Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Unterschwandorf Siegel.jpg (23030 Byte)


Unterschwandorf 
(Stadt Haiterbach, Landkreis Calw) 
Jüdische Geschichte / Synagoge


Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 
(english version see Baisingen)

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Freiherren von Kechler gehörenden Unterschwandorf bestand eine jüdische Gemeinde bis 1861. Ihre Entstehung geht in die Zeit Ende des 18. Jahrhunderts zurück. Erste Schutzbriefe für Juden wurden 1799 ausgestellt. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1841 mit 109 Personen erreicht (etwa ein Drittel der Einwohnerschaft). In den 1830er-Jahren wurde mit Gottlieb Moses Dessauer erstmals in Württemberg ein jüdischer Ortsbewohner zum Bürgermeister der Gemeinde gewählt. Er hatte dieses Amt über mehrere Jahre inne. 

Zur Geschichte der  Synagoge

In dem den jüdischen Familien am 2. Januar 1799 ausgestellten Schutzbrief war festgelegt, dass diese "ihre Religion, soweit es einer Judenschaft nach der Reichsverfassung vergönnte werden darf, ungehindert" ausüben dürften. Schon bald hat sich die jüdische Gemeinde an den Bau einer Synagoge gemacht. Von der Grundherrschaft konnte ein Grundstück gekauft und das kleine Gotteshaus im Jahr 1803 erbaut werden. Zur Finanzierung des Gebäudes hatten unter anderem neu aufgenommene Familien eine "Annahmegebühr" von immerhin 33 Gulden zu entrichten. Für dieses Geld erhielten sie zwei Synagogenplätze als Ausdruck ihrer Aufnahme in die Gemeinde. Obwohl das Synagogengrundstück im Eigentum der jüdischen Gemeinde war, hatte diese weiterhin jährlich einen Gulden "Bodenzins" an die Grundherrschaft zu bezahlen.   
Bei der Unterschwandorfer Synagoge handelte es sich um ein Gebäude mit annähernd quadratischem Grundriss von wenig mehr als 8 Meter Seitenlänge. Sie besaß im Unterschied zu den Nachbarhäusern ein kurzes, seitlich nicht heruntergezogenes Walmdach. Das Erdgeschoss war von Stein, darüber wurde mit Fachwerk gebaut. Im Inneren des Gebäudes gab es vermutlich über dem Betsaal der Männer eine ungeteilte Frauenempore im hinteren Drittel.   
Aus der Geschichte der Synagoge ist nur wenig überliefert. 1805 gab es eine Auseinandersetzung zwischen Bediensteten der herrschaftlichen Familie und der jüdischen Gemeinde, nachdem durch ablaufendes Wasser aus dem herrschaftlichen Fischweiher die Synagoge überschwemmt wurde.   
Als um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Ab- und Auswanderung der Unterschwandorfer Juden einsetzte, verlor die Synagoge rasch ihre Bedeutung als Mittelpunkt des Gemeindelebens. Gottesdienste fanden immer seltener statt und hörten schließlich mit der Versetzung des letzten Vorsängers praktisch auf. 1860 entschloss sich die Muttergemeinde in Baisingen, das Gebäude zu verkaufen und für eine profane Nutzung freizugeben. Einige Jahrzehnte lang diente das Gebäude dann als Heu- und Holzlager, wurde wiederholt verpfändet, verfiel in zunehmendem Maße und hatte bei einer 1907 erfolgten Schätzung mit 600 Mark gerade noch den Wert einer billigen Scheuer. 1920 wurde das Gebäude abgebrochen.   
Ein rituelles Bad wird 1828 genannt; 1847/48 wurde ein neues Bad auf einem Platz hinter der Synagoge gebaut (mit Wasser aus dem Schlossbrunnen versorgt). Nach dem Verkauf der Synagoge 1860 wurde das Badhäuschen als Abstellraum verwendet; mit der Synagoge wurde es 1920 abgebrochen. 

 

Fotos 
Historisches Foto und Plan: 
(Quelle: Heft IV der Reihe "Die Unterschwandorfer Juden" s. Lit. S. 66f)

Unterschwandorf Synagoge 001.jpg (61873 Byte) 

Unterschwandorf Plan 01.jpg (105174 Byte) 
Die Synagoge Unterschwandorf (mit weißem Pfeil markiert) unterhalb des Schlosses Ausschnitt aus einer Flurkarte von 1836 mit eingetragener Synagoge 

 


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
Unterschwandorf Synagoge 050.jpg (88855 Byte) 
Der ehemalige Synagogenstandort unterhalb des im Gegenlicht befindlichen Unterschwandorfer Schlosses
Neuere Fotos vom ehemaligen Synagogenstandort werden bei Gelegenheit erstellt

 

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Haiterbach    

Literatur:

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 186.
Siegfried Kullen: Der Einfluss der Reichsritterschaft auf die Kulturlandschaft im Mittleren Neckarland. 1967. S.79,81.
Otto-Hahn-Gymnasium Nagold (Hg.), Der jüdische Friedhof von Unterschwandorf. 1992; 
dass. (Hg.), Die Unterschwandorfer Juden. Geschichte einer vergessenen Gemeinde. 7 Hefte. 1992.

   

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 02. August 2007