Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Großkrotzenburg mit Großauheim (Stadt Hanau) (Main-Kinzig-Kreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
  

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
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Zur Geschichte der Synagoge   
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
  
In Großkrotzenburg bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. In der Zeit des 30-jährigen Krieges lassen sich erstmals Juden am Ort nachweisen: 1630 wird die "große Crotzenberger und Birgler Judenschaft" in einem Schreiben des Mainzer Peterstifts an den Kurfürst von Mainz genannt. 1687/88 finden sich in der ältesten erhaltenen Gemeinderechnung die Namen der Juden "bonefockh" und "Davit". 
  
Mitte des 18. Jahrhunderts (1749/50) waren inzwischen acht jüdische Familien am Ort ansässig.      
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1815 13 jüdische Familien, 1820 60 jüdische Einwohner (in 15 Familien), 1861 126 jüdische Einwohner (12,7 % von insgesamt 993 Einwohnern), 1864 126 (12,5 % von insgesamt 1.004 Einwohner), 1871 125 (11,8 % von 1.057), 1885 148 (13,2 % von 1.122), 1895 150 (11,2 % von 1.344), 1905 161 (9,5 % von 1.686).   
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (zunächst Religionsschule, seit 1874 Israelitische Volksschule; 1855 neues Schulhaus mit Lehrerwohnung in einem Wohnhaus neben der Synagoge eingerichtet, 1878 umgebaut: Trennung des Schulsaales von der Lehrerwohnung), ein rituelles Bad (1831 erstmals genannt, seit 1855 im Schulhaus) und einen Friedhof. Zum Unterricht der jüdischen Kinder und zur Besorgung weiterer religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. die Ausschreibungen der Stelle unten). Erstmals wird 1826 ein jüdische Lehrer genannt. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Hanau.
    
Seit 1905 (bereits seit 1902 vorläufig auf die Dauer von drei Jahren) gehörten auch die in Großauheim lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Großkrotzenburg. 1837 lebten in Großauheim noch keine Juden; die ersten dürften in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zugezogen sein. Um 1925 waren es drei Familien beziehungsweise zusammen 13 Personen.        
    
Im Krieg 1870/71 hatten die folgenden jüdischen Männer aus Großkrotzenburg teilgenommen: Hirsch Hirschmann I, Hirsch Hirschmann II, Moritz Hirschmann, Löb Berberich und Hirsch Berberich. 
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Julius Strauß (geb. 1.3.1894 in Großkrotzenburg, gef. 2.9.1917) und Gefreiter Simon Waller (geb. 18.3.1883 in Großkrotzenburg, gef. 11.10.1917).     
 
Um 1924, als zur Gemeinde 137 Personen gehörten (in 32 Familien, 6,3 % von insgesamt 2.152 Einwohnern, dazu 13 Personen in Großauheim), waren die Gemeindevorsteher Markus Hirschmann, Hermann Löbenberg und Josef Waller I. Als Lehrer, Kantor und Schochet war inzwischen Julius Schuster angestellt. Er unterrichtete an der Israelitischen Volksschule 13 Kinder. Weitere sieben Kinder an höheren öffentlichen Schulen erhielten bei ihm ihren Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen gab es die Wohltätigkeitsvereine Chewra Kadischa (1932 unter Leitung von Gustav Schmidt, Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger, Bestattungswesen) und Chewra Bikur Chaulim, Gemilus Chesed (gegr. 1863; 1932 unter Vorsitz von Albert Stern; Zweck und Arbeitsgebiete: Krankenwache, Gewährung der Begräbniskosten, Unterstützung), den Israelitischen Frauenverein (1932 unter Leitung der Frau von Moses Berberich II; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger) sowie eine Aguda Jugendgruppe (1924 unter Leitung von Siegfried Münz mit 30 Mitgliedern: S. Münz starb 1930, siehe Bericht unten) . 1932 waren die Gemeindevorsteher weiterhin Markus Hirschmann (1. Vors.), Hermann Löbenberg (2. Vors.) und Josef Waller I (Schatzmeister). Die genannten Gemeindevorsteher Markus Hirschmann und Hermann Löbenberg schieden nach 26-jähriger Tätigkeit im Vorsteheramt 1934 aus und übergaben das Amt den damals neu gewählten Herrn Siegfried Levi und N. Kaufmann. Im Schuljahr 1931/32 hatte Lehrer Julius Schuster an der Israelitischen Volksschule 13 Kinder zu unterrichten.       
   
1933 lebten noch etwa 105 jüdische Personen in Großkrotzenburg. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (fünf Personen nach Palästina, 20 in die USA, vier nach Südamerika, eine nach Holland, acht nach Belgien, 13 nach England, eine nach Shanghai). Zwischen 1933 und 1939 sind noch zehn jüdische Einwohner am Ort verstorben. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge und der jüdischen Schule völlig demoliert (siehe unten). Auch mindestens dreizehn von insgesamt 30 Wohnungen jüdischer Einwohner/Familien wurden überfallen und verwüstet.  Der letzte Gemeindevorsteher Siegfried Levi ist 1939 nach Frankfurt verzogen, später in die USA emigriert. Lehrer Julius Schuster konnte mit seiner Familie gleichfalls 1939 nach England emigrieren.    
        
