|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
Zur Übersicht "Synagogen in
Unterfranken"
Kitzingen (Kreisstadt)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Bitte besuchen Sie auch die Website des
"Fördervereines ehemalige
Synagoge Kitzingen am Main e.V."
Übersicht:
Es besteht eine weitere
Seite mit Texten zur jüdischen Geschichte in Kitzingen (anklicken)
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
Vom
Mittelalter bis zur Ausweisung 1763
In Kitzingen bestand eine jüdische Gemeinde bereits im Mittelalter.
Die Geschichte dieser Gemeinde war bis Mitte des 14. Jahrhunderts "eine
Kette von Niederlassungen und Verfolgungen" (Germania Judaica II,1 S. 202).
Die erste Erwähnung ist aus dem Jahr 1243. Damals wurden aus unbekannten
Gründen sechs jüdische Männer und zwei Frauen erschlagen und danach
gerädert. Zwei andere jüdische Männer und eine Frau wurden gefoltert und
gerädert. Die nackten Leichen blieben 14 Tage auf den Rädern, ehe es möglich
war, sie auf dem jüdischen Friedhof in Würzburg beizusetzen. Letzteres ist ein
Hinweis, dass die Verstorbenen der jüdischen Gemeinde damals in Würzburg
beigesetzt wurden. 1298 fand die nächste Verfolgung unter den Horden des
"Ritters Rintfleisch"
statt, dabei wurden elf jüdische Männer und vier Frauen ermordet. 1328 wird
ein Kyrsam (Gerschom) von Kitzingen in Würzburg genannt, wo er sich
niedergelassen hatte. Am 28. Februar 1336 wurden bei der Armleder-Verfolgung
fast alle Juden in Kitzingen durch zusammengerottete Haufen erschlagen. 1340
wird in Speyer Jud Manne von Kitzingen, 1343ff wird in Nürnberg Jud Feivelmann
von Kitzingen genannt. Auch bei der Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49
wurden in Kitzingen Juden ermordet. Danach werden erst Ende des 14.
Jahrhunderts wieder jüdische Einwohner in der Stadt genannt. Die jüdischen
Familien lebten vom Geldverleih, aber auch vom Versand koscheren Weins (wurde
nach Regensburg geliefert). In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wird
eine "Judenstraße" genannt.
Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts drohte den jüdischen Familien die
Ausweisung, nachdem aus mehreren Städten und Herrschaften der näheren und
weiteren Umgebung die Juden ausgewiesen worden waren. Um eine solche Ausweisung
verhindern zu können, verzichteten unter anderem acht oder neun Juden aus
Kitzingen auf alle Schuldforderungen gegenüber der Herrschaft und den
Untertanen. Dadurch hatten sie sich das Bleiberecht indirekt erkauft. Auch der
Beschluss zur Vertreibung aller Juden aus dem Fürstentum Ansbach 1515 hatte auf
die Kitzinger Juden keine Auswirkung, obgleich es ein markgräfliches Mandat an
die Stadt Kitzingen fordert. 1641 wurden 63 jüdische Einwohner gezählt, 1731
120. Erst in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts (1763) wurden
die Juden auf Grund religiöser Auseinandersetzung aus Kitzingen vertrieben, nachdem die Stadt an das Hochstift in
Würzburg gekommen war.
19./20. Jahrhundert
Nachdem 1861 durch das
Emanzipationsedikt die Niederlassung von Juden in allen Orten Bayerns möglich
war, konnten auch in Kitzingen jüdische Familien wieder zuziehen. Einer der
ersten war im Januar 1863 Abraham Bär Stern aus Mainstockheim. Von Seiten der
Stadt gab es Interesse an ihrer Niederlassung. Man versprach sich davon, dass
die Kitzinger Wirtschaft und der damals daniederliegende Weinhandel neue Impulse
bekam. In den folgenden Jahrzehnten erlebten die jüdischen Weinhändler
in Kitzingen einen großen Aufstieg. Die Blütezeit lag zwischen 1890 und dem
Ersten Weltkrieg. Der erfolgreichste Kitzinger Weinhändler war Max Fromm. 1906
zählte die Stadt 52 jüdische Weinhändler, 1930 69.
Eine jüdische Gemeinde war zum 1. Januar 1865 offiziell begründet worden. 1871 wurde
das Bezirksrabbinat von Mainbernheim
nach Kitzingen verlegt. Rabbiner waren u.a. Immanuel
Adler (bis 1911), Dr. Josef Wohlgemuth (1914-1935), Siegmund Hanover (Würzburg;
Vertretung 1935-1937), Dr. Gotthelf Isaiah Wohlgemuth (1937-1939). Texte aus der
Geschichte des Rabbinates siehe die Textseite.
Kurzbiographien zu den Rabbinern:
 | Rabbiner Dr. Immanuel Adler (Rabbiner bis 1911):
geb. 1840 in Essingen, Pfalz, gest. 1911
in Kitzingen; Sohn des Rabbiners Josef Gabriel Adler (seit 1845 in
Burgpreppach) und der Sara geb. Scharf; Ausbildung in Würzburg in der
Jeschiwa von Seligmann Bär Bamberger und Universitätsstudium; 1868
Distriktsrabbiner in Mainbernheim; 1871 Verlegung des Rabbinatssitzes nach
Kitzingen. |
 | Rabbiner Dr. Josef Wohlgemuth (Rabbiner von 1914 bis
1935): geb. 1885 in Königsberg (heute Kaliningrad), gest. 1935 in
Kitzingen; erhielt seine Ausbildung 1905 bis 1909 am Rabbinerseminar Berlin,
1909 Ordination; Seminarrabbiner am Würzburg Lehrerseminar (ILBA), 1910 bis
1912 Lehrer und Rabbiner (der Adass Jisroel) in Königsberg, 1913 bis 1935
Rabbiner in Kitzingen. |
 | Rabbiner Dr. Gotthelf Isaiah Wohlgemuth (Rabbiner
von 1937 bis 1935): geb. 1915 in Kitzingen als Sohn von Rabbiner Josef
Wohlgemut, gest. 2008 in Elizabeth, Union, NJ/USA; erhielt seine Ausbildung
von 1932/33 an im Rabbinerseminar Berlin, 1937 Ordination; seit 1935
Religionslehrer in Kitzingen, seit September 1938 Rabbiner (auch für das
Bezirksrabbinat Ansbach zuständig); 1939 Emigration nach New York; auch in
den USA als Rabbiner und Lehrer tätig (bis nach
2000). |
Die Zahl der jüdischen
Einwohner nahm in Kitzingen zu von 57 (1867), 97 (1871), 337 (1880), 463 (1900) auf 478
(1910, Höchstzahl jüdischer Einwohner, 5,2 % der Gesamtbevölkerung). Die
jüdischen Einwohner Kitzingens engagierten sich in allen Bereichen des Lebens
der Stadt. Sie bekleideten auch öffentliche Ämter und brachte ihre Beiträge
zum Gemeinwohl der Stadt ein. Mehrfach wurden jüdische Bürger in den
Magistrat/Stadtrat gewählt. Neben dem Weinhandel gehörten jüdischen Familien
auch andere Geschäfte/Gewerbebetriebe (Bäckereien, Café, Metzgereien,
Lebensmittelgeschäfte, Eisenwarenhandlung, Privatbank, jüdische Ärzte und
Zahnärzte).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Sally Gerst (geb.
4.2.1880 in Kitzingen, gef. 17.6.1917), Richard Hirschberger (3.1.1896
Kitzingen, gef. 4.10.1916), Joseph Rorenthal (geb. 13.10.1881 in Kitzingen, gef.
