Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Links: Siegel des Rabbinates Oberdorf 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries) 

 

Oberdorf (Stadt Bopfingen, Ostalbkreis) 
Jüdische Geschichte / Synagoge 

      
Es besteht eine weitere Seite mit Texten und Dokumenten zur jüdischen Geschichte in Oberdorf    


   

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge     
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur     

    
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english version)   
   
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zu verschiedenen Ortsherrschaft (Reichsstadt Bopfingen, Grafen von Oettingen) gehörenden Oberdorf bestand eine jüdische Gemeinde bis 1939. Ihre Entstehung geht in die Zeit Anfang des 16. Jahrhunderts zurück (Ausweisung der Juden aus Nördlingen 1507; erste Erwähnungen von Juden im oettingischen Teil von Oberdorf 1510-14). In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts finden sich zahlreiche Erwähnungen von Oberdorfer Juden in den Nördlinger Meßgeleitsbüchern (u.a. Löw, Löslin, Ihele, Ambsel - Anstall, Joseph - Jöslin, Benedict, Salomon, Mosi, Götz, Abraham, Mändlin, Bel, Rechlin, Lieblin, Händelin, Schönlin - Schelin, Dina - Denlin - Delin, Wibelin.  
  
1659 wurden die Juden auf Geheiß der Gräfin-Wikwe Isabelle Eleonore von Oettingen(-Baldern) vorübergehend ausgewiesen. Seit 1673 werden Oberdorf Juden jedoch wieder in den Nördlinger Meßgeleitsbüchern genannt. 1656 gab es unter oettingischem Schutz wieder fünf jüdische Familien am Ort, 1688 waren es sechs jüdische Familien (in vier Häusern). 
  
Im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Familien ständig zu. Ein Teil der aus Essingen bei Aalen vertriebenen jüdischen Familien zog nach Oberdorf. 1723 wurden in Oberdorf 23 jüdische Familien gezählt, 1735 31, 1752 85, 1798 52 Familien.  
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl jüdischer Einwohner wie folgt: 1822 414 jüdische Einwohner, 1826 451, 1829 483, 1833 507, 1838 545, 1841 505, 1844 529, 1846 Höchstzahl mit 548 Personen (40,2 % von insgesamt 1364 Einwohnern), 1858 428, 1864 361, 1867 351, 1871 351, 1875 203, 1880 279 (24,9 % von insgesamt 1121 Einwohnern), 1885 248, 1890 219, 1895 193, 1900 166, 1905 158, 1910 128. 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule und einen Friedhof. Im Haus Ipfstraße 11 wurde Anfang des 19. Jahrhunderts ein rituelles Bad eingerichtet. 1832 wurde dieses Gebäude aufgestockt, um die Räume der jüdischen Schule unterbringen zu können. Das Gebäude ist als Wohnhaus erhalten. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 
  
Oberdorf war bereits im 18. Jahrhunderts zeitweise Sitz eines Rabbiners (1729 bis 1732 der oettingische Stadt- und Landrabbiner Abraham Mahler), zeitweise gehörte Oberdorf zum Rabbinat Wallerstein oder hatte einen Unterrabbiner. Seit 1832 war Oberdorf Sitz eines württembergischen Bezirksrabbinates, zu dem auch die Gemeinden in Aufhausen, Pflaumloch, Lauchheim, Ellwangen und später Schwäbisch Gmünd gehörten. Das Rabbinat war im Haus Kirchweg 1. 1931 wurde das Rabbinat - nach dem Tod von Rabbiner Dr. Kroner - aufgelöst beziehungsweise zunächst durch den Ulmer Rabbiner mitversehen, bis es wenig später dem Rabbinat Schwäbisch Hall zugeteilt wurde. Zu den einzelnen Rabbinern siehe Textseite.  
  
Die jüdischen Familien lebten zunächst vor allem vom Handel mit Waren aller Art (Vieh, Metall, Federn, Lumpen, Antiquitäten usw.). Nach dem Schutzbrief von 1736 durften sie "allerlei Hantierungen und Gewerbschaften" treiben, soweit diese "dem zünftigen Handwerker nicht nachteilig oder zur Präjudiz gereichten". Seit dem 19. Jahrhundert gab es unter den jüdischen Ortsbewohnern auch Handwerker, einen Landwirt, Fabrikanten und Inhaber von Einzelhandelsgeschäften. Die jüdischen Einwohner waren am Ort völlig integriert. Bis 1933 gehörten jüdische Bürger stets dem Gemeinderat an. Viele waren engagiert als Mitglieder, Förderer oder auch Vorstande örtlicher Vereine. Rabbiner Dr. Kroner war bis zu seinem Tod 1930 zweiter Vorsitzender des Evangelischen Krankenpflegevereins.  
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Julius Heimann (geb. 1884 in Oberdorf, gef. 1915), Josef Leiter (geb. 1892 in Aufhausen, vor 1914 in Bopfingen wohnhaft, gef. 1914), Moritz Leiter (gef. 1914), Siegfried Neumetzger (geb. 1897 in Oberdorf, gef. 1917), Siegfried Sänger (geb. 1896 in Oberdorf, gef. 1914). Außerdem sind gefallen: Isidor Heß (geb. 1869 in Oberdorf, vor 1914 in Konstanz wohnhaft, gef. 1918). Eine Gedenktafel für die jüdischen Gefallenen (ursprünglich aus der Synagoge?) befindet sich im jüdischen Friedhof. Gleichfalls sind die jüdischen Gefallenen auf dem Gefallenendenkmal vor der evangelischen Kirche verzeichnet.   
  
Bis nach 1933 bestanden in Oberdorf unter anderem die folgenden jüdischen Gewerbebetriebe: Textilwarengeschäft H.L. Heimann (Ellwanger Straße 46/48), Viehhandlung Gustav Lamm (Lange Straße 6), Viehhandlung Isaak Lehmann (Lange Straße 19), Viehhandlung Aron Mayer (Ellwanger Straße 65), Viehhandlung Hermann Meyer (Altbachweg 1). Metzgerei Nathanael Neumetzger (Altbachweg 4a, jüdisches Schlachthaus), Viehhandlung Siegfried Neumetzger (Ellwanger Straße 32), Textilwarenhandlung Jakob Sänger (Ellwanger Straße 30), Viehhandlung Jakob Strauß (Ellwanger Straße 22), Kolonialwarenhandlung Moritz Strauß (Altbachweg 6), Viehhandlung Moritz Thalheimer (Herrnschmidtweg, abgebrochen), Leim-, Collagen- und Degras-Werke Veit Weil (Lange Straße 7). Ein jüdisches Gasthaus befand sich Lange Straße 1.   
      
1933 wurden noch 137 jüdische Einwohner in Oberdorf gezählt (4,9 % von insgesamt 2.756 Einwohnern). In den folgenden Jahren ging ihre Zahl auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung weiter zurück. Über die Ereignisse beim Novemberpogrom 1938 siehe unten bei der Synagogengeschichte. 1939 wurden noch 65 jüdische Einwohner gezählt. Auf Grund der Judenverfolgungen und -ermordungen in der NS-Zeit kamen von den 1933 in Oberdorf wohnhaften 87 jüdischen Personen mindestens 36 ums Leben.      
  
In den ersten Kriegsjahren wurden zahlreiche jüdische Personen aus Stuttgart, Heilbronn und anderen Städten nach Oberdorf eingewiesen. Voran ging Bopfingen, das im September 1939 seine letzten jüdischen Einwohner mehr oder weniger zwangsweise nach Oberdorf umsiedelte. 1941 und 1942 traten von Oberdorf aus an die hundert Menschen den Todesweg in die Deportation an.     
  
   
Persönlichkeiten:  

Simon Leon Schwabacher (1820 Oberdorf - 1888 Odessa), Rabbiner; zuerst Prediger in Prag, dann Rabbiner in verschiedenen deutschen Gemeinden, wurde 1860 nach Odessa berufen, entfaltete hier als Stadtrabbiner eine große soziale Tätigkeit, zahlr. Veröffentlichungen. –
Carl Maison (1840 Oberdorf - 1896 München), Teilh. der Fa. A. Maison, Posamentenhandel in München; im Vorstand der Oberbayerischen Handels- und Gewerbekammer, Handelsrichter; 1887 bis 1896 Mitglied des Bayerischen Landtags, Konsul von Dänemark, Schweden und Norwegen, 1888 kgl. Kommerzienrat. 
    
Weitere Spuren der jüdischen Geschichte:
Im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg befinden sich aus der jüdischen Gemeinde Oberdorf: ein Gebetsmantel (Tallit) aus dem 19.Jh., zwei Mesusot aus dem 19.Jh. (Bestand JA 1 und JA 2,4).   
   
