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Gaukönigshofen (Kreis
Würzburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Überblick:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Gaukönigshofen bestand eine jüdische Gemeinde bis
1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./18. Jahrhunderts zurück. In
den Gerichtsbüchern von Ochsenfurt werden 1555 erstmals jüdische
Einwohner am Ort genannt. 1786 wurden 73 jüdische Einwohner gezählt
(18,0 % von insgesamt 393).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1816 108 jüdische Einwohner (19,8 % von insgesamt 546), 1837 100 (17,2 %
von 583), 1867 89 (16,2 % von 550), 1880 99 (16,6 % von 595), 1900 91 (14,6 %
von 622).
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Gaukönigshofen auf
insgesamt 24 Matrikelstellen (einschließlich der Nachträge bis 1825)
die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familienamen und
Erwerbszweig): Aron David Thalheimer (Warenhandel), Sara, Witwe des David
Sulzbacher (Spezerei- und kleinerer Warenhandel), Aron Moses Mainzer (Schnitt-
und Spezereiwarenhandel), Abraham Moses Mainzer (Vieh- und Warenhandel), Hirsch
Levi Schloß (Handel mit Waren und rohen Häuten), Moses Nathan Goldstein
(Handel mit Schnittwaren), Moses Nathan Goldstein (Schmusen), Menthel Nathan
Goldstein (Handel mit Schnittwaren), Moses Ascher Goldberger (Handel mit kurzen
Waren), Jechiel Lippmann Schlessinger (Handel mit Schnittwaren), Seeligmann
Salomon Rothschild (Handel mit Schnitt- und Spezereiwaren), Samuel David
Thalheimer (Waren- und Viehhandel), Esther, Witwe des Menthel Steinhart (Waren-
und Viehhandel), Baer Levi Steinhart (Waren- und Viehhandel), Simon Samuel
Steftheimer (Waren- und Viehhandel). Ela, Witwe des Lazarus Wolfsheimer
(Handarbeiten), Jaidel Hirsch Wolfsheimer (Handel mit kurzen Waren), Moses David
Thalheimer (Handel mit Vieh und Waren), Seeligmann Löw Braunschild (ohne
Erwerb, kurz nach 1817 gest.), Faust Seeligmann Braunschild (Pferdehandel),
Joseph Seeligmann Braunschild (Waren- und Pferdehandel), Hayum Schloß (Weber,
seit 1824), Faust Weikersheimer (Metzger, seit 1825); ohne Matrikelstelle:
Abraham Sandel (Rabbiner).
An Einrichtungen waren vorhanden: eine Synagoge (s.u.), ein 1910 an die
Synagoge angebautes Gemeindehaus mit Schulraum und Lehrerwohnung sowie ein rituelles
Bad (zunächst im Keller der Synagoge, 1819 unweit der Synagoge neu erbaut). Die
Toten der jüdischen Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Allersheim
beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl.
Ausschreibungen der Stelle unten). 1817 wird auch ein Rabbiner der Gemeinde
genannt (s.o. Abraham Sandel). Wenig später gehörte die Gemeinde zum
Rabbinatsbezirk Kitzingen (seit 1937
Bezirksrabbinat Würzburg).
1910 lebten noch 80 jüdische Personen in Gaukönigshofen (10,8 % von insgesamt
739). Den jüdischen Familien gehörten inzwischen mehrere für das
wirtschaftliche Leben des Ortes wichtige Läden und Gewerbebetriebe
(Viehhandlungen, Kolonialwarengeschäfte, Gemischtwarenläden u.a.m.).
An jüdischen Vereinen bestanden die Chewro (Heilige
Brüderschaft, 1932 unter Leitung von Felix Mainzer, Ziele: Krankenpflege,
Tora-Vorträge und Bestattungswesen) sowie der Jüdische Frauenverein
(1932 unter Leitung von Fanny Weikersheimer, Ziele: Krankenpflege,
Bestattungswesen). An Stiftungen waren in der Gemeinde vorhanden. Die "Bab.-Braunschild-Stiftung"
und die "Löwengard-Stiftung", beide mit dem Ziel der Unterstützung
Armer (1932 beide unter Vorsitz von Felix Mainzer).
Um 1924, als noch 69 jüdische Personen zur Gemeinde gehörten (in 21
Haushaltungen/Familien, 9 % der Gesamteinwohnerschaft von 741 Personen), waren
die Vorsteher der Gemeinde Felix Mainzer, Vitus Weikersheimer, Eduard Wirth,
Louis Kleemann und Julius Rothstein. Als Lehrer, Vorbeter und Schochet wirkte
Julius Bravmann. Er unterrichtete die jüdischen Kinder in Gaukönigshofen und
(bis um 1900) in Acholshausen, seit 1906 auch diejenigen in
Giebelstadt,
zeitweise (um 1924/25) auch diejenigen in Aub. 1931
erhielt er anlässlich seines 40jährigen Dienstjubiläums die
Ehrenbürgerschaft des Ortes (s.u.). 1932 wurden 67 jüdische
Einwohner gezählt. Als Vorsteher werden die Herren Felix Mainzer (1. Vors.),
Louis Kleemann (2. Vors.) und Ferdinand Weil angegeben (3. Vors.). Jüdischer
Lehrer war inzwischen Leo Kahn (Julius Bravmann hatte eine neue Stelle in
Karlstadt a.M. angetreten). Er unterrichtete im Schuljahr 1932/33 inzwischen
wieder acht Kinder. Zur jüdischen Gemeinde Gaukönigshofen gehörten (bereits
seit 1919) die in Acholshausen lebenden
jüdischen Einwohner (1924 und 1932 jeweils 11 Personen).