3.6.1917), Gefreiter Isidor Schur (geb. 8.3.1893 in Kitzingen, gef. 6.2.1915),
Oberarzt Dr. Max Moses Schur (geb. 11.4.1885 in Kitzingen, gef. 19.12.1916),
Unteroffizier Josua Schur (geb. 20.11.1881 in Kitzingen, gef. 9.9.1914), Stephan
Sonder (geb. 26.5.1897 in Kitzingen, gef. 21.1.1917), Justus (Justin) Stein
(geb. 16.3.1890 in Rödelsee, gef. 29.8.1918), Wilhelm (Willy) Stein (geb.
28.5.1892 in Kitzingen, gef. 14.4.1917), Simon Weinberg (geb. 7.10.1895 in
Gersfeld, gef. 22.1.1917). Ihre Namen standen auf einer 1921 in der Synagoge
eingeweihten Gedenktafel (siehe Bericht unten). Außerdem sind gefallen: Moses
Mainzer (geb. 1.11.1890 in Kitzingen, vor 1914 in Nürnberg wohnhaft, gef.
2.4.1918), Unteroffizier Adolf Stern (geb. 14.4.1883 in Kitzingen, vor 1914 in
Nürnberg wohnhaft, gef. 16.9.1916), Gefreiter Ernst Strauß (geb. 8.11.1892 in
Kitzingen, vor 1914 in Nürnberg wohnhaft, gef. 7.7.1916).
.
Um 1924, als etwa 500 jüdische Personen in der Stadt
lebten (5 % von insgesamt etwa 10.000 Einwohnern), waren die Vorsteher der
Gemeinde J. Ullmann, Ed. Sonder, G. Gerst, M. Stein, J. Heidingsfelder, L.
Klugmann, B. Sonder, E. Charon, G. Lauber, M. Fromm. Rabbiner war seit 1914 Dr.
Josef
Wohlgemuth. Als Religionslehrer und Kantor war (seit 1900) Naftali Bamberger angestellt, als
Elementarlehrer Robert Einstädter (bis zu seiner Versetzung nach Nürnberg
1929) sowie als Schochet und Synagogendiener A. Fuchs.
An der Israelitischen Volksschule (gegründet 1914) und an der Religionsschule der Gemeinde wurden
18 Kinder unterrichtet. An den höheren Schule wurde Religionsunterricht
erteilt. An jüdischen Vereinen bestanden die "Armenkasse", der
Männerwohltätigkeitsverein Chebras Gemilus Chassodim (gegründet 1874, 80-100
Mitglieder), die Chewras Toras Emes (Leiter Hermann Schönfärber, 80 Mitglieder),
der Israelitische Frauenverein (gegründet 1873, 80-100 Mitglieder; Ziele
Unterstützung Hilfsbedürftiger, Verteilung von Geld und Lebensmitteln zu
Feiertagen, Totenwache), der Verein Chinuch Neorim (Leiter W. Lustig, 50
Mitglieder, unter anderem mit Hebräischer Sprachschule), der Jüdische
Literaturverein (Leiter Rabbiner Dr. Wohlgemuth, 60 Mitglieder), der
Jugendverein, eine Ortsgruppe des Centralvereins (Leiter G. Gerst, 80 Mitglieder)
und die Wanderunterstützungskasse. 1932 waren die Vorsteher: Isidor
Ullmann, Gustav Gerst und Gustav Lauber. Weiterhin war Naftali Bamberger Lehrer
und Kantor. Als Lehrer wird in diesem Jahr Max Heippert genannt (Nachfolger von
Robert Einstädter seit 1930, zuvor in Scheinfeld). Er
unterrichtete an der Jüdischen Volksschule 24 Kinder. Dazu erhielten im Schuljahr
1932/33 62 Kinder Religionsunterricht.
1933 wurden 360 jüdische Einwohner gezählt. Trotz
zunehmender Entrechtung, der Boykottmaßnahmen und zahlreicher Repressalien
bestand ein reges jüdisches Leben in der Stadt fort. Zwar sind jüdische
Einwohner in den Folgejahren verzogen beziehungsweise ausgewandert, andererseits
zogen Juden aus umliegenden Landgemeinden nach Kitzingen zu. Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Synagoge geschändet, geplündert und in Brand gesetzt, dazu
wurden zahlreiche Wohnungen jüdischer Familien verwüstet und ausgeraubt. 57 Kitzinger Juden wurden
verhaftet und im großen Saal des Amtsgerichts (Ritterstraße) gefangen
gehalten. 23 wurden danach in das KZ Dachau verschleppt (weitere Angaben
siehe unten beim Abschnitt zur Geschichte der Synagoge). 1938 und 1939
verließen viele der jüdischen Einwohner die Stadt. Insgesamt sind vor Beginn
der Deportationen 192 Juden emigriert, darunter 84 in die USA, 52 nach
Palästina. 111 verzogen in andere deutsche Städte. Von denen, die 1942 noch in
der Stadt waren, wurden am 24. April 76 Personen in das Vernichtungslager Izbica
(bei Lublin, Polen) deportiert, am 23. September 1942 19 Personen in das KZ
Theresienstadt.
Von den in Kitzingen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem): Harry Abraham
(1898), Alfred Adler (1915), Edith Adler (1899), Trude Adler (1905), Naphtali
Bamberger (1875), Dora Bauer geb. Rosenthal (1898), Gertraud Bauer (1923),
Hermann Bauer (1887), Horst Bauer (1925), Walter Bauer (1938), Mina Bayer
(1894), Lucie de Beer geb. Adler (1906), Amalie Blum geb. Frohmann
(1860), Sara Blumberg (1864), Carola Böhm geb. Feldhahn
(1902), Ruth Breslauer (1920), Selma Buxbaum geb. Klugmann (1878), Adolf Charon
(1878), Alfred Ebstein (1909), Denny Ebstein (1938), Margot Ebstein geb. Mattes
(1909), Clara Eichenbronner geb. Rothstein (1878 oder 1880), Erich Eichenbronner
(1920), Nathan Eichenbronner (1875), Siegfried Eichenbronner (1915), Hedwig
Eschwege (1868), Selma Ettinghausen geb. Stern (1883), Abraham Fuchs (1885),
Mathilde Fuchs geb. Adler (1886), Kurt Gern (1913), Louis Gern (1877), Recha
Gern geb. Kahn (1885), Berta Gerst geb. Badmann (1883), Gustav Gerst 1871),
Siegfried Gerst 1875), Jachett (Jette) Glückstein (1896 oder 1898), Julius Glückstein
(1905), Salomon Glückstein (1907), Else Goldschmidt geb. Fromm (1885), Bella Grünbaum
(1911), Berta Hahn geb. Schuster (1911), Justin Hahn (1921), Rosa Hahn geb.
Sondheim (1891), Simon Hahn (1881), Adolph Hecht (1893), Berta Heimann geb.
