Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Vallendar (Kreis Mayen-Koblenz)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Text der Hinweistafel auf dem jüdischen Friedhof Weitersburg zur jüdischen Geschichte in Vallendar 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Kennkarte aus der NS-Zeit    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)            
    
In dem seit Beginn des 13. Jahrhunderts den Grafen von Sayn gehörenden Ort Vallendar lebten jüdische Personen vereinzelt bereits im Mittelalter. 1333 stellte Graf Engelbert II. einem (weiteren?) Juden in Vallendar einen Schutzbrief aus. Im 15. Jahrhundert erfolgten mehrere Aufnahmen durch den Erzbischof von Trier, dem inzwischen ein Teil von Vallendar gehörte. 1486 wird der bedeutende jüdische Tierarzt Ytzinger der Junge von Kronberg in Vallendar genannt; 1487-93 lebte mindestens eine jüdische Person, 1499 mindestens zwei jüdische Familien in der Stadt (mit drei Männern, vier Frauen und Gesinde). Mehrfach werden im 15. Jahrhundert nach Vallendar benannte Juden in anderen Städten genannt (u.a. 1498 in Rhens). Auch in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebten mehrere jüdische Familien in Vallendar.

Die Entstehung der neuzeitlichen jüdischen Gemeinde geht in das 18. Jahrhundert zurück. 1781 werden vier jüdische Familien genannt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts waren es zehn bis zwölf Familien mit zusammen etwa 50 Personen. Im 19. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner weiter zu: 1822 81 jüdische Einwohner, 1852 23 Familien mit 128 Personen, 1880 40 Familien, 1895 181 Personen, 1903 50 Familien mit etwa 200 Personen. Seit den 1920er-Jahren ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch Aus- und Abwanderung langsam zurück.

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde einen Betsaal, seit 1857 eine Synagoge (s.u.) mit daneben stehender Mikwe (rituelles Bad) sowie eine Religionsschule. Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden im nahen Weitersburg beigesetzt, seit 1920 auf einem eigenen Friedhof in Vallendar. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Kantor und Schächter tätig war (vgl. unten Ausschreibungstexte für die Stelle; 1921 wurde nur ein Schochet gesucht).
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Hugo Loeb (geb. 21.10.1893 in Vallendar, gef. 2.5.1915), Leopold Loeb (geb. 13.7.1893 in Vallendar, gef. 26.2.1917), Siegfried Loeb (geb. 29.10.1887 in Vallendar, gef. 7.9.1914) und Adolf Scheie (geb. 11.6.1884 in Vallendar, gef. 11.9.1916).  
  
Um 1925, als etwa 200 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (3,33 % von insgesamt etwa 6.000 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Joseph Alexander I, Simon Salomon, Gottschalk Herz, Julius Salomon. Der Repräsentanz gehörten an: Joseph Alexander II, Joseph Salomon, Felix Loeb, Jakob Günther, Hermann Scheye, Benno Adler und Siegmund Kallmann. Als "Lehrer, Schochet, Kantor und Prediger" war Hugo Neumann angestellt. Er erteilte damals 17 schulpflichtigen jüdischen Kindern den Religionsunterricht (1932: 12 Kinder). An jüdischen Vereinen bestanden ein Frauenverein (gegründet 1875, 1925 ca. 30 Mitglieder unter Fanny Loeb, 1932 Berta Kallmann, Zweck: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Kranker Bestattung)) und der Verein für jüdische Geschichte und Literatur (etwa 20 Mitglieder unter Lehrer Neumann). 1932 war erster Gemeindevorsitzender Joseph Alexander (Seilerbahn), 2. Vors. Siegfried Seligmann (Kirchstraße 22), 3. Vors. Felix Loeb (Stockgasse). Zur Repräsentanz gehörten acht Gemeindeglieder unter dem Vorsitz von Siegmund Kallmann (Hellenstraße) an. Wie 1925 war Hugo Neumann "Prediger, Lehrer, Kantor und Schochet". Die Vorstandsarbeit geschah in verschiedenen Ausschüssen: Wohlfahrtsausschuss (unter Abraham Seligmann), Friedhofsausschuss (unter Hermann Loeb), Finanzausschuss (unter Leo Leb), Synagogenausschuss (unter Hermann Salomon und Lous Wolfskehl), Schächtausschuss (unter Gottschalk Loeb) und der Steuerausschuss (unter Max Loeb). Zur jüdischen Gemeinde gehörten auch die in Mallendar und Niederwerk lebenden jüdischen Einwohner.

Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 140 Personen) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Dennoch blieb ein größerer Teil der jüdischen Gemeindeglieder trotz der Ereignisse beim Novemberpogrom 1938 in Vallendar. 1942 wurden die letzten 41 in der Stadt lebenden jüdischen Personen deportiert. 
  
Von den in Vallendar geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Benno Adler (1883), Johanna Adler (1883), Alfred Alexander (1900), Arnold Alexander (1889), Hanna Alexander geb. Grünebaum (1883), Johanna Alexander geb. Weil (1901), Joseph Alexander (1866), Karla (Carla) Alexander (1936), Rita Alexander (1923), Berta (Herta) Cahn geb. Herz (1868), Julius Daniel (1888), Sally Fischel (1890), Hermine Fleursheimer geb. Heli (1876), Rosa Frenkel (1883), Sabine Goldschmitt geb. Nathan (1882), Amalie Günther (1891), Gertrud Günther (1889), Julius Günther (1892), Olga Günther geb. Loeb (1900), Rosel Hayum geb. Seligmann (1908), Johanna Heli (1891), Max Heli (1888), Moritz Max Heli (1865), Frieda Herz (1891), Gottschalk Herz (1882), Martha Herz (1913), Selma Jordan geb. Loeb (1887), Valentine Kaufmann geb. Salomon (1866), Erna Kombert geb. Salomon (1900), Albert Loeb (1889), Arno Loeb (1925), Bertha Loeb (1875), Ernst Loeb (1889), Erich Loeb (1919), Ernst Loeb (1889), Felix Alfred Loeb (1884), Ferdinand Loeb (1876), Flora Loeb geb. Kahn (1898), Hedwig Loeb geb. Loeb (1882), Hertha Loeb geb. Seligmann (1910), Hertha Loeb (1927), Julia Loeb (1866), Julius Löb (1897), Martha Loeb (1927, vgl. Kennkarte unten), Max Loeb (1872), Minna Loeb geb. Goldschmidt (1875), Moritz (Moses) Loeb (1883), Otto Loeb (1905), Rudolf Loeb (1869), Ruth Loeb (1936), Sara Loeb geb. Staam (1866), Sophie Loeb (1880), Tilly Loeb geb. Grünebaum (1880), Viktor Loeb (1885), Berta Mayer geb. Salomon (1874), Hermine Mayer (1876), Eva Meyer geb. Salomon (1865), Klara Moses geb. Loh (1879), Helene Nathan geb. Hess (1875), Henriette Nathan geb. Loeb (1880), Isaak Nathan (1871), Julie Nathan (1877), Leopold Nathan (1875), Leopold Nathan (1910), Rosa Nathan (1879), Karoline (Lina, Betti) Neumann geb. Heli (1883), Franziska Nussbaum geb. Scheye (1893), Karl Manfred Östreicher (1921), Antonie Salomon (1872), Hermann Salomon (1873), Josef Salomon (1884), Max Salomon (1876), Nettchen Salomon geb. Levy (1875), Pauline Salomon geb. Winter (1893), Regina Salomon geb. Levy (1886), Rosa Salomon geb. Stern (1891), Sally Salomon (1885), Anna Scheff (1890), Julius Scheye (1896), Max Scheye (Scheije, 1895), Ida Schwarz geb. Nathan (1878), Heinrich Seligmann (1880), Milli Seligmann geb. Wallheimer (1887), Rebecca Seligmann geb. Kaufmann (1875), Salomon Seligmann (1875), Siegfried Seligmann (1862), Netta Strauß geb. Salomon (1878), Fanny Waller (1867), Julie Wolf geb. Salomon (1866).   
     