1933 wurden noch 54 jüdische Einwohner gezählt. Die Zahl blieb
zunächst konstant: im April 1937 zählte die Gemeinde noch 51
Mitglieder; die jüdische Viehhandlungen (als Viehhandels-Compagnie) und
Gewerbebetriebe bestanden großenteils bis 1938. Antijüdische Aktionen gab es
freilich auch in Gaukönigshofen schon relativ früh: Im April 1934 und im
September 1938 wurden in einigen jüdischen Häusern die Fenster eingeschlagen.
Beim Novemberpogrom 1938 kamen Einheiten der SS und SA aus Ochsenfurt.
Sie richteten ihre gewaltsamen Aktionen gegen die Synagoge (s.u.), das jüdische
Gemeindehaus, aber auch in schlimmer Weise gegen die jüdischen Wohnungen und
Geschäfte, die teilweise zerstört und von zahlreichen Dorfbewohnern
geplündert wurden (Silber, Wäsche, Stoffe, Wein, Lebensmittel und Wertsachen
wurden beiseite geschafft). Das Büro der jüdischen Viehhandels-Compagnie wurde
zerstört, das Vieh gestohlen, die Akten verbrannt. Die jüdischen Grundbesitzer wurden gezwungen,
ihre Immobilien weit unter Wert zu verkaufen. Zwölf jüdische Männer wurden
von der SS festgenommen, brutal verprügelt und nach Aub gebracht. Von dort
wurden sie mit den Juden von Aub, Acholshausen und Goßmannsdorf in das
Gefängnis nach Ochsenfurt, später teilweise in das KZ Dachau verbracht. 1939 begann
die Auflösung der Gemeinde. 1941 wurden noch 26 jüdische Einwohner
gezählt, durch Zuzug im Februar 1942 wieder 37. Im März 1942 erfolgte
eine Deportation von 25 der jüdischen Einwohner über Kitzingen und Würzburg
nach Izbica bei Lublin. Die letzten vier jüdischen Einwohner wurden im Juli
1942 nach Würzburg verbracht, von dort im September dieses Jahres in das KZ
Theresienstadt.
Von den in Gaukönigshofen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Flora Aron geb. Thalheimer (1892),
Adolf Bach (1874), Isaak Bach (1871), Lina Bach (1883), Sabina Baumann geb.
Thalheim (1882), Getta Berney
(1911), Lina Fleischmann geb. Braunschild (1877), Sophie Frank geb. Mainzer (1873),
Adelheid Friedmann geb. Braunschild (1881), Sally (Sali) Grünebaum geb.
Steinhardt (1895), Tilly
Grünebaum (1923), Emma Hirsch geb. Weikersheimer (1880), Hannelore Sofie Kahn (1933), Leo Kahn (1901), Mina Kahn geb.
Sündermann (1908), Julius Katz (1890), Käthe Katz (1924), Therese Katz geb.
Strauss (1883), Sara Krebs geb. Weil (1897), Siegbert Krebs (1937), Sigmund
Krebs (1884), August Mainzer (1869 oder 1870), Elsa Mainzer (1902), Felix
Mainzer (1870), Max Mainzer (1874), Ernst Sichel (1888), Laura Sichel geb. Mainzer (1879),
Moritz Sichel (1893), Jacob Steinhardt (1875), Salomon Steinhardt (1874), Mathilde (Mathilda) Stern geb. Sichel (1887),
Dorothea Strauss (1880), Klara Rosa Strauss (1881), Rosa
Strauss (1881), Joseph Thalheimer (1890), Walter Thalheimer (1926), Else
Vorchheimer (1923), Leopold Vorchheimer (1887), Max Vorchheimer (1922), Meta Vorchheimer geb. Sichel (1886), Rubin
Vorchheimer (1939), Enslein Weikersheimer (1850), Max Weikersheimer (1878), Alfred Weil (1928), Ferdinand Weil (1889), Fritz
Kurt Weil
(1927), Moritz Weil (1899), Sitty Weil geb. Strauss (1904),
Karolina Wilmersdörfer geb. Sichel (1887), Ida Wirth geb. Rosenbusch (1879), Rosa Zeilberger geb. Weikersheimer
(1864).
