Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Oberdorf (Stadt Bopfingen, Ostalb-Kreis)
Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte des Ortes

Die nachstehend wiedergegebenen Texte mit Beiträgen zur jüdischen Geschichte in Oberdorf wurden in jüdischen Periodika gefunden. 
Bei Gelegenheit werden weitere Texte eingestellt.    

     
Übersicht:  

Aus der Geschichte des Rabbinates in Oberdorf   
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Rabbiner Gabriel Adler veröffentlicht eine Sammlung von "Fragen und Antworten" (1844)      
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Vorbereitung einer "Protestation" durch Rabbiner Gabriel Adler (1845)      
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Zum Tod von Rabbiner Gabriel Adler (1859)      
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Eine Biographie zu Gabriel Adler wird veröffentlicht (1860)      
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Das Rabbinat Oberdorf wird einige Zeit durch den Laupheimer Rabbiner vertreten (1860)      
Rabbiner Jakob Oberdorfer kommt nach Oberdorf (1861)        
Dr. Grün wird Rabbiner in Oberdorf (1887)      
Kritik an Rabbiner Dr. Grüns Teilnahme an der Weihnachtsfeier des Turnvereins (1891)      
Kritische Wahrnehmungen zu Rabbiner Dr. Grün (1892)       
Rabbiner Dr. Grün überschreitet die konfessionellen Grenzen und muss entlassen werden (1893)       
25jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Kroner (1922)     
Auszeichnung für Rabbiner Dr. Kroner (1923)     
Autounfall von Rabbiner Dr. Kroner (1925)    
Zum Tod von Rabbiner Dr. Hermann Kroner (1930)       
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule   
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Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1861     
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Auszeichnung für Lehrer Emil Marx (1891)          
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30-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Emil Marx (1900)     
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70. Geburtstag von Lehrer Marx (1910)      
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Zum Tod von Lehrer Emil Marx (1920)       
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25-jähriges Ortsjubiläum von Oberlehrer Erlebacher (1931)     
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben     
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Predigt von Dr. Frankfurter in der Synagoge (1840)   
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Auswanderungen nach Nordamerika (1846)    
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Rede von Rabbiner Adler zur Verlesung der Grundrechte (1849)     
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100-jähriges Bestehen der Chewra HaNaarim (1890)      
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Gründung eines "Familienvereines" (1898)    
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Einweihung des Rabbinatshauses (1900)    
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Gründung einer Ortsgruppe des "Verbandes der Sabbatfreunde" (1907)         
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde      
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Über Mendes J. Cohen und seine nach Amerika ausgewanderte Familie (Artikel von 1867)    
-  
Zum Tod von Isaak Gutmann, langjähriger Gemeindevorsteher (1879)   
-  
Zum Tod von Regine Hermann geb. Maier (1881)    
-  Goldene Hochzeit von L. Heimann und seiner Frau (1882)   
-  Zum Tod von L. Heimann (1885)    
25-jähriges Amtsjubiläum des aus Oberdorf gebürtigen Stadtrabbiners Dr. Schwabacher in Odessa (1886)  
-  Zum Tod von Karoline Marx (1886)      
-  Zum Tod von Veit Weil (1887)   
-  Über den bayrischen Landtagsabgeordneten Carl Maison (1887)     
-  Der bayrische Landtagsabgeordnete Carl Maison wird zum königlich-bayrischen Kommerzienrat ernannt (1888)    
Auszeichnung für Bezirksarzt Dr. David Essinger (1891)   
Julius Heimann bekennt sich zu seinem jüdischen Glauben (1893)              
Zum Tod von Dolz Heimann (1894)        
Der Gemeinde- und Stiftungspfleger Elkan Gutmann wird ausgezeichnet (1896)    
Goldene Hochzeit von H. L. Rosenberger und seiner Frau (1904)   
Zum Tod von Mathilde Falk (1898)     
Goldene Hochzeit von H. L. Rosenberger und seiner Frau (1904)    
Über Siegfried Neumetzger, gefallen im Ersten Weltkrieg (1917)   
Jüdische Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg aus Oberdorf, Bopfingen und Aufhausen (1914/18)  
25-jähriges Amtsjubiläum des Gemeindevorstehers Isak Sänger (1919)    

Zum Tod von Sally Pappenheimer (1932)       
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe, der jüdischen Gemeinde oder Privatpersonen      
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Ritualien zu verkaufen (1923)  
Verlobungsanzeige für Claire Löwenstein und Gustav Erlebacher (1929)  
Weitere Dokumente aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde (aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)   

       

Aus der Geschichte des Rabbinates in Oberdorf      
Rabbiner Gabriel Adler veröffentlicht eine Sammlung von "Fragen und Antworten" (1844)  

Oberdorf AZJ 08011844.jpg (40086 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Januar 1844: "Von dem in talmudischer Beziehung sehr gelehrten Bezirksrabbiner G. Adler in Oberdorf, sollen in Bälde eine große Sammlung von ‚Fragen und Antworten’ dem Drucke übergeben werden, die durch die Behandlung mehrerer Zeitfragen, bei der schon vorhandenen Masse von ‚Fragen und Antworten’, dennoch sehr interessant sein sollen."   

   
Vorbereitung einer "Protestation" durch Rabbiner Gabriel Adler (1845)  

Oberdorf AZJ 09061845.jpg (182702 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Juni 1845: "Aus Württemberg, 6. Mai (1845). Im Rabbinatsbezirk Oberdorf wird gegenwärtig auf Veranlassung des Rabbiners Adler in Oberdorf eine Protestation vorbereitet, vermittelst deren man sich bei unserer israelitischen Oberkirchenbehörde gegen die Beschlüsse der Braunschweiger Rabbinerversammlung verwahren will. Es wurden zu diesem Behufe sämtliche Kirchenvorsteher des Rabbinatsbezirks nach Oberdorf zur Beratung hierüber eingeladen, wozu denn alle mit Ausnahme der von Pflaumloch erschienen. Man soll hierbei nicht ermangelt haben, diesen Leuten die märchenhaften Anekdoten vom Kirchenrat Maier in Stuttgart, als dem Präsidenten jener Versammlung zu erzählen, so zum Beispiel, dass derselbe beabsichtige, anstatt des Schofars eine Trompete einzuführen usw. Am meisten taten sich bei dieser Versammlung zu Gunsten der Protestation die Lehrer Maison, Frank und Wassermann hervor. Als es aber zur Unterzeichnung der Protestation kam, so erklärten diese Schulmeister, sie unterzeichnen die Schrift nicht, warum – weil es ihnen Nachteil bringen kann. Gewiss eine heldenmütige Aufopferung für die heilige Sache der Religion! Abgesehen davon, dass bis jetzt kein Grund vorhanden ist, irgendeine Verwahrung gegen die Beschlüsse jener Versammlung einzulegen, so mag es Manchem auffallen, wie Rabbiner Adler überhaupt nur seine Zuflucht zu Schulmeistern und gewöhnlichen Handelsleuten vom Lande nehmen mag, um in Gemeinschaft mit solchen in einer so ernsten und heiligen Sache gewiss unberufenen Leuten aufzutreten; allein wer die Verhältnisse, in welchen dieser Rabbiner – zu Hannover und Frankfurt steht, kennt, kann sich auch die Motive seiner Protestation leucht erklären. Man gehe aber nach Oberndorf selbst, und sehe mit an, welche grässliche Unordnung im Gottesdienste herrscht, wie die Schulangelegenheiten vernachlässigt werden, wie der Chasan (Vorbeter) bemüht ist, sein Auditorium in der Synagoge durch Arien teilweise aus komischen Opern zu erheitern, wie selbst die orthodoxesten Leute über solche traurigen Zustände betrübt sind! Und ein solcher Mann wagt es, eine ganze Versammlung von Rabbinern gleichsam zu verleumden?"    

   
Zum Tod von Rabbiner Gabriel Adler (1859)   

Oberdorf AZJ 12121859.jpg (87714 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Dezember 1859: "Aus Württemberg, im November (1859). Herr Rechtskonsulent Heß in Ulm ist von dem Königlichen Justizministerium zum Oberjustiz-Prokurator bei dem Königlichen Gerichtshofe in Ulm ernannt worden. – Am Schlussfest des Sukkot ist Gabriel Adler, der Nestor der Rabbinen Württembergs, Bezirksrabbiner in Oberdorf, in ein besseres Leben eingegangen. In ihm verliert die jüdische Wissenschaft einen ihrer hervorragendsten Geister, das Judentum eine glaubenstreue Stütze, der Bezirk einen berufstreuen Hirten. Herr Dr. Frankfurter, Prediger in Hamburg, der gerade auf einer Erholungsreise in seiner Heimat war, hat einige Wochen nach dem Tode seines würdigen, entschlafenen Lehrers und Freundes in der Synagoge zu Oberdorf einen Trauergottesdienst für denselben veranstaltet und abgehalten; die von ihm dabei gehaltene Gedächtnisrede wird durch den Druck veröffentlicht werden."   

   
Eine Biographie zu Gabriel Adler wird veröffentlicht (1860)    

Oberdorf AZJ 11091860.jpg (57490 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. September 1860: "’Gabriel Adler, weiland Bezirksrabbiner in Oberdorf, ein Lichtbild von Alexander Elsässer. Esslingen 1860.’ Der am jüngsten Schawuothfeste verstorbene Rabbiner Gabriel Adler in Oberdorf (Württemberg) fand hier einen begeisterten Biographen, der mit hinreißender Wärme, mit edelster Empfindung für jedes religiöse und humane Element ein schönes Bild des Verklärten aufstellt, ihm ein würdiges Denkmal zum Gedächtnis kommender Geschlechter setzend."   

  
Das Rabbinat Oberdorf wird einige Zeit durch den Laupheimer Rabbiner vertreten (1860)   

Oberdorf AZJ 13111860.jpg (173916 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. November 1860: "Aus Württemberg. Wenngleich die Rabbiner in unserm Lande ordentliche Gehalte beziehen, und die Königliche israelitische Oberkirchenbehörde immer auf Besserstellung derselben bedacht ist, wenngleich die Stellung eine freie, der Wirkungskreis ein weiterer ist, als in manchen anderen Staaten, so mangelt es doch in inländischen Kandidaten. Das Rabbinat Freudental und das in Buttenhausen wurde durch Ausländer (= Nichtwürttemberger) besetzt. Das Rabbinat Oberdorf hat zwar einen Inländer, Herrn J. Berlinger, zum Verweser dieser Stelle erhalten und war dadurch vollkommen befriedigt, weil derselbe durch seine tüchtigen rabbinischen und wissenschaftliche Studien, wie durch sein freundliches Benehmen Aller Herzen sich gewann; nun wurde dieser aber durch Dekret der Königlichen Oberkirchenbehörde zum Verweser auf das Rabbinat Braunsbach versetzt, weil der dortige Rabbiner, Dr. Hirsch, vor wenigen Wochen gestorben, und dieser ausgedehnte Bezirk eines Rabbinen weniger entbehren kann. Das Rabbinat Oberdorf wurde bis zur definitiven Besetzung dem Rabbiner Wälder in Laupheim übergeben, der zu solchen Verrichtungen, die nur der Rabbiner zu besorgen hat, jedes Mal herzureisen hat. Laupheim ist etwa 25 Stunden entfernt, ist aber durch die Eisenbahnverbindung doch der nächste Rabbinatssitz, dem der erledigte Bezirk hätte einverleibt werden können."   