   
   
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge  
   
Erste Synagogen wurden 1704 und 1744/45 erbaut. Für die Benutzung der Synagoge hatte die jüdische Gemeinde an den Landesherrn eine Steuer (Synagogengeld beziehungsweise Herbstzins genannt) zu entrichten. 1744 und 1806 waren dies fünf Gulden im Jahr. 
   
Die 1744/45 erbaute Synagoge stand bereits auf dem heutigen Grundstück Lange Straße 15. Nachdem diese Synagoge baufällig geworden war, beschloss die Gemeinde, an der Stelle der alten eine neue Synagoge zu erbauten. Am 28. März 1809 konnte vor dem Justizamt Baldern zwischen den beiden jüdischen Gemeindevorsteher Isak Löw und David Abraham und Maurermeister Johann Beck von Oberdorf sowie Zimmermeister Kaspar Hardung von Röttingen ein Vertrag über die durchzuführenden Arbeiten und die Kosten unterzeichnet werden. Nach diesem Vertrag war die alte Synagoge von den beiden Baumeistern abzubrechen und unter ihrer Verantwortung der Neubau möglichst schnell zu erstellen. Ein an die alte Synagoge angebautes Wohnhaus sollte stehen bleiben und renoviert werden. Alle übrigen, als "schadhaft" charakterisierten Mauern mussten abgebrochen werden. Die neue Synagoge sollte fünf bis sechs Schuh höher als die bisherige werden. Von einer Vergrößerung der Fläche des Grundrisses gegenüber der alten Synagoge ist nicht die Rede. Über dem Betsaal sollte eine neue Gipsdecke hergestellt werden, an der die bisherigen Malereien neu aufgetragen werden sollten. Die Synagoge sollte insgesamt 24 Fenster haben (auf jeder Seite der Länge nach drei, auf der Vorderseite zwei sowie zwei Rundfenster; in der "unteren Weiberschule" sechs, in der oberen Weiberschule auf jeder Seite zwei und im Bereich der beiden Aufgänge jeweils zwei). Das bisherige Pflaster des Betsaales sollte während der Bauarbeiten abgedeckt und für den Neubau verwendet werden. Der neue Dachstuhl sollte "von starkem Holz" gemacht werden; das alte Holz nicht wieder verwendet werden. Teile der Treppen und des Bodens der Frauenempore aus der alten Synagoge konnten jedoch wiederverwendet werden. Für die Baumaßnahmen erhielten die Baumeister zusammen 1.614 Gulden, die je nach Baufortschritt auszubezahlen waren. Die Bauarbeiten sind 1809 bis 1812 durchgeführt werden. Ein Einweihungsdatum ist nicht bekannt. Die Jahreszahl "1812" findet sich jedoch bis heute an der Ostwand des Synagogengebäude. 
  
1847 befand sich die Synagoge nach dem Bericht des Oberamtes an die Israelitische Oberkirchenbehörde in Stuttgart wiederum in "schlechtem Zustand". Außerdem sei das Gebäude für die große Gemeinde zu klein geworden, nur 60 Fuß lang, 40 Fuß breit und 20 bis 24 Fuß hoch. Die jüdische Gemeinde wurde beauftragt, Abhilfe zu schaffen, doch waren die Geldmittel so knapp, dass bis 1857 nichts geschah. Erst nachdem aus dem Reservefond der Staatskasse 200 Gulden bewilligt wurden (1858, siehe Bericht), konnte man an die Erneuerung der Inneneinrichtung der Synagoge gehen. Sie kostete die Gemeinde insgesamt 990 Gulden. Eine Vergrößerung erübrigte sich, da die Zahl der Gemeindeglieder seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zurück ging. 
    
Zuschuss des Königs zur Restauration der Synagoge (1858)   

Oberdorf AZJ 15031858.jpg (17418 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. März 1858: "Der Gemeinde Oberdorf wurde von Seiner Majestät dem Könige ein ansehnlicher Beitrag zu den Kosten der Restauration ihrer Synagoge überwiesen." 

Ein letztes Mal vor der Demolierung 1938 wurde die Synagoge im Herbst 1933 renoviert. Die Gemeindezeitung berichtet am 8.11.1933: "In der neu hergerichteten Synagoge fand am ersten Schabbat nach dem Einzuge ein feierlicher Gottesdienst statt, bei dem Oberlehrer Erlebacher die Weiherede hielt. Die vorgenommenen Arbeiten fielen zur vollsten Zufriedenheit aus". 
     
In der Nacht zum 10. November 1938 blieb es um die Synagoge in Oberdorf ruhig. Die örtliche SA-Führung weigerte sich, die Synagoge zu zerstören. In der folgenden Nacht kamen auswärtige SA-Leute, die die Polsterbänke aufschlitzten und in der Synagoge Brand legten. Ein Teil der Inneneinrichtung wurde dadurch zerstört, doch konnte das Feier gemeinsam von jüdischen und nichtjüdischen Oberdorfer Einwohnern gelöscht werden. Auch die Torarollen wurden gerettet. Nach der Pogromnacht hatten die Juden keinen Zugang mehr zur Synagoge. Das Gebäude wurde 1939 an die politische Gemeinde Oberdorf verkauft, die sie wiederum an den örtlichen Turnverein zur Nutzung als Turnhalle weiterverkaufte. Im weiteren Verlauf des Krieges diente das Gebäude als Unterkunft für Zwangsarbeiter. Nach Kriegsende stand das Gebäude zunächst leer. 
    
1950 richtete in der ehemaligen Synagoge die katholische Gemeinde eine Kirche ein. Beim Umbau zur Kirche wurde ein hölzerner Dachreiter zugefügt. Über die Einweihung als katholische Kirche liegt ein Presseartikel vom 18. Dezember 1950 vor (erhalten von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries): 

Oberdorf Synagoge 193.jpg (145994 Byte)"Oberdorfer Synagoge wurde katholische Kirche. Abtpräses Bernhard Durst benedizierte sie gestern in festlichem Gottesdienst. Es war ein glücklicher Gedanke, die Synagoge der früheren israelitischen Gemeinde Oberdorf-Bopfingen für Gottesdienstzwecke aufzukaufen. Nur wenige Synagogen überlebten die Stürme des Dritten Reiches. Dank der kameradschaftlichen Haltung eines Oberdorfer Mannes, der in der Religion eines anders Gesinnten nicht seinen Gegner, sondern den Menschen und Bruder sah, wurde die Synagoge nicht ein Opfer des 'einstigen Sturmes der Entrüstung', wie man die Frevel an jüdischen Gotteshäusern rechtfertigen wollte. Nachdem die israelitische Gemeinde nicht mehr bestand, diente die Synagoge vorübergehend als Turnraum. 
Der Umbau zu einer katholischen Kirche lag in den Händen von Architekt Lense. Danke des Arbeitseinsatzes der Kolpingsöhne konnten erhebliche Summen eingespart werden. Eine schlichte Dorfkirche, die den Besucher von heute anspricht, wurde geschaffen. Die Außenarchitektur wurde durch den Dachreiter geändert, der die Anbringung einer Glocke ermöglichte. Mit dem Festgottesdienst am Sonntag wurde die Kirche der katholischen Kirchengemeinde Oberdorf übergeben. Die Benediction des Gotteshauses hatte im Auftrag des Bischofs Abtpräses Dr. Durst Neresheim, übernommen. Schon vor Beginn des Gottesdienstes hatte sich eine zahlreiche Gemeinde von Oberdorf und Bopfingen versammelt. Die Kirche vermochte die zum Fest Gekommenen kaum zu fassen. Zu Beginn des Gottesdienstes sang der gemischte Chor von Oberdorf den Hymnus 'Die Himmel rühmen' unter Leitung von Lehrer Kurdum. Der Kirchenchor von Bopfingen erhöhte weiter die Feierlichkeit durch altes und neues kirchliches Liedgut.
In seiner Festpredigt beglückwünschte Abtpräses Dr. Durst die katholische Kirchengemeinde Oberdorf zu ihrem neuen Gotteshaus. Er verglich die Weihe des Gotteshauses mit der Weihe des salomonischen Tempels. Dabei zeige es sich, wie viel glücklicher sich heute die katholische Kirchengemeinde fühlen darf, da der menschgewordene Gottessohn in ihrer Kirche immer zugegen sei. Eingroßes Glück sei es, ein Gotteshaus zu haben, von dem täglich Hilfe und Trost ausgehe. Dieses Geschenk verdiene Danke und erwarte einen eifrigen Besuch. Im Hochamt fand der Festgottesdienst einen Höhepunkt... Sein Dank galt allen Mitarbeitern beim Bau der neuen Kirche: Amtmann Weber, Architekt Lense und den Kolpingssöhnen. 
Stadtpfarrer Hartmann dankte namens der evangelischen Geistlichen für die Einladung und wünschte dem neuen Geistlichen eine segensreiche und erfolgreiche Arbeit. Stadtrat Schwarz sprach für die Albert-Pfister-Oberschule und versprach sich in Pfarrer Burckhardt eine wertvolle Mitarbeit. Rektor Schmetzer brachte die Glückwünsche der Lehrerschaft der Volksschule entgegen und begrüßte Pfarrer Burckhardt als Mitarbeiter in der christlichen Erziehung der Jugend. Bürgermeister Hirsch, Oberdorf, gab seiner Freude Ausdruck, dass das Werk des Kirchenumbaues so glücklich vollendet wurde. Im Namen der katholischen Kirchengemeinde sprach Raab. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass das Band mit der Kirchengemeinde Bopfingen nach wie vor erhalten bleiben möge. Amtmann Weber wies auf die sozialen Verhältnisse der neuen kirchlichen Gemeinde hin, die gern für weitere Scherflein eine offene Hand habe. Dekan Michel, der den neuen Geistlichen aus seiner Tätigkeit in Nattheim bereits kannte, wünschte für den neuen Wirkungskreis eine segensreiche Arbeit. 
Pfarrer Burckhardt dankte für die Glückwünsche. Selbst Heimatvertriebener, habe er das Los des vom Heimatboden entwurzelten Menschen zutiefst empfunden und daher volles Verständnis für die Nöte und Sorgen seiner Leidensgenossen. Die Arbeit an der Jugend sei ihm stets am Herzen gelegen und sein Abschied von seiner letzten Gemeinde sei ihm gerade der Jugend wegen so schwer gefallen. Mit der evangelischen Kirchengemeinde wünsche er eine harmonische Zusammenarbeit. Als Sohn eines Mesners 'hochgeboren' in der Wohnung des Kirchturmes zu Teplitz sei er in kirchlicher Atmosphäre aufgewachsen. Von seiner Aufgabe erfüllt wünsche er stets eine offene Kritik, auch wenn sie in rauen Tönen klingen möge. Chorleiter Kränzle stellte sich als Leiter des neuen Kirchenchores vor und bat um Mitarbeit. Anschließend spielte die Kolpingsfamilie das heitere Stück 'Die Kirchensteuer'. Den Abschluss des Festes bildete ein Abendgottesdienst in der neuen Kirche in Oberdorf unter Mitwirkung des neugegründeten Kirchenchores."