Berichte
aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der
Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Ausschreibungen der Stelle des Lehrer / Vorbeters /
Schochet 1891 / 1931
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Januar 1891:
"Erledigt ist die israelitische Lehrerstelle in Gaukönigshofen mit Acholshausen. Ertrag 850 Mark Fixum nebst freier Wohnung,
Schächterfunktion mit Nebenverdienst ca. 600 Mk. Staatlich geprüfter
Lehrer wird bevorzugt. Dem die Stelle erhaltenden Lehrer wird
Reiseentschädigung gewährt. Gesuche sind zu richten an F. Braunschild,
Kultusvorsteher in Gaukönigshofen". |
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Auf diese Anzeige hin hat sich Julius Bravmann beworben. |
Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom
1. Juli 1931: "Infolge Pensionierung unseres Beamten, der 40 Jahre im
Dienste der Gemeinde stand, wird die Stelle des Religionslehrers,
Vorbeters und Schochets in der Israelitischen Kultusgemeinde
Gaukönigshofen zur alsbaldigen Besetzung frei. Der Stelleninhaber hat den
Dienst in der benachbarten Gemeinde Giebelstadt mitzuversehen. Die Besoldung
regelt sich nach der Besoldungsordnung des Verbandes Bayerischer
Israelitischer Gemeinden. Schöne Dienstwohnung in neuerbautem Schulhaus
ist vorhanden. Reichsdeutsche Bewerber mit seminaristischer Vorbildung,
die über eine angenehme Stimme verfügen, bitten wir, ihre Bewerbungen
mit Lebenslauf, Zeugnisabschriften, Gesundheitszeugnis und Lichtbild an
die Israelitische Kultusgemeinde Gaukönigshofen einzureichen.
Gaukönigshofen, den 29. Juni 1931. Die Israelitische Kultusgemeinde
Gaukönigshofen. Felix Mainzer, 1. Vorstand". |
| Auf diese Anzeige hin hat sich Leo Kahn
beworben. |
40-jähriges Amtsjubiläum und Abschiedsfeier von Lehrer Julius Bravmann
(1931)
Artikel
in der Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Juni 1931: "Gaukönigshofen.
40jähriges Amtsjubiläum und Abschiedsfeier. Am 1. Juni waren 40
Jahre vergangen seitdem der Lehrer, Herr Julius Bravmann, sein Amt hier
angetreten hatte. Eine Generation hat er gehen sehen. Eine ganze
Generation aber hat er auch ins Leben entsandt, wohl versehen mit
hebräischen Kenntnissen, wie sie eben nur ein fleißiger und
pflichtbewusster Beamter vermitteln kann.
Die israelitische Kultusgemeinde hatte es sich nicht nehmen lassen, diesen
Tag festlich zu begehen. In der stilvoll geschmückten Synagoge
versammelten sich gegen 15 Uhr alle anwesenden Mitglieder und auswärtigen
Gäste. Dazu gesellten sich auch viele christliche Bürger, sodass die Anwesenden
noch den Raum vor dem Gotteshaus füllten. Erschienen war auch der
vollständige Gemeinderat mit dem Bürgermeister und der katholische
Geistliche.
Die Feier wurde durch einen Psalm eröffnet, mit klangvoller Stimme
vorgetragen von Oberkantor Eschwege - Würzburg. - Den Reigen der
Ansprachen eröffneten die derzeitigen Schüler, die - auch später
zwischen den einzelnen Rednern - in ansprechenden Versen ihrem Lehrer ihre
Wünsche darbrachten und Blumen überreichten. Kultusvorstand Mainzer
begrüßte die Erschienenen, dankte bewegten Herzens dem Lehrer für die
Hingabe an seine Pflichten und sprach sein tiefstes Bedauern aus, dass
Lehrer Bravmann, der bereits die Altersgrenze überschritten hat, die
Gemeinde verlasse um in den Ruhestand zu treten. Bezirksrabbiner Dr.
Wohlgemut feierte Bravmann als einen erfolgreichen Pädagogen, einen die
Andacht erzwingenden Vorbeter und einen gottesfürchtigen Menschen. Der
katholische Geistliche sagte von ihm, dass er ihn 'schätzen und achten
gelernt'.
Der Bürgermeister stellte fest, dass es Bravmanns Verdienst sei, wenn die
beiden Konfessionen in Eintracht miteinander leben und überreichte ihm
die Urkunde des Ehrenbürgerrechtes. Studienrat Direktor Stoll gratulierte
namens des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden und des
Seminars, Hauptlehrer Brückheimer im Auftrage des jüdischen
Lehrervereins, Herr Weikersheimer als ehemaliger Schüler, Lehrer
Kannemacher als Beauftragter seiner Gemeinde Aub und Herr Pfeiffer für
die Filialgemeinde Giebelstadt, die Bravmann 25 Jahre mitversehen
hat.