  
Rabbiner Jakob Oberdorfer kommt nach Oberdorf (1861)   

Oberdorf Israelit 24041861.jpg (51767 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. April 1861: "Stuttgart. Durch Entschließung des Königlichen Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens vom 26. vorigen Monats ist das erledigte Bezirksrabbinat Oberdorf dem Rabbinen Jakob Oberdorfer in Pinne im Königlich Preußischen Regierungsbezirk Posen übertragen worden."    

   
Dr. Grün wird Rabbiner in Oberdorf (1887)   

Oberdorf AZJ 14041887.jpg (22310 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. April 1887: "Das schon seit circa 5 Jahren erledigte Rabbinat Oberdorf hat die israelitische Oberkirchenbehörde dem Dr. Sam. Grün in Hohenems übertragen."  
     
Oberdorf AZJ 09061887.jpg (58368 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Juni 1887: "Bonn, 5. Juni. Man schreibt uns aus Oberdorf, 22. Mai (1887). Das hiesige Rabbinat wurde nach mehrjähriger Vakatur von der israelitischen Oberkirchenbehörde dem Rabbinen Dr. Grün in Hohenems übertragen, welcher gestern von Kirchenrat Dr. Wassermann in feierlichem Gottesdienste in sein Amt eingesetzt wurde. Nachmittags nach 3 Uhr sammelte sich die israelitische Gemeinde mit zahlreichen Gästen zu einem Bankett im ‚deutschen Hofe’, wobei es an den üblichen Toasten nicht fehlte."   

  
Kritik an Rabbiner Dr. Grüns Teilnahme an der Weihnachtsfeier des Turnvereins (1891)    

Oberdorf Israelit 05021891.jpg (21558 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Februar 1891: "Auch in Oberdorf (Württemberg) nimmt der Rabbiner Herr Dr. Grün, wie uns berichtet wird, alljährlich bei der Weihnachtsfeier des Turnvereins einen Ehrenplatz ein. Auch diesmal ist jeder Kommentar unnötig."   

  
Kritische Wahrnehmungen zu Rabbiner Dr. Grün (1892)  

Oberdorf Israelit 22081892.jpg (82797 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. August 1892: "Wiesbaden. Ein Herr Dr. Grün, angeblich Rabbiner von Oberdorf, spielte sich hier in Wiesbaden als streng orthodox auf und benützte die dortigen Frommen soweit als möglich. Nachdem er indessen dieselben ‚abgeklopft’ hatte, hielt er öffentliche Vorträge ‚man möge die unzeitgemäße Trauer um die Zerstörung Jerusalems aufgeben und sich möglichst mit dem Christentume amalgamieren’. Wir würden es nicht der Mühe wert gehalten haben, hiervon etwas zu erwähnen, denn diese Vorträge waren ein Sammelsurium von neologen Trivialitäten und reformistischen Gemeinplätzen, indessen will, wie wir hören, Herr Dr. Grün an anderen Orten dieses sonderbare Treiben fortsetzen und sei deshalb hiermit vor ihm gewarnt."  

   
Rabbiner Dr. Grün überschreitet die konfessionellen Grenzen und muss entlassen werden (1893)   

Oberdorf Israelit 24041893a.jpg (178212 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. April 1893: "Die neueste cause célèbre innerhalb des württembergischen Rabbinerstandes knüpft sich an den kürzlich abgesetzten Rabbiner Grün, der das Rabbinat zu Oberdorf im Ries inne hatte. Man muss es zur Entschuldigung unserer Oberkirchenbehörde einräumen, dass es für sie keine leichte Aufgabe ist, Kandidaten ihrer abgewirtschafteten Reformreligion zu finden, die noch so weit Juden sind, als es gerade zum Rabbinergeschäft notwendig erforderlich ist, sondern aber mit dem Christentum, Freidenkertum und allen möglichen andere -tümern kokettieren und liebäugeln. Das Reformjudentum ist so im Niedergang begriffen, dass die Rabbiner, welche ihm aus Bequemlichkeit oder aus Überzeugung noch zugetan sind, sich nicht einmal mehr Reformrabbiner nennen. Der Titel, auf den seine Träger vor 20-30 Jahren noch so stolz waren, ist so stark in Misskredit gekommen, dass man ihn sorgfältig verleugnet und man daher den Vogel nur an seinen Federn, oft nur an seinem Nest erkennen kann. Nach einer öffentlichen Erklärung des Kirchenvorsteheramts Oberdorf-Bopfingen ist die Suspendierung Grüns laut Erlasses der Königlichen israelitischen Oberkirchenbehörde Nr. 242 vom 20. Juni 1892 ‚auf Grund eines vom Distriktsarzt Dr. Krämer in Bopfingen abgegebenen Gutachtens’ erfolgt. Man wäre durch diese Mitteilung nicht viel klüger als ohne dieselbe, wenn Herr Rabbiner sein unfreiwillige Muße nicht neuerdings dazu benutzt hätte, ohne es zu wollen, dieses Dunkel aufzuhellen. Herr Rabbiner Grün hat sich nämlich für die Dauer seiner Suspendierung in Stuttgart niedergelassen
Oberdorf Israelit 24041893b.jpg (317259 Byte)und hält daselbst Vorträge. Man braucht nur die marktschreierische Ankündigung dieser Vorträge und ihrer konfusen Titel zu lesen, um sofort zu begreifen, in welcher Richtung sich das ärztliche Gutachten bewegt, auf Grund dessen er seines Amtes enthoben ist. Zum Ergötzen der Leser möge hier eine solche Ankündigung folgen:  ‚Theosophische Vorträge des Rabbiners Grün am 21., 27. und 29. März, 8 Uhr abends im Konzertsaal der Liederhall. 1. Die Posaune des Weltgerichts. Oder: Was hindert die Juden, sich zum Evangelium zu bekennen? Allgemeine religiöse Erweckung und Widerlegung des Antisemitismus.  2. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen! Oder: Ist das heutige Judentum eine Nation oder Konfession? Ein  Mahn- und Weckruf an Israel.  3. Das Bessere ist der Feind des Guten. Oder. Wie kann Israel aus seiner Erniedrigung sich erneuern? Anregung zur Gründung eines interkonfessionellen Friedensbundes. Eintritt frei für jedermann, doch sind freiwillige Beiträge zur Deckung der Kosten willkommen.’
Die alten bekannten der Herrn Grün, die ihn von seinen Wanderungen in verschiedenen Kurorten kennen und sich dessen Sammelfleißes und des einnehmenden Wesens erinnern, das derselbe bei allen Tischgesellschaften zu entfalten pflegte, erkennen in den letzten Worten, in welche diese Ankündigung ausklingt, sofort ihren Pappenheimer wieder. Hier ist wohl auch die eigentliche Tendenz der Vorträge zu suchen und weniger in der Nachahmung Schrempfs, wie Herr Rabbiner Grün vorgibt (Anmerkung: Schrempf ist ein entlassener Pfarrer, der an der Spitze einer Bewegung steht, die gegenwärtig durch die evangelische Kirche Württembergs geht. Red.). Herr Grün und Herr Schrempf unterscheiden sich wesentlich dadurch, dass letzterer nicht auf Grund eines ärztlichen Zeugnisses entlassen wurde! Das, was diese Vorträge Gereimtes und Ungereimtes enthalten, interessiert uns hier wenig. Wie sich erwarten ließ, liefern dieselben Wasser auf die antisemitischen Mühlen, und deren Inhaber werden wenigstens ihre Freude an diesem saftigen Bissen haben.  Die vernünftigen Leite betrachten die Expectorationen dieses depossedierten Kirchenlichts unter dem Gesichtswinkel des ärztlichen Zeugnisses und sehen mit verschränkten Armen dem Skandal zu, wie da wieder ein württembergischer Rabbiner in das Lager übergeht, in welchem sich Stern – Buttenhausen unseligen Andenkens seine Lorbeeren geholt hat. Für das öffentliche Ärgernis, welches dieses ganze Gebaren bedeutet, kann man weniger Herrn Grün verantwortlich machen, als unsere Israelitische Oberkirchenbehörde, deren offenkundigen Missgriffen wir ausschließlich diese und ähnliche Bescherungen zu verdanken haben. Dieselbe ist gegenwärtig wieder in der Lage, die Wahl eines ersten Rabbiners für Stuttgart vorzunehmen. Es gibt noch sanguinische Optimisten bei uns, welche sich von dieser Wahl eine Wendung zum Besseren versprechen. Wir gehören nicht dazu. Wie die Dinge bei uns liegen, lässt sich auf diesem Wege kein Heil erwarten. Bei diesem Staatsjudentum, wie es bei uns en voque ist, ist nichts zu hoffen. Unsere Zustände sind so faul und verrottet, dass kein halbwegs gewissenhafter Mann auch nur eine solche Stelle annehmen kann, deren Annahme schon die Anerkennung des religiösen Verfalls und Lichtsinns aller Gemeindeinstitutionen bedeuten würde. Was uns allein helfen könnte, wäre ein mannhaftes Erheben aller gutgesinnten Kreise, um mit diesem verrotteten Schlendrian zu brechen, sich unabhängig von diesem durch und durch faulen Salon-Judentum zu machen und sich selbständig zu konstituieren nach dem Vorgang der Religionsgesellschaften in Preußen, Baden und Hessen, wo ja auch die staatliche Legislatur diese Bestrebungen unterstütze. Nur so wird neues Leben aus den Ruinen erblühen. – Diese Zeit liegt heute für diese Bestrebungen günstiger wie damals, als Gabiah ben Pesisa gegen die hierarchischen Übergriffe des Oberkirchenrats Maier auftrat. Ein einziger energischer Mann würde genügen, um eine solche Bewegung einzuleiten und sie mit Gottes und treuer Gesinnungsgenossen Hilfe durchzuführen. Sollte er sich wirklich nicht finden? – Dann geht die württembergische Judenheit wirklich trüben, verhängnisvollen Zeiten entgegen."   

    
25-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Kroner (1922)  

Oberdorf Israelit 23021922.jpg (80656 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Februar 1922: "Oberdorf – Bopfingen (Württemberg), 13. Februar (1922). Letzten Schabbat Schira (Schabbat mit der Toralesung Schira, d.i. 2. Mose 13,17 - 17,16, das war Schabbat, 11. Februar 1922) konnte Herr Rabbiner Dr. Kroner hier, unter freudiger Anteilnahme der ganzen Gemeinde sein 25jähriges Amtsjubiläum feiern. Sein Vater, der hoch betagte, aber geistig noch jugendfrische Herr Oberkirchenrat Rabbiner Dr. Kroner von Stuttgart, sowie der Jubilar selbst legten in Anlehnung an die Amud HaAnan und die Amud HaEsch und an die Schira in trefflichen Worten die heiligen Pflichten eines Rabbiners dar, wie letzterer stets eifrig bemüht war, dieselben nach jeder Richtung hin zu erfüllen, um so den guten Namen von Oberdorf als religiöse Gemeinde zu erhalten und zu festigen. In dankbarer Anerkennung der segensreichen Tätigkeit überreichten die Herren Kirchenvorsteher dem Jubilar ein ansehnliches Ehrengeschenk der Gemeindeglieder und Oberlehrer Erlebacher rühmte dabei die großen Verdienste, die sich der Herr Rabbiner durch Verkünden von Gottes heiligem Wort und Verbreiten des Torageistes erworben hat."