Nach dem Neubau einer katholischen Kirche in Oberdorf wurde die ehemalige Synagoge von 1969 bis 1988 das Haus als Lagerraum verwendet. 
      
1989 erwarb ein damals gegründeter "Trägerverein ehemalige Synagoge Oberdorf e.V." das Gebäude. Nach umfangreichen Baumaßnahmen, bei denen auch eine Genisa entdeckt wurde, konnte 1993 das Haus als "Gedenk- und Begegnungsstätte ehemalige Synagoge Bopfingen-Oberdorf" eröffnet werden. Ausstellungen, Konzerte und Vorträge halten die Erinnerung an das Judentum wach. Seit 1997 ist hier auch das "Museum zur Geschichte der Juden im Ostalbkreis" untergebracht. Von den ursprünglich 17 Torarollen der Synagoge kam eine Torarolle als Dauerleihgabe durch den aus Oberdorf stammenden Karl Heimann zurück nach Oberdorf. Vor der Nische des ehemaligen Toraschreiner mit der freigelegten Freskenbemalung steht ein Werk des Künstlers Georg Sternbacher: aus verkohltem Holz erwächst der Menora-Leuchter als Lebensbaum. Im Juni 2013 konnte das 20-jährige Bestehen der "Gedenk- und Begegnungsstätte ehemalige Synagoge Bopfingen-Oberdorf" gefeiert werden (Gedenkveranstaltung am 12. Juni 2013).  
  
Ein "Opferstock" (Zedaka-Büchse) aus der ehemaligen Synagoge wurde nach 1945 in der evangelischen Kirche als Opferstock aufbewahrt und ist jetzt in der ehemaligen Synagoge ausgestellt (siehe Foto unten). Er war von Rabbiner Kroner gestiftet worden und trägt die Inschrift (hebräisch): "Hilfe für Arme").   
      
      
      
Fotos 
Historische Fotos und Karten: 
(Quelle für das Foto obere Zeile: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. 1932)  

Aufnahme von 1932 Oberdorf Synagoge 001.jpg (89883 Byte)
   Außenansicht der ehemaligen Synagoge mit dem aus dem Vorgängerbau von 
1754 stammenden Hochzeitsstein 
   
Historische Karten von Oberdorf zu Synagogen und jüdischen Gewerbebetrieben
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries) 
 
Oberdorf Synagoge 217.jpg (42716 Byte) Oberdorf Synagoge 170.jpg (53696 Byte) Oberdorf Synagoge 171.jpg (49952 Byte)
Am linken Bildrand die Synagoge  Kolorierte Ansichtskarte von Oberdorf, Ausschnittsvergrößerung: die Synagoge 
   
Oberdorf Synagoge 295.jpg (95842 Byte) Oberdorf Synagoge 296.jpg (54179 Byte)
 Dieselbe Karte wie oben - verschickt im August 1898 von Bopfingen nach Heidenheim. Absender der Karte war Sophie Kahn, Tochter von Wolf Kahn, Kaufmann von Buttenhausen und Laura geb. Sänger aus Oberdorf (verheiratet seit 18. August 1868 in Buttenhausen, seit 1879 Familien wohnhaft in Oberdorf). Kinder: Emma (Ester), geb. 19. August 1869, Nathan geb. 7. August 1874, gest. 5. Juni 1909; Sophie, geb. 25. Februar 1876 (verh. am 17.Juli 1899 mit Baruch Reis, Kaufmann aus Heilbronn). 
Sophie Reis wurde nach der Deportation 1942 vermutlich in Maly Trostinec ermordet.
   
Oberdorf Ort 110.jpg (63200 Byte) Oberdorf Ort 111.jpg (69264 Byte) Oberdorf Ort 112.jpg (61304 Byte)
Kolorierte Ansichtskarte von
 Oberdorf mit zwei jüdischen
 Geschäften: 
Textilwarengeschäft H. L. Heimann 
(Ellwanger Str. 46/48) 
Handlung von 
Amson Lehmann 
      
     
    Oberdorf Synagoge 077.jpg (52694 Byte) Oberdorf Synagoge 078.jpg (12606 Byte)
    Bildmitte: die Synagoge; rechts Ausschnittvergrößerung 
   
Oberdorf Ort 194.jpg (29132 Byte) Oberdorf Synagoge 196.jpg (50474 Byte) Oberdorf Synagoge 197.jpg (52559 Byte)
 Gebäude der jüdischen Schule 
und der Mikwe 
 Karte mit Kuriosum: die Synagoge hat nur einen Männereingang; 
anstelle des Fraueneingangs ein Fenster. 
   

     

Fotos der Synagoge nach 1945/Gegenwart:  

Oberdorf Synagoge 082.jpg (47622 Byte) Oberdorf Synagoge 192.jpg (64399 Byte) Oberdorf Synagoge 191.jpg (59555 Byte)
Aus den 1950er-Jahren: die ehemalige
 Synagoge (mit Türmchen) ist zur
 katholischen Kirche geworden 
Vergrößerungen aus dem oben zitierten Pressebericht 
 
   
Foto um 1960:  Oberdorf Synagoge 218.jpg (94173 Byte)  
   Weitere Innenaufnahme     
     

Fotos Ende 1983:
(Fotos: Hahn)

   
Oberdorf Synagoge 212.jpg (83711 Byte) Oberdorf Synagoge 213.jpg (59135 Byte) Oberdorf Synagoge 215.jpg (45086 Byte)
Außenansichten der ehemaligen Synagoge mit dem 1950 
erstellten hölzernen Dachreiter 
Fenster aus der Zeit 
als katholische Kirche 
   
Oberdorf Synagoge 214.jpg (48303 Byte) Oberdorf Synagoge 211.jpg (42850 Byte) Oberdorf Synagoge 216.jpg (49090 Byte)
   Säule unter der 
ehemaligen Frauenempore 
Blick zum Platz des 
ehemaligen Toraschreines 
      
     
Fotos um 1985:
(Fotos: R. Rasemann)

 

