem Urbarmacher des Bodens aller menschlichen Veredlung, dem Pfleger und Bildner des jugendlichen Herzens und Geistes, wenn er reichlich mit Genie begabt, treulich sein Amt versieht, gewiss nicht vorenthalten werden. Gebührender Tribut ist es also, dem an hiesiger israelitischen Schule 8 Jahre lang gestandenen, im Oktober verflossenen Jahres aus derselben geschiedenen, nunmehr in Deutz bei Köln fungierenden, wackeren und geschickten Jugendlehrer, Herrn E. S. Bonnem aus Neumagen an der Mosel, ein im Interesse der Wahrheit gesprochenes, seinen Verdiensten in dem bereits errungenen Bildungsgrad unserer zum Teil erwachsenen, teils aber noch minderreifen Jugend, angemessenes und wohl geziemendes Belobungswort nachzuschicken. – Von seinem strebsamen Eifer für alles Gemeinnützige, Schöne und Gute kann die allgemeine Rührung bei seinem Abschiede und das allseitige Bedauern bei seinem Amtsverlassen den besten Beweis geben. Von seinen vorzüglichen Leistungen im Amte muss die völlige Zufriedenheit seiner Schuloberen, welche seine Schule den anderen in unserer Nähe als Muster anpreisen, das sprechendste Zeugnis liefern. Von seiner eigentümlichen Kunst, sich bei den Schülern Liebe und Achtung zu erwerben, zeigt die große Anhänglichkeit seiner ihm in wahrer Kindesliebe zugetanen Zöglinge, die ihn gar nicht vergessen wollen. Merzig, den 2. Januar 1846. Vom Schulvorstandsmitglied Moses Levy.
 
Direkt nach obigem Nachruf von Moses Levy ergänzte der Trierer Oberrabbiner Joseph Kohn: "Mit Vergnügen stimme auch ich vorstehender, von dem sehr würdigen und geachteten jüdischen Gelehrten Herrn Moses Levy ausgesprochenen Anerkennung der Verdienste des Lehrers Herrn Bonnem, um die Schule zu Merzig bei, da auch ich, bei den vorgenommenen Schulprüfungen, mich öfters hiervon überzeugt habe, und daher auch sehr bedauere, diesen so vorzüglichen und tüchtigen Lehrer aus meinem Sprengel verloren zu haben. Trier, den 10. Januar 1846. Joseph Kohn, Oberrabbiner." .

     
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen       
Geburtsanzeige von Ruth Juda, Tochter von Simon und Emma Juda (1927)   

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 3. November 1927: "Statt Karten! 
Die glückliche Geburt ihrer Tochter RUTH zeigen hocherfreut an
SIMON JUDA und FRAU Emma geb. Dreifuß 
Neumagen     -     Pirmasens   
Hamburg, 24. Oktober 1927
- zur Zeit israelitisches Krankenhaus Entbindungsheim"   
Hinweis: der Geburtsort wird häufig in Homburg/Saar korrigiert, so im Gedenkbuch Saarbrücken. Allerdings gab es dort kein Israelitisches Krankenhaus wie in Hamburg, daher wird gemäß der Geburtsanzeige Hamburg festgehalten.  
- Simon Juda (geb. 1891 in Neumagen, ermordet nach Deportation 1942 in Auschwitz) vgl. https://gedenkbuch.saarbruecken.de/gedenkbuch/personen_detailseite/person-4527
- Emma Juda geb. Dreifuß (geb. 1892 in Pirmasens, ermordet nach Deportation 1942 in Auschwitz) vgl. https://gedenkbuch.saarbruecken.de/gedenkbuch/personen_detailseite/person-4515 
- Tochter Ruth Juda (geb. 1927 in Hamburg, ermordet nach Deportation 1942 in Auschwitz, vgl. https://gedenkbuch.saarbruecken.de/gedenkbuch/personen_detailseite/person-4526 
- Sohn Max (Marc) Juda (geb. 1930, ermordet nach Deportation 1942 in Auschwitz) vgl. https://gedenkbuch.saarbruecken.de/gedenkbuch/personen_detailseite/person-4524 
- Zur Genealogie siehe auch https://www.geni.com/people/Simon-Juda/6000000079653708097 (unvollständige Eintragungen) 

    
Verlobungsanzeige von Leni Leib und Moritz Klaber (1929)
   

