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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Rexingen (Stadt Horb am Neckar,
Kreis Freudenstadt)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Nachstehende Texte müssen noch
überarbeitet werden - bitte schauen Sie bei Gelegenheit wieder vorbei.
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts dem
Johanniterorden gehörenden Rexingen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1939/42.
Ihre Entstehung geht in das 17. Jahrhundert zurück, als sich während und nach
der Zeit des Dreißigjährigen Krieges die ersten jüdischen Familien
niederlassen konnten.
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde 1846 mit 427
Personen bzw. 1885 mit 425 Personen erreicht.
Die Gemeinde gehörte bis 1911 zum Rabbinat Mühringen,
seit 1914 zum Rabbinat Horb.
Die Namen der 15 jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs finden sich auf einer Gedenktafel (mit Bildern) im Rathaus (Ratssaal). Die
ehemaligen aus der Synagoge erhaltenen Gefallenen-Gedenktafeln werden im
Erdgeschoss des ehemaligen Synagogengebäudes (heute: evangelische Kirche) aufbewahrt.
Die meisten jüdischen Familien
lebten vom Viehhandel oder waren als Metzger, Wirte und Inhaber von
Gemischtwarengeschäften tätig. An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden,
in jüdischem Besitz befindlichen Handels- und Gewerbebetrieben sind bekannt: Lebens- und Futtermittelhandel Ferdinand Bamberger
(Bergstraße 30), Vieh- und Rohwarenhandlung Siegmund Bodenheimer (Johanniterstraße
30), Handel mit Hosen, Seifen und Waschartikeln Willi Bodenheimer (Kirchstraße
31), Viehhandlung Isidor David (Schöllerstraße 5), Viehhandlung Max Fröhlich (Freudenstädter
Straße, abgebrochen), Vieh-, Pferde- und Rauchwarenhandlung Elias Gideon
(Kirchstraße 27), Viehhandlung Richard Gideon (Johanniterstraße 14), Viehhandlung Samuel Gideon
(Bergstraße 29), Viehhandlung Siegmund Gideon (Kirchstraße 25), Viehhandlung und Metzgerei Heinrich Heimann
(Bergstraße 30), Vieh- und Fellhandlung Alfred Hopfer (Freudenstädter Straße
32), Viehhandlung Hermann Hopfer (Kirchstraße 12), Viehhandlung Julius Hopfer (Freudenstädter
Straße 30), Altgummi- und Autoreifenhandlung Josef Interstein (Lichtenbergstraße
3), Viehhandlung Adolf Landauer (Lichtenbergstraße 5), Viehhandlung Max Landauer (Osterhaldeweg 19), Viehhandlung Hermann Lemberger
(Kirchstraße 29), Viehhandlung Karl und Isidor Lemberger (Freudenstädter Straße
11), Viehhandlung Simon Lemberger (Osterhaldeweg 13), Viehhandlung Adolf Levi (Freudenstädter
Straße 5), Kohlenhandlung Alfred Levi (Osterhaldeweg 7), Vieh- und Rauchwarenhandlung Elias Levi
(Kirchstraße 19), Viehhandlung Jacob Levi (Lichtenbergstraße 22), Viehhandlung Samuel Levi
(Kirchstraße 19), Viehhandlung Simon Levi (Freudenstädter Straße 20), Metzgerei und Wirtschaft
"Zum Deutschen Kaiser", Leopold Liebmann (im Besitz der Fam. Gideon) Freudenstädter
Straße 14), Viehhandlung Manfred Löwengard (Lichtenbergstraße 25), Viehhandlung Max Löwengard (Schöllerstraße, abgebrochen), Viehhandlung Rudolf Löwengard
(Lichtenbergstraße 24), Viehhandlung Walter Löwengard (Lichtenbergstraße 27), Kolonialwaren Juditha Löwenstein
(Bergstraße 37), Viehhandlung Leopold Löwenstein (Freudenstädter Straße 22), Manufakturwaren David Neckarsulmer
(Bergstraße 18), Kolonial- und Manufakturwaren Viktor Neckarsulmer OHG (Bergstraße
7), Viehhandlung Isidor Ottenheimer (Bergstraße 31), Fischhandel Gertrud Pollack
(Kirchstraße 7), Fellhandel Selig Poßnansky (Schöllerstraße 5), Fellhandel Alfred Pressburger
(Lichtenbergstraße 34), Viehhandlung Heinrich Pressburger (Lichtenbergstraße
26), Viehhandlung Josef Pressburger (Freudenstädter Straße 12), Viehhandlung Josef M. Pressburger (Freudenstädter
Straße 9), Lebensmittel und Futterhandel Isak Pressburger (Freudenstädter Straße
70), Viehhandlung Julius E. Pressburger (Bergstraße 41), Viehhandlung Julius M. Pressburger (Freudenstädter
Straße 18), Viehhandel und Rauchwaren Leopold und Willi Pressburger (Osterhaldeweg 1), Viehhandel und Landwirtschaft Max und Adolf Pressburger (Schöllerstraße
10/12), Viehhandlung Sally Rosenfelder (Bergstraße 36, abgebrochen), Woll-Lager Toni Schott (Freudenstädter
Straße 36), Viehhandlung Elias Schwarz (Freudenstädter Straße 29, abgebrochen), Viehhandlung Leopold Schwarz (Freudenstädter
Straße 31), Viehhandlung Ludwig Schwarz (Johanniterstraße 28), Viehhandlung Leopold Schwarz jr.
(Bergstraße 36, abgebrochen), Teppichgroßhandlung Martin Schwarz (Bergstraße
29), Viehhandlung Rudolf Schwarz (Freudenstädter Straße 17), Textilwaren Siegfried Schwarz
(Lichtenbergstraße , abgebrochen), Viehhandlung Hirsch Straßburger (Bergstraße
35), Viehhandlung Willi Wälder (Johanniterstraße 16/18), Viehhandel und Wirtschaft
"Zur Rose" Leopold Wälder (Lichtenbergstraße 14), Mehlhandlung Simon Weil
(Bergstraße 5), Viehhandel und Rauchwaren Max Zürndorfer (Lichtenbergstraße
16), Pferdehandlung Siegmund Pressburger (Freudenstädter Straße 45 und 48).
Auf Grund der Judenverfolgungen und -ermordungen in der
NS-Zeit kamen von den 1933 noch in Rexingen wohnhaften 217 jüdischen Einwohnern
mindestens 70 ums Leben. Die Gemeinde erfuhr durch die Auswanderung eines Teils
ihrer Mitglieder 1938 eine Neugründung in der israelischen Siedlung Shavei Zion
nördlich von Akko.
Von den in Rexingen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Auguste Adler geb.
