Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Dierdorf mit Stadtteil Giershofen (Kreis Neuwied) 
und anderen Orten der Umgebung
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Kennkarte aus der NS-Zeit      
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur  

    
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
    
In Dierdorf bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1677/78 wird erstmals ein jüdischer Einwohner genannt ("Veit der Jud" im ""Flecken Dierdorf"). 1688 kam "Jud Kalmes" als weiterer Schutzjude hinzu. Auch 1700 waren es nur zwei jüdische Personen (mit Familien): Jud Peritz und Jud Veit.   
   
Im Laufe des 18. Jahrhunderts entstand bereits eine relativ große jüdische Gemeinde in der Stadt. 1706 werden fünf jüdische Familien genannt (Peritz, Veit, Löb, Moses, Seligmann), 1761 gab es 15 jüdische Familien in der Stadt. 1742 war Hirsch Löw "Judenvorsteher" im Amt Dierdorf. Damals lebten in Dierdorf die Familien des Jud Ruben, Hirsch, Seligmann, Martgen und Mausche. Aus dem Jahr 1787 liegt ein Bericht über die Hochzeitsfeierlichkeiten des Erbgrafen Carl zu Wied-Runkel und der Prinzessin Caroline Louise Frederique zu Nassau-Weilburg am gräflichen Hofe zu Dierdorf vor. Nachdem am dritten Tag der Feierlichkeiten (am 19. September 1787) die Pfarrer sich vorgestellt, ihre Glückwünsche überbracht und Geschenke überreicht hatten, "kam die ganze Judenschaft hiesiger Stadt und Amt mit Musik ins Schloss. Der Vorsteher (Herz) und einige Deputierte überreichten der durchlauchtigsten Prinzessin ein Geschenk in Silber mit Versen nach jüdischer Art. Der Vorsänger aber sang mit Begleitung der Musik auf der Schlossbrücke einige ins Deutsche übersetzte Verse aus den Psalmen ab, die Bezug auf die Feierlichkeiten hatten, und zogen unter beständigen Vivatrufen wieder in die Stadt zurück". Bei der Ausschmückung der Stadt hatte auch Jakob Bär, der Inhaber eines Kramladens war, mitgewirkt und einen Spruch ausgestellt: "Komm, komm, mein lieber Saar (Fürst), und kauf mir ab mein War. Komm, komm, mein lieber Herr, und kauf bei Jakob Bär!!"     
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1822 77 jüdische Einwohner, 1855 121 (in der Bürgermeisterei zusammen 170), 1858 120, 1895 116, 1900 121. Die jüdischen Familien lebten bis weit ins 19. Jahrhundert hinein insbesondere vom Handel mit Vieh, Ellen- und Kurzwaren. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts eröffneten mehrere von ihnen offene Handlungen und Läden am Ort.  
   
Zur Gemeinde gehörten auch die in Giershofen lebenden jüdischen Personen. Hier wird 1703 ein erster jüdischer Einwohner genannt (Jud Löw), 1707 sind es zwei Familien, beide mit Namen Löb, 1742 Veit Jonas und dessen Vater. Die Zahl der Juden am Ort blieb klein: 1924 waren es sechs jüdische Einwohner, bis 1938 noch die Familie von Jakob Kahn). Auch in anderen Orten der Umgebung lebten wenige jüdische Familien, die zur Gemeinde in Dierdorf gehörten, so in Großmaischeid (bereits 1705 ein jüdischer Einwohner, 1742 Moses, Veit, Heyem und Jacob), in Isenburg (bereits seit 1688/89, 1707 zwei: Veit und Jüdin Blumin, 1742 Jud Seligmann) 
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische Volksschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der auch als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibung der Stelle unten). Bereits im 18. Jahrhundert wird ein "Judenschulmeister" genannt (vor 1778 Israel Elias bis nach 1811). Besonders lange war in der Gemeinde im 19. Jahrhundert Lehrer Stamm, der sich auf die Ausschreibung der Stelle 1856 erfolgreich bewarb und nach 43 Jahren in Dierdorf im Jahr 1899 sein 50-jähriges Dienstjubiläum feiern konnte (siehe Bericht unten). Letzter jüdischer Lehrer war bis 1938 Adolf Ginsberg.   
   
