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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Baisingen (Stadt Rottenburg am Neckar,
Kreis Tübingen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Es besteht eine weitere Seite mit Texten
/ Berichte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Baisingen.
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts
reichsritterschaftlichen Dorf Baisingen bestand eine jüdische Gemeinde bis
1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück.
Erstmals werden 1596 die Juden Handle, Wolf und David von Baisingen genannt.
Weitere Erwähnungen von Juden am Ort gibt es seit 1640. 1670
(Vertreibung der Wiener Juden unter Kaiser Leopold) oder kurz danach sind
mehrere jüdische Familien aus Wien zugezogen, insbesondere die Familie Kiefe.
Im 18. Jahrhundert stieg die Zahl auf 15 jüdische Familien (1765)
beziehungsweise 21 (1771).
Das jüdische Wohngebiet konzentrierte sich bis zum Anfang des 19.
Jahrhunderts auf vier von der Ortsherrschaft erbaute "Judenhäuser"
(zwei davon sind erhalten: Doppelhaus Kaiserstraße 63/65 und das Haus Ecke
Judengasse / Kaiserstraße 57 ("Gideon'sches Haus") und die Judengasse
("Judengäßle"). Danach entstanden neue Wohnhäuser im ganzen Ort mit
teilweise städtischem Charakter (z.B. Kaiserstraße 55, Bauherr war 1851
Salomon Kiefe). Seite dem Beginn des 19. Jahrhunderts waren vier Häuser im
sogenannten "Judenhöfle" (Kaiserstraße 56, 58, 60, 62) von
jüdischen Familien bewohnt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1803 24 jüdische Familien, 1807 115 jüdische Einwohner, 1824 180,
1843 Höchstzahl von 235, 1869 199, 1895 181 (21,3 % von insgesamt 848
Einwohnern), 1910 108 (13, 8 % von 784). Die jüdischen Familien lebten
insbesondere vom Viehhandel, seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
eröffneten mehrere von ihnen jüdische Handlungen/Läden sowie kleine
Handwerksbetriebe am Ort.
Im Revolutionsjahr 1848 kam es zu einem schweren Judenpogrom in Baisingen
(siehe ausführlichen Bericht auf der Textseite).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde insbesondere eine Synagoge
(s.u.), eine Schule, eine rituelles Bad und einen Friedhof.
Bei der jüdischen Schule handelte es sich von 1827 bis zur zwangsweisen
Schließung 1933 um eine jüdische Konfessionsschule (Elementarschule),
die im Haus Kaiserstraße 104 ihre Räume hatte (Schulsaal im 2. Stock,
Lehrerwohnung im 1. Stock). Das rituelles Bad befand sich im Erdgeschoss dieses
Gebäudes (1877 umfassend renoviert). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der
Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet
tätig war. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Mühringen
beziehungsweise seit 1914 zum neu gebildeten Bezirksrabbinat in Horb.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde (von den insgesamt
23 jüdischen Kriegsteilnehmern) Friedrich Kahn
(1886-1914), Julius Kahn (1894-1918), Max Kahn (1877-1918) und Max Weinberger
(1879-1915, zu ihm siehe Bericht auf der Textseite). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerehrenmal vor
der katholischen Pfarrkirche St. Anastasia und auf einer Bildtafel für die Gefallenen des
Ersten Weltkrieges.
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben
im Besitz jüdischer Familien sind bekannt: Zigarren, Zigaretten, Tabake Arthur und Berta Daube
(Kaiserstraße 108), Schuhmacherbedarfsartikel Julius Erlebacher (Kaiserstraße
62), Hausierhandel in Kurzwaren Sally Erlebacher (Kaiserstraße 81), Viehhandlung und Metzgerei Josef Gideon
(Kaiserstraße 57), Kolonialwaren und Schneiderei Ludwig und Rosa Haarburger
(Kaiserstraße 109), Kolonialwaren Benedikt Hirsch Wwe. (Kaiserstraße 108), Schuhwaren Berta Kahn und Viehhandlung Hermann Kahn
(Weberstraße 6), Kurz- und Textilwaren Hanne Kahn (Kaiserstraße 56), Schuhwaren Julius Kahn und Viehhandlung Friedrich Kahn
(Kaiserstraße 61), Viehhandlung Hermann Kahn (Kaiserstraße 66, später übernommen von Sohn Harry
Kahn, s.u. nach 1945), Kurz- und Textilwaren Berta Kiefe
(Kaiserstraße 104), Viehhandlung Max Lassar (Kaiserstraße 11), Viehhandlung Jakob Marx
(Kaiserstraße 58), Viehhandlung Sally Marx (Kaiserstraße 107), Viehhandlung Berthold und Sally Schweizer
(Kaiserstraße 73), Viehhandlung Max Wolf (Kaiserstraße 73), Viehhandlung Max Wolf
(Kaiserstraße 110), Viehhandlung Siegfried Wolf (Kaiserstraße 60), Viehhandlung Wilhelm Wolf (Mötzinger
Straße 14). Jahrzehntelanger Treffpunkt für das gesellschaftliche Leben der Gemeinde war das
Gasthaus "Rose" (samt Brauhaus) der Familie
Kiefe.
