Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Markelsheim (Stadt Bad Mergentheim, Main-Tauber-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge  

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version
(Abschnitt erstellt unter Mitarbeit von Hartwig Behr, Bad Mergentheim)   
       
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts dem Deutschen Orden gehörenden Markelsheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in das 16./17. Jahrhundert zurück. Erstmals werden 1590 Juden am Ort genannt. 1626 wird ein Jud Mayer aus Markelsheim genannt. 1704 waren vier, 1755 drei jüdische Familien am Ort. 
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1812 18 jüdische Einwohner, 1824 26 (2,2 % von insgesamt 1.178 Einwohnern), 1831 40, 1843 52, 1854 52, 1869 50, höchste Zahl um 1880 mit 70 jüdischen Einwohnern, 1900 53 (4,2 % von 1.259), 1910 39. Die jüdischen Familien lebten vor allem vom Handel mit Vieh und Landesprodukten. 
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Unterbalbach beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde war dem Rabbinatsbezirk Mergentheim zugeteilt.    
 
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Nathan Strauß (geb. 12.2.1879 in Markelsheim, gef. 11.7.1916). Außerdem sind gefallen: Ferdinand Adler (geb. 29.11.1887 in Markelsheim, vor 1914 in Stuttgart wohnhaft, gef. 5.4.1917) und Heinrich Strauß (geb. 26.5.1878 in Markelsheim, vor 1914 in Karlsruhe wohnhaft, gef. 21.6.1915). 
  
Um 1924, als noch 44 jüdische Personen gezählt wurden (4 % von insgesamt etwa 1.100 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Erwin Ottensoser, Hermann Strauß und David Strauß. Als Lehrer und Vorbeter war der auch als Gemeindevorsteher genannte Erwin Ottensoser tätig. Er unterrichtete an der Religionsschule der Gemeinde acht Kinder. An jüdischen Vereinen gab es einen Wohltätigkeitsverein Chewraus (Zweck und Arbeitsgebiet: Wohltätigkeit und Bestattungswesen) sowie einen  Israelitischen Frauenverein (1924 unter Leitung von Malchen Adler). 1932 war Gemeindevorsteher David Strauß. Als Lehrer für die damals noch zwei schulpflichtigen jüdischen Kinder der Gemeinde kam Lehrer Jonas Adler aus Edelfingen regelmäßig nach Markelsheim.     
    
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Familien / Personen sind bekannt. Metzgerei und Viehhandlung Aaron Adler (Scheuerntorstraße 1), Metzgerei und Viehhandlung Josua, Ludwig und Nathan Adler (Schulberg 2), Viehhandlung Leopold Adler (Kitzlesweg 5), Mahnufakturwarengeschäft Erwin Ottensoßer (Kitzlesweg 1), Stoffe, Kolonialwaren, Getreidehandlung David Strauß (Scheuerntorstraße 2, abgebrochen), Viehhandlung Julius Strauß (Kitzlesweg 3).
    
1933 lebten noch 20 jüdischen Personen in Markelsheim. Auf Grund der zunehmenden Repressalien, der Entrechtung und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts verließen mehrere von ihnen in den folgenden Jahren Markelsheim beziehungsweise sind ins Ausland emigriert. Beim Novemberpogrom 1938 richteten Jugendliche Verwüstungen in der Wohnung von Rebekka Ottensoser (Kitzlesweg 1) an, warfen Kleider und Gebrauchsgegenstände in den Dorfbach. Mehrere jüdische Männer wurden verhaftet und in das Konzentrationslager nach Dachau verschleppt. 1939 wurden noch neun jüdische Einwohner am Ort gezählt. Im August 1942 wurden die letzten fünf jüdischen Einwohner in das Ghetto Theresienstadt deportiert.        
        
