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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Olnhausen (Gemeinde
Jagsthausen) mit Möckmühl (Kreis Heilbronn)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Freiherren
von Berlichingen gehörenden Ort Olnhausen bestand eine jüdische Gemeinde bis
1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhundert zurück. Erstmals
werden 1654 Juden am Ort genannt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1807 123 jüdische Einwohner, 1824 135 (31,7 % von insgesamt 426
Einwohnern), 1829 und wieder 1846 Höchstzahl von 158 jüdischen Einwohnern
(34,5 % von 458 beziehungsweise 24,7 % von 638), 1869 116 (26,1 % von 444), 1886
114 (23,6 % von 484), 1900 95 (21,4 % von443), 1910 66 (16,7 % von 395).
Die jüdischen Familien lebten vom Handel, insbesondere mit
Vieh. Die am häufigsten hier vertretenen Namen jüdischer Familien waren
Gutmann, Rosenfeld, Stern, Schlesinger, Heidenheimer und Hirsch.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Elementarschule (bis 1874, dann Religionsschule im 1842 erbauten
jüdischen Schulhaus neben der Synagoge am Lindenplatz mit Schulzimmer im
Erdgeschoss und Lehrerwohnung im 1. Stock) sowie ein rituelles Bad (bis 1842
unter der Scheuer des Philipp Schmerzer, 1774 genannt; nach 1842 im
Untergeschoss des Schulhauses). Nach Auflösung der jüdischen Elementarschule
1874 besuchten die Kinder die christliche Schule am Ort. Von 1900 bis 1914
bestand nochmals eine jüdische Elementarschule , nach dem Weggang von Lehrer
Pollak 1914 wurde sie wieder geschlossen. Das ehemalige jüdische Schulhaus ist
als Wohnhaus erhalten (Lindenstraße 32). Die Toten der Gemeinde wurden vermutlich zunächst auf einem eigenen Friedhof beigesetzt
(Flurname "Judenkirchhof" etwa 1 km nördlich des Ortes, östlich der Flur
"Kessacher Halde"), bis dann der zentrale Friedhof in Berlichingen benutzt wurde.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt
(zeitweise Elementarlehrer), der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde
hatte bis 1832 einen eigenen Rabbiner, wurde jedoch 1832 dem Rabbinat
Berlichingen zugeteilt, nach dessen Auflösung dem Rabbinat Mergentheim und schließlich dem
Rabbinat Heilbronn.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Abraham
Arthur Rosenfeld (geb. 9.12.1887, gef. 22.8.1914), Gefreiter Meier Sommer (geb.
11.9.1894 in Freudenberg, gef. 3.7.1916), Gefreiter Bernhard Stern (geb.
21.7.1892 in Olnhausen, gef. 6.5.1918) und Abraham Schloss (geb. 9.2.1884 in
Olnhausen, vor 1914 in Großostheim wohnhaft, gest. 24.10.1918 in
Gefangenschaft). Auf dem Gefallenendenkmal
vor der evangelischen Kirche in Olnhausen stehen auch ihre Namen.
Um 1924, als zur Gemeinde noch 38 Personen gehörten (10,9 % von
insgesamt etwa 350 Einwohnern), war Vorsteher der Gemeinde Nathan Stern. Als
Lehrer und gelegentlicher Vorbeter kam Religionsoberlehrer Schloß aus
Berlichingen nach Olnhausen. Zur jüdischen Gemeinde Olnhausen gehörten auch
die in Möckmühl lebenden, damals sieben jüdischen Personen. 1932 war
Gemeindevorsteher Benjamin Stern. Weiterhin wurde die Gemeinde durch Lehrer
Schloß aus Berlichingen betreut. Er hatte im Schuljahr 1931/32 drei
schulpflichtigen jüdischen Kindern den Religionsunterricht zu erteilen. An
jüdischen Vereinen bestand der Wohltätigkeitsverein Chewra Gemilus
Chesed.