Schur (1886), Lina Hichberger (1873), Moritz Hichberger (1874), Jonas Jakubowicz
(1910), Margarete Jakubowicz geb. Glückstein (1909), Renate Jakubowicz (1936),
Adolf Kahner (1869), Gisela Katzenstein geb. Silber (1892), Abraham Katzmann
(1878), Bella Katzmann geb. Kellermann (1900), Emanuel Katzmann (1884 oder 1887
oder 1890), Frieda Katzmann (1895), Gert Katzmann (1924), Heinz Katzmann (1923),
Gertrude (Trude) Katzmann (1928 oder 1930), Inge(borg) Katzmann (1921), Laura
Katzmann (geb. ?), Max Katzmann (1889 oder 1893), Moritz Katzmann (1880 oder
1881), Rosa Katzmann geb. Hess (1894), Johanna (Anna) Kauf geb. Glückstein
(1899 oder 1901), Felix Klein (1875 oder 1877), Hermine Klein (1920), Mathilde
Klieger geb. Glückstein (1899), Moritz Klugmann (1880), Stefanie Lebermann geb.
Neumann (1909) Otto Liebenstein (1922), Salomon Liebenstein (1882), Therese
Liebenstein geb. Meyer (1890), Betty Lustig geb. Feuchtwanger (1888), Moritz
Lustig (1879), Edith Maier (1922), Hedwig Maier (1886), Leopold Mayer (1883),
Rosa Mayer (1896), Sussmann Mayer (1888), Adelheid (Adele) Oppenheimer (1882),
Benno Oppenheimer (1907), Berta Oppenheimer (1922), Gerda Oppenheimer (1922),
Isaak Oppenheimer (1879), Leopold (Jehuda) Oppenheimer (1880), Marianne (Mirjam)
Oppenheimer (1927), Mina Oppenheimer geb. Sussmann (1893), Moses Oppenheimer
(1875), Otto Oppenheimer (1927), Rachel Oppenheimer geb. Schur (1891), Recha
Oppenheimer geb. Tachauer (1880), Sofie Oppenheimer (1881), Berta Reich geb.
Wertheimer (1892), Emil Reich (1884), Herbert Reich (1922) Israel Reich (1922),
Margot Reich (1921), Meta Reich geb. Stein (1888), Rena Reich (1927), Ruth Reich
(1922), Izak Kurt Reinemann (1911), Irma Reinemann geb. Klugmann (1889 oder
1890), Emma Reinthaler geb. Kamm (geb. ?), Frieda Rogulla geb. Cheimowitz
(1895), Louis Rosenbusch (1880), Siegbert Rosenbusch (1883), Meta Rosendahl geb.
Bergmann (1907), Frieda Rossmann geb. Feuchtwanger (1891), Berta Rothschild geb.
Golomb (1891), Betty Rothstein (1871), Paula Rothstein geb. Eisemann (1882),
Moritz Rothschild (geb. ), Günter Schlössinger (1927), Klara Schlössinger
geb. Katzmann (1886), Moses Schlössinger (1890), Aron Schönfärber (1865),
Frieda Schönfärber geb. Adler (1909), Berta Schönfeld (1900), Mina Schönfeld
geb. Bauer (1886), Moses Schönfeld (1880), Schie Schönfeld (1889), Pauline
(Paula) Sichel geb. Mayer
(1874), Paula Simon (1926), Rosa Sohn (1864), Berta Sonder geb. Wild
(1872), Gertrud Sonder (1886), Simon Sonder (1867), Julius Sondheim (1893), Max
Sondheim (1867), Else (Elsa) Stein geb. Siegel (1907), Josef Stein (1897), Kurt
Stein (1907), Rosa Stein geb. Rossmann (1880),
Werner Stein (1936), Hilda Stern (1890), Lillo Stern (1920), Siegmund
Stern (1877), Jakob Stiebel (1887), Fanny Stiefel geb. Rosenbaum (1877), Leo
Stiefel (1881), Salomon Stiefel (1879), Hugo Strauss (1888), Julius Strauss
(1896), Flora Wertheim geb. Klein (1875), Moritz Wertheim (1878) Oskar Wertheim
(1884), Jette Wild (1875), Lilly Willner geb. Flamm (1906 oder 1908), Elli
(Erna) Wilmersdorfer geb. Eichenbronner (1902), Leo Wohlgemuth (1925), Luise
Wohlgemuth geb. Ichenhäuser (1892), Elfriede Zimmer (1916), Jenny Zimmer geb.
Rabinowicz (1883), Lioba Zimmer geb. Widetzky (1893), Moritz Zimmer (1907).
Zur Geschichte der Synagogen
Mittelalterliche Synagoge
Im 16. Jahrhundert befand sich eine Synagoge auf
einem erhöhten Platz hinter
dem Stadtgraben im Haus Nr. 6 der Oberen Bachgasse.
Naphtalie
Bamberger (1908, s.Lit.) S. 13: "Die Synagoge stand direkt hinter dem
Stadtgraben, in der Nähe der Klostermauer auf einem ziemlich hohen Platze
und ist heute noch als solche mit dem Namen 'Judentempel' bezeichnet und
zu erkennen. Das Haus Nr. 6 in der oberen Bachgasse ist auf das
bestimmteste als die Synagoge aus jener Zeit zu betrachten und ist als
solche festgestellt. Die Bauart des ganzen Hauses und seiner Nebenräume
lässt auf Wohlstand und Opferwilligkeit der damaligen jüdischen Bewohner
schließen. Der größte Raum, welcher die Männersynagoge bildete, war
ungefähr 6 1/2 m lang und 4 1/2 m breit. Die Wände waren sehr massiv
gebaut und zeigen symmetrisch geordnete viereckige Nischen, die jedenfalls
Verziehungen waren. In der Mitte der Ostwand (Mainseite) befindet sich
eine besonders tiefe Nische, in welcher gewisse der Oraunhakodesch
(Toraschrein) stand. In der Südwand, wo sich der Eingang zur
Männersynagoge befand, war direkt neben dem Eingang eine Armenbüchse
angebracht; es war dies ein ausgehöhlter Stein, dessen Öffnung mit einer
kleinen Gittertüre verschlossen war. In einer Höhe von ca. 3 1/2 m sieht
man noch ein festes, breites Steingesimse, welches um alle vier Wände
herumläuft. Darauf ruhte die Frauenempore. Wenn auch das ganze Gebäude
zu einem Wohnhause umgebaut ist, so zeigt doch auch dessen äußere
Spitzform noch die Eigentümlichkeiten, an denen man Synagogen aus dem 16.
Jahrhundert erkennen kann. Im Keller unter der Synagoge war noch bis vor
15 Jahren die Vertiefung des Ritualbades zu sehen. Die Juden wohnten aller
Wahrscheinlichkeit nach in der Nähe des Gotteshauses, da aus
verschiedenen Aktenstücken zu ersehen ist, dass sie nur hinter der
Klostermauer sich ansässig machen durften." |
Das Gebäude dieser alten Synagoge ist nicht erhalten. Es
wurde - zuletzt als Wohnhaus genutzt - durch ein Bombardement im Zweiten
Weltkrieg (am 23. Februar 1945) zerstört. Nur Reste der Südwand der Synagoge,
in der früher die Armenbüchse der Synagoge eingelassen war, blieb auch nach
1945 erhalten.
Die alte Synagoge von 1715 bis 1789
1715
wollten die damals in Kitzingen lebenden jüdischen Familien eine neue Synagoge
erbauen. Dabei hat Jud Hirsch auf eigene Kosten eine prächtige Synagoge
errichten wollen, mit einem "schönen frontispicium auf die Art, wie an
hiesiger Ursulinen-Klosterkirch zu sehen". Dies freilich führte zu
einer Anzeige des Kitzinger Pfarrers beim Fürstbischof von Würzburg. Er bat den Kitzinger Stadtvogt um Stellungnahme, wobei er den Neubau mit
praktischen Erwägungen begründete, ihn aber als einfachen Zweckbau beschrieb
und den links abgebildeten Plan beifügte. Danach war die Synagoge als ein
dreiachsiger Zweckbau geplant. Der Zugang erfolgte durch die angebaute Scheune,
in der die Wohnung des jüdischen Lehrers und Vorbeters eingerichtet werden
sollte. Der kolorierte Plan wurde von G.C. Spielberger angefertigt.
