Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Urbach (Westerwald) mit Linkenbach und Raubach (VG Puderbach, Kreis Neuwied) 
sowie Horhausen (Westerwald) (VG Flammersfeld, Kreis Altenkirchen)
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen    
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde   
  
Anmerkung: Urbach besteht aus den (bis 1969) selbständigen Gemeinden Urbach-Kirchdorf und Urbach-Überdorf. Zum "Kirchspiel Urbach" gehörten neben den beiden genannten Orten Dernbach, Linkenbach, Harschbach und Niederhofen.    

In Urbach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1742 drei "Schutzjuden" (vermutlich mit Familien genannt): Michael, Amschel und Coppel; 1767 sind es zwei jüdische Einwohner/Familien. Die Urbacher Juden gehörten zunächst zur Gemeinde in Puderbach. Erst um 1813 bildete sich eine eigene Gemeinde in Urbach, zu der nun die in Raubach, später auch die in Linkenbach und Horhausen lebenden jüdischen Familien gehörten. 
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1811 19 (im Kirchspiel Urbach, die meisten in Urbach), 1852 39 (im Kirchspiel, in fünf jüdischen Familien), 1858 27, 1895 22, 1908 30. 
  
1811 waren die jüdischen Familien in Urbach: Familie Jakob Leib mit Frau Greile und den Kindern Jacob, Sprinzche und Herta; Familie Jacob Moses mit Frau Ella und den Kindern Jacob, Aron, Abraham, Sprinzche und Esther; Familie Jonas Heijm mit Frau Gerdel; Familie Samuel Jakob mit Frau Hendel und den Kindern Seligman, Erile und Reile. Die Familien lebten damals vom Vieh- und Warenhandel, Samuel Jakob vom Schlachten. Später erlernten einige Jüngere Handwerksberufe.    

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule) und möglicherweise ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Puderbach beigesetzt.     
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Julius Levi (geb. 14.5.1891 in Urbach-Kirchdorf, gef. 23.8.1917) und Ferdinand Jakob (geb. 30.11.1893 in Urbach-Kirchdorf, gef. 6.9.1914). G. Ebbinghaus nennt als Gefallene die Brüder Julius Jakob (gef. 23.8.1917) und Konstantin Jakob (gef. 1916). Der Unterschied konnte noch nicht geklärt werden. 
  
Die jüdischen Familien am Ort waren weitestgehend integriert und engagierten sich auch im allgemeinen Vereinsleben. Markus Michel war Mitglied des Kriegervereins. Er und sein Sohn Alfred waren 1922 Mitbegründer des Urbacher Turnvereins, deren erster Vorsitzender er ist. Sigmund Jakob war Mitglied im Gesangverein und sang selbstverständlich an Weihnachten auch in der Kirche mit. Vom Gewerbe her war Markus Michel als Viehhändler tätig. Die Geschwister Levi hatten einen Kleinvieh-, Fell-, Lumpen- und Kurzwarenhandel. Siegmund Jakob lebte vom Kleinviehhandel mit Kälbern, Schafen und Ziegen.     
 
1925 wurden noch 24 jüdische Einwohner am Ort gezählt. 
  
1933 lebten noch die folgenden jüdischen Personen im Kirchspiel Urbach: in Urbach Sigmund Jakob, Else Jakob, Franziska Jakob, Jakob Levi, Karoline Levi, Sara Levi, Markus Michel, Hedwig Michel, Alfred Michel, Moritz Michel, Erna Michel, Dieter Michel, Irmhild Michel; in Linkenbach: Arnold Simon und Karoline Simon; in Horhausen: Sigmund Kahn, Lina Kahn, Betty Kahn; in Raubach: Heinrich Löb, Leopold Löb, Käthe Löb, Henriette Löb, Hedwig Löb, Johanna Jonas, Julius Jonas, Else Jonas.
    
In den folgenden Jahren ist ein Teil der genannten Personen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Auswandern konnten: u.a. aus Urbach die Familie Michel nach Argentinien, Franziska Jakob nach Großbritannien: aus Horhausen Betty Kahn in die USA, aus Raubach Familie Löb in die USA, Else und Julius Jonas nach Argentinien. Anfang November 1938 wohnten noch sieben jüdische Personen in Urbach. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.). Auch die jüdischen Wohnhäuser des Ehepaares Markus Michel und der Geschwister Levi wurden in Brand gesteckt und brannten bis auf die Grundmauern ab; das Haus des Ehepaares Jakob wurde von der Brandstiftung verschont mit Rücksicht auf das anstoßende Nachbarhaus, doch ist es völlig zerstört worden. Selbst mit den Hühnern im Garten wurde "Fußball gespielt", bis sie tot waren. Die bisherigen jüdischen Einwohner wurden in das Haus des Albert Aron in der Steimeler Straße 2 in Puderbach eingewiesen.   
  