Weil (1876), Mina Auerbacher geb. Schwab (1888), Feidel Bamberger (1878) Bona
Bodenheimer geb. Schwarz (1887), Josef Bodenheimer (1882), Willi Bodenheimer
(1887), Rosalie Dampf geb. Ettlinger (1869), Klara David geb. Löwenstein
(1875), Simon Eichstetter (1876), Salomon Elsässer (1874), Sara Elsässer geb.
Schwarz (1882), Selma Emanuel geb. Landauer (1891), Auguste Eppstein geb.
Schwarz (1877), Alice Esslinger geb. Stern (1905), Helmut Esslinger (1936),
Viktor Esslinger (1897), Auguste Fröhlich geb. Schwarz (1869), Martha Fröhlich
geb. Münz (1895), Simon Fröhlich (1898), Bertha Gideon geb. Schwarz (1880),
Elias Gideon (18890), Emilie Gideon geb. Bernheim (1870), Rosa Gideon (1871),
Siegmund Gideon (1872), Mina Goldberger geb. Leiter (1896), Klara Haarburger
geb. Levi (1879), Max Haarburger (1874), Rudolf Hely (1898), Erna Heß geb.
Lemberger (1903), Richard Heß (1930), OIga Hopfer geb. Landauer (1886), Julius
Hopfer (1873), Salli Hopfer (1903), Arnold Isenberg (1891), Friederike Isenberg
geb. Leopold (1889), Pauline Kahn verh. Wälder (1887), Mina Krautheim geb.
Eichstetter (1876), Ida Krailsheimer geb. Eisemann (1900), Sarah Krautmann
(1900), Klara Landauer geb. Fröhlich (1853), Erich Lemberger (1935), Agnes
Lemberger (1903), Fanny Lemberger geb. Bensinger (1893), Flora Lemberger (1890),
Hilde Lemberger geb. Schwarz (1909), Isidor Lemberger (1892), Lothar Lemberger
(1933), Rosa Lemberger geb. Gideon (1900), Siegfried Lemberger (1935), Sigwart
Lemberger (1927), Thusitte Lemberger geb. Straßburger (1870), Toni Lemberger
(1908), Elias Levi (1879) Hedwig Levi geb. Gideon (1879), Jeanette Levi geb.
Hahn (1883), Kläre Levi (1920), Laura Levi (1876), Rosa Levi geb. Hess (1881),
Salomon Levi (1874), Samuel Levi (1883), Siegfried Levi (1877), Sigmund Levi
(1873), Simon Levi (1867), Betti Löwengart geb. Löwengart (1879), Rosa
Löwengart geb. Zürndorfer (1875), Auguste Löwenstein (1892), Juditha Löwenstein
geb. Weil (1882), Blanda Meyer geb. Schwarz (1882), Berthold Neckarsulmer
(1869), Cilly Neckarsulmer geb. Schwarz (1880), David Neckarsulmer (1874),
Gretchen Neckarsulmer geb. Kohn (1883), Peppi Oppenheimer (1865), Thekla
Oppenheimer (1869), Lina Ottenheimer geb. Löwenstein (1862), Gertrud Pollak
geb. Löwenstein (1883), Johanna Poznanski geb. Caspary (1872), Abraham
Pressburger (12861), Bertha Pressburger geb. Kahn (1876), Elsa Pressburger geb.
Neckarsulmer (1879) Fanny Pressburger geb. Landauer (1892), Isak Pressburger
(1881), Josef Pressburger (1886), Kathi Pressburger geb. Gideon (1882), Leopold
Pressburger (1867), Lina Pressburger (1889), Pauline Pressburger geb.
Pressburger (1875), Siegbert Pressburger (1923), Josef Rothschild (1873), Rosa
Rothschild geb. Lindner (1876), Rebekka Sander geb. Mayer (1870), Selma Schorsch
geb. Schwarz (1881), Elias Schwarz (1882), Gertrud Schwarz geb. Ottenheimer
(1884), Isak Schwarz (1872), Louis Schwarz (1880), Rudolf Schwarz (1894), Selma
Schwarz geb. Gideon (1877), Sofie Schwarz geb. Lämmle (1880), Thekla Schwarz
geb. Schwarz (1893), Trude Schwarz (1922), Zilli Schwarz (1906), Hedwig Sinn
geb. Weil (1888), Siegfried Stern (1872, David Wälder (1883), Ilse Wälder
(1922), Wilhelm Wälder (1880), Zilli Wälder geb. Weil (1885), Adele Weil
(1885), Friederike Weil geb. Pressburger (1881), Simon Weil (1875), Sara
Weinschenk geb. ? (1877).
Die Liste ist noch unvollständig.
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1889
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Januar 1889: "In hiesiger circa
90 Familien zählenden israelitischen Gemeinde soll ein tüchtiger
Vorbeter angestellt werden, welcher zugleich die 2. Lehrerstelle an der
israelitischen Elementarschule zu versehen hätte. Die hiefür ausgesetzt
Besoldung beträgt 1.000 eventuell 1.100 Mark nebst freier Wohnung, wo
bemerkt wird, dass in hiesiger großer Gemeinde durch Stundengeben usw.
Gelegenheit zu Nebenverdienten geboten ist. Die Bewerber müssen
seminaristische Bildung genossen haben und neben deutschem Vortrag mit
einer kräftigen, angenehmen Stimme begabt sein. Meldungen, mit Zeugnissen
versehen, sind bis zum 25. Januar 1889 zu richten an das
Israelitische
Kirchenvorsteheramt. Rexingen in Württemberg." |
25-jähriges Lehrerjubiläum von Lehrer Spatz (1912)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. Mai 1912:
Rexingen. Hauptlehrer Spatz, das bekannte Vorstandsmitglied des
württembergischen israelitischen Lehrervereins, feiert am 16. Mai sein
25-jähriges Lehrerjubiläum." |
Beitrag von Oberlehrer Spatz (Rexingen) und Dr. Max Grunwald (Wien) über
"Die Juden als Bewahrer altdeutscher Volkssitten" (1927)
Artikel
in der CV-Zeitung (Zeitschrift des "Central-Vereins" vom 11.
Februar 1927.
Der Artikel ist nicht ausgeschrieben, da er keine Informationen zur
jüdischen Geschichte in Rexingen beinhaltet. Bei Interesse bitte
anklicken. |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Bürgerliche Gemeinderatswahlen - ein jüdisches
Gemeindeglied erhält eine hohe Anzahl von Wählerstimmen (1884)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Januar 1884: "Rexingen (Württemberg).
