Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Oberdorf (Stadt Bopfingen, Ostalbkreis) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

      
Es besteht eine weitere Seite mit Texten und Dokumenten zur jüdischen Geschichte in Oberdorf    


An den nachfolgenden Abschnitten dieser Seite wird noch gearbeitet

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge     
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur     

    
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english version)

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zu verschiedenen Ortsherrschaft (Reichsstadt Bopfingen, Grafen von Oettingen) gehörenden Oberdorf bestand eine jüdische Gemeinde bis 1939. Ihre Entstehung geht in die Zeit Anfang des 16. Jahrhundert zurück (Ausweisung der Juden aus Nördlingen 1507; erste Erwähnungen von Juden im oettingischen Teil von Oberdorf 1510-14). 1659 wurden die Juden vorübergehend ausgewiesen. 1688 waren sechs jüdische Familien am Ort. 
  
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1846 mit 548 Personen erreicht (40 % der Gesamtbevölkerung). 
  
Oberdorf war seit 1832 Sitz eines Bezirksrabbinates, zu dem auch die Gemeinden in Aufhausen, Pflaumloch, Lauchheim, Ellwangen und später Schwäbisch Gmünd gehörten. 1931 wurde das Rabbinat aufgelöst. 
  
Die jüdischen Familien lebten zunächst vor allem vom Handel mit Waren aller Art. Seit dem 19. Jahrhundert gab es unter den jüdischen Ortsbewohnern auch Handwerker, einen Landwirt, Fabrikanten und Inhaber von Einzelhandelsgeschäften.   
      
Auf Grund der Judenverfolgungen und -ermordungen in der NS-Zeit kamen von den 1933 in Oberdorf wohnhaften 87 jüdischen Personen mindestens 36 ums Leben.   
   
  

Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge

Erste Synagogen wurden 1704 und 1744/45 erbaut. Für die Benutzung der Synagoge hatte die jüdische Gemeinde an den Landesherrn eine Steuer (Synagogengeld beziehungsweise Herbstzins genannt) zu entrichten. 1744 und 1806 waren dies fünf Gulden im Jahr. 

Die 1744/45 erbaute Synagoge stand bereits auf dem heutigen Grundstück Lange Straße 15. Nachdem diese Synagoge baufällig geworden war, beschloss die Gemeinde, an der Stelle der alten eine neue Synagoge zu erbauten. Am 28. März 1809 konnte vor dem Justizamt Baldern zwischen den beiden jüdischen Gemeindevorsteher Isak Löw und David Abraham und Maurermeister Johann Beck von Oberdorf sowie Zimmermeister Kaspar Hardung von Röttingen ein Vertrag über die durchzuführenden Arbeiten und die Kosten unterzeichnet werden. Nach diesem Vertrag war die alte Synagoge von den beiden Baumeistern abzubrechen und unter ihrer Verantwortung der Neubau möglichst schnell zu erstellen. Ein an die alte Synagoge angebautes Wohnhaus sollte stehen bleiben und renoviert werden. Alle übrigen, als "schadhaft" charakterisierten Mauern mussten abgebrochen werden. Die neue Synagoge sollte fünf bis sechs Schuh höher als die bisherige werden. Von einer Vergrößerung der Fläche des Grundrisses gegenüber der alten Synagoge ist nicht die Rede. Über dem Betsaal sollte eine neue Gipsdecke hergestellt werden, an der die bisherigen Malereien neu aufgetragen werden sollten. Die Synagoge sollte insgesamt 24 Fenster haben (auf jeder Seite der Länge nach drei, auf der Vorderseite zwei sowie zwei Rundfenster; in der "unteren Weiberschule" sechs, in der oberen Weiberschule auf jeder Seite zwei und im Bereich der beiden Aufgänge jeweils zwei). Das bisherige Pflaster des Betsaales sollte während der Bauarbeiten abgedeckt und für den Neubau verwendet werden. Der neue Dachstuhl sollte "von starkem Holz" gemacht werden; das alte Holz nicht wieder verwendet werden. Teile der Treppen und des Bodens der Frauenempore aus der alten Synagoge konnten jedoch wiederverwendet werden. Für die Baumaßnahmen erhielten die Baumeister zusammen 1.614 Gulden, die je nach Baufortschritt auszubezahlen waren. Die Bauarbeiten sind 1809 bis 1812 durchgeführt werden. Ein Einweihungsdatum ist nicht bekannt. Die Jahreszahl "1812" findet sich jedoch bis heute an der Ostwand des Synagogengebäude. 

1847 befand sich die Synagoge nach dem Bericht des Oberamtes an die Israelitische Oberkirchenbehörde in Stuttgart wiederum in "schlechtem Zustand". Außerdem sei das Gebäude für die große Gemeinde zu klein geworden, nur 60 Fuß lang, 40 Fuß breit und 20 bis 24 Fuß hoch. Die jüdische Gemeinde wurde beauftragt, Abhilfe zu schaffen, doch waren die Geldmittel so knapp, dass bis 1857 nichts geschah. Erst nachdem aus dem Reservefond der Staatskasse 200 Gulden bewilligt wurden (1858, siehe Bericht), konnte man an die Erneuerung der Inneneinrichtung der Synagoge gehen. Sie kostete die Gemeinde insgesamt 990 Gulden. Eine Vergrößerung erübrigte sich, da die Zahl der Gemeindeglieder seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zurück ging. 