Von den in Markelsheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):   Sophie Elkan geb. Hahn (1852), Martha Schlossberger geb. Strauß (1904), David Strauß (1871), Jacob Strauß (1901), Julius Strauß (1873), Julius Strauß (1875), Lora (Lienora) Strauß geb. Elkan (1879), Mathilde Strauß (1884), Ruth Strauß (1909), Sigmund Strauß (1882). 
Anmerkung: mehrere Namen aus den genannten Verzeichnissen sind nicht aufgenommen. Es liegen möglicherweise Verwechslungen zwischen Markelsheim und "Markenhof" u.a. vor.   
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1886 / 1890 / 1894 / 1900 / 1901 / 1902    

Markelsheim Israelit 06051886.jpg (49461 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Mai 1886: "Die hiesige Religionsschule, verbunden mit dem Vorsänger- und Schächterdienst, soll bald möglichst durch einen seminaristisch gebildeten ledigen Lehrer besetzt werden. Fester Gehalt 600 Mark. Nebenverdienst ungefähr 3-400 Mark und freie Wohnung. Reflektanten wollen sich an den unterzeichneten Vorstand wenden. 
Markelsheim bei Mergentheim. Vorsteheramt: Strauß. Adler."  
  
Markelsheim Israelit 12061890.jpg (41452 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1890: "Wir suchen bis zum 1. August einen seminaristisch gebildeten Religionslehrer, der zugleich Vorsänger und Schochet sein muss. Der Gehalt beträgt fix 600 Mark nebst ca. 3-400 Mark Nebeneinkommen und freie Wohnung. Nur deutsche Bewerber wollen sich wenden an die Vorsteher 
Strauß. Emanuel Is. Adler. Markelsheim bei Mergentheim (Württemberg)."  
   
Markelsheim Israelit 30071894.jpg (52012 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juli 1894: "Die hiesige israelitische Religionslehrer-Stelle, verbunden mit Vorbeter und Schochet, soll bis 1. September neu besetzt werden. Fester Gehalt 600 Mark nebst freier Wohnung.
Nebenverdienst 3-600 Mark, ledige seminaristisch gebildete Bewerber werden bevorzugt. Bewerben wollen sich an unterzeichnete Stelle wenden. 
Markelsheim bei Mergentheim. 
M. Strauß,
Vorsteher."   
   
Markelsheim Israelit 28061900.jpg (53322 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juni 1900: "Die Gemeinde Markelsheim sucht möglichst sofort einen Vorbeter, Lehrer und Schochet. Der Gehalt beträgt Mark 800 und ca. Mark 300 Nebenverdienst nebst freier Wohnung. Der Lehrer muss ein Deutscher sein und werden seminaristisch Gebildete (ledige) bevorzugt. Offerten mit Zeugnissen sind an den unterzeichneten Vorstand zu sehen. Israelitischer Kirchenvorstand Markelsheim. M. Strauß."  
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juli 1901: "Die Gemeinde Markelsheim sucht bis 1. August einen Vorbeter, Lehrer und Schochet. Der Gehalt beträgt 800 Mark, ca. 300 Mark Nebenverdienst nebst freier Wohnung. Ledige, seminaristische Gebildete werden bevorzugt. Offerten mit Zeugnissen sind an unterzeichneten Vorsteher zu richten. 
Markelsheim bei Mergentheim, Württemberg. 
Israelitisches Kirchenvorsteheramt

M. Strauß."   
    
Markelsheim Israelit 07081902.jpg (59779 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. August 1902: "In unserer Gemeinde ist die Stelle als Kantor, Schächter und Religionslehrer bis 1. September zu besetzen. Gehalt 875 Mark fixum und ca. 3-400 Mark Nebeneinkommen nebst freier Wohnung und Heizung. Seminaristisch gebildete Lehrer erhalten den Vorzug. Offerten mit Zeugnissen sind zu richten an 
Israelitisches Kirchenvorsteher-Amt: Strauß, Markelsheim. Bezirk Mergentheim, Württemberg."  
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Dezember 1902
"Die Gemeinde Markelsheim sucht womöglichst sofort einen 
Lehrer, 
Kantor
und Schochet. Gehalt Mark 870 Fixum und 3-400 Nebeneinkommen, nebst Wohnung, Heizung und lichtfrei. Bewerber wollen ihre Zeugnisse an das Vorsteheramt einsenden. 
Markelsheim
, Württemberg 7. Dezember 1902. 
Israelitisches Kirchenvorsteher-Amt: M. Strauß."
     