Seit den 1990er-Jahren erinnert ein Mahnmal unterhalb der katholische Pfarrkirche an 99 deportierte Vallendarer Juden. In der Stadt wurden inzwischen auch "Stolpersteine" zur Erinnerung an einige der jüdischen Opfer der NS-Zeit verlegt: im Februar 2014 wurden verlegt: vor dem Haus Hellenstraße 13 für den Viehhändler Sally Salomon und seine Frau Rosa geb. Stern; vor dem Haus Hellenstraße 46 für Hermann Salomon (Inhaber einer Metzgerei) und Frau Nettchen geb. Levy sowie Leopold Nathan und seine Frau Helen geb. Hess; vor dem Haus Rathausplatz 17 für Max Salomon (Metzger) und Frau Regina geb. Levy.            
      
      
      
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
  
Text der Hinweistafel auf dem jüdischen Friedhof Weitersburg zur jüdischen Geschichte in Vallendar

Vallendar Gedenktafel Fr 01.jpg (77823 Byte)"Zur Geschichte der jüdischen Kultusgemeinde Vallendar-Weitersburg. Seit dem Jahr 1333 sind jüdische Einwohner in den überlieferten Dokumenten erwähnt. Um 1900 bestand die jüdische Kultusgemeinde aus rund 200 Mitgliedern. Hatte es bis 1863 noch das Bestreben gegeben, die Bendorfer und Vallendarer jüdischen Familien zu einer Kultusgemeinde zusammenzuschließen, so gab die fertig gestellte Synagoge in Vallendar 1856 den Anlass, dass Vallendar zu einer selbst verwalteten Kultusgemeinde wurde.
Der Neubau dieser Synagoge wurde vom damaligen Vallendarer Bürgermeister Schmitz stark unterstützt: 'Von dem Grundsatz ausgehend, dass wir alle Brüder sind, ermutigte ich die Juden, ich machte ihnen Vorschläge zur Erbauung einer kleinen Synagoge."
Die Einweihung, bei der die Torarollen in feierlichem Umzug durch die Straßen von Vallendar getragen wurden, erfolgte unter starker Beteiligung der Behörden, der christlichen Religionsvertreter und der gesamten Vallendarer Bevölkerung.
Alle Dokumente berichten von einem guten Einvernehmen: Die Kinder besuchten gemeinsam die Schulen am Ort, zwischen 1900 und 1920 war immer einer der Vallendarer Stadtverordneten jüdischer Konfessionen, die jährlichen Theateraufführungen des jüdischen Talmud-Tora-Vereins waren von Vallendarer Bürgern sehr gut besucht, Juden gehörten selbstverständlich zu den Radfahr-, Turn-, Ruder-, Gesangs- und sogar Karnevalsvereinen.
Da sich in Vallendar vor 1933 kein Anzeichen für einen rassistisch begründeten Antisemitismus findet, können v.a. die ab 1935 eingeführten Gesetzesveränderungen (z.B. 'Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre') für den schleichenden Entfremdungsprozess verantwortlich gemacht werden."

  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1859 / 1862 / 1863 / 1871 / 1878 / 1911 / 1921   

Vallendar AZJ 07031859.jpg (65546 Byte)Anzeige in "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 7. März 1859: "In Vallendar, einem freundlichen Landstädtchen, 3/4 Stunden von Koblenz entfernt, ist die mit einem reinen Einkommen von jährlich 200 Talern verbundene Stelle eines israelitischen Religionslehrers, der zugleich das Schächten des Viehes ohne weitere Entschädigung zu besorgen hat, erledigt. 
Qualifizierte Bewerber um dieselbe werden eingeladen, sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse binnen 4 Wochen bei mir zu melden. 
Vallendar, 1. März 1859. Der Bürgermeister   Schmitz". 
  