Um 1924, als zur Gemeinde 96 Personen gehörten (7,3 % von insgesamt 1.320 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Moses Seligmann, Samuel Herz und Markus Frohwein. Zur Repräsentanz gehörten Israel Seligmann, Jakob Kahn (Giershofen), Jakob Marx Moritz Salomon, Arthur Berg, Alex Daniel, Alex Hirschberg, Ferdinand Strauß und Siegfried Seligmann. Als Lehrer und Kantor war Adolf Ginsberg angestellt. Er unterrichtete an der Israelitischen Volksschule noch neun Kinder. An jüdischen Vereinen bestanden insbesondere der Israelitische Frauenverein (Frauen-Chewra, gegründet 1827, 1924 unter Leitung der Frau von Nathan Seligmann mit 22 Mitgliedern, 1932 unter Leitung von Tina Marx mit 23 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger), der Israelitische Männer-Wohltätigkeitsverein (gegründet 1925, 1932 unter Leitung von Siegfried Seligmann mit 23 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung von Durchwanderern) und der Jüdische Jugendverein (1924 unter Leitung von Lehrer Adolf Ginsberg mit 37 Mitgliedern).   1932 waren die Gemeindevorsteher Alex Daniel (1. Vors.), Arthur Berg (2. Vors.) und Sally Marx (3. Vors. und Schriftführer). Die beiden Vorsteher der Repräsentanz waren Moritz Salomon (1. Vors.) und Alex Daniel (2. Vors.). Weiterhin war Adolf Ginsberg Lehrer und Kantor. Im Schuljahr 1931/32 unterrichtete er an der Israelitischen Volksschule neun Kinder in sechs Klassen.       
   
1933 lebten noch 84 jüdische Personen in der Stadt.
In den folgenden Jahren ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge im Inneren völlig verwüstet, jüdische Wohnhäuser wurden überfallen und teilweise völlig demoliert oder geplündert (Häuser von Louis Daniel, Nathan Seligmann, Hugo Seligmann, Moses und Emil Seligmann, Moritz Seligmann, Ferdinand Strauß). Auch in Giershofen wurde das Haus von Jakob Kahn, in dem auch Lehrer Ginsberg lebte, völlig demoliert.
   
Von den in Dierdorf geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hilde Corper geb. Strauss (1915), Johanna Erna Dahl (1938) Margarete (Grete) Dahl geb. Seligmann (1912), Emma Daniel geb. Sternberg (1864), Amalie Driels geb. Salomon (1873), Berta Erkelenz geb. Kahn (1869), Jenny Goldschmidt geb. Hecht (1880), Lucie Harf geb. Ginsberg (1903), Lina Hecht (1878), Mathilde Hermann geb. Salomon (1863), Bertha Herz geb. Strauss (1886), Emma Herz (1871), Heinrich Herz (1875), Josef Herz (1879), Hugo Hirschberg (1876), Siegfried Hirschberg (1884), Helene Jonas (1877), Jeanette Kaufmann (1856), Anneliese Liszewsky geb. Seligmann (1919), Ruth Lyon geb. Frohwein (1898), Leopold Marx (1883), Sally Marx (1884), Samuel Marx (1850), Henriette Mayer geb. Salomon (1877), Ruth Meyer geb. Ginsberg (1905), Werner Meyer (1934), Ernestine Michel geb. Michel (1887), Amalie Regensburger geb. Strauss (1879), David Salomon (1863), Nathan Salomon (1875), Rosa Salomon (1860), Wiliam Salomon (1865), Sigmund Scheier (1875, vgl. Kennkarte unten), Bienchen Seligmann geb. Seemann (1863), Dina (Tina) Seligmann (1867), Emil Seligmann (1887), Henriette Seligmann geb. Scheier (1879), Manfred Seligmann (1924), Nathan Seligmann (1876), Nathan Seligmann (1879), Siegfried Seligmann (1881), Alma Steinberg geb. Daniel (1900), Juliane Steineberg geb. Veit (1876), Karoline Sternberg geb. Herz (1867), Klothilde Stibbe geb. Seligmann (1887), Anny Strauss geb. Dinkelspiel (1884), Ferdinand Strauss (1882), Else Wendel geb. Daniel (1896), Selma Wolf geb. Hecht (1884).          
   