Der Betsaal von 1867 bis 1883
Die seit 1863 zugezogenen jüdischen Familien bildeten
zunächst noch keine eigene Gemeinde und besuchten an Sabbaten und Feiertagen
die Synagogen in Mainstockheim und Sickershausen. Zeitweise bestand auch die
Absicht der zugezogenen jüdischen Familien, sich der Gemeinde in Großlangheim
anzuschließen.
Im Jahr der Wiederbegründung der Gemeinde 1865 konnte zunächst eine
Betstube im Haus des Herrn Emil Hellermann (aus Rödelsee) in der Ritterstraße
eingerichtet werden. Der erste Minjan (Zehnzahl der religionsmündigen
jüdischen Männer) waren die Herren: A.B. Stern, Bernhard und Louis Scheidt,
Emil Hellermann, Aron Gerst, Moritz Bär, Lehrer Sonn, M. Brandis, A.
Freudenreich, Joseph Kirsch und J. Steigerwald.
Nachdem durch weiteren Zuzug jüdischer Familien die Betstube im Haus Hellermann
nicht mehr ausreichte, pachtete die jüdische Gemeinde ein der Stadt
gehörendes, im protestantischen Schulgebäude sich befindliches großes
Schulzimmer, das sich durch seine Geräumigkeit, die angepasste Ausstattung und
Helligkeit zur Einrichtung einer Synagoge eignete. Der Pachtpreis betrug 130
Gulden jährlich. Die Einweihung dieser Synagoge konnte am
20. September 1867 durch den damaligen Rabbinatskandidaten Immanuel Adler
(angestellt in Mainstockheim als Institutslehrer, wenig später als Rabbiner,
seit 1871 in Kitzingen) vorgenommen werden. Die Zeitschrift "Der Israelit" berichtete in ihrer
Ausgabe vom 10. Oktober 1867:
Kitzingen,
29. September (1867). Es sind gerade hundert Jahre, dass die Juden aus
Kitzingen, angeblich und verleumderisch beschuldigt, die Brunnen vergiftet zu
haben, vertrieben und ihrer Habe beraubt worden sind. In hochherziger Weise hat
nun der hiesige Magistrat den jetzt hier ansässigen Israeliten mit vielem
Aufwande ein Lokal als Betsaal eingerichtet und damit bewiesen, dass er, der
alten ungegründeten Vorurteile abhold, die Fehler der Ahnen wieder gut zu
machen und zu sühnen sucht. Die Einweihung des Betsaales wurde am 20. dieses
Monates durch Rabbinatskandidaten Adler vollzogen und durch eine ausgezeichnete,
sehr treffende Predigt verherrlicht. Der ganze Akt war ein erhebender Moment und
wurde von vielen der nichtjüdischen hiesigen Einwohner mit innigem Gefühle
geteilt. Möge dies schöne Werk durch Eintracht und gegenseitige Liebe gekrönt
werden! |
Die Synagoge von 1883 bis 1938
Bereits seit Mitte der 1870er-Jahre sammelte die jüdische
Gemeinde für den Neubau einer Synagoge. Vorsteher Hirsch Stern rief eine
Synagogenbaukasse ins Leben. 1879 bestand das Vermögen der Kasse bereits aus
3.550 Mark, aufgebracht durch Spenden. 1881 wurden die Pläne konkret. In einer
Gemeindeversammlung 1881 wurden verschiedene Vorschläge zum Erwerb eines
geeigneten Grundstückes für die Synagoge diskutiert. Vier Grundstücke kamen
in die engere Wahl: das Hotel zum R0ß, die Lateinschule, eine Baustelle am
südlichen Glacis und die Hofmann'sche Scheuer mit dem Pfund'schen Haus in der
Schrannenstraße. Letzteres wurde als geeignet bestimmt. Am 27. November 1881
wurden die beiden Gründstücke für zusammen 20.000 Mk. käuflich erworben. Am
25. Dezember 1881 wurde ein Baukomitee bestimmt. Pläne zur neuen Synagoge wurden
von Bautechniker Schneider aus Kitzingen gezeichnet. Er hatte mit den Herren des
Baukomitees zuvor Synagogen in Frankfurt, Mannheim, Karlsruhe und anderen
Städten besichtigt. Die Ausführung des Baus übernahm Baumeister Korbacher.
Die feierliche Grundsteinlegung der neuen Synagoge fand am 31. Juli 1882
statt. Ende August 1883 war der Bau vollendet.
Die Einweihung der Synagoge am 7., 8. und
9. September 1883
Naphtalie Bamberger: Die Geschichte der
Juden von Kitzingen (1908). S. 27-29: "Die Vorbereitungen zum Feste der
Einweihung, welche am 7., 8. und 9. September 1883 stattfand, wurden
allseitig getroffen und jede israelitische Familie rüstete sich, die
erhabene Feier festlich zu begehen. Mit nicht minder wohlwollender
Anteilnahme sah aber auch die übrige Einwohnerschaft dieser Feier
entgegen. Dieselbe verlief in überaus erhebender Weise und alle
diejenigen, die das Glück hatten, teilnehmen zu können, denken noch
heute mit Befriedigung daran zurück. In programmmäßiger Weise verlief
die Einweihung folgendermaßen: Nach dem letzten Mincha oder
Nachmittagsgottesdienste in dem seither als Synagoge benützten Saale des
protestantischen Schulhauses sprach Herr Distriktsrabbiner Adler Worte des
Abschieds, darin hervorhebend, dass, obzwar in der Trennung von einer
Stätte, an welcher man während eines bedeutenden Stückes der so kurz
bemessenen Lebenszeit die geweihtesten Momente des Lebens verbracht habe,
etwa Wehmütiges liege, doch wiederum der Gedanke, dass man in ein neues,
schöneres Gotteshaus ziehe, höchste erfreuende und erhebende Gefühle
erwecke. Nachdem alsdann die Torarollen aus der Lade herausgenommen und
den dazu berufenen Gemeindemitgliedern übergeben worden waren, fanden
sich die von einer Deputation abgeholten Mitglieder des Magistrats und der
Gemeindebevollmächtigten, dann die H.H. kgl. Beamten und sonstigen
Ehrengäste ein, worauf sich der Festzug unter den Klängen der
Schubert'schen Kapelle in Bewegung setzte und, geleitet von einer
unzähligen Volksmenge, zur neuen Synagoge zog. An der Pforte derselben
wurde zunächst ein Choral gesungen und alsdann vom Herrn
Distriktsrabbiner Adler einige auf die Öffnung der Pforten Bezug habende
Psalmverse gesprochen. Hierauf überreichte die Schülerin Emma Lauber dem
Herrn rechtskundigen Bürgermeister Sertorius auf einem seidenen Kissen
den Schlüssel zur Synagoge, ihn in gebundener Rede ersuchend, die
Synagoge, welche eine Zierde der Stadt sei, zu öffnen und dadurch
darzutun, dass in unserem Lande ein jeder ohne Unterschied des Glaubens in
dem andern den Mitbruder erblicke. Der Herr Bürgermeister nahm den
Schlüssel entgegen und öffnete die Tore, nachdem er zuvor an die
Vorstände des israelitischen Kultusgemeinde eine kurze Ansprache gehalten
hatte. Nun strömte alles, was Zutritt hatte, in die festliche beleuchtete
Synagoge und beschaute staunend und bewundernd die schönen Räume und
deren herrliche Ausstattung.
