Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Sommerhausen am Main (Kreis Würzburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Sommerhausen bestand eine jüdische Gemeinde seit der Mitte des 18. Jahrhunderts. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurück: 1532 werden in einer Urkunde die Juden "Samvuel vnd Abraham zu Sumerhausen" genannt (Urkunde auf der Seite zu Goßmannsdorf).   

1813
wurde die Zahl der Matrikelstellen (Zahl der am Ort erlaubten jüdischen Familien) auf 19 festgesetzt (s.u.). Die Zahl der jüdischen Einwohner im 19. Jahrhundert entwickelte sich wie folgt: 1816 105 jüdische Einwohner (8,9 % von insgesamt 1.180 Einwohnern), 1867 78 (6,5 % von 1.201), 1890 62 (5,2 % von 1.201), 1900 59(5,1 % von 1.155), 1910 37 (3,2 % von 1.150). Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch Ab- und Auswanderung somit stark zurück. Die jüdischen Familien lebten insbesondere vom Handel mit Wein. 
  
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Sommerhausen auf insgesamt 19 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen, das Gewerbe wird nur in einem Fall angegeben): Moses Samuel Adler, Seeligmann Jacob Traub, Schmai Isaac Stopp, Benedikt Moses Rosenfelder, Abraham Jakob Stern, Elias Beer Stahl, Abraham Salomon Dorn, Nathan Samuel Grünkorn, David Jonas Franck, Jacob Wolf Strauß (Kleinhändler), Hertz Benjamin Baum, Nathan Beer Adler, Isaac Wolf Strauß, Aron Seeligmann Traub, Benjamin Isaac Schloß, Aron Levy Adler, Feifel Jüdlein Palm, Abraham Wolf Strauß, Joseph Benedikt Rosenfelder. Nicht in die Matrikel wurden aufgenommen, aber am Ort toleriert: Joseph Aron Barth, Samuel Aron Barth.     
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.) mit einer Religionsschule und der Lehrerwohnung sowie ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof Allersheim beigesetzt. Die jüdischen Kinder besuchten die allgemeine Ortsschule; nach einem Bericht des Herrschaftsgerichtes von 1820 gab es damit keine Probleme. Für den Religionsunterricht und die Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter tätig war (vgl. unten die Anzeigen zur Ausschreibung der Stelle). Unter den Lehrern ist in besonderer Erinnerung Philipp Mandelbaum, der seit 1900 in Sommerhausen angestellt war. Von seinem Sohn Hugo Mandelbaum (1901-1997) liegen die Lebenserinnerungen und damit auch Beschreibungen des jüdischen Lebens in Sommerhausen Anfang des 20. Jahrhunderts vor (s.Lit. und Text). Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Kitzingen.
     
Um 1925, als noch 24 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (2 % von ca. 1.200 Einwohnern) waren die Vorsteher der Gemeinde E. Stahl, R. Landecker und Max Strauss. 1932 ist Richard Landecker als einziger Vorsteher vermerkt. Er blieb dies bis zur Auflösung der Gemeinde (1938, siehe Bericht unten zu seinem 80. Geburtstag 1937).  
   
1933 lebten noch 21 jüdische Personen in Sommerhausen. Am 28. Juli 1938 wurde die Gemeinde offiziell aufgelöst. Damals lebten nur noch sechs jüdische Personen am Ort. Die anderen waren bis dahin emigriert oder in andere Orte verzogen. Auswandern konnten u.a. Hannchen Dorn (1936 nach New York) sowie Irma Lindner geb. Strauss mit den Kindern Erich und Ludwig Lindner (1938 nach Mexiko). Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Wohnungen der letzten jüdischen Einwohner demoliert. Anfang 1941 wurden noch drei jüdische Einwohner gezählt. Sie verließen am 6. Februar 1941 den Ort, darunter Mathilde Landecker, die bis zuletzt in der Lehrerwohnung der Synagoge lebte.    
     