Zuschuss des Königs zur Restauration der Synagoge (1858)  

Oberdorf AZJ 15031858.jpg (17418 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. März 1858: "Der Gemeinde Oberdorf wurde von Seiner Majestät dem Könige ein ansehnlicher Beitrag zu den Kosten der Restauration ihrer Synagoge überwiesen." 

Ein letztes Mal vor der Demolierung 1938 wurde die Synagoge im Herbst 1933 renoviert. Die Gemeindezeitung berichtet am 8.11.1933: "In der neu hergerichteten Synagoge fand am ersten Schabbat nach dem Einzuge ein feierlicher Gottesdienst statt, bei dem Oberlehrer Erlebacher die Weiherede hielt. Die vorgenommenen Arbeiten fielen zur vollsten Zufriedenheit aus". 

In der Nacht zum 10. November 1938 blieb es um die Synagoge in Oberdorf ruhig. Die örtliche SA-Führung weigerte sich, die Synagoge zu zerstören. In der folgenden Nacht kamen auswärtige SA-Leute, die die Polsterbänke aufschlitzten und in der Synagoge Brand legten. Ein Teil der Inneneinrichtung wurde dadurch zerstört, doch konnte das Feier gemeinsam von jüdischen und nichtjüdischen Oberdorfer Einwohnern gelöscht werden. Auch die Torarollen wurden gerettet. Nach der Pogromnacht hatten die Juden keinen Zugang mehr zur Synagoge. Das Gebäude wurde 1939 an die politische Gemeinde Oberdorf verkauft, die sie wiederum an den örtlichen Turnverein zur Nutzung als Turnhalle weiterverkaufte. Im weiteren Verlauf des Krieges diente das Gebäude als Unterkunft für Zwangsarbeiter. Nach Kriegsende stand das Gebäude zunächst leer. 

1950 richtete in der ehemaligen Synagoge die katholische Gemeinde eine Kirche ein. Beim Umbau zur Kirche wurde ein hölzerner Dachreiter zugefügt. Über die Einweihung als katholische Kirche liegt ein Presseartikel vom 18. Dezember 1950 vor (erhalten von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries): 

Oberdorf Synagoge 193.jpg (145994 Byte)"Oberdorfer Synagoge wurde katholische Kirche. Abtpräses Bernhard Durst benedizierte sie gestern in festlichem Gottesdienst. Es war ein glücklicher Gedanke, die Synagoge der früheren israelitischen Gemeinde Oberdorf-Bopfingen für Gottesdienstzwecke aufzukaufen. Nur wenige Synagogen überlebten die Stürme des Dritten Reiches. Dank der kameradschaftlichen Haltung eines Oberdorfer Mannes, der in der Religion eines anders Gesinnten nicht seinen Gegner, sondern den Menschen und Bruder sah, wurde die Synagoge nicht ein Opfer des 'einstigen Sturmes der Entrüstung', wie man die Frevel an jüdischen Gotteshäusern rechtfertigen wollte. Nachdem die israelitische Gemeinde nicht mehr bestand, diente die Synagoge vorübergehend als Turnraum. 
Der Umbau zu einer katholischen Kirche lag in den Händen von Architekt Lense. Danke des Arbeitseinsatzes der Kolpingsöhne konnten erhebliche Summen eingespart werden. Eine schlichte Dorfkirche, die den Besucher von heute anspricht, wurde geschaffen. Die Außenarchitektur wurde durch den Dachreiter geändert, der die Anbringung einer Glocke ermöglichte. Mit dem Festgottesdienst am Sonntag wurde die Kirche der katholischen Kirchengemeinde Oberdorf übergeben. Die Benediction des Gotteshauses hatte im Auftrag des Bischofs Abtpräses Dr. Durst Neresheim, übernommen. Schon vor Beginn des Gottesdienstes hatte sich eine zahlreiche Gemeinde von Oberdorf und Bopfingen versammelt. Die Kirche vermochte die zum Fest Gekommenen kaum zu fassen. Zu Beginn des Gottesdienstes sang der gemischte Chor von Oberdorf den Hymnus 'Die Himmel rühmen' unter Leitung von Lehrer Kurdum. Der Kirchenchor von Bopfingen erhöhte weiter die Feierlichkeit durch altes und neues kirchliches Liedgut.
In seiner Festpredigt beglückwünschte Abtpräses Dr. Durst die katholische Kirchengemeinde Oberdorf zu ihrem neuen Gotteshaus. Er verglich die Weihe des Gotteshauses mit der Weihe des salomonischen Tempels. Dabei zeige es sich, wie viel glücklicher sich heute die katholische Kirchengemeinde fühlen darf, da der menschgewordene Gottessohn in ihrer Kirche immer zugegen sei. Eingroßes Glück sei es, ein Gotteshaus zu haben, von dem täglich Hilfe und Trost ausgehe. Dieses Geschenk verdiene Danke und erwarte einen eifrigen Besuch. Im Hochamt fand der Festgottesdienst einen Höhepunkt... Sein Dank galt allen Mitarbeitern beim Bau der neuen Kirche: Amtmann Weber, Architekt Lense und den Kolpingssöhnen. 
Stadtpfarrer Hartmann dankte namens der evangelischen Geistlichen für die Einladung und wünschte dem neuen Geistlichen eine segensreiche und erfolgreiche Arbeit. Stadtrat Schwarz sprach für die Albert-Pfister-Oberschule und versprach sich in Pfarrer Burckhardt eine wertvolle Mitarbeit. Rektor Schmetzer brachte die Glückwünsche der Lehrerschaft der Volksschule entgegen und begrüßte Pfarrer Burckhardt als Mitarbeiter in der christlichen Erziehung der Jugend. Bürgermeister Hirsch, Oberdorf, gab seiner Freude Ausdruck, dass das Werk des Kirchenumbaues so glücklich vollendet wurde. Im Namen der katholischen Kirchengemeinde sprach Raab. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass das Band mit der Kirchengemeinde Bopfingen nach wie vor erhalten bleiben möge. Amtmann Weber wies auf die sozialen Verhältnisse der neuen kirchlichen Gemeinde hin, die gern für weitere Scherflein eine offene Hand habe. Dekan Michel, der den neuen Geistlichen aus seiner Tätigkeit in Nattheim bereits kannte, wünschte für den neuen Wirkungskreis eine segensreiche Arbeit. 
Pfarrer Burckhardt dankte für die Glückwünsche. Selbst Heimatvertriebener, habe er das Los des vom Heimatboden entwurzelten Menschen zutiefst empfunden und daher volles Verständnis für die Nöte und Sorgen seiner Leidensgenossen. Die Arbeit an der Jugend sei ihm stets am Herzen gelegen und sein Abschied von seiner letzten Gemeinde sei ihm gerade der Jugend wegen so schwer gefallen. Mit der evangelischen Kirchengemeinde wünsche er eine harmonische Zusammenarbeit. Als Sohn eines Mesners 'hochgeboren' in der Wohnung des Kirchturmes zu Teplitz sei er in kirchlicher Atmosphäre aufgewachsen. Von seiner Aufgabe erfüllt wünsche er stets eine offene Kritik, auch wenn sie in rauen Tönen klingen möge. Chorleiter Kränzle stellte sich als Leiter des neuen Kirchenchores vor und bat um Mitarbeit. Anschließend spielte die Kolpingsfamilie das heitere Stück 'Die Kirchensteuer'. Den Abschluss des Festes bildete ein Abendgottesdienst in der neuen Kirche in Oberdorf unter Mitwirkung des neugegründeten Kirchenchores."