Oberdorf Synagoge 300.jpg (97154 Byte) Oberdorf Synagoge 301.jpg (82993 Byte)
   Die ehemalige Synagoge von Süden  Die ehemalige Synagoge von Südosten 
     
Oberdorf Synagoge 303.jpg (91711 Byte) Oberdorf Synagoge 302.jpg (92314 Byte) Oberdorf Synagoge 304.jpg (132235 Byte)
Der Eingang in den Betsaal 
(Eingang für die Männer) 
Der Eingang zur 
Frauenempore 
   
     
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, 
Aufnahmedatum 5.9.2003) 
Oberdorf Synagoge 151.jpg (62276 Byte) Oberdorf Synagoge 152.jpg (29431 Byte)
   Der Weg zur ehemaligen Synagoge 
ist im Ort gut ausgeschildert 
Westfassade 
mit Eingängen 
     
Oberdorf Synagoge 156.jpg (35765 Byte) Oberdorf Synagoge 150.jpg (36489 Byte) Oberdorf Synagoge 153.jpg (44367 Byte)
Die Ehemalige Synagoge 
von Nordosten 
Die Ostfassade 
im Morgenlicht 
Schaukasten für Veranstaltungen 
in der ehemaligen Synagoge 
       
Oberdorf Synagoge 155.jpg (33887 Byte) Oberdorf Synagoge 154.jpg (41526 Byte)   
Ehemaliger Männereingang  Ehemaliger Fraueneingang    
         
Die ehemalige Synagoge im Herbst 2007
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 30.09.2007) 
  
Oberdorf Synagoge 856.jpg (65464 Byte) Oberdorf Synagoge 855.jpg (67227 Byte) Oberdorf Synagoge 854.jpg (69148 Byte)
Blick auf die ehemalige Synagoge  Ehemaliger Männereingang  Ehemaliger Fraueneingang 
     
Oberdorf Synagoge 840.jpg (63605 Byte) Oberdorf Synagoge 842.jpg (58788 Byte) Oberdorf Synagoge 843.jpg (68085 Byte)
Blick zum Bereich des 
ehemaligen Toraschreines 
Inschriften und Symbole über 
dem Platz des Toraschreines 
Menora 
  
     
Oberdorf Synagoge 841.jpg (57183 Byte) Oberdorf Synagoge 844.jpg (89249 Byte) Oberdorf Synagoge 849.jpg (69411 Byte)
Kapitell einer Säule 
unter der Empore 
Gebrannte Tafeln mit den 
Namen der Deportierten 
Blick von der 
ehemaligen Frauenempore 
     
Oberdorf Synagoge 845.jpg (58397 Byte) Oberdorf Synagoge 846.jpg (61745 Byte) Oberdorf Synagoge 853.jpg (64560 Byte)
Aufgang zur 
Frauenempore 
Ausstellungstafeln 
auf der Empore 
Vitrine mit Ritualien - 
Geschenke der Familie Neumetzger 
     
Oberdorf Synagoge 850.jpg (56370 Byte) Oberdorf Synagoge 847.jpg (60981 Byte) Oberdorf Synagoge 848.jpg (63174 Byte)
Funde aus der Genisa  Originale Menora auf Oberdorf  Deckenleuchter aus der Synagoge Oberdorf
     
Oberdorf Synagoge 851.jpg (59915 Byte) Oberdorf Synagoge 852.jpg (56089 Byte) Oberdorf Synagoge 857.jpg (85817 Byte)
Spendenbüchse, hebräisch:
 "Hilfe für Arme" 
Torarolle - Dauerleihgabe der 
Familie Heimann 
Blick von der ehemaligen Synagoge 
(rechts) zum Ipf  

     
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte      

September 2008:  Ausstellung 'Begegnung mit besonderen Menschen"  

Anlässlich des Tages der Europäischen Jüdischen Kultur im Jahr 2008 zeigte die ehemalige Synagoge im Bopfinger Ortsteil Oberdorf eine Rarität besonderer Art. Die reich bebilderte Ausstellung auf 50 Tafeln mit dem Titel "Begegnung mit bemerkenswerten Menschen" 
umfasste eine Fülle interessanter Kurzbiographien jüdischer Persönlichkeiten, die einst ihre familiären Wurzeln im Nördlinger Ries hatten und dann in Stuttgart, München oder gar in Nordamerika eine berufliche Existenz gefunden haben. Erarbeitet wurde die Ausstellung von Rolf Hofmann (Stuttgart) - entstanden ist diese Fülle jüdischer Lebensbilder aus der Kooperation mit den Fürstlichen Archiven auf Schloss Harburg bei Nördlingen. Großformatige Fotos und kurzweilige Texte gewähren Einblick in eine längst vergangene Zeit. Diese in Art und Umfang (20 laufende Meter) außergewöhnliche Ausstellung wurde bisher noch nirgendwo gezeigt. Eröffnet wurde diese Präsentation jüdischer Lebensbilder am Sonntag, den 7. September 2008 um 14 Uhr. Weitere Möglichkeiten der Besichtigung gab es bis zum 1.11.2008 jeweils samstags und sonntags 14-16 Uhr. 

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Rechts: Bericht in der Ipf- und Jagst-Zeitung 
vom 9. September 2008 
Oberdorf Ausstellung 2008010.jpg (243792 Byte) Rechts: Bericht in der "Schwäbischen Post" 
vom 9. September 2008 
Oberdorf Ausstellung 2008011.jpg (173389 Byte)
  
Im Zusammenhang mit der Ausstellung: Artikel über die fünf Kriegsteilnehmer (im Ersten Weltkrieg) der Familie Heimann   
Oberdorf Ausstellung 09010.jpg (126269 Byte)Foto links: Die fünf Kriegsteilnehmer der Familie Heimann.  
Artikel von Erwin Hafner in der "Schwäbischen Post" vom 25. Juli 2009 (Artikel):  Bruchlandung auf dem Sandberg
Jüdische Persönlichkeiten: Fünf Heimann-Brüder waren im Ersten Weltkrieg tapfere Frontsoldaten. 

In Verbindung mit der von Rolf Hofmann zusammengestellten Ausstellung und dem vom Trägerverein ehemalige Synagoge Oberdorf herausgegebenen Katalog 'Begegnung mit bemerkenswerten Menschen' veröffentlicht die "Schwäbische Post" in loser Folge Lebensbilder jüdischer Persönlichkeiten aus dem Ries. Heute wird über die fünf Heimann-Brüder und deren Neffen berichtet.
Bopfingen-Oberdorf. Mitten im Ersten Weltkrieg landete auf dem Sandberg ein deutscher Schlachtflieger, der unerlaubt, aber wie Flieger halt so sind, bei seinen Eltern in Oberdorf einen Abstecher machen wollte. Dabei wurde der hölzerne Propeller an einem Felsstück zertrümmert, so dass die Maschine nicht wieder starten konnte. "Später isch der Propeller an der Wand en dr Wohnstub von meine Großeltera g’hanga, weil der Pilot nämlich ihr Sohn Siegfried gwä isch und der übrigens au den Schada aus oigener Tasch hot zahla müaßa". In breitesten Schwäbisch, gerade so als wenn er erst vor kurzem und nicht tatsächlich vor 70 Jahren in die USA ausgewandert wäre, erzählte dies Udo Günther Heimann bei seinem letzten Besuch im Heimatort seiner jüdischen Familie. Aus New Jersey mitgekommen waren noch seine beiden Söhne und weitere Familienangehörige. Udo ist ein Vetter von Karl Heimann, der als erster aus seiner Sippe den Kontakt zu Oberdorf wieder hergestellt und der ehemaligen Synagoge die dort ausgestellte Thorarolle als Leihgabe überlassen hat.  Seit vielen Monaten ist Karl Heimann, der immer wieder Oberdorf besucht hatte, leider gesundheitlich sehr angeschlagen. Udo Heimann hatte viele Erinnerungen mit im Gepäck: ein Zeugnis seines Vaters aus dem Jahr 1901, der in Bopfingen die Realschule besucht hatte, alte Dokumente, Familienfotos und ein Buch aus dem Jahr 1924 "Jüdische Flieger im Ersten Weltkrieg". Zu denen zählte auch der besagte Onkel Siegfried, der als tollkühner Pilot mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet worden war. Später wanderte er nach Argentinien aus. Mit Siegfried dienten vier weitere Brüder im Ersten Weltkrieg im kaiserlichen Heer. Julius musste an der Front sein Leben lassen, Udos Vater Hermann und dessen Bruder David konnten sich 1939 gerade noch rechtzeitig durch Auswanderung in die USA vor den Nazis retten, während Bruder Max die Hoffnung nicht aufgab und so ein Opfer des Holocaust wurde.
Udo wuchs in Untertürkheim auf, wo die Eltern wohnten, aber in der Königstraße 1 in Stuttgart ein gut gehendes Textilgeschäft führten. Gerne verbrachte er jedoch die Ferien bei den Großeltern in Oberdorf, die hier eine eigene Firma hatten. Als 15-Jähriger floh er mit den Eltern vor dem Nazi-Terror. Zwar konnte die Familie noch ihre Möbel in die USA mitnehmen. Das Geld mit den Einnahmen für das zuvor verkaufte Geschäft aber beschlagnahmten die braunen Machthaber. 
Im Zweiten Weltkrieg landete Udo Heimann am D-Day mit den US-Truppen am legendären Strandabschnitt von Omaha Beach in der Normandie und rückte mit der US-Armee bis nach Magdeburg vor. Wenig später brauste Udo als GI mit dem Jeep gen Süden und sorgte in Oberdorf für nicht geringes Aufsehen, als er dort ehemalige Freunde aufsuchte. Nach dem Krieg arbeitete er in New Jersey als Werkzeugmacher. In einem weiteren Buch, das Udo Heimann dabei hatte, sind sämtliche jüdischen Teilnehmer am Ersten Weltkrieg nach Orten aufgelistet, die auf deutscher Seite gekämpft hatten. So dienten in Oberdorf von 184 jüdischen Bürgern 37 in der Armee, fünf von ihnen sind gefallen, 13 wurden verwundet.
 