Hinweis: für das in Dierdorf ansässige Ehepaar Siegfried Seligmann und Henriette geb. Scheier wurden am 13. März 2015 in Wiesbaden zwei "Stolpersteine" verlegt. Ehepaar Seligmann hatte in Dierdorf ein Kolonialwarengeschäft betrieben, das 1936 aufgegeben werden musste. Danach verzogen die beiden nach Wiesbaden (Fritz-Kalle-Straße 14, wo die Stolpersteine verlegt wurden). Siehe Bericht im "Wiesbadener Kurier" vom 15. März 2015.  
Für Ruth Meyer geb. Ginsberg (geb. 1905 in Dierdorf) und ihren Sohn Werner Meyer (geb. 1. Juli 1934 in Dierdorf), die von Bremen aus in das Ghetto Minsk deportiert und später ermordet wurden, liegen "Stolpersteine" in Bremen (Nordstraße / in Höhe der Haltestelle Grenzstraße). Link zu Informationsseite bei Stolpersteine Bremen.   
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1856  

Dierdorf AZJ 03031856.jpg (52118 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. März 1856: "Ein Lehrer, welcher in Allem gut zu unterrichten, und den Vorbeterdienst nach herkömmlicher Weise befriedigend zu verrichten versteht, kann in unserer Gemeinde sobald wie möglich eine Stelle erhalten, die 150 bis 200 Thaler jährlich einbringt. Meldungen sind einzureichen bei dem israelitischen Vorstande.   
Dierdorf bei Neuwied, im Februar 1856."  

   
50-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Stamm (1899) 

Dierdorf Israelit 26101899.jpg (49659 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Oktober 1899: "Dierdorf. Dieser Tage feierte Herr Lehrer Stamm in Dierdorf, Kreis Neuwied, das seltene Fest des 50-jährigen Dienstjubiläums, welches hier festlich begangen wurde. Herr Lehrer Stamm bekleidet seit 43 Jahren das Amt eines Lehrers und Kantors in der israelitischen Gemeinde am hiesigen Platze, und hat sich die Liebe und Achtung der hiesigen Einwohnerschaft in vollem Maße erworben. Möge es ihm vergönnt sein, noch weitere Jahre segensreich in der hiesigen Gemeinde wirken zu können."  

    
80. Geburtstag von Lehrer Stamm (1911)   

Dierdorf FrfIsrFambl 05051911.jpg (20279 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Mai 1911: "Homburg vor der Höhe. Der hier wohnende Lehrerveteran Stamm, von 1849 bis 1900 in Dierdorf amtierend, feierte seinen 80. Geburtstag."   

     
     
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Spendenaufruf für eine verarmte jüdische Familie (1906)        

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28.September 1906: "Aufruf! Eine allein auf einem Dorfe wohnende jüdische Familie, bestehend aus Eltern und 5 ganz kleinen Kindern, hat keine Wohnung, da solche gekündigt und keine andere zu erhalten ist. Es ist Gelegenheit geboten, ein Häuschen zu erwerben, welches auf den Namen der Kinder eingetragen werden würde. An alle Glaubensgenossen richte ich die herzliche Bitte, mir zu diesem Zwecke Gaben zukommen zu lassen, über welche in diesem Blatte öffentlich quittiert wird. Nähere Auskunft erteilt auf Wunsch Herr Bürgermeister Ermich in Puderbach (Westerwald). Spenden nehme (im Voraus danken) entgegen und werden solche für die betreffende Familie zu dem erwähnten Zwecke verwendet. Hermann Daniel, Dierdorf, Bezirk Koblenz."   