Nach dem Neubau einer katholischen Kirche in Oberdorf wurde die ehemalige Synagoge von 1969 bis 1988 das Haus als Lagerraum verwendet. 

1989 erwarb ein damals gegründeter "Trägerverein ehemalige Synagoge Oberdorf e.V." das Gebäude. Nach umfangreichen Baumaßnahmen, bei denen auch eine Genisa entdeckt wurde, konnte 1993 das Haus als "Gedenk- und Begegnungsstätte ehemalige Synagoge Bopfingen-Oberdorf" eröffnet werden. Ausstellungen, Konzerte und Vorträge halten die Erinnerung an das Judentum wach. Seit 1997 ist hier auch das "Museum zur Geschichte der Juden im Ostalbkreis" untergebracht. Von den ursprünglich 17 Torarollen der Synagoge kam eine Torarolle als Dauerleihgabe durch den aus Oberdorf stammenden Karl Heimann zurück nach Oberdorf. Vor der Nische des ehemaligen Toraschreiner mit der freigelegten Freskenbemalung steht ein Werk des Künstlers Georg Sternbacher: aus verkohltem Holz erwächst der Menora-Leuchter als Lebensbaum.  
  
Ein "Opferstock" (Zedaka-Büchse) aus der ehemaligen Synagoge wurde nach 1945 in der evangelischen Kirche als Opferstock aufbewahrt und ist jetzt in der ehemaligen Synagoge ausgestellt. Er war von Rabbiner Kroner gestiftet worden und trägt die Inschrift (hebräisch): "Hilfe für Arme").  
   
   

 
Fotos 
Historische Fotos und Karten: 
(Quelle für das Foto obere Zeile: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. 1932)  

Aufnahme von 1932 Oberdorf Synagoge 001.jpg (89883 Byte)
Außenansicht der ehemaligen Synagoge mit dem aus dem Vorgängerbau von 1754 stammenden Hochzeitsstein
   
Historische Karten von Oberdorf zu Synagogen und jüdischen Gewerbebetrieben
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
 
Oberdorf Synagoge 217.jpg (42716 Byte) Oberdorf Synagoge 170.jpg (53696 Byte) Oberdorf Synagoge 171.jpg (49952 Byte)
Am linken Bildrand die Synagoge Kolorierte Ansichtskarte von Oberdorf, Ausschnittsvergrößerung: die Synagoge
   
Oberdorf Synagoge 295.jpg (95842 Byte) Oberdorf Synagoge 296.jpg (54179 Byte)
 Dieselbe Karte wie oben - verschickt im August 1898 von Bopfingen nach Heidenheim. Absender der Karte war Sophie Kahn, Tochter von Wolf Kahn, Kaufmann von Buttenhausen und Laura geb. Sänger aus Oberdorf (verheiratet seit 18. August 1868 in Buttenhausen, seit 1879 Familien wohnhaft in Oberdorf). Kinder: Emma (Ester), geb. 19. August 1869, Nathan geb. 7. August 1874, gest. 5. Juni 1909; Sophie, geb. 25. Februar 1876 (verh. am 17.Juli 1899 mit Baruch Reis, Kaufmann aus Heilbronn). 
Sophie Reis wurde nach der Deportation 1942 vermutlich in Maly Trostinec ermordet.
   
