Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Pflaumloch
(Gemeinde Riesbürg, Ostalbkreis) 
Jüdische Geschichte / Synagoge

    
Es besteht eine weitere Seite zu Pflaumloch mit Texten zur jüdischen Geschichte  


Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Zur Geschichte des Betsaals /der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Aktuell: Bemühungen um den Erhalt der Deckenmalereien (2009)  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
    
In Pflaumloch, wo seit dem späten Mittelalter die Grafen bzw. die Fürsten von Oettingen die landesherrlichen Rechte ausübten, bestand eine jüdische Gemeinde bis 1904. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 15./16. Jahrhundert zurück. Die ersten Pflaumlocher Juden werden im Zusammenhang ihrer Beisetzungen im Nördlinger Friedhof genannt (erste Nennungen 1487, 1490, 1493 und 1494). 
  
Auch nach dem Dreißigjährigen Krieg gab es alsbald wieder eine relativ große jüdische Gemeinde: 1658 wurden 7 jüdische Familien gezählt,  um 1690 waren es 16 jüdische Haushaltungen in acht Häusern. 
  
1731 bis 1810 war Pflaumloch dem Landrabbinat Wallerstein zugeordnet. Zeitweise wirkte in Pflaumloch im 18. Jahrhundert ein eigener (Unter-)Rabbiner. Nach 1832 gehörte Pflaumloch zum Rabbinat Oberdorf
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1824 187 jüdische Einwohner (41,2 % von insgesamt 451), 1854 255, 1886 47, 1900 21, 1910 0. 1846 wurde das jüdische Gemeindeglied Markus Ellinger zum Gemeindepfleger des Ortes gewählt. 

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Elementar- beziehungsweise Religionsschule, ein rituelles Bad sowie einen Friedhof.  Zur Besorgung religiöser Aufgaben in der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet wirkte. Von besonderer Bedeutung in der Blütezeit der Gemeinde war Lehrer Salomon Löwenstein, der 40 Jahre in der Gemeinde wirkte (1827 bis zur Pensionierung 1867). 
  
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch Ab- und Auswanderung schnell zurück. Insbesondere erfolgt ein rascher Abzug in die Städte (Stuttgart, Nördlingen, München usw.).   

Um 1900 waren noch fünf Familien am Ort; um 1907 starb die letzte jüdische Einwohnerin Pflaumlochs. Daraufhin schenkte Kommerzienrat Alexander von Pflaum der bürgerlichen Gemeinde das Synagogengebäude und bezahlte auch dessen Umbau zu einem Gemeindezentrum mit sozialen Einrichtungen. Am 29. Juli 1907 wurde die ehemalige Synagoge als bürgerliches Gemeindezentrum neu eingeweiht.  
  
Von den in Pflaumloch geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Emma Hoffmann geb. Frankfurter (1865), Gabriel Jung (1878), Elise Kahn geb. Ellinger (1856), Max Mayer (1866), Sofie Rosenthal geb. Siegbert (1873), Betty Schmal geb. Oberdorfer (1874), Julius Siegbert (1875), Pauline Sontheimer geb. Ellinger (1854), Saly Waldmann geb. Jung (1862).     
     
     
     
Zur Geschichte des Betsaals/der Synagoge        
   
Eine Synagoge oder zumindest ein Betsaal bestand in Pflaumloch bereits im 16./17. Jahrhundert. Erstmals wird 1590 am Ort ein "Schulmeister Moses" genannt, womit ein Vorsänger und Lehrer gemeint ist.
 
Die nach dem Dreißigjährigen Krieg relativ zahlreich vorhandenen jüdischen Familien hatten sicher auch zumindest einen Betsaal oder bereits eine Synagoge, von der man freilich erst anlässlich des Synagogenneubaus von 1756 erfährt. In diesem Jahr errichteten die etwa 18 jüdischen Familien mit Genehmigung des Grafen Phillip Carl von Oettingen-Wallerstein an Stelle einer nicht mehr ausreichenden Synagoge eine neue Synagoge. Ihr Aussehen ist nicht bekannt, da keine Pläne erhalten sind. Sie befand sich neben den Gebäuden Hauptstraße 23/25.
 
Bei einem Großbrand am 20. August 1802 brannte die 1756 erbaute Synagoge mit 57 anderen Häusern nieder. 1803 wurde sie an derselben Stelle wieder erbaut. Die Pläne weisen den Bau als einen rechteckigen Kubus aus, welcher mit einem Krüppelwalmdach ausgestattet war. Wie an anderen Orten in ganz Deutschland war der Hugenottentempel von Chareton Vorbild für diesen Bau.
 
Nachdem sich diese Synagoge 40 Jahre später als zu klein erwies, wurde 1844 bis 1846 nochmals eine neue Synagoge erbaut. Man erwarb für den Neubau zum Preis von 2.875 Gulden das zentral an der Hauptstraße gelegene Grundstück des Johann Feldmeyer (Hauptstraße 13, früher Haus Nr. 6). Für Feldmeyer wurde im unteren Dorf zunächst ein neuer Bauplatz besorgt, sodass er sein Haus abbrechen und auf dem neuen Grundstück wieder aufbauen konnte. Die neue Synagoge wurde mit einem Kostenaufwand von insgesamt 19.708 Gulden erbaut. Eingeschlossen waren Kosten für die Glocken und die Uhr (316 Gulden), die Innenmalereien (212 Gulden) und das neue Inventar (638 Gulden). Der für eine Dorfsynagoge sehr hohe Betrag konnte durch Umlagen, Schenkungen, den Verkauf der alten Synagoge (1.100 Gulden), den Verkauf der Synagogenstühle (2.000 Gulden) und durch Schuldenaufnahme eingebracht werden. Auch ein staatlicher Zuschuss von 500 Gulden war bewilligt worden. Unter den damals in Pflaumloch lebenden jüdischen Familien waren neun relativ wohlhabend. 
 