  
Auszeichnung für Rabbiner Dr. Kroner (1923)    

Oberdorf Israelit 21061923.jpg (82417 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juni 1923: "Oberdorf-Bopfingen, 23. April (1923). (Wissenschaftliche Ehrung. Herr Rabbiner Dr. Kroner, der mehrere Arbeiten über die arabische Medizin, besonders die des Maimonides, veröffentlicht hat, ist in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen von der ‚Akademie der Wissenschaften zu Cordova’ (Geburtsort des Maimonides) zum ‚Korrespondierenden Mitgliede der Akademie’ ernannt worden. Das betreffende Schreiben ist sehr liebenswürdig gehalten, spricht mit der größten Hochachtung von Maimonides, dem eine Straße in Cordova zum ehrenden Andenken nachbenannt sei. Herr Dr. Kroner ist übrigens durch ausländische Gelehrte in den Stand gesetzt worden, eine neue, noch unbekannte medizinische Abhandlung des Maimonides, deren Urtext sich in Oxford befindet, zur Edierung vorzubereiten."    

  
Autounfall von Rabbiner Dr. Kroner (1925)    

Oberdorf JuedlibZtg 07081925.jpg (43452 Byte)Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 7. August 1925: "Oberdorf. Rabbiner Dr. Kroner erlitt auf der Fahrt von Gmünd, wo er der Jubiläumsfeier des Lehrers Ullmann beigewohnt hatte, nach Oberdorf einen Autounfall. Trotz großer Schmerzen, in bewundernswerter Selbstbeherrschung amtierte Dr. Kroner noch nach seiner Heimkehr bei einer Beerdigung. Wie wir auf Anfrage erfahren, hat Dr. Kroner allerdings ernstliche Quetschungen erlitten, sodass er das Bett hüten muss; er ist aber glücklicherweise außer jeder Gefahr."

  
Zum Tod von Rabbiner Dr. Hermann Kroner (1930)  

Oberdorf Israelit 14081930.jpg (151224 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1930: "Oberdorf – Bopfingen, 7. August (1930). Einen schmerzlichen, ja unersetzlichen Verlust erlitte die hiesige Gemeinde durch das plötzliche Ableben unseres allverehrten Rabbiners, Dr. Hermann Kroner. Von der großen Beliebtheit und dem hohen Ansehen des so jäh, erst 60 Jahre alt, mitten aus freudigem Wirken und Schaffen Herausgerissenen zeigt die überaus große Beteiligung an dessen Beerdigung. Bei dem Trauergottesdienst in der Synagoge entwarf Herr Rabbiner Dr. Rieger- Stuttgart ein treffliches Bild des von heiligem Ernst und Eifer erfüllten Geistlichen, der stets bestrebt war, dem hehren Vorbild seines großen Vaters, des verewigten Oberkirchenrats Dr. Theodor Kroner nachzueifern. – Am Grabe sprach Dr. med. Jacques Kroner dem Vater den innigsten Dank des Sohnes und der Familie aus. Ferner sprachen Ministerialrat Dr. Hirsch als Präsident des Israelitischen Oberrats: Oberlehrer Erlebacher für das Vorsteheramt, den Frauenverein, den ‚Zentralverein’ und die Jugend, die der Verstorbene zu hohen Idealen empor zu führen stets bemüht war, sowie Rabbiner Dr. Tänzer – Göppingen für den Rabbinerverein; Vertreter der politischen Gemeinde, der evangelischen Kirchengemeinde und des Krankenvereins und die Lehrer beziehungsweise Vertreter der Gemeinde Gmünd, Crailsheim, Ellwangen und Stuttgart.  
Das wissenschaftliche Lebenswerk des Verstorbenen galt der Übersetzung und Herausgabe einer großen Anzahl der medizinischen Schriften des großen Denkers Maimonides. Die königliche Akademie in Cordova, der Geburtsstätte von Maimun, hatte ihn im Jahre 1923 in Anerkennung seiner Verdienste zu ihrem korrespondierenden Mitglied ernannt. Dr. Kroners letztes Werk, die Herausgabe der medizinischen Schrift Rambams ‚de causis accidentium’, welcher der Verstorbene den Titel ‚Der medizinische Schwanengesang des Maimonides’ gab, ist nun auch sein Schwanengesang geworden.  Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

    

   

Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer    
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1861   

Oberdorf AZJ 05031861.jpg (92269 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. März 1861: "Bewerberaufruf. Die Bewerber um das erledigte Bezirks-Rabbinat Oberdorf, welches aus den Kirchengemeinden Oberdorf (Sitz des Rabbinen), Aufhausen, Pflaumloch, Oberamts Neresheim, und Lauchheim, Oberamts Ellwangen besteht, und womit neben freier Wohnung und außer den Stolgebühren und Emolumenten eine aus der israelitischen Zentral-Kirchenkasse zu empfangende Besoldung von 650 Gulden jährlich verbunden ist, werden aufgefordert, unter Angabe ihrer persönlichen und Familienverhältnisse, sowie ihrer Bildungslaufbahn binnen fünf Wochen von heute an bei der Königlich israelitischen Oberkirchenbehörde in Stuttgart jede wünschenswerte nähere Auskunft erhalten. 
Stuttgart, den 14. Januar 1861. Königlich israelitische Oberkirchenbehörde. Schmidt."  

  
Auszeichnung für Lehrer Emil Marx (1891)  

Oberdorf Israelit 12011891.jpg (99822 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Januar 1891: "…In unserem Lande werden nämlich alljährlich im ‚Staatsanzeiger’ die Namen derjenigen Lehrer Verzeichnet, die sich durch vorzügliche Leistungen in der Schule und treue Hingabe im Amte auszeichnen; aber seit einem Zeitraume von mehr denn 25 Jahren ist diese Anerkennung keinem jüdischen Lehrer zuteil geworden, bis in diesem Jahre der Name der Herrn Lehrer Emil Marx in Oberdorf (Bei Bopfingen) in der Reihe unserer prämiierten Kollegen glänzt. Dieses kleine Ereignis, so unbedeutend es auch erscheinen mag, zeugt doch von dem vorurteilsfreien Geiste der Königlichen Regierung und ist umso bemerkenswerter, als Herr Lehrer Marx zu den wenigen orthodoxen jüdischen Beamten unseres Landes zählt, während sich doch der weitaus größte Teil derselben vom gesetzestreuen Judentums abgewandt hat; es zeugt aber auch ebenso sehr von der persönlichen Tüchtigkeit unseres geehrten Herrn Kollegen, der sich auch in der Tat der ungeteilten Liebe und Achtung seiner ganzen Gemeinde und aller derer, die ihn kennen, erfreut."  

  
30-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Emil Marx (1900)  

Oberdorf Israelit 05031900.jpg (124669 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1900: "Oberdorf bei Bopfingen. Nach Schabbatausgang feierte die hiesige israelitische Gemeinde zu Ehren des Herrn Lehrer Marx, der seit 30 Jahren im Schul- und Gemeindedienst Hervorragendes geleistet, ein Bankett, in dessen Verlauf sich die Wertschätzung und Verehrung des Jubilars seitens dessen Gemeinde und Schüler bekundete, wie auch der erhebende und würdige Verlauf des Festes der ihren Lehrer feiernden Gemeinde zur Ehre gereichte. Herr Rabbiner Dr. Kroner schilderte in klassischer Ansprache die Pflichttreue, Bescheidenheit und Friedensliebe des Jubilars und dieses Lob wurde bekräftigt durch das Zeugnis des Herrn Stadtpfarrers Thym, der Herrn Marx als Schulmann ein glänzendes Zeugnis ausstellte. Auf die Reden der Nachbarkollegen Adler und Ullmann, folgte die Überreichung der vielen Geschenke unter entsprechenden Ansprachen seitens der Gemeinde und vieler Vereine. In sämtlichen Toasten bekundete sich die Anerkennung der vielseitigen und erfolgreichen Tätigkeit des Gefeierten, der auch in den Kreisen der israelitischen Lehrer Württembergs durch sein umfassendes Wissen hoch geschätzt ist. Die israelitische Oberkirchenbehörde benützte ebenfalls diesen Anlass, die langjährige Tätigkeit des Jubilars in anerkennendem Lobe zu würdigen In ernsten und heiteren Worten drang überall der Wunsch durch, dass es unserem hochverehrten Herrn Lehrer bis 100 Jahre vergönnt sein möge, seinem Amte vorzustehen."   

  
70. Geburtstag von Lehrer Marx (1910)  

Oberdorf FrfIsrFambl 11031910.jpg (34198 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. März 1910: "Oberdorf – Bopfingen (Württemberg). In körperlicher und geistiger Frische konnte der verdiente, vor ca. 4 Jahren in den Ruhestand getretene Lehrer Marx, der nahezu 40 Jahre lang in hiesiger Gemeinde gewirkt hatte, am vorletzten Sabbat seinen 70. Geburtstag feiern."

  
Zum Tod von Lehrer Emil Marx (1920)  

Oberdorf Israelit 19021920.jpg (134090 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Februar 1920: "Oberdorf-Bopfingen (Württemberg), 12. Februar. Im Alter von nahezu 80 Jahren verschied hier am 15. Schewat ein Gottesfürchtiger, der überall beliebte und hochgeschätzte Lehrer Emil Marx – das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Vor nunmehr 50 Jahren übernahm er die hiesige jüdische Volksschule und über 35 Jahre lang wirkte er in der segensreichsten Weise in der hiesigen Gemeinde, deren Mitglieder durch zwei Generationen fast alle seine Schüler sind. In Würdigung seiner innigen Frömmigkeit, insbesondere seines andächtigen und zur Andacht erhebenden Gebetes wurde seine sterbliche Hülle auf Anregung des Herrn Rabbiners Dr. Kroner in die Synagoge gebracht, wo dieser ein treffliches Bild des Lebens und Wirkens des Verblichenen zeichnete, von seinen Vorzügen als tüchtiger Lehrer und als Haupt der Familie, in der echtjüdische Frömmigkeit zu Hause ist. Am Grabe sprach der Schwiegersohn, Herr Rabbiner Dr. Schweizer, Horb. Er hob u.a. das große Wissen und den bescheidenen Sinn des Dahingeschiedenen hervor. Hauptlehrer Erlebach gab im Namen des Vereins israelitischer Lehrer und Vorsänger Württembergs, dem Schmerze über den Verlust eines treuen Mitgliedes Ausdruck, das stets als eine Zierde des Lehrerstandes und als hervorragende Persönlichkeit galt. Der Schwager, Herr Hauptlehrer Wechsler, Aschbach, hob unter anderem die Geradheit und Offenheit dieses aufrechten und gerade Mannes hervor und insbesondere die Liebe und Treue, die der Verblichene überall, insbesondere im engeren und weiteren Verwandtenkreis betätigte. Möge an ihm das Wort Daniels in Erfüllung geben: "und die da lehren, werden leuchten wie des Himmels Glanz’ (Daniel 12,3)."