Die heute hier vorgenommene Gemeinderatswahl gab ein glänzendes Zeugnis
von dem friedlichen Zusammenleben der Angehörigen der verschiedenen
Konfessionen in hiesiger Gemeinde. Denn von 166 zumeist von Christen
abgegebenen Stimmen vereinigten sich auf das bisherige israelitische
Mitglied dieses Kollegiums 158 Stimmen. Überhaupt ist unserm Bezirke
nichts von antisemitischen Bestrebungen bemerkbar, trotzdem er stark von
Israeliten bevölkert ist." |
Bezirkstagung des Landesverbandes Württemberg des gesetzestreuen Judentums in
Rexingen (1932)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1932: "Bezirkstagung
des Landesverbandes Württemberg. Stuttgart, 5. September (1932). Am
Sonntag, den 28. August, hielt der Landesverband für die Interessen des
gesetzestreuen Judentums in Württemberg seine erste Bezirkstagung ab. In
dem hübsch gelegenen Schwarzwalddörfchen Rexingen, das eine recht
bedeutende Gemeinde beherbergt, hatte sich in dem jüdischen Gasthofe
‚Zum Kaiser’ eine sehr stattliche Anzahl von Glaubensgenossen
jeglichen Alters und Geschlechtes zusammen gefunden, zum Teil aus
entfernten Teilen des Landes. Herr Oberlehrer Spatz begrüßte im Namen
der Gemeinde die Versammlung; Herr Moses Herz aus Hall, der Vorsitzende
des Landesverbandes, eröffnete die Tagung mit einem ehrenden Nachruf auf
den kürzlich verstorbenen Siegfried Kahn in Cannstatt, der als Mitglied
der Landesversammlung und als Vorstandesmitglied des Landesverbandes sich
hohe Verdienste um die Sache der Gesetzestreuen erworben habe. Dann gab
Herr Herz einen Bericht über die Tätigkeit des Landesverbandes, über
seine Zwecke und Ziele. Herr Rabbiner Dr. Bohrer aus Gailingen sprach in
seinem Vortrage ‚über die Gefahren der Gegenwart’. Er ging von dem
Satze aus: die Juden sind durch drei Eigenschaften ausgezeichnet: ‚Aufrichtigkeit,
Barmherzigkeit und Wohltätigkeit’, ‚sie sind züchtig und
schamhaft, mitfühlend und menschenliebend’ und warnte vor der gegenwärtig
sich breit machenden Schamlosigkeit und Unsittlichkeit, Ehescheu und
Mischehen-Seuche. Er führte Beispiele rührender Wohltätigkeit und brüderlicher
Hilfsbereitschaft aus Krieg und Frieden an. Der zweite Redner, Rabbiner
Dr. M. Kahn aus Mergentheim sprach über die ‚Aufgaben der Gegenwart’,
die in Rückkehr zum altüberlieferten Judentum bestehen, in Achtung vor
der Tora und dem von ihr ausgehenden Schrifttum, in dessen Studium und
treuen Befolgung. Er wies auf die in ganz Deutschland bemerkbare Rückkehr
zum talmudischen Studium hin und besprach noch die Hauptgebote wie Niddo,
Schabbos, Gottesdienst und brüderliches Zusammenhalten und Stolz auf die
Zugehörigkeit zum Gottesvolke. Der dritte Redner des Tages, Herr Dr. med.
Würzburger aus Heilbronn a.N. besprach mehr die praktischen Erfordernisse
der heutigen Zeit, den Kampf um die Schechito, wobei er ausführte, dass
diese Art der Tötung schon darum so vorzüglich sei, weil bei Gelegenheit
der von Religionsgesetz unbedingt geforderten Durchschneidung der Luft-
und Speiseröhre auch der zehnte Nerv getroffen wird, der das Herz
versorgt, sodass der Tod des Tieres sicher und schmerzlos und rasch
erfolgt. Dann verbreitete er sich auch noch über Einzelheiten von
Erziehungsfragen. Die Versammlung in ihrer bunten Zusammensetzung lauscht
trotz qualvoller Überfüllung des Saales und drückender Hitze voll
gespannter Aufmerksamkeit den mit warmer Begeisterung vorgetragenen Ausführungen,
ein Beweis, dass religiöse Gedanken und Gegenstände immerdar der
Teilnahme und Aufnahme sicher sind. Herr Herz sprach das Schlusswort und
forderte zum Beitritt zum Landesverband auf, was auch Erfolg hatte. Um das
Zustandekommen und den äußeren Rahmen der Tagung hat sich Herr Juda
Rothschild verdient gemacht; um einen hübschen anmutenden Sprechchor
haben sich zwei Lehrerseminaristen von Rexingen bemüht. Die deutlich
sichtbare Begeisterung und Mitgerissenheit der Zuhörer dürfte die
Anregung geben, auch in anderen Landesteilen ähnliche Versammlungen zu
veranstalten." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Jesaias Levi (1899)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. März 1899: "Rexingen bei
Horb. Dieser Tage starb hier der Senior der Gemeinde, Jesajas Levi,
einer der beliebtesten und geachtetsten Bürger Rexingens. Der merkwürdige
Mann hat ein Alter von nahe 86 Jahren erreicht und war bis vor wenigen
Tagen körperlich und geistig frisch und rüstig. Er interessierte sich
lebhaft für die Angelegenheiten der politischen wie der Kirchengemeinde,
las noch mit Eifer die Tagespresse und zitierte im täglichen Gespräch
seinen Schiller und Heine. Er besaß eine auf dem Lande seltenen Bildung
und Belesenheit. In seiner Jugend kam er als ‚wandernder Geselle’ nach
Karlsruhe, Baden-Baden, Heidelberg, Würzburg etc., wo er als ehrsamer
Handwerker arbeitete. Es gelang ihm jedoch nicht, in eine ‚Zunft’
aufgenommen zu werden, denn sein Name war zu biblisch. So zog er denn
wieder nach seiner Heimat, wo er lange Jahre sein Gewerbe betrieb, bis er
sich später ganz der Landwirtschaft widmete. Darin fühlte er sch glücklich.
Ein Sohn des Verstorbenen ist der Chef der Großfirma Levi und
Kocherthaler in Madrid und Barcelona und Ritter des Militärverdienstkreuzes
I. Klasse, ein zweiter Sohn ist Direktor in Barcelona, ein dritter
Mitinhaber eines großes New Yorker Hauses, einer ist Lehrer und Prediger
in Hechingen, die Tochter an Hauptlehrer Graf in Essen verheiratet, während
der älteste Sohn die Pflege des Vaters im Elternhause übernahm. Das Begräbnis
gestaltete sich zu einer großen Trauerkundgebung der katholischen und
israelitischen Bevölkerung Rexingens und der Umgegend. Die Armen beider
Konfessionen wurden zum ehrenden Andenken des Entschlafenen mit namhaften
Gaben bedacht. Am Grabe schilderte Herr Lehrer Ascher mit bewegten Worten
die Bedeutung und den Lebensgang des seltenen Mannes." |
Zum Tod des aus Rexingen stammenden Rabbiners / Privatgelehrten M.