Von den in Sommerhausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Paula Adler geb. Lindo (1882), Sofie Adler geb. Strauss (1881), Isidor Buchmann (1875), Max Buchmann (1879), Philipp Buchmann (1882), Martha Heinemann geb. Klaber (1900), Emma Jüngster geb. Stahl (1887), Grete Klaber (1907), Martha Klaber geb. Klaber (1900), Pauline Klaber geb. Strauss (1871), Mathilde Landecker geb. Strauss (1875), Ermestine Lichtenstein geb. Buchmann (1878), Leopold Löwenthal (1871), Rina (Rica) Lucas geb. Strauß (1869), Berta Malsch (1876), Elise Mantel geb. Palm (1865), Julius Palm (1869), Moritz Palm (1889), Lina Rapp geb. Adler (1872), Grete (Gretchen) Rosenzweig geb. Stahl (1888), Hede Rosenzweig (1924), Karl Stahl (1882), Lazarus Stahl (1881), Paula Stahl geb. Östreicher (1889), Ernst Strauss (1896), Hedwig Strauss (1897), Jenny Strauss (1894), Luise Therese Strauss (1911), Mary Strauss geb. Dessauer (1885), Milton Strauss (1899), Samuel Siegfried Strauss (1878), Selma Sundheimer geb. Gallinger (1903), Sigmund Sundheimer (1885), Therese Gertrud Sundheimer (1927), Frieda Wolff geb. Buchmann (1873), Helene Wolf geb. Buchmann (1872).        
  
  
  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde

Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibungstexte für die Stelle des Religionslehrers, Vorsängers und Schächters 1879 / 1891 / 1892 / 1898 / 1900

Sommerhausen Israelit 08011879.jpg (39006 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1879: "Vakanz. Durch Berufung unseres Herrn Lehrers nach Frankfurt am Main ist die Religionslehrer-, Vorsänger- und Schächterstelle dahier erledigt. Dieselbe trägt: Persönlichen festen Gehalt  Mk. 470, Beheizung der Schule Mk 50, Wohnungs-Anschlag im neugebauten Gemeindehause  Mk 100, Erträgnisse der Schächterfunktion ohne Garantie ca. Mk. 400 und noch besondere Nebenverdienste. 
Gesuche sind franco zu richten an den Vorstand der israelitischen Kultgemeinde zu Sommerhausen bei Würzburg."   
 
Sommerhausen Israelit 31081891.jpg (32593 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1891: "Die Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle dahier ist vakant. Der Gehalt ist 400 Mark freue Wohnung nebst 25 Mark Entschädigung für Heizung des Schullokales. Das Erträgnis der Schächterfunktion beträgt mit den sonstigen Nebenverdiensten ca. 4-500 Mark. Bewerber wollen sich innerhalb 14 Tagen anher melden. 
Sommerhausen, 26. August 1891. Der Israelitische Kultus-Vorstand."
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Mai 1892: "Die Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle dahier ist in Folge Ablebens der seitherigen Inhabers vakant. 
Der Gehalt ist 400 Mark, freie Wohnung nebst 250 Mark Entschädigung für Heizung des Schullokales. 
Das Erträgnis der Schächterfunktion beträgt mit den sonstigen Nebenverdiensten ca. 4-500 Mark. 
Dem Gewählten ist die Aussicht geboten, wahrscheinlich die Schächterfunktion und die Erteilung des Religionsunterrichtes einer Nachbargemeinde übertragen, zu erhalten. 
Bewerber wollen sich innerhalb 14 Tag anher melden. Sommerhausen, 6. Mai 1892. 
Der Israelitische Kultus-Vorstand: Julius Sichel".
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. September 1898
"Die Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle dahier ist vakant. Der Gehalt ist Mark 425, bei freier Wohnung. Material zur Beheizung des Schullokales wird von der politischen Gemeinde verabreicht. Das Erträgnis der Schächterfunktion beträgt mit den sonstigen Nebenverdiensten ca. 5 - 600 Mark. Bewerber, wovon verheiratet mit kleiner Familie den Vorzug erhalten, wollen sich innerhalb 14 Tagen anher melden. 
Sommerhausen, 11. September (1898). 
Julius Sichel,
Kultusvorstand."     
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. September 1900
"Die hiesige Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle ist vakant. Das Erträgnis derselben beläuft sich auf ca. 1.200 Mark. Reflektanten (wovon verheiratete bevorzugt werden), belieben Zeugnisse einzusenden an 
Julius Sichel
Kultusvorstand, Sommerhausen am Main."

        
Ergebnis einer Spendensammlung für die Lehrerwitwe Bischkowitz (1884) 

Sommerhausen Israelit 01121884.jpg (317461 Byte)  Sommerhausen Israelit 01121884a.jpg (318129 Byte) Links: Aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Dezember 1884: Ergebnis einer Spendensammlung für die in Not geratene Lehrerwitwe Bischkowitz - ein Musterbeispiel hervorragender jüdischer Solidarität und gegenseitiger Wohltätigkeit. 