Vallendar AZJ 08071862.jpg (45887 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Juli 1862: "In Vallendar (Städtchen), 1 Stunde von Koblenz am Rhein, wird die Stelle eines unverheirateten Religionslehrers, Vorbeters und Schächters bis im Monat November vakant. Der Gehalt ist 200 Taler nebst 25 Talern Nebeneinkünfte. Es wird hauptsächlich auf einen angenehmen Vorbeter reflektiert. Anmeldungen bei Unterzeichnetem. Der Vorsteher Joseph Löb. Vallendar bei Koblenz am Rhein."
  
Vallendar Israelit 23121863.jpg (28855 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23.12.1863: "In Vallendar (Städtchen), 1 Stunde von Koblenz ist die Stelle eines Lehrers, Vorbeters und Schächters vakant, der Gehalt ist 250 Taler. Der Eintritt kann sofort geschehen. Anmeldungen bei unterzeichnetem Vorstand. 
Vallendar, den 28. Oktober 1863    Samuel Nathan." 
 
Vallendar Israelit 15031871.jpg (57313 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1871: "Vakanz. Die Synagogen-Gemeinde Vallendar am Rhein sucht einen jüdischen konzessionierten Lehrer zu engagieren. De Funktionen bestehen aus: 1. Religionslehrer, 2. Kantor, 3. Schochet. Der Gehalt beträgt 250 Taler ohne Nebeneinkommen, welches besonders in Betreff der Schechita stark ist. Eintritt sofort. Qualifizierende, unverheiratete Bewerber wollen sich unter Beifügung ihrer Atteste an den Unterzeichneten sofort wenden. Reisekosten werden die Hälfte erstattet. S. Nathan, Vorsteher."
 
Vallendar Israelit 20111878.jpg (73041 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. November 1878: "Vakanz. Durch erfolgten Tod unseres früheren Lehrers ist die Stelle der Synagogengemeinde Vallendar am Rhein anderweitig zu besetzen und zwar durch einen unverehelichten gediegenen Mann. Die Funktionen sind Religionslehrer, Kantor und Schochet. Gehalt pro anno 900 Mark mit 300 - 500 Mark und noch höher, je nach Kenntnisse, Nebeneinkommen. Bewerbungen mit Referenzen sind an den Vorstand der Synagogengemeinde Vallendar am Rhein franco zu richten. Reisespesen werden nur bei einem Engagement erstattet und zwar für die Probereise." 
 
Vallendar Israelit 14091911.jpg (43326 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. September 1911: "Die hiesige Stelle als Lehrer, Vorbeter und Schochet ist per sofort zu besetzen. Gehalt Mark 2.000. Ausführliche Bewerbungsschreiben sind zu richten an Feist Loeb, Vallendar (Rhein)
 
Vallendar Israelit 04081921.jpg (31716 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. August 1921: "Wir suchen für unsere ziemlich umfangreiche Schechito einen gewandten unverheiratete Schauchet. Derselbe kann im Nebenamt kaufmännische Beschäftigung finden. Bewerber mit Referenzen orthodoxer Rabbiner sind zu richten an den Vorsitzenden der Gemeinde Josef Alexander I, in Vallendar bei Koblenz."

