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Friedhöfe in der Region"
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Rödelsee (Kreis
Kitzingen)
Jüdischer Friedhof
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
Siehe Seite zur Synagoge in Rödelsee (interner
Link)
Zur Geschichte des Friedhofes
Der jüdische Friedhof in
Rödelsee wurde im 15. Jahrhundert angelegt. Er wird bereits 1432 und wiederum
1526 genannt. 1563 bestätigte die Grundherrschaft (Wilhelm Moritz von
Heßberg) das Bestehen des Friedhof. 1602 wird der Bau der Mauer und eines Taharahauses genehmigt. Der
Rödelseer Friedhof war zentrale Begräbnisstätte mehrerer
umliegender jüdischer Gemeinden, u.a. Großlangheim, Hüttenheim,
Kitzingen, Mainbernheim,
Mainstockheim, Marktbreit.
Es ist mit einer Fläche von 188,30 ar und über 2.500 Grabsteinen einer der
großen jüdischen Friedhöfe
in Bayern. Der Friedhof ist von einer massiven Steinmauer umgeben. Auf Grund
mehrerer Erweiterungen (1614, 19. Jahrhundert) ist der Friedhof in fünf Gräberfelder gegliedert. Links
vom Eingang liegt der jüngere Teil aus dem 19./20. Jahrhundert. Ein
Gefallenendenkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges ist vorhanden. Bereits
vor und in der NS-Zeit wurde der Friedhof mehrfach geschändet (1929, 1932,
1936). Bei Novemberpogrom
1938 wurde das kleine Taharahäuschen in Brand gesetzt. 1950 abgebrochen. Der
Waschstein aus dem Taharahaus wurde 1950 als Gedenkstein aufgestellt. 1981 wurde
er zerstört. 1983 ist ein neuer Gedenkstein zur Erinnerung an die in der NS-Zeit umgekommenen Juden
aus Rödelsee und Umgebung aufgestellt worden.
Aus der Geschichte des Friedhofes
Anmerkung zum jüdischen Friedhof anlässlich des
Hinweises auf einen hier begrabenen Gaon (bedeutender Rabbiner) Isack Günzburg
(Artikel von 1901)
Aus
einem Artikel einer Serie über "Günzburg und die schwäbischen
Gemeinden" vom 19. August 1901: "14, Isack Günzburg, Sohn des
Ascher Aron (Nr. 4), der als großer Gaon bezeichnet wird und für die
Verbreitung von Thorakenntnis eintrat; er wurde in Rödelsee
begraben.
Mit Anmerkung: Rödelsee war ebenfalls eine bedeutende Gemeinde und
gehörte zum Bistum Bamberg (Mtsch 29, 506). Der dortige Cantor, Jakob ben
Isack Halevi verfasst unter dem Titel Kehillat Jaakow eine
im Rhythmus des Samuelbuchs geschrieben gereimte Übersetzung des
Pentateuchs und der Bücher Josua und Richter (Fürth 1692); vgl. Cat.
Bodl. Nr. 5546 (wo der Ortsname richtig zu stellen ist; ebenso Cat.
München 115). Bekanntlich ist der getaufte Paulus Ämilius dort geboren.
Der dortige Friedhof, den ich vor 2 Jahren besuchte, ist sehr alt und von
bedeutendem Umfang. Er steht unter Aufsicht des dortigen Lehrers Frank,
der sich in anerkennenswerter Weise bemüht, als Grabsteine zu kopieren
und für ihre Auffrischung zu sorgen. Ich werde bei anderer Gelegenheit
über diese Grabsteine Näheres mitteilen und will hier nur noch
beifügen, dass Rabbiner und Rabbinerassessoren von Kitzingen,
Mainbernheim, Marktbreit
u.a. hier beerdigt sind. Auch Abkömmlinge der Familie des Samson Wertheimer
fanden hier ihre letzte Ruhestätte (vgl. Kaufmann, Urkundliches aus dem
Leben Samson Wertheimers, S. 121). |
Zum Friedhofsverein "Chebroh kaddischo"
Text aus Naphtalie Bamberger: Geschichte der Juden von
Kitzingen. 1908 S.
