Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Gaukönigshofen (Kreis Würzburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Überblick:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Zur Geschichte der Synagoge  
Fotos 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur

  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
    
In Gaukönigshofen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./18. Jahrhunderts zurück. In den Gerichtsbüchern von Ochsenfurt werden 1553/55 erstmals jüdische Einwohner am Ort genannt. Namentlich erfährt von von Samuel, der möglicherweise aus Marktbreit stammte und in Gaukönigshofen Aufnahme gefunden hatte. In der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg werden keine weiteren jüdischen Ortsbewohner genannt. 
   
Spätestens in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges kam es zu weiterem Zuzug jüdischer Familien. 1636 wurde am Ort die Familie des Moses unter hochstiftischem Schutz aufgenommen. 1689 lassen sich mindestens sechs jüdische Familien im "Freihof", einem abgeschlossenen Wohnbereich innerhalb des Ortes, nachweisen; Götz und seine Ehefrau Rachel, Nathan und Rifka, des alten Aron Söhne, deren Schutz auf einen Schwiegersohn Arons überging, Mendel und seine Frau Hindel sowie Aron und seine Gattin Jendele.   
  
1786 wurden 73 jüdische Einwohner gezählt (18,0 % von insgesamt 393). Unter den jüdischen Familienvorständen war damals als Schutzjude in Gaukönigshofen der Viehhändler Moses Hirsch (1740 Gaukönigshofen - 1811 Würzburg). Er übersiedelte 1806 nach Würzburg und wurde Mitbegründer der neuen jüdischen Gemeinde in Würzburg sowie Stammvater der bekannten Würzburger Familie von Hirsch auf Gereuth
 
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1816 108 jüdische Einwohner (19,8 % von insgesamt 546), 1837 100 (17,2 % von 583), 1867 89 (16,2 % von 550), 1880 99 (16,6 % von 595), 1900 91 (14,6 % von 622). 
  
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Gaukönigshofen auf insgesamt 24 Matrikelstellen (einschließlich der Nachträge bis 1825) die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familienamen und Erwerbszweig): Aron David Thalheimer (Warenhandel), Sara, Witwe des David Sulzbacher (Spezerei- und kleinerer Warenhandel), Aron Moses Mainzer (Schnitt- und Spezereiwarenhandel), Abraham Moses Mainzer (Vieh- und Warenhandel), Hirsch Levi Schloß (Handel mit Waren und rohen Häuten), Moses Nathan Goldstein (Handel mit Schnittwaren), Moses Nathan Goldstein (Schmusen), Menthel Nathan Goldstein (Handel mit Schnittwaren), Moses Ascher Goldberger (Handel mit kurzen Waren), Jechiel Lippmann Schlessinger (Handel mit Schnittwaren), Seeligmann Salomon Rothschild (Handel mit Schnitt- und Spezereiwaren), Samuel David Thalheimer (Waren- und Viehhandel), Esther, Witwe des Menthel Steinhart (Waren- und Viehhandel), Baer Levi Steinhart (Waren- und Viehhandel), Simon Samuel Steftheimer (Waren- und Viehhandel). Ela, Witwe des Lazarus Wolfsheimer (Handarbeiten), Jaidel Hirsch Wolfsheimer (Handel mit kurzen Waren), Moses David Thalheimer (Handel mit Vieh und Waren), Seeligmann Löw Braunschild (ohne Erwerb, kurz nach 1817 gest.), Faust Seeligmann Braunschild (Pferdehandel), Joseph Seeligmann Braunschild (Waren- und Pferdehandel), Hayum Schloß (Weber, seit 1824), Faust Weikersheimer (Metzger, seit 1825); ohne Matrikelstelle: Abraham Sandel (Rabbiner).    
 
An Einrichtungen waren vorhanden: eine Synagoge (s.u.), ein 1910 an die Synagoge angebautes Gemeindehaus mit Schulraum und Lehrerwohnung sowie ein rituelles Bad (zunächst im Keller der Synagoge, 1819 unweit der Synagoge neu erbaut). Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Allersheim beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). 1817 wird auch ein Rabbiner der Gemeinde genannt (s.o. Abraham Sandel). Wenig später gehörte die Gemeinde zum Rabbinatsbezirk Kitzingen (seit 1937 Bezirksrabbinat Würzburg). 
Unter den Lehrern werden erwähnt: von 1849 bis 1875 Meier Strauß aus Fuchsstadt, der für die beiden Gemeinden Acholshausen und Gaukönigshofen als Lehrer tätig war und bis 1862 die Schüler beider Gemeinden in seiner eigenen Wohnung unterrichtete. Nachfolger von Strauß war von 1875 bis 1890 Julius Lippmann aus Hirschhorn. Seit 1891 war Julius Bravmann am Ort (geb. 1866 in Unteraltertheim, siehe unten Berichte zu seinem vierzigjährigen Amtsjubiläum). Letzter jüdischer Lehrer war der 1901 in Mittelsinn geborene Leo Kahn, der mit seiner Gattin Mina und der 1933 geborenen Tochter Hannelore 1942 nach Izbica deportiert und ermordet wurde.        
 
1910 lebten noch 80 jüdische Personen in Gaukönigshofen (10,8 % von insgesamt 739). Den jüdischen Familien gehörten inzwischen mehrere für das wirtschaftliche Leben des Ortes wichtige Läden und Gewerbebetriebe (Viehhandlungen, Kolonialwarengeschäfte, Gemischtwarenläden u.a.m.).
 