Oberdorf Ort 110.jpg (63200 Byte) Oberdorf Ort 111.jpg (69264 Byte) Oberdorf Ort 112.jpg (61304 Byte)
Kolorierte Ansichtskarte von Oberdorf mit zwei jüdischen Geschäften: Textilwarengeschäft H. L. Heimann (Ellwanger Str. 46/48) Handlung von Amson Lehmann
     
    Oberdorf Synagoge 077.jpg (52694 Byte) Oberdorf Synagoge 078.jpg (12606 Byte)
    Bildmitte: die Synagoge; rechts Ausschnittvergrößerung
   
Oberdorf Ort 194.jpg (29132 Byte) Oberdorf Synagoge 196.jpg (50474 Byte) Oberdorf Synagoge 197.jpg (52559 Byte)
 Gebäude der jüdischen Schule und der Mikwe  Karte mit Kuriosum: die Synagoge hat nur einen Männereingang; anstelle des Fraueneingangs ein Fenster.
   

     

Fotos der Synagoge nach 1945/Gegenwart:  

Oberdorf Synagoge 082.jpg (47622 Byte) Oberdorf Synagoge 192.jpg (64399 Byte) Oberdorf Synagoge 191.jpg (59555 Byte)
Aus den 1950er-Jahren: die ehemalige Synagoge (mit Türmchen) ist zur katholischen Kirche geworden Vergrößerungen aus dem oben zitierten Pressebericht
   
Foto um 1960:  Oberdorf Synagoge 218.jpg (94173 Byte)  
   Weitere Innenaufnahme    
Fotos Ende 1983:
(Fotos: Hahn)
   
Oberdorf Synagoge 212.jpg (83711 Byte) Oberdorf Synagoge 213.jpg (59135 Byte) Oberdorf Synagoge 215.jpg (45086 Byte)
Außenansichten der ehemaligen Synagoge mit dem 1950 erstellten hölzernen Dachreiter Fenster aus der Zeit als katholische Kirche
   
Oberdorf Synagoge 214.jpg (48303 Byte) Oberdorf Synagoge 211.jpg (42850 Byte) Oberdorf Synagoge 216.jpg (49090 Byte)
   Säule unter der ehemaligen Frauenempore Blick zum Platz des ehemaligen Toraschreines
      
Fotos um 1985:
(Fotos: R. Rasemann)

 

Oberdorf Synagoge 300.jpg (97154 Byte) Oberdorf Synagoge 301.jpg (82993 Byte)
   Die ehemalige Synagoge von Süden Die ehemalige Synagoge von Südosten
     
Oberdorf Synagoge 303.jpg (91711 Byte) Oberdorf Synagoge 302.jpg (92314 Byte) Oberdorf Synagoge 304.jpg (132235 Byte)
Der Eingang in den Betsaal (Eingang für die Männer) Der Eingang zur Frauenempore     
     
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 5.9.2003)
Oberdorf Synagoge 151.jpg (62276 Byte) Oberdorf Synagoge 152.jpg (29431 Byte)
   Der Weg zur ehemaligen Synagoge ist im Ort gut ausgeschildert Westfassade mit Eingängen
     
Oberdorf Synagoge 156.jpg (35765 Byte) Oberdorf Synagoge 150.jpg (36489 Byte) Oberdorf Synagoge 153.jpg (44367 Byte)
Die Ehemalige Synagoge von Nordosten Die Ostfassade erhält das volle Morgenlicht Schaukasten für Veranstaltungen in der ehemaligen Synagoge
Oberdorf Synagoge 155.jpg (33887 Byte) Oberdorf Synagoge 154.jpg (41526 Byte)   
Ehemaliger Männereingang Ehemaliger Fraueneingang   
         
Die ehemalige Synagoge im Herbst 2007
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 30.09.2007)
  
Oberdorf Synagoge 856.jpg (65464 Byte) Oberdorf Synagoge 855.jpg (67227 Byte) Oberdorf Synagoge 854.jpg (69148 Byte)
Blick auf die ehemalige Synagoge Ehemaliger Männereingang Ehemaliger Fraueneingang
     
Oberdorf Synagoge 840.jpg (63605 Byte) Oberdorf Synagoge 842.jpg (58788 Byte) Oberdorf Synagoge 843.jpg (68085 Byte)
Blick zum Bereich des ehemaligen Toraschreines Inschriften und Symbole über dem Platz des Toraschreines Menora
     
Oberdorf Synagoge 841.jpg (57183 Byte) Oberdorf Synagoge 844.jpg (89249 Byte) Oberdorf Synagoge 849.jpg (69411 Byte)
Kapitell einer Säule unter der Empore Gebrannte Tafeln mit den Namen der Deportierten Blick von der ehemaligen Frauenempore
     
Oberdorf Synagoge 845.jpg (58397 Byte) Oberdorf Synagoge 846.jpg (61745 Byte) Oberdorf Synagoge 853.jpg (64560 Byte)
Aufgang zur Frauenempore Ausstellungstafeln auf der Empore Vitrine mit Ritualien - Geschenke der Familie Neumetzger
     
Oberdorf Synagoge 850.jpg (56370 Byte) Oberdorf Synagoge 847.jpg (60981 Byte) Oberdorf Synagoge 848.jpg (63174 Byte)
Funde aus der Genisa Originale Menora auf Oberdorf Deckenleuchter aus der Synagoge Oberdorf
     
Oberdorf Synagoge 851.jpg (59915 Byte) Oberdorf Synagoge 852.jpg (56089 Byte) Oberdorf Synagoge 857.jpg (85817 Byte)
Spendenbüchse, hebräisch:
 "Hilfe für Arme"
Torarolle - Dauerleihgabe der Familie Heimann Blick von der ehemaligen Synagoge (rechts) zum Ipf 

    
     