Um 1933 gehörten jüdischen Eigentümern die folgenden Handels- und
Gewerbebetriebe: Metzger Lippmann Gutmann (Rathausstraße 64), Viehhandlungen Ludwig und Nathan Gutmann
(Talstraße 86), Textilhandel Jakob und Louis Kaufmann (Talstraße 75), Bäckerei Salomon Krämer
(Kirchstraße 43, abgebrochen), Gemischtwarenhandlung Kallmann Levi (Talstraße
73), Gastwirt Leopold Rosenfeld (Widderner Straße 52), Gastwirt Moses Rosenfeld
(Kirchstraße 51), Viehhandlung Hirsch Strauß (Widderner Straße 30).
1933 lebten noch 26 jüdische Personen in Olnhausen. Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Synagoge geschändet und ihre Inneneinrichtung zerschlagen
(s.u.). Die letzten zwölf jüdischen Einwohner wurden 1941 und 1942 nach Riga
und Theresienstadt deportiert.
Von den in Olnhausen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Johanna Dreifuß
(1888), Klara Dreifuß geb. Pollak (1900), Adolf Ehrlich (1865), Rosa Ehrlich
(1899), Selma Falk geb. Rosenfeld (1890), Mathilde Fechenbach geb. Pollak
(1901), Julie Gutmann (1881), Louis (Loeser) Gutmann (1872), Melanie Gutmann
(1916), Meta Gutmann geb. Wertheimer (1874), Nathan Gutmann (1866), Zilli
Gutmann geb. Lissberger (1880), Amalie Heidelberger geb. Gutmann (1884), Fanny
Heidenheimer (1872), Amalie Hilb geb. Strauß (1874), Jakob Hirsch (1868),
Nanchen Kahn geb. Kaufmann (1884), Rita Kahn geb. Gutmann (1905), Betti
Kirchheimer geb. Stern (1898), Sophie Marx geb. Rosenfeld (1889), Lili Metzger
geb. Gutmann (1900), Ilse Model (1910), Adolf Rosenfeld (1874), Benedickt
Schloß (1875), Jukal (Jacob) Schloß (1880), Berta Stern (1897), Lena Stern
geb. Schloßberger (1863), Zerline Stern geb. Ehrlich (1869), Julius Strauß
(1897), Zilly (Zerline) Strauß (1887), Lina Vollweiler geb. Stern (1891),
Therese Vollweiler geb. Stern (1889), Frieda Wolf geb. Steinem
(1857).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Lehrer Schloß sucht eine neue Stelle (1885)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. August 1885:
"Der Unterzeichnete, geprüfter Religionslehrer, geübter Schochet
und Baal Kore, jedoch kein Vorbeter, von orthodoxen Autoritäten
empfohlen, sucht eine Stelle als Lehrer und Schochet, eventuell
auch als Religionslehrer oder Schochet allein. Derselbe ist auch bereit,
in einer größeren Gemeinde die Synagogendienerstelle mit zu
versehen.
Olnhausen, Württemberg. Lehrer Schloß." |
Lehrer Leopold Pollak feiert sein 25jähriges
Ortsjubiläum (1913)
Meldung
im Frankfurter Israelitischen Familienblatt vom 30. September 1913:
"Olnhausen (Württemberg). Leopold Pollack beging sein
25jähriges Jubiläum als Lehrer unserer Gemeinde." |
Über Leopold Pollak und seine Familie in
Olnhausen
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Leopold Pollak
(geb. 1880 in Klattau,
gest. 1923 in Tübingen) |
Pauline Pollak geb.
Heidelberger
(geb. 1868 in Markelsheim, überlebte das Ghette Theresienstadt, 1946 USA,
gest. 1951) |
Mathilde Fechenbach geb.