Von den in Großkrotzenburg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem): Abraham Berberich (1869), Adolf Berberich (1901), Julius Walter Berberich (1909), Marianne Berberich geb. Heimann (1870), Moses Berberich (1888), Clara (Klara) Freund geb. Berberich (1893), Fanny Fuld geb. Strauß (1877), Alfred Gotthelf (1933), Amanda Gotthelf (1930), Edeltrud Gotthelf (1932), Klara Gotthelf (1937), Mayer Gotthelf (1890), Charlotte Guth geb. Hirschmann (1864), Berta Heim geb. Gotthelf (1895), Mathilde Heinemann geb. Schmidt (1875), Frieda Herlitz geb. Berberich (1880), Frieda Hirschmann (1890), Gustav Hirschmann (1875), Maier (Meier) Hirschmann (1885), Salomon Hirschmann (1879), Selma Katz geb. Kaufmann (1889), Herz Kaufmann (1882), Jenny Kaufmann (1889), Rosa Kaufmann geb. Klein (1893), Rosa Lichtenstein geb. Waller (1907), Berta Lind geb. Schmidt (1880), Jenny Löb geb. Neustädter (1879), Max Löb (1889), Karoline Mayer geb. Schmidt (1884), Rosa Morgenroth geb. Kaufmann (1887), Sophie Moses geb. Hirschmann (1888), Johanna Reichenberg geb. Hirschmann (1881), Rosa Reis geb. Goldschmidt (1866), Markus Ring (1868), Paula Ring geb. Waller (1912), Albert Rosenthal (1905), Frieda Rosenthal geb. Waller (1873), Hedwig Rosenthal (1904), Julius Rosenthal (1907), Adolf Schmidt (1881), Gustav Schmidt (1877), Lina Schmidt geb. Fuld (1882), Ida Dina Simon geb. Strauss (1885), Nathan Hugo Stern (1891), Else Strauß geb. Sonn (1884), Jenny Strauss geb. Hirschmann (1892), Johanna Strauß geb. Waller (1900), Karl Strauß (1878), Calinka Waller geb. Kleeblatt (1884), Else Waller (1916), Fanny Waller geb. Worms (1876), Frieda Waller geb. Hirschmann (1874), Hedwig Waller (1901), Johanna Waller geb. Jakob (1891), Josef Waller (1873), Joseph Waller (1866), Lazarus Waller (1876), Leopold Waller (1867), Leopold Waller (1886), Nanny Waller geb. Hammel (1863), Salomon Waller (1872), Lina Wertheimer geb. Berberich (1895). 
   
Aus Großauheim sind umgekommen: Gertrude Becker geb. Brodreich (1899), Ida Hirschmann geb. Hahn (1892), Lothar Hirschmann (1931), Maier Hirschmann (1885), Paul Ludwig Hirschmann (1923).              
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers, Vorbeters und Schochet 1909 / 1923 

Grosskrotzenburg Israelit 241219.jpg (52835 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Dezember 1908: 
"Wegen Erkrankung des Elementarlehrers und Vorsängers in 
Großkrotzenburg
 
wird sofort ein Vertreter gesucht. Bewerber wollen sich baldigst bei uns melden.
Hanau, den 21. Dezember 1908. 
Das Vorsteheramt der Israeliten. Dr. Bamberger."     
    
Gross-Krotzenburg Israelit 06121923.jpg (58425 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1923: "Die durch Versetzung des bisherigen Inhabers frei gewordene Lehrerstelle an der israelitischen Volksschule in Großkrotzenburg ist baldigst mit einem Herrn gesetzestreuer Richtung wiederzubesetzen. Bewerber, die auch den Vorbeterdienst zu versehen haben und in 'Sch'chitoh ub'dikoh' (rituelles Schächten und Prüfen) besondere Gewandtheit besitzen müssen, wollen ihre Gesuche bis spätestens 20. Dezember beim Unterzeichneten einreichen. 
Das Vorsteheramt der Israelitien zu Hanau. i.A. Provinzialrabbiner Dr. Gradenwitz."      

    
25-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Samuel Spier (1899)   

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Januar 1899: "Am 1. Januar feierte der Lehrer Spier (statt: Spies) der öffentliche Schule zu Großkrotzenburg sein 25-jähriges Dienstjubiläum. In Anerkennung seines segensreichen Wirkens sind ihm von allen Seiten Zeichen der Liebe zuteil geworden."          
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Januar 1899: "Das 25-jährige Amtsjubiläum des Lehrers Spier in Großkrotzenburg wurde von jüdischen und christlichen Mitbürgern würdig gefeiert. Der Gesangverein 'Liederkranz' brachte dem Jubilar ein Ständchen, der Lokalschulinspektor Pfarrer Kaufholz beglückwünschte ihn, die Schüler überreichten ein wertvolles Geschenk, die jüdische Gemeinde einen kostbaren Tafelaufsatz. Am Abend fand ein gemütlicher Kommers zu Ehren des wackeren Lehrers statt, der noch lange in gleich gedeihlicher Weise wirken möge."     

 
Zurruhesetzung und Tod von Lehrer Samuel Spier (1909) 

Grosskrotzenburg FrfIsrFambl 13081909.jpg (16710 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 13. August 1909: "Großkrotzenburg. Lehrer Spier wird am 1. Oktober nach fest 50-jähriger Amtstätigkeit in den Ruhestand treten."       
     