Das alte Synagogengebäude wurde für 1.100 Gulden 1847 an die Juden Simon Dessauer, Markus Ellinger und Salomon Jung verkauft, die es zu einem landwirtschaftlichen Gebäude umbauten. Das Gebäude ist 1850 abgebrannt und nicht mehr erhalten. 
 
Die Baupläne der neuen Synagoge konnten bislang nicht aufgefunden werden. Auch der Name des Architekten ist nicht bekannt. Nach Aufzeichnungen von Moritz Vierfelder aus Buchau wurde die Pflaumlocher Synagoge nach dem Vorbild der wenige Jahre zuvor gebauten Buchauer Synagoge erbaut. Die Pflaumlocher Gemeinde habe sich die Baupläne aus Buchau zuschicken lassen. Das Gebäude wurde entlang der Hauptstraße gebaut und ist damit nicht ganz genau geostet, wie es nach der Tradition vorgeschrieben war. Der Grundriss ist ein Kubus von 13,00 m auf 21,50 m, auf dem ein Satteldach steht. Innen war die Synagoge von Säulen, Bögen und Rundbögen gestützt, auf welchem die Frauenempore rundum verlief. Das Mauerwerk im Innenraum war reich mit Stuck verblendet und verziert. Lage und Bauart deuteten auf den Wohlstand der jüdischen Gemeinde hin. In der Zeitschrift "Der Israelit" Nr. 45 aus dem Jahr 1862 liest man zur Pflaumlocher Synagoge: "Die neu erbaute Synagoge in Pflaumloch... spricht deutlich aus, dass das Judentum aus dem Ghetto herausgetreten ist und mit der allgemeinen Kultur sich amalgamiert hat. Die Außenseite der Synagoge byzantinisch mit hochgewölbten Fenstern, die Uhr mit den Glocken, das Innere mit dem schönen Chor und den freundlichen Galerien, auf denen die Frauen nicht orientalisch abgesperrt sind, die prachtvollen Kandelaber und die kirchlich geschmückten Wände. Alles dies stellt dem Auge ein anmutiges Bild dar". Die Einweihung der Synagoge hatte am 18. Dezember 1846 stattgefunden, wozu ein Zeitzeuge notierte (in "Der Beobachter" vom 7.1.1847): "Der Gottesdienst ward in moderner Weise abgehalten, deutsche Predigt, deutscher Choralgesang und Kirchenmusik waren seine Hauptbestandteile, und bald wird auch eine Orgel melodisch zur Verherrlichung Jehovas mitwirken. Beim Gesang war sämtliche Jugend, die Mädchen ausgenommen, in Tätigkeit, derselbe hat dort auf die Bildung der israelitischen Jugend wohltätigsten Einfluss geäußert".  
   
Die Einweihung der Synagoge (1847)   

Pflaumloch Israelit19Jh 07021847a.jpg (137472 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit des 19. Jahrhunderts' vom 7. Februar 1847: "(Vom Ries, Pflaumloch, im Königreich Württemberg). – Am 18. Dezember 1846 fand in Pflaumloch die Einweihung der neu erbauten Synagoge statt. Eine Synagogeneinweihung ist, scheint es, was Unerhebliches. Viele tausend Synagogen sind erbaut und eingeweiht worden, es nahm niemand Notiz davon, als die Gemeinde selbst und die geladenen Gäste; höchstens allenfalls jene, die durch das so genannte ‚Schulbuch’ und durch die Sammler von Beiträgen in Kontribution gesetzt wurden, wussten etwas von dem Neubau und dem Einweihungsfeste. Und doch glauben wir gerechtfertigt zu sein, wenn wir in diesen Spalten über diese Einweihungsfeier berichten. Es knüpfen sich Reflexionen daran, die für die jüdische Kulturgeschichte nicht uninteressant sind.
Die Synagogen, der Burgfrieden, wo der Jude in Gott ruhte, sich aussöhnend mit der Qual des Tages und der Tücke der Welt, waren meistens keine architektonischen Zierden. Es fehlt im Ghetto schon der Raum, um einen prachtvollen Tempel zu bauen und die Kunst war ja überhaupt nicht Beschäftigung der Juden und dass sie es nicht war und werden konnte, rechtfertigen die Blätter jüdischer Geschichte. Eine Hypothese glaube ich aber doch über den Bau der Synagogen aufstellen zu dürfen: meistens waren sie gewölbt. Mag hier nicht die Idee von der Unendlichkeit und Einheit Gottes, der Grundbegriff des Judentums, in der Gestalt des Zirkels sich kundgegeben haben, besonders da die Hagadah so oft den Kreis als Bild der Unendlichkeit und Einheit nimmt? Architektur war an den Synagogen nirgends zu finden; hat ja selbst der Salomonische Tempel keinen eigenen Baustil aufzuweisen gehabt, sondern war ägyptischem und phönizischem Baustile nachgebildet. Das Judentum, als Kosmopolitismus, kann auch für seine Synagoge keine eigene Architektur brauchen;
  