Pollak (geb. 1901 in Olnhausen, überlebte das Ghetto Theresienstadt,
1946 in die USA, gest. 1987) |
Über Lehrer Leopold Pollak und
seine Familie (aus: Lilli Zapf: Die Tübinger Juden 1978² S. 58-59;
Quelle der Fotos ebd.): "Pollak, Leopold: Lehrer, Kantor, Vorbeter,
wurde am 9. August 1860 in Klattau bei Karlsbad in der Tschechoslowakei
geboren. Um 1880 kam er nach Deutschland und besuchte in Würzburg das
Lehrerseminar. In dieser Zeit erhielt er auch die deutsche
Staatsangehörigkeit. Nach Abschluss seines Studiums zog er nach
Leutershausen bei Ansbach, wo er an der Volksschule unterrichtete und
Vorbeter der jüdischen Gemeinde war. 1888 ließ er sich nach Olnhausen
an der Jagst versetzen; 26 Jahre lang war er hier als Vorbeter der
jüdischen Gemeinde und als Volksschullehrer tätig. Am 1. August 1914
verließ er Olnhausen und kam mit seiner Familie nach Tübingen. Er
übernahm den synagogalen Gottesdienst und erteilte Religionsunterricht.
Nach einer schweren Erkrankung ist er am 11. Juli 1923 in Tübingen
gestorben. - Leopold Pollak war verheiratet mit Pauline geborene
Heidelberger, geb. am 28. Mai 1868 in Markelsheim bei Mergentheim. Sie ist
am 24. Januar 1951 in New York gestorben. Der Ehe entstammen sechs Töchter:
Recha, Martha, Rosa, Clara, Mathilde, Selma.
Recha (geb. 1895 in Olnhausen) schreibt in einem ihrer Brief über
ihren Vater: 'New York, 17. August 1969. Er kam in den achtziger Jahren
nach Deutschland. Seine Eltern kamen später und lebten bis zu ihrem Tod
mit ihm in Olnhausen. In Olnhausen feierte er sein 25jähriges Lehrerjubiläum,
wozu er eine goldene Uhr geschenkt bekam. Er war ein besonders gütiger
und intelligenter Mann und ein sehr guter Redner. Er war Mitglied des
Flottenvereins und des Kriegervereins und hat bei allen Anlässen die
Reden gehalten. Mit Götz von Berlichingen (sc. einem Nachkommen)
kam er in Kontakt, als ein junger Mann von Olnhausen auf seinem Wagen
einen Einwohner mitnahm, der tödlich abstürzte. Dieser junge Mann wurde
zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, was damals schrecklich war. mein
Vater bat Götz von Berlichingen um eine Audienz beim König. Götz
empfahl, ein Gnadengesuch beim König einzureichen. Die Strafe wurde
daraufhin in eine Geldstrafe umgewandelt. - Sonst trat er ihn immer im
Flottenverein. Der Abschied von Olnhausen war sehr aufregend, da er am 1.
August 1914 bei Kriegsausbruch stattfand. Aber Tübingen war für uns
junge Mädchen ein Paradies und wir hatten eine wundervolle
Jugendzeit..."
Mathilde (geb. 1901 in Olnhausen) schreibt über ihre Zeit in
Olnhausen (Zapf ebd. S. 167): '7. Mai 1968: 'Olnhausen liegt an der Jagst;
als Kinder haben wir darin gebadet. In der Nähe liegt auch Berlichingen
und Jagsthausen, wo der berühmte Götz sein Schloss hatte. Als mein Vater
nach Tübingen zog, machte ihm der damalige Götz von Berlichingen einen
Abschiedsbesuch. Mit seinen Kindern haben wir oft gespielt..." |
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Familie Pollak, vermutlich
um 1910 in Olnhausen. Von links: Martha (geb. 1897 in
Olnhausen, 1912 in die USA, verh. Loewenberger gest. 1947), Recha
(geb. 1895 in Olnhausen, verh. Reutlinger 1924 in Emmendingen, 1939 in die
Schweiz, 1940 in die USA, gest. März 1981), Pauline Pollak geb. Heidelberger (geb.
