Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Rheinbrohl (VG Bad Hönningen, Kreis Neuwied) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Mitteilung aus der NS-Zeit    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde         
   
In Rheinbrohl bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht nach den vorliegenden Quellen mindestens in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück; der jüdische Friedhof wurden bereits im 17. Jahrhundert angelegt.     

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1822 26 jüdische Einwohner, 1858 43, 1862 45, 1895 19.  
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Schule (Religionsschule in einem 1837 erstellten Gebäude, siehe unten) und ein Friedhof.   
 
1925 wurden 26 jüdische Einwohner gezählt, 1938 25.
Bis zum Beginn der Deportationen konnte noch mehrere auswandern oder sind in andere Orte verzogen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.). Die letzten jüdischen Einwohner wurden im Juli 1942 deportiert.
  
Von den in Rheinbrohl geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Albert Abraham Baer (1871), Katharina Baer geb. Mortje (1880), Moritz Baer (1873), Johanna Daniel geb. Wolff (1893), Josef Jonas (1876), Helene Levy geb. Bär (1870), Hermann Wolff (1890), Hertha M. Wolff geb. Abraham (1907), Johanna Wolff (1873), Leo Wolff (1889), Leo Wolff (1889), Mathilde Wolff geb. Steinberg (1896), Paula Wolff geb. Sommer (1891).    
   
   
Persönlichkeiten: 

Loewenherz Johanna 010.jpg (34814 Byte)Johanna Loewenherz (geb. 12. Mai 1857 in Rheinbrohl, gest. 17. Mai 1937 ebd.) war das jüngste der drei Kinder von Heymann Loewenherz (Kaufmann und Steinbruchbesitzer, 1812-1897) und seiner Frau Fanny geb. Jacobson. Über ihre Ausbildung ist wenig bekannt - in Stuttgart studierte sie am Konservatorium Klavierspiel und Gesang. Johanna Loewenherz wurde in den 1890er-Jahren u.a. in Berlin bekannt als sozialdemokratische Rednerin auf zahlreichen Versammlungen und Parteitagen. Sie verfasste literarische Arbeiten und politische Schriften zu Frauenthemen. Seit 1911 lebte sie mit ihrem Sohn Fritz in München. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges zog sie wieder nach Rheinbrohl. 1933 kam sie kurzzeitig in "Schutzhaft", danach musste sie sich regelmäßig bei der Polizei melden. Im Dezember 1933 starb ihr Sohn Fritz unter ungeklärten Umständen. Ihr Nachlass wurde von den Nationalsozialisten vernichtet.  
Link zur Johanna-Loewenherz-Stiftung des Landkreises Neuwied (von hier auch das Foto links); hier auch ausführliche Biografie von Hildegard Brog. 
Wikipedia-Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_Loewenherz   
Literatur siehe Wikipedia-Artikel.    
In Rheinbrohl erinnert die "Johanna-Loewenherz-Straße" an Johanna Loewenherz. 
 
 Wohnhaus von Johanna Loewenherz in der
 Hauptstraße in Rheinbrohl mit Gedenktafel 
 
 (Quelle: Gemeinde Rheinbrohl
 Rheinbrohl Haus Loewenherz.jpg (98706 Byte)  Rheinbrohl gedenkstein_loewenherz.jpg (108506 Byte)     

     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Mitteilung aus der NS-Zeit 

Ein Schild "Juden unerwünscht" wird am Ortseingang aufgestellt - und wieder beseitigt (1935) 

Rheinbrohl Israelit 14031935.jpg (20700 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. März 1935: "In Rheinbrohl am Rhein ist am Ortseingang ein Schild über die Straße gespannt worden, auf dem es heißt: 'Juden sind hier unerwünscht.'"   
   
Rheinbrohl Israelit 28031935.jpg (23317 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1935: "Köln. Aus Rheinbrohl am Rhein wird gemeldet, dass das am Ortseingang befindliche Schild 'Juden sind hier unerwünscht' entfernt worden ist."   

     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge                
    
Zunächst war ein kleines Bethaus auf einem 80 am großen Grundstück "Oben im Dorf", ehemals Gebäude Nr. 717 vorhanden. Es war ein kleiner Bruchsteinbau mit einem tonnengewölbten Betsaal. Im Zusammenhang mit dem Bau der neuen Synagoge wurde das Gebäude 1863 an einen Nachbarn verkauft der das Gebäude um zwei Geschosse aufstockte. Bei einem Bombenangriff am 19. März 1945 wurde das Gebäude zerstört; das Grundstück wurde nicht wieder bebaut. 
  
Schon 1837 wollte die Gemeinde eine neue Synagoge bauen. Der Bau war jedoch nicht von den Behörden genehmigt, musste zunächst eingestellt und konnte dann jedoch zur Einrichtung einer jüdischen Schule für den Unterricht der Kinder fertiggestellt werden. Das Gebäude stand vermutlich im oberen Teil der Kirchstraße.  
  