     
25-jähriges Ortsjubiläum von Oberlehrer Erlebacher (1931)  

Oberdorf Israelit 28051931.jpg (105583 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Mai 1931: "Oberdorf-Bopfingen (Württemberg), 27. Mai (1931). Unter Teilnahme der ganzen Gemeinde konnte Oberlehrer Erlebacher am 2. Tage Schewuaus sein 25jähriges Ortsjubiläum begehen. Schon am Vorabend war der Jubilar Gegenstand herzlicher Ehrungen. Nach dem Abendgottesdienst versammelte sich die Gemeinde vor dem hause des Jubilars, wo die Schuljugend unter Leitung von Frau Heimann ein gelungenes Ständchen darbrachte. Nach einigen schönen Liedern trug Fräulein Hansi Kahn ein sehr nettes Festgedicht vor und übergab dem freudig überraschten Lehrer ein Angebinde. Sichtlich gerührt dankte der Geehrte und richtete an die Jugend als die Bürgen des Sinaigeschlechts herzliche Worte. Im Anschluss an den Hauptgottesdienst, dem die erhebende Festpredigt und der neue Synagogenchor ein besonderes Gepräge verliehen, hielt der Vorsitzende des Israelitischen Vorsteheramtes Herr Salli Pappenheimer eine zu Herzen gehende Ansprache, in der er das verdienstvolle und erfolgreiche Wirken des Jubilars im Dienste der Gemeinde, ihrer Vereine und Wohltätigkeitseinrichtungen sowie der Schule eingehend würdigte. Zum Zeichen der hohen Wertschätzung übergaben das Vorsteheramt, der Frauenverein und die einzelnen Gemeindemitglieder ehrende Geschenke. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch recht, recht lange zum Wohle der Gemeinde wirken zu können."    

    
    

Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
Predigt von Dr. Frankfurter in der Synagoge (1840)   

Oberdorf AZJ 29081840.jpg (218269 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. August 1840: "Oberdorf bei Bopfingen, 2. August (1840). Unser Mitbürger, der bisherige Bezirksrabbiner zu Braunsbach, Herr Dr. Frankfurter, wollte seinem gefühlvollen Herzen genügen und, bevor er die Reise nach Hamburg, dem Orte seines neuen Berufs antrat, noch einige Tage an dem Orte seiner Heimat, in der Mitte einer Gemeinde, in welcher er eingebürgert ist und in welcher sein Vater 33 Jahre lang als frommer Seelenhirte gelebt und gewirkt hat, verweilen.   Bei dieser Veranlassung wurde er von unserem ehrwürdigen Rabbinen, Herrn G. Adler (dem ehemaligen Lehrer des Dr. Fr.) im Einverständnis mit dem löblichen Kirchenvorstand aufgefordert, in hiesiger Synagoge zu predigen. Dieser Aufforderung entsprach Dr. F. freiwillig. Und er redete am gestrigen Tage zu einer, seiner Worte lauschenden Versammlung, die nicht nur aus sämtlichen Gliedern der hiesigen und der benachbarten israelitischen Gemeinde zu Aufhausen, sondern auch aus den weltlichen und geistlichen Honoratioren der christlichen Gemeinde dahier und der nahen Stadt Bopfingen bestanden, über Jesaja 44,7-8.   Wenn die Erwartungen, zu denen die echt klassische Bildung und das schon von früher her bekannte Rednertalent des Dr. Fr. berechtigten, auch sehr gesteigert waren, so übertraf die in redestehender Predigt dennoch die kühnsten Erwartungen, und das Auditorium, unter welchem doch gelehrte Kanzelredner sich befanden, war von Bewunderung hingerissen.  Der geehrte Redner sprach mit Wärme und Begeisterung zu seinem Volke, es ermunternd, in die Zukunft mit ungetrübtem Blicke zu schauen, es mahnend, vor den traurigen Zeitbegebenheiten den Mut, der Israel immer das Schwerste ertragen ließ, und, dass es nie erdrückt wurde, nicht sinken zu lassen, zeigend, dass nichts für Israels äußere Lage, und nichts für seinen Glauben und seine Lehre zu befürchten stünde.   Die edle Sprache, die Fülle der Gedanken, der streng-logische Ideengang, die Sicherheit des Ausdrucks, der Reichtum an biblischen und rabbinischen Aussprüchen, welchen innern Vorzügen die meisterhafte Deklamation sich anschloss, zeigten, dass Dr. F. zu den Predigern ersten Ranges gehört, und dass er den ihm gewordenen ehrenvollen Ruf vollkommen rechtfertigt.   Nach dem Ausgang des Sabbats verließ Herr Dr. F. den hiesigen Ort wieder, um sich zuvörderst wieder in sein Rabbinat zu begeben, von wo er am 16. dieses Monats seine Rede nach Hamburg antreten wird. Es folgen ihm dahin unsere heißesten Wünsche und unser bester Segen." 
Anmerkung: Dr. Naftali Frankfurter (geb. 1810 Oberdorf, gest. 1866 Hamburg): 1834 Rabbinatsverweser in Lehrensteinsfeld, 1836-1840 Rabbiner in Braunsbach, 1840-1866 Tempel-Prediger in Hamburg (wurde 1848 in die Hamburger Konstituierende Versammlung gewählt; gab zusammen mit Berthold Auerbach 1838 die "Galerie der ausgezeichneten Israeliten aller Jahrhundert" heraus); sein Bruder Bernhard Frankfurter (geb. 1801 in Oberdorf) war langjähriger Lehrer an der Israelitischen Volksschule in Nordstetten
Der im Bericht genannte Vater der beiden Moses Levi Frankfurter (geb. 1764 in Kriegshaber) war bis zu seinem Tod 1828 Rabbiner in Oberdorf. 

   
Auswanderungen nach Nordamerika (1846) 

Oberdorf Der Orient 11061846.jpg (106796 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Orient" vom 11. Juni 1846: "…In diesem Monate sind wieder einige Züge nach Nordamerika abgegangen. Aus Ellwangen wird Nachstehendes in einer Württembergischen Zeitung berichtet: Ellwangen, 11. Mai (1846). Heute sagen wir eine ganz eigentümliche Gesellschaft von Auswanderern nach Nordamerika hier durch passieren. Die ganze Gesellschaft bestand aus lauter Juden aus dem benachbarten Orte Oberdorf, Oberamt Neresheim. Gewahren wir sonst bei Auswanderern die höchste Dürftigkeit an Fuhren, Kleidungen und sonstigem Aussehen, so sahen wir hier in Allem Wohlhabenheit; ein eleganter Omnibus führt die Gesellschaft an Ort und Stelle, wo die Einschiffung stattfindet; alle, insbesondere die mitgehenden hübschen Judenmädchen, stattlich gekleidet, verbunden mit einem heitern und muntern Aussehen. Die Gesellschaft führt eine Tora auf Pergament geschrieben mit sich, die sie vor ihrer Abreise in der Synagoge zu Oberdorf feierlich einweihen ließ. Die Auswanderer, zwölf an der Zahl, folgen ihren vor mehreren Jahren vorangegangenen Verwandten und Bekannten, die sie aufmunterten, das ersehnte gelobte Land in Nordamerika zu suchen, da, wo ihren Glaubensgenossen nicht wie in den meisten deutschen Staaten, die natürlichen und bürgerlichen Rechte darum entzogen werden, weil sie festhalten am Glauben ihrer Väter – weil sie nur glauben an den einigen Gott, den Schöpfer und Erhalter aller Wesen, den Gott, zu dem sich alle gesitteten Völker der Erde im Gebete erheben."   

  
Rede von Rabbiner Adler zur Verlesung der Grundrechte (1849)  

Oberdorf treueZionsw 27041849.JPG (160915 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der treue Zionswächter" vom 27. April 1849: "Aus dem Württembergischen. Potpourri aus der Mappe des einfältigen Schulmeisters. Ein orthodoxer Rabbiner auf der Volktribüne. Die Grundrechte des deutschen Volkes, mit deren Verkündigung die württembergische Regierung denen aller anderen Staaten des gemeinschaftlichen Vaterlandes voranging, verursachten im diesseitigen Königreich den größten Enthusiasmus, in welchem die Landsleute die Städter noch weit überragten. In dem großen Marktflecken Oberdorf im Jagstkreise wurden dieselben am Sonntag, den 4. Februar, durch den Ortsvorstand unter erhebender Feierlichkeit auf einem freien Platze, der aufs prächtigste dekoriert war, der versammelten Einwohnerschaft und einer großen Menge Leuten aus den benachbarten Orten verkündigt. Herr Rabbiner Adler wurde von dem benannten Ortsvorstand ersucht, die Feierlichkeit durch eine Rede einzuleiten. Jener unterzog sich mit Freuden der Sache, bestieg die mit Trikoloren geschmückte Bühne, und sprach mit vieler Begeisterung über Deuteronomium 4,30-32. Es wird kaum gesagt zu werden brauchen, dass dieser echt fromme Rabbiner auf religiösem Ge biete sich bewegte, in allen weltgeschichtlichen Begebenheiten die spezielle Leitung der Hand Gottes und die Vorbereitung zur Erfüllung seiner untrüglichen Verheißungen erblickte: ebenso versteht es sich von selbst, dass er das Heil des Volkes nur in einer freisinnigen konstitutionellen Monarchie begründet fand. Die Rede erntete den wohl verdienten allgemeinen Beifall. Nach Verlesung der Grundrechte betraten noch mehrere Redner die Bühne, von welcher aus wir nun auch teils im demokratischen, teils im radikalen Sinne sprechen hörten; allein der Eindruck, den die Rede des Rabbinen Adler machte, konnte nicht verwischt werden. Dass es nicht an ‚Hochs’ von Seiten des Volks, an ‚Salven’ von Seiten der zahlreichen Bürgerwehr und an Freiheitsliedern von Seiten der Liederkränze fehlte, versteht sich von selbst. Es war ein schöner Tag!"   

   
100-jähriges Bestehen der Chewra HaNaarim (1890)   

Oberdorf Israelit 02011890.jpg (69031 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1890: "Oberdorf bei  Bopfingen. Nachdem vor etwa 7 Jahren die Chewra HaSchas (Toraverein) und die Chewrat Bikkur Cholim (Krankenbesuchsverein) ihre 100jährige Jubelfeier abgehalten hatten, beging die 3. der hier bestehenden religiösen Bruderschaften Chewrat Heneorim das Fest ihres 100jährigen Bandes durch eine feierliche Seuda am Abend Chanukkat Hamisbeach. Einer gelungen Ansprache des Gabbai, Herrn H.L. Rosenberger folgten Reden des Herrn Rabbiner Grün, sowie noch weitere Toaste. Von den bei dem Mischberach in die Kasse der Chewra gegebenen Spenden wurden laut einstimmigen Beschlusses der Mitglieder ein Betrag von – 30 Mark – für die Kranken in der Heiligen Stadt Jerusalem gewidmet und so in würdiger Art das Wort der Heiligen Schrift in Erfüllung gebracht: '(Kleben soll meine Zunge mir am Gaumen, so ich dein nicht gedenke,) so ich nicht erhebe Jerusalem auf den Gipfel meiner Freude' (Psalm 137,6)"    

  
Gründung eines "Familienvereines" (1898) 

Oberdorf Israelit 28031898.jpg (29645 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1898: "Bopfingen. (Einigkeit macht stark). In den Gemeinden Oberdorf, Bopfingen und Aufhausen bildete sich vor kurzem ein Familienverein, der 40 Mitglieder zählte. Derselbe veranstaltete an Purim seinen ersten Familienabend, der glänzend verlaufen ist und alle Teilnehmer im höchsten Grade befriedigte."  