1868 in Markelsheim, 1942 nach Theresienstadt deportiert, 1946 nach USA,
gest. 1951), Rosa (geb. 1889 in Olnhausen, verh. Kappenmacher,
später Strauss, 1935 nach Palästina, 1951 nach USA), Klara (geb.
1900 in Olnhausen, verh. Dreyfuss in Karlsruhe, 1942 ermordet in
Auschwitz), Leopold Pollak, Mathilde (geb. 1901 in
Olnhausen, verh. Fechenbach, 1942 nach Theresienstadt deportiert, 1946
nach USA, gest. Juli 1987), Selma (geb. 1903 in Olnhausen, 1933 nach Emmendingen,
1936 nach Palästina, 1951 nach USA, gest. November 1988).
Foto: Familienbesitz Loewenberg, im Art. von Martin Ulmer s.u. |
Zum Tod von Lehrer Leopold Pollak (1923, Lehrer in Olnhausen
1888-1914)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juli 1923:
"Tübingen, 16. Juli (1923). Am Freitag wurde auf dem Friedhof
Wankheim (nicht: Werkheim) (bei Tübingen)
der Lehrer der Tübinger Gemeinde, L. Pollak, zu Grabe getragen. Ein
echter Jehudi ist mit ihm gestorben, der in vierzigjähriger Tätigkeit,
kurze Zeit in bayrischen Gemeinden, dann 26 Jahre in Olnhausen (bei
Heilbronn) und zuletzt neun Jahre in Tübingen
das Banner des toratreuen Judens hochgehalten und Generationen in diesem
Geiste erzogen hat. Was er am letzten Orte seiner Wirksamkeit in anders
gesinnter Umgebung für Schechita und Religionsunterricht getan hat, kann
nicht genug gerühmt werden; selbst in den kranken Tagen hat er seine
Schüler in seinem Hause mit der Lehre Gottes bekannt gemacht. Seine
Beerdigung legte durch die übergroße Beteiligung noch einmal Zeugnis
für seine Leistungen ab; kurz, wegen des nahenden Sabbats, sprachen der
Bezirksrabbiner Herr Dr. Schweizer (Horb),
als Vertreter des Kirchenvorsteheramtes der israelitischen Gemeinde Tübingen
Herr Rechtsanwalt Dr. Katz, im Auftrage der Nachbargemeinde Hechingen
Herr Lehrer Schmalzbach, als Vertreter des württembergischen Lehrerverbandes
Herr Lehrer Rothschild, Esslingen.
Herr Rabbiner Posner widmete dem Verstorbenen kurz vor Schabbat-Eingang
warme Worte der tiefsten Verehrung und Hochschätzung. Als die letzten Schollen
das Grab deckten, zog fast der Monat Aw ein und die Kinder kehrte
ohne Aw (= Vater) an die leere Stätte ihres Elternhauses zurück.