An jüdischen Vereinen bestanden die Chewro (Heilige Brüderschaft, 1932 unter Leitung von Felix Mainzer, Ziele: Krankenpflege, Tora-Vorträge und Bestattungswesen) sowie der Jüdische Frauenverein (1932 unter Leitung von Fanny Weikersheimer, Ziele: Krankenpflege, Bestattungswesen). An Stiftungen waren in der Gemeinde vorhanden. Die "Bab.-Braunschild-Stiftung" und die "Löwengard-Stiftung", beide mit dem Ziel der Unterstützung Armer (1932 beide unter Vorsitz von Felix Mainzer).
   
Um 1924, als noch 69 jüdische Personen zur Gemeinde gehörten (in 21 Haushaltungen/Familien, 9 % der Gesamteinwohnerschaft von 741 Personen), waren die Vorsteher der Gemeinde Felix Mainzer, Vitus Weikersheimer, Eduard Wirth, Louis Kleemann und Julius Rothstein. Als Lehrer, Vorbeter und Schochet wirkte Julius Bravmann. Er unterrichtete die jüdischen Kinder in Gaukönigshofen und (bis um 1900) in Acholshausen, seit 1906 auch diejenigen in Giebelstadt, zeitweise (um 1924/25) auch diejenigen in Aub. 1931 erhielt er anlässlich seines 40jährigen Dienstjubiläums die Ehrenbürgerschaft des Ortes (s.u.).  1932 wurden 67 jüdische Einwohner gezählt. Als Vorsteher werden die Herren Felix Mainzer (1. Vors.), Louis Kleemann (2. Vors.) und Ferdinand Weil angegeben (3. Vors.). Jüdischer Lehrer war inzwischen Leo Kahn (Julius Bravmann hatte eine neue Stelle in Karlstadt a.M. angetreten). Er unterrichtete im Schuljahr 1932/33 inzwischen wieder acht Kinder. Zur jüdischen Gemeinde Gaukönigshofen gehörten (bereits seit 1919) die in Acholshausen lebenden jüdischen Einwohner (1924 und 1932 jeweils 11 Personen).
 
1933 wurden noch 54 jüdische Einwohner gezählt. Die Zahl blieb zunächst konstant: im April 1937 zählte die Gemeinde noch 51 Mitglieder; die jüdische Viehhandlungen (als Viehhandels-Compagnie) und Gewerbebetriebe bestanden großenteils bis 1938. Antijüdische Aktionen gab es freilich auch in Gaukönigshofen schon relativ früh: Im April 1934 und im September 1938 wurden in einigen jüdischen Häusern die Fenster eingeschlagen. Beim Novemberpogrom 1938 kamen Einheiten der SS und SA aus Ochsenfurt. Sie richteten ihre gewaltsamen Aktionen gegen die Synagoge (s.u.), das jüdische Gemeindehaus, aber auch in schlimmer Weise gegen die jüdischen Wohnungen und Geschäfte, die teilweise zerstört und von zahlreichen Dorfbewohnern geplündert wurden (Silber, Wäsche, Stoffe, Wein, Lebensmittel und Wertsachen wurden beiseite geschafft). Das Büro der jüdischen Viehhandels-Compagnie wurde zerstört, das Vieh gestohlen, die Akten verbrannt. Die jüdischen Grundbesitzer wurden gezwungen, ihre Immobilien weit unter Wert zu verkaufen. Zwölf jüdische Männer wurden von der SS festgenommen, brutal verprügelt und nach Aub gebracht. Von dort wurden sie mit den Juden von Aub, Acholshausen und Goßmannsdorf in das Gefängnis nach Ochsenfurt, später teilweise in das KZ Dachau verbracht. 1939 begann die Auflösung der Gemeinde. 1941 wurden noch 26 jüdische Einwohner gezählt, durch Zuzug im Februar 1942 wieder 37. Im März 1942 erfolgte eine Deportation von 25 der jüdischen Einwohner über Kitzingen und Würzburg nach Izbica bei Lublin. Die letzten vier jüdischen Einwohner wurden im Juli 1942 nach Würzburg verbracht, von dort im September dieses Jahres in das KZ Theresienstadt. 

Von den in Gaukönigshofen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Flora Aron geb. Thalheimer (1892), Adolf Bach (1874), Isaak Bach (1871), Lina Bach (1883), Sabina Baumann geb. Thalheim (1882), Getta Berney (1911), Lina Fleischmann geb. Braunschild (1877), Sophie Frank geb. Mainzer (1873), Adelheid Friedmann geb. Braunschild (1881), Sally (Sali) Grünebaum geb. Steinhardt (1895), Tilly Grünebaum (1923), Emma Hirsch geb. Weikersheimer (1880), Hannelore Sofie Kahn (1933), Leo Kahn (1901), Mina Kahn geb. Sündermann (1908), Julius Katz (1890), Käthe Katz (1924), Therese Katz geb. Strauss (1883), Sara Krebs geb. Weil (1897), Siegbert Krebs (1937), Sigmund Krebs (1884), August Mainzer (1869 oder 1870), Elsa Mainzer (1902), Felix Mainzer (1870), Max Mainzer (1874), Ernst Sichel (1888), Laura Sichel geb. Mainzer (1879), Moritz Sichel (1893), Jacob Steinhardt (1875), Salomon Steinhardt (1874), Mathilde (Mathilda) Stern geb. Sichel (1887), Dorothea Strauss (1880), Klara Rosa Strauss (1881), Rosa Strauss (1881), Joseph Thalheimer (1890), Walter Thalheimer (1926), Else Vorchheimer (1923), Leopold Vorchheimer (1887), Max Vorchheimer (1922), Meta Vorchheimer geb. Sichel (1886), Rubin Vorchheimer (1939), Enslein Weikersheimer (1850), Max Weikersheimer (1878), Alfred Weil (1928), Ferdinand Weil (1889), Fritz Kurt Weil (1927), Moritz Weil (1899), Sitty Weil geb. Strauss (1904), Karolina Wilmersdörfer geb. Sichel (1887), Ida Wirth geb. Rosenbusch (1879), Rosa Zeilberger geb. Weikersheimer (1864).
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Ausschreibungen der Stelle des Lehrer / Vorbeters / Schochet 1891 / 1931  