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Zum Tod von Berta Sternberg geb. Hirschberg (1924)   

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 24. Juli 1924: "Heute morgen verschied infolge Altersschwäche unsere liebe, unvergessliche Mutter, Schwester, Schwägerin, Tante, Großmutter und Urgroßmutter 
Frau Berta Sternberg, geb. Hirschberg
im 89. Lebensjahre.  
In tiefem Schmerz: 8 Kinder, 23 Enkel und 14 Urenkel
Im Namen der trauernden Familie: Alex Daniel. Dierdorf, den 8. Juli 1924".      

   
Über Leopold Salomon (1855-1930)    

Über den Lebenslauf des Kaufmannes und Fabrikanten Leopold Salomon (geb. 17. Mai 1855 in Dierdorf, gest. Oktober 1930 in Darmstadt) hat Michael Meyer (Dierdorf) 2014 ein Erinnerungsblatt (12 Seiten) zusammengestellt.    

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Nach der Deportation: Todesanzeige für Alexander Daniel und Emma Daniel geb. Sternberg (umgekommen im Ghetto Theresienstadt, Anzeige vom Juli 1945)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom 20. Juli 1945: "Wir erhielten erst jetzt die traurige Nachrichte, dass unsere geliebten Eltern, Schwiegereltern, Großeltern, Bruder und Schwester  
Alexander Daniel   Emma Daniel geb. Sternberg
 
(früher Dierdorf, Westerwald) 
in Theresienstadt verschieden sind. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: 
Isy & Else Wendel geb. Daniel  Aufenthalt unbekannt.   
Norbert & Paula Daniel geb. Bruck  
2-12 B'way Terrace, N.Y.C. und 3 Enkel."      

       

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte des in Dierdorf 
geborenen Siegmund Scheier
 
 Dierdorf KK MZ Scheuer Siegmund.jpg (83787 Byte)   
   Kennkarte (ausgestellt in Mainz 1939) für Siegmund Scheier (geb. 4. April 1875 in Dierdorf),
 Kaufmann, wohnhaft in Mainz, am 27. September 1942 deportiert ab Darmstadt in das 
Ghetto Theresienstadt, wo er am 17. April 1943 umgekommen ist       
 

     
     
   
  
Zur Geschichte der Synagoge        
   
Eine erste Synagoge ("Judenschule") wurde zwischen 1742 und 1778 eingerichtet. Ob es sich um einen Betraum in einem bestehenden Gebäude oder um ein selbständiges Gebäude gehandelt hat, ist nicht bekannt. 
   
1829 wurde ein eigenständiger Synagogenbau erstellt und eingeweiht. Dieses Gebäude befand sich Anfang der 1920er-Jahre in einem baufälligem Zustand. Damals hatte die jüdische Gemeinde einen Baufonds angelegt und Mittel für einen Neubau angespart, doch war nach durch die Inflationszeit der angesparte Betrag vernichtet. 
   
1924 erschienen Spendenaufrufe zum Neubau einer Synagoge, da das alte Synagogengebäude kaum mehr benutzt werden konnte, u.a. in der Zeitschrift "Der Israelit":  
      
Spendenaufruf für eine neue Synagoge (1924)  