Grosskrotzenburg Israelit 29091909.jpg (69766 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. September 1909: "Großkrotzenburg, 22. September (1909). Am 4. September wurde unsere Gemeinde von einem schweren Schlage getroffen. Herr Lehrer Spier, der sein Amt seit 49 Jahren in segensreicher Weise geleitet hatte, starb, als er gerade in den verdienten Ruhestand treten wollte. Seine Majestät der Kaiser hatte ihm in Anerkennung seiner hohen Verdienste den Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern verliehen. Wie sehr er sich die Liebe aller erworben hatte, bewies die große Trauerversammlung, die ihm die letzte Ehre erwies. Die Herren Provinzial-Rabbiner Dr. Bamberger aus Hanau und Lehrer Strauß aus Gelnhausen rühmten in ihren Trauerreden die schönen Eigenschaften, die diesen pflichttreuen Lehrer zierten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."       
  
Grosskrotzenburg Friedhof 179.jpg (120190 Byte)links: Grabstein für Lehrer Samuel Spier im jüdischen Friedhof von Großkrotzenburg  

 
Lehrer Julius Schuster kommt nach Groß-Krotzenburg (1924)  

Eiterfeld Israelit 04121924.jpg (26393 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1924: "Eiterfeld, 1. Dezember (1924). Durch die Regierung ist Herr Lehrer Oppenheim von Lichenroth nach hier versetzt worden. Die Gemeinde hofft in ihm einen würdigen Nachfolger für Herrn Lehrer Schuster, der nach Groß-Krotzenburg versetzt wurde, gefunden zu haben."   

    
    
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  

Antisemitismus im Kriegerverein (1903)  

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 31. Juli 1903: "Großkrotzenburg. Eine Ungehörigkeit, für die uns jedes zu entschuldigende Moment fehlt, hat sich kürzlich der hiesige Kriegerverein erlaubt, indem er an seine 10 jüdischen Mitglieder das nachfolgende Schreiben versandte.  
Großkrotzenburg, 17. Juli 1903: 
Werter Kamerad! 
Es dürfte Ihnen gelegentlich der letzten Reichstagswahlen wohl gewiss nicht entgangen sein, dass das regierungsfeindliche (sozialdemokratische) Element unter der Bevölkerung unseres Ortes in einer geradezu frappierenden Weise zugenommen hat; und täglich mehren sich die Stimmen und der begründete Verdacht, dass auch den Reihen der Mitglieder unseres Kriegervereins diese umstürzlerischen Bestrebungen bedauerlicherweise nicht gern geblieben sind. Dass derartige Kundgebungen der Devise eines deutschen Kriegervereins, der sich Patriotismus, Liebe und Anhänglichkeit zu Kaiser und Reich zur Aufgabe gestellt hat, geradezu zuwiderlaufen, dürfte Ihnen ebenso gut bekannt sein, als die Tatsache, dass die Satzungen eines jeden deutschen Kriegervereins die Mitgliedschaft eines sich zu dieser Partei bekennenden Kameraden ausdrücklich ausschließen. Es ist deshalb nicht nur unsere traurige Pflicht, solche Mitglieder auf die Unmöglichkeit ihrer ferneren Zugehörigkeit zu unserem Verein aufmerksam zu machen, sondern wir sind, da ein Einschleichen sozialdemokratisch gesinnter Mitglieder in den Verein auch höhererseits nicht unbekannt geblieben ist, auch von dieser Seite dringend an die strenge und gewissenhafte Geltungsmachung der Statuten unseres Vereins hingewiesen worden.   
Da auch gegen Sie der wohlbegründete Verdacht vorliegt, dass Sie sich durch die Wahl eines sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten zu einer reichsfeindlichen Partei bekannt haben, so ersuchen wir Sie höflichst, sich bei einer geheimen Sitzung des gesamten Vorstandes, die wir auch Sonntag, den 19. dieses Monats, nachmittags 5 Uhr, im neuen Schullokal anberaumt haben, in dieser Angelegenheit zu äußern. Da wir Offenheit und Unerschrockenheit zu den schönsten Tugenden eines deutschen Kriegers rechnen, so erwarten wir auch von Ihnen, dass Sie uns durch ein offener, rückhaltloses Bekenntnis unsere harte Pflicht erleichtern helfen und sich nicht schon durch Abwesenheit bei der genannten Versammlung der Mitgliedschaft verlustig machen, da wir dieselbe unbedingt als Begrünung des gegen Sie geltend gemachten Verdachtes betrachten müssten. 
Mit kameradschaftlichem Gruß  Der Vorstand des Krieger-Vereins Großkrotzenburg (folgen Namen).  
Wir hätten diesem Schreiben keine Beachtung geschenkt - denn wir kümmern uns nicht um Politik -, wenn der Kriegerverein dasselbe auch seinen christlichen Mitgliedern würde zugesandt haben. So aber, wo das Schreiben ausschließlich nur die jüdischen Mitglieder erhielten, halten wir es für unsere Pflicht, ein Vorgehen festzunageln, das unter solche Umständen nicht anders als eine Ungehörigkeit zu bezeichnen ist."     