Gaukoenigshofen Israelit 01011891.jpg (35774 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Januar 1891: "Erledigt ist die israelitische Lehrerstelle in Gaukönigshofen mit Acholshausen. Ertrag 850 Mark Fixum nebst freier Wohnung, Schächterfunktion mit Nebenverdienst ca. 600 Mk. Staatlich geprüfter Lehrer wird bevorzugt. Dem die Stelle erhaltenden Lehrer wird Reiseentschädigung gewährt. Gesuche sind zu richten an F. Braunschild, Kultusvorsteher in Gaukönigshofen". 
Auf diese Anzeige hin hat sich Julius Bravmann beworben. 
Gaukoenigshofen BayrGZ 15071931.jpg (59531 Byte)Anzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juli 1931: "Infolge Pensionierung unseres Beamten, der 40 Jahre im Dienste der Gemeinde stand, wird die Stelle des Religionslehrers, Vorbeters und Schochets in der Israelitischen Kultusgemeinde Gaukönigshofen zur alsbaldigen Besetzung frei. Der Stelleninhaber hat den Dienst in der benachbarten Gemeinde Giebelstadt mitzuversehen. Die Besoldung regelt sich nach der Besoldungsordnung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Schöne Dienstwohnung in neuerbautem Schulhaus ist vorhanden. Reichsdeutsche Bewerber mit seminaristischer Vorbildung, die über eine angenehme Stimme verfügen, bitten wir, ihre Bewerbungen mit Lebenslauf, Zeugnisabschriften, Gesundheitszeugnis und Lichtbild an die Israelitische Kultusgemeinde Gaukönigshofen einzureichen. Gaukönigshofen, den 29. Juni 1931. Die Israelitische Kultusgemeinde Gaukönigshofen. Felix Mainzer, 1. Vorstand". 
Auf diese Anzeige hin hat sich Leo Kahn beworben. 

  
40-jähriges Amtsjubiläum und Abschiedsfeier von Lehrer Julius Bravmann (1931)   

Gaukoenigshofen BayrGZ 15061931.jpg (154223 Byte)Artikel in der Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Juni 1931: "Gaukönigshofen. 40jähriges Amtsjubiläum und Abschiedsfeier. Am 1. Juni waren 40 Jahre vergangen seitdem der Lehrer, Herr Julius Bravmann, sein Amt hier angetreten hatte. Eine Generation hat er gehen sehen. Eine ganze Generation aber hat er auch ins Leben entsandt, wohl versehen mit hebräischen Kenntnissen, wie sie eben nur ein fleißiger und pflichtbewusster Beamter vermitteln kann.
Die israelitische Kultusgemeinde hatte es sich nicht nehmen lassen, diesen Tag festlich zu begehen. In der stilvoll geschmückten Synagoge versammelten sich gegen 15 Uhr alle anwesenden Mitglieder und auswärtigen Gäste. Dazu gesellten sich auch viele christliche Bürger, sodass die Anwesenden noch den Raum vor dem Gotteshaus füllten. Erschienen war auch der vollständige Gemeinderat mit dem Bürgermeister und der katholische Geistliche. 
Die Feier wurde durch einen Psalm eröffnet, mit klangvoller Stimme vorgetragen von Oberkantor Eschwege - Würzburg. - Den Reigen der Ansprachen eröffneten die derzeitigen Schüler, die - auch später zwischen den einzelnen Rednern - in ansprechenden Versen ihrem Lehrer ihre Wünsche darbrachten und Blumen überreichten. Kultusvorstand Mainzer begrüßte die Erschienenen, dankte bewegten Herzens dem Lehrer für die Hingabe an seine Pflichten und sprach sein tiefstes Bedauern aus, dass Lehrer Bravmann, der bereits die Altersgrenze überschritten hat, die Gemeinde verlasse um in den Ruhestand zu treten. Bezirksrabbiner Dr. Wohlgemut feierte Bravmann als einen erfolgreichen Pädagogen, einen die Andacht erzwingenden Vorbeter und einen gottesfürchtigen Menschen. Der katholische Geistliche sagte von ihm, dass er ihn 'schätzen und achten gelernt'. 
Der Bürgermeister stellte fest, dass es Bravmanns Verdienst sei, wenn die beiden Konfessionen in Eintracht miteinander leben und überreichte ihm die Urkunde des Ehrenbürgerrechtes. Studienrat Direktor Stoll gratulierte namens des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden und des Seminars, Hauptlehrer Brückheimer im Auftrage des jüdischen Lehrervereins, Herr Weikersheimer als ehemaliger Schüler, Lehrer Kannemacher als Beauftragter seiner Gemeinde Aub und Herr Pfeiffer für die Filialgemeinde Giebelstadt, die Bravmann 25 Jahre mitversehen hat. 
Als Letzter zeichnete der Schwiegersohn des Jubilars, Herr Mittelschullehrer Bick, Michelstadt, in warmen Farben ein Bild eines Schwiegervaters, indem er gerade jene Seiten aufzeigte, die im allgemeinen der Öffentlichkeit verborgen bleiben. Dann nahm der Jubilar selbst das Wort. Es waren weihevolle Minuten, in denen er zuerst seinem Gott den Dank erstattete, dass er ihn bis heute mit solcher Vatergüte geführt habe. Er dankte den einzelnen Rednern, überschaute nochmals seine ganze Lebensarbeit in der Gemeinde und schloss mit dem Segenswunsche, dass Gottes Huld auch weiterhin über ihr walten möge. Mit dem stimmungsvoll vorgetragenen Psalm 118 schloss die erhebende Feier.              Brückheimer."   
Anm.: Derselbe Bericht erschien in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1931
  