Als Letzter zeichnete der Schwiegersohn des Jubilars, Herr
Mittelschullehrer Bick, Michelstadt, in warmen Farben ein Bild eines
Schwiegervaters, indem er gerade jene Seiten aufzeigte, die im allgemeinen
der Öffentlichkeit verborgen bleiben. Dann nahm der Jubilar selbst das
Wort. Es waren weihevolle Minuten, in denen er zuerst seinem Gott den Dank
erstattete, dass er ihn bis heute mit solcher Vatergüte geführt habe. Er
dankte den einzelnen Rednern, überschaute nochmals seine ganze
Lebensarbeit in der Gemeinde und schloss mit dem Segenswunsche, dass
Gottes Huld auch weiterhin über ihr walten möge. Mit dem stimmungsvoll
vorgetragenen Psalm 118 schloss die erhebende
Feier.
Brückheimer. |
Anm.: Derselbe Bericht erschien
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1931
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Lehrer
Bravmann lebte nach seiner Zurruhesetzung in Karlstadt, wo er 1936 seinen 70.
Geburtstag feiern konnte; die "Bayerische Israelitische
Gemeindezeitung" berichtete am 15. Februar 1936: "Am 22. Februar
feiert unser Vereinsmitglied Bravmann-Karlstadt (früher Lehrer in
Gaukönigshofen) seinen 70. Geburtstag. Wir gratulieren ... aufs
herzlichste." |
Lehrer Leo Kahn wird neuer Lehrer in Gaukönigshofen
(1931)
Meldung
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
Dezember 1931: "Kollege L. Kahn, bisher in Westheim,
trat am 1. Dezember seine neue Stelle in Gaukönigshofen an. Am gleichen
Tage übernahm der junge Kollege Willi Neumann von Fürth die Stelle in
Westheim." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Ernstine Steinhardt (1901)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Oktober
1901:
"Geprüfte Wochenbettwärterin.
Als geprüfte Wochenbettwärterin, die prima Zeugnisse, ausgestellt von
der Königlichen Universitäts-Frauen-Klinik zu Würzburg, aufweisen kann,
welche zur Einsicht vorgelegt werden können und die auch schon praktisch
erfolgreich tätig war, empfiehlt sich für nur religiöse Familien.
Ernstine Steinhardt
aus Gaukönigshofen bei Ochsenfurt am Main." |
Anzeige von Sigmund Krebs (1923)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1923:
"Für meinen Haushalt (ich bin Witwer und habe 2 Knaben) suche ich eine
tüchtige Haushälterin neben bereits vorhandenem Mädchen. Eintritt
sofort oder noch vor den Feiertagen erwünscht. Zeitgemäße Bezahlung und
Familienanschluss.
Sigmund Krebs, Gaukönigshofen bei Ochsenfurt (Bayern)." |
Hochzeitsanzeige von Willy Süsser und Martha geb.
Bravmann (1924)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Mai 1924: "Gott
sei gepriesen! Willy Süsser - Martha Süsser geb. Bravmann.
Vermählte. Karlstadt am Main - Gaukönigshofen. 28. April 1924 - 24.
Nissan 5684." |
Zur Geschichte der Synagoge
1768/69 wurde eine (neue?) Synagoge mit einem
rituellen Bad im Keller erstellt. Möglicherweise bestand schon zuvor eine
Synagoge oder zumindest ein Betsaal. 1790 wurde die Synagoge erweitert. 1842
erfolgte ein nochmaliger umfassender Um- beziehungsweise Neubau. 1929 wurde die
Synagoge noch einmal renoviert.
Für das rituelle Bad wurde 1819 ein neues Gebäude erstellt. 1910 wurde
an die Synagoge ein Gemeindehaus mit Lehrerwohnung und Schulraum
angebaut. Im Obergeschoss fand die Frauensynagoge ihren Platz. Bei den
Umbauarbeiten des Synagogengebäudes 1988 wurden Überreste der alten Mikwe (vor
1819) im Keller des Gebäudes entdeckt.
Beim Novemberpogrom 1938 kamen Einheiten der SS- und SA aus Ochsenfurt am
späten Abend des 10. November über Acholshausen
nach Gaukönigshofen. Sie drangen in die Synagoge ein, zerstörten unter
Mithilfe von Ortsansässigen die
Inneneinrichtung und die Ritualien, warfen die Trümmer auf die Straße und
verbrannten diese unter Aufsicht der Feuerwehr. Zwei Bauern des Dorfes -
ansonsten angesehene und wohlhabende Gaukönigshöfer im Alter von 35 und 37
Jahren - hatten den Toraschrein in der Synagoge mit Schlegeln zerschlagen und
die Teile in das Feuer geworfen. Das Niederbrennen der Synagoge
wurde auf Grund des Widerstandes des Bürgermeisters und des Bauern Stephan Mark
(früherer Feuerwehrkommandant des Dorfes) verhindert. Beide befürchteten ein
Übergreifen der Flammen auf weitere Gebäude. Zwei Torarollen und
Silbergeräte konnten von Gemeindemitgliedern
noch rechtzeitig am Tag zuvor gerettet werden. So hatte Louis Kleemann in der
Nacht vor dem Pogrom eine Torarolle aus der Synagoge zu seinem Haus gebracht und
dort versteckt. Er nahm sie bei der Emigration der Familie in die USA mit. Im
Gemeindehaus wurde gleichfalls das Inventar zerschlagen, ebenso im Schulraum und
in der Lehrerwohnung. Unzerstört blieb das rituelle Bad.