38: "Einige Mitglieder hiesiger Gemeinde gehören auch dem Friedhofsverein
'Chebroh kaddischo' zu Rödelsee an, welcher die eigentliche Totenbestattung
vornimmt. Laut Anordnungen dieses Vereins dürfen demselben stets nur 18
Mitglieder angehören, welche aus den Gemeinden gewählt werden, die dem
Friedhofsbezirk Rödelsee angehören. Der Friedhof dortselbst besteht, wie aus
den Akten zu ersehen ist, seit 'urdenklichen Zeiten'. Eine ganz genaue Angabe
der Zeit, wann der Friedhof zu Rödelsee angelegt wurde, ist nirgends zu finden,
doch kann als sicher angenommen werden, dass derselbe mehr als 400 Jahre alt ist.
Dagegen ist aus den Chebroh-Vereinsbüchern zu ersehen, dass die
Chebroh-kdadischo 5465, also vor 202 Jahren (sc. 1705) gegründet wurde. Unter
den ersten 18 Mitgliedern waren auch 2 Kitzinger: Naphtali Sohn des
Samuel-Mosche und Elieser Sohn des Raphael-Salomon. Zum Friedhofbezirk Rödelsee
gehören folgende Gemeinden: Rödelsee, Großlangheim, Kleinlangheim, Mainbernheim, Wiesenbronn,
Kitzingen, Mainstockheim,
Marktbreit, Obernbreit,
Sommerhausen (einige Familien), früher auch Marktsteft, Segnitz, Hohenfeld und Sommerach. |
Der Bau einer neuen Friedhofshalle und die Renovierung des alten Taharahauses (1921)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. September 1921:
"Kitzingen, 15. August (1921). Auf dem laut Rentamtskataster 'seit
urdenklichen Zeiten' bestehenden israelitischen Zentralfriedhofe in
Rödelsee wurde es bisher als großer Missstand angesehen, dass bei
Beerdigungen die üblichen Gebete und Nachrufe unter freiem Himmel
stattfinden mussten; ebenso war das vielleicht mehrere hundert Jahre alte
Häuschen, in welchem die rituellen Waschungen stattfinden, in einem sehr
baufälligen Zustande. Durch eine sehr namhafte, großherzige Spende des
Herrn Julius Klugmann aus New York und seiner Gattin Fränzi, welch
ersterer aus dem zum Friedhofbezirke gehörigen Wiesenbronn stammt, war es
möglich, einen zeitgemäßen, stattlichen Bau zu errichten, sowie das
alte Häuschen gründlich zu renovieren. Die edlen Stifter haben sich ein
großes Verdienst erworben und wurden durch eine an dem Gebäude
angebrachte Erinnerungstafel deren Namen für alle Zeiten
verewigt." |
Berichte von der ersten Friedhofschändung im November 1929
 Kitzingen (Quelle: Bayerische Israelitische Gemeindezeitung
vom 15.11.1929). Ein verbrecherischer Akt, geboren aus dem Sumpf von Rohheit
und Gemeinheit, wurde auf dem israelitischen Bezirksfriedhof Rödelsee bei
Kitzingen verübt. In der Nacht vom 3. auf den 4. November (1929) wurden von
Verbrecherhand 11 Grabsteine umgeworfen und acht von ihnen in vandalischer Weise
zertrümmert. Fünf Steine standen auf Kindergräbern, sechs auf Gräbern von
Erwachsenen. Unter den zertrümmerten Steinen befindet sich auch das Grabdenkmal
des vor Jahrzehnten verstorbenen in Mainbernheim amtierenden Rabbiners
Thalheimer. Es ist schon das zweitemal, dass verrohte Burschen diesen
altehrwürdigen, vor Jahrhunderten angelegten Friedhof geschändet haben. Auch
Einbrücke sind mehrfach verübt worden. Man fragt sich, wie es möglich ist,
dass die Entartung und Verwilderung der Sitten einen solchen Grab erreicht hat.