Juni 2009: 20 Jahre Trägerverein ehemalige Synagoge Oberdorf 
Oberdorf PA 0609.jpg (69766 Byte)Artikel (mit Repro links - afn) von Erwin Hafner in der "Schwäbischen Post" vom 17. Juni 2009:  "Die Erinnerung bewahren
Der Trägerverein ehemalige Synagoge Oberdorf blickt auf sein 20-jähriges Bestehen
". 
Im Beisein von Regierungspräsident Johannes Schmalzl begeht der Trägerverein ehemalige Synagoge Oberdorf mit einer Feierstunde und einem Stehempfang am Samstag, 20. Juni, um 11 Uhr sein 20-jähriges Bestehen. Grund einen Blick zurückzuwerfen, wie es 1989 zur Gründung des Vereins kam. 
Bopfingen-Oberdorf. Der erste Anstoß ging 1983 von der 'Schwäbischen Post' aus. In Verbindung mit einer Artikelserie regte Erwin Hafner an, wenigstens eine Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge anzubringen, die immerhin als eine der wenigen im Lande in der Reichspogromnacht des Jahres 1938 nicht in Flammen aufgegangen war. Doch damit sollte es nach Auffassung des Verlegers der Zeitung, Dr. Konrad Theiss, nicht getan sein. Mit dieser Überlegung fand Dr. Theiss im damaligen Landrat Dr. Diethelm Winter einen Gesinnungsgenossen. Die Idee von einer Gedenk- und Begegnungsstätte in der ehemaligen Synagoge war geboren und wurde von beiden, unterstützt vom Rotary-Club, zielgerichtet vorangetrieben.
1989 kam es zur Gründung eines Trägervereins, der sich als erste Aufgabe den Erwerb des bis dahin als Gerätelager genutzten Gebäudes stellte. Mit staatlichen Zuschüssen, des Ostalbkreises, des Landes Baden-Württemberg, der Stadt Bopfingen und vielen Spenden der Mitglieder und Freunde aus nah und fern konnte der Verein der im Jahre 1744 und 1809 von der jüdischen Gemeinde erbauten Synagoge ihre Würde und einiges von ihrer Schönheit zurückgeben. Herauszuheben sind vor allem die von dem mittlerweile verstorbenen Künstler Georg Sternbacher gestaltete Ostwand mit der an den Holocaust erinnernden Menora, die von der früher in Oberdorf lebenden Familie Heimann gestiftete Thorarolle, die als einzige der einst 17 Thorarollen der Synagoge erhalten geblieben ist, die von Ute Sternbacher gestalteten Tafeln mit den 87 von den Nazis ermordeten Juden aus Oberdorf, sowie das von der jüdischen Familie Neumetzger gestiftete Ewige Licht. Dass es Versöhnung ohne Erinnerung nicht geben kann – von diesem Wort des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker leiten ließ sich dann der Verein auch bei der Erarbeitung und Einrichtung des Museums zur Geschichte der Juden im Ostalbkreis, das im Herbst 1979 eröffnet werden konnte und zu der auch ein Museumskatalog herausgebracht wurde. Der ehemaligen Synagoge als Gedenk- und Begegnungsstätte wird der Verein nicht zuletzt durch sein reichhaltiges Kulturprogramm mit Lesungen, Vorträgen, Konzerten und Ausstellungen gerecht, das längst einen soliden Stamm regelmäßiger Besucher gefunden hat. Treibende Kraft bei allen zu überwindenden Schwierigkeiten aber war und ist bis heute Dr. Diethelm Winter, der von Anfang an die Geschicke des Trägervereins als Vorsitzender leitet. Ohne seinen Idealismus, seinen unermüdlichen Einsatz und seine große Überzeugungskraft hätte all das nicht erreicht werden können, was in den vergangenen 20 Jahren vom Verein geleistet wurde.
Info: Eine Feierstunde startet am Samstag, 20. Juni, 11 Uhr in der ehemaligen Synagoge. Sprechen werden dabei Dr. Diethelm Winter, Regierungspräsident Johannes Schmalzl, Landrat Klaus Pavel und Bürgermeister Dr. Gunter Bühler."        
  
Januar 2010: Die Arbeit der Synagoge und des Trägervereins wird durch Familie Neumetzger / Noymer unterstützt    
Oberdorf Synagoge 195.jpg (53924 Byte)Foto links: Sandra, die Frau von Bernhard Noymer, mit ihren Töchtern und Enkeln vor dem Ewigen Licht in der ehemaligen Synagoge. Zweiter von rechts: Kulturamtsleiter Felix Sutschek. (Repro: -afn-)    
Artikel von Erwin Hafner in der "Schwäbischen Post" vom 19. Januar 2009 (Artikel): "US-Bürger spenden für Synagoge 
Jüdische Persönlichkeiten aus dem Ries – Die Neumetzgers aus USA stammen aus Pflaumloch und Oberdorf. 
Die in den USA lebenden Nachfahren der Familien Neumetzger haben in außergewöhnlicher Weise ihre Verbindung zur Erinnerungs- und Begegnungsstätte in der ehemaligen Synagoge Oberdorf bekundet und dies mit wiederholten Besuchen unterstrichen. 

Bopfingen-Oberdorf. Der Ursprung der Familie Neumetzger findet sich in Pflaumloch, wo im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts Jakob Neumetzger als Vorsänger in der Synagoge wirkte. Einer seiner Söhne wurde Stammvater der in Oberdorf weit verzweigten Sippe, deren Mitglieder zumeist als Viehhändler und Metzger tätig waren.  
Jakobs 1896 geborener Ur-Ur-Enkel Eugen Neumetzger suchte sein Glück als Kaufmann in Karlsruhe und schaffte 1937 mit seiner Frau und den Söhnen Arthur, Bernhard und Fritz noch gerade rechtzeitig vor dem Holocaust die Auswanderung nach Amerika. Er änderte den Familiennamen in 'Noymer' und gründete in Boston die 'Noymer Manufacturing-Company'. Dieses Unternehmen blieb danach über 50 Jahre im Familienbesitz.
Bernhard Noymer war es ein Anliegen, seinen vier Kindern und Schwiegerkindern die Heimat ihrer Neumetzger-Vorfahren zu zeigen. Und so besuchte er mit ihnen 1997 erstmals Oberdorf. Danach stiftete er für die ehemalige Synagoge verschiedene Kultgeräte, die in jüdischen Familien zur Feier des Sabbat benutzt werden und die seitdem in einer Vitrine neben der von dem gleichfalls aus Oberdorf stammenden Karl Heimann gestifteten Thorarolle einen würdigen Platz gefunden haben.
In Erinnerung an den 2004 verstorbenen Bernhard Noymer stifteten seine beiden Brüder Arthur und Fritz ein 'Ewiges Licht' für die ehemalige Synagoge. Zudem veranlasste Arthur Noymer eine großzügige Stiftung aus dem Nachlass seines 1937 in Amsterdam verstorbenen Vetters Julius Neumetzger, dessen Guthaben bei Schweizer Banken erst vor wenigen Jahren zurückerstattet wurde. Diese Spende bildete den Grundstock für einen Fonds, dem der Trägerverein jährlich eine bestimmte Summe 'für die Erfüllung seiner Mission, die ehemalige Synagoge als Gedächtnisstätte und Museum zu erhalten', verdankt.
Aus dem Familienstammbuch´, Grundlagen für den bis 1682 zurückgehenden Stammbaum der Familie Neumetzger lieferte der letzte Oberdorfer Rabbiner, Dr. Kroner. Nachkomme des erwähnten Jakob war Samuel Neumetzger (1792-1857). Dessen Sohn war Bernhard (1834-1900), der mit Babette, geborene Weil, verheiratet war. Die Familie Weil war später die prominenteste jüdische Familie um Bopfingen. Bernhard hatte fünf Kinder. Drittältester war Leopold Neumetzger (1864-1924). Dessen ältester Sohn Siegfried wurde 1943 mit seiner Frau und vier Kindern in Riga von der SS erschossen. Der jüngste Sohn von Bernhard Neumetzger hieß Sigmund (1868-1932). Er war Viehhändler und wohnte im Haus des heutigen evangelischen Kindergartens. Seine zwei Söhne hießen Eugen (1896-1981) und Siegfried. Letzterer fiel im Ersten Weltkrieg. Im Haus linkerhand der Familie Schwarz wohnte der Viehhändler Adolf Neumetzger (1872-1936), den in Oberdorf alle als 'Onkel Adolf' kannten. Seine Frau wurde in Theresienstadt ermordet."
 