Die Synagoge mit Schule und Lehrerwohnung kam am 28. Juni 1939 für 1.500
RM (ein Viertel des wirklichen Wertes) an die Ortsverwaltung.
Nach 1945 wurde die Synagoge nach Durchführung des Restitutionsverfahrens als
Wohnung mit einem angrenzenden Lagerhaus verwendet. Zwischen 1948 und 1951
standen mehrere der beim Novemberpogrom 1938 Beteiligten (darunter einer aus
Gaukönigshofen) in Würzburg vor
Gericht. Elf von ihnen erhielten Gefängnisstrafen zwischen drei Monaten und
einem Jahr.
Mitte der 1980er-Jahre begannen Überlegungen zu einer künftig würdigeren
Nutzung des Gebäudes. Am 13. März 1987 beschloss der Kreistag des Landkreises
Würzburg eine Instandsetzung und künftige Nutzung als Kreisgedenkstätte für
die in der NS-Zeit ermordeten Juden. Bis Oktober 1988 wurde das Gebäude
instandgesetzt, dabei möglichst originalgetreu renoviert (außer der Bima). Am
16. Oktober 1988 wurde das Gebäude als Gedenkstätte eingeweiht. Der
frühere Synagogenraum ist der Gedenkraum. Im ehemaligen jüdischen Gemeindehaus
befindet sich eine Dauerausstellung.
Presseartikel zur Renovierung
a) Artikel
aus den Fränkischen Nachrichten vom 16. Mai 1988:
"In Gaukönigshofen: Ehemalige jüdische Synagoge wird als
Gedenkstätte aufgebaut. Übergabe am 16. Oktober / Beispiel für
unterfränkische Landkreise.
Würzburg. Für die Nationalsozialisten war die 'Judenfrage' in
Unterfranken bereits 1943 gelöst. Die Gestapo-Außenstelle Würzburg
legte in diesem Jahr ihren 'Abschlussbericht' vor. 1933 lebten in
Unterfranken 8520 Juden, 1939 waren es noch 3461. Davon, so meldet die
Gestapo 1943, haben 2063 'ihren Wohnsitz verlegt'. Ziel des Umzugs waren
die Konzentrationslager im Osten.
In Gaukönigshofen (Landkreis Würzburg) wird am 16. Oktober eine
Gedenkstätte für die deportierten und ermordeten unterfränkischen Juden
ihrer Bestimmung übergeben. Der Aufbau der ehemaligen Synagoge zur
Gedenkstätte ist eine gemeinsame Initiative des CSU-Kreisverbandes
Würzburg, des Landkreises und der Gemeinde. In dem Mahnmal für die
Verfolgungen des Dritten Reiches sollen alle jüdischen Mitbürger aus
Würzburg und Umgebung in einem Gedenkbuch erfasst werden.
Der Landtagsabgeordnete Christian Will (Estenfeld), der sich mit dem
'deprimierenden Studium' der alten Gestapoakten beschäftigt, könnte sich
vorstellen, dass das Beispiel der Gedenkstätte Gaukönigshofen auch von
anderen unterfränkischen Landkreisen aufgegriffen wird. Vor wenigen Tagen
kehrte Christian Will von einer Israel-Reise zurück. Mit einer etwa
100köpfigen unterfränkischen Reisegruppe hatte der Abgeordnete Kontakt
mit den in Israel lebenden unterfränkischen Emigranten. Der 'Verein
ehemaliger bayerischer Juden' hat rund 250 Mitglieder. In Tel Aviv betonte
Walter Guggenheim, der im Raum Nürnberg zuhause war, den Wunsch nach
Begegnungen mit Menschen aus der alten Heimat. In den Gesprächen wurden
viele Erinnerungen wach. Die Gemeinde der bayerischen Juden in Israel
nimmt regen Anteil am Aufbau der Gedenkstätte in Gaukönigshofen.
Christian Will, der auch eine Grußbotschaft des bayerischen
Ministerpräsidenten mitgebracht hatte, möchte die Begegnungen mit den
unterfränkischen Juden in Israel weiter ausbauen." |
b) Artikel von Ludwig Sanhüter aus der Zeitschrift: Der
Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern Heft 35 vom November
1988:
"Jüdische Gedenkstätte in Gaukönigshofen feierlich ihrer Bestimmung
übergeben.