       
Zum Tod von Amalie Löwenthal, Witwe des Lehrers J. Löwenthal (1928)  

Sommershausen Israelit 23081928.jpg (75780 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1928: "Frau Amalie Löwenthal - sie ruhe in Frieden. Im hohen Alter von fast 87 Jahren verschied plötzlich am ersten Tag der sieben Wochen des Trostes (erster Tag ist der 10. Aw = 27. Juli 1928) Frau Amalie Löwenthal, die Gattin des ihr um etwa zwei Jahrzehnte im Tode vorausgegangenen, als besonders gottesfürchtiger Mann allbekannten Lehrers und Schochets J. Löwenthal - seligen Andenkens. Unermüdlich war sie darauf bedacht, ihr Haus zu einem kleinen Heiligtum zu gestalten und die von ihr und ihrem Gatten gehegten Ideale zur Entfaltung zu bringen, was ihr auch gelungen ist. In den Gemeinden Karbach, Lohr und Sommerhausen in Bayern hatte sie reichlich Gelegenheit, mustergültig und beispielgebend zu wirken. Später zog sie mit ihrem Gatten hierher (= Frankfurt). Nach dem Heimgang ihres Gatten und der Verheiratung ihrer Kinder zog sie sich zurück, sich an dem Gedeihen ihrer Kinder und Enkel erfreuend. Möge ihnen allen der Verdienst der frommen Frau beistehen. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   


    
Berichte zu einzelnen Personen der Gemeinde 
Zum Tod von Fanni Strauß geb. Flamm (1876)  

Sommerhausen Israelit 13091876.jpg (97253 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. September 1876: "Sommerhausen, 4. September (1876). Wohl nur, weil ein solches Wesen zu gut für diese Welt, hat es der Allgütigen Vorsehung gefallen, Frau Fanni Strauß, geb. Flamm von Nenzenheim, Gemahlin des Seligmann Strauß in Sommerhausen abzuberufen, nachdem es ihr kaum vergönnt war, die Freuden des Lebens kennen zu lernen, sterbend, nachdem sie kaum ihr neugeborenes Knäblein, die Frucht ihrer bloß 1 1/2jährigen Ehe, an ihr brechendes Herz drücken konnte, scheidend einen Tag bevor ihr Allerliebstes in den Abrahamsbund aufgenommen.
Wohl selten wird der Beschneidungsakt in solcher Traurigkeit vollzogen worden sein, als hier. Dieses Biederweib - eine tüchtige Frau - lebte als Israelitin fest nach den Satzungen, als Gattin treue Liebe und Milde spendend, als Frau bescheiden, anspruchslos und überaus mildtätig. Durch ihr bescheidenes anspruchsloses Wesen sowie durch ihre Nächstenliebe und Leutseligkeit hatte sie die Herzen aller gewonnen und wurde ihr die Liebe und Achtung in reichstem Maße erwiesen, sodass ihr Scheiden allseitig die schmerzlichste Teilnahme von allen Konfessionen hat. (hebräisch und deutsch:) Hinweg ist der Glanz, geschwunden die Pracht, dahin ist die Herrlichkeit! Doch ihr besseres Ich lebt in jenen höheren Sphären als Schutzgeist ihres leider nur allzu früh verwaisten Söhnchens fort. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.   J.L."   

   
Zum Tod von Babette Stahl (1908)  

Sommerhausen Israelit 02041908.jpg (64593 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. April 1908: "Sommerhausen, 12. März (1908). Heute wölbte sich der Grabeshügel über die irdischen Reste einer Frau, die sich durch ihre Frömmigkeit und Herzensgüte ein unvergängliches Denkmal im Herzen aller, die sie kannten, gesetzt hat. Frau Babette Stahl erreichte nur ein Alter von 54 Jahren und erfreute sich allgemeiner Verehrung und Wertschätzung, was sich bei der überaus großen Beteiligung an der Beisetzung zeigte. Die Herren Distriktsrabbiner Adler aus Kitzingen und Lehrer Goldstein aus Heidingsfeld gaben der allgemeinen Trauer beredten Ausdruck. Das Andenken der Frommen wird ein gesegnetes sein! Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." 

  
Zum 80. Geburtstag des Kultusvorstehers Richard Landecker (1937!)

Sommerhausen Israelit 03061937.jpg (85691 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juni 1937: "Sommerhausen, 30. Mai (1937). Am 9. Juni begeht der Kultusvorsteher, Herr Richard Landecker, seinen 80. Geburtstag. Nach einem arbeitsreichen Leben übernahm er als Siebzigjähriger die Leitung der alten fränkischen Kleingemeinde und konnte sie bis heute vor dem Verfall retten. Obwohl seit einiger Zeit nur noch wenige Familien hier wohnen, hat er es, unterstützt vom Verband bayerischer israelitischer Gemeinden und der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg, fertig gebracht, den Gottesdienst an den Feiertagen aufrecht zu erhalten und den Religionsunterricht den Kindern zu sichern. Dass ihm das gelingen konnte, ist ein Erfolg seiner überragenden Persönlichkeit. Möge seine sichere Hand noch lange die Geschicke der Gemeinde zum Guten lenken. (Alles Gute) bis 120 Jahre." 

