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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Igersheim (Main-Tauber-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(Abschnitt erstellt unter Mitarbeit von Hartwig Behr, Bad Mergentheim)
In Igersheim bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1900,
als Filialgemeinde von Markelsheim bis um
1938. Die Entstehung der Gemeinde geht in das 16. Jahrhundert zurück. Erstmals
werden 1564 Juden am Ort genannt. Zunächst
waren nicht mehr als zwei jüdische Familien am Ort. 1605 zog eine dritte
Familie zu (Arzt Samson Levi). 1638 wurden 37 jüdische Einwohner in Igersheim
gezählt, 1694 waren es etwa 30. Sie lebten vom Vieh-, Tuch-, Landesprodukten-
und Leinwandhandel.
Im 19. Jahrhundert wurde die höchste Zahl jüdischer
Bewohner 1803 mit 53 bzw. um 1838 mit 51 Personen erreicht. Als Berufe der jüdischen
Familienväter werden 1828 aufgezählt: Viehhändler, Baumwollweber,
Schuhmacher, Metzger und vor allem Kleinhändler und Schacherhändler.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Schule und ein rituelles Bad. 1828
wurde die jüdische Gemeinde dem Rabbinat Mergentheim zugeteilt. Nach der
Neueinteilung der jüdischen Gemeinde gehörte nach 1832 zunächst Markelsheim
als Filialgemeinde zu Igersheim, nach 1900 war es umgekehrt.
1933 lebten noch elf jüdische Personen in Igersheim.
Von den in Igersheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Sofie Cahn geb.
Hartheimer (1872), David Fechenbach (1885), Josef Sigmund Hartheimer (1880),
Rosa Hartheimer (1921), Schmai (Schnay) Hartheimer (1877), Sofie Hartheimer geb.
Gutmann (1883).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Es wurden bisher keine Berichte zur jüdischen
Geschichte in Igersheim in jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts
gefunden.
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Eine Synagoge in Igersheim gab es
vermutlich seit der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, als die Zahl der
religionsmündigen Männer die Zehn überschritten hat. Dabei handelte es sich
zunächst um einen Betsaal in einem Privathaus. 1674 kam es in Igersheim
zu gewaltsamen Ausschreitungen. Ein Teil der christlichen Bevölkerung drang in
die Judenhäuser ein, zerschlug Fenster, Türen und Schränke, warf diese auf
die Straße und trug sie zu einem großen Scheiterhaufen zusammen, worauf sie
verbrannt wurden. Andere, die nützlichen Dinge wie Beschläge, Ofenblätter und
Bettladen, trug die Bevölkerung nach Haus. Man drang auch in die Synagoge ein
und zerstörte die Inneneinrichtung. Torarollen und Betpulte wurden nach einem
zeitgenössischen Bericht "aus der Sinagog getragen und verbrannt". Von Seiten
der Herrschaft wurden eingehende Untersuchungen durchgeführt, um die Anstifter
dieses Pogroms ausfindig zu machen, aber das auslösende Moment wird aus den
Akten nicht ersichtlich. Einquartierte Soldaten sollen den Anfang gemacht haben.
Über die Bestrafung der Schuldigen ist nichts überliefert. Nach dem Pogrom
wurde die Synagoge offensichtlich wieder hergestellt. Über ihren damaligen
Standort ist nichts überliefert.
Im 19. Jahrhundert wurde eine Synagoge
("Judenschule") 1832/33 auf dem Grundstück des kurz zuvor
abgebrochenen Hauses von Mosis Seligmann erbaut, welches 1826 in den Besitz der
jüdischen Gemeinde gekommen war (heutige Lage: Burgstraße 22). Nachdem 1832 im
Zusammenhang mit der Neueinteilung der jüdischen Gemeinden der Zusammenschluss
der beiden Gemeinden Igersheim und Markelsheim
beschlossen wurde, wurde geprüft, welche der Synagogen das geeignete Gotteshaus
der vereinigten Gemeinden werden könnte. Im Gutachten des Bauinspektors Stock
von Schwäbisch Hall wurde die Igersheimer Synagoge deutlich schlechter
beurteilt. Sie sei "schlecht gebaut", auch "in einem ganz schlechten Stil", "überhaupt
zu niedrig". Der Raum für die Männer hätte 40 Sitzplätze und sei kleiner als
der Markelsheimer Betsaal; die Galerie für die Frauen verlaufe nur über eine
Seite mit Platz für höchstens 20 bis 25 Personen. Damals lebten 52 Juden in
Igersheim, davon 17 Kinder. In Markelsheim waren es 51 Juden, davon 22 Kinder.
Trotz der schlechteren Beurteilung der Igersheimer Synagoge
wurde Markelsheim Filialgemeinde von Igersheim. So wurde auch die Igersheimer
Synagoge bis um 1900 auch von den Markelsheimer Juden besucht, danach besuchten
die Igersheimer Juden die Gottesdienste in Markelsheim.
Fotos/Plan:
Historische Fotos:
Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle
Hinweise bitte an
den Webmaster von Alemannia Judaica, Adresse siehe Eingangsseite |
Plan:

Skizze (Rekonstruktion) der ehemaligen Synagoge Igersheim (in ungefähren
Maßen):
1 Synagogenraum 5,60 m x 8,90 m, Höhe 4,00 m
Eingang mit Stufen, Holzverkleidung unter Fensterhöhe, 6 Fenster
2 Frauenempore im Synagogenraum 5,60 m x 1,50 m
Türe vom Treppenraum, 2 Fenster an den Seiten; in dem
Kämmerchen neben der Frauenempore befand sich die Laubhütte
3 Treppenraum
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Geplante
Stolpersteinaktion in Igersheim |
links
Foto: Klasse 9b des St. Bernhard mit den Lehrern Yvonne Knödler und Bertram Fella sowie Georg Jetzinger aus Igersheim am jüdischen Denkmal. Foto: Thomas Weller
Artikel von Thomas Wellter in der "Tauber-Zeitung" vom 22.