'Mit der Einrichtung der jüdischen Gedenkstätte will der Landkreis
Würzburg eine Chance nutzen, die Erinnerungen an die leidvolle Vergangenheit in
den Dienst des Friedens und der Versöhnung zu stellen.' Mit diesen Worten
beschrieb Landrat Dr. Georg Schreier bei der Übergabe der Gedenkstätte die
Beweggründe zur Renovierung und zum Umbau der ehemaligen Synagoge. Aus den USA
und Israel waren vierzehn ehemalige jüdische Mitbürger angereist. Keine
Gedenkstätte könne die Todesqual mildern, die jüdische Mitbürger in
Deutschland erdulden mussten, aber man könne hoffen, dass guter Wille immer
wieder den Weg zu einer Versöhnung freimache, mahnte Schreier. Der
systematische Völkermord als offizielle Politik mitten im christlichen Europa
sei in seinem entsetzlichen Ausmaß nicht zu erfassen.
Hoffnungsvoll sei aber der Wille zur menschenmöglichen Wiedergutmachung, der
seit 1945 die Mehrheit aller Deutschen, von einer Minderheit abgesehen, beseele.
Zwar, so der Landrat weiter, käme man um das klare Eingeständnis, dass ein großer
Teil des Volkes schuldig geworden sei, nicht herum, aber das Wort von der
Kollektivschuld sei falsch, weil es Versöhnung von vornherein ausschließe. Nur
ein kritisch waches Bewusstsein in einer intakten demokratischen Rechtsordnung
könnte garantieren, dass sich nicht Gleiches wiederholen. Die Gedenkstätte, so
Schreier, sei auch ein Mahn- und Warnzeichen für die Deutschen, denn der
Antisemitismus sei langlebig. Den anwesenden jüdischen Mitbürgerinnen und
Mitbürgern wünschte der Landrat, dass sie ihnen neues Vertrauen in ihre alte
deutsche Heimat vermitteln möge. Die Gedenkstätte stehe dafür, dass sich
Grauen in Vertrauen, Elend in Zuversicht wandele. Seinen Dank sprach der Landrat
allen aus, die das Projekt unterstützten, ganz besonders aber Senator a.d.
David Schuster für seine wertvollen Ratschläge und den ehemaligen Landkreisbürgern,
die Ausstellungsstücke gespendet haben.
Die Grüße der bayerischen Staatsregierung überbrachte die
Sozialstaatssekretärin Barbara Stamm. In Gaukönigshofen sei die einst
blühende jüdische Kultusgemeinde erbarmungslos vernichtet worden. Gewissenlose
Machthaber und Gewaltmenschen hätten unbeschreibliches Unrecht über das
jüdische Volk gebracht. Die neue Gedenkstätte solle an diese furchtbaren
Ereignisse erinnern. Sie solle gleichzeitig Anlass sein, über die Ursachen von
Gewalt und Krieg nachzudenken.
Senator a.D. David Schuster, der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde
Würzburg, sprach allen Verantwortlichen Dank und Anerkennung für die
Einrichtung der Gedenkstätte aus. Nicht oft werde eine ehemalige Synagoge in
eine Gedenkstätte umgewandelt. Die Verfolgung der Juden nannte er ein überaus
trauriges Ereignis, das viele aus ihrem Gedächtnis verbannen wollten.
Geschichte habe nur Sinn, wenn moralische Lehren in Erinnerung blieben. Die
Verbrechen, die während der zwölf Jahre des sogenannten Tausendjährigen
Reiches verübt wurden, wären auch für tausend Jahre zuviel gewesen. Die Zahl
von sechs Millionen getöteter Juden übersteige jede Vorstellungskraft.
Niemand könne das vergessen. 'Vergessen wäre Verrat, dazu haben wir nicht
überlebt', sagte Schuster. Das Anrecht, Vergebung auszusprechen, hätten nur
die Toten. Aber zur Aussöhnung wollten die Juden die Hand reichen. Das
sichtbare Zeichen sei, dass viele wieder sesshaft geworden und andere zu diesem
Tag angereist seien.
Der Vorsitzende der Vereinigung ehemaliger Bayern in Israel, Walter Guggenheim,
erinnert daran, dass die Juden an Deutschland und seine Kultur geglaubt hätten.
Als das Schreckliche geschah, sei ihnen klargemacht worden, dass sie nicht
hierher gehörten. 'Jetzt hängen wir an unserer Heimat Israel, wir sind nicht
heimgekehrt, sondern nur zu besuch nach Deutschland gekommen', beschrieb er
seine Einstellung. Dennoch habe die Generation der Betroffenen die Hand zur
Versöhnung ausgestreckt. Die Gedenkstätte sei ihm eine Herzensangelegenheit,
ein Denk- und Mahnmal für die einst so blühende jüdische Gemeinde in
Gaukönigshofen.
Für die katholische und die evangelische Kirche sprach Domkapitular Josef
Pretscher, der vorher in der Schutzengel-Kirche einen Aussöhnungsgottesdienst
gefeiert hatte, die Grußworte. Er erinnerte an die Worte von Papst Johannes
Paul II., der die Juden die 'bevorzugten und älteren Brüder der Christen'
genannt hatte. Aus dem Volk Israel sei die Kirche entstanden, deswegen sei von
den Verbrechen an den Juden auch sie betroffen. Doch sie trage auch Mitschuld
und könne dafür nur um Vergebung bitten.
