|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz"
Zur Übersicht "Synagogen im
Kreis Neuwied"
Puderbach mit
Orten der Umgebung (VG Puderbach, Kreis Neuwied)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Puderbach bestand eine jüdische Gemeinde
(selbständig erst ab 1911, zuvor zu Dierdorf gehörig) bis 1938/40.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück: 1703 wird
"Jud Arron" in Puderbach genannt, 1767 gab es drei
jüdische Familien am Ort. In umliegenden Orten werden jüdische Bewohner
gleichfalls seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts genannt. 1767 lebten
in Urbach die beiden Juden Jacob und Michele mit ihren Familien. In
Niederhofen lebte ein Jude David. In Raubach lebte seit 1786 Mausche
Lazarus mit Familie.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1817 in Puderbach 22 jüdische Einwohner (von insgesamt 272), 1843 71, um 1890
20. 1813 bildete sich eine Synagogengemeinde in Urbach, zu der auch
Raubach und Daufenbach gehörten. Zu dieser Gemeinde gehörten 1852 5 jüdische
Familien mit zusammen 39 Personen. Zur jüdischen Gemeinde Puderbach
gehörten damals auch die in Niederwarnbach, Rodenbach, Oberdreis und Lautzert
lebenden insgesamt 14 Familien mit 78 Personen, darunter in Oberdreis die
Familien Samuel Fultheim, Michael Tobias, Herz Tobias und Anschel Veit, in Lautzert Aron Veit.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde zunächst eine Betstube,
später eine Synagoge
(s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war
möglicherweise eine Zeitlang ein jüdischer Lehrer angestellt, der zugleich als
Vorbeter und Schochet fungierte. Ansonsten kamen Lehrer benachbarter Gemeinden
zum Unterricht der Kinder nach Puderbach (Mitte des 19. Jahrhunderts der Lehrer
aus Dierdorf).
Um 1924, als in
Puderbach 45 jüdische Einwohner gezählt wurden (4,5 % von insgesamt etwa 1.000
Einwohnern) gehörten dem Gemeindevorstand an: Hermann Salomon und Leopold Aron.
Die damals 10 schulpflichtigen jüdischen Kinder der Gemeinde wurden durch
Lehrer Abenasch in Religion unterrichtet. Zur jüdischen Gemeinde gehörten
insgesamt 20 in Steimel, Daufenbach und Rodenbach lebenden jüdischen Personen.
1932 war Gemeindevorsteher Tobias Tobias, Schriftführer und Schatzmeister
Hermann Wolff (Inhaber einer Lebensmittelhandlung). Damals lebten 16 jüdische Personen in
Steimel, 26 in Urbach, die
zur Gemeinde Puderbach gehörten.
Nach 1933 ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder (1933 in Puderbach: 39 Personen von insgesamt 680
Einwohnern) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938
wurde die Synagoge zerstört (s.u.). Anfang 1941 wurden noch 13 jüdische
Einwohner gezählt, von denen mehrere aus Urbach
waren, die nach der Zerstörung ihrer Häuser beim Novemberpogrom 1938 nach
Puderbach eingewiesen waren (zwangseinquartiert im Haus des Albert Aron in der
Steimeler Straße 2). Die letzten acht jüdischen Personen wurden im Laufe des Jahres 1942 von
Puderbach aus in Vernichtungslager deportiert.
Von den in Puderbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Jakob Aron (1873), Julius Aron (1873), Albert Baer
(1887),
Louis Baer (), Thekla Irene Baer geb. Vos (1884), Selma Behr geb. Bär (1882), Johanna Daniel (1893), Selma
Hirsch geb. Levy (), Sigmund Jakob (1884), Ilse Schay geb. Baer (1914), Dina
Weiss geb. Aron (1872), Else Wolff (1922), Hermann Wolff (1890), Günther
Salomon Wolff (1926), Mathilde (Nelly) Wolff geb. Steinberg (1896).
Von den in Steimel geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Paula Beretz geb. Herz
(1892), Irmgard Herz (1922), Jetta (Henriette) Levi geb. Baer (1863), Selma Tobias geb.
Levy
(1888).