  
Einweihung des Rabbinatshauses (1900)    

Oberdorf Israelit 08111900.jpg (83964 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1900: "Oberdorf (Württemberg), 1. November (1900). Sonntagabend fand im Rabbinatshaus eine Hauseinweihung statt, die sich in jeder Beziehung zu einer erhebenden und würdigen Feier gestaltete. In der Ansprache, die Herr Rabbiner Dr. Kroner an die anwesenden Lehrer des Bezirkes, des Königlichen Vorstehers und sonstige Gäste richtete, verglich er in geistvoller Weise die Entstehung und Vollendung des Baues mit der dem (Schöpfungs-)Werk am Anfang, streute sinnige Erklärungen über Tag, Lasst uns Menschen machen, Tohu wabohu etc. ein, und wenn man die Hausherren vor der Gemara sitzen sah, den Traktat Suta durchblätternd und die große Frage diskutiert wurde, ob der Hausherr etwa gar in die Kategorie der Räuber eingereiht wurde, die keine Einweihung vornehmen dürfen, und die Fragen und noch schwierigeren Fragen hin- und herschwirrten, da verspürte man einen Hauch längst vergangener Zeiten, wo Oberdorf die Stätte eifrigsten Torastudiums war und ganz hervorragende Gelehrte für die Verbreitung der Tora sorgten." 
Anmerkung: der Webmaster nimmt gerne Vorschläge für präzisere Übersetzungen der hebräischen Wendungen entgegen - Adresse siehe Eingangsseite.  

  
Gründung einer Ortsgruppe des "Verbandes der Sabbatfreunde" (1907)     

Oberdorf Israelit 21031907.jpg (81504 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. März 1907: "Oberdorf im Ries, 13. März (1907). Sonntag, 10. dieses Monats fand dahier im Gasthofe zum Deutschen Hof eine Versammlung statt zum Zwecke der Gründung einer Ortsgruppe des ‚Verbands der Sabbatfreunde’, wie solche schon in mehreren Gemeinden Württembergs bestehen. Herr Rabbiner Dr. Kroner dahier stellte Herrn Kaufmann Aron aus Stuttgart der Versammlung vor, der in ansprechendem Vortrage Zweck und Ziel des Verbandes erläuterte. Herr Dr. Kroner, dessen Bemühungen das Zustandekommen der Versammlung zu verdanken ist, unterstützte den Vorredner in beifällig aufgenommener Ansprache. Nahezu sämtliche Anwesenden traten dem Vereine bei. Es ist Aussicht vorhanden, dass auch noch weitere Mitglieder der Gemeinde diesem Beispiel folgen. Es möge noch bemerkt werden, dass hier Schabbat und Feiertag sämtliche Geschäfte geschlossen sind."

    

    

Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde    
Über Mendes J. Cohen und seine nach Amerika ausgewanderte Familie (Artikel von 1867)  

Oberdorf AZJ 17121867a.jpg (70014 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Dezember 1867: "Mendes J. Cohen (Amerika). Im Jahre 1785 wanderte Israel Cohen, einem kleinen Platze in Württemberg, dem Geburtsorte des kürzlich verstorbenen Rabbiners Frankfurter in Hamburg und des Rabbiners Schwabacher in Odessa, nach Amerika aus und wählte Richmond im Staate Virginien zu seinem Wohnplatze. Nach zwei Jahren kehrte er nach Europa zurück, vermählte sich in London mit einer Engländerin (natürlich Jüdin), die er in seine neue Heimat brachte. Sie beschenkte ihn mit sechs Söhnen, von denen drei, sämtlich Familien zurücklassend, schon seit längerer Zeit tot sind, drei sämtlich Junggesellen noch am Leben. 
Mendes wurde als der dritte Sohn im Jahre 1797 zu Richmond geboren, woselbst er, sowie überhaupt die Brüder alle, eine sorgfältige Erziehung erhielt. Da sich damals bloß eine portugiesische Gemeinde in Richmond befand, so nahm die Familie diesen Ritus an, den sie
Oberdorf AZJ 17121867b.jpg (226922 Byte)auch bis auf den heutigen Tag beibehielt. Dadurch nun und auch durch den Umstand, dass die Mutter nur englisch sprach, wurden die Söhne der deutschen Sprache und dem deutschen Wesen ganz und gar entfremdet. Um das Jahr 1815 verließ die ganze Familie Richmond und siedelte sich, mit Ausnahme eines einzigen Sohnes, der sich in Norfolk, ebenfalls in Virginien, niederließ, in Baltimore an. Hier nun zählen die Cohen seit länger als einem halben Jahrhundert zu den hervorragendsten und angesehensten Familien nicht nur der Stadt, sondern des ganzen Staates, eine Stellung, die sie sich, so lange sie noch Geschäftsmänner waren, durch ihre strenge Redlichkeit, und zu allen Zeiten durch ihren Gemein- und Wohltätigkeitssinn begründet hatten. Kehren wir nun zu unserem Mendes zurück. Mendes J. Cohen war von Jugend auf ein eifriger und, was in Amerika schon etwas sagen will, ehrlicher Politiker. Niemals machte er die Politik zu einer Profession, niemals war sie ihm ‚eine tüchtige Kuh, die ihn mit Butter versorgt’, denn niemals bekleidete er ein bezahltes Amt. In seiner Jugend machte er die Befreiungskriege mit, durchreiste später, in den Jahren 1832 und 33 Palästina, ging von da nach Nubien und besuchte auf der Rückreise fast alle europäischen Staaten. Im Jahre 1936 wurde er zum Aide-de-camp des Gouverneurs von Maryland ernannt. Im Jahre 1848 wurde er von der demokratischen Partei der Stadt Baltimore mit großer Stimmenmehrheit zum Abgeordneten für die Staats-Legislatur, die in Annapolis tagt, gewählt. Auf seine Kollegen übte er bedeutenden Einfluss, weniger durch hervorragende Beredsamkeit, als vielmehr durch seine imposante Persönlichkeit und durch sein gerades und uneigennütziges Wesen. Ihm hauptsächlich haben wir es zu verdanken, dass der so genannte Test-oath aus der erst vor einigen Monaten ins Leben getretenen neuen Verfassung gestrichen wurde, denn wenn auch Herr Cohen kein Mitglied der letzten Legislatur war, so ist sein Wort doch noch von gutem Klange, nicht nur bei den hervorragendsten Persönlichkeiten seiner Partei, sondern selbst bei seinen politischen Gegnern. Obgleich ein Greis, nimmt Herr Cohen noch immer den lebhaftesten Anteil an allen politischen Vorgängen, aber auch an Allem, was das wohl und Wege seiner Glaubensbrüder betrifft. Wo es das Wohl Israels zu fördern, wo es irgendein wohltätiges Unternehmen zu unterstützen gilt, da finden wir seinen und seiner Brüder Namen immer in der vordersten Reihe. Er ist Israelite im schönsten Sinne des Wortes.**)"    
Oberdorf AZJ 17121867c.jpg (36218 Byte)Anmerkungen: *) Die Cohen waren Eigentümer einer Bank, und als einst bei einer Krise die sämtlichen hiesigen Banken ihre Noten gegen Gold und Silber einzuwechseln sich weigerten, waren je die einzigen, die sich dieser Bewegung nicht anschlossen, sondern sich verpflichtet fühlten, nach wie vor ihre Noten einzulösen. Um sie dafür zu strafen, schlossen die anderen Banken die Noten der Cohen’schen Firmen aus, und Niemand erwartete etwas anderes, als dass sie in dieser großen Klemme sich ebenfalls gezwungen sehen würden, ihre Zahlungen einzustellen. Aber sie verkauften, oder vielmehr verschleuderten ihr bewegliches und unbewegliches Gut um den geringsten Preis, - denn in einer Krise sinkt der Wert aller Gegenstände – nur um den Verpflichtungen nachkommen zu können. Jetzt zählen dieselben wieder zu den wohlhabendsten Häusern Baltimore’s." 
**) Noch im Jahre 1853 bereiste Herr Cohen Europa, vergaß aber nicht nach Wallerstein (in Bayern, an der württembergischen Grenze, wohin früher [vielleicht jetzt noch] die Gemeinde Oberdorf ihre Toten bestattet hatte) zu gehen, um die Gräber seiner Vorfahren aufzusuchen."  

  
Zum Tod von Isaak Gutmann, langjähriger Gemeindevorsteher (1879)   

Oberdorf Israelit 12031879.JPG (199273 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. März 1879: "Oberdorf im Ries (Württemberg). 'Die sich im Dienst an der Gemeinde abmühen, sollen also tun um des Himmels willen, denn das Verdienst ihrer Väter hilft ihnen, und die Gerechtigkeit ihrer Väter besteht in Ewigkeit' (Sprüche der Väter 2,2). In der Nacht zum heiligen Schabbat Paraschat Mischpatim starb hier Herr Isaak Gutmann – seligen Andenkens – in dem hohen Alter von 82 Jahren, dessen ganzes Leben eine Verwirklichung obigen Satzes bildete. Über 52 Jahre lang bekleidete er das Vorsteheramt in hiesiger Gemeinde. Von den zahlreichen Einrichtungen, die seiner Mühe und Sorge für das allgemeine Wohl ihre Entstehung zu verdanken haben, nenne ich den Friedhof und die Mikwe, welch letztere wohl selten in einer Landgemeinde zweckmäßiger und schöner getroffen werden kann. Mehr als 50 Jahre bekleidete er an den ehrfurchtgebietenden Tagen das Amt eines ehrenamtlichen Vorbeters und förderte durch seinen ebenso angenehmen als verständnisvollen Vortrag nicht wenig die Andacht und Erbauung. 
Selbst ein Sohn der Tora (sc. Toragelehrter) und besonders in der Bibel (Tanach) sehr gut bewandert, wusste er wohl, was unserer Zeit Not tut, und legte vor 21 Jahren mit dem auch für seine Verhältnisse bedeutenden Opfer von 500 Gulden den Grund zu der dahier bestehenden Stiftung ‚Zur Verbreitung der Tora unter den israelitischen Kindern’, welche den Zweck verfolgt, außer der hierzu bestimmten Schulzeit in 5-6 weiteren Wochenstunden in der Bibel mit Raschi usw. einen ausgiebigeren Religionsunterricht zu erzielen. Durch göttlichen beistand hat sich diese Anstalt durch anderweitige Stiftungen (namentlich auch aus der Familie ihres Begründers) derart vergrößert, dass ihr Bestand für alle Zeiten gesichert erscheint. 
Aber die Krone des guten Namens übertrifft sie alle’ Zu den bereits erwähnten Eigenschaften des Verstorbenen gesellte sich noch die strengste Rechtlichkeit und Uneigennützigkeit. So konnte es nicht fehlen, dass der Verblichene allgemeine Hochachtung genoss, welche sich durch die ungewöhnlich große Beteiligung aller Konfessionen an seinem Leichenbegängnisse betätigte. So lange die hiesige israelitische Gemeinde besteht, wird auch das Andenken an Raw Eisik Gutmann niemals erlöschen.   E.M."

