Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bendorf (Kreis Mayen-Koblenz) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen    
Links und Literatur   

   Es besteht eine weitere Seite zur jüdischen Geschichte in Sayn und zur Geschichte der Israelitischen Heilpflegeanstalt / Jacoby'sche Anstalt  
  
  
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
    
In Bendorf bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhundert zurück. Doch lebten wohl bereits in mittelalterlichen Zeiten vereinzelt jüdische Personen in der Stadt. 1339 wird ein Jude genannt, dem die Abtei Maria Laach damals eine Schuld beglich. Weitere Nachrichten aus dem Mittelalter liegen jedoch nicht vor.   
 
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in das 17. Jahrhundert zurück. 1711 gab es acht jüdische Familien in der Stadt. 1720 wurden im Blick auf die jüdischen Einwohner der Stadt Bestimmungen in das damalige Ortsrecht aufgenommen. Demnach durften sie u.a. keine Häuser oder Güter "erblich an sich bringen". An Sonn- und christlichen Feiertagen hatten sie und ihr Gesinde in ihren Häusern zu bleiben; es war ihnen bei Strafe untersagt, sich "auf den Gassen" - vor allem während der christlichen Gottesdienste - sehen zu lassen oder gar Handel zu treiben.  
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1817 46 jüdische Einwohner, 1843 115, 1858 144, 1905 96. Anfang des 19. Jahrhunderts lebten die jüdischen Familien vor allem vom Viehhandel und vom Schlachten. Sie spielten die wesentliche Rolle auf den in Bendorf und Vallendar zweiwöchentlich im Wechsel abgehaltenen Viehmärkten. 
 
Die in Bendorf und dem benachbarten Sayn lebenden jüdischen Familien bildeten eine gemeinsame jüdische Gemeinde (Synagogengemeinde Bendorf-Sayn).       
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1896 wird - bei Tod von Sybilla Abraham geb. Frank - "Herr Lehrer Michael" genannt, 1916 liest man von "Prediger Hermann Hirsch und Reallehrer Okunski". Lehrer Jakob Okunski war spätestens seit 1913 als Lehrer an der "Höheren Bürgerschule" in Bendorf tätig, Er unterhielt in seinem Haus Bachstraße 28 eine kleine Pension ("Jüdisches Schülerheim"), in der er 1913 fünf auswärtige jüdische Schüler aufgenommen hatte. Im Ersten Weltkrieg war er eingezogen; danach konnte er wieder in Bendorf unterrichten und sein Schülerheim weiterführen. Er spielte neben seiner Tätigkeit in der Schule auch in der Folgezeit - bis 1933 - eine zentrale Rolle im jüdischen Gemeindeleben als Gemeindevorsteher und Vorbeter. Auch in der Stadt Bendorf genoss er hohes Ansehen. Zeitweise war er im Stadtrat und in der Kreisvertretung. Seit März 1932 lebte er im Ruhestand (zur weiteren Geschichte siehe Artikel von 1949 unten).    
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Gefreiter Simon Abraham (geb. 28.5.1897 in Bendorf, gef. 3.1.1916), Ernst Cahn (geb. 27.7.1880 in Bendorf, gef. 22.7.1916), Vizewachtmeister Manfred Jacoby (geb. 25.3.1893 in Sayn, gef. 5.5.1915), Salomon Jonas (geb. 25.7.1874 in Neuwied, gef. 1.3.1917), Hermann Lion (geb. 4.5.1890 in Heimbach, gef. 25.9.1915), Julius Lion (geb. 5.10.1894 in Heimbach, gef. 1.10.1918), Emil Loeb (geb. 26.10.1882 in Bendorf, gef. 1.8.1918), Julius Tobias (geb. 15.10.1888 in Heimbach, gef. 23.8.1914). Außerdem ist gefallen: Siegmund Marx (geb. 29.10.1875 in Bendorf, vor 1914 in Bonn wohnhaft, gef. 26.1.1916).      
 
Um 1924, als zur Gemeinde 72 Personen (knapp 1 % von insgesamt ca. 7.500 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Moritz Feist, Moses Daniel und Emil Dahl. Als Lehrer (für den Religionsunterricht der Schüler) und Kantor war Herr Freienstein in Sayn für die Gemeinde zuständig. In Sayn lebten 13 jüdische Personen - zur Israelitischen Heilpflegeanstalt siehe weitere Seite. 1932 waren die Gemeindevorsteher Jakob Okunski (1. Vors.), M. Feist (2. Vors.) und Dr. P. Jacoby (3. Vors.). Als Lehrer und Kantor war Lehrer J. Okunski tätig. Er erteilte im Schuljahr 1931/32 12 Kindern aus der Gemeinde den Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen gab es die Frauen-Chewra (1932 unter Leitung von Therese Feist) und die Männer-Chewra (1932 unter Leitung von Simon Heymann).     
  