        
Über Hugo (Chaim) Mandelbaum (1901-1997)     
Aus dem Buch von Hugo Mandelbaum: Jewish Life in the Village Communities of Southern Germany 
(Auszug)
 
Anmerkung zur Person von Hugo Mandelbaum (nach Strätz: Biographisches Handbuch der Würzburger Juden I,368):  geb. 19. Oktober 1901 in Sommerhausen als Sohn des Lehrers Philipp Mandelheim aus Platz/Ufr. und der Rachel geb. Berlinger aus Braunsbach; aufgewachsen in Sommerhausen, wo sein Vater 1916 starb, Lehrerausbildung an der Israelitischen Präparandenschule in Höchberg. Unterrichtete dann an der Israelitischen Präparandenschule Burgpreppach, ab 1923 an der Talmud-Tora-Schule in Hamburg. In Hamburg nebenher Studium und 1934 Promotion in Geophysik; die wissenschaftliche Laufbahn wurde durch die NS-Zeit unterbrochen, im März 1939 nach Großbritannien emigriert, 1940 in die USA, 1940-1948 Lehrer und Direktor der Yeshivah Bet Yehuda in Detroit, 1948-1971 Professor für Geologie der Wayne State University in Detroit, Spezialist für Ozeanographie; lebte 1981 im Ruhestand in Jerusalem; starb am 25. Oktober 1997 in den USA). 

Memories of Early Childhood. S. 7-8: I was born in Sommerhausen, a walled townlet on the River Main in the South of Germany. Indeed the majority of the Jews in that part of the country were concentrated in small communities, each consisting of a few families living togeter in a close personal relationship, intensely interested in one another's well-being. All the people I know cared for each other, and this warm personal concern exerted a strong influence upon the younger generation. 
We lived in the Lehrer's (teacher's) house which belonged to the local Jewish community. It housed, on the ground floor, a synagogue on the right and a schoolroom on the left, while we occupied the apartment upstairs. It stood in the Hetchegass, a narrow side street paved with cobblestones. In front of the building was a narrow courtyard, surrounded by a wall, thus cutting us off from our neighbors completely. Broad stone steps led from the yard to the front entrance.  
A few elderly ladies were our next-door neighbors. One of them was hunchbacked. She would pat me gently whenever she met me in the Hetchegass. I loved this gesture, as well as the flowers on her windowsill on the first floor. Yet I felt a strange awe in her presence because of her misshapen body. To me she seemed to have some type of fairytale air about her. I had the eerie feeling that it would bode no good to dabble with such forces. Our sukkah was very near her house, on the inside corner of our yard, and I can still hear her gentle voice floating down from her window into our sukkah at night, 'Hugo, did you finish your soup?' This stimulated me more than my mother's urging. I would finish quickly to be able to reply affirmatively to her next call. She never needed to verify my reply by looking into my plate. I did not dare contemplate what consequences could result from such an inspection. Would the gentle hunchback change into a witch before coming to investigate? Or would her kindly smile disappear when I would next look at the flowers framing her window? Or would she stop patting my curly hair when we would meet again in the street?
.....
S. 13-14 My family's living quarters were, as previously mentioned, on the upper floor of the schoolhouse. In the frontroom, facing the street, stood my father's writing table and my mother's dresser. Between the dresser and the writing table was the Fensterbank, on which a chair was set for my mother. Its seat was level with the window. My mother kept all the things that needed to be repaired in a drawer of her dresser, and sitting in that chair at the window, she would do her sewing, mending, knitting, needlework and reading. She had a commanding view of the Hetchegass and could follow whatever was happening there.
In the corner facing the window stood the black iron stove. It reached from the floor to the ceiling. The wall between the kitchen and the front room was open where the stove stood, so that it stood half in one room and half in the other. The door for the firewood opened into the kitchen, and one of the stove's sides warmed the bedroom behind the living room. In winter, the food was cooked in this oven, partly in the kitchen where there was space for two pots and party in the living room where there was space for another two.
In the middle of the living room, over the table, hung a large kerosene lamp as well as our beautiful brass Shabbos-lamp. The highly polished, shiny brass of the Shabbos-lamp reflected the lights of its eight pointed star. Its quiet dignity and warm holiness permeated the room on Shabbath. 
I don't know how and when I learned to read. I do remember when I could not read but pretended to know how. In the synagogue, which was attached to the schoolhouse, I would sit on the bench behind the Almemor (bimah). Holding a small Benshele in my hand, I would pretend to daven. The synagogue was comparatively small. Yet its high windows reaching to the cealing, the aron kodesh and the Almemor of finely chiselled stone dreated a picture of splendor for my childish eyes.... 