  
Zum Tod von Regine Hermann geb. Maier (1881)       

Oberdorf Israelit 19101881.jpg (97485 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober 1881: "Oberdorf im Ries. Das neue Jahr brachte uns leider einen großen unersetzlichen Verlust, indem am 2. Tag des neuen Jahres (sc. 25. September 1881) Frau Regine Hermann nach längerem Leiden in einem Alter von kaum 57 Jahren zu einem besseren leben einging. Die Verstorbene, welche in Wahrheit eine bescheidene und fromme Frau genannt werden kann, machte es sich neben großer Wohltätigkeit im Allgemeinen zu ihrer speziellen Aufgabe Wohltätigkeit an den Lebenden wie an den Toten auszuüben. Bei öffentlichen Vergnügen, Festen und dergleichen war sie selten oder gar nicht zu sehen – aber wo es galt, armen oder reichen Kranken Liebesdienste zu erweisen, verschämten Armen durch unverzinsliche Darlehen aufzuhelfen, besonders am Krankenbette verlassener allein stehender Personen Tage und Nächte zuzubringen, - da war die Verstorbene an ihrem Platze und in ihrem Elemente. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn der hiesige israelitische Frauenverein, dessen Vorsteherin sie war, klagen muss: ‚es ist gefallen die Krone von unserem Haupte’. Wie der Prophet in der Haftara ihres Todestages ihrer Stammmutter und Namensschwester Rachel, so rufen auch wir der Unvergesslichen die Worte nach: ‚es gibt eine Belohnung für deine Arbeit’. E.M."   
Anmerkung: die Verstorbene war am 18. Juli 1824 in Mönchsroth als Tochter des Judas Maier geboren. Sie war verheiratet mit Haium Hermann, der nach dem Tod seiner Frau im April 1882 nach Nördlingen gezogen ist.   

  
Goldene Hochzeit von L. Heimann und seiner Frau (1882)  

Oberdorf Israelit 07091882.jpg (107022 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. September 1882: "Oberdorf, 19. August. Letzten Mittwoch, an Rosch Chodesch (sc. es war am 1. Elul), beging der in diesen Blättern schon öfter genannte Herr L. Heimann von hier das Fest der goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar hat die seltene Gnade, seine sieben Kinder sehr gut im engeren Vaterlande versorgt zu sehen und besitzt bereits 28 Enkel und eine Urenkelin; von den ersteren hielt einer einen gelungenen Vortrag in Versen, der die Jugendbegebenheiten des Jubilars zum Gegenstand hatte.   
Eine synagogale Feier fand nicht statt, aber bei Tische hielten sowohl der Rabbiner und Lehrer als auch der Jubilar selbst geeignete Vorträge; letzterer sprach ausführlich über alle Verhältnisse seiner Jugend im Vergleich zu Jetztzeit. 
Außer vielen Gratulationen, sowohl per Telegraph als auch per Post, gingen verschiedene Widmungen ein, darunter besonders bemerkenswert die von zwei christlichen Mitbürgern, und Abends brachte der christliche Gesangverein dem Jubelpaar eine Serenade. Der Gefeierte ist Senior des Talmudvereins, dem er 50 Jahre angehört und deren 100jährige Stiftungsfeier letzten Chanukka bei einem seiner Söhne abgehalten wurde."   

  
Zum Tod von L. Heimann (1885)   

Oberdorf Israelit 09041885.jpg (92310 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. April 1885: "Nachruf. Oberdorf bei Bopfingen. Ausgangs des Schabbat Paraschat Jitro (Schabbat mit der Toralesung Jitro = 2. Mose 18,1 - 20,23, das war Schabbat, 7. Februar 1885) ging hier ein Mann ins bessere Jenseits, an welchem sich die Worte der Weisen über den ... ewigen Fonds für die künftige Welt buchstäblich bewahrheitet haben; zu 10 Jahren verlor er den Vater, musste, um sein Fortkommen zu finden, ein Handwerk lernen, brachte es aber nebenher doch zu bedeutenden Kenntnissen in Mischna und Gemara, sodass ihm schon als Chatan (Bräutigam) der Chawer (Gelehrtentitel) verliehen wurde, er lebte in glücklicher Ehe, sah 8 Kinder, 33 Enkel und 2 Urenkel seine Stamme entsprossen, feierte vor 2 ½ Jahren die goldene Hochzeit und war nie krank gewesen. An seinem Todestage ging er rüstig, wie immer, zur Synagoge, machte nach Schabbatausgang noch Hawdala (sc. Zeremonie am Schabbatausgang), einige Stunden später fühlte er sich wach und entschlief, beinahe 80 Jahre alt, ohne jeden Schmerz oder Kampf von Angehörigen und Freunden umgeben, wie unser großer Lehrer Mosche sagt mit einem Kuss; wir dürfen deshalb getrost annehmen, dass ihm aus der Fonds im Jenseits zuteil geworden ist. 
Gestern am Schabbat Hagadol (= Schabbat, 28. März 1885) gab’s bei seinem Sohne eine Beschneidung und eine Bar Mizwa zugleich, das Kind erhielt natürlich seinen Namen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."
Anmerkung: der Webmaster nimmt gerne Vorschläge für präzisere Übersetzungen der hebräischen Wendungen entgegen - Adresse siehe Eingangsseite.  

   
25-jähriges Amtsjubiläum des aus Oberdorf gebürtigen Rabbiners Dr. Schwabacher in Odessa (1886)   
Anmerkung: Simon Leon Schwabacher (geb. 1819 in Oberdorf, gest. 1888 in Odessa), Rabbiner; Studium in München, Heidelberg und Kiel; ab 1845 Rabbiner in Schweren, danach in Lemberg; 1860 wurde er nach Odessa berufen, wo er als Stadtrabbiner eine große soziale Tätigkeit entfaltete, zahlreiche Veröffentlichungen.  

Oberdorf AZJ 16021886.jpg (221832 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Februar 1886 (es werden nur einige Abschnitte wiedergegeben, da der ganze Abschnitt zu weit über die Geschichte Oberdorfs hinausgeht): "Odessa, im Januar (1886). Die Feier des 25-jährigen Amtsjubiläums des Stadtrabbiners Dr. Schwabacher hierselbst hat sich so gestaltet, dass sie auch von einem allgemeineren Interesse wurde, und möge es daher gestattet sein, etwas ausführlicher darüber zu berichten.... 
Dr. Schwabacher wurden den 24. April 1819 in einem kleinen süddeutschen Städtchen geboren (sc. Oberdorf), wo er seine Kindheit und die ersten Jünglingsjahre verbrachte. Im Anfange bestand seine Erziehung ausschließlich in der Erlernung der hebräischen Literatur und des Talmuds; später trat er ins Gymnasium ein, worauf er in seinem 20. Lebensjahre die philosophische Fakultät der Universität bezog. Die Universitätsjahre verbrachte er teils in München, teils in Heidelberg, sich mit der hebräischen Literatur befassend, da der Gedanke, sich gänzlich seinem Volke zu widmen, ihn nicht verließ. Den Doktorhut erhielt er auf der Kieler Universität und ein Jahr später, 1845, war er zum Rabbiner in Schwerin gewählt. Von dort wurde er in gleicher Eigenschaft nach Lemberg berufen und dann ging er im Jahre 1860 nach Odessa, wo er noch gegenwärtig diesen Posten mit Würde bekleidet.
Oberdorf AZJ 16021886b.jpg (312398 Byte)Bei Interesse an der Schilderung der Aktivitäten Dr. Schwabachers in Odessa Artikel links anklicken.

      
Zum Tod von Karoline Marx (1886)  

Oberdorf Israelit 15041886.jpg (66838 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1886: "Oberdorf im Ries. Am Sonntag nach dem Heiligen Schabbat Paraschat Sarah entschlief dahier nach längerer Krankheit Frau Karoline Marx, Gattin des Herrn Vorstehers L. Marx, im 75. Jahre ihres Lebens und 47. ihrer glücklichen ehe zu einem besseren Leben. Je seltener in unseren Tagen die Vorzüge zu treffen sind, welche die Verstorbene auszeichneten, umso schmerzlicher wird die Lücke empfunden, welche deren Hingang verursacht. Sie konnte in jeder Hinsicht eine wackere Frau, eine bescheidene und fromme Frau im wahren Sinne des Wortes genannt werden. Neben strenger Erfüllung der bekannten Gebote einer israelitischen Hausfrau beobachtete die Verstorbene auch die Gebote der Wohltätigkeit und fastete außer den Gemeindefasttagen auch an jedem Erew Rosch Haschana (29. Elul). Möge das edle Beispiel der Dahingeschiedenen Nachahmung finden! Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens!  Ein jüdischer Mann."   

   
Zum Tod von Veit Weil (1887)   

Oberdorf AZJ 26051887.jpg (216015 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Mai 1887: "Veit Weil in Oberdorf. Das ‚Gewerbeblatt aus Württemberg’, herausgegeben von der Königlichen Zentralstelle für Gewerbe und Handel, enthält in nr. 18 (vom 1. Mai 1887) einen Artikel unter obiger Aufschrift, den wir hier umso lieber wiedergeben, als er uns abermals einen höchst würdigen Charakter aus den Reihen unserer Glaubensgenossenschaft vorführt. Er lautet: Zu Oberdorf bei Bopfingen starb am 1. April dieses Jahres in seinem 76. Lebensjahre der im ganzen Lande und Reiche und darüber hinaus wohl bekannte und als Biedermann allgemein geehrte Fabrikant Veit Weil. Sein Tod hat in den weitesten Kreisen aufrichtige und warme Teilnahme wachgerufen, und das ‚Gewerbeblatt’, dem der Entschlafene in den 50er-Jahren schon mancherlei Aufsätze aus seiner reichen industriellen Erfahrung zukommen ließ, gönnt wohl gerne dem Dahingeschiedenen eine kleine Ehrentafel, welche ein Freund demselben hier zu errichten gedenkt. Es war im Jahre 1830, dass Veit Weil mit geringen Mitteln und in kleinen Anfängen zu Oberdorf an der Sechta eine Leimfabrik anlegte. Das Geschäft wollte anfangs nicht gedeihen; fortwährende Versuche und Verbesserungen verschlangen den kleinen verdienst. Aber durch unermüdliches Bemühen und Weiterstreben, durch starke Willenskraft und eisernen Fleiß hat Weil, als wahrer ‚self-made man’, ausgerüstet mit gründlichem und umfassendem Wissen, das Geschäft zu einer Höhe und Blüte geführt, die unsere Bewunderung verdient. Die Erzeugnisse des Geschäfts, zu denen sich Ende der 30er-Jahre die Knochenmehlfabrikation als Düngmittel anfügte, wurden auf allen Ausstellungen, im Auslande (Paris, London, München etc.) wie im Inlande mit den ersten Preisen ausgezeichnet. Das Weil’sche Etablissement umfasst zurzeit ein Areal von ca. 10 Morgen mit den nötigen Maschinen-, Siederei- und Trockengebäuden. Die Zahl der in dem Geschäfte täglich verwendeten Arbeiter beziffert sich auf ca. 80.    Die Liebe und Verehrung, welche der Verstorbene in so reichem Maße mit ins Grab genommen, bekundete sich namentlich an seinem Leichenbegängnis, zu welchem sich eine solche Menge von Leidtragenden aus allen Ständen und Berufsklassen, aus der Nähe und Ferne eingefunden hat, wie sie der Ort wohl noch nie gesehen. Als ein Mann von lauterem, liebenswürdigem und bescheidenem Charakter, als tüchtiger Gewerbsmann, ein Pionier der vaterländischen Industrie, ein unermüdlicher Arbeiter, ein warmer, jeder Aufopferung fähiger Patriot und braver Bürger, ein Freund und Wohltäter der Armen und Gedrückten, denen er immer willig und von Herzen seine Gaben zufließen ließ, war der Entschlafene eine jener auserwählten Persönlichkeiten, welchen das Glück zuteil wird, die Sympathien nicht bloß der Bürger des Orts und der ganzen Umgegend, sondern auch aller derer auf sich zu vereinen, welche mit ihm in Berührung kamen. 30 Jahre unausgesetzt hintereinander war er in den Rat der Gemeinde berufen.
 Ludwigsburg. J.G. Beßler."   