Gaukoenigshofen BayrGZ 15021936.jpg (18930 Byte)Lehrer Bravmann lebte nach seiner Zurruhesetzung in Karlstadt, wo er 1936 seinen 70. Geburtstag feiern konnte; die "Bayerische Israelitische Gemeindezeitung" berichtete am 15. Februar 1936: "Am 22. Februar feiert unser Vereinsmitglied Bravmann-Karlstadt (früher Lehrer in Gaukönigshofen) seinen 70. Geburtstag. Wir gratulieren ... aufs herzlichste."

     
Lehrer Leo Kahn wird neuer Lehrer in Gaukönigshofen (1931) 

Gaukoenigshofen BayrGZ 15121931.jpg (17490 Byte)Meldung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Dezember 1931: "Kollege L. Kahn, bisher in Westheim, trat am 1. Dezember seine neue Stelle in Gaukönigshofen an. Am gleichen Tage übernahm der junge Kollege Willi Neumann von Fürth die Stelle in Westheim."

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    

Anzeige von Ernstine Steinhardt (1901)         

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Oktober 1901: 
"Geprüfte Wochenbettwärterin
Als geprüfte Wochenbettwärterin, die prima Zeugnisse, ausgestellt von der Königlichen Universitäts-Frauen-Klinik zu Würzburg, aufweisen kann, welche zur Einsicht vorgelegt werden können und die auch schon praktisch erfolgreich tätig war, empfiehlt sich für nur religiöse Familien. 
Ernstine Steinhardt 
aus Gaukönigshofen bei Ochsenfurt am Main."        

 
Anzeige von Sigmund Krebs (1923)  

Gaukoenigshofen Israelit 23081923.jpg (51016 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1923: "Für meinen Haushalt (ich bin Witwer und habe 2 Knaben) suche ich eine tüchtige Haushälterin neben bereits vorhandenem Mädchen. Eintritt sofort oder noch vor den Feiertagen erwünscht. Zeitgemäße Bezahlung und Familienanschluss. 
Sigmund Krebs, Gaukönigshofen bei Ochsenfurt (Bayern)." 

  
Hochzeitsanzeige von Willy Süsser und Martha geb. Bravmann (1924)

Karlstadt Israelit 08051924.jpg (29310 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Mai 1924: "Gott sei gepriesen!  Willy Süsser - Martha Süsser geb. Bravmann. Vermählte. Karlstadt am Main - Gaukönigshofen. 28. April 1924 - 24. Nissan 5684."

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge           
    
Eine Synagoge beziehungsweise ein Betsaal dürfte es seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts im Bereich des "Freihofes" gegeben haben. Möglicherweise besuchten in dieser Zeit von Gaukönigshofener Juden noch die Gottesdienste im zwei Kilometer entfernten Acholshausen.   
  
1768/69 wurde eine Synagoge mit einem rituellen Bad im Keller genannt (1817 wurde eines neues Badhäuschen erstellt). 1790 wurde eine neue Synagoge erbaut, damals umfasste die jüdische Gemeinde 17 Familien. 1842 erfolgte ein umfassender Um- beziehungsweise Neubau. 1929 wurde die Synagoge noch einmal renoviert.
  
Für das rituelle Bad wurde 1819 ein neues Gebäude erstellt. 1910 wurde an die Synagoge ein Gemeindehaus mit Lehrerwohnung und Schulraum angebaut. Im Obergeschoss fand die Frauensynagoge ihren Platz. Bei den Umbauarbeiten des Synagogengebäudes 1988 wurden Überreste der alten Mikwe (vor 1819) im Keller des Gebäudes entdeckt.
  
Beim Novemberpogrom 1938 kamen Einheiten der SS- und SA aus Ochsenfurt am späten Abend des 10. November über Acholshausen nach Gaukönigshofen. Sie drangen in die Synagoge ein, zerstörten unter Mithilfe von Ortsansässigen die Inneneinrichtung und die Ritualien, warfen die Trümmer auf die Straße und verbrannten diese unter Aufsicht der Feuerwehr. Zwei Bauern des Dorfes - ansonsten angesehene und wohlhabende Gaukönigshöfer im Alter von 35 und 37 Jahren - hatten den Toraschrein in der Synagoge mit Schlegeln zerschlagen und die Teile in das Feuer geworfen. Das Niederbrennen der Synagoge wurde auf Grund des Widerstandes des Bürgermeisters und des Bauern Stephan Mark (früherer Feuerwehrkommandant des Dorfes) verhindert. Beide befürchteten ein Übergreifen der Flammen auf weitere Gebäude. Zwei Torarollen und Silbergeräte konnten von Gemeindemitgliedern noch rechtzeitig am Tag zuvor gerettet werden. So hatte Louis Kleemann in der Nacht vor dem Pogrom eine Torarolle aus der Synagoge zu seinem Haus gebracht und dort versteckt. Er nahm sie bei der Emigration der Familie in die USA mit. Im Gemeindehaus wurde gleichfalls das Inventar zerschlagen, ebenso im Schulraum und in der Lehrerwohnung. Unzerstört blieb das rituelle Bad. 
   
Die Synagoge mit Schule und Lehrerwohnung kam am 28. Juni 1939 für 1.500 RM (ein Viertel des wirklichen Wertes) an die Ortsverwaltung. 
  