Von den in Urbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Else Jakob (), Sigmund Jakob (1884), Karoline Levy (), Heinrich Levy (1877), Jakob Levy (1875), Sarah Levy (), Alfred Michel (1903), Hedwig Michel (1874), Markus Michel (1872).  
Die Namen stehen auf einer Gedenktafel, die am 11. November 1979 an der Friedhofshalle in Puderbach angebracht wurde. 
       
Aus Horhausen sind umgekommen: Rosalie Gottschalk geb. Kahn (1878), Salomon Kahn (1883), Siegmund Kahn (1879).  
Aus Raubach ist umgekommen: Friedrich Jonas (1890).     
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige von Moses Levi in Urbach bei Dierdorf (1904)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1904: "Für meinen Sohn, der sehr groß und stark ist, suche Stelle bei einem Viehhändler. 
Moses Levi,
Urbach bei Dierdorf (Westerwald)."    

     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge             
    
Zunächst war eine Betstube vorhanden, die erstmals 1823 genannt wird. Der Betstube war etwa 30 qm groß (5,70 m breit, 5,25 m lang, 2.04 m hochund wurde auch von den Juden des Kirchspiels Urbach sowie von den beiden jüdischen Familien aus Horhausen und Raubach besucht.   
   
Zwischen 1900 und 1914 wurde gegenüber der evangelischen Kirche ein Synagogenbau erstellt. Finanziert wurde der Bau vermutlich vor allem durch die beiden wohlhabenden jüdischen Bürger Moses Moses und Tobias Jakob. Bei der Synagoge handelte es sich um einen etwa 6 mal 5,50 m großen Saalbau, der aus Ziegelsteinen erstellt wurde. Im Inneren befand sich eine Frauenempore vor der Westwand. Nicht eindeutig ist die Form der Fenster, entweder Rundbogenfenster oder gotische Fenster.   
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch ein Rollkommando aus Puderbach unter Leitung des SS-Führers Piroek überfallen und angezündet. Dabei brannte der Dachstuhl aus. Die Samtvorhänge konnten gerettet werden. Das Synagogengebäude wurde wenig später abgebrochen. Auf dem Grundstück beziehungsweise der unmittelbar anschließenden Parzelle wurde ein Gebäude der Raiffeisenbank erstellt.   
   
   
Adresse/Standort der Synagoge        Gegenüber der evangelischen Kirche im "vorderen Dorf"        
    
    
Fotos
(Quelle: Landesamt s. Lit. S. 372; die Rekonstruktionszeichnungen wurden erstellt von Hans Hoffmann Urbach (2002); unklar ist, ob die Fenster mehr gotischen Stil hatten; das Fenster im Bereich der Apsis des Toraschreines ist unwahrscheinlich)  

Rekonstruktionszeichnungen der 
Synagoge in Urbach
Urbach Synagoge 100.jpg (19892 Byte) Urbach Synagoge 101.jpg (23600 Byte)
   Ansicht der Synagoge von Osten mit Blick auf die Apsis des Toraschreines
 (Anm.: der jedoch vermutlich kein Fenster hatte)  
Blick auf die Synagoge von Norden, 
links die Apsis des Toraschreines  
     
  Urbach Synagoge 102.jpg (24470 Byte) Urbach Synagoge 103.jpg (24138 Byte)
  Blick von Süden mit Eingang in den Betraum der Männer
im Erdgeschoss und Aufgang zur Frauenempore  
Grundriss der Synagoge auf 
Höhe der Frauenempore   
     

  
   
Links und Literatur    

Links:   

Website der Gemeinde Urbach  

Website von Daniela Tobias mit Seite zu Familie Seligmann Jacob in Urbach http://tobiasherz.de/familie-seligmann-jacob-urbach     

Literatur:  

Gerhard Ebbinghaus: Die Geschichte der Juden in Urbach / Westerwald. In: SACHOR. Beiträge zur jüdischen Geschichte in Rheinland-Pfalz. 2/1993 Heft Nr. 5 S. 62-72.  Online zugänglich (als pdf-Datei eingestellt, 15,1 MB). 
Albert Hardt: Juden im Umland von Puderbach. In: Vom Holzbach zur Wied. Puderbach 1992 S. 131-146. online zugänglich.   
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 373-373  (mit weiteren Literaturangaben).  

    
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Stand: 28. Juni 2017