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde     
Zum Tod von Jakob Adler (1891)  

Markelsheim Israelit 07101891.jpg (141112 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Oktober 1891: "Markelsheim in Württemberg. Am 3. August dieses Jahres vollendete Herr Jakob Adler, Kaufmann hier, sein irdisches Dasein im Alter von 73 Jahren. Mit ihm schied von uns das einflussreichste Mitglied unserer Gemeinde, ein Jehudi in des Wortes bester Bedeutung. Er hielt fest an den Satzungen der Väter und zeichnete sich aus durch Frömmigkeit, Friedliebe und Gastfreundschaft. Ein langwieriges, schweres Gichtleiden ertrug er mit Geduld und Ergebenheit in den Willen Gottes.  
Einen großen Teil seiner hinterlassenen, irdischen Güter verwendete er zu wohltätigen Zwecken, und bedachte dabei seine Heimatgemeinde in der freigiebigsten Weise. Außer dreitausend Mark, - welche seinem Seelenheil gewidmet sind für Abhalten von 30 Schiurim, das Brennen von Jahrzeitkerzen an seinem, und seiner vor einigen Jahren verstorbenen Gattin, Todestage, sowie eines ewigen Lichtes in hiesiger Synagoge, - bestimmte er zehntausend Mark teils zur Unterhaltung eines Religionslehrers in unserer kleinen Gemeinde, teils auch zur Heranbildung von armen Jünglingen und zur Ausstattung wohlgesitteter Jungfrauen, welche das 22. Lebensjahr zurückgelegt haben. Weitere Stiftungen erhielten: vierhundert Mark, das neu errichtete jüdische Spital in Würzburg, fünfhundert Mark die Lehrerpräparandenanstalt in Höchberg zu Stipendien für dürftige Zöglinge, zweihundert Mark das israelitische Waisenhaus in Fürth und hundertundfünzig Mark die israelitische Wilhelmspflege in Esslingen
Möge der Verblichene die Früchte seiner edlen Gaben im Jenseits genießen! Wir werden ihm ein gesegnetes Andenken bewahren!" 

    
Über den Seesoldaten Bernhard Strauß aus Markelsheim (1904)  

Markelsheim AZJ 19021841.jpg (20360 Byte)Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. Februar 1904: "Von Markelsheim hat sich ein jüdischer Seesoldat des II. Seebataillons in Wilhelmshaven, Bernhard Strauß, freiwillig der militärischen Expedition gegen die Hereros angeschlossen."    

 
Zum Tod von Hermann Strauß (1925)  

Markelsheim Israelit 28051925.jpg (86088 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Mai 1925: "Markelsheim bei Mergentheim, 20. Mai (1925). In tiefe Trauer wurde unsere kleine Gemeinde versetzt durch den Heimgang ihres allseits beliebten und angesehenen Gemeindemitgliedes Hermann Strauß, welcher nach nur zweitätigem Krankenlager einem tückischen Leiden erlag. Im ganzen Orte herrschte Trauer und Bestürzung, denn der erst 467-jährige Mann erfreute sch infolge seiner frommen Denkungsart, seiner Humanität, und besonders ob seiner peinlichsten Gewissenhaftigkeit und Reellität allgemeiner Hochachtung und Wertschätzung. Vor dem Trauerhause schilderte Herr Lehrer Ottensoser in ergreifenden Worten den schweren Verlust, welchen sowohl die Familie als auch die ganze Gemeinde durch den Tod dieses Ehrenmannes erlitten hat, und richtige herzliche Worte des Trostes an die schwer geprüfte, betagte Mutter, und an die tief trauernden Geschwister, deren Leben nach dem Worte des Psalmisten 'Siehe, wie schön und wie lieblich ist es, wenn Brüder zusammenwohnen (Psalm 133,1) sich in harmonischer Weise vollzog. Möge Gott den Hinterbliebenen baldigen Trost senden."    