Nach 1945 wurde die Synagoge nach Durchführung des Restitutionsverfahrens als Wohnung mit einem angrenzenden Lagerhaus verwendet. Zwischen 1948 und 1951  standen mehrere der beim Novemberpogrom 1938 Beteiligten (darunter einer aus Gaukönigshofen) in Würzburg vor Gericht. Elf von ihnen erhielten Gefängnisstrafen zwischen drei Monaten und einem Jahr. 
  
Mitte der 1980er-Jahre begannen Überlegungen zu einer künftig würdigeren Nutzung des Gebäudes. Am 13. März 1987 beschloss der Kreistag des Landkreises Würzburg eine Instandsetzung und künftige Nutzung als Kreisgedenkstätte für die in der NS-Zeit ermordeten Juden. Bis Oktober 1988 wurde das Gebäude instandgesetzt, dabei möglichst originalgetreu renoviert (außer der Bima). Am 16. Oktober 1988 wurde das Gebäude als Gedenkstätte eingeweiht. Der frühere Synagogenraum ist der Gedenkraum. Im ehemaligen jüdischen Gemeindehaus befindet sich eine Dauerausstellung. 

Presseartikel zur Renovierung

a) Artikel aus den Fränkischen Nachrichten vom 16. Mai 1988: 
"In Gaukönigshofen: Ehemalige jüdische Synagoge wird als Gedenkstätte aufgebaut. Übergabe am 16. Oktober / Beispiel für unterfränkische Landkreise.

Gaukoenigshofen PA 1988a.jpg (139367 Byte)Würzburg. Für die Nationalsozialisten war die 'Judenfrage' in Unterfranken bereits 1943 gelöst. Die Gestapo-Außenstelle Würzburg legte in diesem Jahr ihren 'Abschlussbericht' vor. 1933 lebten in Unterfranken 8520 Juden, 1939 waren es noch 3461. Davon, so meldet die Gestapo 1943, haben 2063 'ihren Wohnsitz verlegt'. Ziel des Umzugs waren die Konzentrationslager im Osten.
In Gaukönigshofen (Landkreis Würzburg) wird am 16. Oktober eine Gedenkstätte für die deportierten und ermordeten unterfränkischen Juden ihrer Bestimmung übergeben. Der Aufbau der ehemaligen Synagoge zur Gedenkstätte ist eine gemeinsame Initiative des CSU-Kreisverbandes Würzburg, des Landkreises und der Gemeinde. In dem Mahnmal für die Verfolgungen des Dritten Reiches sollen alle jüdischen Mitbürger aus Würzburg und Umgebung in einem Gedenkbuch erfasst werden.
Der Landtagsabgeordnete Christian Will (Estenfeld), der sich mit dem 'deprimierenden Studium' der alten Gestapoakten beschäftigt, könnte sich vorstellen, dass das Beispiel der Gedenkstätte Gaukönigshofen auch von anderen unterfränkischen Landkreisen aufgegriffen wird. Vor wenigen Tagen kehrte Christian Will von einer Israel-Reise zurück. Mit einer etwa 100köpfigen unterfränkischen Reisegruppe hatte der Abgeordnete Kontakt mit den in Israel lebenden unterfränkischen Emigranten. Der 'Verein ehemaliger bayerischer Juden' hat rund 250 Mitglieder. In Tel Aviv betonte Walter Guggenheim, der im Raum Nürnberg zuhause war, den Wunsch nach Begegnungen mit Menschen aus der alten Heimat. In den Gesprächen wurden viele Erinnerungen wach. Die Gemeinde der bayerischen Juden in Israel nimmt regen Anteil am Aufbau der Gedenkstätte in Gaukönigshofen. Christian Will, der auch eine Grußbotschaft des bayerischen Ministerpräsidenten mitgebracht hatte, möchte die Begegnungen mit den unterfränkischen Juden in Israel weiter ausbauen."  