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte      

September 2008:  Ausstellung 'Begegnung mit besonderen Menschen"

Anlässlich des Tages der Europäischen Jüdischen Kultur im Jahr 2008 zeigte die ehemalige Synagoge im Bopfinger Ortsteil Oberdorf eine Rarität besonderer Art. Die reich bebilderte Ausstellung auf 50 Tafeln mit dem Titel "Begegnung mit bemerkenswerten Menschen" 
umfasste eine Fülle interessanter Kurzbiographien jüdischer Persönlichkeiten, die einst ihre familiären Wurzeln im Nördlinger Ries hatten und dann in Stuttgart, München oder gar in Nordamerika eine berufliche Existenz gefunden haben. Erarbeitet wurde die Ausstellung von Rolf Hofmann (Stuttgart) - entstanden ist diese Fülle jüdischer Lebensbilder aus der Kooperation mit den Fürstlichen Archiven auf Schloss Harburg bei Nördlingen. Großformatige Fotos und kurzweilige Texte gewähren Einblick in eine längst vergangene Zeit. Diese in Art und Umfang (20 laufende Meter) außergewöhnliche Ausstellung wurde bisher noch nirgendwo gezeigt. Eröffnet wurde diese Präsentation jüdischer Lebensbilder am Sonntag, den 7. September 2008 um 14 Uhr. Weitere Möglichkeiten der Besichtigung gab es bis zum 1.11.2008 jeweils samstags und sonntags 14-16 Uhr. 

OBERDORF-TOTAL-1.jpg (42656 Byte) OBERDORF-DETAIL-2.jpg (55476 Byte) OBERDORF-ECKE-1.jpg (40792 Byte) OBERDORF-KRIEG.jpg (37542 Byte) OBERDORF-DETAIL-1.jpg (49648 Byte)

 

Bericht über die Ausstellungseröffnung   
Artikel von Erwin Hafner in der "Gmünder Tagespost" vom 9. September 2008:  "Ausstellungseröffnung "Begegnung mit bemerkenswerten Menschen" 
Seit Sonntag, dem europäischen Tag der jüdischen Kultur, wird in der ehemaligen Synagoge Oberdorf bis 2. November eine außergewöhnliche Ausstellung unter dem Thema "Begegnung mit bemerkenswerten Menschen" präsentiert, die von Landrat i. R. Dr. Diethelm Winter als Vorsitzendem des Trägervereins bei hervorragendem Besuch eröffnet wurde. 
Bopfingen-Oberdorf. Die von Rolf Hofmann (Stuttgart) zusammengestellte Ausstellung, in die er auch einführte, umfasst auf 50 bebilderten Tafeln eine Fülle interessanter Kurzbiographien jüdischer Persönlichkeiten, die einst ihre Wurzeln im Ries hatten und dann in Stuttgart, München oder gar in Nordamerika eine berufliche Existenz gefunden hatten. Entstanden sind diese ungewöhnlichen Lebensbilder aus der Kooperation mit den Fürstlichen Archiven auf Schloss Harburg. Diese in Art und Umfang (20 laufende Meter) ungewöhnliche Ausstellung wurde bisher noch nirgendwo gezeigt. Wesentlicher Bestandteil sind auch unsere heimischen Orte mit einst hohem jüdischem Bevölkerungsanteil wie Pflaumloch, Oberdorf, Aufhausen, Lauchheim und Ellwangen. Sie gehörten zur Grafschaft Oettingen bzw. zu deren nachbarschaftlichem Umkreis und demnach zum selben Kulturkreis, dem Ries. Auch in diesen Orten befinden sich im Archiv des Harburg-Projektes Familienblätter und Gräberlisten, sowie Aufzeichnungen interessanter Episoden und bemerkenswerter familiengeschichtlicher Ereignisse. Der Lauchheimer Heimathistoriker Peter Maile griff in seinem Vortrag die in Familienbesitz befindliche Vita des 1789 geborenen Isaak Hess heraus, der einst der jüdischen Gemeinde in Lauchheim vorstand. Er schilderte ihn als, einen Vordenker für die Gleichberechtigung der Juden im neuen Württemberg, der viel für soziale Einrichtungen getan hatte. Namens der Ellwanger Autorin und Pädagogin Barth-Grözinger ergänzte Rolf Hofmann die Erinnerungen mit einem Lebensbild des Alexander von Pflaum, der als Förderer der württembergischen Wirtschaft gilt und dessen wertvolle Gemäldesammlung sich heute in der Stuttgarter Staatsgalerie befindet. Später wurde von Pflaum Ehrenbürger von Oberdorf bzw. von Bopfingen. In bewährter Weise brachte das Duo Jabadao (Ehepaar Hartmann) jüdische Lebensart und Sitten mit Witz und Charme in seinen Liedern zum Ausdruck, während das Ehepaar Allgeyer wiederum bestens für die Bewirtung mit Kaffee, Kuchen und jüdischen Roggele sorgte. Anschließend führte Felix Sutschek durch den Museumsteil der Synagoge und später über den Oberdorfer Judenfriedhof.  
  
Rechts: Bericht in der Ipf- und Jagst-Zeitung 
vom 9. September 2008
Oberdorf Ausstellung 2008010.jpg (243792 Byte) Rechts: Bericht in der "Schwäbischen Post" 
vom 9. September 2008
Oberdorf Ausstellung 2008011.jpg (173389 Byte)
  
Im Zusammenhang mit der Ausstellung: Artikel über die fünf Kriegsteilnehmer (im Ersten Weltkrieg) der Familie Heimann   
Oberdorf Ausstellung 09010.jpg (126269 Byte)Foto links: Die fünf Kriegsteilnehmer der Familie Heimann.  
Artikel von Erwin Hafner in der "Schwäbischen Post" vom 25. Juli 2009 (Artikel):  Bruchlandung auf dem Sandberg
Jüdische Persönlichkeiten: Fünf Heimann-Brüder waren im Ersten Weltkrieg tapfere Frontsoldaten. 