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Der Pfarrer des Ortes möchte einer jüdischen Frau helfen (1907)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juli 1907: "Herzliche
Bitte! Eine in hiesiger evangelischer Gemeinde wohnende Waise,
Israelitin, 38 Jahre alt, die ein kleines Spezerei- und Kurzwarengeschäft
betreibt, muss, weil das elterliche Haus zwangsweise verkauft wurde,
seither in einem älteren hause des betreffenden Dorfes, dessen Dach in
mangelhaftem Zustande ist, zur Miete wohnen. Sie möchte gern ein eigenes
Heim gründen, hat aber keine Mittel dazu. Sie ist eine achtungswerte,
fleißige Person, die aber zu anstrengender Arbeit nicht fähig ist, weil
sie hinkt. Es ergeht deshalb an alle Israeliten, die Gott mit irdischen
Gütern gesegnet hat, die Bitte, sich dieser Tochter ihres Volkes annehmen
zu wollen. Haben nimmt dankend entgegen. F. Mohn, evangelischer Pfarrer,
Puderbach, Westerwald." |
Zur Geschichte der Synagoge
1781 wird berichtet, dass die im Bereich der späteren
Bürgermeisterei Puderbach lebenden Juden nach Dierdorf zu dem
"Judenschulmeister Elias" ging, also wohl dort die Synagoge besuchten.
Mitte des 19. Jahrhunderts gab es zwei Betstuben, eine davon in dem noch
erhaltenen Gebäude Steimeler Straße 12 eingerichtet (Wohn- und
Stallhaus).
1908 beantragte die jüdische Gemeinde, eine Synagoge bauen und eine
selbständige jüdische Gemeinde gründen zu dürfen. Die Behörden lehnten ab,
da ihnen die Gemeinde hierfür finanziell zu schwach erschien. Dennoch gab die
Gemeinde mit ihren Antragstellungen nicht nach und hatte schließlich Erfolg,
indem am 4. und 5. August 1911 eine neue Synagoge feierlich
eingeweiht werden konnte. Die Synagoge wurde durch den Bauunternehmer
Johann-Philipp Spies aus Puderbach erstellt. Sie stand auf einer
Grundfläche von 9 x 7 m. Seitlich hatte sie hohe Rundbogenfenster. An der
Westfassade hatte sie einen Portalvorbau mit einem Treppenaufgang. Über dem
Portalvorbau befand sich ein Rundfenster zur Beleuchtung der Frauenempore.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch ein Rollkommando unter
Leitung eines SS-Führers niedergebrannt. Nur eine Torarolle konnte gerettet
werden. Die Brandruine wurde in der Folgewoche abgebrochen, das Grundstück
verkauft.
Am 10. November 1979 wurde zur Erinnerung an die jüdischen Einwohner und
die Synagoge eine Gedenktafel an der Friedhofskapelle angebracht. Auch
eine Freundschaftsgedenktafel - gestiftet von einem ehemals in Puderbach
lebenden jüdischen Ehepaar - wurde in der evangelischen Kirche angebracht.
Adresse/Standort der Synagoge: Betstube:
Steimeler Straße 14 (ehem. Nr. 12); Synagoge: Barentoner Straße
(unmittelbar an der Eisenbahnlinie; 1932: Haus Nr.
59a).
Fotos
(Quelle: Landesamt s. Lit. S. 316)
| Historische Ansichtskarte
zur Einweihung der Synagoge in Puderbach 1911 |
 |
|
| |
|
|
| Fotos der
Gedenktafeln und des Synagogenstandortes heute sind noch nicht vorhanden.
Über Zusendungen freut sich der Webmaster von "Alemannia
Judaica", Adresse siehe Eingangsseite. |
|
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt
des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies
ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem
Saarland. Mainz 2005. S. 316-317 (mit weiteren Literaturangaben).
|
 | Albert Hardt: Juden im Umland von Puderbach. In: Vom
Holzbach zur Wied. Puderbach 1992 S. 131-146 - online
zugänglich.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Puderbach Rhineland. The
Jewish population was 22 (total 272) in 1817 and 17 in 1843. It then dropped to
yout 20 in the late 19th century and rose again to 36-38 in 1925-32. Forty-two
Jews from Urbach and Steimel also belonged to the congregation. The synagogue
built in 1911 was burned on Kristallnacht (9-10 November 1938).

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|