Dierdorf Israelit 11121924.jpg (109111 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Dezember 1924. "Aufruf. Helft uns bauen! 
Die hiesige, bereits 100 Jahre stehende Synagoge ist in einem derart schlechten Bauzustand, dass die Gemeinde gezwungen ist, baldigst mit dem Neubau eines Gotteshauses zu beginnen. Der seit Jahren angelegt Baufonds ist das Opfer der Geldentwertung geworden und so steht die Gemeinde mittellos vor der schweren Aufgabe, die bald erfüllt werden muss, da der bauliche Zustand des alten Gotteshauses ein längeres Abhalten von Gottesdienst in demselben nicht mehr erlaubt.   
Die Gemeinde allein ist nicht imstande, die zum Bau erforderlichen Mittel aufzubringen und so richten wir an alle die Bitte: helft uns unsere schwere Aufgabe lösen. 
Gaben bitte an Synagogen-Neubau der Synagogengemeinde Dierdorf, Bezirk Koblenz, Postscheckkonto Nr. 22703 Köln, gelangen zu lassen. 
Der Vorstand der Synagogengemeinde Dierdorf, Bezirk Koblenz."   

1925 ließ die Gemeinde Pläne für einen Neubau durch der Frankfurter Architekten Fritz Epstein erstellen, die jedoch nicht realisiert worden. 1928 zeichnete der Kölner Architekt Stern einen neuen Plan, der noch in diesem und dem darauf folgenden Jahr verwirklicht wurde. Der Neubau am Rande des Dierdorfer Markplatzes konnte am 9. April 1929 eingeweiht werden. Im Inneren wurde am selben Tag eine "Heldengedenktafel" eingeweiht (Bericht in der Neuwieder Zeitung vom 10. April 1929: "Synagogenweihe in Dierdorf").     
 
Die Synagoge war ein traufseitig von der Straße zurückgesetzter Putzbau in expressionistischen Formen. Prägend war im oberen Drittel der Mittelachse ein großes Rundfenster mit einbeschriebenem Davidstern. Auch auf dem Giebel war ein solcher angebracht. 
Nur neun Jahre war die Synagoge Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens am Ort.      

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge von einem SA-Sturmtrupp von etwa 18 Mann sowie Gestapo-Leuten, einen SS-Mann und Arbeitern vom Reichsautobahnbau überfallen. Das Innere wurde völlig verwüstet, die Torarollen gestohlen, die Eingangstüre und das große Rundfenster an der Giebelseite zerschlagen. Am Nachmittag des 10. November wurden vom NSDAP-Ortsgruppenleiter ein Lehrer mit Schulkindern in die Synagoge geschickt, um alles zu zertrümmern, was unzerstört geblieben war. Am Abend sollte das Gebäude mit Dynamit gesprengt werden, doch konnten diesen Plan der Bürgermeister und die Ortsgendarmen verhindern. 
  
Bei einem Bombenangriff wurde das ehemalige Synagogengebäude noch weiter zerstört, die Ruine wurde 1946 vollends abgetragen.  
  
1979 wurde an der Stadtmauer eine Bronzetafel angebracht, mit der an die jüdische Gemeinde Dierdorf und ihre zerstörte Synagoge erinnert wird. 
   
   
Adresse/Standort der Synagoge     Hauptstraße / Ecke Marktplatz (ehemalige Vordergasse)   
   
   
Fotos
(Quelle: Landesamt s. Lit. S. 136-137)  

Die alte Synagoge von 1829  Dierdorf Synagoge 110.jpg (82568 Byte)  
      
      
Die neue Synagoge von 1928  Dierdorf Synagoge 115.jpg (96466 Byte)  
      
      
Das in der Pogromnacht 1938 
und zusätzlich durch einen 
Bombenangriff im 2. Weltkrieg zerstörte
 Synagogengebäude (1946)
Dierdorf Synagoge 120.jpg (64930 Byte)  
     
     

  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

Juni 2012: Über die Forschungen von Michael Meyer   
Artikel von Wolfgang Tischler im "NR-Kurier" vom 5. Juni 2012: "Dierdorfer Michael Meyer beschäftigt sich mit Judenfriedhof. Zwei Bücher hat er im Selbstverlag herausgebracht - Am dritten Band arbeitet der Autor derzeit.  
Dierdorf.
Seit dem Jahre 2008 ist Michael Meyer Dierdorfer Bürger. Seine Spaziergänge führten ihn öfters über den Giershofener Weg, an dem auch der Judenfriedhof liegt. Der alte Friedhof weckte zunehmend sein Interesse. Da es wenig Informationen hierüber gab, reifte in ihm die Idee, selbst aktiv zu werden..."   
Link zum Artikel   
 
November 2016: Weitere Würdigung des Gesamtwerkes von Michael Meyer 
Im Heimatjahrbuch 2017 des Landkreises Neuwied wurden die Erinnerungen an das jüdische Leben des Dierdorfer Autors Michael Meyer erneut gewürdigt.  
Pressemitteilung eingestellt als pdf-Datei.     