Nach verschiedenen Gesängen und Rezitationen von Psalmen und nach
dreimaligem Umzuge mit den Torarollen bestieg der Herr Distriktsrabbiner
die Kanzel und hielt die Weihepredigt. Zunächst hieß er die Anwesenden
willkommen und erflehte für alle , die zur Feier erschienen, ohne
Unterschied der Konfession, für alle, die an dem schönen Gotteshause
mitgearbeitet und für seine Gemeinde den Segen des himmlischen Vaters;
dann verbreitete er sich über das Wesen der öffentlichen Gottesverehrung
und deren veredelnde Folgen, wobei er als Text 1. Buch der Könige Kap. 8,
Vers 61 zu Grunde legte.
Die Predigt machte durch ihre edle Sprache und ihren, wahre Frömmigkeit
und Nächstenliebe atmenden Inhalt, auf jeden tiefen Eindruck. Nach der
Predigt wurde Psalm 111 gesungen und hierauf das Ner tamid, das
beständige Licht, angezündet, dessen Symbolik von dem Herrn Rabbiner
dahin erläutert wurde, dass es auf das Licht der Vernunft im Menschen,
das in seiner Lauterkeit bewahrt werden soll, auf Gott, der ein Gott des
Lichtes und der Wahrheit sei, und auf seine Lehre, die hell, lauter und klar
sei, hinweisen wolle. Nach einem feierlichen Gebete für Seine Majestät
den König und das hohe Königliche Haus schloss mit Absingen des 150. Psalms
die erhebende Feier
Dieselbe verlief unter zahlreicher Beteiligung der hiesigen und der von
auswärts zugeströmten Bevölkerung in würdevoller Weise ohne Störung;
ein Beweis, dass die verschiedenen Konfessionen dahier friedlich
nebeneinander wohnen. Möge es auch fernerhin immer so bleiben." |
Durch zahlreiche Schenkungen war die Synagoge
reich mit Torarollen und Ritualien ausgestattet. Naphtalie Bamberger in seiner Die Geschichte der
Juden von Kitzingen (1908) zählt S. 41-42 auf: es gab 1908 neun Torarollen
(eine von der Gemeinde Sommerach, eine von der Gemeinde Sickershausen, jeweils
eine gestiftet von Babette Kahner, Aron Gerst, Abraham und Lippmann Frank, Jakob
Klugmann, Simon Klugmann, Moritz Klugmann); 15 Toramäntelchen (zwei von
der Gemeinde Sommerach, zwei von der Gemeinde Sickershausen, je eines gestiftet
von Nathan Gerst, Elias Mayer, Moses Mayer I., Viktor Mayer, Jakob Klugmann,
Julius Klugmann, Benjamin Stern, Siegmund Stern, A.B. Stern, Joel und Louis
Stein); eine Heilige Lade (Aron-Hakodesch), gestiftet von Hirsch
Stern; Toraschreinvorhänge (je einer gestiftet vom israelitischen
Frauenverein Kitzingen, einer von verschiedenen Frauen, die nicht dem
Frauenverein angehörten, einer von Sigmund Stern (siehe Bericht unten), Schulchandecken
(je eine gestiftet von Viktor Mayer, Simon Klugmann, A.B. Stern), ein Kronleuchter
(gestiftet vom Wohltätigkeitsverein Chebras-Gemillus-Chasodim), zwei Tafeln mit
dem Königsgebet (gestiftet von Hirsch Stern), Toraschmuck (von der Gemeinde
Sommerach).
Spende eines Toraschreinvorhanges durch Sigmund Stern
(1884)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1884:
"Kitzingen am Main. Unsere Synagoge erhielt dieser Tage ein
Parauches, das aus dem rühmlichst bekannten und auch in Ihrer
geschätzten Zeitung schon lobend erwähnten Kunststickerei-Atelier des
Herrn Abraham Schwaab in Straßburg im Elsass hervorgegangen. Dasselbe ist
im Auftrage des edlen Spenders Herrn Sigmund Stern, Eisenhändler dahier,
angefertigt worden und wir müssen gestehen, dass die Arbeit unsere Erwartungen
weit übertroffen hat. Herr Schwaab besitzt das eigenartige Talent, die
großen in unserer heiligen Religion enthaltenen Ideen in geschmackvoller
Weise zu symbolisieren, ebenso wie seine für die Synagoge bestimmten
Kunstwerke stets die Erinnerung an unser in Trümmer liegendes heiliges
Haus (sc. = Tempel in Jerusalem) wachrufen. So erblicken wir
beispielsweise auf dem neuen Vorgange zwei große Säulen, welche nach der
Zeichnung der unlängst in Jerusalem gefundenen Säulen gestickt sind und
die, wie von Kennern behauptet wird, aus dem Tempel Salomonis herrühren.
Auf den Sockeln der beiden Säulen ist die Menora sowie das Schaubrot
in geschickter Weise angebracht. Die Mitte bildet die Lade mit den beiden Kerubim.
Möge Herr Schwaab, der wie wir überzeugt sind, mehr des himmlischen als
des irdischen Lohnes wegen, arbeitet, seinem schönen Berufe noch eine
lange Reihe von Jahren in ungeschwächter Kraft obliegen können." |
Brand in der Synagoge (1908)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Januar
1908: "Kitzingen, 13. Januar (1908). In der hiesigen Synagoge
entstand jüngst ein Kaminbrand. Das Feuer wurde rechtzeitig bemerkt und
gelöscht. Der Schaden ist gering." |
Im Sommer 1908 wurde die Kitzinger Synagoge umfassend renoviert und
neu eingeweiht. Bei den Bauarbeiten kam es zu einem schweren Unfall:
Unfall in der Synagoge (1908)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. August 1908: "Würzburg,
22. August (1908). Bei den Renovierungsarbeiten der Synagoge in Kitzingen
in Bayern stürzten vier Personen von dem Gerüst, von denen ein Lehrling
getötet und die anderen drei Arbeiter schwer verletzt wurden." |
| |
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. August
1908: "Kitzingen. In der hiesigen Synagoge, die
gegenwärtig renoviert wird, hat sich ein grässlicher Unfall ereignet.
Das Gerüst stürzte plötzlich ein, ein Lehrling blieb tot am Platze, ein
Geselle erlitt einen Arm-, ein anderer einen Beinbruch und der Meister
einen Nasenbeinbruch. Der große Leuchter und ein Kandelaber sind
vollständig zertrümmert." |
Die Wiedereinweihung der Synagoge wurde mit der Feier des 40jährigen
Amtsjubiläums des Rabbiners Adler verbunden:
Kurzer
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. Oktober 1908:
"Die israelitische Gemeinde zu Kitzingen hat jüngst die neue Einweihung
ihrer Synagoge und das 40jährige Amtsjubiläum ihres Rabbiners Adler
gefeiert".
|
Besuch des Regierungspräsidenten in der Synagoge
(1917)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. März 1917:
"Bei seiner Anwesenheit in Kitzingen beehrte der Herr
Regierungspräsident von Unterfranken und Aschaffenburg u.a. auch die
dortige Synagoge mit seinem Besuche, woselbst er von Herrn
Distriktsrabbiner Dr. Wohlgemuth und den Kultusvorständen empfangen
wurde." |
Enthüllung der Gedenktafel für die Gefallenen des
Ersten Weltkrieges (1921)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. April
1921: "Kitzingen, 28. März (1921). Die feierliche Enthüllung
der Gedenktafel für die im Weltkriege gefallenen und vermissten
Angehörigen der israelitischen Kultusgemeinde Kitzingen, fand am Sonntag,
20. März, vormittags 11 Uhr, in der Synagoge statt. Außer den
vollzählig erschienenen Mitgliedern der israelitischen Gemeinde leisteten
die Vertreter der Behörden der Einladung Folge. Die Feier wurde durch
einen äußerst weihevoll vorgetragenen Gesang des Synagogenchores unter
Leitung des Chordirigenten, Herrn Lehrer Einstädter eröffnet.