Das sind die Folgen der Verletzung und Aufpeitschung aller niedrigen Triebe, die
von völkischer Seite ausgehen. Unter der Einwirkung solcher Einflüsse in den
Tätern das Gefühl der Pietät vor den Toten, das selbst den primitiven
Völkern eigen ist, verloren gegangen. Man sollte nicht glauben, dass eine
solche Kulturschande in einem Kulturstaates möglich ist. Wie lange noch will
man die Verhetzung, die solche Früchte zeitigt und dadurch das Ansehen
Deutschlands schändet, dulden? Auf die Ergreifung der Täten setzt die
Friedhofverwaltung eine Belohnung von RM 500.- aus. Anzeige ist erstattet, und
die Nachforschungen werden mit aller Energie unternommen, sodass zu hoffen ist,
dass die Verbrecher gefasst und der verdienten Strafe zugeführt werden können.
Friedhofsschändung in Rödelsee (Quelle: CV-Zeitung vom 8.11.1929). In
der Nacht vom 3. zum 4. November wurden auf dem israelitischen Bezirksfriedhof
in Rödelsee bei Kitzingen elf Grabsteine umgeworfen und acht von ihnen in
vandalischer Weise zertrümmert. Unter den vollständig zerstörten befindet
sich auch das Grabdenkmal des Rabbiners Thalheimer aus Mainbernheim. Zu den
geschändeten Gräbern gehören fünf Kindergräber. Die Fußspuren zeigen nach
Mainbernheim. Da dort kürzlich eine rechtsradikale Versammlung abgehalten
wurde, liegt die Vermutung nahe, dass die Tat eine Frucht dieser Hetze ist. Die Nachforschungen
sind sofort energisch aufgenommen worden. Die Friedhofsverwaltung hat für die
Ergreifung der Schuldigen 500 Mark Belohnung ausgesetzt. |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. November 1929: "Friedhofsschändung.
Kitzingen, 4. November (1929). Von kompetenter Seite wird uns geschrieben.
Ein verbrecherischer Akt, geboren aus dem Sumpf von Rohheit und Gemeinheit
wurde auf dem israelitischen Bezirksfriedhof Rödelsee bei Kitzingen
verübt. In der Nacht vom 3. auf dem 4. November wurden von Verbrecherhand
11 Grabsteine umgeworfen und 8 von ihnen in vandalischer Weise
zertrümmert. 5 Steine standen auf Kindergräbern, 6 auf Gräbern von Erwachsenen.
Unter den zertrümmerten Steinen befindet sich auch das Grabdenkmal des
vor Jahrzehnten verstorbenen in Mainbernheim
amtierenden Rabbiners Thalheimer. Es ist schon das zweite Mal, dass
verrohte Burschen diesen altehrwürdigen, vor Jahrhunderten angelegten
Friedhof geschändet haben. Auch Einbrüche sind mehrfach verübt worden.
Man fragt sich, wie es möglich ist, dass die Entartung und Verwilderung
der Sitten einen solchen Grab erreicht hat. Das sind die Folgen der
Verhetzung und Aufpeitschung aller niedrigen Triebe, die von völkischer
Seite ausgeht. Unter der Einwirkung solcher Einflusse ist den Tätern das
Gefühl der Pietät vor den Toten, das selbst den primitiven Völkern
eigen ist, verloren gegangen. Man sollte nicht glauben, dass eine solche Kulturschande
in einem Kulturstaate möglich ist. Wie lange noch will man die
Verhetzung, die solche Früchte zeitigt und dadurch das Ansehen
Deutschlands schändet, dulden? Auf die Ergreifung der Täter setzt die
Friedhofsverwaltung eine Belohnung von 500 Mark aus. Anzeige ist
erstattet, und die Nachforschungen werden mit aller Energie unternommen,
sodass zu hoffen ist, dass die Verbrecher gefasst und der verdienten
Strafe zugeführt werden können." |
Kurzer Bericht von einer Friedhofschändung 1931
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Mai 1931:
"Kitzingen. Der jüdische Friedhof (Gemeinde Rödelsee), der bereits
1929 geschändet wurde, ohne dass die Schandtat ihre Sühne fand, wurde
dieser Tage abermals heimgesucht. Zwei Grabsteine wurden umgeworfen." |
Lage des Friedhofes:
Der Friedhof liegt etwa 1 km außerhalb von Rödelsee am Fuß des
Schwanberges (an der Steige zum Schwanberg), erreichbar über
Weinbergwege.