     


Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Dierdorf 
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Dierdorf (interner Link)   

Literatur:  

Gerhard Ebbinghaus: Die Geschichte der Juden in Urbach / Westerwald. In: Sachor - Beiträge zur jüdischen Geschichte in Rheinland-Pfalz Heft Nr. 5 2/1993 S. 62-72. 
Uli Jungbluth: Juden in Dierdorf. In: SACHOR. Beiträge zur Jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz. Hrsg. von Matthias Molitor und Hans-Eberhard Berkemann in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Erschienen im Verlag Matthias Ess in Bad Kreuznach. 7. Jahrgang Ausgabe  2/1997 Heft Nr. 14 S. 25-32. Online eingestellt (pdf-Datei).   
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 136-137 (mit weiteren Literaturangaben).
Dierdorf LIt 022.jpg (73489 Byte)Michael Meyer: Die Shoah - ErinnerungsBand 3. Vertreibung und Deportation aus der Heimat - Jüdisches Leben in Dierdorf. 
Erschienen 2012. 120 S. 17,90 €. Erhältlich über  epubli - Verlagsgruppe Holtzbrinck. Link zur Verlagsseite.  
Zum Inhalt: Deportation jüdischer Mitbürger in die Vernichtungslager und Ghettos von 1940 bis 1945. Wer wurde wann wohin verschleppt? An welche Orte wurden die Dierdorfer gebracht? Was hat sie dort erwartet? In welchem Umfeld lebten die Emigranten?. 
Dierdorf LIt 023.jpg (75123 Byte)ders.: Der jüdische Friedhof in Dierdorf. Erinnerung Band 1. Jüdisches Leben in Dierdorf. 
Erschienen 2012. 84 S.,  28,90 €. Erhältlich über  epubli - Verlagsgruppe Holtzbrinck. Link zur Verlagsseite.  
Zum Inhalt: Dokumentation des jüdischen Friedhofs in Dierdorf in Bildern und Grabsteininschriften. 
Dierdorf Lit F 015.jpg (64617 Byte)Gerd Friedt/Michael Meyer: Haus des Lebens. Der Jüdische Friedhof in Dierdorf. 
Michael Meyer: Erinnerung Jüdisches Leben in Dierdorf Band 2.
Dank der freundlichen Unterstützung durch den Historiker Gerd Friedt aus München kann nun eine vollständige Dokumentation des Jüdischen Friedhofs in Dierdorf vorgelegt werden. Auf knapp 300 Seiten und angereichert mit über 370 Fotos erfährt die Leserin / der Leser viele familiäre Details über die ehemaligen jüdischen Bürger Dierdorfs. Erstmals konnten sämtliche Grabsteine zugeordnet und die hebräischen Inschriften transkribiert werden. Gleichfalls wurden sämtliche Steine vermessen und alle Beschädigungen, Gefährdungen und Besonderheiten schriftlich und fotografisch dokumentiert. Mehrere ausführliche Register erleichtern dabei die Personensuche.
Druck und Verlag: epubli GmbH, 2014, 292 Seiten, Softcover*. ISBN 978-3-8442-8265-8. € 43,99 (Print-on-Demand). 
erhältlich in allen Buchhandlungen, über www.epubli.de oder www.buchhandel.de usw. oder direkt beim Autor (E-Mail)
Über den Link können Sie einen Blick ins Buch werfen. Siehe auch: Flyer zum Buch. Inhaltsangabe
Dierdorf Lit Erinnerung Bd  4.jpg (79344 Byte) Michael Meyer: Dierdorf – Newyork-Zitti. Familienbuch Dierdorfer Juden. Druck und Verlag: epubli GmbH, 2015, 392 Seiten, Ringbindung.  ISBN 978-3-7375-4212-8  € 38,90 (Print-on-Demand). 
Erhältlich bei: Verlag epubli www.epubli.de oder www.buchhandel.de usw. oder direkt beim Autor (E-Mail) (Lieferung zzgl. Versandkosten)  