  
Über den bayrischen Landtagsabgeordneten Carl Maison (1887)    
Anmerkung: Carl Maison (geb. 18. September 1840 als Jekuthiel Maison in Oberdorf, gest. 1896 in München), Teilh. der Fa. A. Maison, Posamentenhandel in München; im Vorstand der Oberbayerischen Handels- und Gewerbekammer, Handelsrichter; 1887 bis 1896 Mitglied des Bayerischen Landtags, Konsul von Dänemark, Schweden und Norwegen, 1888 kgl. Kommerzienrat. 
Vater von Carl Maison war der Oberdorfer Lehrer Urias (Uri) Levi Maison-Frankfurter (geb. 1792 in Oberdorf als Urias Levi Frankfurter; Familienname später in Maison umbenannt), seit 1835 Lehrer und Vorbeter in Oberdorf), gest. 1856 in Oberdorf. 
Zwei Brüder von Urias Levi Maison-Frankfurter kamen auch zu einiger Berühmtheit: 
Bernhard Frankfurter
(geb. 1801 in Oberdorf), war in Nordstetten Lehrer von Berthold Auerbach (gest. 1868). 
Naphtalie Frankfurter
(geb. 1810 in Oberdorf, gest. 1866 in Hamburg) war zunächst Rabbinatsverweser in Lehrensteinsfeld, 1860 bis 1840 Rabbiner in Braunsbach, 1840-1866 Tempel-Prediger in Hamburg (wurde 1848 in die Hamburger Konstituierende Versammlung gewählt; gab zusammen mit Berthold Auerbach 1838 die "Gallerie der ausgezeichneten Israeliten aller Jahrhunderte" heraus).
Großvater von Carl Maison bzw. Vater der genannten drei Brüder war der Oberdorfer Rabbiner Moses Levi Frankfurter (geb. 1764 in Kriegshaber als Sohn eines Privatgelehrten Hessel und der Fradel aus Oberdorf; gest. 1828 in Oberdorf).   

Oberdorf Israelit 21071887.jpg (158465 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juli 1887: "Aus Bayern, 15. Juli (1887). Dem ‚Fränkischen Kurier’ entnehmen wir Folgendes: Die beiden in München gewählten freisinnigen Landtagsabgeordneten, Freiherr von Stauffenberg und Maison, kann Württemberg für sich reklamieren. Der Freiherr ist in Württemberg Besitzer von 4 Rittergüter: Rißtissen, Oberamts Ehingen, Stammsitz; Wilfingen, Oberamt Riedlingen; Geislingen, Oberamt Balingen und Baisingen, Oberamt Horb. Maison ist geborener Württemberger aus Oberdorf bei Bopfingen, wo sein Vater Maison – Frankfurter Lehrer war und 1856 starb: derselbe war ein begabter Literat! Ein Oheim Bernhard Frankfurter war der Lehrer Berthold Auerbachs und ist in dessen Briefwechsel öfters erwähnt; ein anderer Oheim Naftalie Frankfurter starb 1863 als berühmter Kanzelredner und homiletischer Schriftsteller in Hamburg. Die Nekrologe der drei Brüder sind seinerzeit im ‚Schwäbischen Merkur’ erschienen. Carl Maison, Mitbesitzer der gleichnamigen Großhändlerfirma in seiner jetzigen Heimat München, hat sich dort durch seine volkswirtschaftlichen Kenntnisse und Erfahrungen die Ehre des Sitzes im bayerischen Landtage errungen und seine schwäbischen Landsleute sind stolz auf ihn."     
  
Oberdorf AZJ 28061887.jpg (122305 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Juni 1887: "Bonn, 24. Juli (1887). (Notizen). In Württembergischen Blättern wird mitgeteilt: der in München von der liberalen Partei gewählte Landtagsabgeordnete Karl Maison, Mitbesitzer der gleichnamigen Großhändler-Firma in München, ist hier (sc. in Württemberg beziehungsweise in Oberdorf) gebürtig, Sohn des im Jahre 1856 verstorbenen Lehrers Maison - Frankfurter. Karl war beim Tode des Vaters 16 Jahre alt, sein ältester Bruder war bis vor 4 Jahren Lehrer in Lauchheim. Der Gewählte ist seit 1871 Handelsrichter und seit 1875 Mitglied der Handels- und Gewerbekammer für Oberbayern und in derselben Referent in hochwichtigen industriellen Tagesfragen. Mehrere Vorträge über volkswirtschaftliche Themata von ihm sind im Druck erschienen wie: Der Kaufmann im wirtschaftlichen und sozialen Leben; Schlechte Zeiten; Aus dem Verkehrsleben der Neuzeit und anderes mehr. Derselbe ist auch in das Direktorium der nächstjährigen deutsch-nationalen Kunstgewerbe-Ausstellung gewählt. Drei Brüder Frankfurter haben sich rühmlich ausgezeichnet, der oben genannte Maison, der als Lehrer in Oberdorf starb, ein zweiter Bernhard, Lehrer Berthold Auerbachs, der dritte Naphtalie, ein Schüler des Ellwanger Gymnasiums, starb als berühmter Kanzelredner in Hamburg."      

   
Der bayrische Landtagsabgeordnete Carl Maison wird zum königlich-bayrischen Kommerzienrat ernannt (1888)     

Oberdorf AZJ 01111888.jpg (29187 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. November 1888: "Herr Carl Maison, Landtagsabgeordneter in München, wurde von Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzregenten Luitpold von Bayern zum königlich bayerischen Kommerzienrat in Anerkennung seiner Verdienste um die königlich bayrische Kunstgewerbe-Ausstellung ernannt; er ist geboren in Oberdorf und Sohn des seligen Maison, Frankfurter Lehrers daselbst."     

  
Auszeichnung für Bezirksarzt Dr. David Essinger (1891)   

Oberdorf Israelit 26021891.jpg (117420 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Februar 1891: "Herr Dr. David Essinger (sc. nicht: Essiger), Bezirksarzt für Oberdorf und Umgebung, übt seinen ärztlichen Beruf seit 47 Jahren in seinem Geburtsorte und in der Umgegend aus. Nach 25- und 40jähriger Berufstätigkeit wurden ihm Ovationen dargebracht, das Ehrenbürgerrecht in seinem Wohnorte verliehen, ein Ehrenpokal mit Widmung überreicht. Gesundheitsrücksichten veranlassten ihn, seine ärztliche Tätigkeit aufzugeben, und er wird, in den Ruhestand getreten, nach Ulm übersiedeln. Die Amtskorporation, die Bezirksorte und seine Heimatgemeinde veranstalteten ihm eine Abschiedsfeier. Der Bezirksbeamte Oberamtmann Lang von Neresheim überreichte ihm auf dem Rathause im Auftrag der Amtsversammlung einen kostbaren Diamantring, die Ortsvorsteher der Bezirksgemeinden sprachen dem Gefeierten im Namen ihrer Bürgerschaften Dank und Verehrung aus. Abends war ein Festbankett, wobei Toaste in gebundener und freier Rede den Gefeierten verherrlichten. Dr. David Essinger war auch viele Jahre Mitglied des Kultusvorstandes der israelitischen Gemeinde gewesen und hat das gesetzestreue Judentum aufrechterhalten; er war eifriges aktives Mitglied des Talmudvereins und ist ein Kenner der umfangreichen jüdischen Literatur. Möge sein Ruhestand ihm zum Segensstand werden!"    
Anmerkung (mitgeteilt durch Rolf Hofmann, Stuttgart: bei Dr. David Essinger handelt es sich um den Großvater der bedeutenden Pädagogin Anna Essinger (siehe Herrlingen). 

   
Julius Heimann bekennt sich zu seinem jüdischen Glauben (1893)     

Oberdorf Israelit 30101893.jpg (63007 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Oktober 1893: "Aus Württemberg. Wenn die Juden Württembergs – durch die Reformbestrebungen der israelitischen Oberkirchenbehörde auf liturgischem Gebiete – im Auslande bezüglich der religiösen Zustände in Misskredit gekommen sind, so finden sich auch hier analog dem Vorgange 1. Buch König Kap. 19 Vers 18 immer noch Männer, die durchdrungen von der Heiligkeit unserer Lehre bereit sind, die schwersten Opfer zu bringen, der von Alters her gerühmten und geübten Enthaltsamkeit sich hinzugeben, um sich vor Übertretung unserer heiligen Gebote zu hüten.  So unternahm Herr Julius Heimann aus Oberdorf bei Bopfingen im August dieses Jahres eine 6-wöchige Reise zur Weltausstellung nach Chicago, ohne auf der Hin- und Herreise weder auf dem Lande noch zur See irgendetwas Verbotenes gespeist zu haben, und trotzdem kam er – voll der herrlichsten Reiseeindrücke wohlbehalten in die Heimat zurück."   

    
Zum Tod von Dolz Heimann (1894)    

Oberdorf Israelit 05031894.jpg (71675 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1894: "Oberdorf im Ries. Wenn unsere Weisen – das Andenken an die Gerechten ist zum Segen – sagen: (hebräisch und deutsch) ‚Der Weggang eines Frommen hinterlässt eine fühlbare Lücke’ – so ist dies leider in unserer Zeit umso mehr der Fall, als in den meisten Gemeinden besonders auch die Frauen selten werden, welche in Wahrheit verdienen eine bescheidene und fromme Frau genannt zu werden, wie Frau Dolz Heimann – Friede sei mir ihr -, Witwe des H. L. Heimann – Friede sei mit ihm, Kaufmannes dahier, welche am Donnerstag, dem 9. Adar (= 15. Februar 1894) im Alter von nahezu 85 Jahren sanft entschlief und am Freitag vor Schabbat Tezawe (d.i. Freitag vor Schabbat mit der Toralesung Tezawe = 2. Mose 27,20 - 30,10, das war Freitag, 16. Februar 1894) begraben wurde. Sie beobachtete bis zu ihrem Ende alle Fasttage, und während sie für ihre eigene Person sehr anspruchslos und sparsam war, übte sie Wohltätigkeit in reichlichem Maße – es sei ihr ein großer Lohn dafür von dem Gott Israels.    Ein jüdischer Mann."    

  
Der Gemeinde- und Stiftungspfleger Elkan Gutmann wird ausgezeichnet (1896) 

Oberdorf Israelit 05031896.jpg (92723 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1896: "Oberdorf im Ries. Am 25. Februar, dem Geburtsfeste Seiner Majestät des Königs Wilhelm II. von Württemberg, wurde die hiesige Gemeinde durch die freudige Nachricht aufs angenehmste überrascht, dass von Seiner Majestät dem israelitischen Gemeinde- und Stiftungspfleger Elkan Gutmann dahier die Verdienstmedaille des Friedrichordens verliehen worden ist. Dieselbe wurde Herrn Gutmann, der obige Ämter seit 44 Jahren in verdienstvoller Weise bekleidet, im Beisein der Vertreter der bürgerlichen Kollegien, des Vorsteheramtes usw. von dem Ortsvorstande unter passender Ansprache an die Brust geheftet. Bemerkt sei noch, dass Herr Gutmann einer derjenigen gewesen ist, welche im Jahre 1852 gegen die auf Schmälerung der 1849 erworbenen Rechte der Württemberger Juden bedachte Reaktion erfolgreich ankämpfte, und, im Verein mit Gleichgesinnten, die vollkommene Emanzipation der Juden Württembergs schließlich auch erreichte. Möge es dem also Ausgezeichneten vergönnt sein, noch lange obige Ämter zum Wohl der Gemeinde weiterzuführen. Ein jüdischer Mann."  