Pflaumloch Israelit19Jh 07021847b.jpg (178343 Byte)unter verschiedenen Völkern, muss auch die Kunst den nationalen Charakter annehmen. In Württemberg, wo die Emanzipation fast faktisch durchgeführt ist, wo der gottesdienstliche Kultus Veraltetes ausgestoßen und heilbringende Neuerungen in sich aufgenommen, ist auch ein besserer Sinn im Volke erwacht, der sich in der Art seiner Gottesverehrung ausspricht. Pflaumloch, eine intelligente Gemeinde, deren Schule durch das würdige Streben ihres Lehrers von der Oberschulbehörde zur Musterschule erhoben worden ist, deren Gottesdienst streng nach der neuen Synagogenordnung ausgeführt, wahrhaft erhebend ist, fühlte das Bedürfnis nach einem würdigen Gotteshause. Die Familie Pflaum stiftete zu dem Zwecke ein Kapital von 1.000 Gulden und der Kirchenvorsteher Elias Pflaum war bemüht, den Neubau einer Synagoge zu bewerkstelligen. Nur dessen unausgesetzten Bemühungen konnte es, trotz gemeiner Gegenbestrebungen, gelingen, der Oberkirchenbehörde den Plan zum Neubau vorzulegen, die ihn auch gestattete.
Die Synagoge wurde mit einem Kostenaufwande von circa 25.000 Gulden erbaut. Sie ist im byzantinischen Stil aufgeführt, ein architektonisches Meisterwerk; Uhr und Glocken zieren sie. Das Innere, mit einem schönen Chor, dessen bemalte Fenster einen mystischen Schein auf die heilige Lade fallen lassen, die Männerhalle und die Frauen-Galerien, die prachtvollen Kronleuchter usw., ist imposant. Keim Almemor stört die Symmetrie und schön angebrachte Subsellien ersetzen die geschmacklosen beweglichen Ständer; Kanzel und Betpult für den Vorsänger stehen vor der heiligen Lade. Für den Chor sind besondere Räume geschaffen, in denen die männliche und weibliche Jugend beim Gesange mitwirkt. Für eine aufzustellende Orgel ist schon Raum gelassen und es wird wohl nicht lange anstehen, bis sie wirklich eingeführt wird.
Die Feierlichkeit der Einwehung begann am Freitag, den 18. Dezember, mittags 1 Uhr. In der alten Synagoge wurde ein deutscher Choral gesungen, darauf hielt Lehrer Löwenstein eine meisterhafte religiöse Betrachtung und dann ordnete sich der Festzug, die Torarollen unter einem Baldachin voran, die Beamten, der Chor, die Gemeinde und die vielen Gäste nach, zur neuen Synagoge. In derselben angelangt, wurde eine Festhymne, komponiert von dem jungen Pflaum aus München, mit Musikbegleitung abgesungen. Herr Oberamtmann Preu, ein Mann, der unermüdlich für die bürgerliche und religiöse Hebung der Israeliten wirkt, übergab den Tempel im Namen des Königs der Gemeinde. Er sprach über  den Zweck der Synagoge Worte der tiefen Beherzigung wert. Nach ihm bestieg Rabbiner Adler, Bruder des Londoner Rabbinen – die Kanzel und entwickelte in
Pflaumloch Israelit19Jh 07021847c.jpg (103437 Byte)Einem nur etwas zu gelehrten Vortrage die Bedeutung des Gotteshauses; die Predigt war sehr gut gegliedert, logisch gedacht und geordnet; nur fehlte ihr der oratorische Schmuck. Einen minder guten Eindruck brachte der Vortrag des Oberamtsrichters Ostertag hervor, der zwar sehr schön gehalten war, aber, wer zwischen den Zeilen zu lesen verstand, erkannte das aristokratische Vorurteil gegen Juden. – Der Gottesdienst selbst war sehr erhebend, die Gesänge meisterhaft ausgeführt, dirigiert und eingeübt von Markus Pflaum, der zwar nur Dilettant, aber durch unausgesetzte Bemühungen einen gut geübten Chor für den Synagogengesang gebildet hat. Alexander Elsässer hatte einige Gedichte als Festschrift erscheinen lassen, die vielleicht durch Zeitschriften veröffentlicht werden dürften. Die Gemeinde war bemüht, dem Feste die rechte Weihe zu heben und scheute kein Opfer. Von München, Augsburg und anderen Orten wurden Gegenstände zur Ausschmückung der Synagoge gestiftet, besonders zeichneten sich die Familien Pflaum und Friedmann aus. Dass der unwissende Egoismus bei solcher Gelegenheit sich auch spreizte, konnte natürlich nicht ausbleiben. Zum besonderen Vergnügen gereichte es manchem, der am Sonntag früh vom Feste heimkehrte, dass der Gemeindepfleger und Fronmeister, Markus Ellinger – ein Israelit – an der Spitze vieler Bürger, bemüht war, die Straße durch die Schneemassen zu bahnen; es war ein beweis, dass Einigkeit unter den verschiedenen Konfessionen zu Pflaumloch herrscht; da man einen Israeliten in freier Wahl in die Gemeindeverwaltung gesetzt hat.'