Löwengard-Salem (1886 in Basel)
(Anmerkung: wurde als Maier Hirsch Löwengard am 5. März
1813 in Rexingen geboren)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Juni 1886:
"Der 'Schwäbische Merkur' schreibt: 'In der letzten Maiwoche ist in Basel
als Privatgelehrter der Landsmann, Jugend- und Studiengenosse Berthold
Auerbachs, M. Löwengard-Salem, gebürtig von Rexingen
bei Horb, im 74. Lebensjahr zu Grabe getragen worden. Derselbe betrat die gleiche
Bildungslaufbahn mit Berthold Auerbach, genoss den ersten rabbinischen
Unterricht mit demselben bei Rabbiner Gabiel Adler in Mühringen
und auf der Talmudschule in Hechingen.
Am Gymnasium in Stuttgart trafen die beiden Jünglinge wieder zusammen, um
auf den Universitäten Tübingen und Heidelberg gemeinsam dem Studium der
mosaischen Theologie obzuliegen. Ihre philosophischen Richtungen gingen
auseinander. Löwengard-Salem bezog die Universität, um ein Jünger
Schellings zu werden, und vertiefte sich in dessen philosophische
Richtung. Nachdem er die beiden Staatsprüfungen in Tübingen und
Stuttgart bestanden, wurde er im Kirchendienst als Rabbiner in Berlichingen,
Jebenhausen und Lehrensteinsfeld
verwendet. Er schrieb einige Monographien im Sinne Schellings'scher
Philosopheme und beteiligte sich durch einige Schriften am sog. Hamburger
Tempelstreit für die Reform des jüdischen gottesdienstlichen Kultus.
Später drängte ihn seine philosophische Richtung mehr und mehr in
mystische Anschauungen und der innere Konflikt zwischen Lehre und Leben
veranlasst ihn, aus dem praktischen Dienst der Synagoge auszutreten. 1859
nahm er seine Entlassung als Rabbiner in Lehrensteinsfeld und
folgte einem Rufe nach Mainz an die Redaktion des 'Israelit' von Dr.
Lehmann. Nur 2 Jahre hielt er dort aus; er zog sich dann ins Privatleben
zurück. Etliche 20 Jahre lebte er zurückgezogen als Privatgelehrter in Basel.
Sein Leichenbegängnis bewies, in welch' hoher Achtung er dort stand,
wofür auch die Nachrufe an seinem Grabe beredtes Zeugnis ablegten.' Im
Jahre 1841 gab er unter dem Pseudonym 'Juda Leon' heraus: 'Beiträge zur
Kritik der Reformbestrebungen in der Synagoge' (Stuttgart 1841) und 1843
in Berlin gegen die berüchtigte Schrift Ghillany's ''Die Menschenopfer
der alten Hebräer' eine Gegenschrift: 'Jehova, nicht Moloch, war der Gott
der Hebräer'." |
Der israelitische Kirchenpfleger Hayum Levi wird ausgezeichnet (1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1901:
"Stuttgart, 20. März (1901). Dem langjährigen Kassierer des
hieisgen Gewerbevereins, Herrn Buchhändler Moritz Levi, wurde das
Verdienstkreuz des Ordens der württembergischen Krone, dem israelitischen
Kirchenpfleger Hayum Levi in Rexingen die silberne
Verdienstmedaille verliehen." |
Verlobungsanzeige für Julius Lemberger und Hilde Schwarz (1930)
Artikel
in der "CV-Zeitung" (Zeitung des Central-Vereins) vom 7. November
1930:
"Hilde Schwarz – Julius Lemberger
Verlobte.
Horb a.N. – Rexingen bei Horb". |
Goldene Hochzeit von Abraham Jakob Fröhlich und Dorchen geb. Landauer (1909)
Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 3. Dezember 1909: "Rexingen.
Abraham Jakob Fröhlich und Frau Dorchen geb. Landauer, erhielten anlässlich
ihrer goldenen Hochzeit vom König von Württemberg dessen Bronzemodell
mit Widmung." |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen sowie einzelne weitere
Dokumente
Dokument um 1870
Der
Umschlag eines Briefes aus Alpirsbach ist adressiert an L. Löwengart,
Tabakhandlung in Rexingen. Das Datum ist außer "9.2." nicht
entzifferbar, da die verwendete Drei-Kreuzer-Marke jedoch zum 30.6.1875
ihren Wert verlor, dürfte der Brief zwischen 1869 und 1875 verschickt
worden sein.
(Briefumschlag aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim /
Ries; Überlegungen zur Datierung gleichfalls von ihm) |
A. Zürndorfer sucht für seine Wirtschaft und Bäckerei
eine Mitarbeiterin (1891)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Oktober 1891: "Rexingen bei
Horb (Württemberg). In meiner Wirtschaft und Bäckerei findet ein gut
geschultes, jüngeres, israelitisches Mädchen als Kellnerin und
zur Hilfeleistung in der Küche Stellung. Grundbedingung: Unbedingte
Ehrlichkeit. Eintritt 10. November. A. Zürndorfer, zur Traube." |
Spendenaufrufe für Bewohner des Heiligen Landes (1884/1888/1904)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. September 1884: "Verehrte
Glaubensgenossen! Rücksichtlich des höchst traurigen, bedenklich
sich erweiternden Notstandes, des verzweifelnden Elends des heiligen
Landes, nehme ich auch angesichts der bevorstehenden Feiertage, für die
Armen, insbesondere bei ihren notdürftigen Mitteln unmöglich zu
erschwingenden Ausgaben, dringendste Veranlassung, um schleunige
Hilfeleistung bei edel- und mildherzigen Menschenfreunden flehentlichst zu
bitten, und möge ihnen die Gewährung respektive zweckdienliche
Wirksamkeit (hebräisch und deutsch:) zu
Leben, Segen und Frieden gereichen.
Unterstützungsbeiträge werden direkt jede Woche an Würdige und
Hilfsbedürftige befördert und öffentlich darüber bescheinigt. Rexingen
bei Horb, Württemberg. Salomon Straßburger, Vorstands-Mitglied des
Diskinchen Waisenhauses zu Jerusalem." |
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Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. August 1888: "Innigst
dringende Bitte! Rücksichtlich der traurig bedenklichen Notlage und trübselig
entbehrungsvollem Dasein der Bewohner Palästinas, nehme ich ernste
Veranlassung für diesen hochdringlich würdigen Zweck um schleunige
hilfreiche Unterstützung inständigst zu bitten.