b) Artikel von Ludwig Sanhüter aus der Zeitschrift: Der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern Heft 35 vom November 1988:
"Jüdische Gedenkstätte in Gaukönigshofen feierlich ihrer Bestimmung übergeben. 
'Mit der Einrichtung der jüdischen Gedenkstätte will der Landkreis Würzburg eine Chance nutzen, die Erinnerungen an die leidvolle Vergangenheit in den Dienst des Friedens und der Versöhnung zu stellen.' Mit diesen Worten beschrieb Landrat Dr. Georg Schreier bei der Übergabe der Gedenkstätte die Beweggründe zur Renovierung und zum Umbau der ehemaligen Synagoge. Aus den USA und Israel waren vierzehn ehemalige jüdische Mitbürger angereist. Keine Gedenkstätte könne die Todesqual mildern, die jüdische Mitbürger in Deutschland erdulden mussten, aber man könne hoffen, dass guter Wille immer wieder den Weg zu einer Versöhnung freimache, mahnte Schreier. Der systematische Völkermord als offizielle Politik mitten im christlichen Europa sei in seinem entsetzlichen Ausmaß nicht zu erfassen. 
Hoffnungsvoll sei aber der Wille zur menschenmöglichen Wiedergutmachung, der seit 1945 die Mehrheit aller Deutschen, von einer Minderheit abgesehen, beseele. Zwar, so der Landrat weiter, käme man um das klare Eingeständnis, dass ein großer Teil des Volkes schuldig geworden sei, nicht herum, aber das Wort von der Kollektivschuld sei falsch, weil es Versöhnung von vornherein ausschließe. Nur ein kritisch waches Bewusstsein in einer intakten demokratischen Rechtsordnung könnte garantieren, dass sich nicht Gleiches wiederholen. Die Gedenkstätte, so Schreier, sei auch ein Mahn- und Warnzeichen für die Deutschen, denn der Antisemitismus sei langlebig. Den anwesenden jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern wünschte der Landrat, dass sie ihnen neues Vertrauen in ihre alte deutsche Heimat vermitteln möge. Die Gedenkstätte stehe dafür, dass sich Grauen in Vertrauen, Elend in Zuversicht wandele. Seinen Dank sprach der Landrat allen aus, die das Projekt unterstützten, ganz besonders aber Senator a.d. David Schuster für seine wertvollen Ratschläge und den ehemaligen Landkreisbürgern, die Ausstellungsstücke gespendet haben. 
Die Grüße der bayerischen Staatsregierung überbrachte die Sozialstaatssekretärin Barbara Stamm. In Gaukönigshofen sei die einst blühende jüdische Kultusgemeinde erbarmungslos vernichtet worden. Gewissenlose Machthaber und Gewaltmenschen hätten unbeschreibliches Unrecht über das jüdische Volk gebracht. Die neue Gedenkstätte solle an diese furchtbaren Ereignisse erinnern. Sie solle gleichzeitig Anlass sein, über die Ursachen von Gewalt und Krieg nachzudenken. 
Senator a.D. David Schuster, der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg, sprach allen Verantwortlichen Dank und Anerkennung für die Einrichtung der Gedenkstätte aus. Nicht oft werde eine ehemalige Synagoge in eine Gedenkstätte umgewandelt. Die Verfolgung der Juden nannte er ein überaus trauriges Ereignis, das viele aus ihrem Gedächtnis verbannen wollten. Geschichte habe nur Sinn, wenn moralische Lehren in Erinnerung blieben. Die Verbrechen, die während der zwölf Jahre des sogenannten Tausendjährigen Reiches verübt wurden, wären auch für tausend Jahre zuviel gewesen. Die Zahl von sechs Millionen getöteter Juden übersteige jede Vorstellungskraft.
Niemand könne das vergessen. 'Vergessen wäre Verrat, dazu haben wir nicht überlebt', sagte Schuster. Das Anrecht, Vergebung auszusprechen, hätten nur die Toten. Aber zur Aussöhnung wollten die Juden die Hand reichen. Das sichtbare Zeichen sei, dass viele wieder sesshaft geworden und andere zu diesem Tag angereist seien. 
Der Vorsitzende der Vereinigung ehemaliger Bayern in Israel, Walter Guggenheim, erinnert daran, dass die Juden an Deutschland und seine Kultur geglaubt hätten. Als das Schreckliche geschah, sei ihnen klargemacht worden, dass sie nicht hierher gehörten. 'Jetzt hängen wir an unserer Heimat Israel, wir sind nicht heimgekehrt, sondern nur zu besuch nach Deutschland gekommen', beschrieb er seine Einstellung. Dennoch habe die Generation der Betroffenen die Hand zur Versöhnung ausgestreckt. Die Gedenkstätte sei ihm eine Herzensangelegenheit, ein Denk- und Mahnmal für die einst so blühende jüdische Gemeinde in Gaukönigshofen. 
Für die katholische und die evangelische Kirche sprach Domkapitular Josef Pretscher, der vorher in der Schutzengel-Kirche einen Aussöhnungsgottesdienst gefeiert hatte, die Grußworte. Er erinnerte an die Worte von Papst Johannes Paul II., der die Juden die 'bevorzugten und älteren Brüder der Christen' genannt hatte. Aus dem Volk Israel sei die Kirche entstanden, deswegen sei von den Verbrechen an den Juden auch sie betroffen. Doch sie trage auch Mitschuld und könne dafür nur um Vergebung bitten.
Werner Kleemann, ein früherer jüdischer Mitbürger von Gaukönigshofen, der jetzt in den USA lebt, mahnte eindringlich, die Verbrechen gegen jede Moral nicht zu vergessen. 'Es waren eure Brüder, die das Gotteshaus angezündet haben.' Mit Freude hätten sie geplündert und die Tora-Rollen verbrannt. Manche von diesen Verbrechern hätten sich danach als unschuldig hingestellt. Es bleibe die Hoffnung auf die junge Generation. Sie wisse, dass nur Demokratie Recht und Frieden sichern könne.  
Der Bürgermeister von Gaukönigshofen, Paul Lesch, führte aus, dass der Schaden, der dem jüdischen Volk zugefügt worden ist, nicht mehr gutgemacht werden könne. Trotzdem wolle man mit den noch lebenden jüdischen Mitbürgern gute menschliche Beziehungen herstellen. Die Gedächtnisstätte solle es möglich machen, mit offenem Herzen aufeinander zuzugehen. Jolanta Konopnicka am Klavier und Pawel Ruszkowski (Violine) umrahmten die Veranstaltung mit Werken von Mendelssohn-Bartholdy und Ernest Bloch.  
   
   
Adresse/Standort der Synagoge: Am Königshof 22 (alte Anschrift bis 1933: in der Judengasse, Gebäude Nr. 94)   
   
Adresse des ehemaligen jüdischen Gemeindehauses: Am Königshof 21. 
Erhalten ist auch die 1819 erbaute Mikwe (Am Königshof 16). Die Kacheln des Tauchbeckens sind im Original vorhanden. Bis 1988 war im Gebäude ein Abstellraum für einen landwirtschaftlichen Betrieb. Auch die Mikwe wurde 1988 renoviert, ist im Besitz der Gemeinde Gaukönigshofen und in die Ausstellung einbezogen. 
   