  
Über die Rede des Oberamtsrichters Ostertag aus Neresheim bei der Synagogeneinweihung (1847)  

Pflaumloch Israelit19Jh 21021847a.jpg (52335 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit des 19. Jahrhunderts' vom2 1. Februar 1847: "Dr. Weil – Rede des Herrn Ostertag. (Aus Württemberg im Februar). Der König und die Königin haben kürzlich wieder das israelitische Waisenhaus Wilhelmspflege mit reichlichen Geschenken bedacht. - Mehrere unserer bekannteren Politiker veröffentlichten seit einiger Zeit ihre Ansichten darüber, wie die Gelder, welche jetzt unser Staat bedarf, am tunlichsten herbeizuschaffen seien. Darunter auch Dr. Carl Weil, der mit einem Platz auftrat, welcher viel Beifall fand. – Nach kürzlich erschienenem Staatshandbuch zählt Württemberg jetzt 11.974 Israeliten. – Dieser Tage wurde die Rede bei der Synagogen-Einweihung in Pflaumloch, welcher wegen Oberamtsrichter Ostertag in Neresheim von mancher Seite getadelt worden, veröffentlicht. Sie lautet u.a.: ‚In Tagen, die  
Pflaumloch Israelit19Jh 21021847b.jpg (311131 Byte)mir längst im Rücken liegen, in der sonnigen Zeit der Jugend erging ich mich oft in den Hallen eurer Geschichte. Ihr habe eine große Vorzeit; ein Blick nach den Gräbern eurer Väter – ist ein Blick auf die Wiege der Menschheit. Was uns übrig geblieben aus den ersten gewaltigen Erschütterungen der Welt, deutet auch auf den Namen Israel. Als unsere Väter noch Jahrhunderte in der Wildnis ihrer Wälder und der Nacht ihrer Götzen umherirrten, waren die eueren schon vor dem Antilitze des alleinigen, ewigen wahren Gottes in den Staub gesunken, ehrtet Ihr ihn schon im Tempel Salomons. Eure heiligen Gebete vom Sinai – wurden sie nicht auch die unseren? Wurde mich auch, wie nicht, mein Beruf berechtigen, ein Wort mitzusprechen über die Wunder, die Mysterien und die Rätsel geoffenbarter Religionen, ich würde dennoch heute schweigen, denn wenn ich bedenke, welch namenloses Elend sich den Sagen derselben durch mehr als ein jahrtausend nachschleppte, so weiß ich oft nicht mehr den Faden zu finden aus einem Labyrinthe von Fragen und Widersprüchen, und darum lasst mich schweigen von dem Kreuze, das eure Väter auf Golgatha aufgerichtet und von den Strömen ihres Blutes, in denen sich Christen-Rache gekühlt. Wahrlich, wem die Menschheit am Herzen liegt, der kann nicht anders als mit vor Scham gesenktem Auge auf jene zahllosen Blätter der Geschichte der Religionen blicken, die von solchem Blute dampften. Recht oder Unrecht, ihr musstet schwer büßen und büßte heute noch. – Es gab eine Zeit, wo wir Eure Tempel niederrissen, und sehet, nun ist denn doch endlich die Zeit gekommen, in der es auch der Christ für keinen Verrat an seinem Glauben hält, wenn er euch in Friede und Eintracht an die Stufen eurer Altäre folgt und mit Euch und für Euch Gott um Segen bittet. – Ihr habt Gott ein schönes Haus gebaut. Und wenn auch David in Eure Mitte träte, er würde wohl freudig in die Harfe greifen um dieser Stätte willen.
Das Werk wäre nun vollendet; - die Steine sind gefügt, die Kuppel ist gewölbt, der Altar schimmert, die Lampen strahlen, die Hymnen ertönen, Euer Auge weidet – Euer Herz labt sich. Aber – ist denn auch wirklich Alles vollbracht? – Ein Christ hat den Mut Euch im vollendeten Tempel zu sagen: Neun, Euer Werk ist noch nicht vollendet! Noch nicht Alles ist vollbracht! Etwas stünde diesem Haus wohl schöner an als aller Prunk und Flimmer aus Menschenhand. Etwas wurde diesen Tempel erst ganz zum hause Gottes erheben, Etwas, das ich zwar da und dort – bei vielen keineswegs, aber überall bei Euch finde. Aus dem Schutte und Moder eurer Vorzeit habt ihr noch Manches aufbewahrt, in dem Moses kein Kleinod erkennen würde. Werft es hinter Euch! Lasset von Satzungen, die Euch unmöglich machen, unsere Mitbürger im vollsten Sinne – ohne deshalb eurem alten Glauben untreu zu werden. Wir boten Euch die Palme des Friedens, vergesst was wir Leides getan und beweiset mit Wort und Tat, dass Ihr nun auch uns angehören wollt. – Strebt nicht bloß nach irdischem Gewinne,  strebt auch nach dem Gewinne der Herzen!
So gewiss das Auge Gottes über uns Allen wacht, so gewiss spreche ich diese Worte ohne Dünkel – ohne Vorurteil – ohne Überschützung des Wertes meiner Glaubensgenossen. Dem Mein und Dein ist noch eine zu große Macht eingeräumt. Ich habe viele Jahre in nächster Nähe Eures Volkes gelebt, und scheue mich nicht zu bekennen, dass ich unter eines manchen Dache mir selbst bekannt: wahrlich dieser Jude ist gerechter denn Du! – Wer anerkennt nicht Eure häuslichen Tugenden? Ihr seid herzliche Väter, Eure Frauen sind zärtliche Müller, Ihr ehret das Alter bis es in die Grübe führt, Ihr brechet stets völlig das Brot mit den ärmsten Eurer Brüder. Ihr haltet Maß in allen Dingen, seid nüchternen Sinnes, Euer Geist rastet nie, Ihr habt aus dem Schachte der Wissenschaft schon manches Goldkorn zutage gefördert. Ihr habt uns aus dem Garten der Künste schon manche Blüte geboten.
Dennoch rufe ich Euch zu: Seid kein Volk im Volke! Betrachtet Euch nicht immer noch als ein auserwähltes! Seid nicht bloß Israeliten! Achtet, ehret, liebet Eure Mitbürger, betrachtet uns nicht mehr als Eure Dränger, nicht als Mittel zum Zwecke. Haltet auch mit dem Pfunde Haus, das Gott in jedes Menschen Herz legte, mit dem Pfunde der beseligenden Liebe, der Liebe zum neuen Vaterlande, der Liebe zur ganzen Menschheit! Wir brechen unser Brot mit Euch, warum brecht Ihr es nicht mit uns? Über ein Kleines und Ihr werdet, wenn Ihr von den Zinnen Eures Tempels in das schöne Ries schauet, sehen, wie auch der Geist des deutschen Volkes in allen Richtungen weiter und weiter vorwärts strebt, bald werden Euch Feuerrosse an den gewaltigen Flügelschlag der Zeit mahnen. Rasch, rascher vorwärts! Folget! Lasset die alte Zeit hinter Euch, behaltet nichts, als den alten Gott, denn dieser Gott ist auch der unsere –und es ist keiner außer ihm! Christ oder Jude. – Wir sind Kinder eines Vaters, und in diesem Geiste – in diesem Sinne, sage ich Friede diesem Hause – Friede mit Euch!’'
  