   
Auflösung der jüdischen Volksschule (1933)  

Grosskrotzenburg Israelit 21041933.jpg (21590 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. April 1933: "Kassel. Die jüdische Volksschule in Großkrotzenburg, die zuletzt nur noch sieben Kinder zählte, wurde mit sofortiger Wirkung aufgelöst."      

  
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Zum Tod von Siegfried Münz (1930)  

Grosskrotzenburg Israelit 09011930.jpg (92445 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Januar 1930: "Großkrotzenburg, 5. Januar (1930). Am 5. Kislew (= 7. Dezember 1930) starb hier Siegfried Münz im blühenden Alter von 28 Jahren an einer plötzlichen Krankheit. Mit ihm hat die hiesige Gemeinde einen großen Verlust erlitten, denn er gehörte zu den wenigen, die die Gebote der Thauro (Tora) mit Genauigkeit beachteten. Schon in jüngeren Jahren gründete er sich eine eigene Position in der Großstadt und doch war es ihm möglich, den Schabbos bei seinen Eltern hier jede Woche zu verleben. Seine Mitmenschen zollten ihm ob seines geraden Lebenswandels höchste Achtung und von seiner Beliebtheit legte die Beerdigung beredtes Zeugnis ab. Herr Lehrer Schuster fand herrliche Worte des Dankes im Namen der Gemeinde, Herr Justin Löbenberg sprach warme Worte zur Betätigung und von Limud Thauro (Toralernen) und Herr A. Berberich verabschiedete sich in ergreifenden Worten von seinem Freunde. Möge den gebeugten Eltern reicher Trost erblühen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."      

  
25-jähriges Jubiläum von Markus Hirschmann und Hermann Löbenberg als Gemeindevorsteher/Synagogenälteste (1933)  

Grosskrotzenburg Israelit 16111933.jpg (42747 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. November 1933: "Großkrotzenburg bei Hanau, 14 Oktober (1933). Die Herren M. Hirschmann und H. Löbenberg konnten am 9. dieses Monats auf eine 25-jährige Tätigkeit als Synagogenälteste zurückblicken. Vom Vorsteheramt Hanau erhielten sie durch Herrn Rechtsanwalt Moritz ein Dank- und Anerkennungsschreiben und Lehrer Schuster hob in einer Ansprache in der Synagoge ihre großen Verdienste für die Gemeinde hervor."      

  
Wechsel im Vorsteheramt (1934)  

Grosskrotzenburg Israelit 10011935.jpg (131256 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Januar 1935: "Großkrotzenburg, 3. Januar (1935). Die Herren M. Hirschmann, der am 31. Dezember 1934 seinen 82. Geburtstag in körperlicher und geistiger Frische beging, und H. Löbenberg hatten nach 26-jähriger treuer und gewissenhafter Tätigkeit ihr Amt als Vorsteher der Gemeinde Großkrotzenburg niedergelegt und an ihre Stelle waren die Herren S. Levi und N. Kaufmann gewählt und von der Behörde bestätigt und vereidigt worden. Dieser Wechsel wurde unter Beteiligung der gesamten Gemeinde und in Gegenwart des Kreisvorstehers, Herrn Sichel, Hanau feierlichst in der Synagoge vollzogen. Nach dem Abendgebete legte Herr Löbenberg in kurzer, inhaltsreicher Ansprache sein und seines Kollegen Amt in die Hände des Kreisvorstehers Herrn Sichel, der den zurückgetretenen Herren für ihre selbstlose und hingebungsvolle Arbeit in der Gemeinde dankte und den neugewählten Herren ihren Aufgabenkreis in klaren und warmen Worten umriss. Lehrer Schuster sprach Grundsätzliches über Bedeutung, Aufgabe und Führung einer jüdischen Gemeinde und deren Institutionen im Sinne und Geiste des Toragesetzes. Die neugewählten Vorsteher dankten für das ihnen entgegengebrachte Vertrauen und versprachen, ihr Amt im Dienste Gottes, der Gemeinde und des Vaterlandes zu führen."      

     
Über Prof. Dr. Joseph (Josef)  Berberich (1897-1969)   

Arnsberg Bd. I S. 292: "Einer sehr alten Familie in Großkrotzenburg (Namen schon 1822 usw. erwähnt) entstammt Prof. Dr. Josef Berberich, geboren am 20.5.1897 in Großkrotzenburg. Er studierte in Frankfurt, wo er 1919 promovierte und approbierte. Im Weltkrieg 1914-1918 war er zuerst Kriegsfreiwilliger im Ulanenregiment Nr. 6 Hanau, dann als Hilfsarzt in Großauheim und Frankfurt am Main (Reservelazarette) tätig, später Assistent am Virchow-Krankenhaus Berlin, dann an den Universitätskliniken in Frankfurt am Main. Nach Habilitation 1927 wurde er 1930 Professor und ließ sich als Hals-, Nasen- und Ohren-Arzt in Frankfurt am Main nieder. Er wanderte nach den USA aus, wo er in New York praktizierte (gestorben: 3.6.1969 in New York/USA)."  
Literatur von Josef Berberich:  
Josef Berberich: Lehrbuch der Mund- und Rachenkrankheiten. Bearbeitet von  J. Berberich, H. Deicher, H. Groß usw. Mit 213 zum Teil farbigen Abbildungen. 587 Seiten. Leipzig: Georg Thieme. 1932. 
In Großkrotzenburg erinnert an Joseph (Josef) Berberich die Joseph-Berberich-Straße    

      
      
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Anzeige der Brot- und Feinbäckerei Gustav Hirschmann (1900)  

Grosskrotzenburg Israelit 31051900.jpg (30182 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Mai 1900: 
"Suche für meine Brot- und Feinbäckerei einen tüchtigen 
Gehilfen
 
zum sofortigen Eintritt. 
Gustav Hirschmann, Großkrotzenburg bei Hanau."  