1933 lebten in der Stadt Bendorf noch etwa 60 bis 70 jüdische Personen (ohne die Bewohner der Jacoby'schen Anstalt in Sayn).
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet und demoliert (s.u.). 1942 wurden die letzten jüdischen Einwohner aus der Stadt deportiert. 
   
Von den in Bendorf geborenen [und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen*] sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hugo Abraham (1872), Maximilian Abraham (1879), Elli Alexander geb. Daniel (1902), Viktor Bender (1862), Ruth Bragenheim geb. Käver (1906), Ida Cahn (1874), Moritz Cahn (1871), Leopold Daniel (1893), Moritz Feist (1868), Therese Feist (1862), Betty Fortujn geb. Wormser (1881), Paula Frank (1899), Olga Gerst geb. Cahn (1887), Sofie Hecht geb. Cahn (1881), Hedwig Heymann (1920), Jean Heymann (1878), Manfred Heymann (1929), Pauline Heymann (1879), Karolina Käver geb. Bettelheiser (1876), Juliane Künstler geb. Cahn (1882), Adelheid (Adele) Lambertz geb. Bettelheiser (1871), Karoline Levy (), Klara Levy (1898), Rosa Levy geb. Frank(1871), Brunhilde (Bruno) Löb (1928), Juliana Löwenthal geb. Feist (1859), Josef Marx (1868), Julius Marx (1868), Hermann Mendel (1873), Marianne Reichert (1874), Gertrude Rheinländer geb. Abraham (1892), Ernst Schmitz (1926), Arno Wormser (1884).        
*Anmerkung: Es sind bislang nur die Personen aufgeführt, die in Bendorf geboren sind. Eine Recherche in den oben genannten Listen ist nach anderen Kriterien nur schwer möglich, da unter "Bendorf" auch die Bewohner der Jacoby'schen Anstalt aufgeführt werden.   
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1858 / 1872 / 1892 / 1920  

Bendorf AZJ 20121858.jpg (66368 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. Dezember 1858: "In unserm Synagogen-Bezirk in der Stadt Bendorf am Rhein, wo 30 jüdische Familien wohnen und welche eine schöne Synagoge hat, wird ein geprüfter Religionslehrer, welcher zugleich die Funktionen eines Vorbeters und Schächters mit übernehmen kann, gesucht; neben freier Wohnung wird ein jährlicher Gehalt von 200 Thalern zugesichert. Franko-Offerten sind an den Synagogen-Kommissar Herrn Leopold Frank in Bendorf zu richten. 
Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde zu Koblenz."   
 
Bendorf Israelit 26061872.jpg (34900 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juni 1872: "Annonce
Für die israelitische Gemeinde zu Bendorf ist die Stelle eines Religionslehrers und Vorbeters zu besetzen. Gehalt 250 Thaler pro Jahr, bei entsprechenden Leistungen kann das Gehalt erhöht werden. 
Moses Feist,
Vorsitzender."       
 
Bendorf Israelit 27101892.jpg (42328 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Oktober 1892: "Gesucht
Die Synagogengemeinde Bendorf am Rhein bei Koblenz sucht für sofort einen unverheirateten Kantor und Religionslehrer. Anfangsgehalt 1.000 Mark Fixum. Gelegenheit zu Nebenverdiensten. Franko-Offerten mit Zeugnissen ergeben an den Vorsteher 
Albert Abraham
, Bendorf am Rhein."       
 
Bendorf Israelit 04111920.jpg (52583 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. November 1920: "Die Gemeinde Bendorf am Rhein sucht einen Religionslehrer, Kantor und Schochet. Gehalt 7.000 Mark und Einkommen aus der Schechitah. Meldungen nebst Zeugnisabschriften wolle man senden an Herrn Bezirksrabbiner Dr. Weingarten, Bad Ems."       