Rexingen (Württemberg). Salomon Straßburger." |
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Anzeige
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6. Mai 1904: "Letauwas
acheinu beerez hakdauschoh (zum Guten unserer Brüder im heiligen
Land) wird Erde des heiligen Landes, als auch das berühmte Isup gegen
beliebige Vergütung von mir versandt, sowie auch Hilfsbeiträge für
notleidende Arme, Witwen und Waisen, als sonstig hochdringlichwürdigen
Zwecke daselbst zur direkten Beförderung angenommen und erbeten. Öffentliche
Bescheinigung erfolgt in dieser Zeitung.
Rexingen, Württemberg. Salomon Strassburger. Vorstand des
hiesigen Palästina-Vereins." |
Dokument von 1894
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
Post-Einlieferungsschein
vom 6. Juni 1894 - Empfänger: Abraham Fröhlich in
Rexingen." |
Anzeige von M.W. Zürndorfer (1904)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Februar 1904: "Haushälterin-Gesuch.
Für ein älteres Ehepaar wird ein in Küche und Haushaltung erfahrenes,
tüchtiges Mädchen gesucht.
M.W. Zürndorfer, Rexingen (Württemberg)." |
Anzeigen des Manufakturwarenversandes M.W. Zürndorfer (1925/27)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November 1925:
"Für eine meiner eingeführten Touren suche ich per sofort einen
jüngeren Detailreisenden nur aus der Branche, der möglichst schon
gereist hat und mit Landkundschaft umzugehen versteht. Süddeutscher
bevorzugt. Geboten ist aussichtsreiche Stellung bei steigenden Bezügen.
Samstags geschlossen. Ausführliche Offerten mit Bild, Gehaltsansprüchen
und Aufgabe von Referenzen an
M.W. Zürndorfer, Manufakturwarenversand, Rexingen,
Württemberg." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juli 1927: "Für
eine meiner eingeführten Touren suche ich per 15. August oder 1.
September jüngeren tüchtigen Detailreisenden.
Herren aus der Branche, die bereits Landkundschaft mit Erfolg besucht
haben, wollen lückenlose Offerten mit Bild, Gehaltsansprüchen unter
Aufgabe von Referenzen einreichen.
M.W. Zürndorfer, Manufakturwaren- und
Aussteuerartikel-Versandgeschäft. Rexingen in
Württemberg." |
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Postkarte
von Rexingen mit Ansicht des Geschäftes von M.W. Zürndorfer und des
Gasthofes A. Zürndorfer
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries) |
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| Die Ansichtskarte wurde aus
Rexingen nach Davos in der Schweiz am 14. November 1904 verschickt. Der
Inhaber des Gasthofes A. Zürndorfer war damals Gemeinderat in Rexingen
und wurde noch im selben Jahr (1904) zum Ehrenbürger Rexingens
ernannt. |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Das Wohngebiet
konzentrierte sich auf das "Unterdorf" in der Nähe des ehemaligen
Johanniterschlosses. 1800 wurde ein großer Teil insbesondere der jüdischen Häuser
durch einen Brand zerstört.
Vor dem Bau einer Synagoge war vermutlich ein Betsaal
vorhanden. 1710 wurde eine erste Synagoge erbaut, die 1751/52
erweitert wurde. Ein halbes Jahrhundert später war auf Grund der größer
gewordenen jüdischen Gemeinde ein Neubau nötig. Dazu findet sich Näheres in
der Rabbinatsbeschreibung des Mühringer Bezirksrabbiner Dr. Michael Silberstein
(Rabbiner in Mühringen 1874-1884): "Die im Jahre 1710 erbaute Synagoge erwies
sich für die sich stark mehrende Gemeinde schon bald als zu klein; auch war
sie, da sie an einem feuchten Ort gelegen, ungesund und gewährte ein sehr ärmliches
Aussehen. Schon im Anfang dieses (sc. des 19.) Jahrhunderts trat daher die
Gemeinde mit dem Grundherrn, dem Grafen
von Thurn und Valsassina, wegen eines Bauplatzes in Verhandlungen, um eine
neue Synagoge [...} zu errichten. Die alte Synagoge sollte zu einem jüdischen
Armenhause oder Hospital umgestaltet werden, um vagierende Juden in demselben
unterzubringen. Der Grundherr erklärte sich auch, nachdem hierzu seitens des Provinzial-Kapitels
die Einwilligung erteilt war, bereit, gegen Annahme eines jährlichen
Bodenzinses zu diesem Zwecke einen Grasgarten zu gewähren. Dennoch kam es [...]
(damals) nicht zur Ausführung des Planes."
1830 bestand für die Gemeinde allerdings rascher Handlungsbedarf. Die alte Synagoge erwies sich als so baufällig, dass sie Anfang dieses Jahres auf Anweisung des Oberamtes geschlossen werden musste. Sie konnte ohne Gefahr nicht mehr betreten werden. Die Gemeinde beschloss den möglichst raschen Bau einer neuen Synagoge, doch konnte dieser erst 1836/37 durchgeführt werden, nachdem die Fragen der Bauausführung und der Finanzierung geklärt waren. Ein bereits seit einigen Jahren angelegter Synagogenbaufonds, in dem bis 1830 bereits 2.000 Gulden durch Umlagen und Spenden gesammelt waren, bildete den Grundstock. Doch wurden für den Neubau 9.000 Gulden veranschlagt. Von Seiten des Staates wurden 300 Gulden Zuschuss gewährt.
Die Bauarbeiten begannen im Frühjahr 1836. Die Grundsteinlegung war am 29. Juli 1836. Gut zwei Jahre später, am
28. August 1838, konnte das Gotteshaus durch Bezirksrabbiner Dr. Moses Wassermann aus Mühringen eingeweiht werden. Rabbiner Dr. Silberstein schreibt über den Neubau: "Die Synagoge in Rexingen, unstreitig die schönste des Rabbinatsbezirkes, ist auf terrassenförmig erhöhtem Platze errichtet, zu der steinerne Stufen in zwei Abteilungen hinaufführen. Vor der Synagoge befindet sich ein schöner Säulengang, zu dem gleichfalls einige steinerne Stufen hinaufführen. Für die Frauen sind zwei Seitengalerien angebracht. Vor der heiligen Lade, die sich an der Ostseite, dem Eingang gegenüber, befindet, steht die Kanzel, wohin links und rechts wie auch zur heiligen Lade, einige Stufen führen. Unterhalb der Kanzel sieht man einen marmorierten Stein, der dem Vorsänger auch als Betpult dient. An diesen schließen sich die Subsellien für die Kinder an, jedoch derart, dass noch ein ziemlich großer Platz bis zum Ausgang hin übrig bleibt. Für die männlichen Synagogenbesucher befinden sich rechts und links Subsellien, die durch weite, wohl allzu weite Zwischenräume voneinander getrennt sind. Trotz diesen weiten Zwischenräumen fasst die Synagoge doch bequem 500 bis 600 Personen. An den Wänden, insbesondere unter der östlichen Wand, erblickt man einige Tafeln, auf denen die Namen derer, die durch Stiftungen sich verewigt haben, verzeichnet sind. Im Jahr 1862 wurde das Plafond der Synagoge recht geschmackvoll gemalt, sowie das Holzwerk frisch angestrichen. Die Synagoge befindet sich in einem guten baulichen Zustand.".
