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Rheinbreitbach (VG
Unkel, Kreis
Neuwied)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
In Rheinbreitbach bestand eine jüdische
Gemeinde bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Ihre Entstehung geht in die Zeit des
18. Jahrhunderts zurück. Eine Quelle von 1748 berichtet davon, dass sich vier
verheiratete (jüdische) Männer wegen "Tätlichkeiten wider die Juden
durch Junggesellen und übrige Burschen" beschweren. Damals gab es somit
mindestens vier jüdische Familien am Ort.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1803 18 jüdische Einwohner, 1822 18, 1846 29 (in acht Familien), 1858
32, 1895 12, 1900 zehn.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische
Schule (Religionsschule) und ein rituelles Bad (nach einem Berichte von 1822 gab
es zwei rituelle Bäder in jüdischen Privathäusern, die wohl auch von den
anderen Familien benutzt werden konnten: "eine in einem Gewölbe, eine in
einer Stube".
1863 wurden die in der Umgebung von Linz/Unkel lebenden jüdischen
Personen zu einer gemeinsamen Synagogengemeinde verbunden. Die in der
Bürgermeisterei Unkel (d.h. in Unkel, Scheuren,
Rheinbreitbach, Heister und
Erpel) lebenden jüdischen Familien bildeten eine Teilgemeinde innerhalb der größeren
Kultusgemeinde Linz/Unkel. Die Teilgemeinde wurde um 1920 aufgelöst und alle im
Bereich Unkel lebenden jüdischen Personen der Gemeinde in Linz
am Rhein angeschlossen.
1925 werden nur noch zwei und in der Folgezeit bis einschließlich 1939 -
weiterhin zwei jüdische Einwohner in Rheinbreitbach genannt.
Von den in Rheinbreitbach geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Albert Abraham
(1881), Ida Abraham (1874), Joseph Abraham (1872), Bernhard Bär (1860),
Dagobert van Geldern (1875), Debora (Dora) van Geldern (1867), Emil van Geldern
(1877), Otto van Geldern (1871), Selma van Geldern (1869), Wilhelm Nikolaus van
Geldern (1879), Jenny (Henny) Moses (1886), Sophie Moses (1889), Helene Salm
geb. Bär (1857), Frieda Siegler geb. David (1885).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Berichte
zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Der Name des jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges
wird nicht auf einer Kirchenglocke verzeichnet (1925)
Artikel
in der "Liberalen Jüdischen Zeitung" vom 15. Mai 1925: "Rheinbreitbach.
Der Kölnischen Zeitung vom 26. vorigen Monats entnehmen wir unter der
Überschrift 'Die Undank-Glocke': Auf der Wegscheide zwischen
Siebengebirge und Westerwald, in herrlichster Rheingegend, liegt das
Dörfchen Rheinbreitbach, schon den Römern durch sein Kupferbergwerk
bekannt, von vielen berühmten Deutschen - Simrock, den Gebrüdern Grimm,
Freiligrath u.a. - als Sommeraufenthalt geschätzt. In diesem traulichen
Dörfchen wohnt seit alters der biedere Jude Moses, der, als im Jahre 1870
die Kriegstrommel gerührt wurde, von England nach Deutschland eilte, um
als Musketier gegen Frankreich zu marschieren. Und 1914 fiel der Sohn des
alten Moses im deutschen Schützengraben und gab sein Leben für Heimat
und uns alle. Rheinbreitbacher Kirchenglocken hatten während des Krieges
Material für Führungsringe und Granatzünder geliefert, Rheinbreitbacher
Bürger, katholische und evangelische (der Ort besteht zu neun Zehnteln
auf Katholiken), hatten ihr Scherflein gegeben, damit jetzt neue Glocken
für die einzelne katholische Kirche gestiftet wurden. Die größte der
neuen Glocken widmete die Gemeinde den gefallenen Helden. Und nun das
unsagbar Traurige: All die vor dem Feind gebliebenen Rheinbreitbacher sind
auf der Glocke verzeichnet, nur der Jude Moses wurde ausgelassen. Und in
seinem kleinen Bauernhäuschen sitzt ein gebeugter achtzigjähriger Mann,
der alte Moses, dem es, wenn er die Undankglocke hört, nicht in seinen
alten Kopf will, dass christliche Nächstenliebe an Konfession und
Parteizugehörigkeit gebunden
ist." |
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Artikel
in der "Liberalen Jüdischen Zeitung" vom 29. Mai 1925: "Rheinbreitbach.