Möge Gott ihnen und der betrübten Witwe beistehen. Seine Seele
sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum 85. Geburtstag von Aron Hirsch
(1915)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. August 1915: "Olnhausen,
18. August (1915). Herr Aron Hirsch beging als ältester Bürger der
Gemeinde seinen 85. Geburtstag. Der Jubilar ist ein begeisterter Anhänger
des Judentums. Mit tiefer Wegmut sieht er, wie die einst so blühende,
altehrwürdige Gemeinde sich nach und nach aufzulösen beginnt, sodass er
nicht ganz nach seinem Wunsch, dem jüdischen Pflichtenleben Rechnung
tragen kann. Trotz seiner ausgebreiteten Geschäftstätigkeit in früheren
Jahren hütete er den Schabbos aufs Gewissenhafteste. Er verwaltet mit
seiner ihm gleich gesinnten Gattin ein echt jüdisches Haus. Er hatte
außer seinem Kreis von Kindern und Enkeln die Freude, zwei Urenkel in
seiner Mitte zu sehen. Mögen dem Jubilar noch weiter viele sonnige Tage
beschieden sein." |
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
Gründung einer Ortsgruppe des "Verbandes der
Sabbatfreunde" (1907)
Bericht
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. März 1907:
"Berlichingen (Württemberg), 4. März (1907). Nach einem
eindrucksvollen und mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag des Herrn
Paul M. Aron aus Stuttgart konstituierte sich auch in hiesiger Gemeinde
eine Ortsgruppe des 'Verbandes des Sabbatfreunde', welcher fast sämtliche
Gemeindemitglieder beitraten. Auch in der Nachbargemeinde Olnhausen
gelang es den Bemühungen des Herrn Aron, eine Ortsgruppe ins Leben zu
rufen. Mögen beide Zweigvereine den bei der Gründung in sie gesetzten
Hoffnungen gerecht werden und auch ihr Scherflein beitragen, dass dem
immer mehr um sich greifenden Sabbatschändung durch zielbewusste Bekämpfung
wirksam entgegengearbeitet werden kann." |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Abraham Kaufmann sucht für seine Manufaktur-, Eisen-,
Kurz-, Schuh-Geschäfte en detail Mitarbeiter (1890/1893)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1890:
"Für mein am Samstag und Feiertagen geschlossenes Manufaktur-,
Eisen- und Schuhwaren-Geschäft wird ein tüchtiger junger Mann, der mit
Landkundschaft umzugehen versteht, als Detail-Reisender per 1. Oktober
gesucht.
Offerten mit Gehaltsansprüchen sieht entgegen Abraham Kaufmann,
Olnhausen (Württemberg)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. April 1893: "Lehrlings-Stelle-Gesuch.
Für meinen Sohn, 14 Jahre alt, der die obere Klasse der Realschule
durchgemacht hat, wird per 15. April eine Stelle gesucht mit Kost und
Wohnung im Hause wo Samstag und Feiertage geschlossen ist. Bevorzugt
werden Manufaktur-, Eisen-, Kurz- und Schuh-Geschäfte en detail und sehe
gefälligen Offerten entgegen.
Abraham Kaufmann, Olnhausen bei Möckmühl." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
1726 wird ein erster
"Judenschulmeister" verpflichtet (Joseph Jacob); damals war sicher ein
Betsaal vorhanden. 1732 wird ein solcher im 1. Stock des Hauses des
Lazarus (Standort unbekannt) genannt. 1736/37 erstellte die Herrschaft
eine neue Synagoge "gegen Schultheiß Kolben hinüber gelegen". Es
handelte sich um einen Betsaal in einem auf Kosten der Herrschaft errichteten
Judenhaus, in dem auch bis zu vier jüdische Familien Wohnung fanden. Für die
Synagoge erhielt die Herrschaft jährlich vier Gulden Miete.
Eine neue
Synagoge wurde 1772/73 erbaut, für die auch die Olnhausener Bürger
Handfrondienste leisteten. Das Bauholz und die Ziegel kamen aus Jagsthausen,
Backsteine aus Widdern, Sandsteine aus Ohrnberg. Ein zunächst missratener
Almemor musste von Steinhauer Johann Ludwig Walter aus Möckmühl wieder
abgebrochen und frisch behauen werden. Für die neue Synagoge bezahlten die
Juden jährlich sechs Gulden Konzessions- bzw. Rekognitionsgeld.
