Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Rheinbreitbach (VG Unkel, Kreis Neuwied) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde       
     
In Rheinbreitbach bestand eine jüdische Gemeinde bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Eine Quelle von 1748 berichtet davon, dass sich vier verheiratete (jüdische) Männer wegen "Tätlichkeiten wider die Juden durch Junggesellen und übrige Burschen" beschweren. Damals gab es somit mindestens vier jüdische Familien am Ort.   
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1803 18 jüdische Einwohner, 1822 18, 1846 29 (in acht Familien), 1858 32, 1895 12, 1900 zehn. 
    
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule) und ein rituelles Bad (nach einem Berichte von 1822 gab es zwei rituelle Bäder in jüdischen Privathäusern, die wohl auch von den anderen Familien benutzt werden konnten: "eine in einem Gewölbe, eine in einer Stube".     
  
1863 wurden die in der Umgebung von Linz/Unkel lebenden jüdischen Personen zu einer gemeinsamen Synagogengemeinde verbunden. Die in der Bürgermeisterei Unkel (d.h. in Unkel, Scheuren, Rheinbreitbach, Heister und Erpel) lebenden jüdischen Familien bildeten eine Teilgemeinde innerhalb der größeren Kultusgemeinde Linz/Unkel. Die Teilgemeinde wurde um 1920 aufgelöst und alle im Bereich Unkel lebenden jüdischen Personen der Gemeinde in Linz am Rhein angeschlossen.  
    
1925 werden nur noch zwei und in der Folgezeit bis einschließlich 1939 - weiterhin zwei jüdische Einwohner in Rheinbreitbach genannt.  

    
Von den in Rheinbreitbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Albert Abraham (1881), Ida Abraham (1874), Joseph Abraham (1872), Bernhard Bär (1860), Dagobert van Geldern (1875), Debora (Dora) van Geldern (1867), Emil van Geldern (1877), Otto van Geldern (1871), Selma van Geldern (1869), Wilhelm Nikolaus van Geldern (1879), Jenny (Henny) Moses (1886), Sophie Moses (1889), Helene Salm geb. Bär (1857), Frieda Siegler geb. David (1885).      
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Der Name des jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges wird nicht auf einer Kirchenglocke verzeichnet (1925)

Rheinbreitbach LibJuedZtg 15051925.jpg (136154 Byte)Artikel in der "Liberalen Jüdischen Zeitung" vom 15. Mai 1925: "Rheinbreitbach. Der Kölnischen Zeitung vom 26. vorigen Monats entnehmen wir unter der Überschrift 'Die Undank-Glocke': Auf der Wegscheide zwischen Siebengebirge und Westerwald, in herrlichster Rheingegend, liegt das Dörfchen Rheinbreitbach, schon den Römern durch sein Kupferbergwerk bekannt, von vielen berühmten Deutschen - Simrock, den Gebrüdern Grimm, Freiligrath u.a. - als Sommeraufenthalt geschätzt. In diesem traulichen Dörfchen wohnt seit alters der biedere Jude Moses, der, als im Jahre 1870 die Kriegstrommel gerührt wurde, von England nach Deutschland eilte, um als Musketier gegen Frankreich zu marschieren. Und 1914 fiel der Sohn des alten Moses im deutschen Schützengraben und gab sein Leben für Heimat und uns alle. Rheinbreitbacher Kirchenglocken hatten während des Krieges Material für Führungsringe und Granatzünder geliefert, Rheinbreitbacher Bürger, katholische und evangelische (der Ort besteht zu neun Zehnteln auf Katholiken), hatten ihr Scherflein gegeben, damit jetzt neue Glocken für die einzelne katholische Kirche gestiftet wurden. Die größte der neuen Glocken widmete die Gemeinde den gefallenen Helden. Und nun das unsagbar Traurige: All die vor dem Feind gebliebenen Rheinbreitbacher sind auf der Glocke verzeichnet, nur der Jude Moses wurde ausgelassen. Und in seinem kleinen Bauernhäuschen sitzt ein gebeugter achtzigjähriger Mann, der alte Moses, dem es, wenn er die Undankglocke hört, nicht in seinen alten Kopf will, dass christliche Nächstenliebe an Konfession und Parteizugehörigkeit gebunden ist."      
  