 
Zum Tod von Mathilde Falk (1898)    

Oberdorf Israelit 05041898.JPG (85939 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. April 1898: "Oberdorf bei Bopfingen. Eine wackere Frau im wahren Sinne des Wortes wurde heute unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Es war dies Frau Mathilde Falk von hier, die nur ein Alter von 56 Jahren erreichte. Durch ihre Menschenfreundlichkeit verstand sie, sich bei Israeliten und Christen einen guten Namen zu erwerben und zu erhalten. Herr Rabbinatsverweser Dr. Kroner widmete der Verblichenen einen wohlverdienten Nachruf und schilderte sie als wahre Tochter Zions, als eine Frau, welche noch den echten jüdischen Geist für die heilige Religion hegte und pflegte, als eine aufopfernde Mutter, die es verstand, durch ihr Entbehren und Entsagen, durch ihre Gewissenhaftigkeit in Ausübung der heiligen Gebote ihren Kindern das höchste Kleinod, den wahren ungeheuchelten Glauben zu geben, als eine fürsorgende Gattin, welche durch ihre aufrichtige Liebe zu ihrem Gatten, dem Gatten das Gewesen, was nur eine wackere Frau sein kann und sein soll."  

      
Goldene Hochzeit von H. L. Rosenberger und seiner Frau (1904)   

Oberdorf Israelit 03111904.jpg (115640 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1904: "Oberdorf im Ries, 26. Oktober (1904). Am Sonntag, den 9. dieses Monats, dem 1. Cheschwan, feierte dahier Herr H. L. Rosenberger und seine Gattin das Fest der goldenen Hochzeit in Rüstigkeit des Geistes und Körpers, umgeben von ihrem ganzen Familienkreise. Schon am Freitagabend ließ die jüdische Gemeinde durch ihren Rabbiner, Herrn Dr. Kroner und ihren Lehrer als Angebinde einen Stock mit silbernem Griffe überreichen. Am Schabbos gedachte der verehrte Herr Rabbiner in treffenden Worten des Jubelpaars im Anschluss an den Text zu Ehren des Geburtsfestes Ihrer Majestät der Königin (Hiob 10,12). Am Sonntag erschien die ganze jüdische Gemeinde und viele christliche Einwohner des Ortes in der Behausung des Jubelpaares, um ihre Glückwünsche unter Darreichung von Geschenken persönlich darzubringen. Auch von auswärts liefen viele telegraphische und briefliche Gratulationen ein. Der Jubilar, der im 76. Jahre steht, versieht heute noch sein Handwerk (Bäcker) und ist schon über 49 Jahre als Vorbeter an den Sabbaten und Festtagen in der Gemeinde tätig. Möge demselben vergönnt sein, noch lange Jahre diesen Posten ausfüllen zu können und möge Gottes Gnade über dem Jubelpaare walten, dass es auch die diamantene Hochzeit feiern könne."  

  
Über Siegfried Neumetzger, gefallen im Ersten Weltkrieg (1917)  

Vorbemerkung: in der Sammlung von Peter Karl Müller (Kirchheim/Ries) findet sich ein Regimentsbuch des "Württembergischen Feld-Artillerie-Regiments No. 49" aus dem Jahr 1922. Darin wird die Geschichte des Regiments geschildert, unter anderem auch die Kämpfe im Ersten Weltkrieg. Siegfried Neumetzger aus Oberdorf hat in diesem Regiment gedient und am 8. September 1917 im Dienste für das deutsche Vaterland in Flandern sein Leben verloren.  

  
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Umschlag des Regimentsbuches Anfang des Kapitels, in dem der Tod von Siegfried Neumetzger erwähnt wird "Bei 9./49 fiel am 8. September Kanonier Neumetzger und Fahrer Gerhardt". 
      
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  "Ehrentafel der fürs Vaterland Gefallenen des Regiments" mit Eintragung: 8. September (1917) Kanonier Siegfried Neumetzger". 

     
Jüdische Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg aus Oberdorf mit Bopfingen und Aufhausen (1914/18)    

Aus dem Buch "Jüdische Frontsoldaten aus Württemberg und Hohenzollern", herausgegeben vom Württembergischen Landesverband des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens.
Stuttgart 1926 
(erhalten von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries)
Oberdorf Kriegsteilnehmer 011.jpg (49993 Byte) Oberdorf Kriegsteilnehmer 010.jpg (151829 Byte)
Titelblatt Seite zu Oberdorf, Bopfingen und Aufhausen


 
   
25-jähriges Amtsjubiläum des Gemeindevorstehers Isak Sänger (1919)   

Bopfingen AZJ 19121919.jpg (47334 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. Dezember 1919: "Herr Kirchenvorsteher Isak Sänger in Oberdorf-Bopfingen feierte an seinem 70. Geburtstage zugleich sein 25-jähriges Amtsjubiläum als Vorsteher. Das Kirchenvorsteheramt (d.h. Vorsteheramt der jüdischen Gemeinde) brachte ihm zu dieser Doppelfeier seinen Glückwunsch dar und überreichte ihm ein sinniges Geschenk. Auch die Oberkirchenbehörde ließ durch das Rabbinat dem Jubilar ihren Glückwunsch und die Anerkennung seines verdienstvollen Wirkens aussprechen."  

  
Zum Tod von Sally Pappenheimer (1932)     

Oberdorf Israelit 12051932.jpg (97915 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Mai 1932: "Oberdorf-Bopfingen (Württemberg), 6. Mai (1932). Gestern wurde hier der weit über die Grenzen seiner Heimat bekannte, beliebte und geachtete Kaufmann Sally Pappenheimer von Bopfingen, 72 Jahre alt, zu Grabe getragen. Er verdient es, dass seiner auch in diesen Blättern gedacht wird. Über 21 Jahre lang war er Mitglied des Vorsteheramts und seit 2 Jahren Vorsitzender desselben. Zweimal gehörte er auch der Württembergischen Israelitischen Landesversammlung an. Er bekannte sich zu dem Grundsatz, dass man sich als Vertreter einer jüdischen Gemeinschaft streng an die altbewährte Überlieferung zu halten habe, dass man nicht einreißen und zerstörten darf, sondern aufbauen, vertiefen und erweitern muss. Am Grabe schilderten die Herren Rabbiner Dr. Cohn – Ulm, Oberlehrer Erlebacher – Oberdorf, Dr. Lehmann – Stuttgart und Hermann Marx – Bopfingen die hohen Verdienste des Dahingeschiedenen und seine segensreiche Wirksamkeit, sowie seinen edlen Sinn für Wohltätigkeit und Gastfreundschaft. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

    
   


   
Anzeigen und Dokumente jüdischer Gewerbebetriebe, der jüdischen Gemeinde oder Privatpersonen

Ritualien zu verkaufen (1923)    

Oberdorf Israelit 28061923.jpg (30799 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juni 1923: "Ein sehr gut erhaltenes Haphtora-Sefer sowie eine gut erhaltene Sefer Tora verkauft Israelitisches Kirchenvorsteheramt Oberdorf bei Bopfingen (Württemberg)."   

 
Verlobungsanzeige für Claire Löwenstein und Gustav Erlebacher (1929) 

Oberdorf Israelit 03011929.jpg (27378 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Januar 1929: "Claire Löwenstein - Gustav Erlebacher
Verlobte. Richelsdorf - Frankfurt am Main. Uhlandstraße 46 III  /  Oberdorf - Bopfingen - Frankfurt am Main."  

     
Weitere Dokumente aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Oberdorf 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries) 

Oberdorf Synagoge 198.jpg (49208 Byte) Oberdorf Synagoge 195.jpg (50625 Byte) Oberdorf Synagoge 199.jpg (51927 Byte)
 Karte um 1900 mit Unterschrift von "Deiner Freundin Babette Pappenheimer"  Das Manufakturwarengeschäft von H. L. Heimann (vgl. oben Mitte)
       
Briefkopf der Firma Veit Weil, Leim-Collagen und Degraswerke in Oberdorf Oberdorf VeitWeil 01.jpg (57403 Byte)
  Die Firma wurde 1830 von Veit Weil gegründet und ging dann auf dessen Sohn, Michael Weil, ab 1894 auf den Enkel Karl Weil (1879-1935) über. Dieser war seit 1903 Mitglied des Gemeinderates in Oberdorf und wurde 1921 Ehrenbürger von Oberdorf.
          
Kartenbrief aus Stuttgart nach Oberdorf vom 14.01.1921 an die Witwe von Max Levi Oberdorf Dok 017.jpg (87529 Byte)
Die Witwe von Max Levi war vermutlich Jeanette Levi geb. Heimann aus Oberdorf, die mit dem Fabrikanten Max Levi in Stuttgart verheiratet war. Max Levi war 1894 verstorben, seine Witwe (gest. 1938) hielt sich vermutlich nach dem Tod ihres Mannes immer wieder in Oberdorf auf. 
     
Rechnung, verschickt von Heium Löb Heimann aus Oberdorf am 15. Dezember 1895 nach Heidenheim Oberdorf Dok 018.jpg (89368 Byte)
      
     
Bescheinigung von Rabbiner Jakob Oberdorfer (1882) Oberdorf Dok 154.jpg (113938 Byte)
  Jakob Oberdorfer (Rabbiner in Oberdorf von 1861 bis 1884) attestiert am 24. April 1882 die 
Geburt von Aron Mayer. 
   
Karte an Rabbiner 
Dr. Kroner in Oberdorf (1923)
Oberdorf AK 541.jpg (89542 Byte)
  Die Karte wurde aus Berlin am 2. April 1923 von einem Herrn Finkelstein an Rabbiner Dr. Kroner geschickt. Die guten Wünsche zum Fest beziehen sich auf das Pessachfest, das 1923 vom 1.-8. April gefeiert wurde. 
Dokument der Fa. Heimann nach dem Zusammenschluss mit der Leder-Leimfabrik Schieber  Oberdorf Dok 1605.jpg (73811 Byte) Oberdorf Dok 1604.jpg (80483 Byte)
      
        
Karte der Leimfabrik Fa. Heimann (Bopfingen) vom 25. Juli 1898 Oberdorf Dok 1606.jpg (53261 Byte) Oberdorf Dok 1607.jpg (69182 Byte)
   
   
1885 aus Jerusalem nach Oberdorf versandte Karte Oberdorf Karte 075.jpg (63659 Byte) Oberdorf Karte 075a.jpg (61321 Byte)
Die Karte mit Grüßen zum Neuen Jahr wurde am 19. August 1885 von Luzer Mendel Wekselstein aus Jerusalem an B. Bär nach Oberdorf versandt (Anmerkung: die Karte war im Internet angeboten, konnte jedoch von P.K. Müller nicht ersteigert werden, daher nur die Abbildungen der Karte aus dem Angebot).
      
1912 an Mendel Lamm in Oberdorf verschickter Brief mit Einlieferungsschein  Oberdorf Dok 0909010.jpg (78309 Byte) Oberdorf Dok 0909010a.jpg (90505 Byte)
vgl. eine auf der Seite zu Aufhausen eingestellte Karte, deren Absenderin sich bei Familie Lamm in Oberdorf aufgehalten hat. 
      

        

    

  

 

 

 

 

 

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Stand: 12. September 2009