Besichtigung nach Vereinbarung mit der Gemeindeverwaltung Gaukönigshofen, Rathaus (Tel. 0-9337-9719-0) 
Allgemeine Öffnungszeiten von Mai bis Oktober jeden 1. Sonntag im Monat von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr. 
   
  

Fotos
(Historische Fotos von Theodor Harburger vom 12. Oktober 1928, veröffentlicht in: Th. Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, Hg. von den Central Archives Jerusalem und dem Jüdischen Museum Franken in 3 Bänden 1998. Band 2 S. 224-225)

Historische Fotos  Gaukoenigshofen Synagoge 011.jpg (63718 Byte) Gaukoenigshofen Synagoge 010.jpg (98314 Byte)
  Tora-Vorhang (Parochet) aus dem Besitz
 der jüdischen Gemeinde, Stiftungsjahr
 1758/59, vermutlich 1938 zerstört
Tora-Schild (Tas) aus dem Besitz der
 jüdischen Gemeinde Gaukönigshofen,
 vermutlich 1938 zerstört
     
     
Wiedereinweihung als Gedenkstätte
 am 16. Oktober 1988
(Quelle: Landkreis Würzburg, 
vgl. oben Bericht)  
Gaukoenigshofen Synagoge 144.jpg (52116 Byte) Gaukoenigshofen Synagoge 143.jpg (56916 Byte)
Anm.: Diese Fotos mit leider nur niedriger Auflösung werden sobald als möglich durch bessere Fotos ersetzt  
  
Gaukoenigshofen Synagoge 142.jpg (51886 Byte) Gaukoenigshofen Synagoge 140.jpg (37272 Byte) Gaukoenigshofen Synagoge 141.jpg (62825 Byte)
        
        
Die Synagoge nach der Renovierung (Quelle: Gemeinde Gaukönigshofen) 
Anm.: Diese Fotos mit leider nur niedriger Auflösung werden bei Gelegenheit durch bessere Fotos ersetzt
   
Gaukoenigshofen Synagoge 131.jpg (37654 Byte) Gaukoenigshofen Synagoge 130.jpg (51205 Byte) Gaukoenigshofen Synagoge 133.jpg (35850 Byte)
Blick auf die Westfassade mit Hinweistafel Hinweistafel Ausstellungsstücke 
     
Gaukoenigshofen Synagoge 132.jpg (31642 Byte) Gaukoenigshofen Synagoge 135.jpg (41251 Byte) Gaukoenigshofen Synagoge 134.jpg (38870 Byte)
Bereich des ehemaligen Toraschreines -
 Ostseite des früheren Betsaales
Im Betsaal: Blick auf den Bereich 
des ehemaligen Toraschreines
Abgang zur Mikwe 
  
     
Gaukoenigshofen Tora 01.jpg (73342 Byte)  
Torarolle aus Gaukönigshofen, die von Louis Kleemann vor dem Novemberpogrom 1938 aus der
 Synagoge gerettet und bei der Auswanderung in die USA mitgenommen werden konnte. 
Heute befindet sich die Torarolle in einer Synagoge in Baltimore 
(Foto aus Sporck-Pfitzer s. Lit. S. 60)
 

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

November 2010: Gedenkstunde zur Erinnerung an den Novemberpogrom 1938   
Artikel von Hannelore Grimm in der "Main-Post" vom 11. November 2010 (Artikel): 
"GAUKÖNIGSHOFEN: Bewegende Feierstunde in der Synagoge - Gedenken an die jüdischen Mitbürger 
Bei der Gedenkfeier in der Synagoge wurde an die 29 jüdischen Mitbürger aus Gaukönigshofen erinnert, die in der Zeit des Nationalsozialismus verschleppt und im Konzentrationslager Belzec ermordet worden sind.

Bürgermeister Bernhard Rhein eröffnete die bewegende Feierstunde und Gertraud Renner führte die Teilnehmer zurück in die Zeit, in der mit den Pogromen am 9. und 10. November 1938 die Judenvernichtung ihren Anfang genommen hat.
Mit schwarzen Tüchern, die zu einem Trauerkreis auf den Boden des Raumes gelegt wurden, der einmal der Mittelpunkt der jüdischen Gemeinde war, verbanden Martina Rieß und Sonja Reiche sowie einige Jugendliche aus dem Würzburger Deutschhaus-Gymnasium die namentliche Erinnerung an die Verstorbenen. Symbolisch verknüpften sie die einzelnen Leidensgeschichten miteinander.
Im Anschluss an die Gedenkfeier, der einige Mitglieder der Musikkapelle Gaukönigshofen und Bernhard Nagl eine besonders eindrucksvolle Note gaben, erwartete die zirka 50 Besucher, darunter Gymnasiallehrerin Andrea Sterzinger-Seitz, die Erstaufführung des Filmes 'Zeitzeugenberichte von Gaukönigshofen zur Pogromnacht'.
Der Film entstand bei einem Projekt, das Schüler des Deutschhaus-Gymnasiums mit Jugendlichen aus der israelischen Partnerlandkreis Mateh Yehuda im Sommer dieses Jahres bewerkstelligt hatten.
Wie die Menschenverachtung der damaligen Machthaber selbst die kleinsten Dörfer erreichte und wie auch in Gaukönigshofen nach dem 10. November 1938 nichts mehr so war wie vorher, schilderten Regina Walch (Jahrgang 1924) sowie die damals zehnjährigen Paul Lesch und Alfred Betz.
Übereinstimmend erinnerten sie sich an das gute, respektvolle Zusammenleben zwischen Christen und Juden. Die jüdischen Mitbürger waren im gesellschaftlichen Leben anerkannte und vollwertige Mitglieder.
Für die Zeitzeugen war die Nacht, als die Synagoge kurz und klein geschlagen und in Brand gesteckt worden war, ebenso unverständlich wie die wüste Zerstörung der jüdischen Anwesen. 'Wir waren Nachbarsleute und plötzlich sollst du nicht mehr zusammen gehen dürfen,' beschrieb Regina Walch die für sie unbegreiflichen Vorgänge. Auf den eindringlich an die schreckliche Vergangenheit erinnernden Film wird nach den Worten von Jugendpfleger Klaus Rostek ein Buch folgen. Darin halten die deutschen und israelischen Jugendlichen das Leben der jüdischen Mitbürger fest, dem sie bei ihrem dreitägigen Aufenthalt in Gaukönigshofen nachgespürt sind."    
  