Werner Kleemann, ein früherer jüdischer Mitbürger von Gaukönigshofen, der
jetzt in den USA lebt, mahnte eindringlich, die Verbrechen gegen jede Moral
nicht zu vergessen. 'Es waren eure Brüder, die das Gotteshaus angezündet
haben.' Mit Freude hätten sie geplündert und die Tora-Rollen verbrannt. Manche
von diesen Verbrechern hätten sich danach als unschuldig hingestellt. Es bleibe
die Hoffnung auf die junge Generation. Sie wisse, dass nur Demokratie Recht und
Frieden sichern könne.
Der Bürgermeister von Gaukönigshofen, Paul Lesch, führte aus, dass der
Schaden, der dem jüdischen Volk zugefügt worden ist, nicht mehr gutgemacht
werden könne. Trotzdem wolle man mit den noch lebenden jüdischen Mitbürgern
gute menschliche Beziehungen herstellen. Die Gedächtnisstätte solle es
möglich machen, mit offenem Herzen aufeinander zuzugehen. Jolanta Konopnicka am
Klavier und Pawel Ruszkowski (Violine) umrahmten die Veranstaltung mit Werken von Mendelssohn-Bartholdy und Ernest Bloch.
Adresse/Standort der Synagoge: Am Königshof 22 (alte
Anschrift bis 1933: in
der Judengasse, Gebäude Nr. 94)
Adresse des ehemaligen jüdischen Gemeindehauses: Am Königshof 21.
Erhalten ist auch die 1819 erbaute Mikwe (Am Königshof 16). Die Kacheln des Tauchbeckens sind im
Original vorhanden. Bis 1988 war im Gebäude ein Abstellraum für einen
landwirtschaftlichen Betrieb. Auch die Mikwe wurde 1988 renoviert, ist im Besitz
der Gemeinde Gaukönigshofen und in die Ausstellung einbezogen.
Besichtigung nach Vereinbarung mit der Gemeindeverwaltung
Gaukönigshofen, Rathaus (Tel. 0-9337-9719-0)
Allgemeine Öffnungszeiten jeden 1. Sonntag im Monat von 14.00 Uhr bis 16.00
Uhr.
Fotos
(Historische Fotos von Theodor Harburger vom 12. Oktober
1928, veröffentlicht in: Th. Harburger: Die Inventarisation jüdischer
Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, Hg. von den Central Archives Jerusalem
und dem Jüdischen Museum Franken in 3 Bänden 1998. Band 2 S. 224-225)
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Historische Fotos
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Tora-Vorhang (Parochet) aus
dem Besitz
der jüdischen Gemeinde, Stiftungsjahr
1758/59, vermutlich 1938
zerstört |
Tora-Schild (Tas) aus dem
Besitz der
jüdischen Gemeinde Gaukönigshofen,
vermutlich 1938 zerstört |
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Wiedereinweihung als
Gedenkstätte
am 16. Oktober 1988
(Quelle: Landkreis Würzburg,
vgl. oben Bericht) |
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| Anm.: Diese Fotos
mit leider nur niedriger Auflösung werden sobald als möglich durch
bessere Fotos ersetzt |
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Die Synagoge
nach der Renovierung (Quelle: Gemeinde Gaukönigshofen)
Anm.: Diese Fotos mit leider nur niedriger Auflösung werden sobald als
möglich durch bessere Fotos ersetzt |
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| Blick auf die Westfassade mit
Hinweistafel |
Hinweistafel |
Ausstellungsstücke |
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Bereich des ehemaligen
Toraschreines -
Ostseite des früheren Betsaales |
Im Betsaal: Blick auf den
Bereich
des ehemaligen Toraschreines |
Abgang zur Mikwe |
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Torarolle aus
Gaukönigshofen, die von Louis Kleemann vor dem Novemberpogrom 1938 aus
der Synagoge gerettet und bei der Auswanderung in die USA mitgenommen
werden konnte. Heute befindet sich die Torarolle in einer Synagoge in
Baltimore
(Foto aus Sporck-Pfitzer s. Lit. S. 60) |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| November 2010:
Gedenkstunde zur Erinnerung an den Novemberpogrom
1938 |
Artikel von Hannelore Grimm in der
"Main-Post" vom 11. November 2010 (Artikel):
"GAUKÖNIGSHOFEN: Bewegende Feierstunde in der Synagoge - Gedenken an die jüdischen Mitbürger
Bei der Gedenkfeier in der Synagoge wurde an die 29 jüdischen Mitbürger aus Gaukönigshofen erinnert, die in der Zeit des Nationalsozialismus verschleppt und im Konzentrationslager Belzec ermordet worden sind.
Bürgermeister Bernhard Rhein eröffnete die bewegende Feierstunde und Gertraud Renner führte die Teilnehmer zurück in die Zeit, in der mit den Pogromen am 9. und 10. November 1938 die Judenvernichtung ihren Anfang genommen hat.