Um 1924, als noch 115 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (1,37 % von
insgesamt 840 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Louis Max, Jakob
Marx, Hermann Kahn und Sigmund Kahn. Als Lehrer, Kantor, Schochet und Rechner
der Gemeinde war (bereits seit 1891 und noch bis 1926) Oberlehrer Max
Straßburger in der Gemeinde tätig. Er hatte damals in der Israelitischen
Volksschule von 18 Kinder zu unterrichten. An jüdischen Vereinen gab es
insbesondere die Chewra Kadischa e.V. (gegründet 1815; 1924 unter
Leitung von Hermann Kahn; 1932 unter Leitung von Abraham Erlebacher mit etwa 10
Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger,
Bestattungswesen) sowie die Stiftung Zedokoh (beziehungsweise Zedokoh-Kasse;
unter Verwaltung des Vorsteheramtes der Gemeinde; Zweck und Arbeitgebiet:
Unterstützung hilfsbedürftiger Ortsansässiger). 1932 war
Gemeindevorsteher Hermann Kahn. Als Lehrer war Helmut Kahn tätig. Er
unterrichtete an der Israelitischen Volksschule noch acht
Kinder.
1933 wurden noch 86 jüdische Einwohner gezählt. Auf Grund der seit
zunehmenden Entrechtung, der Repressionen und der Folgen des wirtschaftlichen
Boykotts ist in den folgenden Jahren ein großer Teil von ihnen vom Ort verzogen
beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
demoliert. aus Horb und anderen Orten der Umgebung nach Baisingen gekommenen
SA-Leute überfielen am Abend des 10. November auch zahlreiche jüdische
Häuser, zerstörten die Wohnungseinrichtungen und zerschlugen Türen und
Fensterrahmen. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges mussten die noch in Baisingen
lebenden jüdischen Personen in einigen Wohnungen zusammenziehen. Nach Baisingen
wurden im Frühjahr 1941 aus Stuttgart und anderen Städten eine größere Zahl
von jüdischen Personen zwangseingewiesen. Ende 1941 begannen die Deportationen:
insgesamt wurden mehr als 60 jüdische Personen (darunter etwa 30 Zwangseingewiesene) von
Baisingen aus deportiert.
Von den in Baisingen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): David Bottwin
(1876), Bertha Eisenmann geb. Kiefe (1870), Julius Erlebacher (1881), Sofie Erlebacher
(1885), Viktor Gideon (1911), Ludwig Haarburger (1878), Luise Haarburger (1922),
Rosa Haarburger (1875), Rosalie Haarburger geb. Liebmann (1876), Emil Hilb (1864), Fanny
Igersheimer geb. Singer (1889), Sidmund Igersheimer (1880), Hirsch Kahn (1884), Irene Kahn
geb. Weinberger (1913), Johanna Kahn geb. Stern (1881), Julius Kahn (1887), Paula Kahn
geb. Rosenthal (1895), Sophie Kahn
(1879), Berta Kiefe (1877), Friedrich Kiefe (1878), Friedrich Kiefe (1879),
Julius Kiefe (1871), Viktor Kiefe (1890), Selma Kurz (1898), Berta Lauchheimer
geb. Hilb (1866), Klara Ledermann geb. Kahn (1876), Emma Lehmann geb. Wolf (1875), Marie Levi
geb. Marx (1869), Isidor
Levy (1866), Sophie Liebman (1885), Auguste Marx geb. Weil (1880), Jakob Marx (1875),
Louis Marx (1875), Ludwig Marx (1886), Salomon Marx (1894), Siegfried Marx
(1892), Sofie Marx geb. Sinn (1879), Sofie Marx geb. Marx (1877), Sophie Marx
geb. Marx (1867), Max Mayer
(1866), Berta Preßburger geb. Kahn (1876), Ernestine Reutlinger geb. Marx (1861), Helene Rimpel
geb. Schnitzer (1878), Berta Rödelsheimer geb. Kahn (1876), Max Rödelsheimer (1884), Siegfried
Rödelsheimer (1883), Wilhelm Rödelsheimer (1895), Bella Schloss geb.