Presseartikel von Ralf Grün zu diesem Buch in der "Rhein-Zeitung" vom 7. Juli 2015 (Artikel eingestellt als pdf-Datei).  
Mit diesem Familienbuch wird der Versuch unternommen, alle ab dem Jahr 1828 in Dierdorf ansässigen Juden sowie ihre Familien abzubilden. Mit aufgenommen wurden ebenso alle Juden nebst Familienangehörigen ab dem Jahr 1880, die sich nur vorübergehend in Dierdorf aufgehalten haben. Diese stellen zahlenmäßig den größten Anteil dar. Insgesamt wurden 3.425 Personen tabellarisch erfasst. vgl. Begleittext in der Anlage.  
Das Ortsregister zeigt Verbindungen zu 740 Orten in Deutschland und nochmals zu weiteren 300 Orten im Ausland. Mehrere Personenregister erleichtern die Suche. Damit ist dieser Band nicht nur für den Bereich Dierdorf, sondern für alle genannten Orte interessant.
Die Ortsregister finden sich in der Anlage: Ortstabelle I - Aufteilung der Ortschaften nach Bundesländern und Ortsnamen (heute) mit PLZ; Ortstabelle II - Aufteilung der Ortschaften nach Bundesländern und Kreisen (heute) (pdf-Dateien). 
Dierdorf Lit MM Bd 5.jpg (34538 Byte) Michael Meyer: Lebenswege deutscher Juden. Familien und Persönlichkeiten aus Dierdorf und vielen weiteren Orten im In- und Ausland. Norderstedt: BoD - Books on Demand 2016. Reihe: Erinnerung - Jüdisches Leben in Dierdorf. Band 5. ISBN 978-3-7392-4896-7 38,90 €  Informationen auf Seite bod.de. Weiteres Informationsblatt des Verfassers.  
Der Fokus liegt diesmal auf dem Begriff "Leben", was auch im Titel sichtbar wird. Welche Verluste in allen gesellschaftlichen Bereichen jedoch die Vertreibung und Ermordung der Juden nach sich zog, wird nach der Lektüre des Bandes deutlich. Band 5 baut auf dem vorherigen Band 4 "Dierdorf – Newyork-Zitti – Familienbuch Dierdorfer Juden" auf: In zahlreichen Kurzgeschichten werden Personen, deren Familien sowie die Beziehungen zu ihrer Umwelt dargestellt. Kleine Ausflüge in die Zeitgeschichte geben einen Blick auf die damaligen Lebensverhältnisse. Durch zusätzliche Recherchen konnten viele Familien um weitere Vorfahren ergänzt werden, die in Band 4 noch nicht enthalten sind. Schon lange war der Ort Dierdorf, dem bereits im Jahre 1357 die Stadtrechte verliehen wurden, ein kleines Handelszentrum. Zeitweise befand sich hier sogar die Residenz der oberen Grafschaft Wied. Kein Wunder also, dass sich hier schon sehr früh auch Juden niederließen. So wird die Leserin/der Leser nach der Lektüre dieses Bandes nicht weiter verwundert sein, wenn sich Dierdorf als zentraler Knotenpunkt zeigt, von dem viele Verästelungen in über 600 Orte in Deutschland und darüber hinaus in weitere auf dem gesamten Erdball ausgehen. Interessant sind nicht nur die persönlichen Lebenswege und familiären Verbindungen, sondern auch Menschen und Institutionen außerhalb dieser Kreise, mit denen die Genannten in Berührung kamen. Das waren zum Beispiel bekannte Rabbiner, Musiker, Schriftsteller oder auch Kranken- und Pflegeanstalten. Ein ausführliches Personen- Orts und Sachregister sorgt für entsprechende Orientierung. Ein Literatur- und Quellenverzeichnis sowie zahlreiche Endnoten bieten umfangreiche Hintergrundinformationen.  