Hinweis: Zur Einweihung komponierte David Pflaum eine wenig später veröffentlichte Komposition: 
Fest-Marsch & Chor zur Einweihung der neuen Synagoge in Pflaumloch, 
componirt und für das Pianoforte arrangirt. erschien in Pflaumloch [1846]. 4 autograph. S. qu-4°. 

Nach Abwanderung der meisten jüdischen Bewohner wurde die jüdische Gemeinde Pflaumloch 1906 aufgelöst. Das funktionslos gewordene Synagogengebäude schenkte die jüdische Gemeinde 1907 der Ortsgemeinde. Zudem wurde dieser das Geld für den Umbau des Gebäudes zur Verfügung gestellt. Den Schenkungsvertrag unterzeichnete am 24. Mai 1907 der aus Pflaumloch stammende Kommerzienrat Alexander von Pflaum (1839-1911). Er hatte in Stuttgart das von seinem Vater begründete Bankhaus Pflaum & Co. geleitet und genoss großes Ansehen in ganz Württemberg. Er war letzter Besitzer des Synagogengebäudes in Pflaumloch gewesen. Nach der Stiftungsurkunde sollte die Gemeinde mehrere Räume in der ehemaligen Synagoge einrichten, die der Abhaltung von Gemeindeversammlungen und Vorträgen dienen sollten. Auch eine Bibliothek, ein Lesezimmer, ein Kindergarten und eine Kleinkinderpflege-Diakonissenstation und weitere Räume für wohltätige Zwecke sollten eingerichtet werden. Die politische Gemeinde akzeptierte diese Bedingungen und begann alsbald mit dem Umbau des Gebäudes für öffentliche Zwecke der Gemeinde. Die "Allgemeine Zeitung des Judentums" meinte, dass es "wohl das erste derartige Fest- und Gemeindehaus in Deutschland (ist), das einer solch kleinen Gemeinde von nur 423 Einwohnern zur Verfügung steht und wie man es nur auch anderen Städten und Dörfern wünschen möchte". 
  
Auflösung der Gemeinde und Schenkung der Synagoge (1907)  

Pflaumloch FrfIsrFambl 09031906.jpg (53157 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 9. März 1906: "Stuttgart. Durch Wegzug sämtlicher Israeliten aus Pflaumloch (O.A. Neresheim) stand die sehr schöne und sehr geräumige Synagoge leer. Geheimer Kommerzienrat von Pflaum in Stuttgart, dessen Familie aus Pflaumloch stammt, erwarb die Synagoge und hat sie nun der Gemeinde Pflaumloch als Geschenk gegeben. In die frühere Synagoge sollen ein Gemeindesaal, eine Kleinkinderschule usw. eingebaut werden."   
    