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 12.5.2006)
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| Eine der Hinweistafeln zum
Friedhof |
Das Eingangstor |
Hinweistafeln am Eingang |
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Kleines Haus für die
Aufbewahrung von Geräten |
Der Davidstern über
dem
Gerätehaus |
Grabsteine u.a. für Nathan
Gerst und seine
Frau Jette geb. Frank (Doppelstein) sowie
für den Lehrer
aus Rödelsee Abraham Frank
und seine Frau Fanny geb. Mayer |
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Die Gedenkstätte
für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges; rechts die Tafel für die
Gefallenen des Friedhofsbezirkes Rödelsee
(aus Kitzingen, Marktbreit
usw.); auffallend die Symbolik auf den Grabsteinen: Stahlhelme, Schwerter,
Lorbeerkranz |
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| Teilansichten
älterer Friedhofsteile; die Grabsteine sind zum großen Teil stark
verwittert. |
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| Teilansichten
älterer Friedhofsteile |
Blick vom Friedhof nach
Rödelsee; rechts
die Gräber des 19./20. Jahrhunderts |
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Symbol der Krone für ein
Leben,
das eine Krone verdient hat |
Levitenkanne für einen
männlichen
Vertreter eines Levi-Familie |
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Grabsteine für Esther Fromm
und
Elieser Sohn des Simon |
Grabsteine für Jakob Rossmann
und
Max Stein aus Kitzingen, beide
im April 1937 gestorben |
Grabsteine u.a. für Doris
Mayer geb. Mendle,
Karoline Mayer geb. Lilienstrauß, Babette
Gerst geb.
Hahn, Berta Rosenbusch |
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Grabsteine aus der Zeit
um
1918 |
Grabstein für Johanna
Herzfelder
geb. Schönberger mit
Spuren der Zerstörung |
Abgebrochene Säule als Symbol
für eine
viel zu früh Verstorbene
(Clementine Fromm aus Kitzingen) |
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oben und unten: Grabstein für
Rabbiner
Dr. Joseph Wohlgemuth aus Kitzingen
(gest. 1935) |
Grabstein für Simon
Freudenberger,
Hauptlehrer in Flieden
(gest. 5.02.1936) |
Grabstein für Naphalie
Bamberger,
Kantor und Religionslehrer aus
Kitzingen (gest. 30.12.1938) |
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Grabstein für Schrage
Glückstein aus
Kitzingen mit Gedenkinschrift für die in
der NS-Zeit
ermordeten Geschwister |
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"Dieser Friedhof wurde
1938 unter
der Nazigewaltherrschaft zerstört und
1950 von Opfern des
Faschismus
wieder hergestellt" |
Die hebräischen Zeilen
übersetzt:
Oben: Zum Ewigen Gedenken.
Untere Hälfte: Ihre Seelen mögen
eingebunden sein in den Bund des
Lebens. |
Geschändete Grabsteine, die
außerhalb
des Friedhofes geborgen und 1904
auf den Friedhof
zurückgebracht
wurden |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens
in Bayern. 1988 S. 107-108. |
 | Michael Trüger: Der jüdische Friedhof in
Rödelsee.
In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern. 8. Jahrgang
Nr. 60 vom Dezember 1993 S. 18. |
 | Michael Schneeberger/Christian
Reuther: "Nichts mehr zu sagen und nichts zu beweinen. Ein jüdischer
Friedhof in Deutschland.". |

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