In Verbindung mit der von Rolf Hofmann zusammengestellten Ausstellung und dem vom Trägerverein ehemalige Synagoge Oberdorf herausgegebenen Katalog 'Begegnung mit bemerkenswerten Menschen' veröffentlicht die "Schwäbische Post" in loser Folge Lebensbilder jüdischer Persönlichkeiten aus dem Ries. Heute wird über die fünf Heimann-Brüder und deren Neffen berichtet.
Bopfingen-Oberdorf. Mitten im Ersten Weltkrieg landete auf dem Sandberg ein deutscher Schlachtflieger, der unerlaubt, aber wie Flieger halt so sind, bei seinen Eltern in Oberdorf einen Abstecher machen wollte. Dabei wurde der hölzerne Propeller an einem Felsstück zertrümmert, so dass die Maschine nicht wieder starten konnte. "Später isch der Propeller an der Wand en dr Wohnstub von meine Großeltera g’hanga, weil der Pilot nämlich ihr Sohn Siegfried gwä isch und der übrigens au den Schada aus oigener Tasch hot zahla müaßa". In breitesten Schwäbisch, gerade so als wenn er erst vor kurzem und nicht tatsächlich vor 70 Jahren in die USA ausgewandert wäre, erzählte dies Udo Günther Heimann bei seinem letzten Besuch im Heimatort seiner jüdischen Familie. Aus New Jersey mitgekommen waren noch seine beiden Söhne und weitere Familienangehörige. Udo ist ein Vetter von Karl Heimann, der als erster aus seiner Sippe den Kontakt zu Oberdorf wieder hergestellt und der ehemaligen Synagoge die dort ausgestellte Thorarolle als Leihgabe überlassen hat.  Seit vielen Monaten ist Karl Heimann, der immer wieder Oberdorf besucht hatte, leider gesundheitlich sehr angeschlagen. Udo Heimann hatte viele Erinnerungen mit im Gepäck: ein Zeugnis seines Vaters aus dem Jahr 1901, der in Bopfingen die Realschule besucht hatte, alte Dokumente, Familienfotos und ein Buch aus dem Jahr 1924 "Jüdische Flieger im Ersten Weltkrieg". Zu denen zählte auch der besagte Onkel Siegfried, der als tollkühner Pilot mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet worden war. Später wanderte er nach Argentien aus. Mit Siegfried dienten vier weitere Brüder im Ersten Weltkrieg im kaiserlichen Heer. Julius musste an der Front sein Leben lassen, Udos Vater Hermann und dessen Bruder David konnten sich 1939 gerade noch rechtzeitig durch Auswanderung in die USA vor den Nazis retten, während Bruder Max die Hoffnung nicht aufgab und so ein Opfer des Holocaust wurde.
Udo wuchs in Untertürkheim auf, wo die Eltern wohnten, aber in der Königstraße 1 in Stuttgart ein gut gehendes Textilgeschäft führten. Gerne verbrachte er jedoch die Ferien bei den Großeltern in Oberdorf, die hier eine eigene Firma hatten. Als 15-Jähriger floh er mit den Eltern vor dem Nazi-Terror. Zwar konnte die Familie noch ihre Möbel in die USA mitnehmen. Das Geld mit den Einnahmen für das zuvor verkaufte Geschäft aber beschlagnahmten die braunen Machthaber. 
Im Zweiten Weltkrieg landete Udo Heimann am D-Day mit den US-Truppen am legendären Strandabschnitt von Omaha Beach in der Normandie und rückte mit der US-Armee bis nach Magdeburg vor. Wenig später brauste Udo als GI mit dem Jeep gen Süden und sorgte in Oberdorf für nicht geringes Aufsehen, als er dort ehemalige Freunde aufsuchte. Nach dem Krieg arbeitete er in New Jersey als Werkzeugmacher. In einem weiteren Buch, das Udo Heimann dabei hatte, sind sämtliche jüdischen Teilnehmer am Ersten Weltkrieg nach Orten aufgelistet, die auf deutscher Seite gekämpft hatten. So dienten in Oberdorf von 184 jüdischen Bürgern 37 in der Armee, fünf von ihnen sind gefallen, 13 wurden verwundet.
 