Neumagen Israelit 19121929.jpg (25329 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Dezember 1929: "Statt Karten - Gott sei gepriesen
Leni Leib - Moritz Klaber
- Verlobte. 
Neumagen (Mosel) - Norden (Ostfriesland). Dezember 1929 / Chanukka 5890." 
- Moritz Klaber (geb. 3. Februar 1905 in Zülpich, ermordet etwa Juli 1942 im Vernichtungslager Majdanek, Lublik PL)  
- Helene (Leni) geb. Leib (geb. 17. September 1906 in Neumagen, ermordet nach dem 20. Juli 1942 in Maly Trostinec)
- Genealogische Informationen: https://www.geni.com/people/Moritz-Klaber/6000000009919809435   
- Moritz Klaber war der letzte Kantor der jüdischen Gemeinde Norden. Für ihn und seine Frau wurden "Stolpersteine" vor dem Haus Synagogenweg 2 in Norden verlegt.

  
Hochzeitsanzeige von Ernst Wolff und Else geb. Leib (1937)
   

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 22. April 1937: "Statt Karten
Ernst Wolff        -     Else Wolff geb. Leib  
Vermählte
  
Norden (Ostfriesland)   -   Neumagen (Mosel)
zur Zeit 14, Paget Road, London N 16    Lag BaOmer (5)697." 

  
Hochzeitsanzeige von Ernst Salomon und Berta geb. Hirsch (1937)
   

Anzeige im "Israelitischen Familienblatt" vom 30. Dezember 1937:
"Ernst Salomon   -   Berta Salomon geb. Hirsch  
Vermählte    26. Dezember 1937  
Neumagen
, Mosel  
New York (City)
549 W. 163 Str." 

  
   
   
Zur Geschichte der Synagoge             
   
Auf Grund der oben skizzierten Rolle von Neumagen als Mittelpunktgemeinde der Umgebung wird bereits im 16./17. Jahrhundert ein Betsaal vorhanden gewesen sein. Eine Synagoge unbekannten Baujahres wird in Neumagen urkundlich allerdings erst 1828 genannt. Sie stand in der Bogengasse, der ehemaligen "Judengasse".  
   
Um 1870
war ein Neubau nötig, da die alte Synagoge für die größer gewordene jüdische Gemeinde zu klein war. Zum geplanten Neubau erhielt die jüdische Gemeinde auf Grund eines Gemeinderatsbeschlusses vom Mai 1872 einen Zuschuss in Höhe von 50 Talern, da die Baukosten von den in überwiegend sehr einfachen, teils armseligen Verhältnissen lebenden jüdischen Familien nicht allein aufgebracht werden konnten. Der Neubau wurde noch 1872 unmittelbar neben der alten Synagoge erstellt. Die alte Synagoge wurde zur Schule mit Lehrerwohnung umgebaut.  
  
Bei der Synagoge handelte es sich um ein aus Schieferstein-Mauerwerk erbautes massives Gebäude mit den Maßen: 10,60 m lang, 7,60 m breit, 5,90 m hoch. Die Gewände der Fenster und der Eingangstür waren in Sandstein ausgeführt. Das Innere der Synagoge wurde um 1928 vermutlich durch den Maler Max Lazarus (geb. 1892 in Trier, gest. 1962 in Denver/USA) ausgemalt. Erste gewaltsame Aktionen gegen die Synagoge gab es bereits im Januar 1909, als Unbekannte neun Fensterscheiben einwarfen. Die politische Gemeinde lehnte die Übernahme der Reparaturkosten mit der Begründung ab, dass das Motiv nicht festgestellt werden könnte.  
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde von SA-Leuten die Inneneinrichtung der Synagoge vollständig zerstört, die Torarollen und die Bücher wurden nach den Angaben der Pfarrchronik "entfernt". Ein Artist habe mit den Torarollen das Dach seiner Wohnwagens gedeckt. Im Mai 1939 beschloss die Gemeinde Neumagen, im Synagogengebäude eine Turnhalle einzurichten. Der Plan wurde nicht ausgeführt. Mit Kaufvertrag vom 11. Mai 1940 ging die ehemalige Synagoge mit einem angrenzenden jüdischen Haus sowie der Hof- und Gartenfläche von 1,30 ar für 2.796 RM in den Besitz der bürgerlichen Gemeinde. 
  