Pflaumloch Israelit 15081907.jpg (202662 Byte)Artikel in der Zweitschrift "Der Israelit' vom 15. August 1907: "Aus Württemberg, 30. Juli (1907). Wie bereits früher in diesem Blatte berichtet wurde, ging vor einigen Jahren infolge Wegzugs der letzten Mitglieder die jüdische Gemeinde Pflaumloch bei Nördlingen ein. Die in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erbaute Synagoge (am Eingang sind die Buchstaben – hebräische Jahreszahl – zu lesen), die auf einer kleinen Anhöhe steht und fast das ganze kleine Dorf überragt, wurde von dem Geheimen Kommerzienrat Alexander von Pflaum in Stuttgart, einem geborenen Pflaumlocher, angekauft und der politischen Gemeinde Pflaumloch zum bleibenden Eigentum geschenkt und zwar mit folgenden Bestimmungen. Das Gebäude soll fortan dienen zur Aufnahme 1. einer Kleinkinderschule ohne Unterschied der Konfession, 2. zur Aufführung von musikalischen und anderen Vorträgen und Veranstaltungen zu Gemeindeversammlungen etc., 3. zur Aufnahme eines Lesehalle und 4. als Wohnung alter oder kranker Personen und einer Schwester, die die Pflege von Kranken in Pflaumloch und den umliegenden Orten, ebenfalls ohne Unterschied der Konfession besorgt. Gestern fand nun die feierliche Einweihung der neu erstellten Räumlichkeiten statt. Außer Herrn von Pflaum und den Vertretern der Behörden hatte sich das ganze Dorf und viele Freunde aus Nah und Fern zu dem gewiss seltenen Feste eingefunden. Nach einem einleitenden Gesang ergriff der Spender das Wort, um den Ursprung und den Weck seiner Schenkung darzulegen. Er gedachte dabei tiefergriffen der schönen Jugendzeit, die er in Pflaumloch verlebt, und in ehrenden Worten seines Lehrers Löwenstein, den er als Musterlehrer bezeichnete. Das Gebäude, das bisher schon ethischen Zwecken gedient hatte, solle auch fürder solchen Zwecken erhalten bleiben. Damit dies für die Zukunft gewährleistet sei, hat der Stifter ein Kapitel angelegt, von dessen Zinsen an die Gemeinde jedes Jahr der Betrag von 500 Mark ausgefolgt werden soll. Auch den gesamten Um- und Einbau hatte er auf seine Kosten übernommen. Der Vertreter der Regierung, Herr von Falch, betonte, dass alle Veranstaltungen, die mit den neu erstellten Räumlichkeiten im Zusammenhang stehen, allgemein bildend, fördernd, helfend, tröstend sein würden und dass nach dem Willen des Stifters alles, was eine Konfession verletzen könnte, streng ausgeschlossen sein müsse. Der Herr Schultheiß dankte im Namen der Gemeinde für die hochherzige Stiftung und überreichte Herrn von Pflaum zu dessen großer Überraschung ein kunstvolles Diplom, das seine Ernennung zum Ehrenbürger der Gemeinde enthielt." 

Übergabe der umgebauten Synagoge an die bürgerliche Gemeinde (1907)

Pflaumloch AZJ 09081907.jpg (63506 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. August 1907: "Stuttgart, 4. August. Der Geheime Kommerzienrat Alexander von Pflaum hat die durch Wegzug sämtlicher bisher dort wohnenden Juden entbehrlich gewordene Synagoge in Pflaumloch, einen stattlichen Bau in byzantinischen Formen, ein Werk seines Vaters, Elias Pflaum, des Begründers der bekannten Bank, angekauft und einen prächtigen Festsaal, der edler Geselligkeit und Belehrung dienen soll, ein Lesezimmer, eine Kleinkinderpflege, Diakonissenstation und weitere Räume zu wohltätigen Zwecken eingebaut und am 29. vorigen Monats seiner Heimatgemeinde persönlich übergeben, ein Zeugnis treuer Anhänglichkeit des Stifters an seine Heimat, und wohl das erste derartige Fest- und Gemeindehaus in Deutschland, das einer solch kleinen Gemeinde von nur 423 Einwohnern zur Verfügung steht und wie man es nur auch anderen Städten und Dörfern wünschen möchte."

In der NS-Zeit war ein NSV-Kindergarten im Gebäude untergebracht.
 
Anfang der 1960er-Jahre gab es für einen Kindergarten und einen Gemeindesaal bereits andere Räumlichkeiten. Damals war man bestrebt, eine andere repräsentative Nutzung für das Gebäude zu finden. Seit 1963/64 dient die ehemalige Synagoge als Rathaus/Verwaltungsgebäude der Gemeinde Pflaumloch, seit der Gemeindereform der Gemeinde Riesbürg. 1984 wurde eine Gedenktafel am Eingang angebracht. Das äußerlich kaum veränderte Gebäude enthält in seinem Inneren über dem heutigen Dachboden noch einige originale Deckenmalereien.
  
Seit September 2007 befindet sich im Gebäude eine Dauerausstellung zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Pflaumloch. 
   
   
    
Fotos 
Historische Ansichten/Foto: 
(Quelle für die Ansichtskarten: Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries) 

Historische Ansichten   Pflaumloch Synagoge 710.jpg (95187 Byte) Pflaumloch Synagoge 711.jpg (61444 Byte)
  Historische Ansichtskarte von Pflaumloch mit Blick auf Synagoge und Kirche, 
rechts Ausschnittvergrößerung, auf der links die Synagoge, rechts der
 jüdische Friedhof zu sehen sind.
   