Dann bestieg Herr Distriktsrabbiner Dr. Wohlgemuth die Kanzel, um
die Weihepredigt zu halten, die tiefen Eindruck hinterließ. Es folgte
nunmehr ein Sologesang des Herrn Kantors Bamberger. Sodann nahm der
erste Vorstand der israelitischen Gemeinde, Herr Isidor Ullmann,
nach kurzer, treffender, markiger Ansprache die Enthüllung der
Gedenktafel vor. Er sprach den teuren Toten den Dank der Gemeinde aus,
verband damit das Gelöbnis, ihr Andenken stets in hohen Ehren halten zu
wollen und verlas den text der Tafel nebst den Namen der Gefallenen und
Vermissten. Bei geöffneter heiliger Lade rezitierte sodann der Kantor das
Seelengebet für die Gefallenen. Darauf ergriff der erste Bürgermeister,
Herr Dr. Schuster, das Wort, um in eindrucksvoller Rede namens der Stadt
Kitzingen den Gefühlen des Schmerzes, aber auch des Stolzes Ausdruck zu
geben. Die schlichte, aber in ihrer edlen stilgerechten Einfachheit umso
eindrucksvollere Gedenktafel ist ein wohlgelungenes Werk des einheimischen
Bildhauers Herrn Rother. Die Namen der Gefallenen sind: Sally Gerst,
Richard Hirschberger, Joseph Rosenthal, Dr. Moses Schur, Stefan Sonder,
Adolf Stein, Justin Stein, Willy Stein, Simon Weinberg. Die Namen der
Vermissten sind: Josua Schur, Isidor Schur." |
50-jähriges Bestehen der Synagoge (1933)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1.
November 1933: "Kitzingen. Am dritten Tage des Sukkot-Festes (sc. Laubhüttenfestes)
feierte unsere Gemeinde das 50jährige Bestehen ihrer Synagoge. Aus diesem
Anlass fand in der Synagoge ein feierlicher Festakt statt. Nachdem der
Synagogenchor unter der Stabführung des Herrn Josef Schächter zusammen
mit Kantor und Lehrer Naftali Bamberger Ma Tauwu und Lecho Daudi
zum Vortrag gebracht hatten, fand ein feierlicher Umzug sämtlicher
Torarollen statt. Dann ergriff Herr Bezirksrabbiner Dr. Josef Wohlgemut
das Wort zur Festpredigt. Eingangs schilderte er die Geschichte der jungen
Gemeinde und betonte die Opferfreudigkeit und den weit ausschauenden Blick
ihrer damaligen Führer, denen es zu verdanken ist, dass die Kitzinger
Gemeinde ein so großes und schönes Gotteshaus besitzt. Das Gebet ist ein
Spiegelbild des menschlichen Lebens in allen seinen Tiefen und Höhen, die
Synagoge ein Sammelpunkt der jüdischen Gemeinschaft und ein Tor zum
Himmel, wie es König Salomo in seinem Weihegebet gesagt hat. Die Synagoge
will den Totalitätsanspruch des Judentums auf das ganze Leben in Beruf
und Familie uns nahe bringen. Die Ansprache klang aus in den Dank an die
derzeitige Vorstandschaft, die Herren: Isidor Ullmann, Gustav Gerst und
Gustav Lauber und in ein Gebet um Segen und Beistand für unsere Gemeinde
und ihr Gotteshaus." |
| |
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober
1933: "Kitzingen, 14. Oktober (1933). Am dritten Tage des
Sukkot-Festes feierte unsere Gemeinde das 50-jährige Bestehen ihrer
Synagoge. Aus diesem Anlass fand in der Synagoge ein feierlicher Festakt
statt. Nachdem der Synagogen-Chor unter Führung des Herrn Josef
Schächter zusammen mit Herrn Kantor Naftali Bamberger 'Ma tauwo' und 'Lecho
daudi' zum Vortrag gebracht hatten, fand ein feierlicher Umzug mit
sämtlichen Torarollen statt. Nun ergriff Herr Bezirksrabbiner Dr. Josef
Wohlgemut das Wort zur Festpredigt. Eingangs schilderte er die Geschichte
der jungen Gemeinde und betonte die Opferfreudigkeit und den weit
ausschauenden Blick ihrer damaligen Führer, denen es zu verdanken ist,
dass die Kitzinger Gemeinde ein so großes und schönes Gotteshaus
besitzt. Die Ansprache klang in den Dank an die derzeitige Vorstandschaft
aus." |
Ein letzter Höhepunkt in der Geschichte der Kitzinger Synagoge vor dem
Novemberpogrom 1938 war die Amtseinführung des Bezirksrabbiners Gotthelf
Wohlgemuth in der Gemeinde Kitzingen am 29. August 1937.
Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung
vom 15. September 1937: Am 29. August fand in der festlich geschmückten
Synagoge in Kitzingen die feierliche Installation des neu gewählten
Bezirksrabbiners Gotthelf Wohlgemuth - Sohn des zu früh heimgegangenen Dr.
Joseph Wohlgemuth seligen Angedenkens - statt. Unter großer Teilnahme der
Nachbargemeinden, vor allem der Gemeinde Würzburg, auswärtiger Gäste und der
Mitglieder der Kitzinger Gemeinde selbst verlief die schöne Feier. Der erste
Vorstand, Herr Gustav Lauber, begrüßte zunächst die Erschienenen. Er dankte
Herrn Rabbiner Dr. Hanover für die 2 1/2 jährige Verwaltung des
Rabbinatsbezirks und dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden, der wie
Wiederbesetzung in Verbindung mit dem Rabbinat Ansbach ermöglicht hat.
Gemeindevorstand Lauber wandte sich alsdann an den jungen Rabbiner und legte ihm
ans Herz, sich besonders der Jugend zu widmen und die Wohlfahrtspflege zu
betreuen. Herr Rabbiner Dr. Hanover schildere in seiner Festpredigt den
vielseitigen verantwortungsvollen Beruf des Rabbiners in der heutigen Zeit. Er
zeichnete das Bild des verklärten Vaters des neuen Rabbiners und
beglückwünschte diesen auch namens des Verbandes und der Nachbargemeinde
Würzburg zu dem neuen Amt.
In seiner Ansprache gelobte Rabbiner Gotthelf Wohlgemuth der Gemeinde und dem
Bezirk ein treuer Rav zu sein, die Jugend in den Wegen der Tora zu erziehen und
den Notleidenden nach Kräften beizustehen. Er schilderte sodann die Aufgaben
des gesetzestreuen Rabbiners.