 
Mai 2010: Postkarten-Ausstellung in der ehemaligen Synagoge   
Artikel in der "Augsburger Allgemeinen" vom 8. Mai 2010 (Artikel):  "Postkarten machen Brauchtum lebendig
Bopfingen-Oberdorf Jüdisches Leben: Eine Postkartenausstellung in der ehemaligen Synagoge in Oberdorf gibt Einblicke in das Brauchtum der Juden. Fast in Vergessenheit geratene religiöse Feste, Riten und Bräuche werden erklärt und den Besuchern anschaulich gemacht.
Jahrhunderte waren sie Teil der Bevölkerung in Oberdorf: Juden, die im friedlichen Miteinander mit der christlichen Bevölkerung im Ort unter dem Ipf lebten. Jahrzehnte nur hat es gedauert, sodass die Sitten und Gebräuche der Juden bei uns allmählich in Vergessenheit geraten sind.
Ein besonderes Anliegen. 'Es war mir ein besonderes Anliegen jüdische Bräuche in allen Variationen zusammenzufassen, diese in verständlicher Form zu erläutern und bildlich unterstützt durch Postkarten den interessierten Menschen wieder zugänglich zu machen', erläutert Felix Sutschek, Kulturbeauftragter und Archivar der Stadt Bopfingen, den Hintergrund dieser Ausstellung. Ein Anliegen, welches der Besitzer und Sammler der ungewöhnlichen Postkarten, Peter K. Müller aus Kirchheim, nur zu gern unterstützt hat. Auch er ist der Meinung, dass die Erinnerung daran aufrechterhalten werden sollte, und stellte seine Sammlung für diese Ausstellung zur Verfügung. 
Viele Begriffe sind einem beim Betrachten der Texte und Postkarten doch noch in Erinnerung geblieben oder man glaubt, sie wenigstens schon mal gehört zu haben: den Sabbat, Chanukka, das Lichterfest oder Pessach, das Fest zum Auszug aus Ägypten.
Tag des Posaunenschalls. Beim Neujahrsfest, welches auf jüdisch Rosch ha-Schana heißt, hört die Brauchtumskenntnis vermutlich aber schon bei vielen auf. Wörtlich übersetzt bedeutet Rosch ha-Schana 'Haupt des Jahres' und ist der erste Tag des neuen Jahres. In der Tora wird der Feiertag auch als Tag des Posaunenschalls bezeichnet. Das Taschlich 'Hinüberwerfen' wiederum ist eine Art symbolische Reinigung und wurde damals am Nachmittag des ersten Neujahrstages begangen. Musikalisch umrahmt wurde die Ausstellungseröffnung von dem Künstlerduo Norma und Richard Mayer. Sie, Sopranistin und Er an der Querflöte spielten Musik jüdischer Komponisten, wie George Gershwin, Bernstein, Offenbach oder Kreisler. Die Ausstellung wird noch bis zum 6. Juni zu sehen sein. (mab)."
   
September 2010: "Europäischer Tag der jüdischen Kultur" in der ehemaligen Synagoge  
Artikel von Gabriele Neumeyer in der "Schwäbischen Post" vom 5. September 2010 (Artikel): 
"Gegen die Gleichgültigkeit. Europäischer Tag der jüdischen Kultur in der ehemaligen Synagoge in Bopfingen-Oberdorf..."  
 
September 2010: Zum Tod von Karl Heimann    
Oberdorf Heimann 020.jpg (24957 Byte)Foto links: Karl Heimann überließ dem Trägerverein die Thorarolle seiner Familie. (Foto: -afn-).    
Artikel von Erwin Hafner in der "Schwäbischen Post" vom 8. September 2010 (Artikel): "Thorarolle für die ehemalige Synagoge 
Karl Heimann aus Oberdorf tot – Er war Zeitzeuge, Versöhner und einer der stärksten Förderer des Trägervereins
Karl L. Heimann, einer der in Oberdorf geborenen Juden, der von Anfang an eng mit dem Trägerverein ehemalige Synagoge und alten Oberdorfern verbunden war, ist in den USA, wohin er mit seinen Eltern gerade noch rechtzeitig vor dem Holocaust auswandern konnte, nach langer Krankheit im Alter von 86 Jahren gestorben.
Bopfingen-Oberdorf.
Karl Heimann besuchte auch 45 Jahre, nachdem er Oberdorf verlassen musste, immer wieder seinen Geburtsort. So auch 1985, als er nach Bopfingen gekommen war, um im Ostalb-Gymnasium einen Vortrag zu halten. Seine Absicht war es unter anderem, vor dem Hintergrund der den Juden auch in Oberdorf angetanen Schmach, den Nachkommen der Nazi-Deutschen die Leviten zu verlesen. Als dann aber die vor ihm sitzenden Jugendlichen tiefe Betroffenheit und Empörung zeigten, über die Behandlung einer deutschen Minderheit, mit der fabrikmäßigen Ausrottung von sechs Millionen Juden, legte er den Rest seines Manuskripts spontan zur Seite. 'Mir war klar geworden', so bekannte er danach, 'diese jungen Menschen gehören einer neuen, vom Nationalsozialismus unberührten Generation an. Einer Generation mit einer völlig anderen Mentalität, voll Sympathie für die Juden, begierig zuzuhören und über die tragische Vergangenheit ihres Landes zu reden. Sie waren alle gut informiert, viele konnten Englisch und waren wiss- und lernbegierig'.
So wurde Karl Heimann mehr und mehr zum Versöhner, was er auch in zahlreichen Vorträgen in den USA bekundete. Er freute sich über das herzliche Entgegenkommen der Oberdorfer bei seinen Besuchen, vor allem aber über das freiwillige Engagement der Leute um Dr. Diethelm Winter, die mit unermüdlichem Einsatz und Spendenaktionen die ehemalige Synagoge als Erinnerungs- und Begegnungsstätte neuer Nutzung zuführten. M it ihrem jährlichen Veranstaltungsprogramm zeigten sie Willen, das unerhörte Geschehen der Nazis nicht zu vergessen und daraus Lehren zu ziehen.
Karl Heimann war acht Jahre alt, als Hitler an die Macht kam und fünfzehn, als er mit seinen Eltern in die USA als einem Land auswanderte, das 'gewillt war, verfolgte Juden aufzunehmen'. Während des Holocausts verlor er 22 Familienmitglieder, ermordet, vergast oder erschossen. Im Krieg kämpfte er als Infanterist im Pazifik, erhielt zahlreiche Tapferkeitsorden, wurde mehrmals verwundet, kehrte in die USA zurück, wo er Topmanager eines Kaufhauskonzerns wurde. 'Schweren Herzens' sah Karl Heimann seinem ersten Deutschlandbesuch nach dem Krieg entgegen. Sein Sohn Howard, Arzt in der US-Army, war mit seiner Familie in Augsburg stationiert. Er traf ein völlig verändertes Deutschland mit demokratischen Strukturen vor. Das machte vieles leichter, obwohl die Erinnerung blieb.
Von besonderer Bedeutung für die Oberdorfer Synagoge ist heute die Rückkehr einer Thorarolle, die einst von Hayum Loew im 19. Jahrhundert gestiftet wurde. Von christlichen Nachbarn versteckt, überstand sie den Zweiten Weltkrieg und wurde anschließend von Herbert Eskin, dem Stuttgarter Rabbiner der US-Armee, nach New York verbracht. Karl Heimann (Urenkel von Hayum Loew Heimann) gab diese Thorarolle an den Trägerverein als Dauerleihgabe zurück. Jetzt erinnert sie in Oberdorf an einen der stärksten Förderer des Trägervereins ehemalige Synagoge Oberdorf."  
   