   
Zum Tod von Lehrer Chajim Rick (1925)  

Vallendar Israelit 10091925.jpg (166019 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. September 1925: "Vallendar am Rhein, 7. September (1925). Plötzlich verstarb der hiesige langjährige Lehrer Chajim Rick. Er kam gerade aus Frankfurt, wohin er übersiedeln wollte, nach der früheren Heimatgemeinde zurück, um Angelegenheiten der Familie zu ordnen und fand hier, ungeahnt und unerwartet, die letzte Heimat. 
Lehrer Rick kam vor vielen Jahren aus dem Osten als Zögling der Woloschiner Jeschiwa nach Deutschland und eignete sich am Jüdischen Lehrerseminar zu Köln sehr rasch profanes Wissen und gründliche fachliche Ausbildung an. Dabei blieb er sein Leben lang unerschütterlich in der tiefen Gottesfurcht der Jugend. Ein goldreiner Charakter, ausgezeichnet mit Toragelehrsamkeit, weltlichem Wissen und tiefer ehrlicher Frömmigkeit, versah er gewissenhaft den Lehrerdienst in verschiedenen Gemeinden Deutschlands, in den letzten Jahrzehnten zu Vallendar, wo er sich großer Beliebtheit erfreute. Beim Niedergange der Gemeinde infolge des Krieges und der Nachkriegszeit, sag er sich, schon alternd, in der Lage, anderswo eine neue Existenz aufzubauen, und es zog ihn nach Frankfurt, wo er hoffte, die zweite Hälfte seines Lebens in Tora und Gottesdienst verbringen zu können. Just war es ihm mit Hilfe von Freunden gelungen, in Frankfurt eine Stelle zu erhalten, die ihm eine Grundlage zur Existenz geboten hätte. Da fuhr er nach Hause zu seiner Familie, um dort die letzte Ruhe zu finden. Erschütternd wirkte die Kunde im Kreise der Frankfurter Freunde, die den Mann wegen seiner herrlichen Eigenschaften achteten und liebten.  
Chajim Rick hinterlässt Frau und mehrere in jüdischem Sinne bestens erzogene, aber völlig unversorgte Kinder. Möge ihnen Gott seinen Trost und seine Hilfe angedeihen lassen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

   
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Spendenaufruf des Lehrers Tobias Kohn (1889)

Vallendar Israelit 04111889.jpg (68379 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. November 1889: "Aufruf! Die unverheiratete Tochter eines unterer bedeutendsten Rabbiner bedarf wegen ihres Gemütszustandes längere Zeit der ärztlichen Behandlung und Pflege in einer israelitischen Anstalt. Da die Patientin ohne Mittel ist und die Angehörigen ebenfalls nicht in der Lage sind, die Pensionskosten der israelitischen Anstalt - so niedrig auch die Pflegekosten von derselben bemessen wurden - zu zahlen, so wird nichts anderes übrig bleiben, als die arme Patientin auf Kosten der Heimatgemeinde einer Staatsanstalt zu überwiesen. 
Dieses würde aber nicht nur der Heilung hinderlich sein, sondern es würde auch den Angehörigen und namentlich der fromm erzogenen Patientin selbst großen, die Genesung erschwerenden Kummer bereiten, wenn sie gezwungen, unkoschere Speisen essen zu müssen. 
Edeldenkende Glaubensgenossen werden deshalb flehentlich um Unterstützung und Beiträge für die Pflegekosten in der jüdischen Anstalt gebeten. 
Tobias Kohn
, Lehrer in Vallendar. Die Expedition des 'Israelit' und 'Jeschurun' ist gerne bereit, Gaben in Empfang zu nehmen und weiter zu befördern." 

Vortrag von Rabbiner Dr. Wolf aus Köln in der Gemeinde (1927)  

Vallendar Israelit 18081927.jpg (26462 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. August 1927: "Vallendar, 1. August (1927). Am letzten Sonntag hielt hier Herr Rabbiner Dr. Wolf, Köln, einen Vortrag, der großen Eindruck auf alle Hörer machte. Die hiesige Gemeinde weiß ihm vielen Dank für diesen ihr verschafften Genuss."