Juni 2009: 20 Jahre Trägerverein ehemalige Synagoge Oberdorf 
Oberdorf PA 0609.jpg (69766 Byte)Artikel (mit Repro links - afn) von Erwin Hafner in der "Schwäbischen Post" vom 17. Juni 2009:  "Die Erinnerung bewahren
Der Trägerverein ehemalige Synagoge Oberdorf blickt auf sein 20-jähriges Bestehen
". 
Im Beisein von Regierungspräsident Johannes Schmalzl begeht der Trägerverein ehemalige Synagoge Oberdorf mit einer Feierstunde und einem Stehempfang am Samstag, 20. Juni, um 11 Uhr sein 20-jähriges Bestehen. Grund einen Blick zurückzuwerfen, wie es 1989 zur Gründung des Vereins kam. 
Bopfingen-Oberdorf. Der erste Anstoß ging 1983 von der 'Schwäbischen Post' aus. In Verbindung mit einer Artikelserie regte Erwin Hafner an, wenigstens eine Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge anzubringen, die immerhin als eine der wenigen im Lande in der Reichspogromnacht des Jahres 1938 nicht in Flammen aufgegangen war. Doch damit sollte es nach Auffassung des Verlegers der Zeitung, Dr. Konrad Theiss, nicht getan sein. Mit dieser Überlegung fand Dr. Theiss im damaligen Landrat Dr. Diethelm Winter einen Gesinnungsgenossen. Die Idee von einer Gedenk- und Begegnungsstätte in der ehemaligen Synagoge war geboren und wurde von beiden, unterstützt vom Rotary-Club, zielgerichtet vorangetrieben.
1989 kam es zur Gründung eines Trägervereins, der sich als erste Aufgabe den Erwerb des bis dahin als Gerätelager genutzten Gebäudes stellte. Mit staatlichen Zuschüssen, des Ostalbkreises, des Landes Baden-Württemberg, der Stadt Bopfingen und vielen Spenden der Mitglieder und Freunde aus nah und fern konnte der Verein der im Jahre 1744 und 1809 von der jüdischen Gemeinde erbauten Synagoge ihre Würde und einiges von ihrer Schönheit zurückgeben. Herauszuheben sind vor allem die von dem mittlerweile verstorbenen Künstler Georg Sternbacher gestaltete Ostwand mit der an den Holocaust erinnernden Menora, die von der früher in Oberdorf lebenden Familie Heimann gestiftete Thorarolle, die als einzige der einst 17 Thorarollen der Synagoge erhalten geblieben ist, die von Ute Sternbacher gestalteten Tafeln mit den 87 von den Nazis ermordeten Juden aus Oberdorf, sowie das von der jüdischen Familie Neumetzger gestiftete Ewige Licht. Dass es Versöhnung ohne Erinnerung nicht geben kann – von diesem Wort des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker leiten ließ sich dann der Verein auch bei der Erarbeitung und Einrichtung des Museums zur Geschichte der Juden im Ostalbkreis, das im Herbst 1979 eröffnet werden konnte und zu der auch ein Museumskatalog herausgebracht wurde. Der ehemaligen Synagoge als Gedenk- und Begegnungsstätte wird der Verein nicht zuletzt durch sein reichhaltiges Kulturprogramm mit Lesungen, Vorträgen, Konzerten und Ausstellungen gerecht, das längst einen soliden Stamm regelmäßiger Besucher gefunden hat. Treibende Kraft bei allen zu überwindenden Schwierigkeiten aber war und ist bis heute Dr. Diethelm Winter, der von Anfang an die Geschicke des Trägervereins als Vorsitzender leitet. Ohne seinen Idealismus, seinen unermüdlichen Einsatz und seine große Überzeugungskraft hätte all das nicht erreicht werden können, was in den vergangenen 20 Jahren vom Verein geleistet wurde.
Info: Eine Feierstunde startet am Samstag, 20. Juni, 11 Uhr in der ehemaligen Synagoge. Sprechen werden dabei Dr. Diethelm Winter, Regierungspräsident Johannes Schmalzl, Landrat Klaus Pavel und Bürgermeister Dr. Gunter Bühler."        
  
Januar 2010: Die Arbeit der Synagoge und des Trägervereins wird durch Familie Neumetzger / Noymer unterstützt    
Oberdorf Synagoge 195.jpg (53924 Byte)Foto links: Sandra, die Frau von Bernhard Noymer, mit ihren Töchtern und Enkeln vor dem Ewigen Licht in der ehemaligen Synagoge. Zweiter von rechts: Kulturamtsleiter Felix Sutschek. (Repro: -afn-)    
Artikel von Erwin Hafner in der "Schwäbischen Post" vom 19. Januar 2009 (Artikel): "US-Bürger spenden für Synagoge 
Jüdische Persönlichkeiten aus dem Ries – Die Neumetzgers aus USA stammen aus Pflaumloch und Oberdorf. 
Die in den USA lebenden Nachfahren der Familien Neumetzger haben in außergewöhnlicher Weise ihre Verbindung zur Erinnerungs- und Begegnungsstätte in der ehemaligen Synagoge Oberdorf bekundet und dies mit wiederholten Besuchen unterstrichen. 