Am 13. August 1887 beging die israelitische Gemeinde feierlich das Jubiläum des 50jährigen Bestehens ihrer Synagoge. Auch damals galt das Gebäude noch als „eines der schönsten jüdischen Gotteshäuser Württembergs“ (Allgemeine Zeitung des Judentums). Eigentlich sollte Rabbiner Dr. Wassermann, der 50 Jahre zuvor das Gebäude eingeweiht hatte und zum 25jährigen Jubiläum erschienen war, die Festrede halten, jedoch war dieser dienstlich verhindert. Daher hielt Bezirksrabbiner Dr. Adolph Jaraczewsky die Festrede. Ein Festzug hatte sich zur schön geschmückten Synagoge bewegt, wo der Festgottesdienst stattfand. Um 12 Uhr schloss sich ein Festmahl im Gasthaus
"zur Traube" an, an dem auch der katholische Geistliche und der Ortsvorstand teilnahmen. Mit einem Ball wurde der Festtag beschlossen.
50jähriges Jubiläum der Synagoge (1887)
Artikel in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. September 1887: "Ferner aus
Rexingen, Oberamt Horb, 14. August (1887). Die hiesige israelitische
Gemeinde beging gestern das Jubiläum des 50-jährigen Bestandes ihrer
Synagoge. Diese ist eines der schönsten jüdischen Gotteshäuser Württembergs
und wurde im August 1837 vom Kirchenrat Dr. von Wassermann, damaligem
Bezirksrabbiner in Mühringen, eingeweiht. Derselbe, der auch die Festrede
beim 25jährigen Jubiläum gehalten hatte, war von der Gemeinde zur Feier
eingeladen worden, war aber dienstlich verhindert, der Einladung Folge zu
leisten. Die Feier verlief in erhebender Weise. Ein Festzug bewegte sich
zur schön geschmückten Synagoge, woselbst Festgottesdienst stattfand und
der Bezirksrabbiner Dr. Jarazewsky von Mühringen eine mit großem Beifall
aufgenommene Festrede hielt. Um 12 Uhr war Festmahl im Gasthof zur Traube,
an dem auch der katholische Geistliche, Pfarrer Mangold und der
Ortsvorstand teilnahmen. Dr. Jarazewsky brachte den ersten, mit großer
Begeisterung aufgenommenen Toast auf Seine Majestät den König aus. Ein
Telegramm an Seine Majestät wurde huldvoll telegraphisch erwidert. Ein
Ball schloss den schönen Festtag." |
Genau 100 Jahre sollte die Rexinger Synagoge der jüdischen
Gemeinde als Zentrum des gottesdienstlichen Lebens dienen. Im Blick aus das
anstehende Jubiläum wurde die Synagoge im Winter 1933/34 und vor allem im
Sommer 1935 umfassend renoviert. Dabei wurden Säulen, Wände und Emporen in
hellem Weiß gestrichen, die mit der blauen Decke ein "freundliches Gesamtbild"
ergaben (Gemeindezeitung vom 16.12.1935). Almemor und die Ostwand über dem
Toraschrein erhielten eine "schöne Farbenabstufung". Die Gottesdienste fanden
bis September 1935 in den unteren Räumen der Wohnung von Rosa Löwengart statt.
Die Erneuerung der Synagoge wurde durch einen Zuschuss des Israelitischen
Oberrates, Opfer der Gemeinde und durch Spenden von auswärts wohnenden
Rexingern ermöglicht.
1937 feierte man die 100-Jahr-Feier der Synagoge,
ein Jahr zu früh, doch bereiteten sich damals bereits viele Rexinger Juden zur
Auswanderung nach Palästina vor (ein 60 ha großes Stück Ödland nördlich von
Akko, später Shavei Zion, wurde aufgekauft). Am 6. Februar 1938 beging
man mit der Gruppe der Auswanderer einen feierlichen Abschiedsgottesdienst in
der Synagoge. Viel Prominenz war in der Synagoge erschienen, darunter der
Stuttgarter Rabbiner Dr. Simon Bamberger und der frühere Horber Bezirksrabbiner
Dr. Abraham Schweizer sowie Ministerialrat a.D. Dr. Otto Hirsch. In den Tagen
darauf verließ die erste Siedlergruppe von 18 Familien Rexingen.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge von
SA-Leuten demoliert und angezündet. Victor Neckarsulmer, der zur Synagoge
eilte, berichtete: "die Synagoge brannte an verschiedenen Stellen. SA-Leute
rissen Lampen, Gedenktafeln für Verstorbene von Wänden und Becken. Mit Beilen
und Äxten wurde auf Vorbeterpult, auf Bänke und Torarollen eingeschlagen. Zu
diesem Zeitpunkt war ich noch der Ansicht, es würde sich um eine Einzelaktion
handeln... Daraufhin ging ich zu Bürgermeister Gunkel. Mit allen möglichen
Ausreden suchte er die wahren Gründe zu vertuschen... Als ich zur Synagoge zurückkam,
stand das Gebäude noch, aber das Gotteshaus war vollkommen ausgebrannt. Was übrig
war, wurde in einer Ecke im Synagogenhof aufgehäuft und erneut angezündet. Zum
Beispiel die Torarollen, Gebetbücher... Auf dem Weg nach meinem Haus wurde ich
verhaftet und in das Gefängnis in Rexingen eingeliefert..." Neckarsulmer wurde
nach Dachau verbracht. Nach seiner Entlassung und Rückkehr nach Rexingen übergab
ihm der örtliche Landjäger eine Torarolle, die er aus dem Aschenhaufen vor der
Synagoge gerettet hatte: "Heute ist diese Torarolle, etwas angebrannt, etwas mit
Messern zerstochen, aber sonst gut erhalten, im Gedenkraum der Rexinger in Shavei
Zion aufgestellt".