Januar 2009:
Stolpersteine des Erinnerns
Schülerinnen des St. Bernhard wollen mit Projekt Bleibendes schaffen
-
Kleine goldene Gedenksteine für ehemalige jüdische Mitbürger sollen in Igersheim und Bad Mergentheim gesetzt werden. Eine Klasse des St. Bernhard setzt die Aktion des Künstlers Gunter Demnig als Projekt um.
Igersheim/Bad Mergentheim Es war vor zwei Jahren. Die damalige 7b der Mädchenrealschule las im Deutschunterricht das "Tagebuch der Anne Frank" und beschäftigte sich dadurch intensiv mit dem Thema der Judenverfolgung zur Zeit des Nationalsozialismus. Dabei waren sie sich bewusst, selbst auf geschichtsträchtigem Boden zu wandeln, schließlich stand an der Stelle eines Teils der Schule früher die Synagoge und die Familie des Rabbiners Dr. Kahn wohnte hier.
Der damalige Klassenlehrer Bertram Fella hatte in Würzburg eine Arbeitsgruppe besucht, die eine Aktion mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig vorbereitete. Dessen mittlerweile europaweites Projekt will die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Zigeuner, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer im Nationalsozialismus lebendig erhalten. Dazu lässt er vor den letzten selbstgewählten Wohnorten Gedenktafeln aus Messing mit den Namen der Familien in den Gehweg ein. In der Klasse entstand die Idee, eine Aktion mit dem Künstler in Bad Mergentheim als so genanntes WVR-Projekt (Wirtschaft-Verwaltung-Recht) zu starten, in dem die Schülerinnen sich um die Bereiche Organisation, Geldbeschaffung und Recherchen kümmern müssen. Ursprünglich war geplant, die Gedenksteine - über die freilich nur der Blick stolpert - an verschiedenen Orten der Stadt zu verlegen. Viele Stunden brachten Schülerinnen der Recherche-Gruppe deshalb im Stadtarchiv zu, um nach den jüdischen Familien zu forschen, die hier lebten. Im Archiv trafen sie auch auf den früheren Oberstudienrat und Historiker Hartwig Behr. Der profunde Kenner der Geschichte ehemaliger jüdischer Mitbürger konnte ihnen wertvolle Hinweise geben. Ein Würzburger Zeitzeuge berichtete in der Klasse über die Verfolgung der Juden durch die Nazis. Eine Präsentation schloss den ersten Teil des Projekts ab.
Doch dann kam die Ernüchterung: Die Klasse schaffte es mit ihrer Idee nicht vors Stadtparlament. Lediglich im Jugendgemeinderat durften die Mädchen ihr Projekt vorstellen - "aber da", erinnern sie sich, "hörte man uns gar nicht richtig zu." Lehrer Bertram Fella war wie seine Klasse enttäuscht: "Wir wurden nicht ernst genommen." Dabei hatte es zuvor bei Kontakten mit Stadträten durchaus "wohlgesonnene Rückmeldungen" gegeben, erinnert sich
Fella. Der offizielle Ablehnungsgrund der Aktion in Bad Mergentheim folgte der Auffassung von Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland. Sie könne es "nicht ertragen, dass Stiefel und Schuhe auf Namen von Opfern des Naziregimes herumtreten." Auch wenn Schülerinnen und Lehrer diese Auffassung nicht teilen, "das mussten wir respektieren", so Fella. Gleichwohl war die Enttäuschung groß und das Projekt stand vor dem Scheitern.
Es waren schließlich Igersheimer Eltern, die die Idee hatten, bei der dortigen Gemeindeverwaltung anzufragen. Bei Bürgermeister Schaffert und seinem Nachfolger Menikheim stieß die Klasse auf offene Ohren und auch der Gemeinderat sagte spontan "Ja", erinnert sich Georg Jetzinger, selbst Mitglied des Gremiums und Vorsitzender des Heimat- und Kulturvereins.
Zusammen mit Bertram Fella war Jetzinger bei einer Gedenksteinlegung in Gaukönigshofen und beide waren von der würdigen Veranstaltung beeindruckt. In Igersheim sollen fünf "Stolpersteine" in der Burgstraße (ehemalige Synagoge), am Möhlerplatz, vor der Bäckerei Bamberger und auf der Tauberbrücke, wo Nazis eine Familie verprügelten, eingelassen werden. Wenn auch Bad Mergentheim offiziell diese Gedenksteine nicht will, sollen auch hier welche gesetzt werden, von der Straße aus gut sichtbar, im Hof des St. Bernhard, wo früher die Familie Kahn lebte.
Für die Mädchen bedeutet das Projekt lebendigen Geschichtsunterricht, den sie mit ihrer heutigen Klassenlehrerin Yvonne Knödler fortsetzen. Im Februar stellen sie das Projekt in Igersheim vor - dort dürfen sie dies im Gemeinderat tun. |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern.
1966. S. 124-125. |
 | Elmar Weiß: Die Juden in Igersheim. 1984. |

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