Da das Synagogengebäude auch nach 1945 nicht instandgesetzt wurde, war es 1959 in einem baufälligen Zustand. Die Genehmigung zum Abbruch wurde erteilt. Im Juli 1959 wurde das Gebäude fast vollständig abgerissen; Außenmauern in den Neubau eines heute bestehenden Wohnhaus integriert. Dadurch entspricht der Grundriss und die Größe des Hauses an der Bogengasse dem der früheren Synagoge. Das benachbarte ehemalige Bogenhaus, in dem die ehemalige jüdische Schule untergebracht war, wurde 1959 abgebrochen. 
  
Auf Initiative eines Arbeitskreises, der sich mit der jüdischen Geschichte in Neumagen befasst, wurde im Herbst 2011 eine neue Informationstafel am Gebäude angebracht.  
    
Adresse/Standort der SynagogeBogengasse 3 (ehemaliges Haus Nr. 234) 
   
   
Fotos              
(Quelle: Landesamt s.Lit. S. 282-284 bzw. Kulturdatenbank Region Trier; neuere Fotos - auch der Tafel - von Hahn, Aufnahmedatum 17.6.2009)     

Historisches Foto / 
Umbauplan 1939
Neumagen Synagoge 122.jpg (74039 Byte) Neumagen Synagoge 123.jpg (61019 Byte)
  Familienfoto, zufällig vor der 
Synagoge entstanden, aus 
den 1930er-Jahren
Planskizze von 1939 zum Umbau der
 Synagoge in eine Turnhalle durch 
den Architekten Johann Helfen. 
           
 Die Bogengasse - früher und heute    
Neumagen Synagoge 203.jpg (90398 Byte) Neumagen Synagoge 203b.jpg (75390 Byte) Neumagen Synagoge 200.jpg (78467 Byte)
Oben Tafel am Haus der 
ehemaligen Synagoge mit 
Darstellungen und erklärendem Text
   
Blick in die Bogengasse mit 
dem "Bogenhaus" (abgebrochen 1959; 
bis 1932 als jüdische Schule genutzt)
  
Blick in die Bogengasse; im Vordergrund 
der Standort des nicht mehr bestehenden
 "Bogenhauses", links anschließenden
 ehemaliges Synagogengebäude 
     
Darstellungen der 
ehemaligen Synagoge 
  Neumagen Synagoge 203a.jpg (85992 Byte) Neumagen Synagoge 120.jpg (49376 Byte)
  Die Synagoge auf der oben
 abgebildeten Tafel, erbaut 1872, 1938
 geschändet, 1959 zu einem Wohnhaus
 umgebaut 
Die Synagoge - Seitenansicht zur 
Bogengasse 
(Quelle: Heimatmuseum Neumagen)
 
       
  Fotos um 1930 aus oben zitierten
Beiträgen "Aus alter und aus neuer Zeit"
   
   Blick in die Bogengasse (alte Judengasse)   Deckenmalerei der Synagoge
      
Das ehemalige Synagogengebäude im Juni 2009   
Neumagen Synagoge 206.jpg (108187 Byte) Neumagen Synagoge 204.jpg (96386 Byte) Neumagen Synagoge 205.jpg (82625 Byte)
Das ehemalige Synagogengebäude seit dem Umbau zu einem Wohnhaus (1959). Äußerlich erhalten blieb das ehemalige
 Rundbogenfenster am Giebel der Westfassade des Gebäudes Bogengasse 3 (vgl. Darstellungen oben)   
      

      
      