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   

Zum Tod von Sara Alexander geb. Cohn (1930) 
  

Vallendar Israelit 10041930.jpg (139060 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. April 1930: "Vallendar, 7. April (1930). Am Mittwoch, 4. Nissan (= 2. April 1930), wurde hier Frau Alexander geb. Cohn zu Grabe getragen. Einer frommen süd-bayerischen Rabbinerfamilie entsprossen, gründete sie hier ein eigenes Heim und mit ihr zog nach dem Vorbilde ihres seligen Vetters, Rabbiner Dr. Cohen - das Gedenken an den Gerechten ist zum Segen - (Ichenhausen) treue streng traditionelle Überlieferung ein, die sie auf allen Wegen pflegte. Zwei Menschen fanden sich hier, die jeder an seinem Platze in gleicher Weise für die Gesamtinteressen des Judentums gewirkt hatten. Jedoch mancher tiefe Gram hat seine Furchen in der Verblichenen Lebensbild gezogen und trotzdem hat sie, mit dem stillen Mut der Entsagung ihr Geschick getragen, denn in ihrem Leben kannte sie nur Gottesfurcht und aus dieser wurzelnde ehrenamtliche Arbeit ('Arbeit für den Himmel'). 'Süß ist der Schlaf des Arbeiters, ob er wenig oder viel von dieser Welt genieße.' Wenn irgend eine, so hat die edle Sara Alexander geb. Cohn - das Andenken der Gerechten ist zum Segen - ein Anrecht auf diesen süßen, ruhigen Schlaf, den wir im Monat Nissan durch keinen Klageton stören dürfen. Doch im Friedhof konnte unser sehr geehrter Herr Rabbiner Dr. Wolf als Freund der Verblichenen es nicht unterdrücken, innerhalb seines Schiur auf die Edle hinzuweisen. Die ungewöhnliche Teilnahme, mit der ihre ungezählten Freunde ihr Krankenbett direkt und im Geiste umstanden, die Fülle der Nachfragen, die in den Monaten bangen Wartens niemals nachgelassen haben, beweist, welch tiefe Wurzeln die Liebe geschlagen hat, die von dieser Frau ausging, und die ihr nun zurückströmte. In diesem Sinne wird ihr Andenken ein wahres und gesegnetes bleiben. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

    
70. Geburtstag des Gemeindevorsteher Joseph Alexander (1936) 

Vallendar Israelit 05031936.jpg (51920 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1936: "Vallendar, 2. März (1936). Seinen 70. Geburtstag feierte unser verdienter erster Vorsteher, Herr Joseph Alexander. Beim Schabbos-Festgottesdienst zeigte Herr Lehrer Neumann in sinnreichen Worten auf, in welch' vorbildlicher Weise der Jubilar in den 23 Jahren seiner ehrenamtlichen Tätigkeit zum Besten der Gemeinde durch seine bewusst-jüdische Einstellung im Sinne von Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit gewirkt hat. Insbesondere kennzeichnete er, wie der Gefeierte sich für die Errichtung und Erhaltung der Mikwoh einsetzte. (Alles Gute) bis 120 Jahre."  

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
   

Heiratsanzeige von Felix Loeb und Flora Loeb geb. Kahn (1922)   

Vallendar Israelit 16031922.jpg (33538 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. März 1922: "Statt Karten!  
Felix Loeb - Flora Loeb geb. Kahn. Vermählte.  
Vallendar am Rhein
- Mainz, Franziskanerstr. 1.   
Trauung: Sonntag, den 19. März 1922, 1 Uhr in der Rhenusloge, Mainz."  

  
Geburtsanzeige der Tochter von Felix Löb und Flora geb. Kahn (1923) 

Vallendar Israelit 26071923.jpg (31535 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juli 1923: "Gott sei gepriesen. Die glückliche Geburt einer gesunden Tochter zeigen hocherfreut an: Felix Löb und Frau Flora geb. Kahn. Vallendar (Rhein), Stockgasse 1. 4. Aw 5683 / 17. Juli 1923."