Herr Lehrer und Kantor Bamberger überbrachte die Massel-tov-Wünsche der Lehrer
des Bezirks und gab der großen allgemeinen Freude über die Wiederbesetzung des
Rabbinats Ausdruck, insbesondere dem Stolz, seinen ehemaligen Schüler auf
diesem Rabbinatssitz zu sehen. Nach einem Chorgesang, Ma-Tovu, dirigiert von
Herrn Joseph Schächter, schloss die erhebende Feier.
|
Zu den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 der
nachfolgende Abschnitt aus Ophir/Wiesemann s. Lit. S. 333-334: "Der Pogrom
in Kitzingen vom 10.11.1938 wurde von drei Mitgliedern der Kreisleitung der
NSDAP in Würzburg vorbereitet. Sämtliche Angehörigen der örtlichen SS und SA
wurden zusammengerufen und sie erhielten den Befehl, die Synagoge anzuzünden,
die Einrichtungen der jüdischen Häuser zu zerstören und alle jüdischen
Männer festzunehmen und in einer städtischen Schule zu konzentrieren.
Gleichzeitig wurden sie aber angewiesen, Plünderungen und Gewalttätigkeiten zu
unterlassen. An der Spitze der Menge, die in die Synagoge einbrach und sie in
Brand steckte, befanden sich ein Arzt, ein Reichstagsabgeordneter, der Sohn
eines Kommerzienrats (der die Beteiligung seines Sohnes ausdrücklich
missbilligte) und der Ortsgruppenleiter der NSDAP. Die Möbel und Ritualien der
Synagoge wurden vernichtet, die Torarollen zerrissen und verbrannt, und kostbare
Silberanhänger der Torarollen wurden gestohlen. Das in der Synagoge aufbewahrte
Gemeindearchiv wurde zum Teil beschlagnahmt und zum Teil vernichtet. Der Lärm
zog zahlreiche Stadtbewohner an, die dem Brand der Synagoge zusahen. Vermummte
und bewaffnete SS- und SA-Leute drangen in die Häuser der Juden ein und
verwüsteten sie; zahlreiche Einwohner schlossen sich ihnen an und plünderten
die Wohnungen. Ein Jude, der einem SS-Führer den Revolver entrissen hatte,
wurde brutal verprügelt, festgenommen und nach einiger Zeit nur unter der
Bedingung, binnen acht Tagen Deutschland zu verlassen, aus dem Gefängnis
entlassen. Die Wohnungen des Kantors und des Lehrers wurden verwüstet, alle
Fensterscheiben des jüdischen Caféhauses Frankenberger eingeschlagen und
dessen Waren geplündert. Alle jüdischen Männer wurden aufgrund einer
vorbereiteten Liste festgenommen und gemeinsam mit Juden aus den
Nachbargemeinden Kleinlangheim, Mainbernheim und Mainstockheim in das
städtische Gefängnis gebracht. Auf dem Weg dorthin wurden sie von Schulkindern,
die an diesem Tag schulfrei bekamen, beschimpft und verspottet. Nur ein Jude
konnte sich der Verhaftung durch Flucht nach Würzburg entziehen. Kranke und
Alte wurden bald wieder freigelassen, die übrigen aber in Lastautos in das
Gefängnis nach Würzburg gebracht. Als die Wagen an der brennenden Synagoge
vorbeifuhren, hörte man aus der dort versammelten Menge den Ruf: 'Werft sie ins
Feuer!' In Würzburg wurden weitere 14 Juden aufgrund ihres schlechten
Gesundheitszustands freigelassen und 23 in das Konzentrationslager Dachau
transportiert. Einer der aus Würzburg zurückgekehrten Juden bekam angesichts
seines zerstörten Hauses und Weingeschäfts einen Herzanfall, an dessen Folgen
er kurze Zeit später starb."
Die nur teilweise ausgebrannte Synagoge wurde renoviert und nach 1945 als Fabrik
verwendet.
Im Februar/März 1949 fand vor dem Landgericht Würzburg ein Prozess gegen 27
der an dem Novemberpogrom 1938 in Kitzingen Beteiligten statt. 22 Angeklagte
wurden zu Gefängnisstrafen von vier Monaten bis zu drei Jahren und zwei Monaten
verurteilt, die übrigen fünf wurden freigesprochen.
1967 wurde eine erste Gedenktafel am Synagogengebäude
angebracht.
Am 19. Mai 1993 wurde im Rahmen eines Besuchsprogrammes ehemaliger
Kitzinger Juden das in 30 Monaten Bauzeit restaurierte Synagogengebäude wieder eingeweiht. Das
Gebäude dient seitdem für kulturelle Zwecke. Im Erdgeschoss befindet sich an
der Stelle, wo früher der Toraschrein stand, eine
"Synagoge in der Synagoge".
Adressen / Standorte der Synagogen:
 | "Alte Synagoge": Obere Bachgasse 6 |
 | Neue Synagoge: Landwehrstraße |
.
Kurze
Berichte zu weiteren Einrichtungen der jüdischen Gemeinde
Ehemaliger jüdischer Friedhof
Die Toten der jüdischen Gemeinde des 19./20. Jahrhunderts wurden
auf dem jüdischen Friedhof in Rödelsee
beigesetzt. Im Mittelalter gab es vermutlich auch in Kitzingen einen Friedhof.
Darauf wird bereits in einem Artikel der Bayrischen Israelitischen Gemeindezeit
vom 1. Juli 1926 hingewiesen: "Auch in Kitzingen am Main existierte vor der
Anlage des israelitischen Friedhofs bei Rödelsee ein solcher, denn die
Plannummern 4939-45 führen im Grundbuchsachregister die Bezeichnung: "am
Judenkirchhof" oder "Judengottesacker", dort wo am Roten Bach die
sogenannten Pfarrwiesen (6 Morgen) liegen. Nach dem Urbar- und Saalbuch vom
Jahre 1535 scheint dieser Friedhof damals noch im Gebrauch gewesen zu sein; denn
es heißt zum Beispiel: "2 Morgen Acker im Kleinfeld beim
Judenkirchhof", dagegen in der Topographie Codomanns (um 1625):
"Etliche Wiesen, der Judenkirchhof genannt". Vielleicht ist der
Friedhof auch infolge der zwischen 1540 und 1622 wiederholten markgräflichen
Verordnungen auf Abschaffung der Juden aus den brandenburgischen landen
eingegangen. Sicherlich lag er auf klostereigenem Grund und
Boden"
|
Gründung der Israelitischen Volksschule (1914)
Artikel im Frankfurter Israelitischen Familienblatt vom 31. Juli 1914:
"Kitzingen. An die zum 1. September zu eröffnende Israelitische
Volksschule wurden Lehrer Einstädter von Alsenz und Fräulein Goldschmidt
von Würzburg, ferner als Religionslehrer Lehrer Bamberger berufen. |
Fotos
(Quellen: werden noch ergänzt;
die neuen Fotos: Hahn, Sommer 2006 und Mai 2007*).
 |
 |
 |
| Historische
Ansichtskarten von Kitzingen mit der Synagoge |
| |
 |
 |
 |
| Historische Außenansicht |
Historische Innenansicht |
Torazeiger aus der Synagoge |
| |
|
|
Brand der
Synagoge beim
Novemberpogrom 1938
(Artikel erhalten von
Joachim Braun, Würzburg) |
 |
|
| |
Fotos
aus Privatbesitz von Ilse Walther, abgedruckt im "Würzburger
katholischen Sonntagsblatt" Nr. 45 vom 9. November 2008: "Vor
den Augen der Bevölkerung fiel die Synagoge von Kitzingen den Flammen zum
Opfer. Ein Bewohner der Stadt fotografierte diese Szene heimlich am 10.