Bopfingen-Oberdorf. Der Ursprung der Familie Neumetzger findet sich in Pflaumloch, wo im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts Jakob Neumetzger als Vorsänger in der Synagoge wirkte. Einer seiner Söhne wurde Stammvater der in Oberdorf weit verzweigten Sippe, deren Mitglieder zumeist als Viehhändler und Metzger tätig waren.  
Jakobs 1896 geborener Ur-Ur-Enkel Eugen Neumetzger suchte sein Glück als Kaufmann in Karlsruhe und schaffte 1937 mit seiner Frau und den Söhnen Arthur, Bernhard und Fritz noch gerade rechtzeitig vor dem Holocaust die Auswanderung nach Amerika. Er änderte den Familiennamen in 'Noymer' und gründete in Boston die 'Noymer Manufacturing-Company'. Dieses Unternehmen blieb danach über 50 Jahre im Familienbesitz.
Bernhard Noymer war es ein Anliegen, seinen vier Kindern und Schwiegerkindern die Heimat ihrer Neumetzger-Vorfahren zu zeigen. Und so besuchte er mit ihnen 1997 erstmals Oberdorf. Danach stiftete er für die ehemalige Synagoge verschiedene Kultgeräte, die in jüdischen Familien zur Feier des Sabbat benutzt werden und die seitdem in einer Vitrine neben der von dem gleichfalls aus Oberdorf stammenden Karl Heimann gestifteten Thorarolle einen würdigen Platz gefunden haben.
In Erinnerung an den 2004 verstorbenen Bernhard Noymer stifteten seine beiden Brüder Arthur und Fritz ein 'Ewiges Licht' für die ehemalige Synagoge. Zudem veranlasste Arthur Noymer eine großzügige Stiftung aus dem Nachlass seines 1937 in Amsterdam verstorbenen Vetters Julius Neumetzger, dessen Guthaben bei Schweizer Banken erst vor wenigen Jahren zurückerstattet wurde. Diese Spende bildete den Grundstock für einen Fonds, dem der Trägerverein jährlich eine bestimmte Summe 'für die Erfüllung seiner Mission, die ehemalige Synagoge als Gedächtnisstätte und Museum zu erhalten', verdankt.
Aus dem Familienstammbuch´, Grundlagen für den bis 1682 zurückgehenden Stammbaum der Familie Neumetzger lieferte der letzte Oberdorfer Rabbiner, Dr. Kroner. Nachkomme des erwähnten Jakob war Samuel Neumetzger (1792-1857). Dessen Sohn war Bernhard (1834-1900), der mit Babette, geborene Weil, verheiratet war. Die Familie Weil war später die prominenteste jüdische Familie um Bopfingen. Bernhard hatte fünf Kinder. Drittältester war Leopold Neumetzger (1864-1924). Dessen ältester Sohn Siegfried wurde 1943 mit seiner Frau und vier Kindern in Riga von der SS erschossen. Der jüngste Sohn von Bernhard Neumetzger hieß Sigmund (1868-1932). Er war Viehhändler und wohnte im Haus des heutigen evangelischen Kindergartens. Seine zwei Söhne hießen Eugen (1896-1981) und Siegfried. Letzterer fiel im Ersten Weltkrieg. Im Haus linkerhand der Familie Schwarz wohnte der Viehhändler Adolf Neumetzger (1872-1936), den in Oberdorf alle als 'Onkel Adolf' kannten. Seine Frau wurde in Theresienstadt ermordet."
 

                

     

  Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Bopfingen 
Zur Seite über das "Museum zur Geschichte der Juden im Ostalbkreis" (interner Link): hier anklicken  
Seite zur Geschichte der Familien Rosenfelder/Heimann (Aufhausen - Bopfingen - Gunzenhausen - Stuttgart): hier anklicken  
Seite zur Geschichte der Familie Weil aus Oberdorf (von Rolf Hofmann): hier anklicken  
Informationen zur Familie Pappenheimer: Family Sheet Salomon Pappenheimer of Oberdorf + Aldingen + Cannstatt, compiled by Rolf Hofmann (pdf-Datei, interner Link)   
Family sheet Samuel Rosenfelder of Aufhausen + Oberdorf + Cannstatt + Leipzig   
Übersicht über die in den "Central Archives for the History of the Jewish People" (CAHJP) in Jerusalem vorhandenen Archivalien der jüdischen Gemeinde Oberdorf: pdf-Datei hier anklicken  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Oberdorf (interner Link)

Literatur:

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 139-143.
Germania Judaica III,2 S. 1044-1045.
Waltraud Kucher: Die Geschichte der Oberdorfer Judengemeinde von der Gründung bis zur Emanzipation. Zulassungsarbeit PH Schwäbisch Gmünd. 1976.
Felix Sutschek: Die jüdische Landgemeinde Oberdorf am Ipf in der Zeit des Nationalsozialismus, in: Michael Kißener (Hg.): Widerstand gegen die Judenverfolgung. 1996. S.127-153.
ders.: Der jüdische Friedhof von Oberdorf, in: "Ostalb Einhorn" Nr. 85.
ders.: Widerstand gegen die Judenverfolgung in der Landgemeinde Oberdorf am Ipf, in: "Ostalb Einhorn" Nr. 93.
ders.: Zur Geschichte der Oberdorfer Schutzjuden im 16., 17. und 18. Jahrhundert, in: Dokumentationsband XII, 1998, Rieser Kulturtage.
Felix Sutschek/Bernhard Hildebrand: Museum zur Geschichte der Juden im Ostalbkreis in der ehemaligen Synagoge Bopfingen-Oberdorf. Katalog.  Bopfingen 2004. S. 64-65  u.ö.


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.   

Oberdorf  Wuerttemberg. Jews first settled in 1510, living under protected status and a heavy tax burden. Their situation improved after 1810 with the transfer of rule to the Wuerttemberg principality, the Jewish population reaching a peak of 548 in 1854 (40 % of the total) and Jews sparheading the prosperous economy with two big glue factories and other commercial activity. At mid-century, Jews also began settling in the adjacent town of Bopfingen, from where they had been expelled in the 16th century. In 1932, Oberdorf became the rabbinical seat for a number of surrounding settlements. The Jewish elementary school founded in the 1820s continued to operate until 1924. In 1933 there were 137 Jews in Oberdorf (including 50 in Bopfingen). They operated textile and chemical factories, engaged in the cattle trade, and owned stores. Despite good neighborly relations, Nazi pressure subsequently succeeded in isolating the Jews socially and economically. About 200 Jews arrived in Oberdorf from other settlements after 1933. Of the total Jewish population, ten men were sent to the Dachau concentration camp and 230 managed to emigrate. The rest were deported and died in the Holocaust.

  

                   
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Stand: 20. Januar 2010