     
Bar Mizwa-Feier von Julius Rieck  (1925)  

Vallendar Israelit 12111925.jpg (21321 Byte) Aus den Familiennachrichten in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November 1925; "Bar Mizwa zu Chaj Sara. Julius, Sohn des seligen Lehrers Hermann Rieck, Vallendar am Rhein". 

     
Verlobungsanzeige für Sidi Rieck und Manuel Dasberg (1929)  

Vallendar Israelit 21031929.jpg (27948 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1929: "Statt Karten: 
Sidi Rieck - Manuel Dasberg. Verlobte.  Vallendar am Rhein - Dordrech (Holland). 
1. Adar Scheni 5689
  (= 13. März 1929)

  

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte für die in Vallendar
 geborene Martha Loeb
 
 Vallendar KK MZ Loeb Martha.jpg (90983 Byte)  
   Kennkarte (Mainz 1941) für Martha Irma Loeb (geb. 29. Juni 1927 in Vallendar), Schülerin, 
wohnhaft in Mainz, am 25. März 1942 deportiert ab Mainz - Darmstadt in das Ghetto Piaski, umgekommen   
 

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge           
    
1795 wurde ein Betsaal in einem Haus in der Löhrgasse eingerichtet. Über ein halbes Jahrhundert wurden in diesem Raum die Gottesdienste abgehalten. Mitte des 19. Jahrhunderts entsprach dieser Betsaal allerdings nicht mehr den Anforderungen der Gemeinde, zumal die Gemeindeglieder offenbar kaum mehr Platz in dem Raum fanden. 1853 beschrieb der Bürgermeister den Betsaal als "kleines, feuchtes und abgelegenes Zimmer". Auch dem Bürgermeister lag daran, dass die jüdische Gemeinde zu einer Synagoge kam. Er unterstützte das Vorhaben, zunächst über eine Kollekte eine Grundlage für die Finanzierung zu schaffen. 
1855 konnte die jüdische Gemeinde ein Grundstück in der Eulsgasse (heute Eulerstraße) erwerben und darauf 1856/57 eine Synagoge erstellte werden. Die Pläne zeichnete Stadtbaumeister Herrmann Antonius Nebel aus Koblenz. Die Grundsteinlegung war am 18. April 1856. Der Text der in den Grundstein eingelegten Urkunde lautete:   
      
"Durch Hülfe und zur Verehrung Gottes hat die aus 21 unbemittelten Familien bestehende israelitische Gemeinde zu Vallendar teils aus eigenen Mitteln, teils von einem von Herrn Alexander Bender hier aufgenommenen Passiv-Kapital und teils aus dem Ertrage einer bei den Israeliten der Rheinprovinz bewilligten Kollekte auf dem von Matthias Raffauf gekauften Bauplatz in der Eulsgasse zu Vallendar eine neue Synagoge begründet, zu deren Entstehung der zeitliche Bürgermeister Johann Friedrich Schmitz von Vallendar und der israelitische Vorstand Bermann Scheye, David Götz und Joseph Loeb durch Beistand Gottes tätig mitwirkten. Möge das Unternehmen dem Allmächtigen wohlgefällt sein und den himmlischen Segen erhalten, um welchen wir alle demütigst bitten ...".
     
Die feierliche Einweihung der Synagoge war am 7. August 1857 durch Oberrabbiner Dr. Schwarz aus Köln. Mit einer feierlichen Prozession wurden die Torarollen vom alten Betsaal zur neuen Synagoge getragen.   
   
Die Synagoge wurde als dreiachsiger Saalbau erstellt (Größe 7,70 m x 14 m). Die Eingangsfassade (siehe Foto unten) zeigt gequaderte Ecklisenen mit turmartigen Bruchsteinaufsätzen mit Zahnschnittfries.   
     