November 1938." |
| |
|
|
Fotos von
2006/07
(Fotos: Hahn; die Fotos mit blauem Himmel Sommer 2006, die anderen
28.5.2007) |
|
 |
 |
 |
| Blick auf die
Fassade des Synagogengebäudes |
Eingangsportal |
| |
|
 |
 |
 |
| Seitenansichten von der Landwehrstraße |
| |
 |
 |
 |
| Blick vom Mainufer |
Längsseite |
| |
|
 |
 |
 |
| Das Gebäude der
Israelitischen Elementarschule in der Landwehrstraße 21-23. Nach der
Zerstörung der Synagoge wurde in diesem Gebäude ab März 1939 ein
Gebetsraum eingerichtet. Das Gebäude war letztes Wohnhaus
("Judenhaus") der Kitzinger Juden vor den Deportationen
1942. |
Gedenktafeln
am
Synagogengebäude |
| |
| |
|
Erinnerungsarbeit vor
Ort - einzelne Berichte
| März 2011:
Neue Publikation zur Geschichte der Kitzinger
jüdischen Familien - Auszeichnung für Michael Schneeberger |
Foto
links von Michael Kämmerer: Druckfrisch: Michael Schneeberger und Dagmar Voßkühler werfen einen Blick in das Buch über die Geschichte der Juden in Kitzingen.
Artikel von Michael Kämmerer in der "Main-Post" vom 3. März
2011 (Artikel):
"KITZINGEN. Die jüdische Geschichte als Selbstverpflichtung
Förderverein ehrt Michael Schneeberger für dessen unermüdliche Arbeit
Das Programm, das Dagmar Voßkühler den Mitgliedern des Fördervereins Ehemalige Synagoge in Aussicht stellte, klang verlockend: eine zügige Hauptversammlung und anschließend zwei Überraschungen. Also blickte die Vorsitzende in der gebotenen Kürze auf das abgelaufene Jahr des 100 Mitglieder großen und 1992 gegründeten Vereins, dessen Zweck darin liegt,
die Kultur und Geschichte des Judentums bekannt zu machen – sei es durch den Holocaust-Gedenktag, wissenschaftliche Vorträge oder Exkursionen zu den Stätten jüdischer Lebensart. Der Verein veranstaltete dies zuletzt in einer soliden finanziellen Situation, wie Vorstandsmitglied Uwe Zalder zusammenfasste.
Der Zustand der Kasse soll sich weiter verbessern: nicht nur durch den von 15 auf 20 Euro erhöhten Jahresbeitrag. Nach langer Arbeit ist ein von den Kitzinger Historikern Dr. Elmar Schwinger und Michael Schneeberger verfasstes Gedenkbuch entstanden, das der Verein am 2. Mai dieses Jahres, dem Holocaust-Gedenktag, vorstellen möchte – eine der Überraschungen, die Voßkühler den Mitgliedern versprochen hatte. Nicht zuletzt der Abschluss des Buchprojekts veranlasste den Verein – zweite Überraschung –, Schneeberger eine Ehrenurkunde auszustellen. Er hatte das Werk angeschoben und Jahre geforscht, um die Familiengeschichten der Kitzinger Juden nachzuerzählen.
'Michael Schneeberger liegt uns sehr am Herzen. Er ist einer der Gründer des Vereins und trägt ihn heute noch immer
mit', sagte Voßkühler und würdigte damit Schneebergers jahrzehntelange Verdienste um die jüdische Geschichte.
Der Historiker Prof. Dr. Klaus Arnold skizzierte in einer Laudatio den Lebensweg des 61-Jährigen: von dessen Kindheit und Jugend in Kitzingen, Wanderjahren in Würzburg, München und Berlin, über den Beitritt zum Judentum und persönliche Schicksalsschlägen bis zu Schneebergers umfangreicher Forschung über die Vergangenheit der Juden in Kitzingen.
'Ich bin gerührt, ich wusste von nichts', sagte Schneeberger: 'Mir ist noch nie eine Ehrung zuteil
geworden.' Der Antrieb für seine unermüdliche Arbeit, die in den achtziger Jahren nach einem Aufenthalt in Israel begonnen hatte, war ein anderer.
'Ich sehe das als Selbstverpflichtung', erläuterte Schneeberger: 'Die nächsten Generationen müssen wissen, wie es geschehen konnte, dass Menschen zu Menschen zweiter Klasse
wurden.'
Das knapp 500 Seiten starke Gedenkbuch wird in deutscher und englischer Sprache in einer Auflage von jeweils 500 Exemplaren erscheinen und 25 Euro kosten." |
| |
| |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,1 S. 402-403. |
 | Naphtalie Bamberger: Geschichte der Juden von
Kitzingen. 1908. Reprint 1983. |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 330-335. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 545-551. |
 | Michael Schneeberger: Memorbuch. Zum Gedenken an die
ermordeten Kitzinger Juden (1934 - 1945). Fotografien und
Lebensbeschreibungen. Hrsg. v. Förderverein ehemalige Synagoge Kitzingen, Selbstverlag,
Kitzingen 1996. |
 | Elmar Schwinger: Die jüdische Gemeinde in Kitzingen
(1865-1942). Leben zwischen Erfolg und Katastrophe. Hierin umfassende
Bibliographie. Der Beitrag
ist als Download eingestellt. |
 | ders.: Von Kitzingen nach Izbica. Aufstieg und Katastrophe
der Israelitischen Kultusgemeinde Kitzingen. Hrsg. von Doris Badel. Vorwort
von Josef Schuster / Siegfried Müller / Doris Badel. Schriften des
Stadtarchivs Kitzingen Bd. 9 - Ma'ayan. Quellen und Forschungen zur
Geschichte des ehemaligen Rabbinats Kitzingen. Bd. 3. Kitzingen 2009
Informationen
zum Buch auf Verlagsseite.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Kitzingen Lower Franconia.
An organized Jewish community existed in the mid-12th century, under the
auspices of the rabbi of Wuerzburg. It suffered grievously over the next two
centuries: 11 Jews were tortured and killed in a blood libel in 1242, 15 were
murdered in the Rindfleisch massacres of 1298. Many were again slaughtered in
the Armleder massacres of 1336-39 and the community was totally destroyed in the
Black death persecutions of 1348-49. Jews resettled in the late 14th century
under letters of protection and were fairly prosperous but lived under the
constant threat of expulsion. In 1771, Jews were attacked in food riots and in
1789 they were expelled, only resettling in the 1830s and 1840s and forming an
officially recognized community in 1864. In 1871, Kitzingen became the seat of
the district rabbinate with 26 communities attached to it and Rabbi Immanuel
Adler serving as a chief rabbi until 1911. The Jewish population rose to 337 in
1880 and 478 (total 9,113) in 1910. Jews dominated the very important wine
industry, with 69 wine merchants in 1908. Dr. Josef Wohlgemuth served as
district rabbi in 1914-35. In 1933, Jews numbered 360, augmented by newcomers in
the Nazi era. The prevailing atmosphere of tolerance in previous years soon gave
way to persecution as Jews were isolated economically and socially. On Kristallnacht
(9-10 November 1938), the synagogue was partially burned and all its contents
were destroyed, Jewish homes were wrecked, and 23 Jewish men were sent to the
Dachau concentration camp. Large numbers left in 1938-39. In all 192 Jews
emigrated, including 84 to the United States and 52 to Palestine, and 111 left
for other German cities. Of those remaining in 1942, 76 were deported to Izbica
in the Lublin district (Poland) on 24 April and 19 to the Theresienstadt ghetto
on 23 September 1942.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|