Mit schwarzen Tüchern, die zu einem Trauerkreis auf den Boden des Raumes gelegt wurden, der einmal der Mittelpunkt der jüdischen Gemeinde war, verbanden Martina Rieß und Sonja Reiche sowie einige Jugendliche aus dem Würzburger Deutschhaus-Gymnasium die namentliche Erinnerung an die Verstorbenen. Symbolisch verknüpften sie die einzelnen Leidensgeschichten miteinander.
Im Anschluss an die Gedenkfeier, der einige Mitglieder der Musikkapelle Gaukönigshofen und Bernhard Nagl eine besonders eindrucksvolle Note gaben, erwartete die zirka 50 Besucher, darunter Gymnasiallehrerin Andrea Sterzinger-Seitz, die Erstaufführung des Filmes
'Zeitzeugenberichte von Gaukönigshofen zur Pogromnacht'.
Der Film entstand bei einem Projekt, das Schüler des Deutschhaus-Gymnasiums mit Jugendlichen aus der israelischen Partnerlandkreis Mateh Yehuda im Sommer dieses Jahres bewerkstelligt hatten.
Wie die Menschenverachtung der damaligen Machthaber selbst die kleinsten Dörfer erreichte und wie auch in Gaukönigshofen nach dem 10. November 1938 nichts mehr so war wie vorher, schilderten Regina Walch (Jahrgang 1924) sowie die damals zehnjährigen Paul Lesch und Alfred Betz.
Übereinstimmend erinnerten sie sich an das gute, respektvolle Zusammenleben zwischen Christen und Juden. Die jüdischen Mitbürger waren im gesellschaftlichen Leben anerkannte und vollwertige Mitglieder.
Für die Zeitzeugen war die Nacht, als die Synagoge kurz und klein geschlagen und in Brand gesteckt worden war, ebenso unverständlich wie die wüste Zerstörung der jüdischen Anwesen.
'Wir waren Nachbarsleute und plötzlich sollst du nicht mehr zusammen gehen dürfen,' beschrieb Regina Walch die für sie unbegreiflichen Vorgänge.
Auf den eindringlich an die schreckliche Vergangenheit erinnernden Film wird nach den Worten von Jugendpfleger Klaus Rostek ein Buch folgen. Darin halten die deutschen und israelischen Jugendlichen das Leben der jüdischen Mitbürger fest, dem sie bei ihrem dreitägigen Aufenthalt in Gaukönigshofen nachgespürt sind." |
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| September 2011:
Eine israelische Gruppe besucht die ehemalige
Synagoge |
Artikel in der "Main-Post" vom 16.
September 2011: "Gelebtes friedliches Miteinander. Die
israelischen Gäste aus dem Partnerlandkreis Mate Yehuda machten am
Freitag Station in Gaukönigshofen..."
Link zum Artikel
in der "Main-Post" - auch eingestellt
als pdf-Datei |
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| November 2011:
Gedenkstunde zur Erinnerung an den Novemberpogrom
1938 |
Artikel von Hannelore Grimm in der
"Main-Post" vom 11. November 2011:
"Gaukönigshofen - Gedenkstunde zur Pogromnacht in der Synagoge.
Weiße Rosen für die Opfer.
'Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht
wieder geschieht, dafür schon.' Dieses Zitat des Holocaust-Überlebenden
Max Mannheimer (91) stand als Motto über der Gedenkstunde zum 73.
Jahrestag der Reichspogromnacht vom 10. November
1938...".
Link zum Artikel
in der "Main-Post" - auch eingestellt
als pdf-Datei. |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 293-295. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 54. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 433-435. |
 | Thomas Michel: Die Juden in Gaukönigshofen/Unterfranken 1550-1942.
Reihe: Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Bd. 38. Würzburg 1988.
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 | ders.: Das Novemberpogrom in Gaukönigshofen. In: Der
Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Heft 35.
November 1988. S. 3-6.
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 | Jutta Sporck-Pfitzer: Die ehemaligen jüdischen
Gemeinden im Landkreis Würzburg. Hrsg. vom Landkreis Würzburg. Würzburg
1988. S. 56-61.
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 | Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen
Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche
Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13.
Würzburg 2008. S. 231.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Gaukoenigshofen
Lower Fronconia. The 17th century Jewish settlers formed a community with their
own rabbi in the early 18th century. The Court Jew Baron Jakob von Hirsch,
grandfather of the philanthropist Maurice de Hirsch and founder of the family
fortune as well as the first Jewish estate owner in Bavaria, was born there in
1765. The Jews maintained a stable population (90-100) throughout the 19th
century. In 1933, 54 remained. Fifteen emigrated after Kristallnacht
(9-10 November 1938), when the synagogue was vandalized along with Jewish homes
and business premises and Jewish landowners were forced to sell their property
at a fraction of its value. Of thouse remaining, 25 were deported to Izbica in
the Lublin district (Poland) via Wuerzburg on 25 April 1942. The six Jews of the
attached community of Acholshausen (57
Jews in 1814) were similarly dispersed.

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