   
Anzeige des Landesproduktengeschäftes Waller & Löbenberg (1903)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1903: 
"Wir suchen für unser Samstags und Feiertage streng geschlossenes Landesproduktengeschäft einen 
Lehrling
bei freier Kost und Wohnung. 
Waller & Löbenberg
, Groß-Krotzenburg am Main".      

   
Hochzeitsanzeige von Lehrer Naftali Berlinger mit Dora geb. Löbenberg (1925)   

Burghaun Israelit 06081925.jpg (37454 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. August 1925: 
"Naftali Berlinger - Dora Berlinger geb. Löbenberg. Vermählte. 
Burghaun - Groß Krotzenburg.  
21. Aw 5685 / 11. August 1925.   Trauung: 1/2 2 Uhr, Restaurant Kulp, Aschaffenburg."   

    
Hochzeitsanzeige von Salli Strauss und Jettchen geb. Berberich (Reinheim / Groß-Krotzenburg) (1927)

Reinheim Israelit 29121927.jpg (33252 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Dezember 1927: 
"Salli Strauss - Jettchen Strauss geb. Berberich. Vermählte - 
Reinheim - Groß-Krotzenburg
Trauung, Sonntag, den 1. Januar 1928. Restaurant Scheuer, Frankfurt am Main, Börnsenplatz."

  
Verlobungsanzeige von Resi Reinemann und Adolf Berberich (1934)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. März 1934: "Gott sei gepriesen
Resi Reinemann - Adolf Berberich. Verlobte.  
Erlangen  -  Frankfurt am Main. Beethovenstraße 38 / Groß-Krotzenburg
Adar 5694 / März 1934".            

    
Heiratsanzeige von Semi Schuster und Hilde Bloch (1937)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. September 1937: 
"Semi Schuster - Hilde Bloch   
heiraten am 3. Oktober 1937. 28. Tischri 5698.  
Groß-Krotzenburg / London NW 6  17 Cleve Road - 
Frankfurt am Main, Liebigstraße 50 / London W 12  Chargroft House. Roseford Gardens."   

  
Nach der Emigration: Hochzeitsanzeige von Albert Schmidt und Flora geb. Gottlieb (1942)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom 23. Januar 1942: 
"Albert Schmidt - Flora Schmidt née Gottlieb
Married - January 18, 1942. 
c/o Baum, 3713 74th Street, Jackson Height, L.I.  
früher Groß-Krotzenburg   früher Lauterbach - Hessen".         

     

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte für die in Groß-Krotzenburg 
geborene Rosa Lichtenstein geb. Waller
 
 Gross Krotzenburg KK MZ Lichtenstein Rosa.jpg (92875 Byte)  
   Kennkarte (Dieburg 1939) für Rosa Lichtenstein geb. Waller (geb. 12. Dezember 1907 in Groß-Krotzenburg), später wohnhaft in Langstadt; am 22. November 1941 deportiert ab Frankfurt am Main  nach Kowno (Kauen, Fort IX), wo sie umgekommen ist.   

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge       
   
Zunächst war ein Betsaal oder eine ältere Synagoge vorhanden. 
 
Um 1820 bemühte sich die jüdische Gemeinde um den Bau einer neuen Synagoge. Die behördliche Genehmigung wurde 1821 noch versagt, dann aber erteilt. Im Juli 1826 erfolgte die Einweihung der Synagoge. Die Bauakten im Staatsarchiv Marburg sind nur unvollständig überliefert

1864 musste das Gebäude umgebaut und vergrößert werden (letzteres vor allem im Bereich der Frauenempore). 1900 erfolgte ein erneuter Umbau und eine wesentliche Erweiterung (siehe Pläne unten). Zuletzt hatte die Synagoge 94 Plätze für Männer und 50 für Frauen.  
  
Beim Synagogengebäude handelt es sich um einen einfachen Saalbau aus Bruchsteinmauerwerk mit einem Walmdach. Charakteristisch sind die Rundbogenfenster an den Längsseiten.  
 
Seit 1898 bestand ein Synagogenchor.        
  
Aus der Geschichte der Synagoge liegen einzelne Berichte vor. 1911 und 1924 konnte jeweils eine neue Torarolle eingeweiht werden. Im Juli 1926 wurde feierlich das 100-jährige Bestehen der Synagoge gefeiert. Joseph Berberich verfasste zur Jahrhundertfeier eine Festschrift. Dazu die nachfolgenden Berichte:  
       
Einweihung einer Torarolle (1911)  

Grosskrotzenburg FrfIsrFambl 17031911.jpg (43609 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. März 1911: "Großkrotzenburg. Nächsten Freitag und Samstag wird sich hier ein bewegtes, festliches Treiben entfalten. Es gilt, unsere neue Torarolle im feierlichen Zuge zur Synagoge zu bringen. Die Festrede wird Provinzialrabbiner Dr. Bamberger - Hanau halten. Aufführungen und Ball werden Samstag abend die freudige Veranstaltungen beschließen."     
   