In Nr. 306 der Kölnischen Zeitung hatten wir einer Zuschrift Raum
gegeben, worin Klage geführt wurde, dass auf einer neuen Glocke, die die
Gemeinde Rheinbreitbach von den Scherflein katholischer und evangelischer
Bürger angeschafft und den Gefallenen gewidmet hane, von allen gefallenen
Rheinbreitbachern nur der Jude Moses ausgelassen worden sei. Dazu sendet
uns der Ortspfarrer von Rheinbreitbach, Ermert, eine Darstellung, der wir
folgendes entnehmen: Das von evangelischen Bürgern in der Inflationszeit
gesammelte Geld sei völlig wertlos geworden und liege noch heute auf der
Sparkasse; die neu beschafften Kirchenglocken seien ausschließlich aus
den Gaben der katholischen Pfarreieingesessenen aufgebracht worden. Die
größte der Glocken habe die Kirchengemeinde, nicht die Gemeinde, den
gefallenen Pfarrkindern gewidmet. Als der zweimal von der Kanzel bekannt
gemachte Termin für die Anmeldung längst verstrichen gewesen sei, habe
sich der in Rheinbreitbach wohnende alte Israelit Moses, bei ihm, dem
Pfarrer, mit dem Ersuchen gemeldet, den Namen seines gefallenen Sohnes mit
dem Namen der übrigen Helden in die Glocke eingießen zu lassen. Er, der
Pfarrer, habe dem Antragsteller erklärt, dass er keineswegs Bedenken
dagegen gehabt haben würde, den Namen seiner Sohnes eingießen zu lassen,
es sei aber nun zu spät, da der Guss nach einer Mitteilung der Gießerei
bereits begonnen hätte." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der jüdischen
Häuser vorhanden. Seit 1822 soll es nach einem Bericht des
Bürgermeisters aus dem Jahr 1856 eine Synagoge (Betsaal) in
Rheinbreitbach geben. Nachdem 1874 in Unkel
eine neue Synagoge eingeweiht wurde, könnte es sein, dass der Betsaal in
Rheinbreitbach aufgegeben wurde.
Um 1900 war eine Betstube im Haus des Simon Salm in der damaligen
Jennstraße 168 vorhanden (Gebäude heute Hauptstraße 20). Möglicherweise
handelt es sich dabei um den bereits 1856 genannten Betraum. Da auf Grund der
kleinen Zahl der jüdischen Einwohner kein regelmäßiger Gottesdienst in
Rheinbreitbach abgehalten werden konnte, wurden weiterhin die Gottesdienste in Unkel
besucht.
Adresse/Standort der Synagoge: Hauptstraße
20 (ehemals Jennstraße 168)
Fotos
| Es
sind noch keine Fotos / Abbildungen zur jüdischen Geschichte in
Rheinbreitbach vorhanden; über Hinweise oder Zusendungen freut sich der
Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Rudolf Vollmer: Die ehemalige jüdische Gemeinde der
Bürgermeisterei Unkel. In Heimat-Jahrhunde des Landkreises Neuwied 1994 S.
74-79. |
 | ders.: Die ehemalige jüdische Gemeinde in Unkel, Erpel und
Rheinbreitbach. Unkel 1997. |
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 320 (mit weiteren Literaturangaben).
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n.e.

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