November 2010: Beziehungen zu jüdisch-amerikanischen Studenten angeregt      
Artikel in der "Schwäbischen Post" vom 12. November 2010 (Artikel): "Jüdische US-Schüler neue Partner? 
Trägerverein ehemalige Synagoge Oberdorf stimmt Vorschlag der Tochter des verstorbenen Karl Heimann zu. 

Nach dem Tod von Karl Heimann, dem großen jüdischen Förderer des Trägervereins ehemalige Synagoge Oberdorf, fürchtete der Verein, dass die Kontakte zu den Freunden in den USA abbrechen könnten. Doch jetzt gibt es eine neue, interessante Initiative..."
  
Mai 2011: Zahlreicher Besuch in der ehemaligen Synagoge       
Artikel von Erwin Hafner in der "Schwäbischen Post" vom 3. Mai 2011 (Artikel): "'Es sollten mehr Schüler kommen'. 
2000 Besucher in Gedenkstätte. Weit über 2000 Personen besichtigten in den beiden vergangenen Jahren die Gedenk- und Begegnungsstätte in der ehemaligen Synagoge Oberdorf..." 
 
  
Juni 2011: Überlegungen für eine Gedenkfeier in 2012 und weitere Mitteilungen    
Artikel von Erwin Hafner in der "Schwäbischen Post" vom 21. Juni 2011 (Artikel): "Synagoge wird viel besucht
70 Jahre Deportation: Oberdorfer Trägerverein plant eine Gedenkfeier im April 2012
Der Trägerverein ehemalige Synagoge Oberdorf wird sich an der Aktion des Kreisjugendrings am 16. Juli, 'Kicken gegen Rechts', in Oberkochen beteiligen. Außerdem plant der Vorstand eine Gedenkfeier im April 2012.
Bopfingen-Oberdorf.
Der Vorsitzende Dr. Diethelm Winter begründete die Teilnahme mit der großen Bedeutung der Aktion. 'Beim 'Kicken gegen Rechts' würden besonders viele Jugendliche erwartet, sagte er. Der Stand des Trägervereins soll mit Plakaten und Bildern versehen werden, besonders mit Ansichten der ehemaligen Synagoge und von Veranstaltungen in der Gedenk- und Begegnungsstätte. Außerdem werden am Stand die vorhandenen Flyer bereitgestellt sowie Formulare zum Beitritt in den Trägerverein..."  
   
September 2011: Pressebericht von Erwin Hafner zum "Europäischen Tag der jüdischen Kultur" in der "Schwäbischen Post" am 5. September 2011: Link zum Artikel; auch als pdf-Datei eingestellt.     
  
Oktober 2011: Eine Gedenktafel zur Erinnerung an Karl Heimann wird angebracht  
Artikel in der "Schwäbischen Post" (Lokalausgabe Bopfingen) vom 7. Oktober 2011: "Gedenktafel für einen Versöhner. Erinnerung an Karl Heimann. Karl und Susanne Heimann waren bis zu ihrem Tod in den USA eng mit Oberdorf, der Heimat ihrer Vorfahren verbunden. Ihre nachhaltige Unterstützung galt der Arbeit des Trägervereins in der ehemaligen Synagoge. Zum Dank dafür wird am 10. Oktober, um 19 Uhr, eine Gedenktafel an das Ehepaar enthüllt...". 
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei.     
 
Artikel in der "Schwäbischen Post" (Lokalausgabe Bopfingen) vom 11. Oktober 2011 (sz / mab): "Gedenken: Tafel erinnert an Heimann. 
Bopfingen-Oberdorf:
'Es ist lange her, aber nicht vergessen', sagte der Vorsitzende des Trägervereins Ehemalige Synagoge Oberdorf, Landrat a.D. Dr. Diethelm Winter, in seiner Laudatio über Karl Heimann, einem der engagiertesten Förderer des Trägervereins. Die Enthüllung einer Gedenktafel für den Oberdorfer war ein lang vorbereiteter Schritt, einen um Versöhnung zwischen Juden und Deutschen bedachten Menschen zu ehren..."   
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei.   
   
Weiterer Artikel von Erwin Hafner in der "Schwäbischen Post" (Lokalausgabe Bopfingen) vom 12. Oktober 2011: "Ein großer Mahner und Versöhner. Gedenktafel für Karl und Susanne Heimann in der ehemaligen Synagoge in Oberdorf enthüllt. 'Wir sind bereit, das Vermächtnis meines Vaters fortzusetzen', versprach unter Beifall Elisabeth Prial nach der Enthüllung einer Gedenktafel für Karl und Susanne Heimann in der ehemaligen Synagoge Oberdorf. Sie war mit ihrem Mann und einer Freundin eigens aus den USA angereist..."
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei.   
 
Oktober 2011: Unterrichtsmodel über die Synagoge in Oberdorf am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung    
Artikel in der "Gmünder Tagespost" vom 18. Oktober 2011: "Schüler Geschichte vor Ort erleben lassen. Neues Handbuch mit Materialien und Arbeitsblättern für Lehrer soll zum Besuch der Oberdorfer Synagoge anregen. Am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung hat Altlandrat Dr. Diethelm Winter ein Unterrichtsmodel über die Synagoge in Oberdorf erhalten. Das Modul soll Lehrer dazu bewegen, bei der Behandlung des Dritten Reichs im Unterricht eine Exkursion in die Synagoge zu unternehmen, damit sich die Schüler mit Arbeitsblättern aus dem Modul direkt vor Ort mit dem Thema auseinandersetzen können..." 
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei.    
 
Februar 2012: Verabschiedung von Rosemarie Allgeyer    
Artikel von Erwin Hafner in der "Schwäbischen Post" vom 2. Februar 2012: "Die gute Fee geht. Trägerverein Synagoge würdigt Rosemarie Allgeyer. 'Ein Glücksfall, dass wir Sie gehabt haben', jubelte der Vorsitzende des Trägervereins, Dr. Diethelm Winter, bei der Verabschiedung von Rosemarie Allgeyer. 15 Jahre lang galt sie als 'Herz und gute Fee' der ehemaligen Synagoge..."   
Link zum Artikel      
 
April 2012: Ausstellung mit Werken von Georg Sternbacher in der ehemaligen Synagoge   
Artikel in der "Schwäbischen Post" vom 23. April 2012: "Ein Mahner wider das Vergessen. 'Spuren - Wege der Verfolgten' zeigt Werke von Georg Sternbacher in der ehemaligen Synagoge in Oberdorf..." 
Link zum Artikel     
 
April 2012: Gedenken an die Deportationen 1942 
Artikel in der "Schwäbischen Zeitung" vom 27. April 2012: "Oberdorf gedenkt der 109 Deportierten. 
Bopfingen-Oberdorf.
In der ehemaligen Synagoge gedachte man der dort 1942 verschleppten und ermordeten Juden. Schüler der Haupt- und Realschule sowie des Gymnasiums wirkten bei der Veranstaltung mit..." 
Link zum Artikel      
Artikel von Erwin Hafner in der "Schwäbischen Post" vom 27. April 2012: "109 Namen als Mahnung. 70. Jahrestag der Deportation von Juden aus Ostwürttemberg. Gedenkstunde in der übervollen ehemaligen Synagoge. Beeindruckend wie nie zuvor, weil Jugendliche mit ihren Lehrern der Bopfinger weiterführenden Schulen die Feier in berührender Weise gestalteten und ihr einen würdigen Stil gaben..." 
Link zum Artikel     
 

   