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    

Anzeige der Eisenhandlung E. Stahl (1906)
   

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 3. Juni 1906: "Für mein Kurz- und Grobeisenwaren-Geschäft (Samstag und israelitische Feiertage geschlossen) suche ich einen branchekundigen, jungen Mann als 
Kommis
, der auch kleinere Touren besorgen kann. Kost und Logis frei. 
Genaue Offerten mit Lebenslauf, Zeugnisabschriften und Gehaltsansprüchen an  
E. Stahl,
Eisenhandlung, Sommerhausen am Main bei Würzburg."    

           
    
      

Zur Geschichte der Synagoge

Um 1819 wurde eine Synagoge erbaut; zuvor waren nach Angaben der Gemeindechronik von Sommerhausen schon zwei frühere Synagogen vorhanden, wovon die ältere 1705 abgebrochen werden musste und erst 1749 durch einen Neubau ersetzt werden konnte. Im Synagogengebäude befanden sich der Unterrichtsraum für den Religionsunterricht sowie die Lehrerwohnung (beschrieben bei Mandelbaum, siehe Text). Durch die zurückgegangene Zahl der jüdischen Einwohner fanden schon seit 1928 keine Gottesdienste mehr in der Synagoge statt. Bereits 1938 wurde das Gebäude als Getreidespeicher verwendet (seit 1941 als Unterkunft für Arbeiterinnen, später als Möbellager). Die jüdische Gemeinde wurde am 28. Juli 1938 aufgelöst. Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Synagogengebäude beschädigt (Fenster eingeschlagen). 
        
Nach 1945 kam das Synagogengebäude in den Besitz der katholischen Kirche und wird seit 1953 als Kirche verwendet. Viele Teile der alten Synagoge sind bis heute erhalten (Fenster, Eingangstür, Frauenempore, Aaron Hakodesch hinter dem Altar gut erkennbar).
   

Adresse/Standort der Synagoge: Casparigasse 2 (frühere Anschrift Hetschengasse 100).   
    

Fotos 
(Fotos Hans-Werner Büscher, Bad Oeynhausen, Aufnahmedatum 2005) 

Sommerhausen Synagoge105.jpg (80779 Byte) Sommerhausen Synagoge103.jpg (54297 Byte) Sommerhausen Synagoge104.jpg (57306 Byte)
Die ehemalige Synagoge 
von Sommerhausen
Seitenansichten
   
     
Sommerhausen Synagoge110.jpg (58786 Byte) Sommerhausen Synagoge108.jpg (85007 Byte) Sommerhausen Synagoge107.jpg (86429 Byte)
 Gedenk- und Hinweistafel
Sommerhausen Synagoge102.jpg (61204 Byte) Sommerhausen Synagoge100.jpg (58417 Byte) Sommerhausen Synagoge101.jpg (65604 Byte)
Blick zum Bereich 
des früheren Toraschreines
Blick in den 
ehemaligen Betsaal
Menora
       
    Sommerhausen Synagoge106.jpg (49228 Byte)    
         

    

          

Links und Literatur  

Links:

Website der Gemeinde Sommerhausen am Main  

Literatur:  

Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit A 85. 1988 S. 114.
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 403.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 499-500.
Jutta Sporck-Pfitzer: Die ehemaligen jüdischen Gemeinden im Landkreis Würzburg. Hg. vom Landkreis Würzburg. Würzburg 1988 S. 53-54.
Hugo Mandelbaum: Jewish Life in the Village Communities of Southern Germany. Feldheim Publications. Jerusalem 1985. 
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 236-237 .   
 
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Sommerhausen Lower Franconia. A Jewish community is known from the mid-18th century with a synagogue and school in the 19th. The Jews numbered 105 in 1816 and 21 in 1933 (total 1,109). Ten emigrated and nine left for other German cities in 1936-41. Jewish homes were wrecked on Kristallnacht (9-10 November 1938) and the last two Jews were deported to the Theresienstadt ghetto and Auschwitz, respectively, in 1942-43.  
   

    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 05. März 2014