   
80. Geburtstag von Sofie Strauß (1925)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juli 1925: "Markelsheim (Württemberg), 26. Juli (1925). Frau Sofie Strauß von hier, die Witwe des langjährigen Kirchenvorstehers Moses Strauß - er ruhe in Frieden - begeht am Sonntag, den 2. August, in völliger geistiger und körperlicher Frische ihren achtzigsten Geburtstag. Wir wünschen der Jubilarin ein gesegnetes, frohes Greisenalte. (Alles Gute) bis 100 Jahre."   

  
Zum Tod von Laura Wolfsheimer geb. Friedam (1925) 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1925: "Markelsheim 30. August (1925). Allgemeine tiefe Trauer löste im hiesigen Städtchen und weit darüber hinaus die schmerzliche Nachricht aus, dass Frau Laura Wolfsheimer geb. Friedsam nach nur 6-jähriger glücklicher Ehe einer schweren Erkrankung erlegen ist. Wer, wie Schreiber dieses, das Glück gehabt hatte, die seltene Herzensgüte und die anmutigen Charaktereigenschaften dieser Frau kennen zu lernen, wird den tiefen Schmerz ermessen können, der sich der hiesigen Gemeinde ermächtigt hat. Mildtätigkeit war ihr Pflicht und Lebensbedürfnis; kein Wunder, wenn ihr gastliches Haus der Zielpunkt für so manches beklommene Herz war; fand es doch bei ihr stets eine offene Hand und ein freundliches Wort. Demgemäss sie sich auch einer wirklich großen Beliebtheit und Hochachtung bei jedermann (erfreute), von welcher das überaus zahlreiche Trauergeleite ein glänzendes Zeugnis abgelegt hat. In schmerzbewegten Worten schilderte Herr Lehrer Ottensoser am Trauerhause, wie durch den plötzlichen Tod der treuen Verblichenen ein inniges Familienleben jäh zerstört wurde, sprach dem tief gebeugten Gatten sowie den trauernden Geschwistern wirklichen Trost zu. Möge es ihnen allen ein Trost sein, dass ihr Andenken weiter lebt in den Herzen vieler. Ihre Seele sei eingebunden in den Mund des Lebens."    

   
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Verlobungsanzeige von Sara Kahn und Ludwig Adler (1936)
        

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. September 1936:  
"Gott sei gepriesen.  
Sara Kahn - Ludwig Adler. Verlobte.  
Bad Mergentheim / Baisingen  -  Markelsheim bei Bad Mergentheim".       

     
     
     
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge      
      
Ein Betsaal war in einem der jüdischen Häuser bereits 1654 vorhanden. Im März dieses Jahres wurden vermutlich in diesem Haus die Fenster eingeworfen. Die Mergentheimer Deutschordensregierung veranlasste eine Untersuchung des Falles. Möglicherweise handelte es sich bei dem Gebäude um das Haus des Manasse und seines Sohnes Moyses. Diese hatten (nacheinander) im Auftrag der Deutschordensregierung die hohe Stellung eines Obervorgängers (Obervorstehers) der Ordensschutzjuden an der Tauber und am Neckar inne.  
       
Seit Anfang des 18. Jahrhunderts wurden auf Grund der zu geringen Zahl jüdischer Einwohner längere Zeit keine Gottesdienst mehr in Markelsheim gefeiert. Man besuchte die Gottesdienste in Igersheim. Ende März 1756 beklagte sich jedoch der Markelsheimer Pfarrer Johann Adam Anton Schreiber beim Amtmann von Neuhaus, dass der "Jud Kusel von Markelsheim [...] in seinem Boden eine neue Synagog" aufgerichtet habe. Die Markelsheimer Juden planten, hierin gemeinsam mit den Juden aus Elpersheim und anderen Orten die Gottesdienste beim bevorstehenden Passahfest zu feiern. Die Regierung untersagte die Gottesdienste, obgleich die Judenschaft darauf hinweisen konnte, dass ihr in früheren Schutzbriefen eine "Judenschul" in Markelsheim gestattet war. 
    