Die Zerstörung der Synagoge in Vallendar kam mit dem Novemberpogrom 1938. SA-Leute drangen während des Morgengottesdienstes am 10. November 1938 in die Synagoge ein, schändeten und verwüsteten sie. Die anwesenden Männer mussten in ihren Gebetsmänteln die 15 Torarollen zum Polizeipräsidium tragen. Am 12. November wurde die Synagoge mit Stroh, Benzin und Petroleum in Brand gesetzt. Das Gebäude brannte bis auf die Grundmauern ab. Die Torarollen wurden mitverbrannt; die Ritualien wurden von der Gestapo beschlagnahmt. 
     
1957 erwarb ein Schmiedemeister das Grundstück. Er baute die Synagogenruine als Wohnhaus mit Werkstatt aus. Die Ruinenreste - vor allem die Ostwand mit der erhaltenen Rosette - stehen seit 1991 unter Denkmalschutz. Eine Gedenktafel ist vorhanden. 
       
       
Adresse/Standort der SynagogeEulerstraße 3 (früher Eulsgasse genannt)  
      

      
Fotos

Die zerstörte Synagoge
(Quelle: Landesamt s. Lit. S. 373)
Vallendar Synagoge 005.jpg (72895 Byte) Vallendar Synagoge 006.jpg (84370 Byte)
   Blick von Südwesten auf die Westfassade 
und die südliche Seitenwand
Die Rosette an 
der Ostfassade
     
Das Synagogengrundstück 
im Sommer 2006
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 17.8.2006)
Vallendar Synagoge 200.jpg (81012 Byte) Vallendar Synagoge 203.jpg (53132 Byte)
  Blick von der Eulerstraße auf das ehemalige Synagogengrundstück
   
Die Gedenktafel   Vallendar Synagoge 201.jpg (68606 Byte) Vallendar Synagoge 202.jpg (59527 Byte)
   "Zum Gedenken an die früheren jüdischen Mitbürger und an die hier befindliche
 Synagoge. Im Jahr 1987. Stadt Vallendar."
   
Vallendar Synagoge 205.jpg (80710 Byte) Vallendar Synagoge 204.jpg (65642 Byte) Vallendar Synagoge 130.jpg (67039 Byte)
Blick auf die teilweise erhaltene Ostfassade der Synagoge dass., Quelle

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

Februar 2014: Verlegung von "Stolpersteinen" in Vallendar  
Artikel in der "Rhein-Zeitung" vom 24. Februar 2014: "Stolpersteine in Vallendar erinnern an jüdische Schicksale". 
Link zum Artikel    

      
      

Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Vallendar 
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Vallendar (interner Link)    

Literatur:  

Germania Judaica II,2 S. 850; III.2 S. 1528-1530.   
Bertram Resmini: Die jüdische Gemeinde in Vallendar vor dem Aufkommen des Nationalsozialismus. In: SACHOR. Beiträge zur jüdischen Geschichte in Rheinland-Pfalz. 3. Jahrgang. Ausgabe 2/1993, Heft Nr. 5. S. 52-56. Online zugänglich (als pdf-Datei eingestellt, 7,2 MB). 
Hildburg-Helene Thill: Der Untergang der jüdischen Gemeinde Vallendar. In: SACHOR. Beiträge zur jüdischen Geschichte in Rheinland-Pfalz. 3. Jahrgang. Ausgabe 2/1993, Heft Nr. 5. S. 57-61. Online zugänglich (als pdf-Datei eingestellt, 7,4 MB).    
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 373-374 (mit weiteren Literaturangaben). 

  
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Vallendar  Rhineland. Jews were present in the 15th century. The modern community was formed in the 18h century and included four protected Jews (Schutzjuden) in 1781. Officially constituted in 1865, the community reached a peak in 1895 with 181 Jews. A new synagogue was erected in 1857 and a cemetery was opened in 1862. In 1933, 125 Jews remained, many emigrating by November 1938. On Kristallnacht (9-10 November), the synagogue was burned, Jewish homes and stores were vandalized, and Jewish men were arrested. The last 40 Jews were deported to the death camps in 1942.    
    
        

                   
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Stand: 07. Juli 2017