Rheinbreitbach LibJuedZtg 29051925.jpg (120835 Byte)Artikel in der "Liberalen Jüdischen Zeitung" vom 29. Mai 1925: "Rheinbreitbach. In Nr. 306 der Kölnischen Zeitung hatten wir einer Zuschrift Raum gegeben, worin Klage geführt wurde, dass auf einer neuen Glocke, die die Gemeinde Rheinbreitbach von den Scherflein katholischer und evangelischer Bürger angeschafft und den Gefallenen gewidmet hane, von allen gefallenen Rheinbreitbachern nur der Jude Moses ausgelassen worden sei. Dazu sendet uns der Ortspfarrer von Rheinbreitbach, Ermert, eine Darstellung, der wir folgendes entnehmen: Das von evangelischen Bürgern in der Inflationszeit gesammelte Geld sei völlig wertlos geworden und liege noch heute auf der Sparkasse; die neu beschafften Kirchenglocken seien ausschließlich aus den Gaben der katholischen Pfarreieingesessenen aufgebracht worden. Die größte der Glocken habe die Kirchengemeinde, nicht die Gemeinde, den gefallenen Pfarrkindern gewidmet. Als der zweimal von der Kanzel bekannt gemachte Termin für die Anmeldung längst verstrichen gewesen sei, habe sich der in Rheinbreitbach wohnende alte Israelit Moses, bei ihm, dem Pfarrer, mit dem Ersuchen gemeldet, den Namen seines gefallenen Sohnes mit dem Namen der übrigen Helden in die Glocke eingießen zu lassen. Er, der Pfarrer, habe dem Antragsteller erklärt, dass er keineswegs Bedenken dagegen gehabt haben würde, den Namen seiner Sohnes eingießen zu lassen, es sei aber nun zu spät, da der Guss nach einer Mitteilung der Gießerei bereits begonnen hätte."  

    
    
    

Zur Geschichte der Synagoge     
           
    
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden. Seit 1822 soll es nach einem Bericht des Bürgermeisters aus dem Jahr 1856 eine Synagoge (Betsaal) in Rheinbreitbach geben. Nachdem 1874 in Unkel eine neue Synagoge eingeweiht wurde, könnte es sein, dass der Betsaal in Rheinbreitbach aufgegeben wurde. 
   
Um 1900 war eine Betstube im Haus des Simon Salm in der damaligen Jennstraße 168 vorhanden (Gebäude heute Hauptstraße 20). Möglicherweise handelt es sich dabei um den bereits 1856 genannten Betraum. Da auf Grund der kleinen Zahl der jüdischen Einwohner kein regelmäßiger Gottesdienst in Rheinbreitbach abgehalten werden konnte, wurden weiterhin die Gottesdienste in Unkel besucht.     
    
    
Adresse/Standort der Synagoge      Hauptstraße 20 (ehemals Jennstraße 168)  
    
    
Fotos    

Es sind noch keine Fotos / Abbildungen zur jüdischen Geschichte in Rheinbreitbach vorhanden; 
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Links und Literatur

Links:   

Website der Verbandsgemeinde Unkel  

Literatur:    

Rudolf Vollmer: Die ehemalige jüdische Gemeinde der Bürgermeisterei Unkel. In Heimat-Jahrhunde des Landkreises Neuwied 1994 S. 74-79. 
ders.: Die ehemalige jüdische Gemeinde in Unkel, Erpel und Rheinbreitbach. Unkel 1997.   
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 320 (mit weiteren Literaturangaben).  

       
      n.e.         

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 28. Februar 2016