Straßburger (1894),
Berthold Schweizer (1883), Dora Schweizer geb. Neuburger (1856), Karolina Schweizer
geb. Gumperz (1886),
Salomon Schweizer (1881), Karoline Stein geb. Marx (1864), Mina Straßburger
geb. Marx (1868),
Leopold Weinberger (1911), Alfred Wolf (1880), Babette Wolf geb. Thalheimer (1892), Isaak Wolf
(1899), Julius Wolf (1872), Liebmann Wolf (1896), Ludwig Wolf
(1878).
Nach 1945:
Links:
Viehhandlung Harry Kahn, Foto Anfang der 1980er-Jahre.
Der Viehhändler Harry Kahn ist 1911 als Sohn von Friedrich Kahn und der
Clara geb. Lassar in Baisingen geboren. Harry betrieb zusammen mit seinem
Vater und dem Onkel Max Lassar in Baisingen eine Viehhandlung. 1938
heiratete er Irene Weinberger aus Haigerloch. Im Dezember 1941 wurde Harry
Kahn zusammen mit seiner Frau, seiner Mutter und seiner Schwiegermutter
nach Riga deportiert; der Vater war noch im Frühjahr 1940 gestorben. Die
drei Frauen wurden von den Nazis ermordet. Harry Kahn überlebte die Jahre
in mehreren Konzentrationslagern. 1946 heiratete er Jeanette Karschinierow.
Er ließ sich wieder in Baisingen nieder (einzige jüdische Familie nach
1945), wo er bis zu seinem Tod 1978 wieder seine Viehhandlung
betrieb. |
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge
Zunächst bestand vermutlich ein Betsaal in einem
der "Judenhäuser". 1782 wurde durch die Ortsherrschaft
(Anton Schenk von Stauffenberg) der Bau einer Synagoge in der
"Judengasse" genehmigt. Sie konnte bei 1784 fertiggestellt und
eingeweiht werden. 1837/38 wurde das Gebäude vergrößert. Bei der Synagoge handelt es sich um eine
charakteristische Dorfsynagoge: ein schlichter, leicht querrechteckiger Bau mit
einem Walmdach über kräftigem Traugesims.
Beim sogenannten "Baisinger Judenkrawall" im April
1848 wurden von 30 bis 40 Personen aus Vollmaringen und Mötzingen vor der
Demolierung der jüdischen Häuser auch die Fenster der Synagoge eingeworfen. 1882
konnte die 100-Jahr-Feier zum Bestehen der Synagoge gefeiert werden:
100-Jahr-Feier (Säkularfeier) der Synagoge
(1882)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1882: "Baisingen
(Württemberg). Die israelitische Gemeinde Baisingen, die durch den
verehrten Herausgeber dieses geschätzte Blattes in seiner rühmlichst
bekannten historischen Erzählung 'Rabbi Joselmann von Rosheim' in sehr
anerkennenden Worten gewürdigt und durch die daselbst referierten
Tatsachen in weiteren Kreisen bekannt geworden ist, beging am 5. August
dieses Jahres - am Schabbat Paraschat Ekew (Schabbat mit der
Toralesung Ekew = 5. Mose 7,12 - 11,25) - die erste Säkularfeier
ihrer im Jahre 5542 (1782) erbauten Synagoge. Herr Rabbiner Dr.