September 2011: Eine israelische Gruppe besucht die ehemalige Synagoge  
Artikel in der "Main-Post" vom 16. September 2011: "Gelebtes friedliches Miteinander. Die israelischen Gäste aus dem Partnerlandkreis Mate Yehuda machten am Freitag Station in Gaukönigshofen..."  
Link zum Artikel in der "Main-Post" - auch eingestellt als pdf-Datei   
 
November 2011: Gedenkstunde zur Erinnerung an den Novemberpogrom 1938   
Artikel von Hannelore Grimm in der "Main-Post" vom 11. November 2011: 
"Gaukönigshofen - Gedenkstunde zur Pogromnacht in der Synagoge. Weiße Rosen für die Opfer.
'Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.' Dieses Zitat des Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer (91) stand als Motto über der Gedenkstunde zum 73. Jahrestag der Reichspogromnacht vom 10. November 1938...".     
Link zum Artikel in der "Main-Post" - auch eingestellt als pdf-Datei.   
  
Dezember 2013: Nach 25 Jahren übergibt Altbürgermeister Paul Lesch das Amt des Synagogenführers an Rita Dürr   
Artikel von Hannelore Grimm in der "Main-Post" vom 11. Dezember 2013: "Schlüssel zur jüdischen Geschichte
Altbürgermeister Paul Lesch übergab das Amt des Synagogenführers an Rita Dürr
Vor einigen Wochen jährte sich zum 25. Mal die Eröffnung der Landkreis-Gedächtnisstätte, die im Gedenken der einstmaligen jüdischen Gemeinden im Landkreis Würzburg in der Synagoge von Gaukönigshofen geschaffen wurde. Der 85-jährige Altbürgermeister Paul Lesch hat seit der Eröffnung als Synagogenführer fungiert und gibt dieses Amt jetzt auf. Die Schlüssel, die Paul Lesch ein Vierteljahrhundert lang verwahrt hat, legte Bürgermeister Bernhard Rhein in die Hände von Rita Dürr..."   
Link zum Artikel in der "Main-Post"    

 
   

Links und Literatur  

Links: 

Website der Gemeinde Gaukönigshofen  
Informationsseite des Landkreises Würzburg zur Gedenkstätte Synagoge Gaukönigshofen (erstellt von Israel Schwierz) 
Weitere Informationsseite des Landkreises Würzburg zur Synagoge von Gaukönigshofen (erstellt von Martin Umscheid)  
Fotoseite zur ehemaligen Synagoge in Gaukönigshofen (Förderverein ehemalige Synagoge Kitzingen) 

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 293-295.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 54.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 433-435.
Thomas Michel: Die Juden in Gaukönigshofen/Unterfranken 1550-1942. Reihe: Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Bd. 38. Würzburg 1988.
ders.: Das Novemberpogrom in Gaukönigshofen. In: Der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Heft 35. November 1988. S. 3-6.
Jutta Sporck-Pfitzer: Die ehemaligen jüdischen Gemeinden im Landkreis Würzburg. Hrsg. vom Landkreis Würzburg. Würzburg 1988. S. 56-61. 
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 231. 
Michael Schneeberger: "Der Juden Häuser samt der umgebenden Mauern". Geschichte der Juden von Gaukönigshofen. In: Jüdisches Leben in Bayern. Mitteilungsblatt des Landesverbandes der israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. 28. Jahrgang Nr. 123. Dezember 2013 S. 26-31. 
Wuerzburg Lit 1308.jpg (133209 Byte)Spuren jüdischer Geschichte in Stadt und Landkreis Würzburg - Ein Wegweiser für junge Leute. Hrsg. vom Landkreis Würzburg in Zusammenarbeit mit dem Partnerlandkreis Matah Yehuda (Israel) und dem Kooperationsprojekt Landjudentum in Unterfranken. Würzburg 2013. Online zugänglich: Download der pdf-Datei.  
Kontakt und Information: Landkreis Würzburg - Kommunale Jugendarbeit  Klaus Rostek  Zeppelinstr. 15  97074 Würzburg  Tel. 0931 8003-376   E-Mail: k.rostek[et]Ira-wue.bayern.de     

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Gaukoenigshofen Lower Fronconia. The 17th century Jewish settlers formed a community with their own rabbi in the early 18th century. The Court Jew Baron Jakob von Hirsch, grandfather of the philanthropist Maurice de Hirsch and founder of the family fortune as well as the first Jewish estate owner in Bavaria, was born there in 1765. The Jews maintained a stable population (90-100) throughout the 19th century. In 1933, 54 remained. Fifteen emigrated after Kristallnacht (9-10 November 1938), when the synagogue was vandalized along with Jewish homes and business premises and Jewish landowners were forced to sell their property at a fraction of its value. Of thouse remaining, 25 were deported to Izbica in the Lublin district (Poland) via Wuerzburg on 25 April 1942. The six Jews of the attached community of Acholshausen (57 Jews in 1814) were similarly dispersed.  
    
      

                   
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Stand: 12. Dezember 2013