Dierdorf Lit MM Bd 6.jpg (37549 Byte) Michael Meyer: Ship to Freedom. Auswanderer- und Flüchtlingsschiffe als Hoffnung für deutsche Juden zwischen 1884 und 1952. Norderstedt: BoD - Books on Demand. 2016 Reihe Erinnerung - Jüdisches Leben in Dierdorf Band 6. 136 S. 38,90 €  ISBN 978-3-8423-3232-4.  Informationen auf Seite bod.de.  Weiteres Informationsblatt des Verfassers.   
Dieser überwiegend farbig gestaltete Band 6 schließt die Reihe "Erinnerung – Jüdisches Leben in Dierdorf" ab. Er zeigt zu fast allen in Band 5 (s.o.) genannten Schiffspassagen das entsprechende Schiff. Es sind alte Postkartenansichten und SW-Fotos der Schiffe, mit denen zunächst Auswanderer und später dann Flüchtlinge die "Neue Welt" erreichten. Die Schiffe wurden in der Nachkriegszeit auch als "Ship to Freedom" bezeichnet. Die Hoffnung der Menschen in Deutschland ruhte auf einer Schiffspassage. Wohin die Reise zunächst ging, war für die meisten vermutlich zweitrangig. Sie versuchten mit allen Mitteln, Deutschland zu verlassen und damit ihr Leben zu retten. Nicht in allen Fällen konnten sie direkt von deutschem Boden aus ein Schiff in die Freiheit besteigen, sondern versuchten über viele abenteuerliche Wege einen rettenden Hafen im Ausland zu erreichen. Doch angesprochen werden in diesem Band auch die "Auswanderer". Jene Menschen, die zwischen 1884 und 1933 das Land verließen, um in der sogenannten "Neuen Welt" ihr Glück zu machen. Die teilweise über 100 Jahre alten Postkarten legen Zeugnis von vergangener Zeit ab. So sehen wir nicht nur die Schiffe der Emigranten, sondern auch Ansichten von New York und Chicago sowie Briefmarken aus längst vergangenen Zeiten. Ergänzt wird der Band mit erläuternden Landkarten und Stadtplänen der damaligen Zeit im Kapitel "Die alte und die neue Welt" .Im Kapitel "Schiffsgeschichten" erhalten wir, beispielhaft angeführt, Einblicke in das Leben des jüdischen Reeders Arnold Bernstein und zwei seiner Schiffe, der "Königstein" und der "Westernland". Im Kapitel "Postkartengeschichten" erfahren wir mehr zu den Absendern oder auch Empfängern der im Umlauf befindlichen Postkarten. Die Absender benutzten das gleiche Schiff wie die in Band 5 genannten Personen. Oft öffnete auch ein Ort oder eine Briefmarke das Fenster zur Geschichte.    

  
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Dierdorf  Rhineland. A Jewish family is mentioned in 1683 and the Jewish population grew to 60 individuals in 1817 and probably reached its peak in 1885 with 142. A Jewish school was opened c. 1825 and in 1829 a synagogue was in use. A cemetery was opened in 1890. By 1925, the Jewish population hat dropped to 84. The community dedicated a new synagogue in 1928. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was destroyed, Jewish homes and stores were severely damaged, and Jews beaten. Jewish emigration, which had begun at the outset of the Nazi era, intensified after the Kristallnacht disturbances. Twenty-one Jews are known to have reached foreign countries, including 14 who arrived in the United States. The remaining Jews were sent to the camps, the last four in 1942. 
     
       

                   
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Stand: 28. November 2016