Das Synagogengebäude wurde im Zweiten Weltkrieg als ein
Holzlager der Waffenfabrik
Mauser (Oberndorf) zweckentfremdet. 1952 wurde das Gebäude als
Gemeindezentrum mit Gottesdienstraum der evangelischen Kirche umgebaut
(1984/95/2002/03 mehrere Renovierungen). Das Gebäude gehört nach wie vor
der Stadt Horb. Sie hat es an einen 1998 gegründeten Träger- und Förderverein
verpachtet.
Das Gebäude der alten Synagoge von 1710 (1751/52)
wurde 1835 abgebrochen. Sie stand unmittelbar neben dem 1759/60 gebauten
Gemeindehaus der jüdischen Gemeinde, in der sich ein Gemeindesaal mit Wohnungen
befand. Da das Gemeindehaus beim Abriss der Synagoge gleichzeitig erweitert
wurde, konnte ein Teil der Synagoge zu dieser Erweiterung verwendet werden. Aus
diesem Teil wurde vermutlich das Armenhaus der Gemeinde. Im Bereich des
Gemeindehauses befand sich gleichfalls das rituelle Bad. Der Portalstein der
alten Synagoge wurde 1835 in das Gemeindehaus eingebaut.
1977 wurde das ehemalige jüdische Gemeindehaus
abgebrochen, der Platz zur Straßenverbreiterung der Freudenstädter Straße
verwendet (Gebiet gegenüber der neuen Synagoge/evangelische Kirche). Im
ehemaligen neuen Synagogengebäude ist ein Gedenkraum für die jüdische
Gemeinde eingerichtet (u.a. mit der Portalinschrift der alten Synagoge, den
Gefallenen-Gedenktafeln des Ersten Weltkrieges und Gedenktafeln mit den Namen
der in der NS-Zeit umgekommenen Rexinger Juden).
In Shavei Zion erinnert die 1968 von Arthur Löwengart
(1899-1973) gestiftete Gedenkhalle an die in der Verfolgungszeit umgekommenen
Rexinger Juden. In ihr wird auch die Beim Novemberpogrom 1938 gerettete
Tora-Rolle aus der Synagoge Rexingen aufbewahrt.
Fotos
Historische Fotos
(Quelle: Postkarte um 1900 in: Gräber im Wald s. Lit. S.
144; darunter Innenansicht SM Jerusalem; die übrigen aus Jüdische Gotteshäuser und Friedhofe in Württemberg. 1932. S.
118f.; Foto mit Lehrer Spatz aus: Mittelungen des Träger- und Fördervereins
ehemalige Synagoge Rexingen Nr. 6, Januar 2004)
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| Die Rexinger Synagoge auf
einer Postkarte um 1900 |
Eingangsbereich der Synagoge mit Gebotstafeln |
Innenansicht der Synagoge |
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| Weitere Innenansicht der
Synagoge mit den Gefallenendenktafeln rechts und links des Toraschreines |
Oben: Portalinschrift der alten Synagoge von 1752 mit Zitat aus Psalm
118,20: Dies ist das Tor zum Ewigen; die Gerechten ziehen durch es
hinein" |
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Links: Jüdische
Schülerinnen und Schüler mit ihrem Lehrer Samuel Spatz (1, 1867-1935)
vor der Rexinger Schule: 2. Hans Rothschild (1917), 3. Irene Levi-Hahn
(1914), 4. Bella Schwarz Breeler (1915), 5. Gretel Gideon-Dreyfuss (1916),
6. Ludwig Heimann (1914), 7. Bruno Weil (1916), 8. Siegbert Schwarz
(1915), 9. Hanna Lemberger-Zürndorfer (1915), 10. Betti Gideon-Kleemann
(1918), 11. Kurt Klopfer (1920), 12. Kurt Löwengart (1917-1981), 13.
Martin Pressburger (1916-1992), 14. Alfred K. Pressburger (1919-1990), 15.
Trudel Schwarz (1922-1941), 16. Meta Schwarz (1920), 17. Herbert Schwarz
(1922-1984), 18. Sigrete Pressburger-Schwab (1919), 19. Hilde
Pressburger-Sternschein (1919-1988), 20. Thea Bodenheimer-Tamara Blum
(1921), 21. Hanna Rothschild (1920), 22. Heinz Hopfer (1922-2000), 23.
Margot Pressburger-Hess (1921), 24. Ilse Wälder (?, 1922-1942). |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
| Foto des jüdischen
Gemeindehauses gegenüber der Synagoge (im Hintergrund Turm der
katholischen Kirche) |
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Das Gebäude des
früheren jüdischen Gemeindehauses, in der auch ein Teil der 1835
abgebrochenen alten Synagoge aufging und deren Portalinschrift eingemauert
wurde, 1977 abgebrochen |
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Fotos der ehemaligen Synagoge um 1985:
(Fotos: Sammlung Hahn; Fotograf der mit R bezeichneten Fotos: R.
Rasemann,
1987; die mit H bezeichneten Fotos von Hahn, 1983) |
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Ansicht der ehemaligen Synagoge von Südwesten (R) |
Ansicht von Süden (R)
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Die hebräische Inschrift über dem Eingang aus 1.Mose 28 (R) |
Darunter die deutsche Übersetzung des Verses (H) |
Der Eingangsbereich der ehemaligen Synagoge (H) |
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Fotos (1988)/2003
(*Fotos: A. Winkler;
Fotos: Hahn) |
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Die ehemalige Synagoge im
Herbst 1988 |
Foto (2003) von Süden* |
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| Eingangsbereich*
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Portalinschrift*
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Erinnerungstafel beim Eingang |
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| Gefallenengedenktafeln, heute
im Eingangsbereich |
darunter: Portalinschrift der
alten Synagoge (s.o.) |
Gedenkstätte in Shavei
Zion mit Torarolle aus Rexingen und Namen der Umgekommenen (Foto aus
Petzold s.Lit. S. 44) |
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Fotos vom
Februar 2008
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 15.2.2008) |
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| Ehemalige jüdische
Häuser rechts und links der Freudenstädter Straße |
Ehemaliges jüdisches
Ladengeschäft in der Freudenstädter Straße 13 |
Mesusa-Spur am
Hauseingang Freudenstädter Straße 15 |
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| Westfassade der
ehemaligen Synagoge |
Blick auf die ehemalige
Synagoge |
Erinnerungstafel am
Eingang |
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Innenaufnahme des
Kirchenraumes auf Höhe der ehemaligen Frauenempore |
Gefallenengedenktafel und
Portalinschrift der alten Synagoge |
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| Rückblick
auf eine Ausstellung in Rexingen: |
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"Ort
der Zuflucht und Verheißung. Shavei Zion 1938–2008" ist
der Titel einer deutsch-hebräischen Ausstellung zum 70. Jahrestag der Gründung
von Shavei Zion im Norden von Israel. Zehn Familien und mehrere
unverheiratete junge Männer aus der jüdischen Gemeinde Rexingen im
Schwarzwald wurden am 6. Februar 1938 in der Rexinger Synagoge
verabschiedet. Sie standen vor ihrer Auswanderung ins britische
Mandatsgebiet Palästina. Gemeinsam wollten sie Nazideutschland verlassen
und eine neue jüdische Gemeinde im Land der biblischen Väter aufbauen.