Grosskrotzenburg 30031911.jpg (24622 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. März 1911: "Hanau, 25. März (1911). Im nahen Großkrotzenburg fand am 17. dieses Monats eine Einweihung einer Torarolle statt. Zu Ehren der Feier hatte außer vielen Einwohnern auch der katholische Pfarrer sein Haus mit päpstlichen Flaggen geschmückt."     
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. April 1911: "In Großkrotzenburg bei Hanau fand vor kurzem die Weihe einer Sefer Tora - (Torarolle) statt. Zu der Feier hatte außer vielen Einwohnern auch der katholische Pfarrer sein Haus mit päpstlichen Fahnen geschmückt".  

   
Einweihung einer Torarolle (1924)  

Grosskrotzenburg Israelit 11121924.jpg (110440 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Dezember 1924: "Großkrotzenburg am Main, 6. Dezember (1924). Am Sonntag, den 3. Kislew (= 30. November 1924), wurde in unserer Gemeinde ein echt jüdisches Fest gefeiert. Frau Karl Kaufmann Witwe hatte zur Zeit des Krieges gelobt, wenn ihre Söhne wieder gesund aus dem Feld nach Hause kämen, ein Sefer (Torarolle) schreiben zu lassen, welches am Sonntag der Synagoge übergeben wurde. Nachdem das Sefer im Hause der Frau Kaufmann aufgestellt und durch die Baalbattim (gemeint die Familienvorsteher der jüdischen Familien am Ort) fertiggeschrieben war, wurde es von den drei ältesten Gemeindemitgliedern zur Synagoge getragen, wo es mit den anderen Seforim (Torarollen) am Eingang empfangen wurde. Beim Eintritt in das Gotteshaus wurde das Sefer mit Boruch habo ('Gesegnet, der da kommt...') und Matauwu ('Wie lieblich...') von unserem Synagogenchor, unter Leitung unseres Herrn Lehrer Schuster, begrüßt und sodann durch die festliche geschmückte Synagoge nach dem Almemor (Vorlesepult) gebracht. Nach Rezitation einiger Mismorin (Psalmen) und Einheben der Seforim, ergriff unser Provinzialrabbiner Herr Dr. Gradwitz das Wort, um dem Fest die rechte Weihe zu verleihen. Die ehemaligen Kriegsteilnehmer ließen es sich nicht nehmen, dem neuen Sefer wunderbare silberne Klej Kaudesch (silberner Toraschmuck) zu stiften. Fast der ganze Ort hatte geflaggt."        

   
Feier zum 100jährigen Bestehen der Synagoge (1926)  

Grosskrotzenburg Israelit 01071926.jpg (45307 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juli 1926: "Großkrotzenburg, 1. Juli (1926). Die hiesige Gemeinde sieht auf das hundertjährige Bestehen ihrer schönen Synagoge zurück, und soll dieser Anlass am Sonntag, den 25. Juli, nachmittags festlich begangen werden. Das Fest wird bestehen in einer akademischen Feier in der Turnhalle und einer gemütlichen Zusammenkunft am Abend. Freunde der Gemeinde und auch auswärtige Gäste sind herzlich willkommen."   
 
Grosskrotzenburg Israelit 05081926.jpg (182174 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Juli 1926: "Großkrotzenburg, 5. August 1926: "Großkrotzenburg, 1. August (1926). Am 25. Juli dieses Jahres beging die Gemeinde Großkrotzenburg bei Hanau am Main das hundertjährige Bestehen ihrer Synagoge. Aus diesem Anlass fanden unter lebhafter Anteilnahme der gesamten Bevölkerung eine Reihe von Feiern statt. Nahezu sämtlich Häuser des Dorfes waren mit Fahnen und Girlanden geschmückt.   
Nachdem am Vortage in Anwesenheit des Herrn Rabbiner Dr. Gradenwitz - Hanau ein Festgottesdienst stattgefunden hatte, folgte abends ein Kommers, an dem die Gemeindeverwaltung, der Turn-, der Gesangs-, der Krieger- und sämtliche anderen Vereine durch Ansprachen und Vorführungen sich beteiligten. Im Mittelpunkt der Feier des nächsten Tages stand ein akademischer Festakt. Nach Begrüßungsworten des Herrn Markus Hirschmann, als Vorsteher der Synagogengemeinde, ergriff ein Vertreter des Landratsamtes Hanau das Wort, der den Landrat Kaiser, welcher selbst zu erscheinen die Absicht hatte, entschuldigte und betonte, wie sehr auf dem Lande das Gotteshaus der Mittelpunkt des ganzen Lebens sei. Hierauf hielt Herr Rechtsanwalt Dr. Koref, als Vertreter des Vorsteheramtes der Israeliten in Hanau eine längere Glückwunschrede. Herr Bürgermeister Noll hob das außerordentlich gute Einvernehmen der christlich und jüdischen Bevölkerung hervor, das sich in Freud und Leid stets gezeigt habe und betonte, wie wertvoll ihm immer die Mitarbeit der jüdischen Vertreter im Gemeinderat wäre. Herr Sichel überbrachte Glückwünsche der Synagogengemeinde Hanau. Der Rektor der christlichen Volksschule Großkrotzenburg betonte das enge Zusammenarbeiten und die gute Harmonie zwischen den beiden konfessionellen Schulen des Ortes und ihren Lehrkräften. Syndikus Erwin Baer überbrachte die Glückwünsche des 'Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens' und betonte, dass wir erst dann wieder zur Gesundung kommen, wenn überall in Deutschland eine solche Eintracht zwischen den Konfessionen und Ständen herrsche, wie sie sich hier zeige. Der Vorsitzende des Kriegervereins wies darauf hin, wie bedeutsam eine hundertjährige Geschichte sei. Hierauf hielt Herr Lehrer Schuster die abschließende Festrede. Unter den verlesenen Glückwünschen ist besonders der des zur Erholung auswärts weilenden Herr Pfarrer Erb von der katholischen Kirchengemeinde zu erwähnen."      