1862 wurde eine neue Synagoge geplant. Nach dem Verkauf der alten Synagoge konnte am 11. Mai 1863 ein neues Grundstück an der damaligen Chaussee, der heutigen Hauptstraße erworben werden. Im Jahr darauf, also im Frühjahr 1864 konnte die Synagoge - nach dem Bürgermeistereiprotokoll dieses Jahres - "fertiggestellt und feierlich dem Dienst übergeben" werden. Finanziert wurde der Bau durch Spenden und Kollekten, die auch in anderen Gemeinden (Bonn, Frankfurt, Köln usw.) durchgeführt wurden.  
     
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge angezündet. Die Feuerwehr beschränkte sich auf den Schutz der Nachbargebäude. Einige durch den Brand schon teilweise zerstörte Einrichtungsgegenstände wurden am folgenden Tag auf den am Rheinufer für das Martinsfeuer der Schule aufgestapelten Holzstoß geworfen und mit verbrannt. Die Brandruine wurde abgebrochen, das Grundstück nach 1945 neu bebaut.  
   
Im April 1982 wurde unweit des Synagogengrundstückes am Aufgang zur evangelischen Kirche eine Gedenktafel angebracht.  
   
   
Adresse/Standort der Synagoge   Auf dem Grundstück des heutigen Wohnhauses Hauptstraße 20a      
    
    
Fotos
(Quelle: Historische Aufnahmen: Landesamt s. Lit. S. 321; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 26.08.2009)  

Die Synagoge in Rheinbrohl  Rheinbrohl Synagoge 120.jpg (58294 Byte) Rheinbrohl Synagoge 120a.jpg (42520 Byte) Rheinbrohl Synagoge 121.jpg (53281 Byte)
  Ausschnitt aus einem Luftbild von Rheinbrohl
 mit der Synagoge an der Chaussee (1929)
Die Synagoge (Aufnahme zwischen 
1933 und 1938)
 
Grundstück der ehemaligen Synagoge 
im August 2009
Rheinbrohl Synagoge 174.jpg (74613 Byte) Rheinbrohl Synagoge 175.jpg (69834 Byte)
    Bauliche Situation im Sommer 2009: das hohe Gebäude ist noch dasselbe wie auf den obigen
 Aufnahmen; das angebaute niedrigere Wohnhaus steht auf dem Grundstück der früheren
 Synagoge; die Gebäude rechts stehen auf damals noch unbebautem Grundstück.
        
 Gedenken an die 
Zerstörung der Synagoge
Rheinbrohl Synagoge 173.jpg (97296 Byte) Rheinbrohl Synagoge 170.jpg (90297 Byte)
  Am Aufgang zur evangelischen Kirche die Gedenktafel mit einer Abbildung der Synagoge und 
der Inschrift: "Hier in der Nähe stand bis zur Zerstörung durch die Nationalsozialisten am 9.11.1938
 die Synagoge der jüdischen Gemeinde Rheinbrohl. Erinnerung - Mahnung - Dez. 1981" 

   

Andernorts entdeckt  Neuwied Friedhof 209.jpg (112765 Byte)  
  Grabstein für Clara Samson geb. Meyer 
(1822 in Rheinbrohl - 1902 in Neuwied) 
im jüdischen Friedhof Neuwied-Niederbieber  
 

   
    
Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Rheinbrohl   
Zur Seite über den jüdischen Friedhof (interner Link)   
Seite zum jüdischen Friedhof und der Gedenktafel für die Synagoge auf einer kirchlichen Seite in Rheinbrohl  
Seite der Freiwilligen Feuerwehr Rheinbrohl zur Geschichte der Feuerwehr mit Bericht zum Synagogenbrand 1938 ("nicht nur ein schwarzer Tag für die jüdischen Mitbürger, sondern auch für die Feuerwehrleute") 

Literatur:  

Jakob Weiler: Die Verhältnisse der Juden in Hönningen und Rheinbrohl und ihr Leidensweg im "Dritten Reich". Bad Hönningen. Beiträge zur Heimatkunde und Heimatgeschichte Bd. 3. Selbstverlag des Heimatvereins Bad Hönningen. 1997 61 S.  
Werner Schönhofen: Johanna Loewenherz - Eine Sozialistin und Jüdin kämpfte für die Sache der Frauen. In: SACHOR. Beiträge zur Jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz. Hrsg. von Matthias Molitor und Hans-Eberhard Berkemann in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Erschienen im Verlag Matthias Ess in Bad Kreuznach. 8. Jahrgang Ausgabe 2/1998 Heft Nr. 16. S. 65.  Online zugänglich (als pdf-Datei eingestellt). 
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 320-321 (mit weiteren Literaturangaben).  

    
     n.e.              

                   
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Stand: 17. Januar 2016