Ihnen schlossen sich Familien aus anderen, meist süddeutschen Gemeinden
an. Am 13. April 1938 wurde in Westgaliläa, direkt am Mittelmeer, die
Siedlung Shavei Zion gegründet. Der Träger- und Förderverein Ehemalige
Synagoge Rexingen hat mit Bürgerinnen und Bürgern von Shavei Zion eine
Ausstellung erarbeitet, die die Geschichte dieser dramatischen
Auswanderung und der neuen Gemeinde bis heute erzählt. Auch die
Freundschaftsbeziehungen zwischen Shavei Zion und Menschen und Gemeinden
in Baden-Württemberg, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten,
werden dargestellt. Die Erarbeitung der Ausstellung wurde möglich durch
die Unterstützung der Landesstiftung Baden-Württemberg, des Landkreises
Freudenstadt, der Oberschwäbischen Elektrizitätswerke und anderer. Die
Schirmherrschaft haben übernommen die Israelitische Religionsgemeinschaft
Württembergs und der Ministerpräsident den Landes Baden-Württemberg, Günther
H. Oettinger. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher, zweisprachiger
Katalog mit vielen, bisher nicht veröffentlichten Fotos und Dokumenten.
Die Eröffnung der Ausstellung war am
10. Februar um 15.00 Uhr in der Johanniterhalle in Rexingen.
Die
Ausstellung selbst ist in der Ehemaligen Synagoge in Rexingen, Freudenstädter
Straße 16, zu sehen.
Vom 12. Februar bis 9. März 2008, täglich außer
montags von 14.00 bis 20.00 Uhr, Schulklassen nach Anmeldung auch
vormittags.
Alle Freunde von Shavei Zion sind
herzlich nach Rexingen eingeladen.
Telefonische Auskunft zur Ausstellung unter: 0 74 51 / 62 06 89.
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Flyer
zur Ausstellung (als pdf-Datei herunterzuladen) |
| Die erste Auswanderergruppe auf dem
Schiff Galiläa auf dem Weg nach Palästina. |
Sally Lemberger, Bauer und Viehhändler
aus Rexingen, in Shavei Zion. |
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Eindrücke von
der Ausstellung
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 17.2.2008) |
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| An der Freudenstädter
Straße: Nachbau eines sog. "Lift" = Holzcontainer, mit dem
Möbel und Hausrat jüdischer Familien 1938 verfrachtet wurden |
Die Ausstellung ist im
Kirchenraum, der auf Höhe der ehemaligen Frauenempore eingerichtet wurde.
Teile der Gitter der Frauenempore sind erhalten. |
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| Blick in den
Ausstellungsraum auf Höhe der früheren Frauenempore. Zahlreiche Besucher
zeigen großes Interesse an der Ausstellung |
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| Einzelne Vitrine mit dem
Original eines hölzernen Grabschildes für den im Dezember 1941
gestorbenen Siegfried Lemberger |
Gebetbuch von Wilhelm Wälder,
1945 in der ehemaligen Synagoge gefunden |
Schulheft (Schule in Shavei
Zion) des 42-jährigen ehemaligen Tuttlinger Viehhändlers Julius
Fröhlich |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Samuel
Spatz: Die Geschichte der Juden in Rexingen. In: GZ Jg. I Nr. 3 vom
15.6.1924 S. 36-37. |
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und
Hohenzollern.
1968. S. 151ff. |
 | Hans Peter Müller: Die Juden in der Grafschaft Hohenberg, in: Der Sülchgau
25 (1981) S. 36-43. |
 | Arthur Löwengart: Geschichte der Juden in Rexingen, in:
Pessach-Festschrift 5731 (1971) S. 12-15. |
 | Günther und Leslie Petzold: Shavei Zion. Blüte in Israel aus schwäbischer
Wurzel. Gerlingen 1978. |
 | Stadtarchiv Horb (Hg.): In Stein gehauen. Lebensspuren auf dem jüdischen
Friedhof in Rexingen. 1997. |
 | Carsten Kohlmann: Die Synagoge in Rexingen - Ein Bauwerk aus dem
19. Jahrhundert, in: Schwäbische Heimat 2002/4 und 2003/1. |
 | Gräber im Wald. Lebensspuren auf dem jüdischen Friedhof in
Mühringen. Hg. vom Stadtarchiv Horb und vom Träger- und Förderverein
Ehemalige Synagoge Rexingen (= Jüdische Friedhöfe der Stadt Horb. Band
II). Stuttgart 2003.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Rexingen Wuerttemberg. The first permanent
Jewish settlers were refugees from Eastern Europe fleeing the Chmielnicki
massacres of 1648-49. They received residence rights but were heavily taxed by
the relatively tolerant Order of St. John. Under Wuerttemberg rule from 1805,
the Jews traded mainly in cattle but also purchased farm land to qualify for
citizenship under the Jewish Law of 1828. The Jewish population reached a peak
of 427 in 1854 (around a third of the total) and remained fairly stable in the
subsequent period of marked emigration. An especially high proportion of young
people followed in the footsteps of their elders in preserving the Orthodox
charakter of the community. The first synagogue was dedicated in 1710 and the cemetery
in 1760. A Jewish elementary school was opened in 1824. Relations with the local
population were marked by mutual respect and Jews participated in the town's
public life. With the return of Jewish soldiers after Worldwar I a new spirit
imbued the community and in 1924 a Zionist group was formed.
In 1933, there were 262 Jews in Rexingen, steadily isolated under Nazi rule, but
at the same time community life intensified. A youth hostel was opened in winter
1933-34 and Hebrew and English lessons were offered for potential emigrants. In
1938 a group of 38 young people left for Palestine and founded the moshav
shittufi Shavei Zion. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the
synagogue was vandalized and burned. Of the 380 Jews in Rexingen (including
another 118 added to the community in the intervening years), 174 emigrated; 128
were expelled to the east in late 1941 and 1942, mainly to the Riga and
Theresienstadt ghettoes; four survived. Of the 23 Jews in the attached community
of neighboring Tuttlingen, 14 emigrated and eight were expeled, five of
whom perished. The community is commemorated by a local monument and by a
memorial hall in Shavei Zion, where a damaged Torah scroll from Rexingen is
preserved.

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