Silberstein aus Mühringen hielt aus
diesem Anlasse eine in Form und Inhalt durchdachte und meisterhaft
gelungene Festrede, die den Herzen aller Zuhörer wohltat. Dieselbe
zeichnete im ersten Teile in großen und scharfen Zügen die Geschichte
der Gemeinde von ihrem Beginn (ungefähr im Jahre 1670) durch Vertriebene
aus Wien, während der zweite Teil die Art besprach, wie die Gemeinde Gott
durch Heilighaltung und Verehrung der Synagoge, durch frommes Verhalten im
Leben und durch die religiöse Erziehung der Jugend für die wunderbare
und gnadenreiche Führung zu danken habe. Hieran reihte sich noch eine
kurze Ansprache des dahier etwa 23 Jahre amtierenden Herrn Lehrer Kahn,
worin derselbe unter dem Ausdrucke innigen Dankes gegen Gott für das
Erleben dieses Tages hervorhob, wie die herzliche Eintracht, welche die
Mitglieder dieser Gemeinde unter sich und mit ihrem Lehrer stets
verbunden, ihr zur Zierde gereiche und fortbestehen möge, auf dass auch
fernerhin der Segen des Herrn über dieser Gemeinde und ihrem Gotteshause
ruhe.
Feierlichkeiten außerhalb der Synagoge fanden nicht
statt." |
Noch weitere 66 Jahre war die Synagoge
Zentrum des jüdischen Gemeindelebens in Baisingen.
Am Vormittag der 10. November 1938 drangen vier auswärtige
Parteifunktionäre unter Leitung des Horber Kreisleiters in die Baisinger
Synagoge ein. Sie waren von der Kreisleitung in Horb instruiert worden. Den Schlüssel
hatte ihnen der Bürgermeister gegeben. Der Amtsdiener des Dorfes hatte die Männer
vorher durch Baisingen geführt und ihnen die jüdischen Häuser gezeigt. In der
Synagoge warfen die Männer Bänke und Bücher durcheinander und zerstörten die
Leuchter. Bei dieser ersten Aktion blieb es nicht. Am Abend des 10. November
kamen nochmals 70 bis 80 SA-Leute aus Horb und Umgebung in Omnibussen und
mehreren Autos nach Baisingen gefahren. Am Ortseingang hielt ein SA-Sturmführer
an die in Zivil angetretenen Männer eine kurze Hetzrede, worauf diese in die
Synagoge einbrachen und darin alles kurz und klein schlugen. Torarollen, Gebetbücher
und alles Brennbare wurde vor der Synagoge in Brand gesteckt. Einige nichtjüdische
Baisinger, die in der Nähe der Synagoge wohnten, stellten sich den SA-Leuten
schimpfend in den Weg, weil sie Brandgefahr für die umliegenden Häuser fürchteten.
Seit 1940 war das Gebäude in Privathand und wurde zunächst
als Scheune genutzt. 1947 fand vor der Strafkammer des Landgerichts Rottweil ein
Gerichtsverfahren gegen mehrere SA-Männer und Parteifunktionäre statt, die bei den
Ausschreitungen gegen die Juden im Landkreis Horb beteiligt waren.
1984 wurde die ehemalige Synagoge unter
Denkmalschutz gestellt, 1990 als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung
eingetragen (seit 1988 ist die Stadt Rottenburg Eigentümerin des Gebäudes).
Nach einer behutsamen Restaurierung wurde die ehemalige Synagoge 1998 als
Ort der Begegnung mit einer Dauerausstellung auf der Frauenempore der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht (Gedenkstätte Synagoge Baisingen). Zahlreiche Erinnerungsstücke
wurden beim Umbau der Synagoge in einer Genisa entdeckt (Schriften
unterschiedlicher Art, kleine Kultgegenstände).