Pflaumloch Synagoge D90.jpg (198459 Byte) Pflaumloch Synagoge D90a.jpg (237237 Byte) Pflaumloch Synagoge D90b.jpg (52245 Byte) Pflaumloch Synagoge D90c.jpg (70714 Byte)
Historische Ansichtskarte von Pflaumloch mit Ausschnittvergrößerungen:die Synagoge (Mitte) und das Geschäft der Gebrüder Oberdorfer (rechts); 
die Karte wurde am 12. Oktober 1902 aus Pflaumloch (unterzeichnet von S. Oberdorfer) an Lorenz Lechner in Birnbach (heute Bad Birnbach
 im Kreis Rottal-Inn)
        
Innenansicht 
(Quelle: Jüdische Gotteshäuser und 
Friedhöfe in Württemberg 1932 S. 116)  
Pflaumloch Synagoge1932.jpg (176627 Byte)
  Innenansicht der Synagoge (vermutlich um 1900) 
       
Ansichtskarte nach Umbau 
der ehemaligen Synagoge 
zum "Gemeindehaus"
(aus der Sammlung von 
Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
Pflaumloch Synagoge 718.jpg (54869 Byte) Pflaumloch Synagoge 719.jpg (66851 Byte)
     
 Die ehemalige Synagoge als 
"Kleinkinderschule"  
(aus der Sammlung von 
Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries) 
 Pflaumloch Dok 14043.jpg (211107 Byte) Pflaumloch Dok 14043a.jpg (200402 Byte) 
  Obige Karte wurde am 16. Oktober 1910 von Pflaumloch nach Stuttgart versandt  
     

Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Ansichtskarte um 1970 
(aus der Sammlung von 
Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
Pflaumloch Synagoge 715.jpg (54452 Byte) Pflaumloch Synagoge 716.jpg (62569 Byte)
         
     

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
Pflaumloch Synagoge 090.jpg (45921 Byte) Pflaumloch Synagoge 105.jpg (65452 Byte)
       Ehemalige Synagoge, jetzt 
Rathaus von Riesbürg
 Rückseitenansicht
  
       
 Pflaumloch Synagoge 104.jpg (69323 Byte) Pflaumloch Synagoge 101.jpg (60000 Byte) Pflaumloch Synagoge 091.jpg (75567 Byte)
Rückseitenansicht   Die 1984 angebrachte Hinweistafel
     
Pflaumloch Synagoge 103.jpg (57416 Byte) Pflaumloch Synagoge 100.jpg (56774 Byte) Pflaumloch Synagoge 102.jpg (71149 Byte)
Deckenmalereien im Dachgeschoss  
 
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 5.9.2003)
Pflaumloch Synagoge 151.jpg (55903 Byte) Pflaumloch Synagoge 152.jpg (58409 Byte)
  Ehemalige Synagoge, jetzt Rathaus von Riesbürg
   
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Blick von Nordosten auf das Gebäude Der Eingang Hinweistafel am Eingang
        
       
Fotos 2007 anlässlich der Eröffnung des Dauerausstellung zur jüdischen Geschichte im Riesbürger Rathaus - ehemalige Synagoge - am 30. September 2007 in Anwesenheit von Dr. Alexander Pflaum aus Wien, Nachkomme des jüdischen Ehrenbürgers in Pflaumloch Kommerzienrat Alexander von Pflaum (1839-1911) 
(Fotos: Hahn)
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Die ehemalige Synagoge (links), 
rechts die katholische Kirche
Blick von Nordosten 
auf das Gebäude
Hinweistafel 
am Eingang
     
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Zu Beginn der Eröffnungsfeier - die 
Tafeln (links) sind noch verhüllt
Begrüßung durch den Pflaumlocher 
Ortsvorsteher Gerhard Allgeyer
Links: Dr. Alexander Pflaum, Nachkomme des
 Kommerzienrates Alexander von Pflaum; rechts
 Bürgermeister Günther Neumeister (Riesbürg)
     
        
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Dr. Pflaum beteiligt sich an der 
Enthüllung der Tafel über die 
Familie Pflaum
Felix Sutschek (Kulturamtsleiter/ 
 Stadtarchivar in Bopfingen) erklärt die 
von ihm inhaltlich konzipierten Tafeln 
Schlussworte von 
Bürgermeister Günther Neumeister
 (Riesbürg)
     
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Felix Sutschek vor den Ausstellungstafeln  Dr. Alexander Pflaum im Gespräch  
     
 Die Deckenbemalung der Synagoge - auf dem Dachboden zu besichtigen   
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   Ein Teil der Bemalung: traditioneller
 blauer Sternenhimmel 
   
     
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Bei der Bemalung wurden unterschiedliche Formen charakteristischer Schablonenmalerei verwendet.
 