     
Über Lehrer Jakob Okunski - zu seinem 70. Geburtstag (1949 in Montreal)   

Bendorf Aufbau 11111948.jpg (76217 Byte)Artikel in der amerikanisch-jüdischen Zeitschrift "Aufbau" vom 11. November 1949: "Jakob Okunski, der das Jüdische Schülerheim in Bendorf/Koblenz gründete und lange Jahre auch im Stadtrat und der Kreisvertretung tätig war, feierte am 31. Oktober seinen 70. Geburtstag. Seit 1933 war er als Seelsorger und Führer der Gemeinde Solingen tätig und nach 1938 geschäftsführender Vorstand der jüdischen Gemeinde Wuppertal-Elberfeld. In diesen schweren Jahren rief er eine jüdische Schule für Umschulungskurse ins Leben, eine Kleiderkammer, Volksküche etc. und konnte mit dem letzten Auswanderertransport im Oktober 1941 nach Portugal ausreisen. Mit Hilfe des Joint errichtete er dort eine Hilfsschule für die Kinder der jüdischen Emigranten, die er bis zu seiner Weiterreise nach Kanada im Jahr 1944 leitete. Herr Okunski lebt jetzt in Montreal."    

     
     
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
Gründung einer Ortsgruppe des Centralvereins (1916)   

Bendorf ImdtReich 1916 270.jpg (111335 Byte)Artikel aus der Zeitschrift "Im Deutschen Reich" Jg. 1916 S. 270: "Die Gründung einer Ortsgruppe Bendorf - Sayn - Vallendar unseres Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ist als sehr erfreuliche Folge der starken Anregungen zu begrüßen, die kürzlich die Versammlung in Köln gab. Auf eifriges Betreiben der Herren Prediger Hermann Hirsch, Reallehrer Okunski und Rabbiner Dr. David - Bochum fand am 3. Dezember in Bendorf eine auch von den umliegenden Gemeinden gut beschickte Versammlung statt. Herr Rabbiner Dr. David hielt eine kraftvolle Ansprache, die in einer überzeugenden Deutung aller Zeichen der Zeit gipfelte. Hierauf wurde der Ortsverein begründet, dem gleich viele Mitglieder beitraten. Zum Vorsitzenden wurde Herr Reallehrer Okunski in Bendorf gewählt, zum zweiten Vorsitzenden Herr Felix Löb aus Vallendar, zurzeit im Felde, zum Schriftführer Herr Cand. Kissinger. Die Regsamkeit des ganzen Landesausschusses und unserer Vereine in Rheinland und Westfalen lässt ein sehr anerkennenswertes Verständnis für die Forderungen der ernsten Zeit erkennen."   

     
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Zum Tod von Sybilla Abraham geb. Frank (1896)  

Bendorf Israelit 17121896.JPG (167345 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Dezember 1896: "Bendorf am Rhein, 13. Dezember 1896. Eine wackere Frau, ein Biederweib in des Wortes edelster Bedeutung, wurde am 24. Kislew (= 29. November 1896) hier zu Grabe getragen. Es war die Frau Witwe Sybilla Abraham geb. Frank, welche am 21. vorigen Monats nach längerem Leiden im Alter von 75 Jahren den Ihrigen entrissen wurde. Obwohl dem Anfang dieses Jahrhunderts entsprossen, einer Zeit, in der bildende Kenntnisse unter den Frauen nur vereinzelt anzutreffen waren, vereinigte die Entschlafene in sich Bildung des Geistes mit freundlichem, bescheidenem Wesen. Wahre, ungeheuchelte Frömmigkeit, ein mildtätiger Sinn und ein reges Interesse für alles Gute und Edle bildeten die Grundzüge ihres Charakters. Den Dürftigen war sie eine Helferin in der Not und manche Träne wurde durch ihre Güte getrocknet. Wie sie aber diese Tugenden in der Stille des Hauses ausübte, so war sie als Mitbegründerin und bis zu ihrem Heimgange als Vorsitzende des israelitischen Frauenvereins hierselbst bestrebt, die Ziele des Vereins zu fördern und wohltätige Wirksamkeit unter den Mitgliedern zu verbreiten. 
Als Schwiegermutter des Herrn Jacoby, des Besitzers der bekannten israelitischen Heilanstalt für Nerven- und Gemütskranke zu Sayn bei Koblenz nahm sie gern die Gelegenheit wahr, die daselbst untergebrachten Kranken durch freundlichen Zuspruch aufzumuntern und ihnen neue Hoffnung einzuflößen.  
Von der Beliebtheit, deren sich die Verstorbene in allen Kreisen erfreute, zeugte die allgemeine Teilnahme bei dem Leichenbegängnisse. Ein unübersehbares Trauergefolge geleitete die Leiche auf den Friedhof, wo sie an der Seite des ihr lange vorangegangenen Gatten zur ewigen Ruhe gebettet wurde. Kein Auge blieb tränenleer, als Herr Lehrer Michael die Wirksamkeit der Verstorbenen als Gattin und Lebensgefährtin, als Mutter und Erzieherin schilderte und die Kinder ermahnte, im Sinne und Geiste der Verklärten zu leben und zu wirken, um würdig der verstorbenen Mutter dazustehen unter den Menschen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Anzeige der Geflügelhandlung Maier Seligmann (1879)  