Juni 2013: 20 Jahre Gedenk- und Begegnungsstätte in Oberdorf - Gedenkfeier am 15. Juni   
Artikel von Erwin Hafner in der "Schwäbischen Post" vom 10. Juni 2013 (Link zum Artikel): "Die Synagoge wurde zum Mahnmal
20 Jahre Gedenk- und Begegnungsstätte in Oberdorf – Gedenkfeier am 15. Juni
Mit einer Gedenkveranstaltung am 12. Juni, um 15 Uhr, feiert der Trägerverein das 20-jährige Bestehen der Gedenk- und Begegnungsstätte in der ehemaligen Synagoge. Die Feierstunde wird mit kurzen Reden, Gedichten, Musik-, und Gesangsbeiträgen sowie szenischen Darstellungen von Bopfinger Schulen gestaltet.
Bopfingen-Oberdorf.
Die Einweihung vor 20 Jahren gilt als ein wichtiger Markstein in der Zielsetzung des 1989 ins Leben gerufenen Trägervereins ehemalige Synagoge: Gegen das Vergessen der schmachvollen Verbrechen an den Juden und dem „Nie wieder“. Was schon bis dahin und danach bis heute von dem Verein mit seinem rührigen Vorstand unter der treibenden Kraft seines Vorsitzenden, Dr. Diethelm Winter, ehrenamtlich geleistet wurde, wird in die Geschichte des Ostalbkreises eingehen.
Die ehemalige Synagoge wurde zum Mahnmal und Ort vielfacher Begegnungen. Dem dienen das alljährliche kulturelle Veranstaltungsprogramm mit Vorträgen und Lesungen namhafter, auch jüdischer Autoren und Zeitzeugen, Konzerte, Ausstellungen über das einstige Leben der Juden und Darstellungen zeitgenössischer Künstler, die dem Holocaust Ausdruck verleihen. Zudem gibt es Führungen durch das 1997 gleichfalls neu geschaffene Museum und den nahen jüdischen Friedhof, Tage der offenen Tür an Gedenktagen und am internationalen Museumstag.
Immer wieder gibt es Begegnungen mit ehemaligen jüdischen Mitbürgern aus Oberdorf, die heute in den USA oder Israel leben und bei ihren Besuchen mit Dankbarkeit registrieren, dass es wieder ein anderes Deutschland mit Menschen gibt, die sich bei ihrem Tun mit Trauer und Scham einer unseligen Vergangenheit stellen. Und dass es auch jungen Leuten in Oberdorf bewusst wird, zu was Fremdenfeindlichkeit führen kann und weshalb Wachsamkeit und Zivilcourage in unserer Demokratie gefragt sind.
Am 25. November 1993 wurde die mit einem Kostenaufwand von 200 000 Mark restaurierte Synagoge als Gedenk- und Begegnungsstätte eröffnet. 200 000 Mark Spendengelder und Mitgliedsbeiträge hatten dies ermöglicht. Bei der Eröffnungsfeier warnte der aus Oberdorf stammende und nach der Flucht vor dem NS-Regime in den USA lebende Jude Karl Heimann vor Gleichgültigkeit und Vergessen und löste mit der Schilderung des Schicksals seiner eigenen Familie tiefe Betroffenheit aus. Mit seinem Tod verlor der Trägerverein einen guten Freund und großen Förderer."     
  
Februar 2014: Erster jüdischer Gottesdienst in der Synagoge seit 75 Jahren 
Artikel von Martin Bauch in der "Schwäbischen Zeitung" (Ipf- und Jagst-Zeitung) vom 16. Februar 2014: "Christen und Juden beten gemeinsam
Oberdorf feiert zum ersten Mal nach 75 Jahren wieder einen jüdischen Gottesdienst

Bopfingen-Oberdorf Es ist, als sei das jüdische Gotteshaus in Oberdorf aus einer langjährigen Starre erwacht und beginne wieder zu atmen. 75 Jahre nach der Reichspogromnacht in Deutschland feiern Bopfinger Christen und amerikanische Juden ihren ersten gemeinsamen Gottesdienst in der ehemaligen Synagoge von Oberdorf..." 
Link zum Artikel  
Artikel in der "Schwäbischen Post" vom 16. Februar 2012: "Erster Gottesdienst nach 75 Jahren
Trägerverein ehemalige Synagoge Oberdorf und Initiative aus New York feiern jüdischen Gottesdienst

Howard Nacht hebt behutsam die Thora aus ihrem bestickten Mantel. Feierlich rollt der Rabbi das 'Buch der Bücher' auf und beginnt daraus zu lesen. 'Gott segne die Menschen mit Frieden.' Denkwürdige Szenen spielten sich vergangenen Freitag in der Synagoge in Oberdorf ab. Erstmals seit 75 Jahren wurde dort wieder ein jüdischer Gottesdienst abgehalten..."
Link zum Artikel  
Artikel von Martin Bauch in der "Schwäbischen Zeitung" (Ipf- und Jagst-Zeitung) vom 19. Februar 2014: "'Wir konnten es alle nicht richtig fassen“
Bopfingen-Oberdorf
. Der erste jüdische Gottesdienst nach 75 Jahren in der ehemaligen Synagoge in Oberdorf hat bei allen Beteiligten bleibenden Eindruck hinterlassen. Unser Mitarbeiter Martin Bauch hat mit dem Geschäftsführer des Trägervereins ehemalige Synagoge Oberdorf, Felix Sutschek, über die Reaktionen der Besucher gesprochen..."  
Link zum Artikel     
Artikel in der "Schwäbischen Zeitung" (Ipf- und Jagst-Zeitung" vom 20. Februar 2014: "Freundschaft besteht Herausforderungen
OAG-Schüler erleben interessante und schöne Tage mit jüdischen Jugendlichen aus New York
Bopfingen /
ij Partnerschaftliche Verbindungen mit New York hat jetzt das Ostalb-Gymnasium Bopfingen. Am zweiten Februarwochenende besuchte eine US-amerikanische Delegation, bestehend aus Nachfahren der jüdischen Familie Heimann aus Oberdorf, einem Rabbiner und sechs Schülerinnen und Schülern aus New York, die Stadt am Ipf..."  
Link zum Artikel     

          
            

  Links und Literatur  

Links:  

Website der Stadt Bopfingen 
Zur Seite über das "Museum zur Geschichte der Juden im Ostalbkreis" (interner Link): hier anklicken  
Seite zur Geschichte der Familien Rosenfelder/Heimann (Aufhausen - Bopfingen - Gunzenhausen - Stuttgart): hier anklicken  
Seite zur Geschichte der Familie Weil aus Oberdorf (von Rolf Hofmann): hier anklicken  
Informationen zur Familie Pappenheimer: Family Sheet Salomon Pappenheimer of Oberdorf + Aldingen + Cannstatt, compiled by Rolf Hofmann (pdf-Datei, interner Link)   
Family sheet Samuel Rosenfelder of Aufhausen + Oberdorf + Cannstatt + Leipzig   
Übersicht über die in den "Central Archives for the History of the Jewish People" (CAHJP) in Jerusalem vorhandenen Archivalien der jüdischen Gemeinde Oberdorf: pdf-Datei hier anklicken  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Oberdorf (interner Link)   

Literatur:   

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 139-143.
Germania Judaica III,2 S. 1044-1045.
Waltraud Kucher: Die Geschichte der Oberdorfer Judengemeinde von der Gründung bis zur Emanzipation. Zulassungsarbeit PH Schwäbisch Gmünd. 1976.
Felix Sutschek: Die jüdische Landgemeinde Oberdorf am Ipf in der Zeit des Nationalsozialismus, in: Michael Kißener (Hg.): Widerstand gegen die Judenverfolgung. 1996. S.127-153.
ders.: Der jüdische Friedhof von Oberdorf, in: "Ostalb Einhorn" Nr. 85.
ders.: Widerstand gegen die Judenverfolgung in der Landgemeinde Oberdorf am Ipf, in: "Ostalb Einhorn" Nr. 93.
ders.: Zur Geschichte der Oberdorfer Schutzjuden im 16., 17. und 18. Jahrhundert, in: Dokumentationsband XII, 1998, Rieser Kulturtage.
Felix Sutschek/Bernhard Hildebrand: Museum zur Geschichte der Juden im Ostalbkreis in der ehemaligen Synagoge Bopfingen-Oberdorf. Katalog.  Bopfingen 2004. S. 64-65  u.ö.    

   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.   

Oberdorf  Wuerttemberg. Jews first settled in 1510, living under protected status and a heavy tax burden. Their situation improved after 1810 with the transfer of rule to the Wuerttemberg principality, the Jewish population reaching a peak of 548 in 1854 (40 % of the total) and Jews sparheading the prosperous economy with two big glue factories and other commercial activity. At mid-century, Jews also began settling in the adjacent town of Bopfingen, from where they had been expelled in the 16th century. In 1932, Oberdorf became the rabbinical seat for a number of surrounding settlements. The Jewish elementary school founded in the 1820s continued to operate until 1924. In 1933 there were 137 Jews in Oberdorf (including 50 in Bopfingen). They operated textile and chemical factories, engaged in the cattle trade, and owned stores. Despite good neighborly relations, Nazi pressure subsequently succeeded in isolating the Jews socially and economically. About 200 Jews arrived in Oberdorf from other settlements after 1933. Of the total Jewish population, ten men were sent to the Dachau concentration camp and 230 managed to emigrate. The rest were deported and died in the Holocaust.     
  
    

                   
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Stand: 21. Februar 2014