Ende der 1870er-Jahre war die Synagoge "durch Ausweichen
der Umfassungsmauern" derart baufällig geworden, dass das Oberamt dem
Israelitischen Vorsteheramt am 6. Juni 1879 die Auflage machte, die Synagoge möglichst
bald zu renovieren. Dies war für die damals aus 18 Familien beziehungsweise 116
Mitgliedern bestehende Gemeinde, in der etliche Familien in sehr armen Verhältnissen
lebten, ein fast unmögliches Vorhaben. Man zögerte das Bauen so lange als möglich
hinaus, vor allem nachdem sich herausstellte, dass die Synagoge großenteils
abgerissen werden musste. Als im Frühjahr 1881 das Oberamt nochmals dringend
die Reparatur einforderte, wurde nach den Planungen des Neckarsulmer
Amtsbaumeisters Lell mit dem Neubau der Synagoge begonnen. Sie kostete die
Gemeinde etwa 5.000 Gulden. Ein bescheidener Staatsbeitrag von 300 Gulden
verringerte ein wenig die notwendige Schuldenaufnahme. Der Neubau der
Synagoge konnte im Laufe des Sommers 1881 durchgeführt werden.
Die Inneneinrichtung der Synagoge bestand nun aus sieben
neuen Sitzbänken für die Männer mit knapp 50 Sitzplätzen. Dazu kamen
Kinderstühle und die Bänke auf der Frauenempore. Den Türsturz des alten
Synagogeneingangs verwendete man auch im Neubau, sodass sich über dem Eingang
weiterhin die Jahreszahl 1772 sowie als hebräische Portalinschrift ein Zitat
aus Psalm 118,19 ("Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit...") und das
Berlichingen'sche Wappen befanden. Im Blick auf besondere
Einrichtungsgegenstände war die Gemeinde auf möglichst sparsame Lösungen
bedacht. So verfasste das Vorsteheramt im August 1881 einen Brief an den württembergischen
König mit der Bitte, ob es bei der Schlossverwaltung zufällig einen
Kronleuchter für die Synagoge geben würde. In früheren Jahren hatten mehrere
Synagogen an anderen Orten vom König zur Einweihung ausgebrauchte, aber noch
ansehnliche Kronleuchter erhalten. Freilich musste das Oberhofmeisteramt
mitteilen, dass derzeit ein Kronleuchter "weder vorrätig noch entbehrlich" sei.
Da König Karl die Gemeinde in Olnhausen aber nicht enttäuschen wollte,
schickte er ihr 50 Mark Zuschuss zur Anschaffung eines Kronleuchters.
Ende der 1920er-Jahre war die jüdische Gemeinde in
Olnhausen durch Wegzug bereits sehr klein geworden und bestand nur noch aus
sieben Familien und einigen alleinstehenden Personen. Gottesdienste in der
Synagoge wurden noch gefeiert, dennoch kam der Minjan nur noch zusammen, wenn
alle Männer beieinander waren, was nur am Schabbat und an Feiertagen möglich
war. Handelsmann Nathan Gutmann, der Gemeinderat der bürgerlichen und Vorsteher
der israelitischen Gemeinde war, versah ehrenamtlich bereits seit 1914 den
Vorbeterdienst. In der "Gemeindezeitung" vom 16. Februar 1928 wurde die Synagoge
Olnhausen als eine "Zierde des Ortes" beschrieben. Der Wegzug der
Gemeindeglieder ließ auch in Olnhausen die Frage aufkommen, wie lange noch
Gottesdienste gefeiert werden konnten: "Mit bangem Herzen sieht man der
Verwaisung dieses schönen Gotteshauses entgegen, wenn nicht wieder ein Zuzug
von außen erfolgt..." (GZ 16.2.1928 S. 702). Als Moses Stern zwei Jahre später
starb, liest man in der Gemeindezeitung: "Es ist hier jetzt gerade noch möglich,
Minjan zu bekommen. Aller Gemeindeglieder Wunsch ist es, den
Schabbatgottesdienst noch lange in alter Weise halten zu können" (GZ 16.5.1930
S. 47). Am Schabbat Schuwa (Schabbat zwischen den hohen Feiertagen Rosch
Haschana und Jom Kippur) am 19. September 1931 wurde in schlichter Weise an die
Einweihung der Synagoge vor 50 Jahren gedacht. Nach der Toravorlesung hielt
Nathan Gutmann eine Ansprache. Jacob Hirsch hatte einen Prolog gedichtet, der
von Gutmann vorgetragen wurde.