Bendorf Israelit 02011879.jpg (34541 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1879: "Koscher   Fette Gänse und Gänse-Fett   Koscher  
zu folgenden Preisen versendet die Geflügelhandlung 
Maier Seligmann
, 'Gasthaus zur Krone' in Bendorf bei Koblenz unter Postnachnahme. 
Fett-Gänse von ca. 10 Pfund an 86 Pfennig per Pfund, Gänse-Fett von ca. 10 Pfund an Mark 2,80 Pfennig per Litre exklusiv Emb."

   
   
 
  
Zur Geschichte der Synagoge        
   
Erstmals wird ein Betraum 1711 genannt. Eine erste Synagoge wurde 1770 erstellt. Am 4. Mai 1825 ist sie bei einem Brand zerstört worden.  
 
Im März 1827 konnte eine neue Synagoge an Stelle der alten fertig gestellt werden. Die Einweihung fand vom 16. bis 18. November 1827 statt. Im Jahr darauf wurde eine neue "Synagogen-Verordnung" erstellt.  
 
Zu einem Anschlag auf die Synagoge kam es in der Neujahrsnacht 1895, worüber ein Bericht aus der Bendorfer Zeitung vorliegt:  

Artikel in der "Bendorfer Zeitung" vom 3. Januar 1895: "In der Neujahrsnacht wurde hier ein skandalöser Streich verübt, wie man ihn wohl nicht erwartet hatte. In dem engen Judengässchen, woselbst sich auch das Synagogengebäude unserer israelitischen Mitbürger befindet, wurde vor 12 Uhr nachts vermittelst einer Zündschnur eine größere Menge Pulvers zur Entladung gebracht, welche zur Folge hatte, dass an der Synagoge 56 Fensterscheiben und an dem gegenüberliegenden Hause eines Israeliten deren 13 zerstört wurden. Wenn wir auch im Hinblick auf das friedliche Verhältnis, welches zwischen den verschiedenen Konfessionen an unserem Platze erfreulicher Weise herrscht, nicht annehmen wollen, dass es sich um eine Provokation schmählichster Art handelt, so können wir doch nciht verhehlen, dass hier ein grober Unfug vorliegt, für welchen eine ganz exemplarische Strafe am Platze wäre..."

Es gibt auch von erfreulichen Ereignissen aus der Synagogengeschichte zu berichten, so von der Einweihung einer neuen Torarolle im Jahr 1905
  
Feierliche Einweihung einer neuen Torarolle (1905)  

Bendorf FrfIsrFambl 27101905.jpg (48903 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 27. Oktober 1905: "Bendorf am Rhein. Vorigen Samstag wurde die von der hiesigen Chewroh gestiftete Sefer Thora (Torarolle) im feierlichen Zuge nach der Synagoge gebracht, wo sie mit dem Chorgesang Ma tauwu empfangen wurde. darauf sprach die Schülerin Lina Jacobi einen Prolog, Herr Lehrer Okunski hielt eine begeisternde Rede, und mit einem abermaligen Chorgesang fand die Feier ihren Abschluss."    

Einen nationalsozialistischen Anschlag auf die Synagoge gab es erstmals 1930. Am 13. September 1930 hatten nach einer Anzeige des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde "Bubenhände ... in der heutigen Nacht das jüdische Gotteshaus mit den Heilszeichen des Dritten Reiches besudelt".

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge wurde die Synagoge geschändet, demoliert und ausgeräumt. Die rituellen Gegenstände wurden auf dem Bendorfer Sportplatz verbrannt. Das Synagogengebäude ging 1939 durch Zwangsverkauf für 600 Reichsmark in den Besitz der Stadt über und wurde von dieser der Bendorfer Ortsgruppe der Technischen Nothilfe zur Verfügung gestellt. 
  
