Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Puderbach mit Orten der Umgebung (VG Puderbach, Kreis Neuwied)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Puderbach bestand eine jüdische Gemeinde (selbständig erst ab 1911, zuvor zu Dierdorf gehörig) bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück: 1703 wird "Jud Arron" in Puderbach genannt, 1767 gab es drei jüdische Familien am Ort. In umliegenden Orten werden jüdische Bewohner gleichfalls seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts genannt. 1767 lebten in Urbach die beiden Juden Jacob und Michele mit ihren Familien. In Niederhofen lebte ein Jude David. In Raubach lebte seit 1786 Mausche Lazarus mit Familie.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1817 in Puderbach 22 jüdische Einwohner (von insgesamt 272), 1843 71, um 1890 20. 1813 bildete sich eine Synagogengemeinde in Urbach, zu der auch Raubach und Daufenbach gehörten. Zu dieser Gemeinde gehörten 1852 5 jüdische Familien mit zusammen 39 Personen. Zur jüdischen Gemeinde Puderbach gehörten damals auch die in Niederwarnbach, Rodenbach, Oberdreis und Lautzert lebenden insgesamt 14 Familien mit 78 Personen, darunter in Oberdreis die Familien Samuel Fultheim, Michael Tobias, Herz Tobias und Anschel Veit, in Lautzert Aron Veit.

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde zunächst eine Betstube, später eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war möglicherweise eine Zeitlang ein jüdischer Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet fungierte. Ansonsten kamen Lehrer benachbarter Gemeinden zum Unterricht der Kinder nach Puderbach (Mitte des 19. Jahrhunderts der Lehrer aus Dierdorf).

Um 1924, als in Puderbach 45 jüdische Einwohner gezählt wurden (4,5 % von insgesamt etwa 1.000 Einwohnern) gehörten dem Gemeindevorstand an: Hermann Salomon und Leopold Aron. Die damals 10 schulpflichtigen jüdischen Kinder der Gemeinde wurden durch Lehrer Abenasch in Religion unterrichtet. Zur jüdischen Gemeinde gehörten insgesamt 20 in Steimel, Daufenbach und Rodenbach lebenden jüdischen Personen. 1932 war Gemeindevorsteher Tobias Tobias, Schriftführer und Schatzmeister Hermann Wolff (Inhaber einer Lebensmittelhandlung). Damals lebten 16 jüdische Personen in Steimel, 26 in Urbach, die zur Gemeinde Puderbach gehörten.   

Nach 1933
ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933 in Puderbach: 39 Personen von insgesamt 680 Einwohnern) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.). Anfang 1941 wurden noch 13 jüdische Einwohner gezählt, von denen mehrere aus Urbach waren, die nach der Zerstörung ihrer Häuser beim Novemberpogrom 1938 nach Puderbach eingewiesen waren (zwangseinquartiert im Haus des Albert Aron in der Steimeler Straße 2). Die letzten acht jüdischen Personen wurden im Laufe des Jahres 1942 von Puderbach aus in Vernichtungslager deportiert. 

Von den in Puderbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Jakob Aron (1873), Julius Aron (1873), Albert Baer (1887), Louis Baer (), Thekla Irene Baer geb. Vos (1884), Selma Behr geb. Bär (1882), Johanna Daniel (1893), Selma Hirsch geb. Levy (), Sigmund Jakob (1884), Ilse Schay geb. Baer (1914), Dina Weiss geb. Aron (1872), Else Wolff (1922), Hermann Wolff (1890), Günther Salomon Wolff (1926), Mathilde (Nelly) Wolff geb. Steinberg (1896). 
   
Von den in Steimel geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Paula Beretz geb. Herz (1892), Irmgard Herz (1922), Jetta (Henriette) Levi geb. Baer (1863), Selma Tobias geb. Levy (1888).
   