Nachdem die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunahm, entschloss sich die Gemeinde 1825, eine Synagoge zu bauen. Im Oktober dieses Jahres wurde ein Haus gekauft, um dieses zu einer Synagoge in Verbindung mit einem rituellen Bad umzubauen. Das Oberamt erteilte 1827 die Baugenehmigung; im folgenden Jahr konnten die Bauarbeiten abgeschlossen werden. Die Baukosten betrugen 3.600 Gulden, von denen 1832 noch 1.400 nicht bezahlt waren. Der Betsaal der Männer hatte eine Länge von 10,88 m, eine Breite von 7,73 m und eine Höhe von 5,15 m. Es waren Plätze für 68 Männer vorhanden. Eine Galerie für die Frauen war auf halber Höhe an drei Seiten eingebaut. Sie hatte 37 abgeteilte Frauenstände, doch konnten insgesamt etwa 50 Frauen Platz finden.  
   
Nachdem 1832 die Juden von Markelsheim und Igersheim zu einer Gemeinde vereint wurden, begann ein längerer Streit um die Frage nach dem Hauptort. Auf Grund der vorhandenen Synagogen sprach zunächst alles für die Markelsheimer Synagoge. Jedoch setzte sich im 19. Jahrhundert insgesamt Igersheim durch. 1843 wurde in der Synagoge wieder einmal die Scheiben eingeworfen. Ob der Fall näher untersucht wurde, ist nicht bekannt. 1870 bildeten die jüdischen Einwohner von Markelsheim und Igersheim eine gemeinsame Gemeinde, die bis in die 1930er-Jahre Bestand hatte. Seit 1900 kamen die Igersheimer Juden nach Markelsheim in die Synagoge.  
       
1938 blieb das Gebäude unversehrt und wurde 1954 zu einem Wohnhaus umgebaut (Standort: Kirchgängle 7). Im Kellerboden des Hauses wurde beim Umbau eine Bodenplatte mit Stern aus dem ehemaligen Betsaal eingesetzt. 
     
     
     

Fotos 
Historisches Foto 
(Quelle: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. 1932. S. 98)     

Markelsheim Synagoge 001.jpg (82132 Byte)

Die Synagoge in Markelsheim


Fotos nach 1945/Gegenwart: 

Fotos um 1983/87:
(Fotos: Hahn)
Markelsheim Synagoge 101.jpg (106932 Byte) Markelsheim Synagoge 102.jpg (75630 Byte)
   Das ehemalige Synagogengebäude 
dient als Wohnhaus
Blick auf das Gebäude 
von der Straßenseite
     
  Markelsheim Synagoge 100.jpg (37505 Byte) Markelsheim Synagoge 103.jpg (58631 Byte)
  Stern im Keller der ehemaligen 
Synagoge, ursprünglich im Betsaal
Eine der letzten Erinnerungen an 
die jüdische Geschichte war eine 
alte Palästina-Schulkarte
  
  neuere Fotos werden noch ergänzt  

   
    

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Bad Mergentheim
Website des Stadtteils Markelsheim
Übersicht über die in den "Central Archives for the History of the Jewish People" (CAHJP) in Jerusalem vorhandenen Archivalien der jüdischen Gemeinde Markelsheim: pdf-Datei

Literatur:

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 124-125. 
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 109-110.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.   

  
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Markelsheim  Wuerttemberg. In the 17th century maintained a small community, which was attached to neighboring Igersheim in 1832 and never grew to much more than 50. Twenty Jews remained in 1933 (total 1,199). On Kristallnacht (9-10 November 1938), a Jewish apartment was destroyed and Jews were taken to the Dachau concentration camp for a few weeks. Most emigrated by 1941; five were deported to the Theresienstadt ghetto in August 1942 along with three from Igersheim.
    
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 21. März 2014