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

Oktober 2011: Auf den Spuren der jüdischen Geschichte in Neumagen  
Artikel von Ursula Schmieder im "Trierischen Volksfreund" vom 9. Oktober 2011: "Erinnerungen an jüdisches Leben in Neumagen. 
Über Jahrhunderte gab es in Neumagen-Dhron eine jüdische Gemeinde. An ihrer ehemaligen Synagoge mit Schule und Lehrerwohnhaus informiert nun eine Hinweistafel über das jüdische Leben im Ort.
Neumagen-Dhron. Das runde Fenster im Giebel erinnert an den 1959 fast vollständig abgerissenen Vorgängerbau. Auch Grundriss und Größe des kleinen Hauses in der Neumagener Bogengasse lehnen sich an die 1872 erbaute frühere Synagoge an. Der Anbau an eine schon 1828 erwähnte Synagoge im "Bogenhaus" ermöglichte dessen Nutzung als Schul- und Lehrerwohnhaus. Ein Raum der Wohnung überspannte die Bogengasse, die ihren Namen mehreren solcher Bögen verdankt, von denen nur mehr einer existiert. Die Besonderheiten des Doppelhauses erläutert eine Tafel, die vor Ort auch über das jüdische Leben in Neumagen informiert. Die Würdigung der jüdischen Gemeinde Neumagen, die mit Niederemmel (heute Piesport) eine Synagogengemeinde bildete, hat ein deren Geschichte aufarbeitender Arbeitskreis initiiert. Laut Mitglied Willi Herres hatte das Gebäude die Zeit des Nationalsozialismus zwar überdauert. Doch während des Novemberpogroms 1938 wurde der Innenraum verwüstet, erklärt der Ortsbürgermeister. Nach dem Zwangsverkauf an die Ortsgemeinde war die Synagoge dem Verfall preisgegeben. Die Tafel, deren Kosten - etwa 600 Euro - der Kulturverein Ausonius übernahm, soll die Erinnerung an die jüdische Gemeinde wach halten. Für den Text zeichnen der Arbeitskreis und das Wittlicher Emil-Frank-Institut verantwortlich. Geschäftsführer René Richtscheid machte auf den "sehr modernen Ansatz" der Innengestaltung der Synagoge aufmerksam. Der Trierer Maler Max Lazarus, der die Synagoge 1928 renovierte, habe beispielsweise Kultgegenstände abgebildet, was zuvor undenkbar gewesen wäre. Nachkommen von ihm stellten Fotos von der Innengestaltung der Synagoge zur Verfügung. Die große jüdische Gemeinde in Neumagen spiegelt laut Richtscheid auch die komplizierten früheren Herrschaftsverhältnisse wider (siehe Extra). Statistiken über die Zahl von Einwohnern und deren Religionszugehörigkeit gibt es laut seiner Vorgängerin, der Theologin Marianne Bühler, erst ab 1808, als sich unter Napoleon auch die freie Wohnortwahl durchgesetzt habe. Der erste Hinweis auf eine jüdische Schule datiert laut Hermann Erschens, pensionierter Realschulrektor, auf 1803. Der damalige "Maitre d\'école" (Schulmeister) der jüdischen Gemeinde sei aber wohl mehr ein Religionslehrer gewesen. Eine allgemeine jüdische Privatschule existierte ab etwa 1840: "Das gab es sonst nur in den Städten Trier und Wittlich." Am 1. Oktober 1931 schloss die 1891 in eine öffentliche Volksschule umgewandelte Schule, die zuletzt nur noch drei Kinder besuchten. Laut Erschens konnte sich der Arbeitskreis auf Recherchen des Chronisten Franz Botzet stützen.
Synagogengemeinde Neumagen-Niederemmel: Die seit dem Mittelalter belegte jüdische Geschichte von Neumagen-Dhron spiegelt die zeitweise unklaren Hoheitsrechte wider. Während das Erzbistum zwischen 1418 und 1613 keine Juden duldete, stellte Hunolstein - ebenso wie im späten 16. Jahrhundert die Grafen von Isenburg und die von Sayn-Wittgenstein - Schutzbriefe aus. 1699 lebten vier jüdische Familien in Neumagen, 1851 waren es 101 Personen. Ab 1889 bildeten Neumagen und Niederemmel (heute Piesport) eine Synagogengemeinde. Der gemeinsame Friedhof, auf dem auch Thalfanger Juden bestattet wurden, war nach Wittlich der zweitgrößte im Kreisgebiet und soll 350 Jahre alt sein. 1933 lebten in Neumagen noch 44 jüdische Bürger, die bis 1938 bis auf acht Personen größtenteils in die USA auswanderten. 1941/42 wurden Emilie und Klara Hirsch - Mutter und Tochter - sowie das Ehepaar Abraham und Klara Leib nach Lodz beziehungsweise Theresienstadt deportiert." 
Link zum Artikel   
 
November 2020: Erinnerung an den Novemberpogrom 1938   
Artikel von Franz-Josef Schmitt im "Trierischen Volksfreund" vom 9. November 2020: "Der späte Pogrom in Neumagen. Die Oberstaatsanwalt Trier klagte im Oktober 1947 sieben Männer, alle Mitglieder der NSDAP und auch der SA, an wegen schweren Hausfriedens- und Landfriedensbruchs und Verbrechen gegen die Menschlichkeit..." 
Zum Lesen des Artikels bitte Textabbildung anklicken. 