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet und völlig verwüstet. Am Nachmittag des 10. November 1938 waren etwa einhundert Personen in die Synagoge eingedrungen, hatten die Inneneinrichtung mit Äxten zerstört und Torarollen, Gebetsbücher sowie die zertrümmerten Einrichtungsgegenstände (zerstörte Bänke und Schränke) auf den Hof geworfen. Auch die an die Synagoge angrenzende jüdische Schule mit der Lehrerwohnung wurden zerstört und geplündert. 
 
Das Synagogengebäude blieb erhalten, kam im März 1939 in den Privatbesitz eines Landwirtes, dessen Bruder es bis 1947 gewerblich nutzte (Einrichtung einer Maschinenstrickerei). 
   
1952
erwarb das Gebäude die Evangelische Kirchengemeinde und nutzte sie bis 1974 als Kirche ("Kapelle Immanuel"; Einweihung war durch Probst Wibbeling am 9. November 1952). Nach 1977 wurde das Gebäude als Heim des Vereins "Aquarien- und Terrarienfreunde Großkrotzenburg e.V." verwendet, bis die Gemeinde Großkrotzenburg 1988 das Anwesen erwarb und bis 1991/92 als Gedenk- und Begegnungsstätte renovieren und herrichten ließ (die zeitweise Vermietung des Gebäudes durch den Gemeindevorstand an die neuapostolische Kirche aus Seligenstadt zur Nutzung als Kirche 1994 stieß auf Unverständnis und Widerstand bei zahlreichen engagierten Personen am Ort). Im Blick auf die konzeptionelle Nutzung des Hauses wurde der Arbeitskreis Ehemalige Synagoge gegründet, dem Vertreter der Kommune, der örtlichen Parteien, der Kirchen, Schulen und interessierte Bürgerinnen und Bürger angehören. Auf der Empore wurde eine Dauerausstellung zur jüdischen Geschichte installiert. Im Haus selbst finden seit der Renovierung des Gebäudes Gedenkveranstaltungen, Vorträge, Lesungen, Ausstellungen und weitere kulturelle Veranstaltungen statt. Eine von der Butzbacher Künstlerin Dina Kunze angebrachte Gedenktafel enthält die Namen der in der NS-Zeit ermordeten Großkrotzenburger Juden.        
  
  
Adresse/Standort der Synagoge:    Steingasse 10      Link zu den Google-Maps  
  
Träger der Einrichtung "Ehemalige Synagoge Großkrotzenburg": Gemeinde Großkrotzenburg, Bahnhofstraße, 63538 Großkrotzenburg. Tel. 06186/2009-0
    
Ansprechpartner für den "Arbeitskreis Ehemalige Synagoge" (Max-Planck-Straße 1, 63538 Großkrotzenburg), Pfarrer Heinz Daume, Tel. 06186/900607 E-Mail  
  
Die ehemalige Synagoge kann nach Vereinbarung besichtigt werden. Der Eintritt ist frei; Führungen nach Vereinbarung.  
  
Das Gebäude der ehemaligen Schule mit Lehrerwohnung ist als Wohnhaus (unmittelbar nördlich der ehemaligen Synagoge) erhalten. 
  
  

Fotos
(Quelle: Pläne: Th. Altaras 1994 S. 135; Synagoge als Kirche: Arnsberg Bilder S. 79; neuere Außenaufnahme Website www.tag-des-offenen-Denkmals.de)  

Pläne Grosskrotzenburg Synagoge 090.jpg (38586 Byte) Grosskrotzenburg Synagoge 091.jpg (58933 Byte)
   Lageplan von Synagoge, Schule und 
rituellem Bad mit Eintragung der 
Erweiterung der Synagoge um 1900 
 Ansicht von Norden mit Eintragung der
 Erweiterung um 1900 - das Gebäude 
wurde um ca. 5 Meter verlängert 
       
Grundrisspläne vor und 
nach dem Umbau um 1900
Grosskrotzenburg Synagoge 092.jpg (90659 Byte) Grosskrotzenburg Synagoge 093.jpg (173092 Byte)
  Grundrissplan der Synagoge 1826-1900  Grundrissplan der Synagoge nach 1900 
     
Innenaufnahme aus der Festschrift von 
Joseph Berberich von 1926 S. 20 
Grosskrotzenburg Synagoge B103.jpg (105910 Byte)  
  Blick zum Toraschrein, davor Vorlesepult 
(mit Abschrankung) 
  