Feier zum 50-jährigen Bestehen der Synagoge
(1931)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. September 1931: "Olnhausen
an der Jagst, 1. September (1931). Die hiesige noch kleine
Israelitische Gemeinde kann am 17. September auf fünfzigjähriges
Bestehen ihrer Synagoge zurückblicken. Damals wohnten hier 34 Familien,
heute sind es noch 7 Familien, außerdem noch vier einzelne Personen. Es
ist am Sabbat gerade noch Minjan, wenn niemand krank oder verhindert ist.
Trifft dies zu, wird ein lediger Mann von Berlichingen bestellt. Zur Zeit
des Baues und der Einweihung waren Vorsteher Lippmann Gutmann, Josef
Rosenfeld und Aron Hirsch, die längst nicht mehr am Leben sind. Als
Religionslehrer war hier Emanuel Schloss, Rabbiner Gunzenhäuser aus Mergentheim
hielt als hier zuständiger Rabbiner die Festrede; die Gesänge bei der
Einweihung leitete Lehrer Dreifuß, Heilbronn. Die kleine Gemeinde sieht
von einer Feier, angesichts des Ernstes der Zeit, ab. Das Gotteshaus, ein
massiver Bau, ist ein Schmuck des Dorfes." |
Glücklicherweise zog wieder eine jüdische
Familie in Olnhausen zu, sodass auch im Sommer 1935 noch der Minjan vorhanden
war (GZ 1.6.1935 S. 44).
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung
durch auswärtige Nationalsozialisten zerschlagen. Bis 1972 diente das Gebäude
als Lager und Scheune, bis es abgerissen wurde, um dem Neubau einer kleinen
Sparkassenfiliale Platz zu machen (Standort: Rathausstraße 42). Nachdem diese
geschlossen wurde, ist das ehemalige Sparkassengebäude zu einem Wohn- oder Bürogebäude
umgebaut worden.
Fotos
Historisches Foto:
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| Die Synagoge in Olnhausen um
1930 |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1965:
(Foto links: bei Sauer s. Lit. Abb. 101) |
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Die inzwischen völlig heruntergekommene ehemalige Synagoge |
Ansicht der Rückseite |
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Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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Der Synagogenstandort, inzwischen mit einer Sparkassenfiliale bebaut |
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Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 2.9.2003) |
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Die Sparkassenfiliale besteht
nicht mehr. Das Haus dient Wohn- oder Bürozwecken |
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Nach Neubebauung des
Grundstückes Fotos Anfang 2010
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 27.1.2010) |
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Das
Synagogengrundstück ist neu bebaut - an Stelle der früheren Synagoge
steht nun das grünliche Haus links, darunter das Feuerwehrhaus der
Gemeinde; zwischen den Gebäuden an der Straße die Gedenktafel. |
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| Gedenktafel mit
Inschrift: "Hier stand die Synagoge der jüdischen Gemeinde
Olnhausen, die im November 1938 entweiht und verwüstet wurde. Zum
Gedenken an die jüdischen Einwohner. Zur Erinnerung an das Leid, das
ihnen angetan wurde. Zur Mahnung an die Nachgeborenen. Gemeinde
Jagsthausen." |
Links und Literatur
Links:
Literatur:

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Olnhausen
Wuerttemberg. Jews settled in the mid-17th century after the Thirty Years
War (1618-48), reaching a peak population of 158 (total 638) in 1854 and
thereafter dwindling steadily though emigration. Jews were active in the
cattle trade. The first synagogue was built in 1736-37 and a Jewish school
was opened in the 1830s. Both were burned on Kristallnacht (9-10 November
1938). Of the 26 Jews left in 1933, seven managed to emigrate while 12 were
expelled to the Riga ghetto in December 1941 and to the Theresienstadt ghetto
in August 1942 to meet their end.

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