  
   

Links und Literatur

Links: 

bulletWebsite der Gemeinde Neumagen-Dhron  
bulletSeite bei kultur.landschaft.digital zur ehemaligen Synagoge Neumagen:  https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-274637   
bulletSeite bei kultur.landschaft.digital zum jüdischen Friedhof Neumagen   https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-274636  
bulletWikipedia-Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Synagoge_(Neumagen)      
bulletZur Seite über den jüdischen Friedhof in Neumagen-Dhron (interner Link)     

Literatur:  

bulletGermania Judaica III,2 S. 948. 
bulletAdolf Kober: Eine Kurtrierer "Jüdisch Ceremonial Verordnung". In "Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" 77 1933 S. 100-113 (zugänglich über Compactmemory).
bulletHarold Hammer-Schenk: Synagogen in Deutschland. Geschichte einer Baugattung im 19. und 20. Jahrhundert. Teil 1. Hamburg 1981 S. 526-527 (Ausmalung der Synagoge 1928).
bulletFranz Botzet: Geschichte der Juden in Neumagen-Dhron und Umgebung. Neumagen-Dhron. Hrsg. von der Ortsgemeinde Neumagen-Dhron. Manuskript. 54 S. 1997.
bulletders.: Die jüdische Gemeinde Neumagen und ihr Friedhof. In: Kreisjahrbuch Bernkastel-Wittlich 1989 S. 84-88.
bulletders.: Urteile des Neumagener Sendgerichts: mit einem bemerkenswerten Urteil gegen Juden. In: Kreisjahrbuch Bernkastel-Wittlich 1996 S. 248-250.
bulletLandesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 282-283 (mit weiteren Literaturangaben).  
bulletWilli Körtels: Die jüdische Schule in der Region Trier. Hrsg. Förderverein Synagoge Könen e.V. 2011. Online zugänglich (pdf-Datei).  
bulletHermann Erschens: Die jüdische Schule in Neumagen. Band 2 der Reihe "Machbarot: Hefte des Emil-Frank-Instituts". 2013. Preis 3.90 €
Link zur Website des Emil-Frank-Institutes   
bullet Dokumentation der Aktivitäten im Rahmen der Aktion "Grenzenlos gedenken" in vier luxemburgischen und vier deutschen Gemeinden zwischen dem 13. und 17. Oktober 2019.
"Grenzenlos gedenken" wird gemeinsam durchgeführt von AG "Grenzenlos gedenken" - Henri Juda (Comité Auschwitz Luxemburg) - Peter Szemere (Jüdiscche Gemeinde Trier) - René Richtscheid (Emil-Frank-Institut Wittlich) - Wolfgang Schmitt-Kölzer (Wittlich) - Matthias Schmitz (Dekanat Schweich-Welschbillig) - Ralf Kotschka (Trier).
Die acht beteiligten Orte waren: Luxemburg - Trier - Ettelbrück - Mondorf - Medernach - Neumagen - Schweich - Wittlich.
Die Dokumentation ist online eingestellt (pdf-Datei, 50 S.)
bulletWolfgang Appell: Familienbuch der jüdischen Familien aus der Synagogengemeinde Neumagen (Neumagen, Müstert, Niederemmel, Minheim, Rivenich, Hetzerath, Sehlem). Selbstverlag Erlangen. Stand vom 19.2.2017. Zugänglich als pdf-Datei.  

   
   


 
   
Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Neumagen  Rhineland.  Jews are first mentioned in 1351. In 1699, four Jews were living there under letters of protection. A synagogue and Jewish school were in operation by the first quarter of the 19th century. The Jewish population rose to a peak of 109 (including neighboring Niederemmel) in 1857 and then declined steadily. In 1889 a united congregation was formed with Niederemmel, Minheim, Rivenich, Sehlem and Hetzerath and in 1909 Neumagen and Niederemmel became a single community. In 1891, the Jewish school received public school status. The Jewish cemetery was desecrated in 1931. In 1933 the Jewish population of Neumagen-Niederemmel was 74 (total 1.742). Jewish businesses were boycotted in 1933-34 with acompanying anti-Jewish agitation. The cemetery was again vandalized in 1935 and on Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was wrecked. Jewish homes were also destroyed. In 1933-39, 33 Jews left the town, 18 of them to the United States. On 16 October 1941, two local Jews were among those deported from the county to their deaths in the east. The last two Jews were deported to the Minsk ghetto via Trier on 26 February 1942. In all, four local Jews perished in the Holocaust.       
    
    

                   
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Stand: 17. Dezember 2025