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  Rundbogenfenster im 
Giebel der Westseite 
 
        
Ergänzende Fotos von Angelika Brosig, Schopfloch (www.juden-in-schopfloch.de
April 2008)   
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Die ehemalige Synagoge Historisches Uhrwerk Rundbogenfenster mit Blick zur Kirche
     
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Deckenverzierungen und -malereien der ehemaligen Synagoge    

      
     
2009: Bemühungen um die Erhaltung der Deckenmalereien    

Pflaumloch Synagoge 0904.jpg (38622 Byte)Artikel in der "Augsburger Allgemeinen" vom 20. Januar 2009 (Artikel):  "Wertvolle Deckengemälde vor dem Verfall retten.
Pflaumloch
(gne) - Das Riesbürger Rathaus im Ortsteil Pflaumloch ist in einer ehemaligen jüdischen Synagoge untergebracht. Der repräsentative Bau an der Hauptstraße beherbergt in seinem Innern seit September 2007 eine Dauerausstellung zur jüdischen Geschichte des Ortes. Sein größter Schatz liegt jedoch seit 1906 (damals schenkte Kommerzienrat von Pflaum nach der Auflösung der jüdischen Gemeinde das Gebäude der politischen Gemeinde) von einer Zwischendecke verborgen unter dem Dach. Es sind die farbigen Ornamente, mit denen die Decke der Synagoge 1837 bei ihrem Bau ausgemalt worden war.
Sehr seltene Malerei. Dem Dornröschenschlaf der letzten hundert Jahre ist es zu verdanken, dass diese als Originalbefund sehr seltenen Malereien in recht guter Qualität erhalten sind. Doch auch auf dem Dachboden des Riesbürger Rathauses nagt der Zahn der Zeit. Der bemalte Putz, durch Stroh und Schilf mit dem Gebälk verbunden, bröckelt ab. Ganze Platten sind bereits unwiederbringlich verloren. 
Der SPD-Landtagsabgeordneten Ulla Haußmann, die die Malereien bei der Ausstellungseinweihung schon bewundert hatte, ließ der Verfall keine Ruhe. Ihrem Einsatz ist es zu verdanken, dass sich gestern schließlich der Präsident des Landesamts für Denkmalpflege Prof. Dr. phil. Dieter Planck selbst ein Bild vom Zustand der Synagogendecke machte. Auch der oberste Denkmalschützer des Landes war von der Größe des Gebäudes und von dem guten Erhaltungszustand der Deckenmalerei tief beeindruckt. 'Ein Glücksfall - der Originalbestand muss natürlich gesichert werden', versprach Planck Bürgermeister Günther Neumeister. Sehr angetan zeigte er sich auch von dem großen ehrenamtlichen Engagement Felix Sutschek, Stadtarchivar in Bopfingen und Fachmann für jüdische Geschichte im Ostalbkreis. Als Pflaumlocher Bürger hatte dieser die Ausstellung konzipiert. Sutschek war es auch, der den Gast bei der Besichtigung über die reiche, jüdische Geschichte Pflaumlochs informierte.  Bürgermeister Neumeister freute sich sehr über Plancks Zusage. 'Der Erhalt liegt uns als Gemeinde sehr am Herzen und auch die Bürger sind sehr an ihrer Ortsgeschichte interessiert', versicherte er. Doch nicht nur für Einheimische und historisch Interessierte sind die Ausstellung in der ehemaligen Synagoge und die Deckengemälde ein Anreiz, auch für die Nachkommen der jüdischen Familien sind sie, ebenso wie die jüdischen Friedhöfe, von großer Bedeutung, fügte Felix Sutschek für den Raum Bopfingen und die Synagoge Oberdorf hinzu. 'Wir haben zahlreiche Besucher aus Übersee.'  
Das sind die Pläne: Was passiert nun mit den Ornamenten? Der Präsident des Landesdenkmalamtes, Dieter Planck, wird zunächst seine Restauratoren schicken, um die Schäden und die weitere Gefährdung zu prüfen. Aufgrund des Befunds wird ein Sicherungskonzept erstellt. 'Eine Restaurierung wird es in dieser Generation nicht geben', dämpfte Planck noch vor Ort allzu große Euphorie. Wichtig sei zunächst, die Malereien vor weiterem Verfall zu sichern. Dies sei natürlich mit erheblichen Kosten verbunden. Zur Finanzierung stellte er Mittel des Landesdenkmalamts in Aussicht und eine Förderung über die Landesdenkmalstiftung."   

    
      

Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Riesbürg  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Pflaumloch (interner Link)  

Family sheet Family Pflaum - Pflaumloch / Familienblatt zur Familie Pflaum aus Pflaumloch, erstellt von Rolf Hofmann (pdf-file)  

Website des Jüdisch Historischen Vereins Augsburg mit einer Seite zur jüdischen Geschichte in Pflaumloch   

Literatur:

Germania Judaica III,2 S. 1106. 
Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 149-150.
E. Stäbler: Pflaumloch im Ries – eine Ortsgeschichte. 1956. S. 59-64.

Felix Sutschek: Zur Geschichte der Juden in Pflaumloch. In: Peter Fassl (Hg.): Geschichte und Kultur der Juden in Schwaben II. Neuere Forschungen und Zeitzeugenberichte. (= Irseer Schriften Band 5). Stuttgart 2000. S. 161-174.

ders.: Zur Geschichte der Juden in Pflaumloch. In: Ostalb-Einhorn. 30 2003 S. 15-27
Faltblatt zur "Ausstellung zur jüdischen Geschichte in Pflaumloch" (von 2007):
Pflaumloch Faltblatt 01.jpg (65031 Byte) Pflaumloch Faltblatt 02.jpg (171613 Byte)

   
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Pflaumloch  Wuerttemberg. The 17th century community grew to 255 in 1854 but in the wake of emigration no Jews were left by 1910. The cemetery was desecrated in 1976.  
    
     

                   
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Stand: 17. März 2014