Fotos
Historisches Foto
(Quelle: F. Kahn)
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Gottesdienst in der Synagoge in Baisingen,
vermutlich an Sukkot 1937 |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Die Farbfotos von der Führung der
Schülergruppe erhalten durch freundliche Kooperation mit der Redaktion Deutsch des
Landesbildungsservers Baden-Württemberg, URL: http://www.schule-bw.de/unterricht/faecher/deutsch)
Fotos um 1985: die ehemalige Synagoge vor
der Restaurierung:
(Fotos: Hahn, teilweise R. Rasemann) |
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Blick auf die ehemalige Synagoge von der Judengasse |
Ostseite: an Stelle des Toraschreines ein Scheunentor |
Ehemalige Synagoge von Westen |
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| Eingangsbereich
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Vernageltes Fenster
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| Während der Restaurierung 1996 (Quelle: hier
anklicken) |
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Fotos 2002:
Besuch einer Gruppe von Schülern/innen der haus- und landwirtschaftlichen Berufs- und Berufsfachschulen Herrenberg
(Quelle der Fotos: hier
anklicken (Schule) und hier
anklicken (Landesbildungsserver) |
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Hinweistafeln zur jüdischen Geschichte Baisingens am
Eingang zur "Judengasse" |
Am Eingang zur ehemaligen Synagoge |
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| Der Eingang in die ehemalige Synagoge |
Erläuterungen während der Führung |
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| Blick zur Frauenempore |
Bei der Besichtigung der Ausstellung auf der ehemaligen
Frauenempore |
In der ehemaligen Synagoge mit der Frauenempore |
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| Blick zur Ostwand (Stelle des ehemaligen Toraschreines) |
Torawimpel in der Ausstellung |
"Davidstern" in der Mitte des Sternenhimmels (Decke) |
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Fotos 2003:
(Fotos: Hahn; Aufnahmedatum 11.8.2003) |
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| Hinweistafeln am Eingang der
Judengasse |
dass., von der Rückseite
gesehen |
Hinweistafel vor Synagoge |
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| Der Eingang |
Die Synagoge von der Westseite |
Die Synagoge - von der
Judengasse kommend - gesehen |
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte
| September 2009:
Führung für Jugendliche durch die ehemalige
Synagoge |
Foto
links (rs, kann nicht vergrößert werden): Adolf Hug (rechts( erläuterte
den Eutinger Firmlingen die Geschichte sowohl der Baisinger Juden als auch
der Synagoge.
Artikel von Rainer Sattler in der Neckar-Chronik / Südwestpresse vom
25.9.2009: "Gebetshaus wurde zur Scheuer
Die 39 Eutinger Firmaspiranten ließen sich in die Geschichte der Baisinger Juden entführen
Mit der wechselvollen Geschichte des jüdischen Bevölkerungsanteils in der Nachbargemeinde Baisingen konfrontiert wurden die 39
Firmaspiranten der katholischen Kirchengemeinde Eutingen.
Baisingen/Eutingen. Dabei erfuhren die jungen Christen, dass der Holocaust zwar nicht in ihrer Heimatgemeinde, aber doch in unmittelbarer Nachbarschaft seine
hässliche Seite gezeigt hat.
Adolf Hug, bis vor zehn Jahren Ortsvorsteher von Baisingen, hat als Mitglied des Fördervereins
'Synagoge Baisingen' die Erinnerungsarbeit an die ehemaligen Baisinger Juden hautnah miterlebt und -gestaltet. Er stellte sich den Besuchern zur Verfügung, führte und informierte über die Spuren der jüdischen Geschichte des Rottenburger Stadtteils. Erst durch seine Detailhinweise waren die einstigen jüdischen Wohnhäuser als solche zu erkennen. Richtig interessant wurde es beim Gang in das etwas versteckt liegende ehemalige Judengässle, hin zur Synagoge, übrigens das einzige noch erhaltene Objekt dieser Art im Landkreis Tübingen. Hug gab einen Rückblick in die Geschichte der Baisinger Juden, die dort erstmals 1596 in Erscheinung traten. Der höchste Anteil an den Einwohnern erreichte die jüdische Gemeinde im Jahr 1840 mit 235 Juden unter den insgesamt 680 Baisingern, im Jahr 1933 waren es noch 86 jüdische Einwohner. Diese waren dann von der Verfolgung betroffen; Vertreibung, Verhaftung, Deportation und Vernichtung waren ihr Schicksal, in drei Transporten wurden sie in die bekannten Vernichtungslager verbracht. 60 Baisinger Juden kamen ums Leben, nur vier Ehemalige kehrten nach der schlimmen Zeit zurück, darunter der bekannte Harry Kahn, der nach dem Krieg wieder ansässig wurde und seinen Viehhandel wieder betrieb.