 

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Der Pfarrer des Ortes möchte einer jüdischen Frau helfen (1907)  

Puderbach Israelit 11071907.jpg (69549 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Juli 1907: "Herzliche Bitte! Eine in hiesiger evangelischer Gemeinde wohnende Waise, Israelitin, 38 Jahre alt, die ein kleines Spezerei- und Kurzwarengeschäft betreibt, muss, weil das elterliche Haus zwangsweise verkauft wurde, seither in einem älteren hause des betreffenden Dorfes, dessen Dach in mangelhaftem Zustande ist, zur Miete wohnen. Sie möchte gern ein eigenes Heim gründen, hat aber keine Mittel dazu. Sie ist eine achtungswerte, fleißige Person, die aber zu anstrengender Arbeit nicht fähig ist, weil sie hinkt. Es ergeht deshalb an alle Israeliten, die Gott mit irdischen Gütern gesegnet hat, die Bitte, sich dieser Tochter ihres Volkes annehmen zu wollen. Haben nimmt dankend entgegen. F. Mohn, evangelischer Pfarrer, Puderbach, Westerwald."

   
   
   

Zur Geschichte der Synagoge

1781 wird berichtet, dass die im Bereich der späteren Bürgermeisterei Puderbach lebenden Juden nach Dierdorf zu dem "Judenschulmeister Elias" ging, also wohl dort die Synagoge besuchten. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es zwei Betstuben, eine davon in dem noch erhaltenen Gebäude Steimeler Straße 12 eingerichtet (Wohn- und Stallhaus).  

1908 beantragte die jüdische Gemeinde, eine Synagoge bauen und eine selbständige jüdische Gemeinde gründen zu dürfen. Die Behörden lehnten ab, da ihnen die Gemeinde hierfür finanziell zu schwach erschien. Dennoch gab die Gemeinde mit ihren Antragstellungen nicht nach und hatte schließlich Erfolg, indem am 4. und 5. August 1911 eine neue Synagoge feierlich eingeweiht werden konnte. Die Synagoge wurde durch den Bauunternehmer Johann-Philipp Spies aus Puderbach erstellt.  Sie stand auf einer Grundfläche von 9 x 7 m. Seitlich hatte sie hohe Rundbogenfenster. An der Westfassade hatte sie einen Portalvorbau mit einem Treppenaufgang. Über dem Portalvorbau befand sich ein Rundfenster zur Beleuchtung der Frauenempore. 

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch ein Rollkommando unter Leitung eines SS-Führers niedergebrannt. Nur eine Torarolle konnte gerettet werden. Die Brandruine wurde in der Folgewoche abgebrochen, das Grundstück verkauft. 

Am 10. November 1979 wurde zur Erinnerung an die jüdischen Einwohner und die Synagoge eine Gedenktafel an der Friedhofskapelle angebracht. Auch eine Freundschaftsgedenktafel - gestiftet von einem ehemals in Puderbach lebenden jüdischen Ehepaar - wurde in der evangelischen Kirche angebracht.
   

Adresse/Standort der SynagogeBetstube: Steimeler Straße 14 (ehem. Nr. 12); Synagoge: Barentoner Straße (unmittelbar an der Eisenbahnlinie; 1932: Haus Nr. 59a). 

Fotos
(Quelle: Landesamt s. Lit. S. 316)

Historische Ansichtskarte zur Einweihung der Synagoge in Puderbach 1911 Puderbach Synagoge 010.jpg (59796 Byte)  
      
Fotos der Gedenktafeln und des Synagogenstandortes heute sind noch nicht vorhanden. Über Zusendungen freut sich der Webmaster von "Alemannia Judaica", Adresse siehe Eingangsseite  

    
    

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Puderbach  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Puderbach (interner Link)    

Literatur:  

Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 316-317 (mit weiteren Literaturangaben).
Albert Hardt: Juden im Umland von Puderbach. In: Vom Holzbach zur Wied. Puderbach 1992 S. 131-146 - online zugänglich.  
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Puderbach  Rhineland. The Jewish population was 22 (total 272) in 1817 and 17 in 1843. It then dropped to yout 20 in the late 19th century and rose again to 36-38 in 1925-32. Forty-two Jews from Urbach and Steimel also belonged to the congregation. The synagogue built in 1911 was burned on Kristallnacht (9-10 November 1938).                         
   

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 13. November 2010