        
Die ehemalige Synagoge 
als evangelische Kirche 
(1952-1974)
Grosskrotzenburg Synagoge 106.jpg (101494 Byte)    Grosskrotzenburg Synagoge B102.jpg (64595 Byte)
  Blick von Südwesten    Gedenkfeier am 9.11.1988 in der noch 
nicht renovierten ehemaligen Synagoge 
  
              
Nach der Renovierung 1992
(Aufnahmen  aus der Begleitschrift s.u.)
Grosskrotzenburg Synagoge B100.jpg (90150 Byte) Grosskrotzenburg Synagoge B101.jpg (74082 Byte)
  Im ehemaligen Betsaal 
mit Blick zur Empore 
Blick zum Platz des ehemaligen 
Toraschreines mit hebräischer Inschrift:
 "Erkenne, vor wem Du stehst" 
  
     
Die ehemalige Synagoge 
in Großkrotzenburg nach der 1992
 abgeschlossenen Renovierung 
Grosskrotzenburg Synagoge 112.jpg (60790 Byte) Grosskrotzenburg Synagoge 111a.jpg (71329 Byte)
      Blick auf die westliche Seite 
mit dem Eingang 
Das "Denkmal" vor der 
ehemaligen Synagoge 
        
Fotos März 2010 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 2.3.2010)
      
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Die nördliche Traufseite  Die südliche Traufseite  Blick von Südosten 
     
  Grosskrotzenburg Synagoge 172.jpg (93451 Byte)  
  Das "Denkmal"   

    
    
Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Großkrotzenburg   mit Informationsseite zur Synagoge in Großkrotzenburg 
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Großkrotzenburg (interner Link)  
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Großkrotzenburg 

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Großkrotzenburg 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Großkrotzenburg sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,400   Geburtsverzeichnis männlicher Juden von Großkrotzenburg  1795 - 1825; enthält ein Verzeichnis der Söhne und ihrer Väter jeweils mit Angaben zum Gewerbe 
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5319768        
HHStAW 365,397   Geburtsregister der Juden von Großkrotzenburg   1824 - 1908   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5319768     
HHStAW 365,399   Sterberegister der Juden von Großkrotzenburg  1825 - 1908  [zum Teil schlecht lesbar]   https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4101084            
HHStAW 365,398   Trauregister der Juden von Großkrotzenburg  1827 - 1908    https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1230096       

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 290-292.   
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 79.  
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 150.   
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 134-136.
dies.: Neubearbeitung der beiden Bände. 2007² S. 331-332.    
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 207.   
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 415-416. 
Joseph Berberich: Die israelitische Gemeinde Großkrotzenburg am Main. Festschrift zur Jahrhundertfeier des Synagogenbaues im Juli 1926. o.O.o.J. (vermutlich 1926)
Willi Euler: Rückblick auf die jüdische Gemeinde Großkrotzenburg. Großkrotzenburg 1983.
Grosskrotzenburg Lit 019.jpg (39846 Byte)Abraham Frank / Heinz Klab / Monika Ilona Pfeifer: Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens. Die jüdische Gemeinde und der jüdische Friedhof zu Großkrotzenburg. Hrsg.: Arbeitskreis 'Ehemalige Synagoge Großkrotzenburg'. CoCon-Verlag Hanau 2002.   
  
Begleitschrift zur Gedenk- und Übergabefeier in der ehemaligen Synagoge der Gemeinde Großkrotzenburg am 9. November 1992. Hrsg. vom Gemeindevorstand der Gemeinde Großkrotzenburg. Text von Michael Paap. Großkrotzenburg 1992. 
Nachstehend der Text dieser - 17 Seiten umfassenden - Begleitschrift:   
Grosskrotzenburg Begleitschrift 9201.jpg (79959 Byte) Grosskrotzenburg Begleitschrift 9203.jpg (123469 Byte) Grosskrotzenburg Begleitschrift 9204.jpg (216072 Byte) Grosskrotzenburg Begleitschrift 9205.jpg (175743 Byte)
Titel  Seiten 3-4  Seiten 5-6  Seiten 7-8 
           
Grosskrotzenburg Begleitschrift 9206.jpg (135830 Byte) Grosskrotzenburg Begleitschrift 9207.jpg (170237 Byte) Grosskrotzenburg Begleitschrift 9208.jpg (119499 Byte) Grosskrotzenburg Begleitschrift 9209.jpg (177416 Byte)
Seiten 9-10 Seite 11-12: Zeittafel zur
 Geschichte der jüdischen
 Gemeinde Großkrotzenburgs
Seiten 13-14: Anhang mit
 Literaturhinweisen 
  
Seiten 15-16: Nutzungsordnung
 für die ehemalige Synagoge der
 Gemeinde Großkrotzenburg 1992
  
 

    
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Großkrotzenburg Hesse-Nassau. Jews settled there in the 17th century and founded a community, dedicating a synagogue in 1826 and maintaining an elementary school (1855-1933). They numbered 161 (about 10 % of the total) in 1905 and 137 in 1925. Affiliated with the rabbinate of Hanau, the community also drew members from Gross-Auheim. Most Jews left before Kristallnacht (9-10 November 1938), when the synagogue's interior was destroyed. Fifty-two emigrated and at least 45 (including 'euthanasia' victims) died in the Holocaust.   
     
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 10. Mai 2016