Nach 1945 wurde die ehemalige Synagoge als Kulturhalle und Notturnhalle verwendet. Im Zuge des Restitutionsverfahrens kam 1949 das Gebäude an die Jüdische Kultusgemeinde Koblenz, die es ihrerseits im folgenden Jahr an eine Privatperson verkauft. In der Folgezeit verfiel das Gebäude und wurde um 1970 abgebrochen. Auf dem Grundstück wurde ein Neubau erstellt, an dem 1979 eine Gedenktafel angebracht wurde. Sie hat die Inschrift: "Hier stand die Synagoge der Israelitischen Gemeinde Bendorf. Sie wurde am 10. November 1938 unter der Herrschaft der Gewalt und des Unrechts zerstört". Auf Veranlassung der Kirchengemeinden wurde eine zweite Tafel angebracht, die neben einer den Prophetenspruch (Maleachi 2,10) zitiert: "Haben wir nicht alle einen Vater".     
   
   
Adresse/Standort der Synagoge   Judengasse/Ecke Bachgasse (1938-1988: Hospitalgasse) 
   
   
Fotos 

Es sind noch keine Fotos zur jüdischen Geschichte und zur Synagogengeschichte in Bendorf vorhanden; 
über Hinweise und Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite
 
      
Andernorts entdeckt  Frankfurt Friedhof A12232.jpg (167112 Byte) 
    Doppelgrabstein für Babette Philippsohn geb. Seligmann aus Bendorf (1800-1871) und 
ihren Sohn Jacob Philippsohn aus Bendorf (1843-1871) im jüdischen Friedhof an 
der Rat-Beil-Straße
in Frankfurt am Main 

     
      
Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Bendorf  
Website der Gesellschaft für Geschichte und Heimatkunde von Bendorf und Umgebung e.V.  mit Beiträgen u.a. zu 
-  Dieter Kittlauß: "Den Ermordeten zur Ehre - den Lebenden zur Mahnung". Das Mahnmal an der ehemaligen Jacoby'schen Anstalt in Bendorf - Sayn 
   und Fotoliste zu diesem Bericht.  
-  Walter Bartsch: Die Bendorfer 'Höhere Privatschule'als Vorläufer des heutigen Gymnasiums. (erstmals erschienen im Heimatkalender für den Landkreis Koblenz 1969; in diesem Bericht wird Lehrer Okunski mehrfach genannt).          
Schalom Ben Chorin in Bendorf      

Literatur:  

Germania Judaica II,1 S. 64; keine Artikel - da keine Nachweise für den Zeitraum - in Germania Judaica III,1.    
Dietrich Schabow: Zur Geschichte der Juden in Bendorf. Bendorf 1979.
Dietrich Schabow: Juden in Bendorf 1199-1942. Eine Ausstellung zum Gedenken der Deportationen aus Bendorf im Jahre 1942. In: SACHOR. Beiträge zur jüdischen Geschichte in Rheinland-Pfalz. 3. Jahrgang. Ausgabe 2/1993, Heft Nr. 5. S. 46-47. Online zugänglich (als pdf-Datei eingestellt, 2,6 MB).    
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 101-102  (mit weiteren Literaturangaben).

     
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Bendorf am Rhein   Rhineland. A jewish moneylender dealing with the mother superior of the local monastery is mentioned in 1339. Jews are again mentioned only in 1592. A synagogue is known to have existed in 1711. It burned down in 1825 and a new one was consecrated in the same year. After the French period, Jews continued to trade, as they had done through the years, in livestock, and to work as butchers. Their population grew from 86 in 1816 to 156 in 1858. In 1869, a Jewish psychiatric hospital was founded in Bendorf by Meir Jacobi. In 1873, it was transferred to new and spacious premises on the road to nearby Sayn. In 1892 it housed 120 patients. Relations with the local population were generally good. In 1933, the Jewish population was 209. In 1939, 261 were recorded but this probably included about 200 at the Sayn hospital. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was wrecked as were Jewsh homes. Since by early 1939 the Sayn hospital remained the only one in Germany whre Jewish psychiatric patients could be admitted, all the Jewish psychiatric patients in Germany, over 500, were ordered to be brought there in 1940. In March 1942 all, including the staff, were deported to Izbica in the Lublin district of Poland. Over a period of a few months, more than 1.000 Jews were deported via the hospital, including 32 from Bendorf.                
             

                   
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Stand: 13. Juli 2015