Im November 1938, einen Tag nach der Reichspogromnacht rückten auswärtige SA-Leute an, die Synagoge entging der Brandschatzung nur durch ihre unmittelbare Nähe zu anderen Häusern, dafür wurde die Einrichtung samt Thora-Schrein zerstört und verbrannt. Das Gebetshaus selber wurde 1940 an einen Landwirt verkauft. Dieser wandelte es zwar durch die Verwendung als Scheuer in einen profanen Zweck um, so aber blieb das Haus wenigstens erhalten. 1984 unter Denkmalschutz gestellt und 1988 von der Stadt Rottenburg erworben, nahm sich der Förderverein der Synagoge an und hielt mit der Sanierung die Erinnerung an die ehemaligen Mitbürger am Leben.
'Die Geschichte sollte ablesbar sein, wir haben nur das dafür Nötigste getan' erläuterte Adolf Hug die Ziele des Vereins.
Er stellte den jungen Eutingern auch die in der Synagoge aufgestellte Laubhütte vor, die alljährlich am Laubhüttenfest daran erinnert, dass das jüdische Volk nach dem Auszug aus Ägypten 40 Jahre ohne feste Wohnung durch die Wüste geirrt ist. Das Baisinger Exemplar hat die Zeitläufe eher durch Zufall überstanden, diente es doch zeitweise als Bienenhaus und Hühnerstall. Nun legt es nach aufwändiger Renovierung Zeugnis ab vom Leben der jüdischen Glaubensgemeinschaft in Baisingen.Tief beeindruckt waren anschließend die Eutinger Firmlinge von einer filmischen Dokumentation, in Gruppen arbeiteten sie das Erlebte und Gehörte gemeinsam auf." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S.
46-49. |
 | Hans Peter Müller: Die Juden in der Grafschaft Hohenberg, in: Der Sülchgau 25
(1981) S.36-43. |
 | Nationalsozialismus im Landkreis Tübingen. Eine Heimatkunde (hg. vom
Ludwig-Uhland-Institut Tübingen). 1988 S.311-348. |
 | Franziska Becker: Gewalt und Gedächtnis: Erinnerung an die
nationalsozialistische Verfolgung einer jüdischen Landgemeinde. Göttingen 1994. |
 | Franziska Becker: Die nationalsozialistische Judenverfolgung in Baisingen, in:
Der Sülchgau 32 (1988) S.169-192. |
 | Karlheinz Geppert: Vom Schutzjuden zum Bürger, in: Der Sülchgau 32 (1988)
S.145-168. |
 | Abraham Gilam: Die historische Bedeutung der Megillat Baisingen. In:
Bulletin des Leo Baeck Instituts 15 (1976). Neue Folge, Nr. 52, S.78-87,
Edition S. 88-95. |
 | Hubert Krins: Die Synagoge in Rottenburg-Baisingen, ihre Rettung und
Erhaltung, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg 3/1995, S.91-98. |
 | ders.: Baisingen – Zeugnisse jüdischen Lebens, Der Sülchgau 38 (1994). |
 | Karlheinz Geppert: Jüdisches Baisingen – Einladung zu einem Rundgang, Orte jüdischer
Kultur. Haigerloch 2000. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 64-66. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007. |
 | Karlheinz Geppert / Peter Ehrmann (Hrsg.):
750 Jahre Baisingen. Eine Gemeinde im Gäu auf dem Weg in die
Gegenwart. Rottenburg am Neckar 2009. |
 | Hubert Krins: Die ehemalige Dorfsynagoge zu
Rottenburg-Baisingen. Gestalt, Funktion, Bedeutung. In: Sülchgau 38. 2009.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Baisingen Wuerttemberg. The
permanent settlement of Jews in Baisingen dates* from 1640, with Jews
subjected to various restrictions and a heavy tax burden. In the 18th century,
most were peddlers. Their economic situation improved somewhat in the 19th
century, when efforts were made to find them more productive occupations. The
Jewish population reached a peak of 235 in 1843 and declined steadily stereafter.
Another 109 Jews in the neighboring village of Unterschwandorf
were also part of the community but by 1869 only one was left there. In 1848
local gangs attacked Jewish homes, causing much damage. By 1933 the Jewish
population stood at 86, with most engaged in the cattle trade. On Kristallnacht
(9-10 November 1938), SA units vandalized the synagogue, cemetery,
and Jewish homes. Subsequently, in the face of increasing economic and social
isolation, emigration was stepped up and 60 jews managed to leave the country.
All but a few of the others met their end after expulsion to the east in 1942.
The Jewish cemetery was desecrated in 1949
and 1971.

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